-
Wissenschaft und Religion — Der KonfliktErwachet! 2002 | 8. Juni
-
-
Wissenschaft und Religion — Der Konflikt
„Ist die Religion am ehesten als Infektionskrankheit des Verstandes aufzufassen?“ (Richard Dawkins, Biologe).
RELIGION und Wissenschaft werden mitunter für Todfeinde gehalten. Für manche sieht es so aus, als lägen die beiden Disziplinen so heftig miteinander im Streit, dass nur eine überleben kann.
In dem einen Lager findet man Wissenschaftler, wie zum Beispiel den Chemiker Peter Atkins, die es für „unmöglich“ halten, Religion und Wissenschaft miteinander zu vereinbaren. Zu glauben, „Gott sei die Erklärung für irgendetwas (oder gar für alles), ist wissenschaftlich verwerflich“, meint Atkins.
Das andere Lager umfasst religiöse Menschen, die der Wissenschaft die Schuld für den Niedergang des Glau- bens geben. In ihren Augen ist die Wissenschaft, wie sie heute praktiziert wird, ein Trugspiel, denn die ermittelten Fakten mögen zwar durchaus korrekt sein, doch die Missdeutung derselben untergrabe den Glauben. Für den Biologen William Provine zum Beispiel bietet der Darwinismus „keine elementare Grundlage für die Ethik“ und „keinen letzten Sinn des Lebens“.
Bis zu einem gewissen Grad geht der erwähnte Konflikt allerdings darauf zurück, dass auf beiden Seiten falsche oder unbeweisbare Behauptungen aufgestellt wurden. Religiöse Führer lehren seit Jahrhunderten Mythen, Legenden und irrige Dogmen, die im Widerspruch zu den modernen Forschungsergebnissen stehen und die auch nicht auf der inspirierten Heiligen Schrift beruhen. Die katholische Kirche zum Beispiel sprach Galilei schuldig, weil er — übrigens völlig korrekt — schlussfolgerte, die Erde drehe sich um die Sonne. Galileis Erklärung stimmte durchaus mit der Bibel überein, lief jedoch den damaligen Kirchenlehren zuwider. Auf der anderen Seite ist Wissenschaftlern vorzuwerfen, dass sie die unbeweisbare Theorie, das Leben habe sich unabhängig von Gott aus unbelebter Materie entwickelt, als eine Tatsache lehren. Sie ziehen den religiösen Glauben als etwas Unwissenschaftliches ins Lächerliche.
Ist es unter diesen Umständen überhaupt möglich, Wissenschaft und Religion miteinander zu vereinbaren? Durchaus, denn zwischen nachweisbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen und der wahren Religion besteht eigentlich kein Widerspruch, sondern sie ergänzen sich gegenseitig.
-
-
Wie ist das Universum und das Leben entstanden?Erwachet! 2002 | 8. Juni
-
-
Wie ist das Universum und das Leben entstanden?
„Naturwissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Naturwissenschaft ist blind“ (Albert Einstein).
NIE zuvor haben wir in so faszinierenden Zeiten gelebt. Neue Entdeckungen über das Weltall zwingen Astronomen zu einer Korrektur ihrer Sicht in Bezug auf den Ursprung des Universums. Viele Menschen sind vom Weltall fasziniert und stellen Fragen, die die Menschheit schon immer beschäftigt haben: Wie ist das Universum und das Leben entstanden, und warum?
Wenden wir den Blick vom Weltraum weg und betrachten wir unser Inneres. In jüngster Zeit wurde der menschliche genetische Code entschlüsselt, und nun fragt man sich: Wie kam die Vielzahl an Lebensformen zustande? Wer ist ihr Erschaffer, wenn es überhaupt einen gibt? Die enorme Komplexität unseres genetischen Bauplans veranlasste einen US-Präsidenten zu der Bemerkung: „Heute lernen wir die Sprache, in der Gott Leben schuf.“ Einer der führenden Genforscher räumte bescheiden ein: „Wir haben einen ersten flüchtigen Blick auf unsere Gebrauchsanleitung geworfen, die vorher nur Gott kannte.“ Allerdings bleibt die Frage nach dem Wie und dem Warum weiterhin offen.
„Zwei Fenster“
Von wissenschaftlicher Seite wird behauptet, alle Abläufe im Universum seien rein rational zu erklären und damit erübrige sich eine göttliche Weisheit. Vielen Menschen — auch Wissenschaftlern — behagt dieser Standpunkt allerdings nicht. Sie versuchen die Wirklichkeit sowohl vom wissenschaftlichen als auch vom religiösen Standpunkt aus zu erfassen. Ihrer Meinung nach beschreibt die Wissenschaft, wie unsere Existenz und das Universum zu erklären ist, wohingegen sich die Religion vornehmlich mit der Frage nach dem Warum befasst.
Der Physiker Freeman Dyson erklärte diesen dualen Ansatz mit den Worten: „Wissenschaft und Religion sind zwei Fenster, durch die der Mensch blickt, um das weite Universum draußen zu verstehen.“
Der Autor William Rees-Mogg sagte: „Die Wissenschaft hat das Messbare zum Gegenstand, die Religion das Unmessbare.“ Ferner erklärte er: „Die Wissenschaft kann die Existenz Gottes weder beweisen noch widerlegen, genauso wenig wie sie irgendwelche Thesen über die Moral oder die Ästhetik beweisen oder widerlegen kann. Für Nächstenliebe und die Achtung vor dem menschlichen Leben gibt es keine wissenschaftliche Begründung ... Zu behaupten, dass nichts existiert, was nicht wissenschaftlich nachweisbar ist, ist der gröbste Fehler überhaupt, denn damit würde fast alles, was wir im Leben schätzen, ausgeklammert werden, und zwar nicht nur Gott oder der menschliche Geist, sondern auch die Liebe, die Poesie und die Musik.“
Der „Glaube“ der Wissenschaft
Wissenschaftliche Theorien scheinen sich oft auf Prämissen zu stützen, für die es einer besonderen Art Glauben bedarf. Wenn es beispielsweise um den Ursprung des Lebens geht, vertreten die meisten Evolutionisten Ideen, die man erst akzeptieren kann, wenn man an bestimmte „Doktrinen“ glaubt. Fakten und Theorien werden vermischt. Und wenn dann Wissenschaftler kraft ihrer Autorität blinden Glauben an eine Evolution fordern, behaupten sie im Grunde: Wir sind für unsere Moral nicht verantwortlich, denn wir sind lediglich das Produkt biologischer, chemischer und physikalischer Gesetzmäßigkeiten. Der Biologe Richard Dawkins ist der Meinung, hinter dem Universum stehe kein Plan, keine Absicht, kein Gut oder Böse, sondern nichts als „blinde, erbarmungslose Gleichgültigkeit“.
Um solche Überzeugungen zu halten, ignorieren manche Wissenschaftler willentlich die umfangreichen Forschungsergebnisse ihrer Kollegen, die den theoretischen Grundlagen ihrer eigenen Theorien über den Ursprung des Lebens widersprechen. Selbst wenn man Milliarden von Jahren einräumt, hat es sich doch als mathematische Unmöglichkeit erwiesen, dass die komplexen Moleküle, die für eine funktionsfähige lebende Zelle benötigt werden, zufällig entstanden sind.a Das heißt, die dogmatischen Theorien über den Ursprung des Lebens, wie sie in vielen Lehrbüchern dargelegt werden, sind als nicht schlüssig zu bewerten.
Wer der Ansicht ist, das Leben sei durch blinden Zufall entstanden, braucht einen stärkeren Glauben als jemand, der die Schöpfungslehre vertritt. Der Astronom David Block bemerkte einmal, dass „jemand, der einen Schöpfer ablehnt, mehr Glauben haben muss als derjenige, der an ihn glaubt. Wer erklärt, Gott existiere nicht, stellt eine unbewiesene Pauschalbehauptung auf — ein Postulat, das auf Glauben beruht.“
Wissenschaftliche Erkenntnisse rufen bei manchen Forschern Ehrfurcht hervor. Albert Einstein räumte ein: „Sie werden schwerlich einen tiefer schürfenden wissenschaftlichen Geist finden, dem nicht eine eigentümliche Religiosität eigen ist. ... Religiosität liegt im verzückten Staunen über die Harmonie der Naturgesetzlichkeit, in der sich eine so überlegene Vernunft offenbart, dass alles Sinnvolle menschlichen Denkens und Anordnens dagegen ein gänzlich nichtiger Abglanz ist.“ Das führt allerdings nicht zwangsläufig dazu, dass Wissenschaftler an einen persönlichen Gott und Schöpfer glauben.
Die Grenzen der Wissenschaft
Es ist angebracht, wissenschaftliche Erkenntnisse und Errungenschaften gebührend zu achten. Dennoch werden viele zustimmen, dass die Wissenschaft zwar einen Weg zur Erkenntnisfindung darstellt, dass sie aber nicht die einzige Quelle der Erkenntnis ist. Die Aufgabe der Wissenschaft ist es, Naturphänomene zu beschreiben und zur Beantwortung der Frage beizutragen, wie es zu diesen Phänomenen kommt.
Die Wissenschaft verschafft uns Einblicke in das materielle Universum, das heißt in alles Beobachtbare. Doch wie gründlich die Wissenschaft auch forscht, sie wird niemals sagen können, welchen Sinn alles hat, warum das Universum überhaupt existiert.
„Es gibt einige Fragen, die Wissenschaftler nie beantworten können“, erklärt der Autor Tom Utley. „Es kann schon sein, dass es vor 12 Milliarden Jahren einen Urknall gab. Aber warum gab es ihn? ... Wie kamen denn die Teilchen dorthin? Was war vorher da?“ Utley kommt zu dem Schluss: „Es scheint ... klarer denn je, dass die Wissenschaft den menschlichen Hunger nach Antworten nie stillen wird.“
Die wissenschaftlichen Erkenntnisse, die der Mensch in seiner Wissbegier gewonnen hat, haben beileibe nicht bewiesen, dass wir keinen Gott brauchen, sie haben dagegen bestätigt, in was für einer unglaublich komplexen, komplizierten und ehrfurchteinflößenden Welt wir leben. Viele vernünftig denkende Menschen halten es für plausibel, dass die physikalischen Gesetze und die chemischen Reaktionen ebenso wie die DNS und die erstaunliche Vielfalt an Lebensformen allesamt auf einen Schöpfer hindeuten. Es gibt keine stichhaltigen Beweise für das Gegenteil.
„Der Glaube ... ist real“
Wenn hinter dem Universum ein Schöpfer steht, dann können wir nicht erwarten, ihn oder seine Vorsätze mithilfe von Mikroskopen, Teleskopen oder sonstigem Instrumentarium zu erfassen. Es ist wie mit einem Tongefäß, das von einem Töpfer hergestellt wurde. Man kann das Gefäß noch so gründlich untersuchen, doch wird man nicht herausfinden können, warum es gebildet wurde. Diese Frage muss man schon dem Töpfer selbst stellen.
Der Molekularbiologe Francis Collins erklärt, wie Glaube und Spiritualität helfen können, die von der Wissenschaft gelassene Lücke zu füllen: „Ich sehe in der Religion nicht das rechte Mittel für die Sequenzierung des Genoms, und genauso wenig würde ich erwarten, dass man mittels der Wissenschaft an das Übernatürliche herangehen kann. Was nun aber die wirklich interessanten, bedeutenderen Fragen angeht, wie zum Beispiel ‚Warum sind wir hier?‘ oder ‚Weshalb sehnt sich der Mensch nach Spiritualität?‘, da finde ich die Wissenschaft unbefriedigend. Es sind schon viele abergläubische Vorstellungen aufgekommen und dann wieder verblasst. Nicht aber der Glaube, und das bedeutet, er ist real.“
Das Warum erklärt
Die wahre Religion beantwortet die Frage nach dem Warum und befasst sich mit dem Sinn des Lebens. Ferner liefert sie ethisch-moralische Normen, Wertmaßstäbe und Anleitung für das Leben. Der Wissenschaftler Allan Sandage meinte: „Ich schaue nicht im Biologiebuch nach, wenn ich wissen will, wie ich leben soll.“
Millionen Menschen auf der ganzen Erde haben herausgefunden, wo sie Anleitung für das Leben erhalten können. Sie haben ihrer Ansicht nach äußerst befriedigende Antworten auf die Fragen gefunden, warum wir hier sind und wohin wir gehen. Diese Antworten gibt es. Doch wo kann man sie finden? Sie sind in dem ältesten und am weitesten verbreiteten heiligen Text enthalten — in der Bibel.
Wie die Bibel zeigt, dachte Gott bei der Erschaffung der Erde vor allem an die Menschen. In Jesaja 45:18 heißt es über die Erde, dass ‘Gott sie nicht einfach umsonst erschuf, sondern sie bildete, damit sie auch bewohnt werde’. Er stattete die Erde mit allem Lebensnotwendigen für die Menschen aus, ja mehr noch: Sie sollten das Leben in vollen Zügen genießen.
Dem Menschen wurde aufgetragen, die Erde zu verwalten, sie ‘zu bebauen und zu pflegen’ (1. Mose 2:15). Ferner lehrt die Bibel, dass Erkenntnis und Weisheit Geschenke von Gott sind und dass wir Gerechtigkeit üben und einander Liebe erweisen sollten (Hiob 28:20, 25, 27; Daniel 2:20-23). Der Mensch kann also nur dann einen Sinn und Zweck im Leben finden, wenn er Gottes Vorsatz hinsichtlich des Menschen erkennt und danach handelt.b
Wie kann ein modern denkender Mensch die offensichtliche Kluft zwischen wissenschaftlichem Denken und religiösen Ansichten überbrücken? Welche Prinzipien könnten ihm dabei nützliche Anleitung bieten?
[Fußnoten]
a Siehe das Buch Gibt es einen Schöpfer, der an uns interessiert ist?, Kapitel 3, „Was ist der Ursprung des Lebens?“, herausgegeben von Jehovas Zeugen.
b Weitere Einzelheiten enthält die von Jehovas Zeugen herausgegebene Broschüre Was ist der Sinn des Lebens? Wie kann man ihn herausfinden?.
[Kasten/Bilder auf Seite 7]
Was Wissenschaftler sagen
Manche denken, Wissenschaftler äußerten sich zu religiösen und theologischen Fragen in der Regel deshalb nicht, weil sie nicht religiös seien oder sich nicht auf eine Debatte zwischen Wissenschaft und Religion einlassen möchten. Diese Beschreibung trifft zwar auf einige Wissenschaftler zu, aber nicht auf alle. Man beachte die folgenden Aussagen:
„Das Universum hatte einen Anfang, doch den Grund dafür können die Wissenschaftler nicht erklären. Die Antwort lautet Gott.“ „Ich betrachte die Bibel als ein Buch der Wahrheit und als von Gott inspiriert. Hinter der Komplexität des Lebens muss einfach eine Intelligenz stecken“ (Ken Tanaka, Astrogeologe am U.S. Geological Survey).
„Die Kluft zwischen den verschiedenen Arten der Erkenntnis (wissenschaftlich und religiös) ist ziemlich konstruiert. ... Erkenntnis über den Schöpfer und Erkenntnis über die Schöpfung sind eng miteinander verbunden“ (Enrique Hernández, Wissenschaftler und Professor an der Fakultät für Physik und theoretische Chemie der Universidad Nacional Autónoma de México).
„Wenn wir nach und nach all diese Informationen [über das menschliche Genom] entschlüsseln, werden sie uns enthüllen, wie komplex und verwoben das ganze Material ist. Sie werden darauf hindeuten, dass alles ursprünglich durch einen intelligenten Schöpfer, ein vernunftbegabtes Agens, zustande kam“ (Duane T. Gish, Biochemiker).
„Wissenschaft und Religion sind nicht unvereinbar. Sie forschen beide nach derselben Wahrheit. Die Wissenschaft zeigt, dass Gott existiert“ (D. H. R. Barton, Professor für Chemie, Texas).
[Bildnachweis]
NASA/U.S. Geological Survey
Photo: www.comstock.com
NASA and The Hubble Heritage Team (STScI/AURA)
[Bilder auf Seite 5]
Kann die wissenschaftliche Forschung die Frage klären, warum wir hier sind?
[Bildnachweis]
Mit frdl. Gen.: Arecibo Observatory/David Parker/Science Photo Library
[Bildnachweis auf Seite 6]
Sternenhimmel auf Seite 2, 3, 5 und oben auf Seite 7: National Optical Astronomy Observatories
-
-
Wissenschaft und Religion miteinander vereinbarenErwachet! 2002 | 8. Juni
-
-
Wissenschaft und Religion miteinander vereinbaren
„Wissenschaft und Religion werden nicht mehr als unvereinbar angesehen“ (The Daily Telegraph, London, 26. Mai 1999).
WISSENSCHAFT und Religion in ihrer erhabensten Form sind auf der Suche nach Wahrheit. Die Wissenschaft enthüllt uns eine Welt wunderbarer Ordnung, einen Kosmos, der untrügliche Anzeichen intelligenter Planung trägt. Die wahre Religion verleiht diesen Entdeckungen einen Sinn, wenn sie lehrt, dass hinter der Planung in der stofflichen Welt der Geist des Schöpfers steht.
„Ich stelle fest, dass ich die Wissenschaft durch die Religion sehr viel höher einschätze“, erklärt der Molekularbiologe Francis Collins. Ferner sagt er: „Wenn ich am menschlichen Genom etwas Neues entdecke, dann empfinde ich Ehrfurcht vor dem Geheimnis des Lebens, und ich denke bei mir: ‚Sagenhaft! Und das hat vor mir nur Gott gewusst.‘ Dieses herrliche, äußerst ergreifende Gefühl verhilft mir zu größerer Wertschätzung für Gott und macht die Wissenschaft für mich noch lohnender.“
Wie kann man Wissenschaft und Religion besser miteinander vereinbaren?
Eine nie endende Suche
Die Grenzen akzeptieren: Bei der Suche nach Antworten über das unendliche Universum, über Raum und Zeit ist kein Ende in Sicht. Der Biologe Lewis Thomas bemerkte: „Ich glaube, dass diese Entwicklung nie enden wird, denn wir besitzen nun einmal einen unersättlichen Wissensdurst und sind ständig am Forschen, am Suchen, am Ergründen. Wir werden nie alle Rätsel lösen können. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir einmal alles wissen, sodass jeder aufatmend sagen kann: ‚Jetzt verstehen wir alles.‘ Das wird für uns immer unerreichbar bleiben.“
Auch im Bereich der religiösen Wahrheit ist die Suche endlos. Paulus, einer der Bibelschreiber, sagte: „Denn jetzt sehen wir alles nur wie in einem Spiegel, und darum bleiben viele Rätsel. ... Jetzt erkenne ich nur Teilwahrheiten“ (1. Korinther 13:12, Bruns).
Auch wenn man in wissenschaftlichen oder religiösen Fragen nur Teilwahrheiten herausfindet, bedeutet das noch lange nicht, dass aus den vorhandenen Tatsachen keine vernünftigen Schlüsse gezogen werden können. Man braucht nicht alle Einzelheiten über die Entstehung der Sonne zu kennen, um absolut sicher zu sein, dass sie morgen wieder aufgeht.
Die bekannten Tatsachen sprechen lassen: Wir müssen uns bei der Suche nach Antworten von vernünftigen Grundsätzen leiten lassen. Wenn man Beweise nicht absolut exakt führt, könnte man auf der Suche nach wissenschaftlicher oder religiöser Wahrheit leicht auf Irrwege geraten. Da die Erkenntnisse und das Gedankengut der Wissenschaft heute riesige Bibliotheken füllen, wäre es unrealistisch, zu denken, man könne das Ganze vollständig auswerten. In der Bibel dagegen liegt uns eine überschaubare Sammlung religiöser Lehren vor, mit denen wir uns befassen sollten. Ihre Aussagen werden durch bekannte Tatsachen gut belegt.a
Was allerdings die Erkenntnis im Allgemeinen angeht, gilt es sowohl auf wissenschaftlichem als auch auf religiösem Gebiet, sehr sorgfältig zwischen Tatsache und Spekulation, zwischen Realität und Täuschung zu unterscheiden. Der Bibelschreiber Paulus riet dringend, sich „von den Widersprüchen der fälschlich so genannten ‚Erkenntnis‘ “ abzuwenden (1. Timotheus 6:20). Um die Wissenschaft mit der Bibel vereinbaren zu können, müssen wir die Tatsachen für sich sprechen lassen, sodass sich Mutmaßungen und Spekulationen erübrigen, und es gilt, zu untersuchen, wie die Fakten einander ergänzen und stützen.
Wenn wir beispielsweise verstehen, dass in der Bibel das Wort „Tag“ für unterschiedlich lange Zeiträume stehen kann, dann wird klar, dass der Bericht über die sechs Schöpfungstage im ersten Buch Mose und die wissenschaftliche Schlussfolgerung, die Erde sei ungefähr viereinhalb Milliarden Jahre alt, einander nicht notwendigerweise ausschließen. Gemäß der Bibel bestand die Erde schon vor den sechs Schöpfungstagen für unbekannte Zeit. (Siehe den Kasten „Die Schöpfungstage — 24-Stunden-Tage?“.) Wenn sich also die Wissenschaft auch korrigiert und das Alter unseres Planeten revidiert, bleiben doch die biblischen Angaben weiter korrekt. In diesem und in vielen weiteren Punkten widerspricht die Wissenschaft der Bibel nicht, sondern liefert vielmehr umfangreiche Zusatzinformationen über die stoffliche Welt heute und in vergangener Zeit.
Glaube, nicht Leichtgläubigkeit: Keine andere Quelle vermittelt uns ein solches Wissen über Gott und seine Vorsätze wie die Bibel. Warum sollten wir ihr vertrauen? Die Bibel selbst fordert uns auf, ihre Genauigkeit zu überprüfen. Betrachten wir ihre geschichtliche Glaubwürdigkeit, ihren praktischen Wert, die Offenheit ihrer Schreiber und ihre Integrität. Wenn man die Genauigkeit der Bibel untersucht, darunter wissenschaftliche Aussagen und — was noch überzeugender ist — die Vielzahl von Prophezeiungen, die sich im Lauf von Jahrtausenden unfehlbar erfüllt haben und sich heute noch erfüllen, dann kann dies den Glauben an die Bibel als das Wort Gottes festigen. Ein solcher Glaube an die Bibel ist keine Leichtgläubigkeit, sondern ein begründetes Vertrauen in die Genauigkeit biblischer Aussagen.
Die Wissenschaft respektieren; den Glauben anerkennen: Jehovas Zeugen laden aufgeschlossene Menschen ein — egal ob wissenschaftlich oder religiös orientiert —, sich vereint an der ernsthaften Suche nach Wahrheit in beiden Bereichen zu beteiligen. Jehovas Zeugen fördern in ihren Zusammenkünften gebührenden Respekt vor der Wissenschaft und deren gesicherten Erkenntnissen. Gleichzeitig sind sie aber auch fest davon überzeugt, dass religiöse Wahrheit nur in der Bibel zu finden ist, die sich selbst als Gottes Wort bezeichnet und dafür umfangreiches Beweismaterial liefert. Der Apostel Paulus sagte: „Als ihr Gottes Wort, das ihr von uns hörtet, empfingt, habt ihr es nicht als Menschenwort angenommen, sondern als das, was es wahrhaftig ist, als das Wort Gottes“ (1. Thessalonicher 2:13).
Ähnlich wie bei der Wissenschaft haben sich falsche und schädliche Lehren und Bräuche leider auch in die Religion eingeschlichen. Deshalb gibt es die wahre und die falsche Religion, und aus diesem Grund haben viele Menschen die organisierten großen Religionen verlassen und sich der Christenversammlung der Zeugen Jehovas angeschlossen. Sie waren enttäuscht, dass man in ihrer ehemaligen Glaubensgemeinschaft menschliche Überlieferungen und Mythen nicht zugunsten erforschter oder geoffenbarter Wahrheiten verwerfen wollte.
Überdies finden wahre Christen einen echten Sinn und Zweck im Leben, weil sie mit dem Schöpfer, der sich in der Bibel kundtut, und mit seinen erklärten Absichten hinsichtlich der Menschen und der Erde gut vertraut sind. Jehovas Zeugen haben in der Bibel vernünftige Antworten gefunden auf die Fragen: Warum sind wir hier? Wohin gehen wir? Sie würden sich sehr freuen, dieses Wissen mit anderen zu teilen.
[Fußnote]
a Siehe das von Jehovas Zeugen herausgegebene Buch Die Bibel — Gottes oder Menschenwort?.
[Kasten auf Seite 10]
Die Schöpfungstage — 24-Stunden-Tage?
Einige religiöse Fundamentalisten behaupten, die vormenschliche Geschichte sei eher durch den Kreationismus zu erklären als durch die Evolution. Sie sind davon überzeugt, dass die gesamte materielle Schöpfung irgendwann vor 6 000 bis 10 000 Jahren in nur sechs 24-Stunden-Tagen hervorgebracht wurde. Damit leisten sie allerdings einer unbiblischen Lehre Vorschub und bewirken, dass sich viele über die Bibel lustig machen.
Hat ein Tag in der Bibel eigentlich immer eine Länge von buchstäblichen 24 Stunden? In 1. Mose 2:4 wird von „dem Tag, an dem Jehova Gott Erde und Himmel machte“, gesprochen. Dieser eine Tag umfasst alle sechs Schöpfungstage aus 1. Mose, Kapitel 1. So wie das Wort in der Bibel verwendet wird, ist unter einem Tag ein gewisser Zeitabschnitt zu verstehen, der tausend Jahre oder Tausende von Jahren dauern kann. Jeder biblische Schöpfungstag lässt demnach einen Zeitabschnitt von Tausenden von Jahren zu. Außerdem existierte die Erde bereits zu Beginn der Schöpfungstage. Das heißt, der Bibelbericht stimmt in diesem Punkt mit erwiesenen wissenschaftlichen Erkenntnissen überein (2. Petrus 3:8).
Zu der Auffassung, die Schöpfungstage hätten nur buchstäbliche 24 Stunden gedauert, sagt der Molekularbiologe Francis Collins: „Der Kreationismus hat ernsthaften Glaubensvorstellungen mehr geschadet als sonst etwas in der Geschichte der Neuzeit.“
[Kasten auf Seite 11]
Ist die Wissenschaft moralisch überlegen?
Die Religion ist wegen ihres Widerstands gegen den Fortschritt in der Wissenschaft, wegen ihres traurigen Rufs sowie ihrer Heuchelei und Grausamkeit bei vielen Wissenschaftlern verständlicherweise auf Ablehnung gestoßen. John Postgate, Professor für Mikrobiologie, weist auf Folgendes hin: „Die Religionen der Welt haben ... schreckliche Menschenopfer, Kreuzzüge, Pogrome und Inquisitionen mit sich gebracht. In der Welt von heute ist diese dunklere Seite der Religion zu einer Gefahr geworden, denn im Gegensatz zur Wissenschaft ist die Religion nicht neutral.“
Postgate vergleicht dies mit der postulierten Rationalität, Objektivität und Disziplin in der Wissenschaft und behauptet, dass „die Wissenschaft letztlich moralisch überlegen ist“.
Ist das wirklich so? Nein. Postgate räumt selbst ein, dass „es auch in Wissenschaftskreisen Eifersucht, Habgier, Vorurteile und Neid gibt“. Wie er außerdem sagt, „schreckten einige Forscher sogar vor Mord im Namen der Wissenschaft nicht zurück, so zum Beispiel in japanischen Gefangenenlagern und unter Hitler in Deutschland“. Als ein Journalist im Auftrag der Zeitschrift National Geographic recherchierte, wieso ein Artikel über ein gefälschtes Fossil veröffentlicht werden konnte, berichtete er: „Es ist eine Geschichte über fehlgeleitete Heimlichtuerei und falsches Vertrauen, über Profilneurosen, Selbstdarstellung, Wunschdenken, naive Annahmen, menschliche Irrtümer, Starrsinn, Manipulation, üble Nachrede, Lügen, Korruption“.
Übrigens war es auch die Wissenschaft, die der Menschheit schreckliche Kampfmittel an die Hand gegeben hat, wie zum Beispiel biologische Waffen mit Krankheitserregern, außerdem Giftgas, Raketen, „intelligente“ Bomben und Atombomben.
[Bild auf Seite 8, 9]
Ameisennebel (Menzel 3), vom Weltraumteleskop Hubble aufgenommen
[Bildnachweis]
NASA, ESA and The Hubble Heritage Team (STScI/AURA)
[Bilder auf Seite 9]
Die Wissenschaft ist auf eine Vielzahl untrüglicher Anzeichen von intelligenter Planung gestoßen
[Bild auf Seite 10]
Jehovas Zeugen fördern den Respekt vor der auf Tatsachen beruhenden Wissenschaft sowie den Glauben an die Bibel
-