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Was sind Rassen überhaupt?Erwachet! 1993 | 22. August
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Was sind Rassen überhaupt?
RASSEN! Woran denkt man bei diesem Wort? Für manche ist es gleichbedeutend mit Diskriminierung und Unterdrückung. Andere verknüpfen damit Haßgefühle, Krawalle und sogar Mord.
Mit dem Begriff der Rasse verbindet sich die Vorstellung von unsagbarem menschlichem Leid und schlimmen Verwüstungen — von den Rassenkrawallen in den Vereinigten Staaten bis zur Apartheid in Südafrika, von den Kriegen zwischen ethnischen Gruppen in Osteuropa bis zu den Kämpfen in Ländern wie Sri Lanka und Pakistan.
Wie kommt das aber? Warum ist selbst in Ländern, wo die Leute dem Anschein nach generell tolerant sind, die Rassenproblematik ein so heikles Thema? Wieso entzünden sich daran so viele Unruhen und Ungerechtigkeiten? Oder einfach ausgedrückt: Warum kommen Menschen verschiedener Rassen nicht miteinander aus?
Um diese Fragen beantworten zu können, reicht es nicht aus, zu wissen, was Rassen sind und worin sie sich voneinander unterscheiden. Man muß auch verstehen, welche Rolle die Geschichte in den gegenwärtigen Beziehungen der Rassen zueinander spielt. Sehen wir uns als erstes einmal an, was die Wissenschaft zu diesem Thema sagt.
Das Problem, Menschen zu klassifizieren
Die verschiedenen Bevölkerungsgruppen der Erde weisen unterschiedliche körperliche Charakteristika auf. Dazu gehören unter anderem die Hautfarbe, die Gesichtszüge und die Haarstruktur. Solche äußerlichen Merkmale unterscheiden eine Rasse von der anderen.
So spricht man gemeinhin von Weißen und Schwarzen und lenkt dabei die Aufmerksamkeit auf die Hautfarbe. Doch man spricht auch von Lateinamerikanern, Asiaten, Skandinaviern, Juden und Russen. Diese Zuordnungen deuten weniger auf körperliche Charakteristika hin als vielmehr auf geographische, nationale oder kulturelle Unterschiede. Nach Auffassung der meisten bestimmt sich eine Rasse also nicht nur nach äußerlichen Merkmalen, sondern auch nach Bräuchen, Sprache, Kultur, Religion und Nationalität.
Interessanterweise haben manche Verfasser, die sich mit dieser Thematik auseinandersetzen, Bedenken, das Wort „Rasse“ überhaupt zu gebrauchen; sie setzen das Wort grundsätzlich in Anführungszeichen. Andere meiden es ganz und gar und verwenden statt dessen Ausdrücke wie „Menschenformen“, „Gruppen“, „Populationen“ oder „Formengruppen“. Wieso? Weil das Wort Rasse, wie es allgemein verstanden wird, so viele Komponenten hat und so vieles in sich schließt, daß ohne richtige Klärung des Begriffs der zur Diskussion stehende Punkt häufig verschleiert wird.
Biologen und Anthropologen definieren „Rasse“ gewöhnlich einfach als „Unterart, die sich durch erbliche körperliche Merkmale von anderen Populationen derselben Art unterscheidet“. Es erhebt sich jedoch die Frage, mit welchen Charakteristika verschiedene Gruppen innerhalb der Spezies Mensch beschrieben werden können.
Man hat Merkmale wie Hautfarbe, Haarfarbe und Haarstruktur, Augen- und Nasenform, Größe des Gehirns und Blutgruppe erwogen, doch keines davon hat sich bei der Klassifizierung der Menschenformen als völlig zufriedenstellend erwiesen. Das liegt daran, daß in der Natur keine Menschengruppe auftritt, die in solchen Merkmalen ohne Abweichung übereinstimmt.
Greifen wir die Hautfarbe als Beispiel heraus. Die meisten sind der Auffassung, man könne die Menschheit nach der Hautfarbe — weiß, schwarz, braun, gelb oder rot — problemlos in fünf Rassen unterteilen. Mit der weißen Rasse assoziiert man im allgemeinen weiße Haut, helles Haar und blaue Augen. In Wirklichkeit gibt es unter den Angehörigen der sogenannten weißen Rasse aber eine große Vielfalt an Haar-, Augen- und Hautfarben. In dem Buch The Human Species wird erklärt: „Nicht nur, daß es in Europa heute keine Populationen gibt, deren Angehörige überwiegend ein und demselben Typus zuzuordnen sind, es hat auch solche Populationen nie gegeben.“
Die Spezies Mensch zu klassifizieren ist in der Tat schwierig, wie in dem Buch The Kinds of Mankind eingeräumt wird: „Wir können wohl nur das eine feststellen: Wenn sich auch nicht alle Menschen gleichen und wir viele Aspekte deutlich erkennen, in denen sich Menschen äußerlich voneinander unterscheiden, haben die Wissenschaftler noch keine Übereinstimmung darüber erzielt, wie viele Menschenformen es genau gibt. Sie haben nicht einmal festlegen können, nach welchen Kriterien Menschen der einen oder anderen Rasse zuzuordnen sind. Manch ein Forscher ist geneigt, aufzugeben und zu sagen, daß das Problem einfach zu schwierig sei — daß es keine Lösung gebe.“
Das klingt wahrscheinlich alles etwas verwirrend. Warum bereitet es Wissenschaftlern, die offenbar ohne größere Schwierigkeiten Tiere und Pflanzen nach Gattung, Art und Unterart klassifizieren, so große Probleme, die Menschheit in Rassen zu unterteilen?
„Der gefährlichste Mythos des Menschen“
Dem Anthropologen Ashley Montagu zufolge sind viele der Ansicht, „körperliche und geistige Merkmale seien miteinander verknüpft, äußerliche Unterschiede stünden mit ziemlich ausgeprägten Unterschieden der geistigen Fähigkeiten in Zusammenhang und diese Unterschiede seien durch IQ-Tests und an den kulturellen Errungenschaften der Populationen zu messen“.
Da die verschiedenen Rassen unterschiedliche äußerliche Charakteristika besäßen, so glauben viele, seien bestimmte Rassen anderen intellektuell überlegen. Doch nach Meinung Montagus ist dieser Gedankengang „der gefährlichste Mythos des Menschen“. Andere Experten stimmen dem zu.
Morton Klass und Hal Hellman erklären in dem Buch The Kinds of Mankind: „Individuen unterscheiden sich ganz offensichtlich voneinander; in allen Populationen gibt es Genies und Schwachsinnige. Aber nach umfangreichen Forschungen haben verantwortungsbewußte Wissenschaftler keinen akzeptablen Beweis für genetische Unterschiede zwischen Populationen entdeckt, was Intelligenz und Begabung betrifft.“
Wieso halten dennoch etliche an der Ansicht fest, oberflächliche körperliche Unterschiede würden darauf hindeuten, daß die Rassen von Grund auf verschieden seien? Wie kommt es überhaupt, daß der Rassenbegriff so viele Kontroversen ausgelöst hat? Davon handelt der anschließende Artikel.
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Warum ist der Rassenbegriff so umstritten?Erwachet! 1993 | 22. August
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Warum ist der Rassenbegriff so umstritten?
SOLANGE es geschichtliche Aufzeichnungen gibt, beherrscht die Vorstellung von einer Kluft zwischen „den anderen“ und „uns“ das Denken der Menschen. Viele haben sich eingeredet, allein das eigene Volk bilde die Norm für richtiges Verhalten. Wissenschaftler nennen das Ethnozentrismus, die Auffassung, nur das eigene Volk und das eigene Verhalten zähle.
Die alten Griechen zum Beispiel hatten keine hohe Meinung von den „Barbaren“, den Nichtgriechen. Das Wort „Barbar“ leitet sich von der Art und Weise her, wie fremde Sprachen für griechische Ohren klangen — wie eine Menge unverständlicher „Bar-bar“-Laute. Schon die Ägypter fühlten sich anderen Völkern überlegen und später auch die Römer.
Über Jahrhunderte nannten die Chinesen ihr Land Zhongguo, das heißt „Reich der Mitte“, weil sie davon überzeugt waren, China sei das Zentrum der Welt, wenn nicht gar des Universums. Als dann europäische Missionare mit rotem Haar, grünen Augen und rötlicher Gesichtsfarbe nach China kamen, brandmarkten die Chinesen sie als „ausländische Teufel“. Aber auch die ersten Asiaten, die in Europa und Nordamerika auftauchten, wurden wegen ihrer Schlitzaugen und ihrer fremdartig wirkenden Bräuche rasch zur Zielscheibe des Spottes und des Argwohns.
Doch ein bedeutsamer Aspekt, der in dem Buch The Kinds of Mankind zur Sprache gebracht wird, sollte nicht übersehen werden: „Der Glaube an die eigene Überlegenheit ist eine Sache; etwas ganz anderes ist es, dies durch wissenschaftliche Erkenntnisse nachweisen zu wollen.“ Versuche, die Überlegenheit einer Rasse zu beweisen, sind eine relativ neue Erscheinung. Der Anthropologe Ashley Montagu schrieb, daß „die Vorstellung, es gäbe natürliche oder biologische Menschenrassen, die sich sowohl verstandesmäßig als auch äußerlich voneinander unterschieden, erst in der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts aufkam“.
Warum trat die Frage, ob man von einer rassischen Überlegenheit sprechen könne, im 18. und 19. Jahrhundert so stark hervor?
Sklavenhandel und Rasse
Einer der Hauptgründe ist, daß der einträgliche Sklavenhandel damals gerade seinen Höhepunkt erreicht hatte und Hunderttausende von Afrikanern gewaltsam ergriffen und in Europa und Amerika zur Sklaverei gezwungen wurden. Oft wurden Familien auseinandergerissen, wenn man Männer, Frauen und Kinder in unterschiedliche Länder schickte, so daß sie sich nie wiedersahen. Wie konnten Sklavenhändler und Sklavenbesitzer, die sich überwiegend als Christen bezeichneten, solch unmenschliche Handlungen rechtfertigen?
Dadurch, daß sie die Ansicht der naturgegebenen Unterlegenheit schwarzer Afrikaner propagierten. „Ich vermute fast, daß alle Neger, ja generell alle anderen Menschenarten den Weißen von Natur aus unterlegen sind“, schrieb David Hume, schottischer Philosoph des 18. Jahrhunderts. Hume behauptete, man finde „unter ... [den Schwarzen] keine genialen Erzeugnisse, keine Künste, keine Wissenschaften“.
Solche Behauptungen sind jedoch falsch. In der World Book Encyclopedia (1973) heißt es: „In verschiedenen Teilen Afrikas existierten vor Hunderten von Jahren hochentwickelte schwarzafrikanische Königreiche. ... Zwischen 1200 und 1600 gab es im westafrikanischen Timbuktu eine blühende negro-arabische Universität, die in ganz Spanien, Nordafrika und im ganzen Nahen Osten berühmt wurde.“ Allerdings übernahmen die am Sklavenhandel Beteiligten rasch die Auffassung von Philosophen wie Hume, wonach die Schwarzen eine den Weißen unterlegene Rasse seien, ja sogar auf einer niedrigeren Entwicklungsstufe stünden.
Religion und Rasse
Die Sklavenhändler wurden in ihren rassistischen Ansichten von führenden Geistlichen nur noch bestärkt. Schon in den 1450er Jahren sanktionierten päpstliche Edikte die Unterwerfung und Versklavung von „Heiden“ und „Ungläubigen“, damit ihre „Seelen“ in „Gottes Reich“ das Heil fänden. Da die europäischen Entdecker und Sklavenhändler den Segen der Kirche hatten, machten sie sich aus ihrer brutalen Behandlung der eingeborenen Völker kein Gewissen.
„In den 1760er Jahren wie auch in vielen späteren Jahrzehnten wurde die Versklavung der Schwarzen von katholischen, anglikanischen, lutherischen, presbyterianischen und reformierten Geistlichen und Theologen gebilligt“, ist in dem Buch Slavery and Human Progress zu lesen. „Keine der damaligen Kirchen oder Glaubensgemeinschaften bemühte sich, ihre Mitglieder vom Besitz schwarzer Sklaven oder vom Handel mit ihnen abzuhalten.“
Manche Kirchen redeten zwar von universeller christlicher Brüderlichkeit, doch gleichzeitig förderten sie Lehren, die die Rassenkontroverse verstärkten. Beispielsweise erklärt die Encyclopaedia Judaica: „Die Spanier gestanden den eingeborenen Rassen, die sie in Amerika vorfanden, erst nach langem Ringen und anhaltenden theologischen Diskussionen zu, daß sie Menschen mit einer Seele seien.“
Dem lag der Gedanke zugrunde, daß die Art und Weise, wie man die Angehörigen solcher eingeborenen Rassen behandelte, nebensächlich wäre, solange man ihre „Seele“ durch die Bekehrung zum Christentum „erlösen“ würde. Und was die Situation der Schwarzen anging, argumentierten viele Geistliche, Gott habe sie ohnehin verflucht. Zur Untermauerung dieses Standpunkts wurden Bibelstellen falsch angewandt. Die Geistlichen Robert Jamieson, A. R. Fausset und David Brown behaupten in ihrem Bibelkommentar: „Verflucht sei Kanaan [1. Mose 9:25] — dieser Urteilsspruch hat sich in der Vernichtung der Kanaaniter erfüllt, in der Erniedrigung Ägyptens und in der Versklavung der Afrikaner, der Nachkommen Hams“ (Commentary, Critical and Explanatory, on the Whole Bible).
In der Bibel steht ganz einfach nichts von der Lehre, daß der Vorfahr der schwarzen Rasse verflucht worden sei. In Wahrheit stammt die schwarze Rasse von Kusch ab, nicht von Kanaan. Im 18. Jahrhundert argumentierte John Woolman, der Standpunkt, daß dieser biblische Fluch dazu berechtige, Schwarze zu versklaven und ihnen ihre Naturrechte vorzuenthalten, sei „zu ungeheuerlich, als daß ein Mensch, der aufrichtig wünscht, nach festen Grundsätzen zu handeln, ihn anerkennen könnte“.
Pseudowissenschaft und Rasse
Auch die Pseudowissenschaft hat ihre Stimme erhoben, um die Theorie, die Schwarzen seien eine minderwertige Rasse, zu stützen. Das Werk Versuch über die Ungleichheit der Menschenrassen von Joseph de Gobineau, einem französischen Schriftsteller des 19. Jahrhunderts, legte das Fundament für viele ähnliche nachfolgende Werke. Darin unterteilte Gobineau die Menschheit in absteigender Rangordnung in drei getrennte Rassen: Weiße, Gelbe und Schwarze. Er behauptete, die einzigartigen Eigenschaften jeder Rasse lägen im Blut und somit würde jede Kreuzung durch Mischehen zur Degeneration und zum Verlust der höherstehenden Eigenschaften führen.
Nach Gobineaus Auffassung gab es einst eine reine Rasse weißer, hochgewachsener, blonder, blauäugiger Menschen, die er Arier nannte. Die Arier, so folgerte er, hätten die Zivilisation und das Sanskrit nach Indien gebracht, und sie hätten auch die Kulturen des alten Griechenland und des alten Rom begründet. Doch durch Mischehen mit den minderwertigen Einheimischen seien diese einst ruhmreichen Kulturen zusammen mit dem Genie und den guten Eigenschaften der arischen Rasse untergegangen. Gobineau behauptete, die Völker, die den reinen Ariern noch am nächsten stünden, seien in Nordeuropa zu finden, nämlich unter den nordischen und im erweiterten Sinne auch unter den germanischen Völkern.
Die fundamentalen Vorstellungen Gobineaus — die Unterteilung in drei Rassen, die Blutlinie und die arische Rasse — entbehrten jeder wissenschaftlichen Grundlage und werden von der heutigen Wissenschaftsgemeinde ganz und gar abgelehnt. Allerdings griffen andere sie begierig auf. Der Engländer Houston Stewart Chamberlain zum Beispiel war von den Ideen Gobineaus so angetan, daß er in Deutschland Wohnsitz nahm und die Meinung verfocht, nur durch die Deutschen bestünde Hoffnung, die Reinheit der arischen Rasse zu bewahren. Es versteht sich von selbst, daß die Werke Chamberlains in Deutschland von vielen gelesen wurden, was schlimme Folgen nach sich zog.
Die schlimmen Folgen des Rassismus
In seinem Buch Mein Kampf behauptete Adolf Hitler, das deutsche Volk sei die arische Herrenrasse, die zur Herrschaft über die Welt bestimmt sei. Hitler war der Meinung, die Juden, denen er die Sabotage der deutschen Wirtschaft vorwarf, stünden dieser erhabenen Bestimmung im Weg. Es kam so weit, daß die Juden und andere Minderheiten Europas vernichtet wurden, was unbestreitbar eines der dunkelsten Kapitel der Geschichte ist. Das waren die verheerenden Folgen rassistischer Vorstellungen, wie sie Gobineau und Chamberlain hatten.
Solche Greuel blieben indessen nicht auf Europa beschränkt. Jenseits des Ozeans, in der sogenannten Neuen Welt, brachte dieselbe Art unbegründeter Vorstellungen unbeschreibliches Leid über Generationen Unschuldiger. Die afrikanischen Sklaven in den Vereinigten Staaten wurden zwar nach dem Sezessionskrieg befreit, aber in etlichen Bundesstaaten wurden den Schwarzen durch die Gesetzgebung viele Privilegien versagt, deren sich andere Bürger erfreuten. Weshalb? Die weißen Bürger dachten, die schwarze Rasse habe nicht die intellektuellen Voraussetzungen zur Teilnahme an städtischen und kommunalen Verwaltungsaufgaben oder an der Regierung.
Wie tief rassistische Empfindungen verwurzelt waren, wird durch einen Fall deutlich, bei dem es um ein Gesetz gegen die Rassenmischung ging. Dieses Gesetz verbot Eheschließungen zwischen Schwarzen und Weißen. Ein Richter sagte in seinem Schuldspruch gegen ein Ehepaar, das dieses Gesetz übertreten hatte: „Der Allmächtige erschuf die Rassen weiß, schwarz, gelb, braun und rot, und er wies ihnen getrennte Erdteile zu, und hätte man diese Anordnung nicht mißachtet, gäbe es keinen Grund für solche Eheschließungen.“
Der Richter sagte das nicht im 19. Jahrhundert und auch nicht in einer rückständigen Gegend, sondern 1958 und nicht weiter als 100 Kilometer vom Kapitol entfernt. Tatsächlich hob das Oberste Bundesgericht der Vereinigten Staaten erst 1967 die Gesetze gegen Mischehen auf.
Solche diskriminierenden Gesetze — begleitet von Rassentrennung in Schulen, Kirchen und anderen öffentlichen Einrichtungen und der Benachteiligung bei der Arbeits- und Wohnungssuche — haben zu den Bürgerunruhen, Protesten und Ausschreitungen geführt, die in den Vereinigten Staaten und in vielen anderen Ländern an der Tagesordnung sind. Selbst wenn man von den Morden und der Zerstörung von Eigentum absieht, kann man den Schmerz, den Haß und die persönlichen Erniedrigungen und Leiden, die aus dem Rassismus resultieren, doch nur als unerträgliche Schande für eine sogenannte zivilisierte Gesellschaft betrachten.
Der Rassismus ist eine der entzweiendsten Kräfte geworden, mit denen die menschliche Gesellschaft zu kämpfen hat. Bestimmt tun wir alle gut daran, in uns zu gehen und uns zu fragen: Lehne ich grundsätzlich alle Lehren ab, die eine Rasse gegenüber anderen als überlegen hinstellen? Habe ich mich bemüht, irgendwelche vielleicht noch schwelenden Gefühle rassischer Überlegenheit zu überwinden?
Es ist auch durchaus angebracht, daß wir uns fragen: Besteht die Hoffnung, daß rassistische Vorurteile und Konflikte, die heute überhandnehmen, je ausgemerzt werden? Können Menschen mit unterschiedlicher Nationalität, Sprache und Kultur in Frieden zusammen leben?
[Bilder auf Seite 7]
In den Augen vieler Weißer standen die Schwarzen auf einer niedrigeren Entwicklungsstufe
[Bildnachweis]
Reproduziert aus: Despotism—A Pictorial History of Tyranny
[Bild auf Seite 8]
NS-Vernichtungslager waren eine verheerende Auswirkung rassistischer Vorstellungen
[Bildnachweis]
Foto: U.S. National Archives
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Wenn alle Rassen in Frieden zusammen lebenErwachet! 1993 | 22. August
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Wenn alle Rassen in Frieden zusammen leben
„ER [Gott] hat aus e i n e m Menschen jede Nation der Menschen gemacht, damit sie auf der ganzen Erdoberfläche wohnen“ (Apostelgeschichte 17:26). Das ist die einfache Erklärung der Bibel über den Ursprung der Menschheitsfamilie.
Daraus ergibt sich, daß alle Menschen, ganz gleich, wo sie leben oder welche körperlichen Merkmale sie aufweisen, eine gemeinsame Herkunft haben. Es bedeutet auch, daß trotz aller wahrnehmbaren Unterschiede „jede Nation der Menschen“ dasselbe Potential an Fähigkeiten und Intelligenz hat. Ja, in Gottes Augen sind Menschen aller Rassen oder Nationalitäten gleich (Apostelgeschichte 10:34, 35).
Sofern die biblische Ansicht richtig ist, besteht die Hoffnung, daß alle Vorurteile und Ungerechtigkeiten, die sich auf Rassenunterschiede gründen, ausgemerzt werden können. Und wenn die Bibel genaue Angaben über den Ursprung der Menschheitsfamilie enthält, dann kann man auch davon ausgehen, daß sie uns Informationen darüber vermittelt, wie die Menschheit in Frieden zusammen leben kann.
Was zeigen die Tatsachen? Läßt sich der biblische Bericht über den Ursprung des Menschen wissenschaftlich erhärten?
Wissenschaftliche Beweise
In der Publikation The Races of Mankind von den Anthropologen R. Benedict und G. Weltfish heißt es: „Was in der Bibel schon seit Jahrhunderten über Adam und Eva, Vater und Mutter des ganzen Menschengeschlechts, steht, ist das, was die wissenschaftlichen Forschungen ergeben haben: daß alle Völker der Erde eine einzige Familie bilden und einen gemeinsamen Ursprung haben.“ Die Autoren weisen außerdem darauf hin, daß „der komplizierte Aufbau des menschlichen Körpers ... nicht ‚rein zufällig‘ bei allen Menschen gleich sein kann, sondern einen gemeinsamen Ursprung voraussetzt“.
L. C. Dunn, Professor für Zoologie an der Columbia-Universität, schreibt in dem Heft Rasse und Biologie: „Alle Menschen gehören offensichtlich einer Art an, da sie in allen grundlegenden körperlichen Merkmalen einander gleich sind. Angehörige aller Gruppen können untereinander Ehen eingehen und tun dieses auch.“ Er führt weiter aus: „Trotzdem aber ist jeder Mensch einmalig und unterscheidet sich in seinen untergeordneteren, weniger wichtigen Zügen von jedem anderen Individuum, was seine Ursache zum Teil in der verschiedenen Umwelt, in der die Menschen leben, und zum Teil in den Unterschieden der ererbten Gene hat.“
Die wissenschaftlichen Beweise sind überzeugend. Biologisch gesehen, gibt es so etwas wie eine höherstehende oder eine minderwertige, eine reine oder eine degradierte Rasse nicht. Charakteristika wie Haut-, Haar- oder Augenfarbe — Merkmale, die einige womöglich als rassisch bedeutsam ansehen — sind kein Hinweis auf Intelligenz oder Begabung. Vielmehr sind sie das Resultat ererbter Gene.
Tatsächlich sind die Rassenunterschiede minimal, wie Hampton L. Carson in Heredity and Human Life schreibt: „Das Widersprüchliche an der Sache ist, daß jede Gruppe von Menschen zwar äußerlich verschieden zu sein scheint, daß aber trotz dieser Unterschiede eine fundamentale Ähnlichkeit vorhanden ist.“
Wie kann es angehen, daß es so schlimme Rassenprobleme gibt, wenn doch alle Menschen in Wirklichkeit eine einzige Familie bilden?
Die Gründe für das Problem
Der eigentliche Grund für das Auftreten des Rassismus ist die schlechte Ausgangsposition, die die Menschheit durch Verschulden ihrer Ureltern hatte. Adam und Eva rebellierten vorsätzlich gegen Gott und wurden dadurch unvollkommen, mit Fehlern behaftet. Die Folge war, daß Adam seine Unvollkommenheit — die Neigung zum Schlechten — an seine Nachkommen weitergab (Römer 5:12). Daher neigen alle Menschen von Geburt an zu Selbstsucht und Stolz, was wiederum zu heftigen Rassenunruhen geführt hat.
Es gibt aber noch einen anderen Grund für den Rassismus. Als sich Adam und Eva von der Herrschaft Gottes lossagten, gerieten sie unter die Herrschaft eines bösen Geistgeschöpfes, das in der Bibel Satan oder Teufel genannt wird. Unter dem Einfluß dieses Wesens, das „die ganze bewohnte Erde irreführt“, sind oft bewußte Anstrengungen unternommen worden, die Menschen in der Frage der Rasse zu täuschen (Offenbarung 12:9; 2. Korinther 4:4). Der Ethnozentrismus — die Vorstellung von der Überlegenheit der eigenen Gruppe — wird kräftig angefacht, und bewußt oder unbewußt lassen sich Millionen davon anstecken, was verheerende Folgen hat.
Um es ganz deutlich zu sagen: Selbstsüchtige, unvollkommene Menschen haben unter dem Einfluß Satans all die falschen rassistischen Lehren verbreitet, denen die Rassenprobleme zuzuschreiben sind.
Damit die Menschheit geeint werden kann, müssen somit alle davon überzeugt sein, daß wir tatsächlich eine einzige Menschheitsfamilie sind und daß Gott „aus e i n e m Menschen jede Nation der Menschen gemacht [hat], damit sie auf der ganzen Erdoberfläche wohnen“ (Apostelgeschichte 17:26). Ein friedliches Zusammenleben aller Rassen setzt außerdem voraus, daß Satans Einfluß auf die Angelegenheiten der Menschen ausgeschaltet wird. Wird das je eintreten? Gibt es eine Grundlage dafür, das zu glauben?
Das Ende rassistischer Vorurteile
Jesus Christus zeigte, wie rassistische Vorurteile zu überwinden wären, als er seinen Nachfolgern gebot, ‘einander zu lieben’, so wie er sie geliebt habe (Johannes 13:34, 35). Diese Liebe sollte nicht auf die Angehörigen einer oder mehrerer bestimmter Rassen beschränkt sein. Nein, ganz und gar nicht, denn einer seiner Jünger ermunterte Christen: „Habt Liebe zur ganzen Bruderschaft“ (1. Petrus 2:17).
Wie kann man diese christliche Liebe bekunden? Das zeigt die Bibel mit der Aufforderung: „In Ehrerbietung komme einer dem anderen zuvor“ (Römer 12:10). Denken wir einmal darüber nach, was das in der Praxis bedeutet. Einer behandelt den andern ungeachtet der Rasse oder Nationalität mit Würde und Respekt und blickt nicht auf ihn herab, sondern ‘achtet ihn höher als sich selbst’ (Philipper 2:3). Wenn ein solcher Geist echter christlicher Liebe da ist, werden rassistische Vorurteile abgebaut.
Menschen, die mit rassistischen Vorurteilen aufgewachsen sind, kostet es allerdings große Anstrengungen, solche von Satan aufgebrachten Vorstellungen aufzugeben. Aber es ist zu schaffen! Im ersten Jahrhundert verspürten alle, die in die Christenversammlung aufgenommen wurden, eine völlig neue Einheit. Der Apostel Paulus schrieb darüber: „Da ist weder Jude noch Grieche, da ist weder Sklave noch Freier, da ist weder männlich noch weiblich; denn ihr alle seid e i n e r in Gemeinschaft mit Christus Jesus“ (Galater 3:28). Ja, unter den wahren Nachfolgern Christi herrschte echte Brüderlichkeit.
Viele halten es wahrscheinlich nicht für möglich, daß sich so etwas auch heute vollzieht. Doch unter Jehovas Zeugen ist das bereits erreicht worden — eine Organisation mit mehr als viereinhalb Millionen Menschen. Zugegeben, nicht alle Zeugen Jehovas sind von den Vorurteilen, die ihnen das heutige gottlose System eingeimpft hat, vollkommen frei geworden. Eine schwarze Amerikanerin traf über weiße Mitgläubige die realistische Feststellung: „Mitunter entdecke ich bei einigen von ihnen Überbleibsel einer Haltung rassischer Überlegenheit, und ich habe bei einigen von ihnen manchmal ein gewisses Unbehagen beobachtet, wenn sie mit Personen einer anderen Rasse enger zusammen sind.“
Doch sie räumte ein: „Jehovas Zeugen ... haben ... die Rassenvorurteile in einem unübertroffenen Ausmaß überwunden. Sie bemühen sich, ohne Rücksicht auf die Rassenzugehörigkeit, einander zu lieben ... Manchmal ging es mir so zu Herzen, daß mir unwillkürlich die Tränen kamen, wenn ich die aufrichtige Liebe weißer Zeugen verspürte.“
Kann aber die rassische Einheit einer Minderheit — obschon ihre Zahl in die Millionen geht — viel bewirken, wenn sich gleichzeitig Millionen andere von satanischen Vorstellungen rassischer Überlegenheit beeinflussen lassen? Nein; wir geben zu, daß sich das Rassenproblem dadurch nicht lösen läßt. Das ist durch menschliche Anstrengungen gar nicht möglich. Nur unser Schöpfer, Jehova Gott, ist dazu in der Lage.
Glücklicherweise wird Jehova sehr bald durch sein Königreich in den Händen seines Sohnes, Jesus Christus, die Erde von aller Ungerechtigkeit befreien und von allen, die aus Selbstsucht Diskriminierung und rassistische oder sonstige Haßgefühle fördern (Daniel 2:44; Matthäus 6:9, 10). Dann werden alle Rassen durch ein vollkommenes Lehrprogramm unter der Leitung Christi wirklich geeint werden. Während diese Belehrung fortschreitet, werden sie in vollkommener Harmonie ohne die leiseste Spur von Rassendiskriminierung zusammen leben. Es wird sich die Verheißung Gottes erfüllen: „Die früheren Dinge sind vergangen. ... Siehe! Ich mache alle Dinge neu“ (Offenbarung 21:4, 5).
Sehnen wir uns nach der Zeit, in der wahre Brüderlichkeit herrscht und in der alle Rassen in Frieden zusammen leben? Wer so empfindet, ist herzlich in den nächstgelegenen Königreichssaal eingeladen, wo sich Zeugen Jehovas regelmäßig zum Studium der Bibel versammeln. Jeder kann selbst beobachten, wie sie Angehörigen aller Rassen mit wahrer christlicher Liebe begegnen.
[Bild auf Seite 10]
Bald werden alle Rassen überall in Frieden zusammen leben
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