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  • Wie man mit den Folgen fertig wird
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Erwachet! 1993
g93 8. 3. S. 8-11

Wie man mit den Folgen fertig wird

Vor 33 Jahren wurde Mary von einem Sexualtäter mit dem Messer bedroht und vergewaltigt. Wenn sie heute davon erzählt, schlägt ihr Herz wie wild, und sie bekommt feuchte Hände. „Etwas Entwürdigenderes kann eine Frau nicht erleben“, sagt sie, den Tränen nahe. „Es ist schrecklich und absolut widerlich!“

EINE Vergewaltigung kann eines der Erlebnisse im Leben einer Person sein, die sich emotionell am verheerendsten auswirken und das ganze spätere Leben nachwirken. Eine Studie ergab, daß fast ein Drittel der Befragten, die eine Vergewaltigung hinter sich hatten, schon einmal mit dem Gedanken gespielt hatten, sich das Leben zu nehmen, und die meisten sagten, das Erlebnis habe sie völlig verändert.

Die Folgen können besonders traumatisch sein, wenn die Frau den Angreifer kannte. Sie erhält wahrscheinlich weniger Hilfe von anderen, weil sie entweder niemandem von dem Vorfall erzählt oder weil ihr keiner abnimmt, daß es wirklich eine Vergewaltigung war. Da sie von jemandem verletzt wurde, dem sie vertraute, gibt sie sich schneller die Schuld und zweifelt an ihrer Urteilskraft.

Hilfe annehmen

Viele Opfer einer Vergewaltigung stehen zunächst unter Schock und verdrängen das Erlebte. Eine Studentin wurde kurz vor einer wichtigen Prüfung vergewaltigt. Sie verdrängte den Gedanken an die Vergewaltigung bis nach der Prüfung. Eine andere Betroffene sagte: „Ich durfte auch nicht im geringsten an die Vergewaltigung denken, denn dann hatte ich deutlich vor Augen, wie sich mein Bekannter, dem ich vertraut hatte, in einen Angreifer verwandelte. Mir war nicht bewußt gewesen, daß es möglich ist, von jemandem vergewaltigt zu werden, den man kennt. Vielleicht hört sich das dumm an, aber dieser Gedanke ernüchterte mich völlig. Ich fühlte mich so allein.“

Einige Frauen leugnen das Geschehene auch weiterhin, indem sie niemandem etwas erzählen. Sie unterdrücken die Erinnerung jahrelang, was den Heilungsprozeß erschwert und weitere emotionelle Probleme schafft, die das Opfer womöglich nicht auf die Vergewaltigung zurückführt.

Der Heilungsprozeß beginnt gewöhnlich erst dann, wenn du mit anderen über das Erlebte sprichst. Eine vertraute Freundin mag dir helfen, zu erkennen, daß du wirklich vergewaltigt wurdest und daß dich keine Schuld trifft. Ein altes Sprichwort lautet: „Ein wahrer Gefährte liebt allezeit und ist ein Bruder, der für die Zeit der Bedrängnis geboren ist“ (Sprüche 17:17). Außerdem können sich geistige Hirten „wie ein Bergungsort vor dem Wind und ein Versteck vor dem Regensturm erweisen“ (Jesaja 32:2; 1. Thessalonicher 5:14). Manche Betroffene müssen sich eventuell an eine Beratungsstelle für Opfer von Vergewaltigungen oder an einen Experten wenden, um mit ihren Gefühlen fertig zu werden.

Oft haben Betroffene auch aufgrund von Schuldgefühlen Angst, über die Vergewaltigung zu sprechen, besonders dann, wenn sie dabei sexuell erregt waren. Vielleicht fühlen sie sich schmutzig und nutzlos und geben sich die Schuld für das Geschehene — obwohl einzig und allein der Vergewaltiger die Schuld trägt.

„Es hat viel ausgemacht, eine gute Freundin zu haben, mit der ich darüber sprechen konnte“, sagte Mary, die sich einer Mitchristin anvertraute. „Ich konnte mit ihr sprechen, ohne mich dabei schmutzig zu fühlen oder mich wegen der Vergewaltigung zu schämen.“

Dem Opfer helfen

Es wäre unpassend und lieblos, wenn Freunde die Betroffene im nachhinein kritisieren würden oder selbst beurteilen wollten, ob sie auch „wirklich vergewaltigt“ wurde. Man sollte niemals denken, es habe ihr Spaß gemacht oder sie habe unmoralisch gehandelt. Das Wichtigste, was Freunde tun können, die um Hilfe gebeten werden, ist, ihr zu glauben. Man sollte sie beruhigen und für sie dasein, wenn sie reden möchte; jedoch sollte man sie nicht ausfragen.

Wenn die Betroffene erst vor kurzem vergewaltigt wurde, können Freunde ihr eine sichere Bleibe anbieten und ihr helfen, ärztliche Hilfe zu suchen. Man sollte sie ermutigen, den Vorfall der Polizei zu melden, doch die Entscheidung muß ihr überlassen werden. Sie hat gerade eine Situation durchlebt, die völlig ihrer Kontrolle entglitten ist. Dadurch, daß ihr die nächsten Schritte selbst überlassen werden, bekommt sie das Gefühl, wieder Kontrolle über ihr Leben zu haben.

Die Angehörigen des Opfers müssen dagegen angehen, den Gefühlen freien Lauf zu lassen. Sie suchen wahrscheinlich einen Schuldigen oder wollen sich an dem Täter rächen — beides hilft dem Opfer aber nicht (Römer 12:19). Irgend jemand anders als den Sexualtäter verantwortlich zu machen ist zwecklos, und Rache ist gefährlich. Statt sich auf die Heilung zu konzentrieren, wird die Betroffene sich um die Sicherheit ihrer Lieben Sorgen machen.

Die Angehörigen sollten ebenfalls berücksichtigen, daß viele Opfer nach der Vergewaltigung anders über sexuelle Beziehungen denken. Für sie ist Sex zu einer Waffe geworden, und sie mögen eine gewisse Zeit auf sexuellem Gebiet Probleme haben, selbst mit demjenigen, den sie lieben und dem sie vertrauen. Deswegen sollte ein Mann seine Frau nicht zum Geschlechtsverkehr drängen, bevor sie innerlich dazu bereit ist (1. Petrus 3:7). Die Angehörigen können Hilfe leisten, indem sie die Selbstachtung der Betroffenen stärken und ihr zeigen, daß sie immer noch geliebt und respektiert wird, trotz allem, was ihr widerfahren ist. Ihr muß fortgesetzt geholfen werden, da der Heilungsprozeß oft erst nach langer Zeit abgeschlossen ist.

Mit Angst und Depressionen umgehen

Frauen, die vergewaltigt wurden, sagen, daß Angst die stärkste Reaktion ist. Die meisten von ihnen hätten nicht gedacht, am Leben zu bleiben. Später fürchten sie sich wahrscheinlich davor, ein zweites Mal vergewaltigt zu werden oder dem Täter zufällig zu begegnen.

Die Angst, die eine Frau während der Vergewaltigung verspürte, kann sie durch ähnliche Geräusche, Gerüche oder Orte wieder überwältigen. Geschah es in einer schmalen Gasse, hat sie vielleicht Angst, in solch eine Gasse zu gehen. Geschah es zu Hause, fühlt sie sich dort nicht mehr sicher und muß umziehen. Allein der Duft eines Eau de Cologne, der dem des Täters gleicht, mag unangenehme Erinnerungen in ihr wecken.

Zwar werden nur wenige Frauen bei einer Vergewaltigung schwanger, doch der Gedanke daran versetzt viele in Angst und Schrecken. Zahllose andere machen sich auch berechtigterweise Sorgen, ob sie sich eine sexuell übertragbare Krankheit zugezogen haben. Etwa die Hälfte aller Betroffenen leiden entweder mehrere Wochen oder mehrere Monate unter Depressionen und Hoffnungslosigkeit, und sie fühlen sich wertlos. Außerdem mögen sie mit innerer Unruhe, Phobien und Panikattacken zu kämpfen haben.

Auch wenn eine Frau die Vergewaltigung nicht verhindern konnte, kann sie doch im Laufe der Zeit ihre Gedanken, Empfindungen und Reaktionen unter Kontrolle bekommen. Sie kann lernen, negative Gedanken durch ein gesundes Selbstbewußtsein zu ersetzen.

„Statt dir zu sagen, wie schwach, nutzlos und hilflos du bist, solltest du dir vor Augen halten, wie gut es dir wieder geht und wie weit du dich seit dem inneren Aufruhr, der sofort auf die Vergewaltigung folgte, erholt hast“, schrieb Linda Ledray in dem Buch Recovering From Rape. „An jedem Tag, an dem du weniger negative Gedanken und Gefühle hast, sage dir: ‚Langsam habe ich mich wieder in der Gewalt.‘“

Es ist auch möglich, die Angst zu überwinden, indem man herausfindet, wodurch sie im einzelnen hervorgerufen wird. Wenn die Betroffene das getan hat, könnte sie sich fragen: „Ist meine Angst begründet?“ Sieht sie zum Beispiel jemanden, der dem Täter ähnelt, kann sie daran denken, daß er nicht der Sexualtäter ist und ihr daher auch nicht schaden wird.

Eine andere empfohlene Methode ist die systematische Desensibilisierung. Die Betroffene erstellt eine Liste, auf der sie Tätigkeiten oder Situationen vermerkt, die bei ihr schwach bis stark angstauslösend wirken. Dann stellt sie sich die am schwächsten angstauslösende Situation vor, bis diese keine Angst mehr erzeugt. So fährt sie fort, bis sie schließlich bei keiner Situation mehr Angst spürt.

Mit Hilfe einer Freundin kann sie weitere Fortschritte erzielen, wenn sie sich diese Tätigkeiten nicht nur vorstellt, sondern sie in die Tat umsetzt, zum Beispiel indem sie abends weggeht oder allein zu Hause bleibt. Schließlich bekommt sie ihre Angst unter Kontrolle, so daß ihr Alltagsleben dadurch nicht länger beeinträchtigt wird. Einige Ängste sind jedoch völlig normal — unter anderem nachts in einer schmalen Gasse zu gehen —, und es wäre sinnlos, das Unbehagen in solch einer Situation überwinden zu wollen.

Zorn in die richtige Richtung lenken

Wer vergewaltigt worden ist, spürt auch Zorn, der sich wahrscheinlich zuerst gegen Männer im allgemeinen und später gegen den Sexualtäter richtet. Oft lassen wütende Menschen ihre Wut an allem und jedem aus. Andere unterdrücken ihre Gefühle vielleicht. Zorn kann jedoch in konstruktive Bahnen gelenkt werden, und die Weise, wie eine Frau damit umgeht, kann die Heilung fördern. In der Bibel heißt es: „Seid erzürnt, und doch sündigt nicht“ (Epheser 4:26).

Die Betroffene braucht keine Angst zu haben, ihren Zorn zu zeigen. Sie kann mit anderen darüber reden. Vor Gericht zu gehen oder ein Tagebuch zu führen kann ebenfalls als „Ventil“ dienen. Auch körperliche Betätigungen — Tennis, Squash, Handball, Spazierengehen, Jogging, Fahrradfahren und Schwimmen — können dazu beitragen, den Zorn zu verarbeiten; sie tun nicht nur dem Körper gut, sondern helfen auch, Depressionen zu bekämpfen.

Ja, man kann sein Leben wieder in den Griff bekommen!

Wie kann Vergewaltigungen ein Ende gemacht werden?

Um Vergewaltigungen ein Ende zu machen, reicht es nicht, daß Frauen sich vor Sexualtätern in Sicherheit bringen oder sie abwehren. „Es sind Männer, die vergewaltigen, und daher steht es auch in ihrer Macht, durch vereinte Anstrengungen Vergewaltigungen ein Ende zu machen“, schrieb der Autor Timothy Beneke in seinem Buch Men on Rape.

Vergewaltigungen wird es so lange geben, bis Männer aufhören, Frauen als reines Lustobjekt anzusehen, und bis sie es lernen, daß eine glückliche Beziehung nicht durch eine Gewaltherrschaft des Mannes erreicht wird. Auf persönlicher Ebene können erfahrene Männer offen ihren Standpunkt darlegen und so andere beeinflussen. Weder Männer noch Frauen sollten sexistische Witze gutheißen, sich Filme ansehen, in denen Sexualdelikte gezeigt werden, noch Hersteller gutheißen, die mit sexistischen Mitteln für ihre Produkte werben. Die Bibel rät: „Hurerei und jede Art Unreinheit oder Habgier sollen unter euch nicht einmal erwähnt werden, so wie es sich für Heilige geziemt, auch kein schändliches Benehmen noch törichtes Reden, noch unzüchtige Späße, Dinge, die sich nicht schicken, sondern vielmehr Danksagung“ (Epheser 5:3, 4).

Eltern können durch ihr Beispiel zeigen, daß Frauen respektiert werden müssen. Sie können ihre Söhne lehren, Frauen so zu betrachten, wie Jehova Gott es tut. Er ist unparteiisch (Apostelgeschichte 10:34). Eltern können ihren Söhnen beibringen, wie Jesus Frauen als Freunde zu betrachten und sich in ihrer Nähe wohl zu fühlen. Sie können sie lehren, daß der Geschlechtsverkehr ein zärtlicher Ausdruck der Liebe ist, der allein dem Ehepartner zusteht. Eltern können ihren Söhnen ausdrücklich zu verstehen geben, daß sie weder Gewalt tolerieren noch es schätzen, wenn man über andere bestimmt (Psalm 11:5). Eltern können ihre Kinder ermutigen, offen mit ihnen über Sexualität zu sprechen und dem Druck standzuhalten, der auf diesem Gebiet auf sie ausgeübt wird.

Bald verschwunden

Ohne revolutionäre Veränderungen in der heutigen Gesellschaft würde man Vergewaltigungen niemals ein Ende machen können. „Eine Vergewaltigung ist nicht nur das Problem eines einzelnen, sondern auch ein familiäres, soziales, ja ein nationales Problem“, meinte die Forscherin Linda Ledray.

Die Bibel verheißt eine Welt, die frei von Gewalt ist, in der der Mensch nicht länger ‘über den Menschen zu seinem Schaden herrscht’ (Prediger 8:9; Jesaja 60:18). Bald wird Jehova Gott jeglichen Machtmißbrauch, einschließlich Vergewaltigung, nicht länger billigen (Psalm 37:9, 20).

In jener neuen Welt werden alle belehrt werden, friedlich zu sein und einander zu lieben, ungeachtet des Geschlechts, der Rasse oder der Nationalität (Jesaja 54:13). Dann werden sanftmütige Menschen ohne Angst vor Freunden und Fremden leben, und „sie werden wirklich ihre Wonne haben an der Fülle des Friedens“ (Psalm 37:11).

[Kasten/Bild auf Seite 9]

Wenn du vergewaltigt worden bist

□ Suche einen Arzt auf.

□ Sofern möglich, könntest du einen für Vergewaltigungsopfer zuständigen Berater bitten, dir bei Arztbesuchen und bei der Erledigung rechtlicher Angelegenheiten Beistand zu leisten.

□ Rufe so schnell wie möglich die Polizei. Berater empfehlen dies aus Gründen deiner Sicherheit und der anderer Frauen. Entschließt du dich erst im nachhinein dafür, die Polizei einzuschalten, könntest du aufgrund der verlorenen Zeit im Nachteil sein.

□ Vernichte kein Beweismaterial. Du solltest weder baden, dich umziehen, dein Haar waschen oder kämmen noch Finger- und Fußabdrücke verwischen.

□ Medizinisches Personal wird Beweise für die Vergewaltigung sammeln und testen, ob du dir eine sexuell übertragbare Krankheit zugezogen hast oder ob du schwanger geworden bist. Wenn Verhütungsmittel wie „die Pille danach“ angeboten werden, sollten Christen daran denken, daß diese zum Abort der befruchteten Eizelle führen können.

□ Tu alles, um dich sicher zu fühlen — tausche Schlösser aus, wohne bei einer Freundin, verriegle die Tür —, auch wenn das übertrieben erscheint.

□ Schöpfe vor allem Trost aus der Bibel, bete zu Jehova, rufe während und nach der Vergewaltigung laut seinen Namen. Suche bei den Ältesten und bei anderen dir nahestehenden Christen in der Versammlung Hilfe. Besuche nach Möglichkeit die Zusammenkünfte, und bemühe dich, mit anderen in den Predigtdienst zu gehen.

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