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Das Judentum — Die Suche nach Gott mit Hilfe der Bibel und der TraditionDie Suche der Menschheit nach Gott
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Auferstehung
31. (a) Wie drang die Lehre von der unsterblichen Seele in die jüdische Religion ein? (b) Welches Dilemma entstand durch die Lehre von der Unsterblichkeit der Seele?
31 Nach einer der Grundlehren des heutigen Judentums hat der Mensch eine unsterbliche Seele, die beim Tod des Körpers weiterlebt. Stammt diese Lehre aber aus der Bibel? Die Encyclopaedia Judaica gibt offen zu: „Die Lehre von der Unsterblichkeit der Seele drang wahrscheinlich unter griechischem Einfluß in die jüdische Religion ein.“ Dadurch entstand jedoch ein doktrinäres Dilemma, denn in demselben Werk wird gesagt: „Im Grunde widersprechen sich die Lehre von der Auferstehung und die von der Unsterblichkeit der Seele. Gemäß der einen gibt es am Ende der Tage eine allgemeine Auferstehung, das heißt, daß alle in der Erde Schlafenden hervorkommen werden, während die andere vom Zustand der Seele nach dem Tod des Körpers spricht.“ Wie beseitigte man dieses Dilemma? „Man nahm an, daß die Seele des Verstorbenen nach dem Tod in einem anderen Bereich weiterlebt (wodurch die verschiedenen Ansichten über Himmel und Hölle entstanden), während sein Körper im Grab liegt bis zur leiblichen Auferstehung aller Toten hier auf der Erde.“
32. Was sagt die Bibel über die Toten?
32 Privatdozent Arthur Hertzberg schreibt: „In der [hebräischen] Bibel selbst ist der Rahmen, in dem sich das Leben des Menschen abspielt, diese Welt. Es gibt keine Doktrin von Himmel und Hölle, lediglich eine sich verstärkende Vorstellung von einer letztlichen Wiedererweckung der Toten am Ende aller Tage.“ Das ist eine einfache und zutreffende Erklärung dessen, was die Bibel sagt, nämlich, daß „die Toten ... nichts [kennen] ... Denn es gibt nicht Schaffen noch Planen, nicht Kenntnis noch Weisheit in Scheol [dem allgemeinen Grab der Menschheit], dahin du gehst“ (Prediger 9:5, 10; Daniel 12:1, 2; Jesaja 26:19).
33. Wie betrachteten die Juden die Lehre von der Auferstehung ursprünglich?
33 In der Encyclopaedia Judaica wird gesagt: „In der rabbinischen Zeit galt die Lehre von der Auferstehung der Toten als eine Zentrallehre des Judentums“, sie „ist vom Glauben an ... die Unsterblichkeit der Seele zu unterscheiden“.g Heute wird die Unsterblichkeit der Menschenseele jedoch von allen Richtungen des Judentums anerkannt, die Auferstehung der Toten dagegen nicht.
34. Wie beschreibt der Talmud die Seele im Gegensatz zur Bibel? Was sagen spätere Kommentatoren darüber?
34 Im Gegensatz zur Bibel enthält der Talmud, der unter hellenistischem Einfluß entstanden ist, nicht nur eine Fülle von Erklärungen und Geschichten, sondern sogar Beschreibungen der unsterblichen Seele. Später ist in der Literatur der Kabbala (der jüdischen Geheimlehre) sogar von der Reinkarnation (Seelenwanderung) die Rede, die im wesentlichen eine alte hinduistische Lehre ist. (Siehe Kapitel 5.) Von den Juden in Israel wird diese Lehre heute allgemein akzeptiert, und auch im Glauben und in der Literatur der Chassidim spielt sie eine wichtige Rolle. Martin Buber gibt in seinem Buch Die Erzählungen der Chassidim zum Beispiel folgende Geschichte über die Seele wieder, die aus der Schule Elimelechs, eines Rabbiners von Lezajsk, stammt: „Wenn Rabbi Abraham Jehoschua am Versöhnungstag den Bericht vom Dienst des Hohenpriesters im Allerheiligsten wiederholte und an die Stelle kam, wo es heißt: ‚Und so sprach er‘, sagte er jedesmal nicht diese Worte, sondern er sagte: ‚Und so sprach ich.‘ Denn er hatte die Zeit, da seine Seele in einem Hohenpriester zu Jerusalem war, nicht vergessen.“
35. (a) Wie ist das Reformjudentum zur Lehre von der Unsterblichkeit der Seele eingestellt? (b) Was lehrt die Bibel klar und deutlich über die Seele?
35 Das Reformjudentum hat den Glauben an die Auferstehung sogar direkt verworfen. Man hat das Wort aus den reformjüdischen Gebetsbüchern ausgemerzt, was zeigt, daß man nur noch an die unsterbliche Seele glaubt.
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g Abgesehen von der Bibel, wurde sie als ein Glaubensartikel in der Mischna (Sanhedrin 10:1) gelehrt und war auch im letzten der 13 Glaubensartikel des Maimonides enthalten. Bis zum 20. Jahrhundert galt die Leugnung der Auferstehung als Ketzerei.
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