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  • Papst Johannes Paul II. besucht eine unruhige Herde
    Erwachet! 1988 | 8. März
    • Papst Johannes Paul II. besucht eine unruhige Herde

      ZEHN Tage lang reiste Papst Johannes Paul II. im September letzten Jahres mit einem Jet kreuz und quer durch Nordamerika und besuchte neun US-amerikanische Städte sowie eine Kleinstadt in den Nordwestterritorien von Kanada. Er wandte sich auch an Nichtkatholiken und stieß gleichzeitig auf eine zunehmend unabhängige Haltung unter seinen nordamerikanischen Gläubigen.

      Priester stellten die Zölibatsregeln der Kirche in Frage. Bischöfe hielten die moralischen Regeln für zu streng. Und Indianer protestierten gegen die Art, wie die Kirche ihre Vorfahren behandelt hatte.

      Der Papst befaßte sich mit der wachsenden Neigung unter US-amerikanischen Katholiken, in bezug auf die Lehren der Kirche „wählerisch zu sein“. Monsignore John Tracy Ellis erklärte zum Beispiel, daß zahlreiche Leute sagen: „Ich bin zwar katholisch, aber ich halte mich nicht an alles, was der Papst sagt.“ Die Zeitschrift Time berichtete: „Viele Katholiken Amerikas, die in den Augen Roms einmal zu den pflichttreusten Söhnen und Töchtern der Kirche gehörten, meinen heute, sie hätten das Recht, sich Teile ihres Glaubens auswählen und Lehren der Kirche außer acht lassen zu können, mit denen sie nicht übereinstimmen.“

      Sorgfältige Vorbereitung

      Der Besuch wurde mit großer Sorgfalt inszeniert. Nicht nur die Texte der Kirchenvertreter wurden lange im voraus beim Vatikan eingereicht, sondern auch das, was Führer der Juden, der Muslime, Hindus und Buddhisten dem Papst sagen würden, so daß eine gut durchdachte Erwiderung vorbereitet werden konnte.

      Die Rundreise begann am 10. September in Miami (Florida). Dort forderte der katholische Priester Frank J. McNulty als Vertreter der 57 000 Priester in den Vereinigten Staaten den Papst auf, entzweiende Streitpunkte aufzugreifen wie den Zölibat, das häufigere Sichabwenden der Katholiken von den Lehren der Kirche und das Bestreben der Frauen, in der Kirche eine größere Rolle zu spielen. Er sagte, daß der Wert des Zölibats „im Denken vieler allmählich geschwunden ist und auch weiterhin schwindet“. In der Los Angeles Times hieß es dazu, daß die „milde“ Entgegnung des Papstes „keine der Streitfragen direkt berührte, die [von McNulty] vorgebracht worden waren“, und daß er „statt dessen die Pflicht der Priester betonte, sich seiner Lehrautorität zu fügen“.

      Anschließend traf sich der Papst in Columbia (Südkarolina) mit Geistlichen anderer Religionen. In New Orleans (Louisiana) machte er die Theologen, die an katholischen Schulen lehren, darauf aufmerksam, daß es ihnen nicht zustehe, von den offiziellen Lehren der Kirche abzuweichen.

      In Phoenix (Arizona) bekannte er sich zu „Fehlern und Vergehen“ von Angehörigen seiner Kirche in bezug auf die Indianer, und er nahm in aller Öffentlichkeit von einem indianischen Medizinmann eine Adlerfeder entgegen, die eine religiöse Bedeutung hatte.

      Bei einer Zusammenkunft mit 300 amerikanischen Bischöfen in Los Angeles (Kalifornien) sagte Kardinal John R. Quinn dem Papst: „Als Hirten sind wir sehr darüber besorgt, daß in unserem Land ganz bestimmte Bereiche der Kirchenlehre sowohl in bezug auf die Sexual- als auch auf die Sozialmoral mitunter negativ kritisiert werden, manchmal sogar von Katholiken, die guten Willens sind.“ Der Papst entgegnete, daß es ein „schwerwiegender Fehler“ sei, wenn Katholiken dächten, sie könnten sich als treu betrachten, wenn sie von den Lehren der Kirche über „Sexual- und Ehemoral, Scheidung und Wiederheirat ... [und] Abtreibung“ abwichen.

      In San Francisco (Kalifornien), einer Stadt, in der Aids bereits über 2 150 Menschenleben gefordert hat, sprach man über Homosexualität. Zu einer Gruppe, die sich mit dem Papst traf, gehörten 62 Aidsinfizierte. Unter diesen befanden sich zwei Priester, ein ehemaliger Mönch, eine Anzahl Homosexueller und ein vierjähriger Junge, der zufolge einer Bluttransfusion aidskrank geworden war.

      In Detroit (Michigan) verurteilte Johannes Paul II. die Abtreibung mit den Worten: „Das Leben jedes menschlichen Wesens sollte von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod respektiert und gesetzlich geschützt werden.“ Von Detroit aus ging der Papst nach Fort Simpson (Kanada), wo der Anspruch der Indianer auf Eigenständigkeit und auf ein eigenes Territorium seine „unüberhörbare Gutheißung“ fand.

      Wie reagierten die amerikanischen Katholiken auf die Haltung des Papstes? In der Londoner Times hieß es: „Seine persönliche Anziehung hat ohne Zweifel der Kirche Aufschwung verliehen, seine kompromißlosen Forderungen nach Gehorsam gegenüber dem Vatikan haben die Meinungsverschiedenheiten noch verschärft.“

  • Papst Johannes Paul II. besucht eine unruhige Herde
    Erwachet! 1988 | 8. März
    • [Kasten auf Seite 25]

      Anerkennung der kirchlichen Lehre

      Eine Umfrage, die im August vergangenen Jahres von der Zeitschrift Time durchgeführt und am 7. September veröffentlicht wurde, ließ das Ausmaß erkennen, in dem Amerikaner, die sich als katholisch bezeichnen, von der offiziellen Lehre der Kirche abweichen. Es wurden folgende Angaben gemacht:

      27 % der befragten Katholiken in den USA sagten, daß Frauen nach Wunsch das Recht haben sollten, eine Schwangerschaft abzubrechen.

      53 % meinten, daß den Priestern gestattet werden sollte zu heiraten.

      78 % sagten, Katholiken dürften sich über Fragen wie Geburtenkontrolle und Abtreibung „ihre eigene Meinung bilden“.

      93 % glaubten, daß „es möglich ist, anderer Meinung zu sein als der Papst und dennoch ein guter Katholik zu sein“.

      Eine Umfrage der New York Times/CBS News (veröffentlicht in der New York Times vom 11. September 1987) ließ erkennen, daß ähnliche Zweifel unter den Priestern bestehen:

      24 % sagten, daß sie „den Gebrauch künstlicher Empfängnisverhütungsmethoden“ befürworten würden.

      55 % waren dafür, daß Priester heiraten dürfen.

      57 % sagten, daß man „in bezug darauf, daß Abtreibung Sünde ist“, der Kirche nicht zuzustimmen braucht und „dennoch ein guter Katholik sein kann“.

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