-
„Hütet euch vor jeder Art von Habsucht“Der Wachtturm 2007 | 1. August
-
-
„Hütet euch vor jeder Art von Habsucht“
„Wenn jemand auch in Fülle hat, kommt doch sein Leben nicht aus den Dingen, die er besitzt“ (LUKAS 12:15).
1, 2. (a) Welche Interessen und Bestrebungen sind heute zu beobachten? (b) Wie könnte diese Einstellung auf uns abfärben?
GELD, Besitz, Ansehen, hohes Einkommen, Familie — all das gilt als Maßstab für Erfolg oder eine sichere Zukunft. In reichen wie armen Ländern konzentriert man sich vorwiegend auf materiellen Gewinn und sozialen Aufstieg. Mit geistigen Interessen — sofern noch vorhanden — geht es dagegen steil bergab.
2 Genau das wird in der Bibel vorhergesagt, denn es heißt, dass „in den letzten Tagen kritische Zeiten da sein werden, mit denen man schwer fertig wird. Denn die Menschen werden eigenliebig sein, geldliebend, . . . die Vergnügungen mehr lieben als Gott, die eine Form der Gottergebenheit haben, sich aber hinsichtlich deren Kraft als falsch erweisen“ (2. Timotheus 3:1-5). Tagaus, tagein unter solchen Menschen zu leben heißt, ständig Zwängen ausgesetzt zu sein, sich ihrer Mentalität und ihrem Lebensstil anzupassen. Wodurch können wir den Zwängen, uns „am Verhalten und an den Gewohnheiten dieser Welt“ zu orientieren, besser widerstehen? (Römer 12:2, Neues Leben).
3. Mit welchem Rat Jesu wollen wir uns jetzt befassen?
3 Jesus Christus, der „Hauptvermittler und Vervollkommner unseres Glaubens“, hinterließ uns in dieser Hinsicht deutliche Lehren (Hebräer 12:2). Als er einmal vor einer Menschenmenge über geistige Dinge sprach, fiel ihm ein Mann ins Wort und forderte ihn auf: „Lehrer, sag meinem Bruder, dass er die Erbschaft mit mir teile.“ In Erwiderung gab Jesus dem Mann — wie den anderen Zuhörern — einen ernsten Rat mit auf den Weg. Er warnte eindringlich vor Habsucht und verstärkte dies durch eine nachdenkliche Veranschaulichung. Es lohnt sich, das zu beachten, was Jesus bei jener Gelegenheit sagte, und zu überlegen, wie es persönlich anwendbar ist (Lukas 12:13-21).
Ein unpassendes Anliegen
4. Warum war es unpassend, dass der Mann Jesus ins Wort fiel?
4 Bevor Jesus von dem Mann unterbrochen wurde, warnte er seine Jünger und andere vor Heuchelei, riet ihnen, sich mutig zur Gemeinschaft mit dem Menschensohn zu bekennen, und sagte ihnen die Hilfe des heiligen Geistes zu (Lukas 12:1-12). Das war bestimmt etwas, was die Jünger beherzigen sollten. Mitten in diesem ans Gewissen appellierenden Vortrag fiel der Mann jedoch Jesus ins Wort und forderte ihn auf, in einem Familienzwist über die Verteilung von materiellem Besitz zu vermitteln. So störend das auch war, kann man doch etwas Wichtiges daraus lernen.
5. Was verriet der Mann durch sein Anliegen über sich?
5 Wie man sagt, zeigt sich der Charakter eines Menschen oft darin, woran er denkt, wenn er religiöser Ermahnung zuhört. Während Jesus über ernste geistige Dinge sprach, hing der Mann wohl dem Gedanken nach, wie er sich gewisse finanzielle Vorteile verschaffen könnte. Ob sein Anliegen, das Erbe betreffend, berechtigt war, wird nicht gesagt. Vielleicht wollte er Jesu gewichtige Stimme, die dieser aufgrund seines Rufs als weiser Richter in zwischenmenschlichen Fragen hatte, für sich ausnutzen (Jesaja 11:3, 4; Matthäus 22:16). Auf jeden Fall förderte sein Verhalten ein tief sitzendes Problem zutage — einen bedenklichen Mangel an Wertschätzung für geistige Dinge. Ist das nicht ein guter Grund, uns zu überprüfen? In den Zusammenkünften könnten wir beispielsweise unaufmerksam sein oder uns überlegen, was wir später tun wollen. Es wäre besser, gut zuzuhören und zu überlegen, wie das Gesagte unser Verhältnis zu unserem himmlischen Vater, Jehova Gott, und zu Mitbrüdern fördern kann (Psalm 22:22; Markus 4:24).
6. Warum kam Jesus der Aufforderung des Mannes nicht nach?
6 Weswegen auch immer der Mann an Jesus herantrat, Jesus hielt sich aus der Sache heraus. Er erwiderte ihm: „Mensch, wer hat mich zum Richter oder Erbteiler über euch gesetzt?“ (Lukas 12:14). In seiner Erwiderung benutzte Jesus ein damals vertrautes Vokabular, denn nach dem mosaischen Gesetz amtierten in den Städten Richter, die solche Fragen klärten (5. Mose 16:18-20; 21:15-17; Ruth 4:1, 2). Jesus hatte sich überdies Wichtigeres vorgenommen — den Menschen die Königreichsbotschaft zu verkündigen und sie Gottes Willen zu lehren (Johannes 18:37). Wir lassen uns wie Jesus nicht von weltlichen Streitfragen ablenken, sondern setzen unsere Zeit und Kraft lieber für die Verkündigung der guten Botschaft ein, um ‘Jünger aus Menschen aller Nationen zu machen’ (Matthäus 24:14; 28:19).
Hüten wir uns vor Habsucht
7. Welche tief gehende Beobachtung machte Jesus?
7 Jesus konnte die tiefsten Absichten des Herzens erkennen und wusste deshalb, dass der Aufforderung des Mannes, ihm in einer Privatangelegenheit zu helfen, etwas Ernsteres zugrunde lag. Jesus schlug ihm nicht bloß sein Anliegen ab, sondern sprach den Kern der Sache mit den Worten an: „Haltet eure Augen offen, und hütet euch vor jeder Art von Habsucht, denn wenn jemand auch in Fülle hat, kommt doch sein Leben nicht aus den Dingen, die er besitzt“ (Lukas 12:15).
8. Was ist Habsucht, und wohin kann sie führen?
8 Habsucht ist nicht der Wunsch, Geld für den alltäglichen Gebrauch zu haben und zweckvolle Dinge zu besitzen. Sie ist gemäß einem Wörterbuch die „charakterliche Veranlagung, aufgrund deren der Drang besteht, ständig sein Vermögen zu mehren u[nd] seinen Besitz zu erweitern“. Sie kann die unersättliche Gier nach etwas einschließen, was anderen gehört — nur um es zu haben, ungeachtet dessen, ob man es braucht oder wie es andere berührt. Wer habsüchtig ist, lässt sich von dem Objekt seiner Begierde im Denken und Handeln so stark beherrschen, dass es im Grunde genommen sein Gott wird. Wir erinnern uns, dass der Apostel Paulus Habsüchtige mit Götzendienern gleichsetzt, denen das Königreich Gottes verschlossen bleibt (Epheser 5:5; Kolosser 3:5).
9. Wie kann Habsucht zutage treten? Führe Beispiele an.
9 Interessanterweise warnte Jesus vor „jeder Art von Habsucht“. Habsucht hat viele Gesichter. Das letzte der Zehn Gebote lautet: „Du sollst nicht das Haus deines Mitmenschen begehren. Du sollst nicht die Frau deines Mitmenschen begehren noch seinen Sklaven noch seine Sklavin noch seinen Stier noch seinen Esel noch irgendetwas, was deinem Mitmenschen gehört“ (2. Mose 20:17). In der Bibel sind viele Beispiele für schwere Sünden zu finden, die aus irgendeiner Art Habsucht begangen wurden. Satan war der Erste, der etwas begehrte, was jemand anders gehörte: die Herrlichkeit, die Ehre und die Gewalt, die nur Jehova zustehen (Offenbarung 4:11). Eva begehrte das Selbstbestimmungsrecht, und weil sie sich dazu verleiten ließ, es zu beanspruchen, geht der Mensch seitdem den Weg der Sünde und des Todes (1. Mose 3:4-7). Die Dämonen waren Engel, die aus Unzufriedenheit „ihre eigene rechte Wohnstätte verließen“ und sich etwas anderes anmaßten (Judas 6; 1. Mose 6:2). Denken wir auch an Bileam, Achan, Gehasi und Judas. Sie waren mit ihrem Leben nicht zufrieden und ließen zu, dass sie aus einem übertriebenen Verlangen nach materiellem Besitz ihre Vertrauensstellung missbrauchten, und stürzten sich dadurch ins Verderben und in die Vernichtung.
10. Wozu sollten wir ‘unsere Augen offen halten’, wie Jesus mahnte?
10 Passenderweise schickte Jesus der Warnung vor Habsucht den Hinweis voraus: „Haltet eure Augen offen.“ Warum? Weil man schnell jemand anders als geldgierig oder habsüchtig einstuft, es sich aber selten selbst eingesteht. Wie jedoch der Apostel Paulus schrieb, ist „die Geldliebe . . . eine Wurzel von schädlichen Dingen aller Arten“ (1. Timotheus 6:9, 10). Der Jünger Jakobus erklärte, dass eine falsche Begierde, wenn sie befruchtet ist, Sünde gebiert (Jakobus 1:15). Gemäß Jesu Mahnung sollten wir ‘unsere Augen offen halten’, aber nicht, um zu sehen, ob die Beschreibung auf andere passt, sondern, um auf uns selbst zu achten, also worauf unser Herz gerichtet ist, damit wir uns ‘vor jeder Art von Habsucht hüten’ können.
Ein Leben im Überfluss
11, 12. (a) Mit welchen Worten warnte Jesus vor Habsucht? (b) Warum müssen wir Jesu Warnung ernst nehmen?
11 Wir müssen uns noch aus einem weiteren Grund vor Habsucht hüten. Beachten wir, was Jesus als Nächstes sagte: „Wenn jemand auch in Fülle hat, kommt doch sein Leben nicht aus den Dingen, die er besitzt“ (Lukas 12:15). In unserer materialistischen Zeit gibt dies bestimmt zu denken, da Reichtum und Wohlstand mit Glück und Erfolg gleichgesetzt werden. Jesus wollte sagen, dass ein wirklich sinnvolles und befriedigendes Leben keinesfalls von materiellem Besitz abhängt, sei er noch so groß.
12 Manche wenden jedoch dagegen ein, materieller Besitz mache das Leben angenehmer, erfreulicher und damit lohnenswerter. Deshalb widmen sie sich Bestrebungen, die ihnen alles bieten, was ihr Herz begehrt. Sie glauben, so hätten sie ein schönes Leben. Doch diese Überlegung geht an dem vorbei, was Jesus sagen wollte.
13. Was ist eine ausgeglichene Ansicht über das Leben und über Besitz?
13 Jesus konzentrierte sich nicht darauf, ob es richtig oder falsch ist, im Überfluss zu leben, sondern er wollte darauf hinaus, dass das Leben eines Menschen nicht aus „den Dingen [kommt], die er besitzt“, also aus dem, was er bereits hat. Eigentlich weiß jeder, dass man zum Leben an sich nicht viel benötigt. Man braucht nur etwas zu essen, etwas zum Anziehen und einen Ort zum Ausruhen. Die Reichen haben davon im Überfluss, und die Armen müssen sich abmühen, um ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Irgendwelche Ungleichheiten werden jedoch eingeebnet, wenn das Leben zu Ende geht — alles wird zunichte sein (Prediger 9:5, 6). Damit das Leben also sinnvoll und wertvoll ist, darf es nicht nur aus dem bestehen, was man kaufen oder besitzen kann. Das wird deutlich, wenn wir untersuchen, von welchem Leben Jesus sprach.
14. Was können wir dem biblischen Wort für „Leben“ entnehmen?
14 Als Jesus sagte, dass das ‘Leben nicht aus den Dingen kommt, die man besitzt’, gebrauchte er hier gemäß dem Lukasevangelium ein Wort für „Leben“ (griech.: zoé), das sich nicht auf die Lebensweise oder den Lebensstil bezieht, sondern auf das Leben an sich, auf das Leben im absoluten Sinn.a Ob wir reich sind und im Luxus leben oder arm sind und kaum unseren Lebensunterhalt bestreiten können, wir haben es, wie Jesus sagte, nicht selbst in der Hand, wie alt wir werden — nicht einmal, ob wir morgen noch am Leben sind. Jesus sagte in der Bergpredigt: „Wer von euch kann dadurch, dass er sich sorgt, seiner Lebenslänge eine einzige Elle hinzufügen?“ (Matthäus 6:27). Die Bibel zeigt deutlich, dass nur Jehova „der Quell des Lebens“ ist und nur er Treuen „das wirkliche Leben“ oder „das ewige Leben“, endloses Leben, gewähren kann, entweder im Himmel oder auf der Erde (Psalm 36:9; 1. Timotheus 6:12, 19).
15. Warum vertrauen manche auf materiellen Besitz?
15 Jesu Worte zeigen, wie leicht jemand eine verdrehte Ansicht über das Leben haben kann. Reiche wie Arme sind unvollkommen und haben ein und dasselbe Geschick. Moses, der vor langer Zeit lebte, beobachtete: „Die Tage unserer Jahre an sich sind siebzig Jahre; und wenn sie zufolge besonderer Kraft achtzig Jahre sind, geht ihr Drang doch nach Ungemach und schädlichen Dingen; denn es wird bestimmt schnell vorübergehen, und hinweg fliegen wir“ (Psalm 90:10; Hiob 14:1, 2; 1. Petrus 1:24). Deshalb verfallen Menschen, die kein gutes Verhältnis zu Gott haben, oft in die sprichwörtliche Denkweise, die der Apostel Paulus anführte: „Lasst uns essen und trinken, denn morgen werden wir sterben“ (1. Korinther 15:32). Andere spüren, wie ungewiss und vergänglich das Leben ist, und suchen Sicherheit und Stabilität in materiellem Besitz. Vielleicht meinen sie, viele physische, materielle, greifbare Dinge machten ihr Leben irgendwie sicherer. Daher plagen sie sich unermüdlich damit ab, Reichtum und Besitz zu vermehren, und verwechseln dies mit Sicherheit und Glück (Psalm 49:6, 11, 12).
Eine sichere Zukunft
16. Worauf beruht der wahre Wert des Lebens?
16 Ein höherer Lebensstandard — genug Nahrung und Kleidung, eine geräumige Wohnung und andere Annehmlichkeiten — kann das Leben zwar verschönern oder eine bessere Gesundheitsvorsorge ermöglichen und damit das Leben um einige Jahre verlängern. Wird das Leben dadurch aber wirklich sinnvoller und sicherer? Der wahre Wert des Lebens ist weder an dem erreichten Lebensalter abzulesen noch an der Menge all dessen, was sich jemand aufgehäuft hat. Der Apostel Paulus riet davon ab, diese Dinge überzubewerten. Und Timotheus wies er an: „Gib denen, die reich sind im gegenwärtigen System der Dinge, Weisung, nicht hochmütig zu sein und ihre Hoffnung nicht auf unsicheren Reichtum zu setzen, sondern auf Gott, der uns alle Dinge reichlich darbietet zum Genuss“ (1. Timotheus 6:17).
17, 18. (a) Welche herausragenden Beispiele in Bezug auf materiellen Besitz sind für uns nachahmenswert? (b) Welches Gleichnis Jesu wird im nächsten Artikel behandelt?
17 Seine Hoffnung auf Reichtum zu setzen ist unvernünftig, weil er „unsicher“ ist. Der Patriarch Hiob lebte in sehr guten Verhältnissen, doch als plötzlich ein Unglück nach dem anderen über ihn hereinbrach, nutzte ihm sein Reichtum nichts; er war über Nacht dahin. Nur sein gefestigtes Verhältnis zu Gott half ihm, die Schwierigkeiten und Drangsale durchzustehen (Hiob 1:1, 3, 20-22). Abraham ließ sich nicht wegen seines großen Besitzes davon abhalten, eine schwierige Aufgabe von Jehova anzunehmen, und er wurde mit der Verheißung gesegnet, „Vater einer Menge Nationen“ zu werden (1. Mose 12:1, 4; 17:4-6). Diesen und anderen guten Beispielen sollten wir folgen. Ob alt oder jung, wir müssen überprüfen, was wir in unserem Leben wirklich wichtig nehmen und worauf sich unsere Hoffnung stützt (Epheser 5:10; Philipper 1:10).
18 So kurz sich Jesus über Habgier und die richtige Ansicht über das Leben äußerte, so bedeutungsvoll und lehrreich sind seine Äußerungen. Jesus dachte jedoch noch an etwas anderes und erzählte dann ein nachdenklich stimmendes Gleichnis über einen unvernünftigen reichen Mann. Inwiefern ist diese Veranschaulichung für uns heute wichtig, und was können wir daraus lernen? Die Antworten enthält der nächste Artikel.
[Fußnote]
a Ein anderes griechisches Wort, das mit „Leben“ übersetzt wird, ist bíos, das in Wörtern wie „Biografie“ und „Biologie“ enthalten ist. Gemäß Vine’s Expository Dictionary of Old and New Testament Words bedeutet bíos die „Lebensspanne oder -dauer“, „die Lebensweise“ oder „die Mittel, die jemand zum Leben hat“.
-
-
Bist du ‘reich Gott gegenüber’?Der Wachtturm 2007 | 1. August
-
-
Bist du ‘reich Gott gegenüber’?
„So ergeht es dem Menschen, der Schätze für sich aufhäuft, aber nicht reich ist Gott gegenüber“ (LUKAS 12:21).
1, 2. (a) Wofür hat man gern große Opfer gebracht? (b) Welcher Herausforderung müssen wir begegnen, und welche Gefahr ist damit verbunden?
SCHATZSUCHE ist nicht nur bei Kindern als Spiel beliebt, sondern war in vielen Epochen und Ländern auch raue Wirklichkeit. Zum Beispiel lockte im 19. Jahrhundert der Goldrausch in Australien, Südafrika, Kanada und den Vereinigten Staaten Menschen aus fernen Ländern an. Sie waren bereit, Heimat und Familie zu verlassen, um in fremden, manchmal gefährlichen Ländern ihr Glück zu suchen. Ja, viele nehmen für ersehnten Reichtum extreme Risiken auf sich und bringen schwere Opfer.
2 Heutzutage begibt sich kaum noch jemand buchstäblich auf Schatzsuche, aber man strengt sich an, den Lebensunterhalt zu verdienen. Das kann in der Welt von heute schwierig, kräftezehrend und mühselig sein. Unversehens kann die Sorge um Nahrung, Kleidung und Obdach so groß werden, dass Wichtigeres zu kurz kommt oder gar vergessen wird (Römer 14:17). Jesus veranschaulichte genau diese menschliche Neigung in einem Gleichnis. Es ist in Lukas 12:16-21 nachzulesen.
3. Erzähle kurz Jesu Gleichnis aus Lukas 12:16-21.
3 Jesus benutzte diese Veranschaulichung, als er darüber sprach, sich vor Habsucht zu hüten. Darauf ist der vorige Artikel näher eingegangen. Jesus hatte zunächst vor Habsucht gewarnt und sprach dann über einen Reichen, der mit dem, was er besaß, nicht zufrieden war, obwohl seine Vorratshäuser mit guten Dingen gefüllt waren. Deshalb ließ er sie abreißen und neue, größere bauen, um sich noch mehr gute Dinge zurückzulegen. Als er sich dann zur Ruhe setzen und das Leben genießen wollte, teilt Gott ihm mit, dass sein Leben zu Ende geht und jemand anders all die guten Dinge bekommt, die er aufgehäuft hat. Abschließend fügte Jesus hinzu: „So ergeht es dem Menschen, der Schätze für sich aufhäuft, aber nicht reich ist Gott gegenüber“ (Lukas 12:21). Was können wir aus diesem Gleichnis lernen? Und wie lässt sich diese Einsicht im Leben anwenden?
Ein Mann in einer ungewöhnlichen Lage
4. Als was könnte der Mann, den Jesus in dem Gleichnis beschrieb, bezeichnet werden?
4 Die Veranschaulichung Jesu ist uns geläufig. Wir stellen fest, dass Jesus die Geschichte einfach mit dem Satz einleitete: „Das Land eines gewissen Reichen lieferte einen guten Ertrag.“ Jesus sagte nicht, der Mann habe sich auf hinterhältige oder unehrliche Weise bereichert. Der Reiche wurde nicht als schlecht beschrieben. Dem, was Jesus sagte, ist sogar zu entnehmen, dass der Mann in dem Gleichnis eher hart gearbeitet hat. Zumindest hat er, weil er vielleicht an seine Familie dachte, für die Zukunft vorgesorgt. Er könnte als fleißiger Mann gegolten haben, der seine Pflichten ernst nahm.
5. In welcher ungewöhnlichen Lage befand sich der Mann in Jesu Gleichnis?
5 Jedenfalls sprach Jesus in dem Gleichnis von einem Reichen, also von jemand, der im Überfluss lebte. Allerdings war seine Lage, wie Jesus es beschrieb, ungewöhnlich. Sein Land war ertragreicher als erwartet und brachte weit mehr hervor, als er brauchte und verwalten konnte. Was hätte er tun sollen?
6. Vor welcher Wahl stehen Diener Gottes heute des Öfteren?
6 Nicht selten befinden sich Diener Jehovas in einer ähnlichen Lage wie der Reiche. Sie bemühen sich, ehrlich, fleißig und gewissenhaft zu arbeiten (Kolosser 3:22, 23). Als Angestellte oder Selbstständige leisten sie gute oder gar hervorragende Arbeit. Wenn dann plötzlich eine Beförderung möglich wird oder sich Expansionsmöglichkeiten auftun, stehen sie vor einer Entscheidung. Sollten sie die Beförderung annehmen? Sollten sie ihren Betrieb vergrößern? Auch viele Jugendliche, die Zeugen Jehovas sind, kommen in der Schule überdurchschnittlich gut mit. Deshalb bietet man ihnen vielleicht Fördermöglichkeiten oder ein Stipendium für das Studium an einer namhaften Universität an. Sollten sie blindlings zugreifen und annehmen, was man ihnen anbietet?
7. Wie verhielt sich der Mann in Jesu Gleichnis in seiner ungewöhnlichen Lage?
7 Kehren wir zum Gleichnis Jesu zurück. Was unternahm der Reiche, als sein Land so ertragreich war, dass er die Ernteerzeugnisse nirgendwo lagern konnte? Er entschloss sich, seine Vorratshäuser abzureißen und größere zu bauen, um überschüssiges Getreide und andere Erzeugnisse zu lagern. Von diesem Vorhaben versprach er sich anscheinend große Sicherheit und Zufriedenheit, denn er dachte bei sich: „Ich will zu meiner Seele sagen: ,Seele, du hast viele gute Dinge für viele Jahre aufgehäuft; lass dir’s wohl sein, iss, trink und sei fröhlich‘ “ (Lukas 12:19).
Warum ‘unvernünftig’?
8. Welchen wichtigen Faktor hatte der Mann in Jesu Gleichnis übersehen?
8 Wie Jesus es darlegte, wiegte sich der reiche Mann durch sein Vorhaben in Sicherheit. So vernünftig alles zu sein schien, wurde doch etwas Wichtiges übersehen: der Wille Gottes. Der Mann dachte nur an sich, wie er es sich bequem machen und essen und trinken und es sich gut gehen lassen könnte. Er meinte, dass er wegen des Besitzes ‘vieler guter Dinge’ auch „viele Jahre“ etwas davon hätte. Aber leider ging alles ganz anders aus. Es war so, wie Jesus zuvor gesagt hatte: „Denn wenn jemand auch in Fülle hat, kommt doch sein Leben nicht aus den Dingen, die er besitzt“ (Lukas 12:15). Noch in derselben Nacht sollte der Mann von allem, wofür er gearbeitet hatte, nichts mehr haben, denn Gott sagte zu ihm: „Du Unvernünftiger, in dieser Nacht wird man deine Seele von dir fordern. Wer soll dann die Dinge haben, die du aufgespeichert hast?“ (Lukas 12:20).
9. Warum wurde der Mann in dem Gleichnis als unvernünftig bezeichnet?
9 Hier kommen wir zum Kern des Gleichnisses Jesu. Gott bezeichnete den Mann als unvernünftig. Die verschiedenen Formen des verwendeten griechischen Wortes „besagen immer einen Mangel an Vernunft“, wie in einem Bibelkommentar erklärt wird. Es wird dargelegt, dass in dem Gleichnis dieses griechische Wort von Gott so gebraucht wird, dass „die Sinnlosigkeit der Zukunftspläne des Reichen“ aufgedeckt wird (Exegetisches Wörterbuch zum Neuen Testament). Das Wort bezeichnet nicht jemand, dem es an Intelligenz fehlt, sondern „einen Menschen, der sich weigert, . . . seine Abhängigkeit von Gott zur Kenntnis zu nehmen“. Jesu Schilderung des Reichen erinnert an das, was er später der frühchristlichen Versammlung in Laodicea (Kleinasien) mitteilen ließ: „Du sagst: ,Ich bin reich und habe Reichtum erworben und benötige gar nichts‘, du [weißt] aber nicht . . ., dass du elend und bemitleidenswert und arm und blind und nackt bist“ (Offenbarung 3:17).
10. Warum ist der Besitz ‘vieler guter Dinge’ keine Garantie für „viele Jahre“ des Lebens?
10 Es ist gut, über den Ausgang der Sache nachzudenken. Könnten wir dem Mann in dem Gleichnis ähneln? Arbeiten wir sehr hart, damit wir „viele gute Dinge“ haben, vernachlässigen aber das, was uns die Aussicht auf „viele Jahre“ einträgt? (Johannes 3:16; 17:3). Die Bibel sagt: „Wertvolle Dinge werden am Tag des Zornausbruchs von keinem Nutzen sein“, und: „Wer auf seinen Reichtum vertraut — er selbst wird fallen“ (Sprüche 11:4, 28). Daher schloss Jesus das Gleichnis mit der Bemerkung ab: „So ergeht es dem Menschen, der Schätze für sich aufhäuft, aber nicht reich ist Gott gegenüber“ (Lukas 12:21).
11. Warum ist es zum Scheitern verurteilt, die Zukunft rein materiell absichern zu wollen?
11 Als Jesus sagte: „So ergeht es . . .“, wies er darauf hin, dass das, was dem Mann in dem Gleichnis widerfuhr, auch denen bevorsteht, die ihr Leben — ihren Besitz und ihre Zukunft — nur materiell absichern. Der Fehler liegt weniger darin, dass jemand „Schätze für sich aufhäuft“, als darin, dass er nicht ‘reich Gott gegenüber’ ist. Der Jünger Jakobus ließ eine ähnliche Warnung ergehen, als er schrieb: „Kommt nun, ihr, die ihr sagt: ,Heute oder morgen wollen wir in diese Stadt reisen und wollen dort ein Jahr zubringen, und wir wollen Geschäfte treiben und Gewinn machen‘, wobei ihr nicht wisst, was euer Leben morgen sein wird.“ Was riet er ihnen? „Stattdessen solltet ihr sagen: ,Wenn Jehova will, werden wir leben und auch dies oder jenes tun‘ “ (Jakobus 4:13-15). Wie reich jemand auch immer ist und wie viel er auch besitzt, alles wird sich als nutzlos erweisen, wenn er nicht reich ist Gott gegenüber. Was bedeutet es denn, Gott gegenüber reich zu sein?
Gott gegenüber reich sein
12. Was macht uns Gott gegenüber reich?
12 In Jesu Äußerung wird das Reichsein Gott gegenüber dem Aufhäufen materieller Schätze oder der materiellen Bereicherung gegenübergestellt. Jesus sagte daher, das Hauptziel im Leben dürfe nicht der Erwerb materiellen Reichtums sein oder die Freude an dem, was man besitzt. Wir sollten das, was wir besitzen, so verwenden, dass wir unser Verhältnis zu Jehova vertiefen. Das macht uns bestimmt reich Gott gegenüber. Warum? Es ermöglicht viele Segnungen. Die Bibel sagt uns: „Der Segen Jehovas — er macht reich, und keinen Schmerz fügt er ihm hinzu“ (Sprüche 10:22).
13. Wieso macht der Segen Jehovas reich?
13 Wenn Jehova sein Volk segnet, dann immer mit dem Besten (Jakobus 1:17). Das Heimatland, das Jehova zum Beispiel den Israeliten gab, war ein ‘Land von Milch und Honig’. Ägypten wurde zwar auch so bezeichnet, doch das Land, das Jehova den Israeliten gab, war in wenigstens einer wichtigen Hinsicht anders. Es war „ein Land, für das Jehova, dein Gott, sorgt“, sagte Moses zu den Israeliten. In anderen Worten, es sollte ihnen gut gehen, weil Jehova sich um sie kümmerte. Solange die Israeliten Jehova treu blieben, wurden sie von ihm reich gesegnet und führten ein Leben, das auffallend besser war als das der Nachbarvölker. Ja, Jehovas Segen „macht reich“! (4. Mose 16:13; 5. Mose 4:5-8; 11:8-15).
14. Was verspüren diejenigen, die Gott gegenüber reich sind?
14 Die Wendung „reich Gott gegenüber“ wird auch mit „reich für Gott“ (Lutherbibel) oder „Reichtum bei Gott“ (Neues Leben) wiedergegeben. Wohlhabenden liegt meist viel daran, dass andere sie bewundern. Das äußert sich oft in ihrem Lebensstil. Sie möchten andere durch das beeindrucken, was in der Bibel als „die auffällige Zurschaustellung der Mittel, die jemand zum Leben hat“, bezeichnet wird (1. Johannes 2:16). Wer dagegen Gott gegenüber reich ist, hat sein Wohlgefallen, steht in seiner Gunst, verspürt seine unverdiente Güte in übergroßem Maße und besitzt zu ihm ein inniges Verhältnis. In einem solch kostbaren Stand zu sein verleiht mehr Wohlgefühl und Geborgenheit, als materieller Reichtum es könnte (Jesaja 40:11). Es bleibt noch die Frage: Was müssen wir tun, um in den Augen Gottes reich zu sein?
In den Augen Gottes reich sein
15. Was müssen wir tun, um Gott gegenüber reich zu sein?
15 Der Mann in Jesu Gleichnis wollte reicher werden und arbeitete hart, und er wurde als unvernünftig bezeichnet. Gott gegenüber reich zu sein erfordert, uns in Betätigungen anzustrengen und voll einzusetzen, die wirklich wertvoll und lohnenswert in Gottes Augen sind. Dazu zählt, was Jesus gebot: „Geht daher hin, und macht Jünger aus Menschen aller Nationen“ (Matthäus 28:19). Unsere Zeit und Kraft sowie unsere Fähigkeiten nicht für den sozialen Aufstieg zu verwenden, sondern für das Predigen des Königreiches und das Jüngermachen, kann mit einer Kapitalanlage verglichen werden. Wer so investiert, darf sich in geistiger Hinsicht über hohe Dividendenausschüttungen freuen, wie die folgenden Erlebnisse zeigen (Sprüche 19:17).
16, 17. Welche Beispiele kannst du anführen, was für ein Lebensweg jemand in den Augen Gottes reich macht?
16 Nehmen wir als Beispiel einen Computertechniker in einem asiatischen Land. Er verdiente sehr gut. Doch sein Beruf ließ ihm fast keine Freizeit übrig und er verspürte eine innere Leere. Schließlich brach er seine berufliche Karriere ab und sattelte um. Nach seiner Kündigung verlegte er sich auf die Herstellung von Speiseeis und verkaufte es auf der Straße. Dadurch hatte er mehr Zeit für geistige Bedürfnisse und Verpflichtungen. Ehemalige Berufskollegen machten sich zwar lustig über ihn. Aber wie ging es aus? „Finanziell ging es mir besser als in der Computerbranche“, berichtete er. „Ich war zufriedener, weil ich nicht so viel Stress und so viele Sorgen wie bei der vorigen Arbeit hatte. Was noch wichtiger war, ich fühlte mich danach Jehova näher.“ Der Wechsel der Erwerbstätigkeit erlaubte es ihm, den Vollzeitpredigtdienst aufzunehmen, und gegenwärtig ist er in seinem Land im Zweigbüro von Jehovas Zeugen tätig. Der Segen Jehovas macht wirklich „reich“.
17 Ein weiteres Beispiel ist das einer Frau, die in einer Familie aufwuchs, in der Bildung großgeschrieben wurde. Sie studierte an Universitäten in Frankreich, in Mexiko und in der Schweiz und hatte eine verheißungsvolle Karriere begonnen. „Ich hatte Erfolg, Ansehen und genoss viele Privilegien“, sagte sie, „doch innerlich war ich leer, zutiefst unzufrieden.“ Dann hörte sie etwas über Jehova. Sie sagte: „Je mehr ich hinzulernte, umso mehr wollte ich Jehova gefallen und ihm für all das, was er mir geschenkt hat, ein wenig zurückgeben. Dadurch erkannte ich besser, welchen Weg ich einschlagen sollte: den Vollzeitdienst.“ Sie gab ihre Stellung auf und ließ sich bald darauf taufen. In den letzten 20 Jahren war sie im Vollzeitdienst tätig und glücklich. „Manche meinen, ich hätte meine Talente verkümmern lassen“, berichtet sie, „doch sie müssen zugeben, dass ich glücklich bin, und sie bewundern es, nach welchen Grundsätzen ich lebe. Jeden Tag bitte ich Jehova, demütig bleiben zu können, damit ich stets sein Wohlgefallen habe.“
18. Wie können wir wie Paulus Gott gegenüber reich sein?
18 Saulus, der spätere Apostel Paulus, hatte gute Aufstiegschancen. Doch er schrieb später: „Tatsächlich betrachte ich überhaupt auch alle Dinge als Verlust wegen des alles übertreffenden Wertes der Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn“ (Philipper 3:7, 8). Für Paulus übertraf der Reichtum, den er durch Christus erlangte, alles, was die Welt ihm hätte bieten können. Auch uns ist es möglich, ein Leben zu führen, das uns reich Gott gegenüber macht, wenn wir eigennützige Bestrebungen aufgeben und ein gottergebenes Leben führen. Gottes Wort versichert uns: „Die Folge der Demut und der Furcht Jehovas ist Reichtum und Herrlichkeit und Leben“ (Sprüche 22:4).
-