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An Vernünftigkeit zunehmenDer Wachtturm 1994 | 1. August
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5. (a) Welchen Ruf sollten die Ältesten unter den Schafen haben? (b) Welchen Stoff könnten Älteste vor der Behandlung von Rechtsfällen betrachten, und warum?
5 Wenn Älteste in der Versammlung als Richter amten, bemühen sie sich, die vorbildliche Vernünftigkeit Jesu nachzuahmen. Sie möchten von den Schafen nicht als „Bestrafer“ gefürchtet werden. Statt dessen ahmen sie Jesus nach, damit sich die Schafe bei ihnen, den liebevollen Hirten, sicher fühlen. Vernünftigkeit und die Bereitschaft zu vergeben sind bei Rechtsfällen unerläßlich. Manche Älteste haben festgestellt, daß es eine Hilfe ist, vor der Behandlung eines solchen Falls die Artikel „Jehova, der unparteiische ‚Richter der ganzen Erde‘“ und „Ihr Ältesten, richtet mit Gerechtigkeit“ im Wachtturm vom 1. Juli 1992 noch einmal zu betrachten. Sie werden dadurch an das erinnert, was zusammenfassend über Jehovas Vorgehensweise beim Richten gesagt wurde: „Festigkeit, wo nötig; Barmherzigkeit, wo möglich.“ Es ist kein Fehler, bei einem Rechtsfall der Barmherzigkeit zuzuneigen, wenn ein vernünftiger Grund dafür vorhanden ist (Matthäus 12:7). Es ist dagegen ein schwerer Fehler, hart oder unbarmherzig zu sein (Hesekiel 34:4). Älteste hüten sich somit davor, einen Fehler zu machen, wenn sie innerhalb der Grenzen der Gerechtigkeit bewußt so liebevoll und barmherzig wie möglich verfahren. (Vergleiche Matthäus 23:23; Jakobus 2:13.)
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An Vernünftigkeit zunehmenDer Wachtturm 1994 | 1. August
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8. Wie können Versammlungsälteste die Führung übernehmen, wenn es darum geht, sich den Bedürfnissen des Gebiets anzupassen?
8 Auch Älteste müssen sich anpassen, wenn sich neue Umstände ergeben, natürlich ohne eindeutige Gesetze Gottes zu verwässern. Achtet ihr bei der Beaufsichtigung des Predigtwerks auf Veränderungen im Gebiet? Wenn sich die Lebensweise der Menschen in eurer Umgebung ändert, sollten gegebenenfalls der Abenddienst, der Straßendienst oder andere Formen des Zeugnisgebens gefördert werden. Uns entsprechend anzupassen ist eine Hilfe, unseren Predigtauftrag noch wirkungsvoller auszuführen (Matthäus 28:19, 20; 1. Korinther 9:26). Paulus war ebenfalls darauf bedacht, sich im Predigtdienst allen Arten von Menschen anzupassen. Tun wir es ihm gleich, beispielsweise dadurch, daß wir uns mit der Religion und der Kultur der Menschen in unserem Gebiet so weit vertraut machen, daß wir ihnen helfen können? (1. Korinther 9:19-23).
9. Warum sollte ein Ältester nicht darauf bestehen, Probleme weiterhin so zu behandeln wie früher?
9 Da die gegenwärtigen letzten Tage immer kritischer werden, müssen sich die Hirten nötigenfalls auf einige der unglaublich tiefgreifenden und unangenehmen Probleme einstellen, mit denen die Herde heute konfrontiert wird (2. Timotheus 3:1). Ihr Ältesten, heute ist nicht die Zeit für Unnachgiebigkeit! Kein Ältester sollte darauf bestehen, Probleme weiterhin so zu behandeln wie früher, wenn seine Methoden inzwischen überholt sind oder wenn es der „treue und verständige Sklave“ für angebracht gehalten hat, zu den entsprechenden Themen aktuellen Stoff zu veröffentlichen (Matthäus 24:45; vergleiche Prediger 7:10; 1. Korinther 7:31). Ein treuer Ältester bemühte sich aufrichtig, einer depressiven Schwester zu helfen, die unbedingt einen guten Zuhörer benötigte. Er schenkte ihren Depressionen jedoch keine große Beachtung und wartete mit ziemlich vereinfachten Lösungen auf. Dann veröffentlichte die Gesellschaft biblischen Aufschluß über genau das Problem, das die Schwester hatte. Der Älteste sprach unverzüglich noch einmal mit ihr, wobei er den neuen Aufschluß berücksichtigte und Mitgefühl für sie wegen ihres Leidens zeigte. (Vergleiche 1. Thessalonicher 5:14, 15.) Welch ein vortreffliches Beispiel für Vernünftigkeit!
10. (a) Inwiefern müssen Älteste im Umgang miteinander und mit der Ältestenschaft flexibel sein? (b) Wie sollte die Ältestenschaft diejenigen betrachten, die sich unvernünftig verhalten?
10 Älteste müssen auch im Umgang miteinander flexibel sein. Wie wichtig ist es doch, daß bei einer Zusammenkunft der Ältestenschaft kein Ältester das Vorgehen allein bestimmt! (Lukas 9:48). Der Bruder, der den Vorsitz hat, muß sich in dieser Hinsicht besondere Zurückhaltung auferlegen. Und wenn ein oder zwei Älteste mit einer Entscheidung der übrigen Ältesten nicht einiggehen, werden sie nicht darauf bestehen, ihren eigenen Weg zu gehen. Solange kein biblischer Grundsatz verletzt wird, werden sie statt dessen nachgeben und daran denken, daß Älteste vernünftig sein müssen (1. Timotheus 3:2, 3). Andererseits sollte die Ältestenschaft im Sinn behalten, daß Paulus die Versammlung in Korinth scharf rügte, weil sie ‘Unvernünftige ertrug’, die sich für ‘superfeine Apostel’ hielten (2. Korinther 11:5, 19, 20). Älteste sollten daher bereit sein, einem Mitältesten, der sich eigensinnig oder unvernünftig verhält, Rat zu erteilen, aber das sollte natürlich mit Milde und Freundlichkeit geschehen (Galater 6:1).
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An Vernünftigkeit zunehmenDer Wachtturm 1994 | 1. August
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13. (a) Warum sollten sich Älteste davor hüten, starre Gesetze und Regeln aufzustellen? (b) Auf welchen Gebieten ist es wichtig, das Gewissen des einzelnen zu respektieren?
13 Auch heute sind Brüder, die Verantwortung tragen, daran interessiert, Herzen zu erreichen. Aus diesem Grund hüten sie sich davor, willkürliche, starre Regeln aufzustellen oder ihre persönlichen Ansichten und Meinungen zum Gesetz zu erheben. (Vergleiche Daniel 6:7-16.) Freundliche Hinweise, die beispielsweise die Kleidung und die sonstige äußere Erscheinung betreffen, mögen von Zeit zu Zeit passend und angebracht sein, doch ein Ältester könnte seinen Ruf als vernünftiger Mann riskieren, wenn er dauernd davon redet oder etwas vorschreiben möchte, was lediglich seinem persönlichen Geschmack entspricht. Ja, alle in der Versammlung sollten sich davor hüten, über andere herrschen zu wollen. (Vergleiche 2. Korinther 1:24; Philipper 2:12.)
14. Wie zeigte Jesus, daß er bei dem, was er von anderen erwartete, vernünftig war?
14 Älteste sollten sich auch in anderer Hinsicht überprüfen: „Ist das vernünftig, was ich von anderen erwarte?“ Jesus war in dieser Hinsicht gewiß vernünftig. Er zeigte seinen Nachfolgern immer wieder, daß er von ihnen nicht mehr verlangte als ihre aufrichtigen Bemühungen und daß er diese sehr schätzte. Er lobte die arme Witwe, obwohl sie nur Münzen von geringem Wert spendete (Markus 12:42, 43). Als seine Jünger die kostspielige Gabe Marias kritisierten, wies er sie zurecht und sagte: „Laßt sie. ... Sie hat getan, was sie konnte“ (Markus 14:6, 8). Er war vernünftig, selbst als seine Nachfolger ihn enttäuschten. So forderte er in der Nacht seiner Verhaftung seine drei vertrautesten Apostel auf, mit ihm zu wachen, doch sie enttäuschten ihn, weil sie wiederholt einschliefen. Trotzdem äußerte er die mitfühlenden Worte: „Der Geist ist zwar voller Eifer, aber das Fleisch ist schwach“ (Markus 14:34-38).
15, 16. (a) Warum sollten sich Älteste davor hüten, die Herde unter Druck zu setzen oder einzuschüchtern? (b) Was veranlaßte eine treue Schwester, von anderen nicht mehr soviel zu erwarten?
15 Es stimmt, Jesus ermunterte seine Nachfolger, ‘alle Kraft daranzusetzen’ (Lukas 13:24, Albrecht). Aber er zwang sie niemals, das zu tun. Statt dessen regte er sie dazu an, gab ihnen ein Beispiel, übernahm die Führung und war darauf bedacht, ihr Herz zu erreichen. Er vertraute darauf, daß die Macht des Geistes Jehovas das übrige tun würde. Ebenso sollten Älteste heute die Herde zwar ermuntern, Jehova mit ungeteiltem Herzen zu dienen, aber sie müssen sich davor hüten, Schuld- oder Schamgefühle zu wecken, um die Herde einzuschüchtern, beispielsweise indem sie andeuten, daß das, was die Brüder und Schwestern gegenwärtig im Dienst für Jehova tun, in irgendeiner Hinsicht ungenügend oder unannehmbar sei. Wer mit Strenge dazu antreibt, immer noch mehr zu tun, kann diejenigen entmutigen, die bereits alles tun, was ihnen möglich ist. Wie traurig wäre es, wenn sich ein Ältester den Ruf erwerben würde, „schwer zufriedenzustellen“ zu sein — von Vernünftigkeit könnte man dann kaum noch sprechen! (1. Petrus 2:18).
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