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Hat Gott unser Geschick bereits festgelegt?Der Wachtturm 1995 | 15. Februar
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Die Erben des Augustinus
Der Meinungsstreit um Prädestination und Willensfreiheit flammte während des Mittelalters immer wieder auf und spitzte sich während der Reformation zu. Luther sah in der Prädestination des Individuums eine freie Willensentscheidung von seiten Gottes, ohne daß dieser künftige Verdienste oder gute Werke der Erwählten vorausgesehen habe. Calvin kam zu einer radikaleren Schlußfolgerung mit seiner Vorstellung von der doppelten Prädestination: Einige sind zum ewigen Heil vorherbestimmt, andere zur ewigen Verdammung. Allerdings hielt auch Calvin die Entscheidung Gottes für willkürlich, ja für unbegreiflich.
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Hat Gott unser Geschick bereits festgelegt?Der Wachtturm 1995 | 15. Februar
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Auch innerhalb der reformierten, protestantischen Kirchen war die Diskussion alles andere als beendet. Gruppen wie die Remonstranten, Anhänger des Jakob Arminius, glaubten, der Mensch müsse zu seinem Heil selbst etwas beitragen. Die Dordrechter Synode der Reformierten Kirchen (1618—1619) setzte mit der Annahme einer strengen Form kalvinistischer Orthodoxie einen vorläufigen Schlußstrich unter den Richtungsstreit. Gemäß dem Buch L’Aventure de la Réforme — Le monde de Jean Calvin hatte der Streit über Prädestination und Willensfreiheit in Deutschland über viele Jahre hinweg „erfolglose Versuche der Versöhnung sowie Beschimpfungen und die Inhaftierung oder Verbannung von Theologen“ zur Folge.
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