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  • Er trat für die reine Anbetung ein
    Ahmt ihren Glauben nach
    • Der Prophet Elia

      KAPITEL ZEHN

      Er trat für die reine Anbetung ein

      1, 2. (a) In welcher Verfassung befanden sich Elias Landsleute? (b) Welcher Gegnerschaft musste Elia auf dem Karmel ins Auge sehen?

      ELIA beobachtete die Leute auf ihrem beschwerlichen Fußmarsch den Karmel hinauf. Ihre Armut und Not war ihnen selbst im Morgengrauen deutlich anzusehen. Dreieinhalb Jahre Dürre hatten ihre Spuren hinterlassen.

      2 Auch die 450 Propheten Baals stolzierten zum Gipfel. Sie hassten Elia, den Propheten Jehovas, leidenschaftlich. Wahrscheinlich dachten sie: „Jetzt hat Königin Isebel schon so viele Diener Jehovas hinrichten lassen — und dieser Mann wehrt sich immer noch gegen den Baalskult! Fragt sich nur, wie lange noch! Einer alleine kann niemals gegen uns alle ankommen.“ Auch König Ahab war mit seinem prächtigen Streitwagen gekommen. Er hatte ebenfalls nichts für Elia übrig (1. Kö. 18:4, 19, 20).

      3, 4. (a) Was machte Elia an dem bedeutsamen Morgen möglicherweise Angst? (b) Mit welchen Fragen werden wir uns befassen?

      3 Auf den einsamen Propheten wartete ein Tag, wie er ihn noch nie erlebt hatte. Vor seinen Augen bahnte sich einer der dramatischsten Kämpfe zwischen Gut und Böse an. Was ging Elia so früh am Morgen wohl durch den Kopf? Als „Mensch mit Gefühlen gleich den unseren“ waren ihm Ängste nicht fremd. (Lies Jakobus 5:17.) Und so viel steht fest: Umringt von einem treulosen Volk, einem abtrünnigen König und mordgierigen Baalspriestern, wurde ihm schmerzlich bewusst, wie allein er war (1. Kö. 18:22).

      4 Wie war Israel denn in diese Krise geraten? Und was macht Elia zu einem Glaubensvorbild für uns? Wie können uns seine Erlebnisse weiterbringen?

      Der Höhepunkt eines zähen Ringens

      5, 6. (a) Was für ein Kampf spielte sich in Israel ab? (b) Wodurch hatte König Ahab Jehova erzürnt?

      5 Lange Jahre musste Elia hilflos mit ansehen, wie das Beste, was sein Land und Volk zu bieten hatte, mit Füßen getreten wurde. Israel befand sich in einem zähen Ringen zwischen der wahren und der falschen Religion — zwischen der Anbetung Jehovas und dem Götzenkult der Nachbarvölker. Zur Zeit Elias spitzte sich dieser Kampf dramatisch zu.

      6 König Ahab hatte Jehova sehr erzürnt. Er hatte Isebel, die Tochter des Königs von Sidon, geheiratet. Sie war entschlossen, in Israel den Baalskult zu verbreiten und die Anbetung Jehovas auszurotten. Ahab erlag schnell ihrem Einfluss. Er baute einen Tempel und einen Altar für Baal und ging in der Verehrung dieser heidnischen Gottheit führend voran (1. Kö. 16:30-33).

      7. (a) Weshalb war der Baalskult so verwerflich? (b) Warum können wir sicher sein, dass sich die Bibel nicht widerspricht, was die Länge der Dürre in Elias Tagen betrifft? (Beziehe den Kasten mit ein.)

      7 Weshalb war der Baalskult so verwerflich? Er verdarb die Israeliten, sodass sich viele von Jehova abwandten. Noch dazu handelte es sich um eine abscheuliche und grausame Religion mit männlichen und weiblichen Tempelprostituierten, Sexorgien und sogar Kinderopfern. Schließlich schickte Jehova seinen Propheten Elia zu Ahab und ließ eine Dürre ankündigen, die so lange dauern sollte, bis Elia sie für beendet erklären würde (1. Kö. 17:1). Erst nach ein paar Jahren trat Elia erneut vor Ahab und forderte ihn auf, das Volk samt den Baalspropheten auf dem Karmel zu versammeln.a

      Die charakteristischen Merkmale der Baalsanbetung sind heute weit verbreitet

      8. Was hat der Bericht über den Baalskult uns heute zu sagen?

      8 Was hat dieses Geschehen uns zu sagen? Tempel und Altäre für Baal gibt es nicht mehr. Trotzdem ist der Bericht über den Baalskult weit mehr als längst vergangene Geschichte (Röm. 15:4). Das Wort „Baal“ bedeutet „Besitzer“ oder „Herr“. Jehova sagte den Israeliten, sie sollten ihn als ihren „ehelichen Besitzer“, ihren „Baal“, erwählen (Jes. 54:5). Heute dienen viele Menschen allen möglichen anderen „Herren“ als dem allmächtigen Gott: Sie widmen ihr Leben ganz dem Geld, dem Beruf, der Freizeit, sexuellen Vergnügungen oder irgendetwas anderem, was sie vergöttern (Mat. 6:24; lies Römer 6:16). Die charakteristischen Merkmale der Baalsanbetung sind heute weit verbreitet. Über die Probe auf dem Karmel nachzudenken kann uns daher helfen, weise zu entscheiden und dem richtigen Herrn zu dienen.

      Wieso „hinken“?

      9. (a) Warum war der Karmel der ideale Ort, den Baalskult zu entlarven? (Dazu auch die Fußnote.) (b) Was sagte Elia zu der versammelten Menge?

      9 Vom Karmel aus hatte man eine gute Fernsicht. Der Blick reichte vom Wildbachtal Kischon bis zum nahe gelegenen Großen Meer (Mittelmeer) und zum Libanongebirge am nördlichen Horizont.b Doch als an jenem entscheidenden Tag die Sonne aufging, bot sich ein düsteres Bild. Wie ein Leichentuch hatte sich die Dürre über das fruchtbare Land gelegt, das Jehova den Nachkommen Abrahams gegeben hatte. Der Boden war von der unbarmherzigen Sonnenglut völlig ausgedörrt — und alles nur wegen der Unvernunft von Gottes eigenem Volk. Als die Menge versammelt war, trat Elia vor und sagte: „Wie lange werdet ihr auf zwei verschiedenen Meinungen hinken? Wenn Jehova der wahre Gott ist, so folgt ihm nach; wenn es aber Baal ist, so folgt ihm nach“ (1. Kö. 18:21).

      10. Wieso hinkten Elias Landsleute auf zwei verschiedenen Meinungen, und was hatten sie vergessen?

      10 Was meinte Elia mit den Worten „auf zwei verschiedenen Meinungen hinken“? Den Israeliten war nicht bewusst, dass sie sich entweder für die Anbetung Jehovas oder den Baalskult entscheiden mussten. Ihrer Meinung nach konnten sie beides: Baal mit abscheulichen Riten besänftigen und Bitten an Jehova richten. Wahrscheinlich dachten sie, Baal werde über ihre Felder und Herden wachen und „Jehova der Heerscharen“ werde sie in der Schlacht beschützen (1. Sam. 17:45). Dabei hatten sie etwas ganz Grundlegendes vergessen, was auch heute vielen nicht klar ist: Nur Jehova allein verdient es, angebetet zu werden. Er fordert zu Recht ausschließliche Ergebenheit. Eine mit irgendwelchen Kulten vermischte Anbetung ist für ihn unannehmbar, ja sogar eine Beleidigung. (Lies 2. Mose 20:5.)

      11. Wozu könnte uns Elias Aufruf auf dem Karmel anregen?

      11 Die Israeliten schwankten hin und her wie jemand, der auf zwei Wegen gleichzeitig gehen will. Heute machen viele denselben Fehler. Sie lassen irgendwelche „Baale“ in ihr Leben eindringen und Gott beiseiteschieben. Elias Aufruf, nicht „auf zwei verschiedenen Meinungen zu hinken“, kann uns anregen, zu überprüfen, was in unserem Leben zuerst kommt und wie es um unsere Anbetung steht.

      Eine entscheidende Probe

      12, 13. (a) Was für eine Probe schlug Elia vor? (b) Wie können wir Elias Vertrauen nachahmen?

      12 Elia schlug nun eine Probe vor. Sie war denkbar einfach. Die Baalspriester sollten einen Altar bauen und ein Schlachtopfer darauflegen. Dann sollten sie ihren Gott bitten, das Opfer in Brand zu setzen. Elia würde dasselbe tun. Er sagte, dass der „Gott, der mit Feuer antwortet, der wahre Gott“ sei. Elia wusste genau, wer der wahre Gott ist. Sein Glaube war so stark, dass er nicht zögerte, seinen Gegnern Vorteile einzuräumen. Er ließ ihnen den Vortritt und so suchten sie sich einen Opferstier aus und riefen ihren Baal an (1. Kö. 18:24, 25).c

      13 Wir leben heute zwar nicht in einem Zeitalter der Wunder, aber Jehova hat sich nicht geändert. Wir können dasselbe Vertrauen in ihn haben wie Elia. Wenn andere zum Beispiel biblischen Lehren widersprechen, können wir sie ruhig reden lassen. Wie Elia können wir darauf vertrauen, dass sich der wahre Gott der Sache annimmt. Deshalb werden wir uns nicht auf unsere eigene Weisheit verlassen, sondern uns auf Gottes Wort stützen, das zum „Richtigstellen der Dinge“ da ist (2. Tim. 3:16).

      Für Elia war der Baalskult ein lächerlicher Schwindel, und er wollte, dass auch Gottes Volk das erkannte

      14. Wie verspottete Elia die Baalspropheten, und warum?

      14 Die Baalspropheten bereiteten nun ihr Opfer vor und riefen ihren Gott an. „O Baal, antworte uns!“, schrien sie immer wieder. Es vergingen Minuten und schließlich Stunden. „Aber da war keine Stimme, und niemand antwortete“, heißt es in der Bibel. Um die Mittagszeit fing Elia an zu spotten und meinte sarkastisch, Baal sei wohl zu beschäftigt, um ihnen zu antworten. Vielleicht sei er austreten gegangen oder er mache ein Nickerchen und man müsse ihn aufwecken. „Ruft mit lautester Stimme“, forderte Elia die Scharlatane auf. Für ihn war der Baalskult ein lächerlicher Schwindel, und er wollte, dass auch Gottes Volk das erkannte (1. Kö. 18:26, 27).

      15. Was zeigt, dass es unsinnig ist, einem anderen Herrn als Jehova zu dienen?

      15 Daraufhin führten sich die Baalspriester noch wahnsinniger auf. „Sie begannen mit lautester Stimme zu rufen und sich nach ihrem Brauch mit Dolchen und mit Lanzen zu schneiden, bis sie Blut über sich herabfließen ließen.“ Doch alles umsonst! „Da [war] keine Stimme . . . , und niemand antwortete, und da war kein Aufmerken“ (1. Kö. 18:28, 29). Da war kein Baal! Satan hatte ihn erfunden, um Menschen von Jehova wegzulocken. Einem anderen Herrn als Jehova zu dienen führt immer zu Enttäuschung und Schande. (Lies Psalm 25:3; 115:4-8.)

      Das Ergebnis

      16. (a) Woran erinnerte sich das Volk wahrscheinlich, als Elia den Altar Jehovas ausbesserte? (b) Wodurch bewies Elia zusätzlich Vertrauen zu seinem Gott?

      16 Am späten Nachmittag war Elia mit Opfern an der Reihe. Er besserte einen Altar aus, der wahrscheinlich von Feinden Jehovas niedergerissen worden war. Elia nahm dazu 12 Steine. Das erinnerte viele aus dem 10-Stämme-Reich Israel womöglich daran, dass Gottes Gesetz für alle 12 Stämme erlassen worden war und immer noch galt. Dann legte Elia sein Opfer auf den Altar und ließ es mit Wasser übergießen. Das Wasser stammte vermutlich aus dem Mittelmeer. Rundherum ließ er einen Graben ausheben und mit Wasser füllen. Den Baalspropheten hatte er es leichter gemacht, seinem Gott machte er es schwerer. So sehr vertraute er Jehova (1. Kö. 18:30-35).

      An Elias Gebet sieht man, dass er seine Landsleute immer noch liebte; er wünschte, dass Jehova ihr Herz „zurückwandte“

      17. Was stellte Elia in seinem Gebet heraus, und wie können wir seinem Beispiel folgen?

      17 Als alles bereit war, betete Elia. In seinem Gebet stellte er mit einfachen, klaren Worten heraus, was ihm wichtig war: Erstens sollte bekannt werden, dass nicht Baal, sondern Jehova der Gott Israels war. Zweitens wollte er das Volk wissen lassen, dass er lediglich ein Diener Jehovas war; alle Ehre gebührte Gott. Und drittens wünschte er, dass Jehova das Herz des Volkes „zurückwandte“ (1. Kö. 18:36, 37). Trotz all des Elends, das die Israeliten durch ihre Untreue verursacht hatten, liebte Elia sie immer noch. Auch wir können in unseren Gebeten Demut und Achtung vor dem Namen Gottes erkennen lassen sowie Mitgefühl mit Menschen, die Hilfe brauchen.

      18, 19. (a) Wie erhörte Jehova Elias Gebet? (b) Was befahl Elia, und warum verdienten die Baalspriester keine Gnade?

      18 Vor dem Gebet fragte sich die Menge vielleicht, ob sich Jehova genauso wie Baal als Fantasiegebilde herausstellen würde. Nach dem Gebet gab es nichts mehr zu rätseln. Der Bericht sagt: „Hierauf fiel das Feuer Jehovas herab und verzehrte dann das Brandopfer und die Holzstücke und die Steine und den Staub, und das Wasser, das im Graben war, leckte es auf“ (1. Kö. 18:38). Was für eine spektakuläre Antwort! Und wie reagierte das Volk?

      Die Baalspropheten erleben, dass Elias Opfer durch Feuer vom Himmel verzehrt wird

      „Hierauf fiel das Feuer Jehovas herab“

      19 „Jehova ist der wahre Gott! Jehova ist der wahre Gott!“, riefen sie alle (1. Kö. 18:39). Endlich sahen sie es ein! Aber sie hatten bis jetzt überhaupt noch keinen Glauben bewiesen. Jehova als den wahren Gott anzuerkennen, wenn man nach einem Gebet Feuer vom Himmel fallen sieht — dazu gehört wahrhaftig nicht viel. Elia verlangte mehr von ihnen. Sie sollten etwas tun, was sie schon viele Jahre früher hätten machen sollen: nach dem Gesetz Jehovas handeln und die falschen Propheten und Götzendiener zu Tode bringen (5. Mo. 13:5-9). Diese Baalspriester waren erbitterte Feinde Jehovas und arbeiteten bewusst gegen ihn. Verdienten sie etwa Barmherzigkeit? Hatten sie denn mit den unschuldigen Kindern Erbarmen gehabt, die als Opfer für den Baal lebendig verbrannt worden waren? (Lies Sprüche 21:13; Jer. 19:5.) Für diese Männer konnte es keine Gnade geben! Elia ordnete ihre Hinrichtung an, und so kam es auch (1. Kö. 18:40).

      20. Warum sind Bedenken von Kritikern wegen der Hinrichtung der Baalspriester unbegründet?

      20 Manche Kritiker entrüsten sich über den Ausgang der Probe auf dem Karmel. Man befürchtet, religiöse Fanatiker könnten damit Gewalttaten rechtfertigen. Und leider sind gewaltbereite Extremisten heute keine Seltenheit. Doch Elia war kein Fanatiker. Er führte im Namen Jehovas eine gerechte Hinrichtung aus. Außerdem wissen echte Christen, dass sie nicht wie Elia zum Schwert greifen dürfen. Sie halten sich an den Maßstab, den Jesus für seine Nachfolger festlegte, als er zu Petrus sagte: „Stecke dein Schwert wieder an seinen Platz, denn alle, die zum Schwert greifen, werden durch das Schwert umkommen“ (Mat. 26:52). Zur gegebenen Zeit wird Jehova durch seinen Sohn dem Recht Geltung verschaffen.

      21. Warum ist Elia für Christen von heute ein gutes Vorbild?

      21 Von Christen wird erwartet, dass sie ihren Glauben Tag für Tag praktizieren (Joh. 3:16). Und da sind treue Menschen wie Elia ein gutes Vorbild. Elia betete einzig und allein Jehova an und forderte andere ebenfalls dazu auf. Mutig entlarvte er eine Religion als Betrug, durch die Satan Menschen von Jehova weglockte. Auch vertraute er nicht auf seine Fähigkeiten und seine Durchsetzungskraft, sondern darauf, dass Jehova alles richtigstellt. Ja, Elia trat für die reine Anbetung ein. Ahmen wir seinen Glauben nach!

      Wie lange dauerte die Dürre zur Zeit Elias?

      Eines Tages sagte der Prophet Elia zu König Ahab, die anhaltende Dürre werde bald zu Ende sein. Das tat er „im dritten Jahr“ — offensichtlich von dem Tag an gerechnet, an dem er sie ursprünglich angekündigt hatte (1. Kö. 18:1). Kurz danach schickte Jehova den Regen. Man könnte daher denken, die Dürre sei in ihrem dritten Jahr zu Ende gegangen und somit kürzer als drei Jahre gewesen. Doch sowohl Jesus als auch Jakobus sprechen davon, dass sie „drei Jahre und sechs Monate“ anhielt (Luk. 4:25; Jak. 5:17). Ist das ein Widerspruch?

      Ganz und gar nicht. Man muss Folgendes bedenken: Die normale Trockenzeit in Israel war ziemlich lang; sie konnte bis zu sechs Monate dauern. Zweifellos kündigte Elia die Dürre an, als die Trockenzeit schon außergewöhnlich lange anhielt und ungewöhnlich schwer war. Die Dürre hatte im Grunde genommen fast ein halbes Jahr zuvor begonnen. Als Elia ihr Ende bekannt gab — „im dritten Jahr“ von ihrer Ankündigung an gerechnet —, dauerte sie also schon beinahe dreieinhalb Jahre. Die vollen „drei Jahre und sechs Monate“ waren vorüber, als sich das ganze Volk zu der Probe auf dem Berg Karmel versammelte.

      Der Zeitpunkt, zu dem Elia Ahab das erste Mal aufsuchte, war gut gewählt. Das Volk glaubte ja, Baal sei der „Wolkenreiter“, der Gott, der Regen bringe. Hielt die Trockenzeit ungewöhnlich lange an, fragten sich die Leute also bestimmt: „Wo ist Baal? Wann schickt er uns endlich Regen?“ Elias Ankündigung, es werde erst auf sein Wort hin wieder Regen und Tau geben, muss für die Baalsanbeter niederschmetternd gewesen sein (1. Kö. 17:1).

      a Siehe den Kasten „Wie lange dauerte die Dürre zur Zeit Elias?“.

      b Der Karmel ist normalerweise üppig grün, denn die an den Hängen aufsteigenden feuchten Winde vom Meer her sorgen für reichlich Regen und Tau. Da Baal als Regengott galt, war dieser Berg wahrscheinlich eine bedeutende Stätte für den Baalskult. Ein unfruchtbarer, trockener Karmel war daher der ideale Schauplatz, den Baalskult als Schwindel zu entlarven.

      c Elia sagte zu ihnen ausdrücklich: „Doch sollt ihr kein Feuer daran [an das Schlachtopfer] legen.“ Götzendiener sollen manchmal Altäre mit einem geheimen Hohlraum benutzt haben. Von dort aus konnte das Opferholz unbemerkt — scheinbar auf übernatürliche Weise — angezündet werden.

  • Er war wachsam und wartete
    Ahmt ihren Glauben nach
    • Der Prophet Elia

      KAPITEL ELF

      Er war wachsam und wartete

      1, 2. Welche unangenehme Aufgabe musste Elia erledigen, und wodurch unterschied er sich von Ahab?

      ELIA sehnte sich danach, mit seinem himmlischen Vater allein zu sein. Doch die Menschenmenge um ihn herum hatte gerade miterlebt, wie dieser wahre Prophet Feuer vom Himmel herabgerufen hatte, und sicher wollten sich jetzt viele bei ihm einschmeicheln. Außerdem stand noch eine unangenehme Aufgabe an, bevor er zum Gipfel des Karmels hinaufsteigen und allein zu Jehova beten konnte. Er musste mit König Ahab sprechen.

      2 Die beiden Männer hätten kaum gegensätzlicher sein können. Ahab in seinem königlichen Prachtgewand war ein habgieriger, willensschwacher Abtrünniger. Elia trug die Amtstracht eines Propheten — ein einfaches Gewand, möglicherweise aus Fell oder aus gewebtem Kamel- oder Ziegenhaar. Er war ein mutiger, aufrechter Glaubensmann. Der Tag, der sich seinem Ende zuneigte, hatte viel über den Charakter der beiden Männer verraten.

      3, 4. (a) Warum war es für Ahab und andere Baalsanbeter ein schwarzer Tag gewesen? (b) Mit welchen Fragen wollen wir uns nun befassen?

      3 Für Ahab und die anderen Baalsanbeter war es ein schwarzer Tag gewesen. Der heidnischen Religion, für die König Ahab und seine Frau Isebel im 10-Stämme-Reich Israel eintraten, war ein schwerer Schlag versetzt worden. Baal war als ein Fantasiegebilde entlarvt worden. Dieser leblose Gott hatte es nicht geschafft, ein einfaches Feuer zu entfachen. Umsonst hatten die 450 Propheten zu ihm geschrien, wilde Tänze aufgeführt und sich rituelle Wunden zugefügt. Auch ihre verdiente Hinrichtung konnte Baal nicht verhindern. Und noch auf einem anderen Gebiet hatte der falsche Gott versagt — gründlich versagt. Mehr als drei Jahre lang hatten die Baalspropheten ihn angefleht, die schreckliche Dürre zu beenden, doch er war dazu nicht fähig. Bald würde Jehova der Dürre ein Ende machen und so beweisen, dass er der Höchste ist (1. Kö. 16:30 bis 17:1; 18:1-40).

      4 Aber wann unternahm Jehova etwas? Und wie verhielt sich Elia bis dahin? Was können wir von diesem Mann des Glaubens lernen? Sehen wir uns dazu den Bericht etwas näher an. (Lies 1. Könige 18:41-46.)

      Ein Mann des Gebets

      5. Wozu forderte Elia Ahab auf, und schien der König irgendetwas aus den Geschehnissen des Tages gelernt zu haben?

      5 Elia trat an Ahab heran und sagte: „Geh hinauf, iss und trink; denn da ist der Laut des Getöses eines Regengusses.“ Hatte dieser schlechte König irgendetwas aus den Geschehnissen des Tages gelernt? Darüber wird nichts ausdrücklich berichtet, aber nirgends ist etwas von Reue zu lesen. Nirgends steht, dass er sich von dem Propheten helfen lassen wollte, Jehovas Nähe und Vergebung zu suchen. Er ging einfach weg, „um zu essen und zu trinken“ (1. Kö. 18:41, 42). Und Elia?

      6, 7. Worum betete Elia, und warum?

      6 „Was Elia betrifft, so stieg er auf den Gipfel des Karmels und kauerte sich zur Erde nieder und hielt sein Angesicht zwischen seine Knie gelegt.“ Während Ahab seinen Magen füllte, bot sich Elia die Gelegenheit, zu seinem himmlischen Vater zu beten. Bemerkenswert ist seine demütige Körperhaltung: Elia kniete am Boden und hielt den Kopf so tief gesenkt, dass sein Gesicht fast die Knie berührte. Warum tat er das? Wir brauchen nicht lange zu raten. Wie aus Jakobus 5:18 zu erfahren ist, betete Elia, dass die Dürre aufhören möge. Wahrscheinlich sprach er dieses Gebet auf dem Karmel.

      Elia kniet am Boden und betet mit gesenktem Kopf

      In Elias Gebeten spiegelte sich sein sehnlicher Wunsch wider, den Willen Gottes verwirklicht zu sehen

      7 Elia betete also darum, dass Gottes Wille geschieht, denn Jehova hatte ja ausdrücklich gesagt: „Ich [will] Regen auf die Oberfläche des Erdbodens geben“ (1. Kö. 18:1). Auch Jesus lehrte seine Nachfolger rund tausend Jahre später beten: „Dein Wille geschehe“ (Mat. 6:9, 10).

      8. Was können wir von Elia über das Gebet lernen?

      8 Von Elia können wir viel über das Gebet lernen. Für ihn stand der Wille Gottes an erster Stelle. Beim Beten ist es immer gut, daran zu denken, dass Gott „uns hört, ungeachtet dessen, was wir gemäß seinem Willen bitten“ (1. Joh. 5:14). Dazu müssen wir natürlich wissen, worin sein Wille besteht. Ein guter Grund, sich jeden Tag mit der Bibel zu beschäftigen. Elia sehnte sicher auch deshalb ein Ende der Dürre herbei, weil seine Landsleute so sehr darunter litten. Und bestimmt war er von Herzen dankbar für das Wunder, das Jehova an diesem Tag gewirkt hatte. Auch wir möchten in unseren Gebeten Sorge um das Wohl anderer und tiefe Dankbarkeit zum Ausdruck bringen. (Lies 2. Korinther 1:11; Philipper 4:6.)

      Voller Vertrauen und wachsam

      9. Wozu forderte Elia seinen Bediensteten auf, und mit welchen beiden Eigenschaften werden wir uns beschäftigen?

      9 Elia war sich sicher, dass Jehova die Dürre beenden würde. Aber er wusste nicht genau, wann. Was tat der Prophet also in der Zwischenzeit? Wir lesen: „Dann sagte er zu seinem Bediensteten: ,Geh bitte hinauf. Halte Ausschau in Richtung zum Meer hin.‘ Da ging er hinauf und schaute und sprach dann: ,Da ist gar nichts.‘ Und er sagte weiter: ,Geh wieder hin‘, siebenmal“ (1. Kö. 18:43). Aus Elias Beispiel können wir mindestens zweierlei lernen: Gottvertrauen und Wachsamkeit.

      Elia hielt gespannt nach einem Anzeichen dafür Ausschau, dass Jehova etwas unternahm

      10, 11. (a) Wie zeigte Elia, dass er auf Jehovas Versprechen vertraute? (b) Warum können wir das gleiche Vertrauen haben?

      10 Weil Elia auf Jehovas Versprechen vertraute, hielt er gespannt Ausschau nach einem Anzeichen dafür, dass Jehova etwas unternahm. Sein Bediensteter sollte von einem hohen Aussichtspunkt aus beobachten, ob am Horizont irgendetwas auf Regen hindeutete. Doch er kam mit der ernüchternden Nachricht zurück: „Da ist gar nichts.“ Der Horizont war klar und der Himmel offenbar wolkenlos. Aber Moment mal! Hatte Elia nicht gerade zu König Ahab gesagt: „Da ist der Laut des Getöses eines Regengusses“? Wieso konnte der Prophet das behaupten, wenn doch keine Regenwolken zu sehen waren?

      11 Elia wusste, was Jehova versprochen hatte. Als sein Prophet und Repräsentant war er sich sicher, dass Jehova Wort halten würde. Elia vertraute seinem Gott so sehr, dass er den Regen quasi schon hörte. Das erinnert ein wenig an Moses, über den die Bibel sagt: „Er blieb standhaft, als sähe er den Unsichtbaren.“ Ist Gott für dich so real? Jehova liefert uns viele Gründe, fest auf ihn und seine Verheißungen zu vertrauen (Heb. 11:1, 27).

      12. Woran war Elias Wachsamkeit zu erkennen, und wie reagierte er auf die Nachricht von der kleinen Wolke?

      12 Nun zu Elias Wachsamkeit. Er schickte seinen Bediensteten nicht nur ein oder zwei Mal los, sondern sieben Mal. Das war für den Bediensteten bestimmt ermüdend, aber Elia wollte unbedingt ein Zeichen sehen und gab nicht auf. Beim siebten Mal konnte der Bedienstete endlich berichten: „Siehe! Da steigt eine kleine Wolke wie eines Mannes Handfläche aus dem Meer auf.“ Vielleicht streckte er den Arm aus und maß mit seiner Handfläche die Größe der Wolke, die am Horizont über dem Großen Meer aufstieg. Der Bedienstete war nicht unbedingt beeindruckt, wohl aber Elia. Er gab jetzt seinem Gehilfen dringliche Anweisungen: „Geh hinauf, sprich zu Ahab: ‚Spann an! Und geh hinab, dass der Regenguss dich nicht aufhalte!‘ “ (1. Kö. 18:44).

      13, 14. (a) Wie können wir wachsam sein wie einst Elia? (b) Was motiviert uns, Jehova in dem Bewusstsein zu dienen, dass die Zeit drängt?

      13 Wieder gibt uns Elia ein eindrucksvolles Beispiel. Auch wir leben in einer Zeit, in der Gott bald eingreifen und seinen erklärten Willen verwirklichen wird. Elia wartete auf das Ende einer Dürre. Wir erwarten das Ende eines korrupten Weltsystems (1. Joh. 2:17). Bis Jehova eingreift, müssen wir stets wachsam bleiben — genau wie Elia. Auch Gottes Sohn, Jesus, forderte seine Nachfolger auf: „Wacht deshalb beharrlich, weil ihr nicht wisst, an welchem Tag euer Herr kommt“ (Mat. 24:42). Meinte Jesus damit, seine Jünger wären über den Zeitpunkt des Endes völlig im Dunkeln? Nein, denn er sprach ausführlich darüber, wie es in der Welt aussehen würde, bevor das Ende kommt. Jeder kann beobachten, wie sich dieses detaillierte Zeichen des „Abschlusses des Systems der Dinge“ erfüllt. (Lies Matthäus 24:3-7.)

      Elia reichte eine kleine Wolke als Beweis, dass Jehova nun etwas unternehmen würde. Uns liefert das Zeichen der letzten Tage überzeugende Beweise, dass die Zeit drängt

      14 Jedes Detail des Zeichens ist für sich schon überzeugend. Motiviert uns das nicht, Jehova in dem Bewusstsein zu dienen, dass die Zeit drängt? Elia reichte eine kleine Wolke am Horizont als Beweis, dass Jehova nun etwas unternehmen würde. Wurde der treue Prophet enttäuscht?

      Erleichterung und Segen von Jehova

      15, 16. Was passierte nun, und was hat sich Elia wahrscheinlich gefragt?

      15 „Es geschah unterdessen, dass die Himmel selbst sich durch Wolken und Wind verfinsterten und ein starker Regenguss einsetzte. Und Ahab fuhr davon und begab sich nach Jesreel“ (1. Kö. 18:45). Es ging Schlag auf Schlag. Während Elias Bediensteter dem König die Botschaft des Propheten überbrachte, wurde aus der kleinen Wolke eine riesige Wolkenmasse, die den Himmel verdunkelte, und ein Sturm brach los. Endlich, nach dreieinhalb Jahren, fielen in Israel die ersten Regentropfen. Der ausgedörrte Boden sog das Wasser in sich auf. Als der Regen immer heftiger wurde, schwoll der Kischon an und wusch das Blut der hingerichteten Baalspropheten weg. Die halsstarrigen Israeliten erhielten jetzt die Chance, ebenfalls etwas wegzuwaschen: den Schandfleck der Baalsanbetung.

      Elia und andere Israeliten genießen in vollen Zügen den Regenguss

      „Ein starker Regenguss“ setzte ein

      16 Elia hoffte bestimmt darauf. Wahrscheinlich fragte er sich auch, wie Ahab auf die dramatischen Ereignisse reagieren würde. Würde er bereuen und dem abscheulichen Baalskult den Rücken kehren? Die Geschehnisse des Tages hatten ihm jedenfalls zwingende Gründe dafür geliefert. Natürlich wissen wir nicht, was in Ahab damals vorging. In der Bibel heißt es einfach: „Ahab fuhr davon und begab sich nach Jesreel.“ Hatte er etwas gelernt? Wollte er sich ändern? Die weitere Entwicklung deutet nicht darauf hin. Der Tag war jedoch noch nicht zu Ende — weder für Ahab noch für Elia.

      17, 18. (a) Was erlebte Elia auf der Straße nach Jesreel? (b) Was war bemerkenswert daran, wie Elia vom Karmel nach Jesreel lief? (Dazu auch die Fußnote.)

      17 Jehovas Prophet machte sich auf und nahm die gleiche Straße wie Ahab. Es war dunkel und nass, und eine lange Wanderung lag vor ihm. Aber dann passierte etwas Erstaunliches.

      18 „Die Hand Jehovas selbst kam über Elia, sodass er seine Hüften gürtete und dann den ganzen Weg nach Jesreel vor Ahab herlief“ (1. Kö. 18:46). „Die Hand Jehovas“ wirkte für Elia eindeutig ein Wunder. Immerhin lag Jesreel 30 Kilometer entfernt und Elia war nicht mehr der Jüngste.a Der Prophet nahm die Enden seines langen Gewands und befestigte sie an den Hüften, damit er mehr Bewegungsfreiheit hatte. Dann rannte er auf der aufgeweichten Straße so schnell, dass er den König in seinem Wagen überholte und hinter sich ließ.

      19. (a) An welche Prophezeiungen erinnern uns die Energie und die Ausdauer, die Gott Elia verlieh? (b) Was muss Elia deutlich gespürt haben, als er nach Jesreel lief?

      19 Elia verspürte eine Kraft, Vitalität und Ausdauer, wie er sie vielleicht noch nicht einmal in seiner Jugend gekannt hatte. Was für ein Erlebnis! Er muss sich überaus gesegnet gefühlt haben. Man denkt unwillkürlich an die Prophezeiungen vom Paradies, die treuen Menschen vollkommene Gesundheit und Kraft garantieren. (Lies Jesaja 35:6; Luk. 23:43.) Als Elia die schlammige Straße entlanglief, muss er deutlich gespürt haben, dass sein Vater Jehova, der allein wahre Gott, mit ihm war.

      20. Was müssen wir tun, um von Jehova gesegnet zu werden?

      20 Jehova möchte uns gern segnen. Und sein Segen ist jede Mühe wert. In unserer gefährlichen Zeit heißt es, wachsam zu sein wie Elia. Die Zeit drängt. Achten wir genau auf die untrüglichen Beweise dafür, dass Jehova bald eingreift. Wie Elia haben auch wir allen Grund, den Verheißungen Jehovas, des „Gottes der Wahrheit“, voll und ganz zu vertrauen (Ps. 31:5).

      a Kurz danach beauftragte Jehova ihn, Elisa anzulernen. Elisa wurde als der Mann bekannt, „der Wasser auf die Hände Elias gegossen hat“ (2. Kö. 3:11). Das ist offensichtlich ein Hinweis darauf, dass Elia bereits ein älterer Mann war, dem Elisa als Diener zur Hand ging.

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