-
Vergewaltigung — Die RealitätErwachet! 1993 | 8. März
-
-
Vergewaltigung — Die Realität
WÄHREND man diese Seite liest, wird irgendwo in den Vereinigten Staaten eine Frau vergewaltigt. Sie ist allein und wird durch eine brutale und erniedrigende Tat von jemandem terrorisiert, den sie wahrscheinlich kennt. Vielleicht wird sie geschlagen. Vielleicht kann sie sich wehren. Auf alle Fälle steht sie Todesängste aus.
Vergewaltigung ist in den Vereinigten Staaten das Gewaltverbrechen mit der höchsten Zuwachsrate; dabei gibt es dort bereits eine der höchsten Raten der Welt, was Vergewaltigungen angeht. Polizeiberichten zufolge werden stündlich 16 Vergewaltigungsversuche unternommen, und bei 10 Frauen bleibt es nicht nur bei einem Versuch. Hinzu kommt, daß die Dunkelziffer möglicherweise 10mal höher liegt.
Auch in anderen Ländern existieren solche erschreckenden Statistiken. In Frankreich stieg die Zahl der Opfer, die eine Vergewaltigung meldeten, zwischen 1985 und 1990 um 62 Prozent. In Kanada hat sich die Zahl der gemeldeten sexuellen Nötigungen in nur sechs Jahren auf 27 000 Fälle im Jahre 1990 verdoppelt. In Deutschland wird alle 7 Minuten eine Frau sexuell genötigt.
Doch auch unschuldige Männer werden durch Vergewaltigungen geschädigt.a Sie „leiden darunter, in einer Gesellschaft zu leben, in der die Hälfte der Bevölkerung allen Grund hat, aufgebracht, mißtrauisch und verängstigt zu sein“. Das sagte die Psychologin Elizabeth Powell. Sie mögen auch insofern betroffen sein, als sie in ständiger Angst um ihre Frau, ihre Mutter, ihre Schwester, ihre Tochter oder um Frauen aus ihrem Freundeskreis leben; oder sie müssen mit Schuldgefühlen und mit Schmerz fertig werden, wenn ein geliebter Mensch Opfer einer Vergewaltigung geworden ist.
Warum der Anstieg?
Vergewaltigungen nehmen in Gesellschaften überhand, die Gewalt und Geschlechtsverkehr gegen den Willen oder eigentlichen Wunsch einer Frau tolerieren. In etlichen Ländern werden Männer und Frauen von Kindheit an durch die Medien, die Familie und durch Gleichaltrige mit destruktiven Botschaften und Falschinformationen über die Geschlechter bombardiert. Man lehrt sie die zerstörerische Ansicht, Sex und Gewalt würden zusammengehören und Frauen fänden ihre Daseinsberechtigung in der sexuellen Befriedigung des Mannes, ganz gleich, wie ihre eigenen Wünsche aussähen.
Hören wir uns die Meinung Jays, eines 23jährigen Archivars, an. „Die Gesellschaft sagt dir, daß du mit vielen Frauen schlafen mußt, um ein richtiger Mann zu sein. Was ist, wenn man das nicht tut? Ist man dann auch ein richtiger Mann?“ Aufgrund dieses Drucks vergewaltigt ein Mann womöglich eine Frau, derentwegen er ärgerlich oder frustriert ist.
Die Forscherin Linda Ledray ist der Ansicht, daß eine solche aggressive und gewalttätige Einstellung gegenüber Frauen in Kulturkreisen vorherrschend ist, in denen es zu vielen Vergewaltigungen kommt. „Meistens spielt der Sexualtäter nur eine Rolle aus dem von der Gesellschaft geschriebenen Drehbuch“, sagte sie. Kinofilme und das Fernsehen leisten ihren Beitrag zu diesem Drehbuch. In der Pornographie ist Vergewaltigung ein häufiges Thema, aber sie ist nicht allein schuld. Untersuchungen haben ergeben, daß Filme, in denen viel Gewalt, aber kein Sex gezeigt wird, zu einer aggressiveren Haltung gegenüber Frauen führen als freizügige Filme, in denen keine Gewalt vorkommt. Auch das Fernsehen spielt eine Rolle, indem es „die wirksamsten Methoden zeigt, wie man jemanden ‚herumkriegt‘“, schrieb Elizabeth Powell. Welche Botschaft vermitteln die Medien? „Wenn du wütend bist, verletze jemanden.“
Diese Botschaft dringt in die alltäglichen zwischenmenschlichen Beziehungen ein, und das mit tragischen Folgen. In einer Welt, die auf sexuellem Gebiet immer freizügiger wird, meinen Männer häufig, Frauen würden ihnen Sex schulden, vor allem wenn sie für die Frau Geld ausgeben oder ihr Verhalten sie anfangs zu Annäherungsversuchen ermunterte.
„Wenn es um Sex geht, ist das ‚Nein‘ einer Frau oft völlig bedeutungslos“, meinte die Journalistin Robin Warshaw. Und nur allzuoft kommt es zu einer Vergewaltigung.
Die „zweite Vergewaltigung“
Kathi war 15 Jahre alt, als sie von drei Mitgliedern der Hockeymannschaft ihrer Schule vergewaltigt wurde. Als ihre Angehörigen deswegen vor Gericht gingen, wurde Kathi von Freunden, Nachbarn und Fremden gemieden und schikaniert. „Jungen sind nun mal so“, wurde der Familie gesagt. In der Schule wurde Kathi mit obszönen Namen bedacht, und in ihrem Spind fand sie Drohbriefe. Die Strafe der Jungen, die sie vergewaltigt hatten, wurde zur Bewährung ausgesetzt, und sie mußten sozialen Dienst leisten; später wurden sie die Sporthelden der Schule. Kathi wurde bestraft, indem sie monatelang Beschimpfungen ertragen mußte. Schließlich nahm sie sich das Leben.
Kathis Fall ist ein tragisches Beispiel dafür, wie Opfer von Vergewaltigungen oft zunächst physisch von dem Sexualtäter und später emotionell von anderen Personen angegriffen werden. Viele Frauen sind der Meinung, gewisse Denkweisen und falsche Auffassungen über Vergewaltigungen würden dazu führen, daß dem Opfer die Schuld für das Verbrechen gegeben werde. Freunde, die Angehörigen, die Polizei, Ärzte, Richter und Geschworene — diejenigen, die dem Opfer eigentlich helfen sollten — mögen auch diese irrigen Ansichten haben und die Betroffene fast in demselben Ausmaß verletzen wie der Sexualtäter. Das Problem der Schuldzuweisung ist so schwerwiegend, daß einige es „zweite Vergewaltigung“ genannt haben.
Mythen, die über Vergewaltigungen existieren, erzeugen ein falsches Gefühl der Sicherheit. Anders ausgedrückt denken viele folgendes: Läßt sich in dem Verhalten des Opfers eine Mitschuld feststellen (sie trug enge Kleidung, sie ging abends allein aus, oder sie war sowieso auf Sex aus), so braucht man, um sicher zu sein, dieses Verhalten nur zu vermeiden; dann wird man niemals vergewaltigt werden. Die andere Möglichkeit, nämlich daß Vergewaltigung ein sinnloser Gewaltakt ist, der an jeder Frau verübt werden kann, ganz gleich, wie sie gekleidet ist, ist zu erschreckend, um akzeptiert zu werden.
Eine Frau, die von einem Mann vergewaltigt wurde, den sie als „freundlich und anständig“ betrachtete, sagte eindringlich: „Das Schlimmste, was man machen kann, ist zu glauben, daß einem so etwas nicht passieren wird.“
Mythen und Tatsachen über Vergewaltigung
Nachstehend werden einige bereits lange bestehende Irrtümer in Verbindung mit Vergewaltigungen aufgeführt, die dem Opfer die Schuld in die Schuhe schieben und Ansichten festigen, die Sexualtäter ermutigen.
Mythos: Es kommt nur zu einer Vergewaltigung, wenn eine Frau von einem Fremden angegriffen wird.
Tatsache: Die meisten Frauen werden von jemandem vergewaltigt, den sie kennen und dem sie vertrauten. Eine Studie ergab, daß 84 Prozent der Opfer ihre Angreifer kannten und 57 Prozent der Sexualdelikte bei Verabredungen verübt wurden. Jede siebte Ehefrau wird irgendwann von ihrem Mann vergewaltigt.b Eine Vergewaltigung ist eine brutale Angelegenheit, die sich verheerend auf die Psyche auswirkt, ganz gleich, ob der Täter nun ein Fremder, ein Bekannter oder der eigene Mann ist.
Mythos: Es handelt sich nur um eine Vergewaltigung, wenn äußerlich — zum Beispiel anhand von blauen Flecken — zu erkennen ist, daß die Frau Widerstand geleistet hat.
Tatsache: Nur wenige Frauen tragen blaue Flecken oder Schnittwunden davon, ob sie nun Widerstand geleistet haben oder nicht.
Mythos: Das Opfer trägt eine Mitschuld, wenn es nicht versucht hat, sich zu wehren.
Tatsache: Eine Vergewaltigung findet statt, wenn es durch Anwendung oder Androhung von Gewalt gegen den Willen einer Frau zur Penetration — welcher Art auch immer — kommt. Die Anwendung von Gewalt gegenüber einem widerstrebenden Opfer macht den Vergewaltiger zu dem, was er ist. Daher macht sich eine Frau nicht der Hurerei schuldig. Wie im Falle eines Inzestopfers mag sie durch Gewaltanwendung gezwungen werden, einen Akt über sich ergehen zu lassen, den sie ablehnt. Wenn sie aufgrund von schrecklicher Angst oder Bewußtseinstrübung nicht anders kann, als sich dem Täter zu ergeben, heißt das nicht, daß sie in die Handlung einwilligt. Eine Einwilligung ist etwas Aktives, nichts Passives, und bevor jemand in etwas einwilligt, hat er sich freiwillig dafür entschieden.
Mythos: Eine Vergewaltigung ist eine Tat, die aus Leidenschaft begangen wird.
Tatsache: Eine Vergewaltigung ist eine Gewalttat. Männer vergewaltigen Frauen nicht ausschließlich wegen des Geschlechtsaktes, sondern wegen des Gefühls, eine andere Person in ihrer Gewalt zu haben.c
Mythos: Eine Frau kann einen Mann auf eine Weise verführen oder so provozieren, daß er seinen Geschlechtstrieb nicht mehr unter Kontrolle hat.
Tatsache: Vergewaltiger haben keinen stärkeren Geschlechtstrieb als andere Männer. Im Gegenteil, ein Drittel aller Täter konnte den Geschlechtsakt nicht zu Ende führen. Meistens sind Vergewaltigungen geplant und resultieren nicht aus einem spontanen Bedürfnis. Sowohl der Fremde als auch der Bekannte, der zum Sexualtäter wird, stellt der Frau gewöhnlich eine Falle: Der Fremde verfolgt sie, bis sie allein ist, und der Bekannte führt eine ähnliche Situation herbei.
Mythos: Frauen behaupten, vergewaltigt worden zu sein, um sich an einem Mann zu rächen oder weil sie Schuldgefühle wegen des Geschlechtsverkehrs haben.
Tatsache: Falsche Angaben über Vergewaltigungen werden nicht häufiger gemacht als über andere Gewaltverbrechen: Die Rate beträgt 2 Prozent. Andererseits sind sich Forscher darin einig, daß Vergewaltigungen größtenteils nicht gemeldet werden.
Mythos: Eine Frau kann dazu „einladen“, vergewaltigt zu werden, indem sie sexuell aufreizende Kleidung trägt, Alkohol trinkt, sich von einem Mann einladen läßt oder zu ihm nach Hause geht.
Tatsache: Hat eine Frau ein schlechtes Urteilsvermögen, ist sie naiv oder sorglos, bedeutet das nicht, daß sie eine Vergewaltigung verdient. Der Sexualtäter trägt die volle Verantwortung für seine Tat.
[Fußnoten]
a Jedes zehnte Opfer einer Vergewaltigung ist ein Mann.
b Von Vergewaltigung in der Ehe spricht man, wenn der Mann seine Frau überwältigt und sie zum Geschlechtsverkehr zwingt. Manche Ehemänner glauben vielleicht, die von dem Apostel Paulus erwähnte „Gewalt“, die ein Mann über den Körper seiner Frau hat, sei absolut. Doch Paulus sagte ebenfalls, daß Männer verpflichtet seien, „ihre Frauen zu lieben wie ihre eigenen Leiber“. Der Apostel Petrus bemerkte, Männer sollten ihren Frauen „als einem schwächeren Gefäß, dem weiblichen, Ehre zuteil werden [lassen]“. Das schließt Gewaltanwendung oder aufgezwungenen Geschlechtsverkehr aus (1. Korinther 7:3-5; Epheser 5:25, 28, 29; 1. Petrus 3:7; Kolosser 3:5, 6; 1. Thessalonicher 4:3-7).
c „Bei dem Verbrechen geht es nicht um den Geschlechtsakt an sich, sondern dieser ist nur ein Vorwand, den der Täter benutzt, um ein Gewaltverbrechen zu begehen“ (Wanda Keyes-Robinson, Leiterin der Abteilung Sexualdelikte in Baltimore, Maryland).
[Herausgestellter Text auf Seite 3]
In den Vereinigten Staaten wird wahrscheinlich jede vierte Frau das Opfer einer versuchten oder einer ausgeführten Vergewaltigung
[Herausgestellter Text auf Seite 4]
Vergewaltigungen nehmen in Gesellschaften überhand, die Gewalt und Benachteiligungen aufgrund des Geschlechts tolerieren
-
-
Wie man ihr vorbeugen kannErwachet! 1993 | 8. März
-
-
Wie man ihr vorbeugen kann
Eric war ein großer, gutaussehender junger Mann aus wohlhabender Familie. Lori, 19 Jahre alt, und ein anderes Mädchen waren bei Eric und seinem Zimmergenossen zu einem Grillfest eingeladen. Lori ging hin, doch ohne ihr Wissen hatte das andere Paar abgesagt. Bald verließen die übrigen Gäste das Fest.
„Ich merkte, daß irgend etwas nicht stimmte, aber ich schob den Gedanken beiseite“, sagte Lori.
Als Eric erreicht hatte, daß er mit Lori allein war, vergewaltigte er sie. Lori ging nicht zur Polizei, und später zog sie an einen Ort, der 240 Kilometer entfernt war, nur um Eric nicht wiederzusehen. Nach einem Jahr hatte sie immer noch Angst, sich zu verabreden.
VERGEWALTIGUNGEN werden zu einer wachsenden Bedrohung, und die beste Verteidigung einer Frau besteht darin, sich dessen bewußt und vorbereitet zu sein. Nicht jede Vergewaltigung ist vorauszusehen, wenn man jedoch weiß, wie Sexualtäter denken und wie sie ihre Angriffe planen, könnte das helfen, Warnsignale zu erkennen.a Ein altes Sprichwort lautet: „Der Erfahrene sieht das Unglück kommen und bringt sich in Sicherheit; der Grünschnabel läuft mitten hinein und muß es büßen“ (Sprüche 27:12, Die Gute Nachricht).
Das beste Mittel, eine Vergewaltigung zu verhindern, besteht darin, dem Vergewaltiger aus dem Weg zu gehen. Du solltest das Verhaltensmuster kennen, durch das sich ein Mann — auch wenn du ihn gut kennst — als möglicher Sexualtäter zu erkennen geben mag. (Siehe Kasten, Seite 7.) Einige Männer betrachten die Kleidung der Frau oder ihr Einverständnis, mit einem Mann allein zu sein, als Entschuldigung für die Vergewaltigung. Eine Frau ist für solche verzerrten Ansichten nicht verantwortlich, trotzdem würde sie gut daran tun, eine solche Einstellung zu durchschauen.
Sei nicht mit einem Mann allein, den du nicht gut kennst. (Selbst wenn du ihn gut kennst, solltest du vorsichtig sein.) Ein Fremder könnte bei dir zu Hause vorsprechen und vorgeben, ein Handwerker zu sein. In diesem Fall sollte er sich ausweisen können. Häufig bitten Männer eine Bekannte, angeblich nötige Besorgungen für sie zu erledigen, die es erfordern, bei ihnen vorbeizuschauen; oder sie behaupten, bei einem Treffpunkt wären noch andere da. Falle nicht auf solche Maschen herein!
Um Problemen auszuweichen, die sich bei Verabredungen ergeben könnten, ist es besser, sich nur in Gruppen zu treffen oder eine Begleitperson mitzunehmen. Du solltest denjenigen, mit dem du dich verabredet hast, gut kennen und ihm eindeutig zu erkennen geben, wie weit er sich — wenn überhaupt — annähern darf. Überlege dir, ob du Alkohol trinkst! Du kannst nicht auf der Hut sein, wenn dein Denken durch Alkohol beeinträchtigt ist. (Vergleiche Sprüche 23:29-35.) Verlaß dich auf dein Gespür. Fühlst du dich in der Nähe einer Person unwohl, solltest du nicht nach dem Motto handeln: „Im Zweifelsfall für den Angeklagten.“ Geh einfach weg.
Vor allem Eltern von Jugendlichen tun gut daran, mit ihren Kindern zu besprechen, wie man einer Vergewaltigung vorbeugen kann, und gefährliche Situationen beim Namen zu nennen, denn die meisten Sexualtäter und deren Opfer sind junge Leute.
Handle schnell!
Nicht jede Vergewaltigung läßt sich voraussehen. Ganz plötzlich magst du unabsichtlich allein sein und dich einem Mann gegenübersehen, der stärker ist als du und der dich um jeden Preis zum Geschlechtsverkehr zwingen will. Was dann?
Handle schnell, und denke an dein Ziel, die Flucht. Oft testet ein Sexualtäter sein Opfer erst, bevor er sich zum Angriff entscheidet, deswegen ist es wichtig, seine Pläne so schnell wie möglich zu durchkreuzen, ehe er genug Mut aufbringt, die Tat zu begehen. Experten sprechen von zwei Möglichkeiten: vom passiven und vom aktiven Widerstand. Zuerst kann man es mit passivem Widerstand versuchen und dann, wenn das nichts nützt, zum aktiven übergehen.
Passiver Widerstand kann alles mögliche einschließen: Man versucht Zeit zu gewinnen, indem man mit dem Täter spricht, man gibt vor, an einer sexuell übertragbaren Krankheit zu leiden, oder man fängt an, sich zu erbrechen. (Vergleiche 1. Samuel 21:12, 13.) „Was die Taktiken betrifft, sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt“, schrieb Gerard Whittemore in seinem Buch Street Wisdom for Women: A Handbook for Urban Survival.
Um passive Taktiken — einzig und allein körperliche Gewalt gegen den Täter zählt nicht dazu — einzusetzen, die den Angreifer ablenken oder beruhigen sollen, muß man einen kühlen Kopf bewahren. Versuche eine andere Methode, wenn du merkst, daß der Angreifer noch wütender und gewalttätiger wird. Während du überlegst, wie du dich wehren kannst, mußt du aufpassen, dich nicht an einen noch einsameren Ort drängen zu lassen. Vergiß auch nicht eine der wirksamsten Formen passiven Widerstands — Schreien. (Vergleiche 5. Mose 22:23-27.)
Eine weitere Möglichkeit besteht darin, energisch mit Ablehnung zu reagieren. Sage dem Angreifer klipp und klar, daß du dich nicht unterwerfen wirst. Handelt es sich bei dem Täter um einen Bekannten, könnte man es mit der Schockmethode versuchen, indem man den Angriff als das bezeichnet, was er ist. Wenn man laut „Das ist eine Vergewaltigung! Ich hole die Polizei!“ ruft, überlegt sich der Täter vielleicht zweimal, ob er noch weitergehen soll.
Sich zur Wehr setzen
Wenn alles Reden sinnlos ist, braucht man keine Angst zu haben, zum aktiven Widerstand überzugehen. Die Wahrscheinlichkeit, daß man verletzt oder getötet wird, wird dadurch nicht größer, denn auch Unterwerfung garantiert keine Sicherheit. Daher raten die meisten Fachleute, sich mit allen Kräften zu wehren.
Es mag Frauen schwerfallen, sich zur Wehr zu setzen, da ihnen ihr Leben lang eingeschärft wurde, daß sie höflich, passiv und unterwürfig sein müssen, selbst angesichts von Gewaltandrohung. Deswegen mußt du dich schon im voraus dafür entschieden haben, dich zur Wehr zu setzen, so daß du während des Überfalls nicht durch Zögern kostbare Zeit verlierst.
Du mußt darüber empört sein, daß dir jemand droht und dich unter Druck setzt. Mach dir bewußt, daß der Vergewaltigungsversuch geplant war und daß der Vergewaltiger mit deiner Unterwerfung rechnet. Werde wütend, nicht ängstlich. „Deine Angst ist die stärkste Waffe des Angreifers“, bemerkte die Forscherin Linda Ledray. Mach dir keine Gedanken darüber, daß du zu grob sein oder eventuell lächerlich aussehen könntest. „Besser grob sein als vergewaltigt werden“, sagte eine Expertin treffend. Frauen, die Sexualtätern erfolgreich widerstanden, haben das gewöhnlich durch aktiven Widerstand erreicht und dabei mehr als eine Taktik angewandt, unter anderem haben sie gebissen, getreten und geschrien.
Ist keine Verteidigung möglich, versuche etwas zu tun, um den Täter später identifizieren zu können. Wenn irgend möglich, kratz ihn oder zerreiß seine Kleidung, denn dadurch wird man später Blutspuren oder Stoffetzen finden. Ist dieser Punkt erreicht, verläßt dich womöglich die Kraft weiterzukämpfen. In diesem Fall „mach dir keine Vorwürfe, daß du ihn hast gewähren lassen“, sagte Robin Warshaw in dem Buch I Never Called It Rape. „Man muß nicht verletzt oder getötet werden, um zu ‚beweisen‘, daß man vergewaltigt wurde.“
[Fußnote]
a Keine zwei Situationen gleichen sich völlig, und kein Rat ist 100prozentig sicher. Selbst Experten sind sich uneinig, wie und in welchem Ausmaß sich ein Opfer während eines Angriffs wehren sollte.
[Kasten auf Seite 7]
Beschreibung eines potentiellen Sexualtäters
□ Mißhandelt emotionell, indem er dich beleidigt, deine Meinung nicht berücksichtigt oder ärgerlich wird, wenn du einen Vorschlag machst.
□ Versucht, dein Leben zu kontrollieren, zum Beispiel was Kleidung und Freunde betrifft. Möchte bei einer Verabredung alle Entscheidungen selbst treffen, unter anderem wo ihr essen geht oder welchen Film ihr euch anschaut.
□ Wird völlig grundlos eifersüchtig.
□ Spricht im allgemeinen abwertend über Frauen.
□ Betrinkt sich oder nimmt Drogen und möchte, daß du dasselbe tust.
□ Setzt dich unter Druck, mit ihm allein zu sein oder mit ihm Geschlechtsverkehr zu haben.
□ Läßt dich bei einer Verabredung deinen Anteil nicht bezahlen und wird wütend, wenn du ihm das anbietest.
□ Zeigt seine Neigung zu Gewalt selbst in kleinen Dingen („angrapschen“ oder schubsen).
□ Schüchtert dich ein, indem er zu nah bei dir sitzt, dir den Weg versperrt, dich berührt, obwohl du dies verboten hast, oder mit dir spricht, als würde er dich sehr gut kennen.
□ Kann nicht mit Enttäuschung umgehen, ohne ärgerlich zu werden.
□ Betrachtet dich nicht als gleichwertig.
□ Mag Waffen und behandelt Tiere, Kinder und Erwachsene, die er tyrannisieren kann, gern brutal.
Aus dem Buch I Never Called It Rape von Robin Warshaw.
[Bild auf Seite 7]
Frauen, die Sexualtätern erfolgreich widerstanden, haben das gewöhnlich durch aktiven Widerstand erreicht und dabei mehr als eine Taktik angewandt
-
-
Wie man mit den Folgen fertig wirdErwachet! 1993 | 8. März
-
-
Wie man mit den Folgen fertig wird
Vor 33 Jahren wurde Mary von einem Sexualtäter mit dem Messer bedroht und vergewaltigt. Wenn sie heute davon erzählt, schlägt ihr Herz wie wild, und sie bekommt feuchte Hände. „Etwas Entwürdigenderes kann eine Frau nicht erleben“, sagt sie, den Tränen nahe. „Es ist schrecklich und absolut widerlich!“
EINE Vergewaltigung kann eines der Erlebnisse im Leben einer Person sein, die sich emotionell am verheerendsten auswirken und das ganze spätere Leben nachwirken. Eine Studie ergab, daß fast ein Drittel der Befragten, die eine Vergewaltigung hinter sich hatten, schon einmal mit dem Gedanken gespielt hatten, sich das Leben zu nehmen, und die meisten sagten, das Erlebnis habe sie völlig verändert.
Die Folgen können besonders traumatisch sein, wenn die Frau den Angreifer kannte. Sie erhält wahrscheinlich weniger Hilfe von anderen, weil sie entweder niemandem von dem Vorfall erzählt oder weil ihr keiner abnimmt, daß es wirklich eine Vergewaltigung war. Da sie von jemandem verletzt wurde, dem sie vertraute, gibt sie sich schneller die Schuld und zweifelt an ihrer Urteilskraft.
Hilfe annehmen
Viele Opfer einer Vergewaltigung stehen zunächst unter Schock und verdrängen das Erlebte. Eine Studentin wurde kurz vor einer wichtigen Prüfung vergewaltigt. Sie verdrängte den Gedanken an die Vergewaltigung bis nach der Prüfung. Eine andere Betroffene sagte: „Ich durfte auch nicht im geringsten an die Vergewaltigung denken, denn dann hatte ich deutlich vor Augen, wie sich mein Bekannter, dem ich vertraut hatte, in einen Angreifer verwandelte. Mir war nicht bewußt gewesen, daß es möglich ist, von jemandem vergewaltigt zu werden, den man kennt. Vielleicht hört sich das dumm an, aber dieser Gedanke ernüchterte mich völlig. Ich fühlte mich so allein.“
Einige Frauen leugnen das Geschehene auch weiterhin, indem sie niemandem etwas erzählen. Sie unterdrücken die Erinnerung jahrelang, was den Heilungsprozeß erschwert und weitere emotionelle Probleme schafft, die das Opfer womöglich nicht auf die Vergewaltigung zurückführt.
Der Heilungsprozeß beginnt gewöhnlich erst dann, wenn du mit anderen über das Erlebte sprichst. Eine vertraute Freundin mag dir helfen, zu erkennen, daß du wirklich vergewaltigt wurdest und daß dich keine Schuld trifft. Ein altes Sprichwort lautet: „Ein wahrer Gefährte liebt allezeit und ist ein Bruder, der für die Zeit der Bedrängnis geboren ist“ (Sprüche 17:17). Außerdem können sich geistige Hirten „wie ein Bergungsort vor dem Wind und ein Versteck vor dem Regensturm erweisen“ (Jesaja 32:2; 1. Thessalonicher 5:14). Manche Betroffene müssen sich eventuell an eine Beratungsstelle für Opfer von Vergewaltigungen oder an einen Experten wenden, um mit ihren Gefühlen fertig zu werden.
Oft haben Betroffene auch aufgrund von Schuldgefühlen Angst, über die Vergewaltigung zu sprechen, besonders dann, wenn sie dabei sexuell erregt waren. Vielleicht fühlen sie sich schmutzig und nutzlos und geben sich die Schuld für das Geschehene — obwohl einzig und allein der Vergewaltiger die Schuld trägt.
„Es hat viel ausgemacht, eine gute Freundin zu haben, mit der ich darüber sprechen konnte“, sagte Mary, die sich einer Mitchristin anvertraute. „Ich konnte mit ihr sprechen, ohne mich dabei schmutzig zu fühlen oder mich wegen der Vergewaltigung zu schämen.“
Dem Opfer helfen
Es wäre unpassend und lieblos, wenn Freunde die Betroffene im nachhinein kritisieren würden oder selbst beurteilen wollten, ob sie auch „wirklich vergewaltigt“ wurde. Man sollte niemals denken, es habe ihr Spaß gemacht oder sie habe unmoralisch gehandelt. Das Wichtigste, was Freunde tun können, die um Hilfe gebeten werden, ist, ihr zu glauben. Man sollte sie beruhigen und für sie dasein, wenn sie reden möchte; jedoch sollte man sie nicht ausfragen.
Wenn die Betroffene erst vor kurzem vergewaltigt wurde, können Freunde ihr eine sichere Bleibe anbieten und ihr helfen, ärztliche Hilfe zu suchen. Man sollte sie ermutigen, den Vorfall der Polizei zu melden, doch die Entscheidung muß ihr überlassen werden. Sie hat gerade eine Situation durchlebt, die völlig ihrer Kontrolle entglitten ist. Dadurch, daß ihr die nächsten Schritte selbst überlassen werden, bekommt sie das Gefühl, wieder Kontrolle über ihr Leben zu haben.
Die Angehörigen des Opfers müssen dagegen angehen, den Gefühlen freien Lauf zu lassen. Sie suchen wahrscheinlich einen Schuldigen oder wollen sich an dem Täter rächen — beides hilft dem Opfer aber nicht (Römer 12:19). Irgend jemand anders als den Sexualtäter verantwortlich zu machen ist zwecklos, und Rache ist gefährlich. Statt sich auf die Heilung zu konzentrieren, wird die Betroffene sich um die Sicherheit ihrer Lieben Sorgen machen.
Die Angehörigen sollten ebenfalls berücksichtigen, daß viele Opfer nach der Vergewaltigung anders über sexuelle Beziehungen denken. Für sie ist Sex zu einer Waffe geworden, und sie mögen eine gewisse Zeit auf sexuellem Gebiet Probleme haben, selbst mit demjenigen, den sie lieben und dem sie vertrauen. Deswegen sollte ein Mann seine Frau nicht zum Geschlechtsverkehr drängen, bevor sie innerlich dazu bereit ist (1. Petrus 3:7). Die Angehörigen können Hilfe leisten, indem sie die Selbstachtung der Betroffenen stärken und ihr zeigen, daß sie immer noch geliebt und respektiert wird, trotz allem, was ihr widerfahren ist. Ihr muß fortgesetzt geholfen werden, da der Heilungsprozeß oft erst nach langer Zeit abgeschlossen ist.
Mit Angst und Depressionen umgehen
Frauen, die vergewaltigt wurden, sagen, daß Angst die stärkste Reaktion ist. Die meisten von ihnen hätten nicht gedacht, am Leben zu bleiben. Später fürchten sie sich wahrscheinlich davor, ein zweites Mal vergewaltigt zu werden oder dem Täter zufällig zu begegnen.
Die Angst, die eine Frau während der Vergewaltigung verspürte, kann sie durch ähnliche Geräusche, Gerüche oder Orte wieder überwältigen. Geschah es in einer schmalen Gasse, hat sie vielleicht Angst, in solch eine Gasse zu gehen. Geschah es zu Hause, fühlt sie sich dort nicht mehr sicher und muß umziehen. Allein der Duft eines Eau de Cologne, der dem des Täters gleicht, mag unangenehme Erinnerungen in ihr wecken.
Zwar werden nur wenige Frauen bei einer Vergewaltigung schwanger, doch der Gedanke daran versetzt viele in Angst und Schrecken. Zahllose andere machen sich auch berechtigterweise Sorgen, ob sie sich eine sexuell übertragbare Krankheit zugezogen haben. Etwa die Hälfte aller Betroffenen leiden entweder mehrere Wochen oder mehrere Monate unter Depressionen und Hoffnungslosigkeit, und sie fühlen sich wertlos. Außerdem mögen sie mit innerer Unruhe, Phobien und Panikattacken zu kämpfen haben.
Auch wenn eine Frau die Vergewaltigung nicht verhindern konnte, kann sie doch im Laufe der Zeit ihre Gedanken, Empfindungen und Reaktionen unter Kontrolle bekommen. Sie kann lernen, negative Gedanken durch ein gesundes Selbstbewußtsein zu ersetzen.
„Statt dir zu sagen, wie schwach, nutzlos und hilflos du bist, solltest du dir vor Augen halten, wie gut es dir wieder geht und wie weit du dich seit dem inneren Aufruhr, der sofort auf die Vergewaltigung folgte, erholt hast“, schrieb Linda Ledray in dem Buch Recovering From Rape. „An jedem Tag, an dem du weniger negative Gedanken und Gefühle hast, sage dir: ‚Langsam habe ich mich wieder in der Gewalt.‘“
Es ist auch möglich, die Angst zu überwinden, indem man herausfindet, wodurch sie im einzelnen hervorgerufen wird. Wenn die Betroffene das getan hat, könnte sie sich fragen: „Ist meine Angst begründet?“ Sieht sie zum Beispiel jemanden, der dem Täter ähnelt, kann sie daran denken, daß er nicht der Sexualtäter ist und ihr daher auch nicht schaden wird.
Eine andere empfohlene Methode ist die systematische Desensibilisierung. Die Betroffene erstellt eine Liste, auf der sie Tätigkeiten oder Situationen vermerkt, die bei ihr schwach bis stark angstauslösend wirken. Dann stellt sie sich die am schwächsten angstauslösende Situation vor, bis diese keine Angst mehr erzeugt. So fährt sie fort, bis sie schließlich bei keiner Situation mehr Angst spürt.
Mit Hilfe einer Freundin kann sie weitere Fortschritte erzielen, wenn sie sich diese Tätigkeiten nicht nur vorstellt, sondern sie in die Tat umsetzt, zum Beispiel indem sie abends weggeht oder allein zu Hause bleibt. Schließlich bekommt sie ihre Angst unter Kontrolle, so daß ihr Alltagsleben dadurch nicht länger beeinträchtigt wird. Einige Ängste sind jedoch völlig normal — unter anderem nachts in einer schmalen Gasse zu gehen —, und es wäre sinnlos, das Unbehagen in solch einer Situation überwinden zu wollen.
Zorn in die richtige Richtung lenken
Wer vergewaltigt worden ist, spürt auch Zorn, der sich wahrscheinlich zuerst gegen Männer im allgemeinen und später gegen den Sexualtäter richtet. Oft lassen wütende Menschen ihre Wut an allem und jedem aus. Andere unterdrücken ihre Gefühle vielleicht. Zorn kann jedoch in konstruktive Bahnen gelenkt werden, und die Weise, wie eine Frau damit umgeht, kann die Heilung fördern. In der Bibel heißt es: „Seid erzürnt, und doch sündigt nicht“ (Epheser 4:26).
Die Betroffene braucht keine Angst zu haben, ihren Zorn zu zeigen. Sie kann mit anderen darüber reden. Vor Gericht zu gehen oder ein Tagebuch zu führen kann ebenfalls als „Ventil“ dienen. Auch körperliche Betätigungen — Tennis, Squash, Handball, Spazierengehen, Jogging, Fahrradfahren und Schwimmen — können dazu beitragen, den Zorn zu verarbeiten; sie tun nicht nur dem Körper gut, sondern helfen auch, Depressionen zu bekämpfen.
Ja, man kann sein Leben wieder in den Griff bekommen!
Wie kann Vergewaltigungen ein Ende gemacht werden?
Um Vergewaltigungen ein Ende zu machen, reicht es nicht, daß Frauen sich vor Sexualtätern in Sicherheit bringen oder sie abwehren. „Es sind Männer, die vergewaltigen, und daher steht es auch in ihrer Macht, durch vereinte Anstrengungen Vergewaltigungen ein Ende zu machen“, schrieb der Autor Timothy Beneke in seinem Buch Men on Rape.
Vergewaltigungen wird es so lange geben, bis Männer aufhören, Frauen als reines Lustobjekt anzusehen, und bis sie es lernen, daß eine glückliche Beziehung nicht durch eine Gewaltherrschaft des Mannes erreicht wird. Auf persönlicher Ebene können erfahrene Männer offen ihren Standpunkt darlegen und so andere beeinflussen. Weder Männer noch Frauen sollten sexistische Witze gutheißen, sich Filme ansehen, in denen Sexualdelikte gezeigt werden, noch Hersteller gutheißen, die mit sexistischen Mitteln für ihre Produkte werben. Die Bibel rät: „Hurerei und jede Art Unreinheit oder Habgier sollen unter euch nicht einmal erwähnt werden, so wie es sich für Heilige geziemt, auch kein schändliches Benehmen noch törichtes Reden, noch unzüchtige Späße, Dinge, die sich nicht schicken, sondern vielmehr Danksagung“ (Epheser 5:3, 4).
Eltern können durch ihr Beispiel zeigen, daß Frauen respektiert werden müssen. Sie können ihre Söhne lehren, Frauen so zu betrachten, wie Jehova Gott es tut. Er ist unparteiisch (Apostelgeschichte 10:34). Eltern können ihren Söhnen beibringen, wie Jesus Frauen als Freunde zu betrachten und sich in ihrer Nähe wohl zu fühlen. Sie können sie lehren, daß der Geschlechtsverkehr ein zärtlicher Ausdruck der Liebe ist, der allein dem Ehepartner zusteht. Eltern können ihren Söhnen ausdrücklich zu verstehen geben, daß sie weder Gewalt tolerieren noch es schätzen, wenn man über andere bestimmt (Psalm 11:5). Eltern können ihre Kinder ermutigen, offen mit ihnen über Sexualität zu sprechen und dem Druck standzuhalten, der auf diesem Gebiet auf sie ausgeübt wird.
Bald verschwunden
Ohne revolutionäre Veränderungen in der heutigen Gesellschaft würde man Vergewaltigungen niemals ein Ende machen können. „Eine Vergewaltigung ist nicht nur das Problem eines einzelnen, sondern auch ein familiäres, soziales, ja ein nationales Problem“, meinte die Forscherin Linda Ledray.
Die Bibel verheißt eine Welt, die frei von Gewalt ist, in der der Mensch nicht länger ‘über den Menschen zu seinem Schaden herrscht’ (Prediger 8:9; Jesaja 60:18). Bald wird Jehova Gott jeglichen Machtmißbrauch, einschließlich Vergewaltigung, nicht länger billigen (Psalm 37:9, 20).
In jener neuen Welt werden alle belehrt werden, friedlich zu sein und einander zu lieben, ungeachtet des Geschlechts, der Rasse oder der Nationalität (Jesaja 54:13). Dann werden sanftmütige Menschen ohne Angst vor Freunden und Fremden leben, und „sie werden wirklich ihre Wonne haben an der Fülle des Friedens“ (Psalm 37:11).
[Kasten/Bild auf Seite 9]
Wenn du vergewaltigt worden bist
□ Suche einen Arzt auf.
□ Sofern möglich, könntest du einen für Vergewaltigungsopfer zuständigen Berater bitten, dir bei Arztbesuchen und bei der Erledigung rechtlicher Angelegenheiten Beistand zu leisten.
□ Rufe so schnell wie möglich die Polizei. Berater empfehlen dies aus Gründen deiner Sicherheit und der anderer Frauen. Entschließt du dich erst im nachhinein dafür, die Polizei einzuschalten, könntest du aufgrund der verlorenen Zeit im Nachteil sein.
□ Vernichte kein Beweismaterial. Du solltest weder baden, dich umziehen, dein Haar waschen oder kämmen noch Finger- und Fußabdrücke verwischen.
□ Medizinisches Personal wird Beweise für die Vergewaltigung sammeln und testen, ob du dir eine sexuell übertragbare Krankheit zugezogen hast oder ob du schwanger geworden bist. Wenn Verhütungsmittel wie „die Pille danach“ angeboten werden, sollten Christen daran denken, daß diese zum Abort der befruchteten Eizelle führen können.
□ Tu alles, um dich sicher zu fühlen — tausche Schlösser aus, wohne bei einer Freundin, verriegle die Tür —, auch wenn das übertrieben erscheint.
□ Schöpfe vor allem Trost aus der Bibel, bete zu Jehova, rufe während und nach der Vergewaltigung laut seinen Namen. Suche bei den Ältesten und bei anderen dir nahestehenden Christen in der Versammlung Hilfe. Besuche nach Möglichkeit die Zusammenkünfte, und bemühe dich, mit anderen in den Predigtdienst zu gehen.
-