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RusslandJahrbuch der Zeugen Jehovas 2008
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So erging es Nadjeschda Wischnjak: „Mein Mann und ich waren noch keine Zeugen Jehovas, aber die Wahrheit hatte uns tief berührt. Eines Tages kam die Polizei zu mir an den Arbeitsplatz und führte mich ab. Ich konnte mich nicht einmal umziehen. Auch meinen Mann Pjotr holten sie von der Arbeit ab. Zuvor hatte man unsere Wohnung durchsucht und eine Bibel und die Broschüre Nach Harmagedon — Gottes neue Welt gefunden. Pjotr hätte nie gedacht, dass sie mich verhaften würden, denn ich war im 7. Monat schwanger.
Man warf uns Auflehnung gegen die sowjetische Staatsgewalt vor. Wir erklärten, dass wir an die Bibel glauben und sie für uns eine noch viel höhere Autorität ist.
‚Die Bibel ist Gottes Wort, darum möchten wir danach leben‘, sagte ich.
Die Verhandlung fand nur zwei Wochen vor dem Geburtstermin statt. Daher legte der Richter öfter eine Pause ein, damit ich unter Bewachung spazieren gehen konnte. Dabei fragte mich der Wachhabende, weswegen ich vor Gericht stand. Ich konnte ihm wunderbar Zeugnis geben.
Der Richter erklärte die beschlagnahmte Bibel und die konfiszierte Literatur für antisowjetisch. Das hörte ich gern, denn nun galten nicht nur mein Mann und ich als antisowjetisch, sondern auch die Literatur und sogar die Bibel! Man fragte uns, woher wir Zeugen Jehovas kannten. Als wir dem Richter sagten, wir hätten sie im Arbeitslager in Workuta kennengelernt, schrie er verärgert: ‚Da kann man mal sehen, was in unseren Lagern so vor sich geht!‘ Wir bekamen beide 10 Jahre Haft in einem Besserungsarbeitslager.
Pjotr kam nach Mordowien (im mittleren europäischen Russland). Ich kam in Einzelhaft. Im März 1958 wurde unser Sohn geboren. In diesen schweren Zeiten war Jehova mein bester Freund und Helfer. Meine Mutter nahm dann unseren Sohn zu sich und sorgte für ihn. Ich wurde in ein Arbeitslager im sibirischen Kemerowo interniert.
Nach 8 Jahren kam ich vorzeitig frei. Ich erinnere mich noch gut daran, wie die Aufseherin in der Baracke lautstark verkündete, ich hätte niemals antisowjetische Bemerkungen gemacht und unsere Literatur sei rein religiös. Nach der Entlassung 1966 ließ ich mich taufen.“
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RusslandJahrbuch der Zeugen Jehovas 2008
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[Bilder auf Seite 121]
Diese Broschüre „Nach Harmagedon — Gottes neue Welt“ fand die Polizei in der Wohnung von Nadjeschda Wischnjak
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