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Pionierdienst am AmazonasDer Wachtturm 1988 | 15. November
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Wenn die Brüder sicher ans Ufer gelangt waren, bahnten sie sich den Weg durch eine Gruppe neugieriger, schwatzender Kinder, die sich gewöhnlich einfanden, und suchten nach dem Dorfhäuptling. Sie erklärten ihm kurz den Zweck ihres Besuchs und fragten, ob sie die als Schule oder Versammlungsraum dienende Hütte des Dorfes für einen biblischen Vortrag benutzen dürften. In der Regel gewährte er diese Bitte. Die Ankündigung erfolgte von Mund zu Mund, da die Kinder in alle Richtungen auseinanderliefen, um die Einladung zu verbreiten. Vor der Ansprache nutzte man den Tag, indem man von Hütte zu Hütte predigte. Die freundlichen und gastfreien Menschen nahmen gern unsere biblische Literatur entgegen. Wo das Geld knapp war, wurden die Bücher gegen Schildkröten, Affen, Hühner, Papageien, Früchte oder eine besonders schöne Orchidee getauscht.
Sofern es die Zeit erlaubte, wurden nachmittags Rückbesuche gemacht. Diejenigen, die außergewöhnliches Interesse bekundeten, bat man, ihre mecheros (Behälter) mit Petroleum und Docht mitzubringen, damit man Licht hatte. Um sieben Uhr saßen zumeist alle auf ihrem Platz, in der einen Hand die Lampe und in der anderen ihre Bibel. Nach Schluß des Vortrags kamen die Fragen. Glauben Jehovas Zeugen an ein Höllenfeuer? Inwiefern unterscheiden sich die Glaubensansichten der Zeugen von denen der katholischen Kirche? Die meisten waren angenehm überrascht, die Antworten in ihrer eigenen Bibel zu finden.
Freudige Erfahrungen
Nach einem solchen Vortrag kamen einmal ein Mann und seine Frau mit Tränen in den Augen zu den Pionieren. „Brüder, wir haben lange darauf gewartet, solche Worte wie heute abend zu hören“, sagte der Mann. „Wir lieben unser Land, und daher gefällt uns die Vorstellung von einem irdischen Paradies, das es uns ermöglicht, weiterhin darin zu wohnen. Und wer kommt eurer Meinung nach in den Himmel?“ Es war wirklich herzerfrischend, tief im Amazonasdschungel, fernab von jeder „Zivilisation“, solche schafähnlichen Menschen zu finden.
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Pionierdienst am AmazonasDer Wachtturm 1988 | 15. November
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Zwei Brüder blieben einmal mit dem Boot in der Nähe eines kleinen Dorfes, während die anderen einem Pfad durch den Urwald folgten. Über ihren Köpfen wölbten sich die Kronen riesiger Bäume, die nur wenig Sonnenlicht durchließen, und bunte Vögel schwirrten unter dem grünen Blätterdach hin und her. Nach einem 15minütigen Fußmarsch erreichten die Zeugen eine ziemlich große Lichtung. Sie brauchten fast eine Stunde, um in allen Hütten vorzusprechen. Als die Brüder gerade wieder gehen wollten, kam ein Mann, der sie inständig bat, über Nacht zu bleiben, da er viele Fragen habe. Einer der Pioniere blieb bei ihm, während die anderen zum Boot zurückgingen.
Der Pionier schlug vor, am Abend einen biblischen Vortrag zu halten. Die Kinder, die Pfade kannten, die die Brüder nicht bemerkt hatten, wurden losgeschickt, um die Nachbarn herbeizuholen. In der Zwischenzeit wurde im Dorf ein Bibelstudium durchgeführt, bei dem gewisse Kapitel aus dem Buch Die Wahrheit, die zu ewigem Leben führt verwendet wurden, die die Fragen des gastfreundlichen Mannes behandelten. Als die Hitze der abendlichen Kühle wich, entstand in einem Bambusgehölz plötzlich ein wüster Lärm. Hunderte von Sittichen schienen gleichzeitig loszuschreien, um die Kühle des Abends zu begrüßen.
Am frühen Abend hatten sich 20 Erwachsene und viele Kinder um den Redner versammelt. Eine helle Gaslaterne spendete zwar gutes Licht zum Lesen, zog aber auch Hunderte von Urwaldinsekten an. Der Vortrag war zur Hälfte gehalten, als der Redner plötzlich ein solches Insekt verschluckte. Jeder klopfte ihm auf den Rücken, lachte und brachte sein Mitgefühl zum Ausdruck. Schließlich konnte er den Vortrag beenden. Danach war alle Schüchternheit verflogen, und eine lebhafte Diskussion begann.
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