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  • Warum einige Geistliche die Kindertaufe ablehnen
    Der Wachtturm 1986 | 15. März
    • So zum Beispiel die katholische Kirche. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil wurde der Ritus der Kindertaufe überarbeitet. Die Kirche tauft zwar immer noch Babys, aber jetzt müssen die Eltern zuvor gewährleisten, daß das Kind katholisch erzogen wird. Der Vatikan verfügte: „Ist diese Gewähr nicht gegeben, kann das ein Grund zur Verschiebung des Sakraments werden. Ist überhaupt keine Gewähr gegeben, soll man das Sakrament verweigern“ (Herder-Korrespondenz, Januar 1981, „Glaubenskongregation: Instruktion über die Kindertaufe“).

      Wie sehr unterscheidet sich das doch von dem Vorgehen in früheren Zeiten, als gemäß den Worten des katholischen Geistlichen Joseph M. Champlin „eifrige Missionare heidnische Babys tauften, die von ihren Eltern am Straßenrand ausgesetzt worden waren“, und Priester „die Eltern ermahnten, ein Kind spätestens nach einem Monat taufen zu lassen, weil sie sich sonst einer Todsünde schuldig machen würden“.

      Was steht hinter dieser veränderten Einstellung? Die Kirchenführer erkennen jetzt, daß die Taufe noch keinen Christen macht. Die rückläufigen Zahlen der Kirchenbesucher und ein allgemeiner Mangel an Frömmigkeit unter getauften Katholiken geben zu echter Besorgnis Anlaß. „Warum sollte die Kirche das Problem noch vergrößern, indem sie weiterhin Kinder tauft, die als Erwachsene ihren Glauben doch nicht praktizieren werden?“ heißt es in einem Artikel in der Zeitschrift U.S. Catholic.

      Die neue, harte Linie in bezug auf die Taufe offenbart allerdings auch einen tiefen Riß, der quer durch die Reihen der Theologen geht. So stellte der katholische Autor Joseph Martos fest, daß viele Geistliche ganz einfach nicht glauben, daß die Kindertaufe ein „magischer Ritus mit unsichtbaren Auswirkungen auf die Seele“ ist. In ihren Augen ist eine solche Ansicht mittelalterlich, überholt.

      Es ist daher nicht verwunderlich, daß viele aufrichtige Katholiken verwirrt sind. Denn hat die Kirche nicht stets gelehrt, daß ungetaufte Kinder in eine feurige Hölle oder in das Fegefeuer kommen? Warum verweigert sie dann aber unter gewissen Umständen trotzdem die Taufe? Das sind gewichtige Fragen. Wie der katholische Priester Vincent Wilkin sagte, ist die Zahl derer, die ungetauft gestorben sind, „tatsächlich so unermeßlich hoch, daß es sich dabei, wie man sich leicht vorstellen kann, um einen Großteil der Menschheit handelt“.

  • Sollte man kleine Kinder taufen?
    Der Wachtturm 1986 | 15. März
    • Für die Eltern mag die Taufe ein ergreifendes Erlebnis sein. Aber hat dieser Brauch seinen Ursprung in Gottes Wort? Katholische Theologen geben zu, daß dem nicht so ist. (Siehe Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. 6, Sp. 159.)

  • Sollte man kleine Kinder taufen?
    Der Wachtturm 1986 | 15. März
    • Ohne sich auf einen biblischen Präzedenzfall berufen zu können, sagt der Vatikan, daß der Brauch, Säuglinge zu taufen, eine uralte Tradition sei.

  • Sollte man kleine Kinder taufen?
    Der Wachtturm 1986 | 15. März
    • Nachdem die Apostel gestorben und somit nicht mehr in der Lage waren, als ‘Hemmnis zu wirken’, schlichen sich allmählich unbiblische Praktiken in die christliche Anbetung ein (2. Thessalonicher 2:6). Dazu gehörte auch die Kindertaufe. Kinder zu taufen wurde jedoch erst vom fünften Jahrhundert an die Regel. Zu jener Zeit war ein hitziger Streit im Gange, der nachhaltige Auswirkungen auf die Christenheit haben sollte.

      Es begann damit, daß Pelagius, ein Mönch aus Britannien, eine Reise nach Rom unternahm. Entsetzt über die Verdorbenheit, die er dort unter den angeblichen Christen sah, nahm er sich vor, die Menschen zu „größeren moralischen Anstrengungen“ anzuspornen. Der Mensch könne für seine Schwächen nicht die „Erbsünde“ verantwortlich machen, sagte Pelagius. „Alles Gute und alles Schlechte ... wird von uns getan, es ist uns nicht angeboren.“ Die pelagianische Lehre wurde das Gesprächsthema der Christenheit.

      Aber sie blieb es nicht lange. Für die Kirchenführer war diese Wegwendung von der „Erbsünde“ Ketzerei. Und Pelagius arbeitete ihnen unabsichtlich in die Hände, da er sich für einen damals populären Brauch einsetzte — die Kindertaufe. Augustinus, ein Bischof, sah darin eine offenkundige Inkonsequenz. Wenn Kinder getauft werden müssen, so argumentierte er, wie steht es dann mit denen, die nicht getauft sind? Gemäß seiner scheinbar logischen Schlußfolgerung müßten sie — weil sie die Taufe nicht empfangen hatten — im Höllenfeuer leiden. Nachdem Augustinus diese Vorstellung untermauert hatte, holte er zum vernichtenden Schlag gegen Pelagius aus: Wenn aber ungetaufte Kinder wirklich der Verdammnis anheimfallen, was könnte dann anderes dafür verantwortlich sein als die „Erbsünde“?

      Der Pelagianismus wurde daher verworfen. Auf einem Konzil in Karthago erklärte man die Lehren des Pelagius für ketzerisch. Die „Erbsünde“ wurde ebenso zu einem Bestandteil des Katholizismus wie der Beichtstuhl. Und die Kirche begann in der Folge — oftmals erzwungene — Massenbekehrungen zu unterstützen, damit die Menschen vor dem „Höllenfeuer“ bewahrt würden. Aus der Kindertaufe als einem populären Brauch wurde ein offizielles Instrument der Rettung — etwas, was der Protestantismus später erben sollte.

      Am Rand der Hölle

      Die Lehre des Augustinus gab jedoch Anlaß zu einigen unbequemen und schwierigen Fragen: Wie kann ein Gott der Liebe zulassen, daß unschuldige Kinder in der Hölle leiden? Sollten ungetaufte Babys etwa dieselbe Strafe erleiden wie verstockte Sünder? Es war für die Theologen nicht leicht, Antworten auf diese Fragen zu finden. Der katholische Priester Vincent Wilkin sagte: „Einige haben die ungetauften Kinder der vollen Gluthitze der Hölle übergeben; andere glaubten, sie würden von den Flammen nicht verzehrt, sondern nur auf eine recht unangenehme Temperatur erhitzt; nach der Darstellung wieder anderer handelte es sich um die geringstmöglichen Beschwerden in der Hölle ... Einige versetzten sie in ein irdisches Paradies.“b

      Allgemeine Zustimmung fand dann jedoch die Theorie, daß sich die Seelen ungetaufter Kinder im Limbus befinden würden. Das Wort Limbus bedeutet buchstäblich „Rand“ (wie der Rand oder Saum eines Kleidungsstücks), und es beschreibt eine Region, die sich, wie angenommen wird, am Rand der Hölle befindet. Für die Theologen ist der Limbus eine sehr bequeme Erklärung, mildert er doch die schreckliche Vorstellung, daß kleine Kinder leiden müssen.

      Aber wie bei jeder von Menschen aufgestellten Theorie gibt es auch in Verbindung mit dem Limbus gewisse Probleme. Warum wird er nicht in der Bibel erwähnt? Können die Kinder wieder aus dem Limbus herauskommen? Und warum müssen unschuldige Babys überhaupt an einen solchen Ort kommen? Verständlicherweise legt die Kirche Wert darauf, daß der Limbus „keine offizielle katholische Lehre ist“c (New Catholic Encyclopedia).

      Die Debatte flammt wieder auf

      Jahrhundertelang galt für Katholiken grundsätzlich die Ansicht des Augustinus, und sie ließen ihre Kinder taufen, um sie vor dem Limbus zu bewahren. Interessanterweise flammte in den 50er Jahren die Debatte um die Kindertaufe wieder auf. Katholische Gelehrte haben ernste Zweifel geäußert, ob es biblisch ist, kleine Kinder zu taufen. Andere geben zu, daß sie weder an die augustinische Vorstellung von einem Höllenfeuer noch an einen Limbus glauben können.

      Zunächst weigerten sich die konservativen Kirchenführer jedoch, von ihrer Position auch nur im geringsten abzurücken. Im Jahre 1951 betonte Papst Pius XII. in einer Rede vor einer Gruppe von Hebammen erneut den Standpunkt, daß „der Zustand der Gnade im Augenblick des Todes für die Rettung unerläßlich“ sei. Er forderte die Hebammen auf, den Taufritus selbst zu vollziehen, wenn nicht sicher sei, ob das Neugeborene überlebe. „Versagt ihnen diesen barmherzigen Dienst nicht“, schärfte der Papst ihnen ein. In ähnlicher Weise wurde im Jahre 1958 in einer Verlautbarung des Vatikans nachdrücklich darauf hingewiesen, daß Kinder so bald wie möglich zu taufen seien.

      Ungeachtet dessen traten die Gegensätze nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil wieder offen zutage. Die Kirche hatte eine überraschende Kehrtwendung gemacht und versucht, es sowohl mit den Konservativen als auch mit den Liberalen zu halten. So wurde auf dem Konzil zwar gesagt, daß die Taufe für die Rettung unbedingt notwendig sei; andererseits könnten kurioserweise aber auch diejenigen gerettet werden, „die das Evangelium ohne ihre Schuld nicht kennen“.d

      In der Folge revidierte die Kirche den Ritus der Kindertaufe. Jetzt lag bei den Priestern die Entscheidung, ob sie die Taufe verweigerten, wenn die Eltern nicht gewährleisten konnten, ihr Kind katholisch zu erziehen. War die Kirche von der Lehre des Augustinus abgerückt? Einige vertraten diese Ansicht und begannen die Notwendigkeit der Kindertaufe in Frage zu ziehen.

      Dann veröffentlichte der Vatikan seine „Instruktion über die Kindertaufe“. Darin wurde erklärt, daß die Kirche „außer der Taufe keinen anderen Weg kennt, um den Kindern mit Sicherheit den Zugang zur ewigen Seligkeit zu eröffnen“. Die Bischöfe wurden angewiesen, „jene zur überlieferten Praxis zurückzuführen, die ... von ihr abgewichen sind“. Und was wurde jetzt über die Kinder gesagt, die ungetauft sterben? „Die Kirche kann sie nur der Gnade Gottes überantworten.“

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