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  • Die Herrlichkeit des Thrones Jehovas im Himmel
    Die Offenbarung — Ihr großartiger Höhepunkt ist nahe!
    • hat, lobpreisen und verherrlichen (Psalm 150:1-6).

      27, 28. (a) Wie sollte uns die von Johannes beschriebene Vision berühren? (b) Was wird deutlich, wenn wir den Bericht des Johannes weiterverfolgen?

      27 Wer ist nicht von dem Bericht des Johannes über seine Vision tief ergriffen! Er ist wirklich eindrucksvoll. Doch wie muß erst die Wirklichkeit sein! Jehovas Majestät ist so überwältigend, daß jeder, der ein dankbares Herz hat, sich bewogen fühlt, ihn zusammen mit den vier lebenden Geschöpfen und den 24 Ältesten in seinen Gebeten und durch seine öffentliche Verkündigung seines Namens zu lobpreisen. Von diesem Gott dürfen Christen heute Zeugen sein (Jesaja 43:10). Es gilt zu beachten, daß die Vision des Johannes auf den Tag des Herrn zutrifft, an dem wir jetzt leben. „Die sieben Geister“ sind stets da, um uns zu leiten und zu stärken (Galater 5:16-18). Gottes Wort ist uns heute eine Hilfe, im Dienst eines heiligen Gottes heilig zu sein (1. Petrus 1:14-16). Es macht uns bestimmt Freude, die Worte dieser Prophezeiung laut zu lesen (Offenbarung 1:3). Sie sind uns ein großer Ansporn, Jehova treu zu sein und uns nicht durch die Welt vom inbrünstigen Singen seines Lobpreises ablenken zu lassen (1. Johannes 2:15-17).

      28 Bis jetzt hat Johannes beschrieben, was er sieht, nachdem er eingeladen worden ist, durch die Tür im Himmel einzutreten. Er berichtet, wie Jehova in all seiner erhabenen Majestät und Würde auf seinem himmlischen Thron sitzt. Gott ist von der mächtigsten aller Organisationen umgeben, die ihm in strahlender Pracht loyal ergeben ist. Das himmlische Gericht tagt (Daniel 7:9, 10, 18). Die Voraussetzungen sind dafür geschaffen, daß etwas Außergewöhnliches geschieht. Was es ist und wie es sich auf uns heute auswirkt, wird deutlich, wenn wir den Bericht weiterverfolgen.

  • „Wer ist würdig, die Buchrolle zu öffnen?“
    Die Offenbarung — Ihr großartiger Höhepunkt ist nahe!
    • Kapitel 15

      „Wer ist würdig, die Buchrolle zu öffnen?“

      1. Was sieht Johannes nun in der Vision?

      GROSSARTIG! EHRFURCHTGEBIETEND! Mit diesen Worten kann die beeindruckende Vision von Jehovas Thron, der in Verbindung mit Feuerlampen, Cheruben, 24 Ältesten und einem gläsernen Meer erwähnt wird, beschrieben werden. Doch was sieht Johannes als nächstes? Johannes richtet die Aufmerksamkeit direkt auf den Mittelpunkt dieser himmlischen Szene, indem er sagt: „Und ich sah in der Rechten dessen, der auf dem Thron sitzt, eine Buchrolle, innen und auf der Rückseite beschrieben, fest versiegelt mit sieben Siegeln. Und ich sah einen starken Engel, der mit lauter Stimme ausrief: ‚Wer ist würdig, die Buchrolle zu öffnen und ihre Siegel zu lösen?‘ Doch kein einziger, weder im Himmel noch auf der Erde, noch unter der Erde, vermochte die Buchrolle zu öffnen oder in sie hineinzuschauen. Und ich weinte sehr, weil niemand für würdig befunden wurde, die Buchrolle zu öffnen oder in sie hineinzuschauen“ (Offenbarung 5:1-4).

      2, 3. (a) Warum ist Johannes daran interessiert, daß jemand gefunden wird, der die Buchrolle öffnen kann, doch wie scheinen die Aussichten zu sein? (b) Worauf war Gottes gesalbtes Volk in unserer Zeit gespannt?

      2 Jehova selbst, der Souveräne Herr der ganzen Schöpfung, hält diese Buchrolle in seiner ausgestreckten Hand. Die Buchrolle muß viele wichtige Informationen enthalten, denn sie ist auf der Vorder- und auf der Rückseite beschrieben. Unsere Neugier ist geweckt. Was steht darin geschrieben? Wir erinnern uns daran, daß Jehova folgende Einladung an Johannes ergehen ließ: „Komm hierherauf, und ich werde dir die Dinge zeigen, die geschehen sollen“ (Offenbarung 4:1). Voller Spannung warten wir darauf, zu erfahren, um welche Dinge es sich handelt. Doch leider ist die Buchrolle fest verschlossen, mit sieben Siegeln versiegelt.

      3 Wird der starke Engel jemanden finden, der würdig ist, die Buchrolle zu öffnen? Gemäß der Kingdom Interlinear Translation befindet sie sich „auf der rechten Hand“ Jehovas. Das deutet darauf hin, daß er sie in seiner ausgestreckten geöffneten Hand hält. Doch anscheinend ist niemand im Himmel oder auf der Erde würdig, die Buchrolle zu nehmen und zu öffnen. Nicht einmal unter der Erde — von treuen Dienern Gottes, die verstorben sind — ist jemand dieser großen Ehre würdig. Kein Wunder, daß Johannes sichtlich bestürzt ist! Vielleicht wird er „die Dinge ..., die geschehen sollen“, gar nicht kennenlernen. Auch heute haben Gottes Gesalbte gespannt darauf gewartet, daß Jehova auf die Offenbarung Licht werfen würde. Er tat dies Schritt für Schritt — je nachdem, wann sich eine Prophezeiung erfüllte —, um sein Volk auf dem Weg „großartiger Rettung“ zu lenken und zu leiten (Psalm 43:3, 5).

      Derjenige, der würdig ist

      4. (a) Wer wird schließlich für würdig befunden, die Buchrolle und ihre Siegel zu öffnen? (b) Welchen gemeinsamen Lohn und welches gemeinsame Vorrecht erhalten jetzt die Johannes-Klasse und ihre Gefährten?

      4 Ja, es gibt jemanden, der die Buchrolle öffnen kann. Johannes berichtet: „Doch einer von den Ältesten spricht zu mir: ‚Hör auf zu weinen. Siehe! Der Löwe, der vom Stamm Juda ist, die Wurzel Davids, hat gesiegt, so daß er die Buchrolle und ihre sieben Siegel öffnen kann‘ “ (Offenbarung 5:5). Johannes kann ruhig seine Tränen trocknen. Die Johannes-Klasse und ihre treuen Gefährten haben heute ebenfalls jahrelang schwere Prüfungen ertragen, während sie geduldig auf Erleuchtung gewartet haben. Und die Geduld ist belohnt worden. Wir können die Vision heute verstehen und dürfen an ihrer Erfüllung einen Anteil haben, indem wir ihre Botschaft anderen verkündigen.

      5. (a) Welche Prophezeiung wurde, Juda betreffend, geäußert, und wo regierten die Nachkommen Judas? (b) Wer ist Schilo?

      5 Gut, daß „der Löwe, der vom Stamm Juda ist“, erwähnt wird! Johannes kennt die Prophezeiung, die Jakob, der Vorfahr der Juden, seinen vierten Sohn, Juda, betreffend, äußerte: „Ein Löwenjunges ist Juda. Vom Raub wirst du, mein Sohn, gewiß emporsteigen. Er hat sich niedergekauert, er hat sich ausgestreckt wie ein Löwe, und, wie ein Löwe, wer wagt es, ihn aufzustören? Das Zepter wird nicht von Juda weichen noch der Befehlshaberstab zwischen seinen Füßen hinweg, bis Schilo kommt; und ihm wird der Gehorsam der Völker gehören“ (1. Mose 49:9, 10). Die Königslinie des Volkes Gottes war aus dem Stamm Juda. Beginnend mit David, waren alle Könige, die bis zur Vernichtung Jerusalems durch die Babylonier in dieser Stadt regierten, Nachkommen Judas. Aber keiner von ihnen war der von Jakob vorhergesagte Schilo. Schilo bedeutet „derjenige, dessen es [das Recht] ist“. Dieser Name wies prophetisch auf Jesus hin, dem das Königtum Davids nun für immer gehört (Hesekiel 21:25-27; Lukas 1:32, 33; Offenbarung 19:16).

      6. In welchem Sinne war Jesus „ein Reis“ Isais und auch „die Wurzel Davids“?

      6 Johannes erkennt sogleich, warum „die Wurzel Davids“ erwähnt wird. Der verheißene Messias wird prophetisch als „ein Reis aus dem Stumpf Isais [des Vaters König Davids] ... und ein Sproß“ bezeichnet sowie als „die Wurzel Isais ..., die dastehen wird als ein Signal für die Völker“ (Jesaja 11:1, 10). Jesus war insofern ein Reis Isais, als er in die Königslinie Davids, eines Sohnes Isais, hineingeboren wurde. Und als Wurzel Isais ließ er die davidische Dynastie wieder sprossen, gab ihr also Leben und erhält sie für immer aufrecht (2. Samuel 7:16).

      7. Warum ist Jesus würdig, die Buchrolle aus der Hand dessen entgegenzunehmen, der auf dem Thron sitzt?

      7 In seinem Dienst für Jehova bewahrte Jesus als vollkommener Mensch auf hervorragende Weise unter qualvollen Prüfungen seine Lauterkeit. Er sorgte dafür, daß Satan auf seine Herausforderung eine vollständige Antwort erhielt (Sprüche 27:11). Deshalb konnte er in der Nacht vor seinem Opfertod sagen: „Ich habe die Welt besiegt“ (Johannes 16:33). Jehova gab daher dem auferstandenen Jesus „alle Gewalt im Himmel und auf der Erde“. Von allen Dienern Gottes ist er der einzige, der berechtigt ist, die Buchrolle zu nehmen, um die darin enthaltene bedeutsame Botschaft bekanntzumachen (Matthäus 28:18).

      8. (a) Aus welchem Grund ist Jesus würdig, die Buchrolle entgegenzunehmen und zu öffnen, wenn man an das Königreich denkt? (b) Warum ist es passend, daß einer der 24 Ältesten Johannes denjenigen offenbart, der würdig ist, die Buchrolle zu öffnen?

      8 Bestimmt ist es angebracht, daß Jesus die Buchrolle öffnen soll. Seit 1914 sitzt er als König des messianischen Königreiches Gottes auf dem Thron, und die Buchrolle offenbart sehr viel über das Königreich und über das, was es tun wird. Als Jesus auf der Erde war, legte er über die Wahrheit des Königreiches in Treue Zeugnis ab (Johannes 18:36, 37). Er lehrte seine Nachfolger, um das Kommen dieses Königreiches zu beten (Matthäus 6:9, 10). Am Anfang der christlichen Ära begann er mit dem Predigen der guten Botschaft vom Königreich und sagte vorher, daß das Predigtwerk in der Zeit des Endes seinen Höhepunkt erreichen werde (Matthäus 4:23; Markus 13:10). Es ist auch passend, daß einer der 24 Ältesten Johannes offenbart, daß Jesus die Siegel öffnen wird. Warum? Weil diese Ältesten auf Thronen sitzen, Kronen tragen und Miterben Christi in seinem Königreich sind (Römer 8:17; Offenbarung 4:4).

      ‘Das Lamm, das geschlachtet wurde’

      9. Was sieht Johannes anstelle eines Löwen „inmitten des Thrones“ stehen, und wie beschreibt er es?

      9 Johannes erwartet nun, diesen „Löwen, der vom Stamm Juda ist“, zu sehen. Doch welche Überraschung! Es erscheint eine ganz andere symbolische Gestalt: „Und ich sah inmitten des Thrones und der vier lebenden Geschöpfe und inmitten der Ältesten ein Lamm stehen, als wäre es geschlachtet worden, das sieben Hörner und sieben Augen hatte, welche Augen die sieben Geister Gottes bedeuten, die nach der ganzen Erde hin ausgesandt worden sind“ (Offenbarung 5:6).

      10. Wer ist das „Lamm“, das Johannes sah, und warum ist diese Bezeichnung passend?

      10 Direkt in der Mitte des Kreises, den die vier lebenden Geschöpfe und die 24 Ältesten bilden, neben dem Thron, steht ein Lamm. Johannes erkennt zweifellos sofort, daß es sich bei diesem Lamm um den „Löwen, der vom Stamm Juda ist“, und um „die Wurzel Davids“ handelt. Er weiß, daß mehr als 60 Jahre zuvor Johannes der Täufer Jesus vor Juden als „das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt“, bezeichnete (Johannes 1:29). Während seines ganzen Lebens auf der Erde blieb Jesus von der Welt unbefleckt — wie ein makelloses Lamm —, so daß er sein sündenloses Leben als Opfer für die Menschheit darbringen konnte (1. Korinther 5:7; Hebräer 7:26).

      11. Warum wird der verherrlichte Jesus dadurch, daß er als „ein Lamm“ dargestellt wird, das aussieht, „als wäre es geschlachtet worden“, nicht herabgesetzt?

      11 Wird der verherrlichte Jesus nicht etwas herabgesetzt oder wird nicht gewissermaßen seine Würde verletzt, wenn er durch „ein Lamm“ dargestellt wird, das so aussieht, „als wäre es geschlachtet worden“? Keineswegs! Die Tatsache, daß Jesus bis zum Tod treu blieb, war eine bedeutende Niederlage für Satan und ein großer Triumph für Jehova Gott. Diese Darstellung Jesu veranschaulicht auf eindrucksvolle Weise seinen Sieg über die Welt Satans und erinnert an die innige Liebe, die Jehova und Jesus für die Menschheit empfinden (Johannes 3:16; 15:13; vergleiche Kolosser 2:15). Außerdem weist diese Darstellung auf Jesus als den verheißenen Samen hin, der in hervorragender Weise befähigt ist, die Buchrolle zu öffnen (1. Mose 3:15).

      12. Was stellen die sieben Hörner des Lammes dar?

      12 Welche weitere Auskunft erhalten wir über das „Lamm“? Es hat sieben Hörner. Hörner werden in der Bibel oft als Symbol von Macht oder Amtsgewalt gebraucht, und die Zahl Sieben deutet auf Vollständigkeit hin. (Vergleiche 1. Samuel 2:1, 10; Psalm 112:9; 148:14.) Die sieben Hörner des Lammes stellen demnach die Fülle oder das volle Maß der Macht dar, die Jehova Jesus übertragen hat. Er wurde „hoch über jede Regierung und Gewalt und Macht und Herrschaft und jeden Namen, der genannt wird, nicht nur in diesem System der Dinge, sondern auch in dem künftigen“, gesetzt (Epheser 1:20-23; 1. Petrus 3:22). Jesus hat besonders seit 1914, dem Jahr, in dem Jehova ihn als himmlischen König inthronisiert hat, Macht oder Herrschaftsgewalt ausgeübt (Psalm 2:6).

      13. (a) Was wird durch die sieben Augen des Lammes dargestellt? (b) Das Lamm steht im Begriff, was zu tun?

      13 Darüber hinaus ist Jesus vollständig mit heiligem Geist erfüllt; das wird durch die sieben Augen des Lammes dargestellt, die „die sieben Geister Gottes bedeuten“. Jesus ist ein Kanal, durch den die Fülle oder ein volles Maß der wirksamen Kraft Jehovas seinen irdischen Dienern zukommt (Titus 3:6). Offensichtlich sieht er mit Hilfe dieses Geistes vom Himmel her, was auf der Erde geschieht. Jesus hat wie sein Vater vollkommenes Wahrnehmungsvermögen. Ihm entgeht nichts. (Vergleiche Psalm 11:4; Sacharja 4:10.) Dieser Sohn — derjenige, der die Lauterkeit bewahrte, der die Welt besiegte, der der Löwe aus dem Stamm Juda und die Wurzel Davids ist, der sein Leben für die Menschheit opferte und von Jehova ein volles Maß an Macht und heiligem Geist sowie vollkommenes Wahrnehmungsvermögen erhielt —, ja dieser ist wirklich würdig, die Buchrolle aus Jehovas Hand entgegenzunehmen. Zögert er, diesen Dienstauftrag in Jehovas erhabener Organisation anzunehmen? Nein, sondern „es [das Lamm] ging und nahm sie [die Buchrolle] sogleich aus der Rechten dessen, der auf dem Thron sitzt“ (Offenbarung 5:7). Welch ausgezeichnetes Beispiel der Willigkeit und der Unterwürfigkeit!

      Loblieder

      14. (a) Wie reagieren die vier lebenden Geschöpfe und die 24 Ältesten darauf, daß Jesus die Buchrolle nimmt? (b) Inwiefern wird durch die Information, die Johannes über die 24 Ältesten erhält, gezeigt, wer sie sind und welche Stellung sie bekleiden?

      14 Wie reagieren darauf die anderen, die vor dem Thron Jehovas stehen? „Und als es die Buchrolle nahm, fielen die vier lebenden Geschöpfe und die vierundzwanzig Ältesten vor dem Lamm nieder, und jeder hatte eine Harfe und goldene Schalen, die voll Räucherwerk waren, und das Räucherwerk bedeutet die Gebete der Heiligen“ (Offenbarung 5:8). Sowohl die vier lebenden Cherubgeschöpfe vor Gottes Thron als auch die 24 Ältesten beugen sich vor Jesus nieder, da sie seine Autorität anerkennen. Doch nur diese Ältesten haben Harfen und Schalen voll Räucherwerk.a Und sie allein singen jetzt ein neues Lied (Offenbarung 5:9). Dadurch gleichen sie den 144 000 Gliedern des heiligen „Israels Gottes“, die ebenfalls Harfen haben und ein neues Lied singen (Galater 6:16; Kolosser 1:12; Offenbarung 7:3-8; 14:1-4). Die 24 Ältesten werden im Himmel bei der Erfüllung einer Priesterpflicht dargestellt, vorgeschattet durch die Aufgabe, die die Priester im alten Israel auf der Erde in der Stiftshütte erfüllten, indem sie Jehova Räucherwerk darbrachten, was aufhörte, als Gott das mosaische Gesetz an Jesu Marterpfahl nagelte und es so aus dem Weg räumte (Kolosser 2:14). Was kann man daraus schließen? Daß hier die gesalbten Überwinder in ihrer endgültigen Zuteilung zu sehen sind, wenn sie als „Priester Gottes und des Christus [amten] ... und ... als Könige die tausend Jahre mit ihm regieren“ (Offenbarung 20:6).

      15. (a) Nur wer durfte in Israel das Allerheiligste der Stiftshütte betreten? (b) Warum hing das Leben des Hohenpriesters davon ab, daß er Räucherwerk verbrannte, bevor er in das Allerheiligste ging?

      15 Im alten Israel durfte nur der Hohepriester das Allerheiligste betreten und vor die symbolische Gegenwart Jehovas kommen. Sein Leben hing davon ab, daß er Räucherwerk trug. Im Gesetz Jehovas heißt es: „[Aaron] soll das Feuerbecken voll brennender Feuerkohlen vom Altar vor Jehova nehmen und seine beiden hohlen Hände voll feinen wohlriechenden Räucherwerks, und er soll sie innerhalb des Vorhangs bringen. Auch soll er das Räucherwerk auf das Feuer vor Jehova legen, und die Wolke des Räucherwerks soll den Deckel der Lade überdecken, der auf dem ZEUGNIS ist, damit er nicht sterbe“ (3. Mose 16:12, 13). Der Hohepriester konnte nicht ohne schlimme Folgen in das Allerheiligste kommen, es sei denn, er verbrannte Räucherwerk.

      16. (a) Wer kommt im christlichen System der Dinge in das gegenbildliche Allerheiligste? (b) Warum müssen gesalbte Christen ‘Räucherwerk verbrennen’?

      16 Im christlichen System der Dinge betritt schließlich nicht nur der Hohepriester, Jesus Christus, das gegenbildliche Allerheiligste, den Ort der Gegenwart Jehovas im Himmel, sondern auch die 144 000 Unterpriester (Hebräer 10:19-23). Diese Priester, die hier von den 24 Ältesten dargestellt werden, können nicht in das Allerheiligste kommen, es sei denn, sie ‘verbrennen Räucherwerk’, das heißt, sie bringen Jehova ohne Unterlaß Gebete und Flehen dar (Hebräer 5:7; Judas 20, 21; vergleiche Psalm 141:2).

      Ein neues Lied

      17. (a) Welches neue Lied singen die 24 Ältesten? (b) Wie wird der Ausdruck „neues Lied“ gewöhnlich in der Bibel gebraucht?

      17 Jetzt erklingt ein schönes Lied. Es wird für das Lamm von seinen Mitpriestern, den 24 Ältesten, gesungen: „Und sie singen ein neues Lied, indem sie sagen: ‚Du bist würdig, die Buchrolle zu nehmen und ihre Siegel zu öffnen, denn du bist geschlachtet worden, und mit deinem Blut hast du für Gott Personen aus jedem Stamm und jeder Zunge und jedem Volk und jeder Nation erkauft‘ “ (Offenbarung 5:9). Der Ausdruck „neues Lied“ kommt in der Bibel mehrere Male vor und bezieht sich gewöhnlich auf ein Lied, mit dem Jehova wegen eines großartigen Befreiungsaktes gepriesen wird (Psalm 96:1; 98:1; 144:9). Das Lied ist deshalb neu, weil der Sänger nun weitere wunderbare Werke Jehovas bekanntmachen und erneut seine Wertschätzung für seinen herrlichen Namen zum Ausdruck bringen kann.

      18. Wieso lobpreisen die 24 Ältesten Jesus mit ihrem neuen Lied?

      18 Die 24 Ältesten singen hier allerdings nicht vor Jehova ein neues Lied, sondern vor Jesus. Doch ihr Beweggrund ist derselbe; sie bringen Jesus wegen der neuen Dinge, die er als Sohn Gottes für sie getan hat, Lobpreis dar. Gestützt auf sein Blut, amtete er als Mittler des neuen Bundes und machte es so möglich, daß eine neue Nation hervorgebracht wurde, die Jehovas besonderer Besitz wurde (Römer 2:28, 29; 1. Korinther 11:25; Hebräer 7:18-25). Die Glieder dieser neuen geistigen Nation kamen aus vielen Nationen nach dem Fleische, doch Jesus hat sie als eine einzige Nation in eine Versammlung zusammengebracht (Jesaja 26:2; 1. Petrus 2:9, 10).

      19. (a) Welches Segens ging das natürliche Israel wegen seiner Untreue verlustig? (b) Welches Segens wird sich Jehovas neue Nation erfreuen?

      19 Als Jehova in den Tagen Mose die Israeliten zu einer Nation machte, schloß er mit ihnen einen Bund und verhieß, daß sie ihm ein Königreich von Priestern werden würden, wenn sie diesen Bund treu hielten (2. Mose 19:5, 6). Die Israeliten waren untreu und erlebten nie die Verwirklichung dieser Verheißung. Doch die neue Nation, die aufgrund des neuen Bundes, dessen Mittler Jesus ist, gebildet wurde, bewahrte ihre Treue. Ihre Glieder werden deshalb als Könige über die Erde herrschen und als Priester amten; sie können also rechtschaffenen Menschen helfen, mit Gott versöhnt zu werden (Kolosser 1:20). Es ist so, wie es in dem neuen Lied zum Ausdruck gebracht wird: „Und du hast sie zu einem Königtum und zu Priestern für unseren Gott gemacht, und sie werden als Könige über die Erde regieren“ (Offenbarung 5:10). Die 24 Ältesten singen demnach mit großer Freude dieses neue Loblied für den verherrlichten Jesus.

      Ein Chor im Himmel

      20. Welches Loblied erklingt nun für das Lamm?

      20 Wie reagieren andere Glieder der himmlischen Heerscharen der Organisation Jehovas auf dieses neue Lied? Johannes ist begeistert, zu sehen, daß sie mit den 24 Ältesten von ganzem Herzen übereinstimmen: „Und ich sah, und ich hörte eine Stimme vieler Engel rings um den Thron und die lebenden Geschöpfe und die Ältesten, und ihre Zahl war Myriaden mal Myriaden und Tausende mal Tausende, die mit lauter Stimme sprachen: ‚Das Lamm, das geschlachtet wurde, ist würdig, die Macht und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Herrlichkeit und Segen zu empfangen‘ “ (Offenbarung 5:11, 12). Was für ein beeindruckendes Loblied!

      21. Wird dadurch, daß das Lamm gepriesen wird, Jehovas Souveränität oder seine Stellung geschmälert? Erkläre es.

      21 Bedeutet das, daß Jesus Jehova Gott gewissermaßen ersetzt hat und die ganze Schöpfung nun ihm und nicht dem Vater Lobpreis darbringt? Keineswegs. Dieses Loblied ist vielmehr in Übereinstimmung mit dem, was der Apostel Paulus schrieb: „Gott [hat] ihn [Jesus] auch zu einer übergeordneten Stellung erhöht und ihm gütigerweise den Namen gegeben, der über jedem anderen Namen ist, so daß sich im Namen Jesu jedes Knie beuge, derer, die im Himmel, und derer, die auf der Erde, und derer, die unter dem Erdboden sind, und jede Zunge offen anerkenne, daß Jesus Christus Herr ist zur Verherrlichung Gottes, des Vaters“ (Philipper 2:9-11). Jesus wird hier gepriesen wegen des Anteils, den er daran hat, die wichtigste Streitfrage vor der ganzen Schöpfung zu klären — die Streitfrage, bei der es um die Rechtfertigung der rechtmäßigen Souveränität Jehovas geht. Auf diese Weise wurde der Vater in der Tat verherrlicht.

      Eine anschwellende Hymne

      22. Am Singen welcher Hymne beteiligen sich Stimmen aus dem irdischen Bereich?

      22 In der von Johannes beschriebenen Szene jubeln die himmlischen Heerscharen Jesus mit Melodien zu, wodurch sie zum Ausdruck bringen, daß sie seine Treue und seine Herrschergewalt, die er im Himmel hat, anerkennen. In ihrem Gesang werden sie von Stimmen aus dem irdischen Bereich begleitet, und auch diese lobpreisen den Vater und den Sohn. Wie bei den Menschen die Leistungen eines Sohnes den Eltern zur Ehre gereichen können, so trägt der treue Lauf Jesu in der ganzen Schöpfung „zur Verherrlichung Gottes, des Vaters“, bei. Johannes fährt also fort: „Und jedes Geschöpf, das im Himmel und auf der Erde und unter der Erde und auf dem Meer ist, und alles, was in ihnen ist, hörte ich sagen: ‚Dem, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm sei der Segen und die Ehre und die Herrlichkeit und die Macht für immer und ewig‘ “ (Offenbarung 5:13).

      23, 24. (a) Woraus ist zu schließen, wann die Hymne im Himmel zu erklingen beginnt und wann auf der Erde? (b) Wie wird der Klang der Hymne im Laufe der Jahre immer lauter?

      23 Seit wann wird diese einzigartige Hymne gesungen? Es wurde damit früh am Tag des Herrn begonnen. Als Satan und seine Dämonen aus dem Himmel geworfen wurden, konnte „jedes Geschöpf ... im Himmel“ in dieses Loblied einstimmen. Und wie aus Berichten hervorgeht, haben sich seit 1919 immer mehr Personen auf der Erde — anfänglich nur wenige tausend, doch bis zum Jahr 2005 weit über sechs Millionen — ebenfalls dem Gesang zum Lobpreis Jehovas angeschlossen.b Wenn Satans irdisches System vernichtet worden ist, wird „jedes Geschöpf ... auf der Erde“ zum Lobpreis Jehovas und seines Sohnes singen. Zu Gottes bestimmter Zeit wird die Auferstehung zahlloser Millionen Toter stattfinden, und dann wird „jedes Geschöpf ... unter der Erde“, das im Gedächtnis Gottes ist, die Gelegenheit erhalten, in die Hymne einzustimmen.

      24 Millionen Menschen „vom äußersten Ende der Erde“, vom „Meer“ und von den „Inseln“ singen schon heute in Verbindung mit Jehovas weltweiter Organisation ein neues Lied (Jesaja 42:10; Psalm 150:1-6). Dieses freudige Loblied wird am Ende des Millenniums, wenn die Menschheit vollkommen gemacht worden ist, ein Crescendo erreichen. Danach wird die alte „Schlange“, der Erzbetrüger Satan, vernichtet werden, womit sich 1. Mose 3:15 vollständig erfüllt; und als glorreicher Höhepunkt wird die gesamte belebte Schöpfung, sowohl die geistige als auch die irdische, in Einheit singen: „Dem, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm sei der Segen und die Ehre und die Herrlichkeit und die Macht für immer und ewig.“ Im ganzen Universum wird es keine Dissonanz geben.

      25. (a) Wozu werden wir angespornt, wenn wir den Bericht des Johannes über die universelle Hymne lesen? (b) Welches gute Beispiel geben uns die vier lebenden Geschöpfe und die 24 Ältesten am Ende der Vision?

      25 Was für eine schöne Zeit das sein wird! Ja, das, was Johannes hier beschreibt, läßt unser Herz höher schlagen und spornt uns an, in den Gesang der himmlischen Heerscharen zum Lobpreis Jehovas Gottes und Jesu Christi aus tiefster Seele mit einzustimmen. Sind wir jetzt nicht mehr denn je entschlossen, damit fortzufahren, rechte Werke zu vollbringen? Wenn wir das tun, können wir erwarten, daß wir — jeder einzelne von uns — mit Jehovas Hilfe den glorreichen Höhepunkt miterleben und in dem universellen Chor mitsingen werden. Natürlich stimmen die vier lebenden Cherubgeschöpfe und die auferstandenen gesalbten Christen völlig miteinander überein, denn die Vision endet mit den Worten: „Und die vier lebenden Geschöpfe sprachen ferner: ‚Amen!‘, und die Ältesten fielen nieder und beteten an“ (Offenbarung 5:14).

      26. Woran sollten wir glauben, und was zu tun, schickt sich das Lamm an?

      26 Mögest du, lieber Leser, zu denen gehören, die an das Opfer des Lammes, des ‘Würdigen’, glauben und von Jehova — dem, „der auf dem Thron sitzt“ — gesegnet werden, weil sie ihn anbeten und ihm demütig dienen, so gut sie können. Die Johannes-Klasse wird dir gern darin beistehen und für das nötige „Maß an [geistigem] Speisevorrat zur rechten Zeit“ sorgen (Lukas 12:42). Doch siehe! Das Lamm schickt sich an, die sieben Siegel zu öffnen. Wir wollen sehen, welche begeisternden Dinge uns enthüllt werden.

      [Fußnoten]

      a Grammatisch gesehen kann sich der Ausdruck „jeder hatte eine Harfe und goldene Schalen, die voll Räucherwerk waren“ sowohl auf die Ältesten als auch auf die vier lebenden Geschöpfe beziehen. Aus dem Zusammenhang geht jedoch hervor, daß sich dieser Ausdruck nur auf die 24 Ältesten bezieht.

      b Siehe die Tabelle auf Seite 64.

      [Ganzseitiges Bild auf Seite 86]

  • Vier Reiter galoppieren
    Die Offenbarung — Ihr großartiger Höhepunkt ist nahe!
    • Kapitel 16

      Vier Reiter galoppieren

      3. Vision — Offenbarung 6:1-17

      Thema: Der Ritt der vier Reiter, die Blutzeugen unter dem Altar und der große Tag des Zorns

      Zeit der Erfüllung: Von 1914 an bis zur Vernichtung des gegenwärtigen Systems der Dinge

      1. Wie enthüllt Jehova Johannes den Inhalt der geheimnisvollen Buchrolle, die Jesus öffnet?

      SIND wir, die wir in dieser kritischen Zeit leben, nicht alle an ‘den Dingen, die in kurzem geschehen sollen’, brennend interessiert? Ganz gewiß, denn wir sind alle davon betroffen. Schließen wir uns daher Johannes an, der jetzt sieht, wie Jesus die geheimnisvolle Buchrolle öffnet. Interessanterweise braucht Johannes sie nicht zu lesen. Warum nicht? Weil ihm ihr Inhalt „in Zeichen“ durch eine Reihe von Szenen voll packender Handlungen übermittelt wird (Offenbarung 1:1, 10).

      2. (a) Was sieht und hört Johannes, und woran erinnert ihn das Aussehen des Cherubs möglicherweise? (b) An wen ist die Aufforderung des ersten Cherubs gerichtet, und wie begründest du deine Antwort?

      2 Hören wir nun, was Johannes sagt, während Jesus das erste Siegel der Buchrolle öffnet: „Und ich sah, als das Lamm eines der sieben Siegel öffnete, und ich hörte eines von den vier lebenden Geschöpfen wie mit Donnerstimme sagen: ‚Komm!‘ “ (Offenbarung 6:1). Es ist die Stimme des ersten Cherubs, dessen löwenähnliches Aussehen den Apostel möglicherweise daran erinnert, daß Jehovas Organisation bei der Vollstreckung seiner gerechten Urteilssprüche mutig vorgehen wird. An wen ist die Aufforderung gerichtet? Sie kann nicht Johannes angehen, denn er ist bereits eingeladen worden, sich diese prophetischen Szenen anzuschauen (Offenbarung 4:1). Durch die „Donnerstimme“ werden andere zur Beteiligung an der ersten von vier aufregenden Episoden herbeigerufen.

      Das weiße Pferd und sein ruhmwürdiger Reiter

      3. (a) Was beschreibt Johannes nun? (b) Was muß das weiße Pferd gemäß der biblischen Symbolik darstellen?

      3 Johannes (sowie die eifrige Johannes-Klasse und ihre heutigen Gefährten) erhält das Vorrecht, ein spannendes Drama zu sehen. Johannes sagt: „Und ich sah, und siehe, ein weißes Pferd; und der darauf saß, hatte einen Bogen; und es wurde ihm eine Krone gegeben, und er zog aus, siegend und um seinen Sieg zu vollenden“ (Offenbarung 6:2). Ja, auf den donnerähnlichen Ruf „Komm!“ stürmt ein weißes Pferd heran. In der Bibel ist das Pferd oft ein Sinnbild des Krieges (Psalm 20:7; Sprüche 21:31; Jesaja 31:1). Das strahlende Weiß dieses Pferdes (wahrscheinlich ein prächtiger Zuchthengst) deutet auf makellose Heiligkeit hin. (Vergleiche Offenbarung 1:14; 4:4; 7:9; 20:11.) Das ist sehr passend, denn es veranschaulicht eine Kriegführung, die in Jehovas heiligen Augen rein und gerecht ist. (Siehe ferner Offenbarung 19:11, 14.)

      4. Wer ist der Reiter des weißen Pferdes? Erkläre es.

      4 Wer ist der Reiter dieses Pferdes? Er hat einen Bogen, also eine Angriffswaffe, und es wird ihm auch eine Krone gegeben. Die einzigen Gerechten, die man am Tag des Herrn mit Kronen auf ihren Häuptern sieht, sind Jesus und die Klasse, die durch die 24 Ältesten dargestellt wird (Daniel 7:13, 14, 27; Lukas 1:31-33; Offenbarung 4:4, 10; 14:14).a Es ist unwahrscheinlich, daß einer der 24 Ältesten so dargestellt würde, als empfange er aufgrund seines eigenen Verdienstes eine Krone. Somit kann dieser Reiter niemand anders sein als Jesus Christus. Johannes sieht ihn im Himmel, und zwar in dem historischen Moment (im Jahre 1914), in dem Jehova verkündet: „Ich, ja ich, habe meinen König eingesetzt“ und ihm sagt, zu welchem Zweck, nämlich, „daß ich Nationen zu deinem Erbe gebe“ (Psalm 2:6-8).b Beim Öffnen des ersten Siegels zeigt Jesus, wie er sich als neugekrönter König zu Gottes bestimmter Zeit zum Krieg aufmacht.

      5. Inwiefern stimmen die Worte des Psalmisten mit der Beschreibung des Reiters aus Offenbarung 6:2 überein?

      5 Diese Szene stimmt treffend mit Psalm 45:4-7 überein, wo zu dem von Jehova inthronisierten König gesagt wird: „Und in deiner Pracht zieh hin zum Erfolg; fahre einher in der Sache der Wahrheit und Demut und Gerechtigkeit, und deine Rechte wird dich in furchteinflößenden Dingen unterweisen. Deine Pfeile sind scharf — Völker fallen fortwährend unter dir — im Herzen der Feinde des Königs. Gott ist dein Thron auf unabsehbare Zeit, ja für immer; das Zepter deines Königtums ist ein Zepter der Geradheit. Du hast Gerechtigkeit geliebt, und du haßt Bosheit. Darum hat dich Gott, dein Gott, mit dem Öl des Frohlockens gesalbt, mehr als deine Mitgenossen.“ Es ist anzunehmen, daß Johannes, der diese prophetische Beschreibung kannte, wußte, daß sie sich auf die Tätigkeit Jesu als König bezog. (Vergleiche Hebräer 1:1, 2, 8, 9.)

      Siegend ausziehen

      6. (a) Warum muß der Reiter siegend ausziehen? (b) In welchen Jahren setzt er seinen Siegesritt fort?

      6 Warum muß aber der neugekrönte König in den Krieg ziehen? Weil er im Angesicht des heftigen Widerstandes zum König gemacht worden ist, den ihm nicht nur Jehovas Hauptgegner, Satan, der Teufel, sondern auch Menschen entgegensetzen, die — wissentlich oder unwissentlich — Satans Zwecken dienen. Die Geburt des Königreiches selbst führt zu einem großen Krieg im Himmel. Jesus, der unter dem Namen Michael (was „Wer ist wie Gott?“ bedeutet) kämpft, überwindet Satan und seine Dämonen und schleudert sie auf die Erde hinab (Offenbarung 12:7-12). Jesus setzt seinen Siegesritt in den ersten Jahrzehnten des Tages des Herrn fort, während schafähnliche Menschen versammelt werden. Zwar liegt die ganze Welt immer noch „in der Macht dessen, der böse ist“, aber Jesus erweist sich als liebevoller Hirte seiner gesalbten Brüder und ihrer Gefährten, indem er einem jeden hilft, im Glaubenskampf den Sieg zu erringen (1. Johannes 5:19).

      7. Welche weiteren Siege hat Jesus in den ersten Jahrzehnten des Tages des Herrn auf der Erde errungen, und wozu sollten wir entschlossen sein?

      7 Welche weiteren Siege hat Jesus am Tag des Herrn, von dem nun schon über 90 Jahre vergangen sind, errungen? In der ganzen Welt haben Jehovas Diener als einzelne und als ganze Versammlung ähnliche Schwierigkeiten, Bedrängnisse und Verfolgungen erduldet, wie der Apostel Paulus sie schildert, um den Nachweis für seinen Dienst zu erbringen (2. Korinther 11:23-28). Besonders in Kriegszeiten oder unter Gewaltherrschern brauchen Jehovas Zeugen Kraft, die über das Normale hinausgeht, um standzuhalten (2. Korinther 4:7). Aber wie Paulus konnten treue Zeugen selbst in den schwierigsten Situationen sagen: „Der Herr stand mir bei und flößte mir Kraft ein, damit durch mich die Verkündigung völlig durchgeführt werde“ (2. Timotheus 4:17). Ja, Jesus siegte um ihretwillen, und er wird um unsertwillen weitere Siege erringen, sofern wir entschlossen sind, unseren Glaubenskampf siegreich zu vollenden (1. Johannes 5:4).

      8, 9. (a) An welchen Siegen hat die weltumspannende Versammlung der Zeugen Jehovas teilgehabt? (b) Wo haben Jehovas Zeugen wirklich eine außergewöhnliche Zunahme zu verzeichnen gehabt?

      8 Unter der Führung ihres siegreichen Königs hat die weltumspannende Versammlung der Zeugen Jehovas an vielen Siegen teilgehabt. Auf besonders hervorragende Weise beschützte er diese Bibelforscher vor der Vernichtung im Jahre 1918, als sie von Satans politischer Organisation vorübergehend „besiegt“ worden waren. Im Jahre 1919 öffnete er nämlich die Gefängnistore, um sie zu befreien, und dann belebte er sie, damit sie die gute Botschaft „bis zum entferntesten Teil der Erde“ verkündigen konnten (Offenbarung 13:7; Apostelgeschichte 1:8).

      9 Vor und während des Zweiten Weltkrieges suchten die totalitären Achsenmächte Jehovas Zeugen in vielen Ländern auszurotten, vor allem dort, wo führende Geistliche — besonders Vertreter des katholischen Klerus — die bedrückenden Diktatoren offen oder stillschweigend unterstützten. Aus den 71 509 Zeugen Jehovas, die zu Beginn des Krieges (1939) predigten, wurden bis zum Kriegsende (1945) 141 606, obwohl über 10 000 jahrelang in Gefängnissen und Konzentrationslagern waren und fast 2 000 das Leben verloren. In der ganzen Welt ist die Zahl der aktiven Zeugen bis heute auf über sechs Millionen angestiegen. Außergewöhnlich groß ist die Zunahme in katholischen Gegenden und in Ländern gewesen, wo die Zeugen besonders heftig verfolgt wurden, zum Beispiel in Deutschland, Italien und Japan. In diesen Ländern erstatten gegenwärtig insgesamt weit über 600 000 Zeugen Jehovas über ihren Predigtdienst Bericht (Jesaja 54:17; Jeremia 1:17-19).

      10. Zu welchen Siegen hat der siegreiche König seinem Volk in Verbindung mit „der Verteidigung und gesetzlichen Befestigung der guten Botschaft“ verholfen?

      10 Unser siegreicher König hat sein eifriges Volk auch gesegnet, indem er ihm in Verbindung mit „der Verteidigung und gesetzlichen Befestigung der guten Botschaft“ vor Gerichten und hochgestellten Persönlichkeiten zu vielen Siegen verholfen hat (Philipper 1:7; Matthäus 10:18; 24:9). Das ist in vielen Ländern der Fall gewesen, unter anderem in Australien, Argentinien, Kanada, Griechenland, Indien, Swasiland, in der Schweiz und der Türkei. Bei den 50 Fällen, die Jehovas Zeugen vor dem Obersten Bundesgericht der Vereinigten Staaten gewannen, ging es unter anderem um das Recht, die gute Botschaft „öffentlich und von Haus zu Haus“ zu verkündigen und die Teilnahme an götzendienerischen patriotischen Zeremonien zu verweigern (Apostelgeschichte 5:42; 20:20; 1. Korinther 10:14). Dadurch ist der Weg zu einer weltweiten Ausdehnung des Zeugniswerkes frei geworden.

      11. (a) Wie ‘vollendet der Reiter seinen Sieg’? (b) Wie sollte sich das Öffnen des zweiten, dritten und vierten Siegels auf uns auswirken?

      11 Wie ‘vollendet Jesus seinen Sieg’?c Wie wir sehen werden, erreicht er dies dadurch, daß er die falsche Religion beseitigt und dann jeden noch übriggebliebenen Bestandteil der sichtbaren Organisation Satans in einen „Feuersee“ (ein Sinnbild der Vernichtung) schleudert, wodurch Jehovas Souveränität gerechtfertigt wird. Wir können dem Tag von Harmagedon zuversichtlich entgegensehen, an dem unser „König der Könige“ den Endsieg über Satans bedrückende politische Organisation erringen wird (Offenbarung 16:16; 17:14; 19:2, 14-21; Hesekiel 25:17). Bis dahin setzt der unbezwingbare Sieger auf dem weißen Pferd seinen Ritt fort, und Jehova fügt seiner gerechten Nation auf der Erde ständig weitere aufrichtiggesinnte Personen hinzu (Jesaja 26:2; 60:22). Beteiligst du dich mit der gesalbten Johannes-Klasse an dieser erfreulichen Ausdehnung des Königreiches? Wenn ja, dann wird dich das, was der Apostel Johannes beim Öffnen der nächsten drei Siegel sieht, bestimmt anspornen, dich noch intensiver an dem Werk zu beteiligen, das Jehova für unsere Tage vorgesehen hat.

      Das feuerfarbene Pferd

      12. Was sollte gemäß den Worten Jesu seine unsichtbare Gegenwart als König kennzeichnen?

      12 Kurz vor dem Ende des irdischen Dienstes Jesu traten seine Jünger allein zu ihm und fragten ihn: „Wann werden diese Dinge geschehen, und was wird das Zeichen deiner Gegenwart und des Abschlusses des Systems der Dinge sein?“ In seiner Antwort sagte er Unglücksschläge voraus, die „ein Anfang der Bedrängniswehen“ wären. Er sagte: „Nation wird sich gegen Nation erheben und Königreich gegen Königreich; und es wird große Erdbeben geben und an einem Ort nach dem anderen Seuchen und Lebensmittelknappheit; auch wird es furchteinflößende Anblicke und große Zeichen vom Himmel her geben“ (Matthäus 24:3, 7, 8; Lukas 21:10, 11). Das, was Johannes sieht, wenn die übrigen Siegel der Buchrolle geöffnet werden, bildet eine bemerkenswerte Parallele zu dieser Prophezeiung. Wir wollen nun sehen, was geschieht, wenn Jesus das zweite Siegel öffnet.

      13. Welcher Gegensatz wird für Johannes nun ersichtlich?

      13 „Und als er das zweite Siegel öffnete, hörte ich das zweite lebende Geschöpf sagen: ‚Komm!‘ “ (Offenbarung 6:3). Diese Aufforderung läßt der zweite Cherub, der aussieht wie ein Stier, ergehen. Hier wird die Eigenschaft der Macht, und zwar rechtmäßig angewandter Macht, versinnbildlicht. Im Gegensatz dazu soll Johannes jetzt aber eine abscheuliche, tödlich wirkende Machtentfaltung sehen.

      14. Welches Pferd samt Reiter sieht Johannes als nächstes, und was veranschaulicht diese Vision?

      14 Was geschieht auf diese zweite Aufforderung ‘zu kommen’? Folgendes: „Und ein anderes, ein feuerfarbenes Pferd kam hervor; und dem, der darauf saß, wurde gewährt, den Frieden von der Erde wegzunehmen, so daß sie einander hinschlachten würden, und ein großes Schwert wurde ihm gegeben“ (Offenbarung 6:4). Eine wahrhaft grauenerregende Vision! Und es besteht auch kein Zweifel darüber, was sie veranschaulicht: Krieg! Nicht den gerechten, erfolgreichen Krieg des sieghaften Königs Jehovas, sondern grausame von Menschen geführte internationale Kriege, verbunden mit unnötigem Blutvergießen und Leid. Ist es nicht passend, daß dieser Reiter auf einem feuerfarbenen Pferd sitzt?

      15. Warum sollten wir am Ritt des zweiten Reiters nicht teilhaben wollen?

      15 Bestimmt möchte Johannes mit ihm und seinem stürmischen Ritt nichts zu tun haben, denn über Gottes Diener ist vorhergesagt worden: „Auch werden sie den Krieg nicht mehr lernen“ (Jesaja 2:4). Johannes und im erweiterten Sinne auch die Johannes-Klasse und die heutige große Volksmenge sind zwar noch „in der Welt“, aber sie sind „kein Teil“ dieses blutbefleckten Systems. Unsere Waffen sind nicht fleischlich, sondern geistig, „machtvoll durch Gott“, und dienen der Verkündigung der Wahrheit (Johannes 17:11, 14; 2. Korinther 10:3, 4).

      16. Wann und wie wurde dem Reiter auf dem roten Pferd „ein großes Schwert“ gegeben?

      16 Kriege hat es zwar schon vor 1914 gegeben, dem Jahr, in dem der Reiter auf dem weißen Pferd seine Krone erhielt. Jetzt aber wird dem Reiter auf dem roten Pferd „ein großes Schwert“ gegeben. Was bedeutet das? Seit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges verfügen die Menschen über schlimmere Vernichtungswaffen als je zuvor. In dem Blutbad der Jahre 1914 bis 1918 wurden Tanks, Giftgas, Flugzeuge, Unterseeboote, Riesenkanonen und automatische Waffen entweder zum erstenmal oder in noch nie dagewesenem Ausmaß eingesetzt. In 28 Nationen waren nicht nur die Berufssoldaten, sondern war die ganze Bevölkerung zur Unterstützung der Kriegsanstrengungen herangezogen worden. Die Zahl der Todesopfer war erschreckend hoch. Über neun Millionen Soldaten fielen, und eine ungeheure Zahl an Todesopfern unter der Zivilbevölkerung war zu beklagen. Auch brachte das Kriegsende keine Rückkehr zu echtem Frieden. Mehr als 50 Jahre nach diesem Krieg sagte Konrad Adenauer: „Seit 1914 führen die Menschen kein sicheres und ruhiges Leben mehr.“ Dem Reiter auf dem feuerfarbenen Pferd war tatsächlich gewährt worden, den Frieden von der Erde wegzunehmen.

      17. Wie ist nach dem Ersten Weltkrieg von dem „großen Schwert“ weiter Gebrauch gemacht worden?

      17 Nachdem seine Blutgier einmal geweckt war, stürzte sich der Reiter auf dem roten Pferd in den Zweiten Weltkrieg. Man setzte noch teuflischere Vernichtungswaffen ein, und die Zahl der Opfer betrug das Vierfache der des Ersten Weltkrieges. Im Jahre 1945 explodierten über Japan zwei Atombomben, von denen jede in einem Augenblick Zehntausende von Menschenleben auslöschte. Während des Zweiten Weltkrieges hielt der Reiter auf dem roten Pferd reiche Ernte: 55 Millionen Tote, und damit war er immer noch nicht zufrieden. Nach zuverlässigen Berichten sind seit dem Zweiten Weltkrieg weit über 20 Millionen Menschen dem „großen Schwert“ zum Opfer gefallen.

      18, 19. (a) Wofür sind die blutigen Auseinandersetzungen, zu denen es seit dem Zweiten Weltkrieg gekommen ist, eher ein Beweis als für einen Triumph der militärischen Technologie? (b) Welche Gefahr droht der Menschheit, aber wie wird der Reiter auf dem weißen Pferd sie beseitigen?

      18 Könnte man das als einen Triumph der militärischen Technologie bezeichnen? Nein, es ist eher ein Beweis dafür, daß das unbarmherzige rote Pferd noch in vollem Galopp ist. Und wie wird dieser Galopp enden? Einige Wissenschaftler sprechen davon, daß es zu einem unbeabsichtigten Atomkrieg kommen könnte, wenn nicht sogar zu einem geplanten nuklearen Holocaust. Glücklicherweise hat aber der siegreiche Reiter auf dem weißen Pferd andere Absichten.

      19 Solange die Gesellschaft auf Nationalstolz und Haß aufgebaut ist, bleibt die Menschheit auf einem nuklearen Pulverfaß sitzen. Selbst wenn die Nationen aus Verzweiflung sämtliche Kernwaffen abbauen würden, wüßten sie immer noch, wie sie hergestellt werden. Sie könnten innerhalb kürzester Zeit die Produktion ihrer mörderischen Atomwaffen wiederaufnehmen, und so könnte jeder mit herkömmlichen Waffen geführte Krieg sehr bald in einen Holocaust ausarten. Stolz und Haß, wovon die Nationen heute erfüllt sind, führen unweigerlich zum Selbstmord der Menschheit, wenn nicht, ja wenn nicht der Reiter auf dem weißen Pferd den wahnsinnigen Galopp des feuerfarbenen Pferdes aufhalten würde. Wir können aber die Zuversicht haben, daß Christus, der König, ausziehen wird, um sowohl seinen Sieg über die von Satan beherrschte Welt zu vollenden, als auch eine neue irdische Gesellschaft ins Leben zu rufen, die auf Liebe aufgebaut ist, auf Liebe zu Gott und zum Nächsten — eine Kraft, die weit mehr zur Erhaltung des Friedens beiträgt als die unsichere nukleare Abschreckung unserer Zeit des Wahnsinns (Psalm 37:9-11; Markus 12:29-31; Offenbarung 21:1-5).

      Ein schwarzes Pferd stürmt los

      20. Welche Gewähr haben wir, daß der Reiter auf dem weißen Pferd jeder katastrophalen Situation gewachsen sein wird?

      20 Nun öffnet Jesus das dritte Siegel. Was nimmt Johannes wahr? „Und als er das dritte Siegel öffnete, hörte ich das dritte lebende Geschöpf sagen: ‚Komm!‘ “ (Offenbarung 6:5a). Erfreulicherweise hat dieser dritte Cherub „ein Angesicht gleich dem eines Menschen“, was die Eigenschaft der Liebe veranschaulicht. Die auf Grundsätzen beruhende Liebe wird in Gottes neuer Welt ebenso vorherrschen, wie sie heute die ganze Organisation Jehovas durchdringt (Offenbarung 4:7; 1. Johannes 4:16). Wir können überzeugt sein, daß der Reiter auf dem weißen Pferd, der „als König regieren [muß], bis Gott alle Feinde unter seine Füße gelegt hat“, der katastrophalen Situation, die Johannes als nächstes zu sehen bekommt, in seiner Liebe gewachsen sein wird (1. Korinther 15:25).

      21. (a) Was wird durch das schwarze Pferd und seinen Reiter veranschaulicht? (b) Was beweist, daß das schwarze Pferd immer noch unterwegs ist?

      21 Was sieht denn Johannes nach dem dritten Aufruf ‘zu kommen’? „Und ich sah, und siehe, ein schwarzes Pferd; und der darauf saß, hatte eine Waage in seiner Hand“ (Offenbarung 6:5b). Eine große Hungersnot! Das ist die unheilverkündende Botschaft dieser prophetischen Szene. Sie weist auf Situationen zu Beginn des Tages des Herrn hin, auf eine Zeit, in der Nahrungsmittel rationiert oder abgewogen zugeteilt werden müssen. Seit 1914 ist der Hunger weltweit ein ständiges Problem gewesen. Die moderne Kriegführung hat Hungersnöte zur Folge, da man Geldmittel, die normalerweise zur Ernährung der Hungernden verwendet würden, häufig für die Rüstung abzweigt. Die Einberufung von Landarbeitern sowie vom Krieg verwüstete Felder und die Strategie der verbrannten Erde beeinträchtigen die Nahrungsmittelproduktion. Diese Tatsache bestätigte sich während des Ersten Weltkrieges, als Millionen Hunger litten und verhungerten. Auch zog sich der Reiter des schwarzen Pferdes — Hunger — nicht zurück, als der Krieg zu Ende war. In den 30er Jahren forderte eine einzige Hungersnot in der Ukraine fünf Millionen Menschenleben. Lebensmittelknappheit und Hungersnöte waren auch die Folge des Zweiten Weltkrieges. Das schwarze Pferd setzte seinen Galopp fort, und nach einem Bericht des Welternährungsrates betrug die Zahl der Hungernden Mitte 1987 512 Millionen, und täglich starben 40 000 Kinder an Unterernährung.

      22. (a) Was sagt eine Stimme, und auf welche Notwendigkeit sollte dadurch hingewiesen werden? (b) Was läßt der Preis für einen Liter Weizen und für drei Liter Gerste erkennen?

      22 Johannes hat uns noch mehr zu berichten: „Und ich hörte eine Stimme, als ob sie inmitten der vier lebenden Geschöpfe sagte: ‚Einen Liter Weizen für einen Denar und drei Liter Gerste für einen Denar, und das Olivenöl und den Wein beschädigt nicht‘ “ (Offenbarung 6:6). Alle vier Cherube äußern übereinstimmend den Gedanken, daß sorgfältig über die Lebensmittelvorräte gewacht werden sollte, so wie das Volk vor der Zerstörung Jerusalems im Jahre 607 v. u. Z. ‘Brot essen mußte nach Gewicht und in angstvoller Besorgtheit’ (Hesekiel 4:16). In den Tagen des Johannes galt ein Liter Weizen als Tagesration für einen Soldaten. Wieviel hätte eine solche Ration gekostet? Einen Denar — einen ganzen Tagelohn! (Matthäus 20:2).d Wie wäre es dann gewesen, wenn ein Mann eine Familie gehabt hätte? In diesem Fall hätte er drei Liter ungeschälte Gerste kaufen können. Auch das hätte nur für eine kleine Familie ausgereicht. Und Gerste galt im Gegensatz zu Weizen nicht als Qualitätsnahrung.

      23. Was ist mit den Worten gemeint: „Das Olivenöl und den Wein beschädigt nicht.“?

      23 Was bedeuten die Worte: „Das Olivenöl und den Wein beschädigt nicht.“? Einige dachten, damit sei gemeint, daß viele nicht genügend zu essen hätten und sogar verhungern würden, während die Luxusartikel der Reichen nicht beschädigt würden. Öl und Wein sind im Nahen Osten aber keine Luxusartikel. In biblischer Zeit galten Brot, Öl und Wein als Hauptnahrungsmittel. (Vergleiche 1. Mose 14:18; Psalm 104:14, 15.) Da das Wasser nicht immer gut war, trank man allgemein Wein, und man gebrauchte ihn auch als Heilmittel (1. Timotheus 5:23). Was das Öl betrifft, so hatte in den Tagen Elias selbst die arme Witwe von Zarephath noch etwas übrig, womit sie ihr restliches Mehl verbacken wollte (1. Könige 17:12). Der Befehl: „Das Olivenöl und den Wein beschädigt nicht“ scheint also dazu aufzufordern, diese Hauptnahrungsmittel nicht zu schnell aufzubrauchen, sondern sparsam damit umzugehen, um zu verhindern, daß sie „beschädigt“, das heißt ausgehen würden, bevor die Hungersnot vorbei wäre.

      24. Warum wird das schwarze Pferd nicht mehr sehr lange galoppieren?

      24 Wie glücklich können wir sein, daß der Reiter auf dem weißen Pferd das galoppierende schwarze Pferd bald anhalten wird, denn über seine liebevollen Vorkehrungen für die neue Welt lesen wir: „In seinen Tagen wird der Gerechte sprossen und Fülle von Frieden, bis der Mond nicht mehr ist. Es wird Fülle an Getreide auf der Erde geben; auf dem Gipfel der Berge wird Überfluß sein“ (Psalm 72:7, 16; siehe ferner Jesaja 25:6-8).

      Das fahle Pferd und sein Reiter

      25. Wessen Stimme hört Johannes, als Jesus das vierte Siegel öffnet, und was bedeutet das?

      25 Die Erzählung ist noch nicht ganz zu Ende. Jesus öffnet das vierte Siegel, und Johannes berichtet uns, was geschieht: „Und als er das vierte Siegel öffnete, hörte ich die Stimme des vierten lebenden Geschöpfes sagen: ‚Komm!‘ “ (Offenbarung 6:7). Das ist die Stimme des Cherubs, der einem fliegenden Adler gleicht. Das deutet auf weitblickende Weisheit hin, und Johannes sowie die Johannes-Klasse und alle anderen irdischen Diener Gottes müssen angesichts dessen, was hier gezeigt wird, tatsächlich achtgeben und vernünftig handeln. Dadurch mögen wir uns einigermaßen vor den ansteckenden Krankheiten schützen, von denen die Weltweisen der heutigen stolzen und unsittlichen Generation heimgesucht werden (1. Korinther 1:20, 21).

      26. (a) Wer ist der vierte Reiter, und warum ist die Farbe seines Pferdes passend? (b) Wer folgt dem vierten Reiter, und was geschieht mit dessen Opfern?

      26 Welche neuen Schrecken werden dadurch ausgelöst, daß der vierte Reiter dem Aufruf Folge leistet? Johannes sagt es uns: „Und ich sah, und siehe, ein fahles Pferd; und der darauf saß, hatte den Namen Tod. Und der Hades folgte dicht hinter ihm“ (Offenbarung 6:8a). Der Reiter auf dem letzten Pferd hat den Namen Tod. Er ist der einzige der vier Apokalyptischen Reiter, dessen Identität so deutlich geoffenbart wird. Passenderweise reitet der Tod ein fahles Pferd, denn das Wort fahl (griechisch: chlōrós) bezeichnet in der griechischen Literatur Gesichter, die beispielsweise zufolge einer Krankheit bleich geworden sind. Passenderweise folgt dem Tod — wie, wird nicht gesagt — unmittelbar der Hades (das Grabesreich), denn der Hades nimmt den größten Teil der Opfer des vierten Reiters in Empfang. Glücklicherweise werden sie jedoch auferstehen, wenn ‘der Tod und der Hades die Toten herausgeben, die darin sind’ (Offenbarung 20:13). Wodurch fordert aber der Tod diese Opfer?

      27. (a) Wodurch fordert der Reiter Tod seine Opfer? (b) Was ist mit dem „vierten Teil der Erde“ gemeint, über den dem Tod Gewalt gegeben wird?

      27 In dieser Vision werden einige Ursachen aufgezählt: „Und es wurde ihnen Gewalt über den vierten Teil der Erde gegeben, um mit einem langen Schwert und mit Lebensmittelknappheit und mit tödlichen Plagen und durch die wilden Tiere der Erde zu töten“ (Offenbarung 6:8b). Das heißt nicht unbedingt, daß buchstäblich ein Viertel der Erdbevölkerung von den Auswirkungen dieses Ritts betroffen wird, sondern es könnte bedeuten, daß ein großer Teil der Erde — ob dicht oder spärlich bevölkert — darunter zu leiden haben wird. Dieser Reiter sammelt die Opfer des großen Schwertes des zweiten Reiters sowie die der Hungersnöte und der Lebensmittelknappheit des dritten ein. Aber auch seine eigene Ernte bringt er ein, die Opfer der tödlichen Plagen, sowie eine Ernte durch Erdbeben, wie in Lukas 21:10, 11 erwähnt.

      28. (a) Wie hat sich die Prophezeiung über die „tödlichen Plagen“ erfüllt? (b) Wieso sind Jehovas Diener heute vor vielen Krankheiten geschützt worden?

      28 Was hier von besonderem Interesse ist, sind die „tödlichen Plagen“. Eine der verheerenden Folgen des Ersten Weltkrieges war die „spanische Grippe“, an der 1918/19 in nur wenigen Monaten 20 Millionen Menschen starben. Das einzige Gebiet, das von dieser Seuche verschont blieb, war die kleine Insel Sankt Helena. An Orten, wo ein großer Teil der Bevölkerung hingerafft wurde, errichtete man Scheiterhaufen, um die Berge von Leichen zu verbrennen. Heute nehmen Herzkrankheiten und Krebserkrankungen erschreckend überhand, größtenteils als Folge der Verunreinigung durch Tabak. Im sogenannten „gefährlichen Jahrzehnt“ der 80er Jahre kam durch einen nach biblischen Maßstäben gesetzwidrigen Lebensstil die Seuche Aids zu den „tödlichen Plagen“ hinzu. Nach Berichten aus dem Jahr 2000 bezeichnete das US-amerikanische Gesundheitsministerium Aids als die „vermutlich schlimmste Epidemie, die die Welt je erlebt hat“. Es gab bekannt, daß weltweit 52 Millionen Menschen infiziert oder aidskrank sind und 20 Millionen bereits daran gestorben sind. Wie dankbar sind doch Jehovas Diener für den weisen Rat in seinem Wort, der sie veranlaßt, Hurerei und den Mißbrauch von Blut zu meiden, wodurch heute so viele Krankheiten übertragen werden (Apostelgeschichte 15:28, 29; vergleiche 1. Korinther 6:9-11).

      29, 30. (a) Was ist mit den in Hesekiel 14:21 erwähnten „vier Schaden verursachenden Taten“ in der heutigen Zeit gemeint? (b) Was könnte man unter den in Offenbarung 6:8 erwähnten „wilden Tieren“ verstehen? (c) Was scheint diese prophetische Szene hauptsächlich vor Augen zu führen?

      29 Als vierte Ursache eines vorzeitigen Todes werden in der Vision des Johannes wilde Tiere genannt. Die vier Dinge, die nach der Öffnung des vierten Siegels erwähnt werden — Krieg, Hungersnot, Krankheit und wilde Tiere —, galten in alter Zeit tatsächlich als Hauptursachen für einen vorzeitigen Tod. Sie würden demnach alle heutigen Ursachen eines frühzeitigen Todes vorschatten. Es ist so, wie Jehova zu den Israeliten sagte: „So wird es auch sein, wenn es meine vier Schaden verursachenden Taten des Gerichts geben wird — Schwert und Hungersnot und Schaden verursachende wilde Tiere und Pest —, die ich tatsächlich über Jerusalem senden werde, um Erdenmensch und Haustier daraus wegzutilgen“ (Hesekiel 14:21).

      30 Der Tod durch wilde Tiere macht in der heutigen Zeit kaum noch Schlagzeilen, obwohl es in tropischen Ländern immer wieder vorkommt, daß Menschen wilden Tieren zum Opfer fallen. In der Zukunft mag dies noch häufiger vorkommen, wenn ganze Landstriche durch den Krieg verwüstet werden oder die Menschen durch den Hunger dermaßen geschwächt sind, daß sie sich gegen hungrige Tiere nicht wehren können. Außerdem gibt es heute viele Menschen, die, vernunftlosen Tieren gleich, Neigungen offenbaren, die mit den in Jesaja 11:6-9 beschriebenen in Widerspruch stehen. Diese Menschen sind für die internationale Ausbreitung der Gewalt — Sexualverbrechen, Mord, Terrorismus und Bombenanschläge — in der heutigen Welt verantwortlich. (Vergleiche Hesekiel 21:31; Römer 1:28-31; 2. Petrus 2:12.) Der vierte Reiter erntet auch ihre Opfer. Diese prophetische Szene scheint hauptsächlich vor Augen zu führen, daß der Reiter auf dem fahlen Pferd die, die auf verschiedene Weise vorzeitig sterben, erntet.

      31. Warum können wir trotz der Verheerungen, die die Reiter des roten, des schwarzen und des fahlen Pferdes anrichten, Mut fassen?

      31 Der Aufschluß, den wir durch das Öffnen der ersten vier Siegel erhalten haben, beruhigt uns, denn wir können daraus entnehmen, daß Kriege, Hunger, Krankheiten und andere heute immer zahlreicher werdende Ursachen vorzeitigen Todes kein Grund zur Verzweiflung sind. Ebensowenig sollten wir wegen der Unfähigkeit menschlicher Führer, die gegenwärtigen Probleme zu lösen, die Hoffnung verlieren. Die Weltverhältnisse lassen zwar eindeutig erkennen, daß die Reiter auf dem roten, dem schwarzen und dem fahlen Pferd unterwegs sind, doch wir sollten nicht vergessen, daß der Reiter auf dem weißen Pferd als erster seinen Ritt unternommen hat. Jesus ist König geworden, und er hat bereits Satan besiegt und aus dem Himmel hinausgeworfen. Zu seinen weiteren Siegen hat das Einsammeln der restlichen Söhne des geistigen Israel gehört und das Zusammenbringen der Millionen von Angehörigen der internationalen großen Volksmenge, die die große Drangsal überleben werden (Offenbarung 7:4, 9, 14). Er muß seinen Ritt fortsetzen, bis er seinen Sieg vollendet hat.

      32. Was zeichnet das Öffnen eines jeden der ersten vier Siegel aus?

      32 Jedesmal, wenn eines der ersten vier Siegel geöffnet wurde, erfolgte die Aufforderung: „Komm!“, und jedesmal stürmte ein Pferd mit seinem Reiter hervor. Vom Öffnen des fünften Siegels an ist keine solche Aufforderung mehr zu hören. Die Reiter sind jedoch immer noch unterwegs, und sie setzen ihren Galopp während des ganzen Abschlusses des Systems der Dinge fort. (Vergleiche Matthäus 28:20.) Welche weiteren bedeutsamen Ereignisse enthüllt Jesus beim Öffnen der verbleibenden drei Siegel? Einige dieser Ereignisse sind für menschliche Augen unsichtbar, andere dagegen sind sichtbar, liegen aber noch in der Zukunft. Wie dem auch sei, sie werden bestimmt eintreten. Wir wollen sehen, worum es sich dabei handelt.

      [Fußnoten]

      a Man beachte jedoch, daß die „Frau“ aus Offenbarung 12:1 eine sinnbildliche „Krone von zwölf Sternen“ trägt.

      b Beweise dafür, daß Jesus im Jahre 1914 die Macht als König antrat, sind in dem Buch Was lehrt die Bibel wirklich? (S. 216—218), herausgegeben von Jehovas Zeugen, zu finden.

      c In manchen Übersetzungen heißt es an dieser Stelle zwar „um zu siegen“ (Luther; Pattloch; Zürcher Bibel) oder „entschlossen zu siegen“ (Phillips; New International Version), aber der im Griechischen an dieser Stelle gebrauchte Konjunktiv Aorist hat mehr den Sinn von Vollendung oder Endgültigkeit. Darum sagt Robertson in seinem Werk Word Pictures in the New Testament hierzu: „Der Aorist weist hier auf den endgültigen Sieg hin.“

      d Siehe Neue-Welt-Übersetzung der Heiligen Schrift — mit Studienverweisen, Fußnote.

      [Kasten auf Seite 92]

      Der siegreiche Ritt des Königs

      In den 30er und 40er Jahren versuchten erbitterte Feinde, die Predigttätigkeit der Zeugen Jehovas als ungesetzlich, strafbar, ja sogar als umstürzlerisch hinzustellen (Psalm 94:20). Allein im Jahre 1936 kam es in den Vereinigten Staaten zu 1149 Verhaftungen. Viele Fälle brachten die Zeugen bis vor das Oberste Bundesgericht, und im nachstehenden werden einige ihrer hervorragenden Siege angeführt.

      Am 3. Mai 1943 entschied das Oberste Bundesgericht im Fall Murdock gegen Pennsylvania, daß Jehovas Zeugen keinen Gewerbeschein brauchten, um Schriften gegen Geld abzugeben. Am gleichen Tag fiel im Fall Martin gegen City of Struthers die Entscheidung, daß das Klingeln an den Haustüren beim Verteilen von Handzetteln und anderem Werbematerial keine gesetzwidrige Handlung sei.

      Am 14. Juni 1943 entschied das Oberste Bundesgericht im Fall Taylor gegen Mississippi, daß die Zeugen durch ihre Predigttätigkeit nicht zur Untreue gegen die Regierung aufhetzten. Am gleichen Tag entschied das Bundesgericht im Fall West Virginia State Board of Education gegen Barnette, daß eine Schulbehörde nicht berechtigt ist, Kinder von Zeugen Jehovas, die den Fahnengruß ablehnen, von der Schule zu weisen. Ebenfalls an diesem Tag hob das Oberste Bundesgericht von Australien das Verbot der Zeugen Jehovas in diesem Land als „willkürlich, eigenmächtig und hart“ auf.

      [Kasten auf Seite 94]

      ‘Den Frieden von der Erde wegzunehmen gewährt’

      Wohin führt die Technologie? Ivan L. Head, der Vorsitzende des Internationalen Zentrums für Forschung und Entwicklung, sagte laut einem Bericht der in Toronto erscheinenden Zeitschrift Globe and Mail vom 22. Januar 1987 unter anderem:

      „Nach zuverlässigen Schätzungen ist jeder vierte Wissenschaftler oder Technologe in der Welt mit der Erforschung und Entwicklung von Waffen beschäftigt. ... 1986 wurden pro Minute über 1,5 Millionen Dollar ausgegeben. ... Fühlen wir uns mit all dem Nachdruck, der auf die Technik gelegt wird, sicherer? In den Arsenalen der Supermächte lagern Kernwaffen mit einer Sprengkraft, die im Vergleich zu der gesamten Munition, die im Zweiten Weltkrieg verschossen wurde, 6 000mal so groß ist. Sechstausend Zweite Weltkriege! Seit 1945 hat die Welt nicht einmal sieben Wochen Ruhe vor militärischen Handlungen gehabt. Über 150 Kriege — zwischenstaatliche oder Bürgerkriege — sind geführt worden, bei denen schätzungsweise 19,3 Millionen Menschen umgekommen sind, die meisten zufolge der neuen wirkungsvollen Techniken, die im Zeitalter der Vereinten Nationen entwickelt worden sind.“

      Bis 2005 ist die Zahl derer, die durch militärische Handlungen das Leben verloren haben, auf weit über 20 Millionen gestiegen.

      [Kasten auf Seite 98, 99]

      Der Aufbau der Offenbarung

      Wir sind in unserer Besprechung des Bibelbuches Offenbarung nun an einer Stelle angelangt, wo wir seinen Aufbau schon recht gut erkennen können. Nach der aufrüttelnden Einleitung (Offenbarung 1:1-9) kann die Offenbarung als eine Folge von 16 Visionen betrachtet werden:

      1. VISION (1:10⁠—⁠3:22): Johannes sieht unter Inspiration den verherrlichten Jesus, der den sieben Versammlungen herzliche Botschaften sendet, in denen er ihnen Rat erteilt.

      2. VISION (4:1⁠—⁠5:14): Ein herrlicher Anblick des himmlischen Thrones Jehovas. Jehova übergibt dem Lamm eine Buchrolle.

      3. VISION (6:1-17): Das Lamm bricht die ersten sechs Siegel der Buchrolle und enthüllt allmählich eine kombinierte Vision von Ereignissen, die am Tag des Herrn eintreten sollen. Die vier Apokalyptischen Reiter ziehen aus; die als Märtyrer gestorbenen Sklaven Gottes empfangen weiße Gewänder, und ‘der große Tag des Zorns’ wird beschrieben.

      4. VISION (7:1-17): Engel halten die vernichtenden Winde zurück, bis die 144 000 geistigen Israeliten versiegelt sind. Eine große Volksmenge aus allen Nationen schreibt Gott und Christus Rettung zu und wird versammelt, um die große Drangsal zu überleben.

      5. VISION (8:1⁠—⁠9:21): Nach dem Öffnen des siebten Siegels ertönen sieben Trompetenstöße, von denen die ersten sechs die fünfte Vision ausmachen. Diese sechs Trompetenstöße kündigen Jehovas Urteilssprüche über die Menschheit an. Die fünfte und die sechste Trompete leiten auch das erste und das zweite Wehe ein.

      6. VISION (10:1⁠—⁠11:19): Ein starker Engel gibt Johannes eine kleine Buchrolle, der Tempel wird gemessen, und wir erfahren, was die zwei Zeugen erleben. Mit dem Blasen der siebten Trompete, die den Feinden Gottes das dritte Wehe ankündigt — die angebrochene Herrschaft des Königreiches Jehovas und seines Christus —, wird der Höhepunkt erreicht.

      7. VISION (12:1-17): Darin wird die Geburt des Königreiches beschrieben, die zur Folge hat, daß Michael die „Schlange“, Satan, auf die Erde hinabschleudert.

      8. VISION (13:1-18): Das mächtige wilde Tier steigt aus dem Meer auf, und das Tier mit zwei Hörnern gleich einem Lamm veranlaßt die Menschen, es anzubeten.

      9. VISION (14:1-20): Ein hervorragendes Zukunftsbild von den 144 000 auf dem Berg Zion. Engelsbotschaften werden rund um die Erde gehört, der Weinstock der Erde wird geerntet, und die Kelter des Grimmes Gottes wird getreten.

      10. VISION (15:1⁠—⁠16:21): Nach einem weiteren kurzen Blick in die himmlischen Höfe erfolgt das Ausgießen der sieben Schalen des Zorns Jehovas über die Erde. Auch dieser Teil schließt mit einer prophetischen Schilderung des Endes von Satans System ab.

      11. VISION (17:1-18): Die große Hure, Babylon die Große, reitet ein scharlachfarbenes wildes Tier, das für kurze Zeit in den Abgrund geht, dann aber wieder heraufsteigt und sie dann verwüstet.

      12. VISION (18:1⁠—⁠19:10): Der Sturz und die endgültige Vernichtung Babylons der Großen werden angekündigt. Einige trauern über ihre Hinrichtung, andere preisen Jehova; die Hochzeit des Lammes wird angekündigt.

      13. VISION (19:11-21): Die himmlischen Heerscharen ziehen unter der Führung Jesu aus, um Gottes Zornurteil an Satans System zu vollstrecken, an dessen Armeen und Unterstützern; Aasvögel verzehren ihre Leichname.

      14. VISION (20:1-10): Die Gefangensetzung Satans im Abgrund, die Tausendjahrherrschaft Christi und seiner Mitkönige, die Schlußprüfung der Menschheit und die Vernichtung Satans und seiner Dämonen.

      15. VISION (20:11⁠—⁠21:8): Die allgemeine Auferstehung und der große Gerichtstag; ein neuer Himmel und eine neue Erde treten in Erscheinung, die für die gerechte Menschheit ewige Segnungen mit sich bringen.

      16. VISION (21:9⁠—⁠22:5): Mit einer herrlichen Vision vom Neuen Jerusalem (der Frau des Lammes) erreicht das Bibelbuch Offenbarung seinen Höhepunkt. Von dieser Stadt aus fließen der Menschheit Gottes Vorkehrungen zur Heilung und zum Erlangen des Lebens zu.

      Die Offenbarung endet mit herzlichen Grußworten und mit Ermahnungen Jehovas und Jesu sowie des Engels und des Johannes. Die Einladung „Komm!“ ergeht an jedermann (Offenbarung 22:6-21).

  • ‘Hingeschlachtete Seelen’ belohnt
    Die Offenbarung — Ihr großartiger Höhepunkt ist nahe!
    • Kapitel 17

      ‘Hingeschlachtete Seelen’ belohnt

      1. In welchem Zeitabschnitt leben wir, und welche Beweise haben wir dafür?

      GOTTES Königreich herrscht! Der Reiter auf dem weißen Pferd ist dabei, seinen siegreichen Ritt zu vollenden. Das rote, das schwarze und das fahle Pferd galoppieren über die Erde. Jesu Prophezeiungen über seine Gegenwart als König erfüllen sich unbestreitbar (Matthäus, Kapitel 24, 25; Markus, Kapitel 13; Lukas, Kapitel 21). Ja, wir leben in den letzten Tagen des gegenwärtigen Systems der Dinge (2. Timotheus 3:1-5). Richten wir deshalb jetzt unsere Aufmerksamkeit auf das Lamm, Jesus Christus, während er das fünfte Siegel der Buchrolle öffnet! Welche weitere Offenbarung wird uns wohl nun zuteil werden?

      2. (a) Was sah Johannes, als das fünfte Siegel geöffnet wurde? (b) Warum sollte es uns nicht überraschen, etwas über einen himmlischen sinnbildlichen Opferaltar zu lesen?

      2 Johannes beschreibt folgende ergreifende Szene: „Und als er das fünfte Siegel öffnete, sah ich unter dem Altar die Seelen derer, die wegen des Wortes Gottes und wegen des Zeugniswerkes, das sie innegehabt hatten, hingeschlachtet worden waren“ (Offenbarung 6:9). Was? Ein Opferaltar im Himmel? Ja! Johannes erwähnt hier zum erstenmal einen Altar. Jehova auf seinem Thron, die ihn umgebenden Cherube, das gläserne Meer, die Feuerlampen und die 24 räucherwerktragenden Ältesten hat er bereits geschildert — alles Einzelheiten, die besonderen Merkmalen der Stiftshütte, des irdischen Heiligtums Jehovas in Israel, glichen (2. Mose 25:17, 18; 40:24-27, 30-32; 1. Chronika 24:4). Sollte es uns da überraschen, auch einen sinnbildlichen Opferaltar im Himmel zu sehen? (2. Mose 40:29).

      3. (a) Wie wurden früher in der jüdischen Stiftshütte Seelen ‘an den Grund des Altars gegossen’? (b) Warum sah Johannes die Seelen von Zeugen, die hingeschlachtet worden waren, unter einem sinnbildlichen Altar im Himmel?

      3 Unter diesem Altar befinden sich „die Seelen derer, die wegen des Wortes Gottes und wegen des Zeugniswerkes, das sie innegehabt hatten, hingeschlachtet worden waren“. Was bedeutet das? Es kann sich dabei nicht um entkörperte Seelen handeln, die es in der Vorstellung der heidnischen Griechen gab (1. Mose 2:7; Hesekiel 18:4). Johannes weiß, daß die Seele oder das Leben durch das Blut versinnbildlicht wird und daß die Priester, die früher in der jüdischen Stiftshütte dienten, nach dem Schlachten eines Opfertieres das Blut „ringsum auf den Altar sprengen“ oder „an den Grund des Brandopferaltars gießen“ mußten (3. Mose 3:2, 8, 13; 4:7; 17:6, 11, 12). Demnach wurde die Seele des Tieres mit dem Opferaltar in enge Verbindung gebracht. Warum aber sollten die Seelen oder das Blut dieser Diener Gottes unter einem sinnbildlichen Altar im Himmel gesehen werden? Weil ihr Tod als Opfertod betrachtet wird.

      4. Inwiefern ist der Tod geistgezeugter Christen ein Opfertod?

      4 Ja, alle, die zu geistigen Söhnen Gottes gezeugt worden sind, sterben einen Opfertod. Wegen der Aufgabe, die sie in Jehovas himmlischem Königreich erfüllen sollen, müssen sie dem Willen Gottes entsprechend jede Hoffnung auf ewiges Leben auf der Erde aufgeben oder gleichsam opfern. Daher unterziehen sie sich im Interesse der Souveränität Jehovas einem Opfertod (Philipper 3:8-11; vergleiche 2:17). Das kann von denen, die Johannes unter dem Altar gesehen hat, tatsächlich gesagt werden. Es sind Gesalbte, die getötet wurden, weil sie Jehovas Wort und Souveränität eifrig hochhielten. Ihre Seelen wurden „wegen des Wortes Gottes und wegen des Zeugniswerkes [martyrían], das sie innegehabt hatten, hingeschlachtet“.

      5. Wieso schreien die Seelen von Treuen, wenn sie doch tot sind, nach Rache?

      5 Nun folgt die Fortsetzung dieser Szene: „Und sie riefen mit lauter Stimme und sprachen: ‚Bis wann, Souveräner Herr, heiliger und wahrhaftiger, hältst du dich davon zurück, zu richten und unser Blut an denen zu rächen, die auf der Erde wohnen?‘ “ (Offenbarung 6:10). Wie können ihre Seelen oder ihr Blut nach Rache schreien, wenn doch nach der Bibel die Toten ohne Bewußtsein sind? (Prediger 9:5). War es aber nicht so, daß das Blut des gerechten Abel schrie, als Kain ihn ermordet hatte? Jehova sagte zu Kain: „Was hast du getan? Horch! Das Blut deines Bruders schreit vom Erdboden her zu mir“ (1. Mose 4:10, 11; Hebräer 12:24). Das heißt nicht, daß Abels Blut buchstäblich Worte geäußert hätte. Doch Abel war als unschuldiges Opfer gestorben, und nun forderte die Gerechtigkeit die Bestrafung seines Mörders. Auch jene christlichen Märtyrer sind unschuldig und müssen um der Gerechtigkeit willen gerächt werden (Lukas 18:7, 8). Der Ruf nach Rache ertönt laut, denn Tausende sind auf diese Weise gestorben. (Vergleiche Jeremia 15:15, 16.)

      6. Welches unschuldige Blut wurde im Jahre 607 v. u. Z. gerächt?

      6 Es ist ungefähr so, wie es im abtrünnigen Juda zur Zeit König Manasses war, der im Jahre 716 v. u. Z. auf den Thron kam. Er vergoß viel unschuldiges Blut, ja wahrscheinlich „zersägte“ er den Propheten Jesaja (Hebräer 11:37; 2. Könige 21:16). Manasse bereute zwar später und besserte sich, aber die Blutschuld wurde nicht getilgt. Als im Jahre 607 v. u. Z. die Babylonier das Königreich Juda verwüsteten, geschah es „nur auf Befehl Jehovas ... wider Juda, um es wegen der Sünden Manasses von seinen Augen zu entfernen, gemäß allem, was er getan hatte, und auch des unschuldigen Blutes wegen, das er vergossen hatte, so daß er Jerusalem mit unschuldigem Blut erfüllte, und Jehova war nicht gewillt, Vergebung zu gewähren“ (2. Könige 24:3, 4).

      7. Wer trägt vor allem die Schuld am Vergießen des „Blutes der Heiligen“?

      7 Wie in biblischen Zeiten, so mögen auch heute viele derer, die Zeugen Gottes getötet haben, längst tot sein. Die Organisation, die den Tod dieser Märtyrer veranlaßt hat, ist aber immer noch da, und ihre Blutschuld ist noch nicht getilgt. Es ist Satans irdische Organisation, Satans irdischer Same, dessen führender Teil Babylon die Große ist, das Weltreich der falschen Religion.a Von ihr wird gesagt, sie sei „trunken ... vom Blut der Heiligen und vom Blut der Zeugen Jesu“. „Ja, in ihr wurde das Blut von Propheten und Heiligen und von all denen gefunden, die auf der Erde hingeschlachtet worden sind“ (Offenbarung 17:5, 6; 18:24; Epheser 4:11; 1. Korinther 12:28). Welch ungeheure Blutschuld! Solange Babylon die Große existiert, wird das Blut ihrer Opfer nach Vergeltung schreien (Offenbarung 19:1, 2).

      8. (a) Wer ist zu Lebzeiten des Johannes als Märtyrer gestorben? (b) Welche Verfolgungen wurden von römischen Kaisern veranlaßt?

      8 Johannes war selbst Zeuge davon, wie einige im 1. Jahrhundert den Märtyrertod erlitten, als Satan — die grausame Schlange — und sein irdischer Same gegen die wachsende Versammlung gesalbter Christen Krieg führten. Johannes hatte gesehen, wie unser Herr an den Pfahl geschlagen wurde, ja er hatte die Steinigung des Stephanus, die Tötung seines Bruders Jakobus und die Hinrichtung der Apostel Petrus und Paulus sowie anderer seiner treuen Gefährten überlebt (Johannes 19:26, 27; 21:15, 18, 19; Apostelgeschichte 7:59, 60; 8:2; 12:2; 2. Timotheus 1:1; 4:6, 7). Im Jahre 64 u. Z. machte der römische Kaiser Nero die Christen zum Sündenbock, indem er ihnen den Brand der Stadt anlastete, um dem Gerücht, er sei der Schuldige, entgegenzutreten. Der Geschichtsschreiber Tacitus berichtet: „In Tierhäuten steckend, wurden sie [die Christen] entweder von Hunden zerfleischt oder ... [an den Pfahl]b geschlagen oder angezündet, um nach Eintritt der Dunkelheit als Fackeln zu dienen“ (Annalen, 15. Buch, Abs. 44). Eine weitere Verfolgungswelle unter Kaiser Domitian (81—96 u. Z.) hatte die Verbannung des Johannes auf die Insel Patmos zur Folge. Es war so, wie Jesus gesagt hatte: „Wenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen“ (Johannes 15:20; Matthäus 10:22).

      9. (a) Welches Meisterwerk der Täuschung hatte Satan bis zum 4. Jahrhundert u. Z. hervorgebracht, und wovon ist es der wichtigste Teil? (b) Wie behandelten einige Herrscher innerhalb der Christenheit Jehovas Zeugen während des Ersten und des Zweiten Weltkrieges?

      9 Bis zum 4. Jahrhundert u. Z. hatte Satan, der Teufel, die alte „Schlange“, sein Meisterwerk der Täuschung hervorgebracht: die abtrünnige Religion der Christenheit — ein babylonisches System unter „christlichem“ Deckmantel. Es bildet den wichtigsten Teil des Samens der „Schlange“ und besteht heute aus unzähligen sich widersprechenden Sekten. Wie das untreue Juda der alten Zeit, so hat auch die Christenheit große Blutschuld auf sich geladen, denn sie unterstützte sowohl im Ersten als auch im Zweiten Weltkrieg die sich bekämpfenden Parteien. Einige politische Herrscher innerhalb der Christenheit benutzten diese Kriege sogar als Vorwand für die Tötung gesalbter Diener Gottes. Friedrich Zipfel berichtet in seinem Buch Kirchenkampf in Deutschland (Seite 176) über Hitlers Verfolgung der Zeugen Jehovas: „Ein Drittel von ihnen [den Zeugen] fand ‚durch Hinrichtung, sonstige Gewaltakte, Hunger, Krankheit oder Frondienst‘ den Tod. Diese beispiellose Härte der Unterdrückung ist das Ergebnis eines kompromißlosen Glaubens, der in unüberbrückbaren Gegensatz zu der nationalsozialistischen Ideologie treten mußte.“ Von der Christenheit, einschließlich ihrer Geistlichkeit, kann tatsächlich gesagt werden: „Auch sind an deinen Rocksäumen die Blutspuren der Seelen unschuldiger Armer gefunden worden“ (Jeremia 2:34)c.

      10. Welche Verfolgungen haben junge Angehörige der großen Volksmenge in vielen Ländern durchgemacht?

      10 In vielen Ländern haben seit 1935 hauptsächlich junge treue Angehörige der großen Volksmenge die volle Wucht der Verfolgung zu spüren bekommen (Offenbarung 7:9). Selbst nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa wurden in einer einzigen Stadt 14 junge Zeugen Jehovas durch den Strang hingerichtet. Was hatten sie sich zuschulden kommen lassen? Sie wollten „den Krieg nicht mehr lernen“ (Jesaja 2:4). In noch jüngerer Zeit sind im Orient und in Afrika junge Männer wegen des gleichen Problems totgeschlagen oder durch Exekutionskommandos hingerichtet worden. Diese jungen Märtyrer, würdige Unterstützer der gesalbten Brüder Jesu, werden bestimmt auferweckt und ein Teil der verheißenen neuen Erde werden (2. Petrus 3:13; vergleiche Psalm 110:3; Matthäus 25:34-40; Lukas 20:37, 38).

      Ein weißes langes Gewand

      11. In welchem Sinn erhalten gesalbte christliche Märtyrer „ein weißes langes Gewand“?

      11 Nachdem der Apostel Paulus auf den Glauben von Bewahrern der Lauterkeit aus der alten Zeit hingewiesen hatte, schrieb er: „Und doch empfingen alle diese, obwohl sie durch ihren Glauben Zeugnis erlangten, die Erfüllung der Verheißung nicht, da Gott für uns etwas Besseres vorgesehen hat, damit sie nicht ohne uns vollkommen gemacht würden“ (Hebräer 11:39, 40). Was ist mit den Worten „etwas Besseres“, das Paulus und andere gesalbte Christen erwarten, gemeint? Johannes sieht es in seiner Vision: „Und es wurde jedem von ihnen ein weißes langes Gewand gegeben, und es wurde ihnen gesagt, noch eine kleine Weile zu ruhen, bis auch die Zahl ihrer Mitsklaven und ihrer Brüder voll wäre, die daran waren, getötet zu werden, so wie auch sie getötet worden waren“ (Offenbarung 6:11). Das ‘weiße lange Gewand’, das ihnen gegeben wird, hat mit ihrer Auferstehung zu einem Dasein als unsterbliche Geistgeschöpfe zu tun. Sie bleiben nicht als hingeschlachtete Seelen unter dem Altar liegen, sondern werden auferweckt, um in die Gruppe der 24 Ältesten eingegliedert zu werden, die vor dem himmlischen Thron Gottes anbeten. Dort werden ihnen Throne gegeben, was zeigt, daß sie nun königliche Vorrechte genießen. Sie sind auch „in weiße äußere Kleider gehüllt“, was bedeutet, daß sie gerechtgesprochen wurden und würdig sind, in den himmlischen Höfen einen Ehrenplatz vor Jehova einzunehmen. Dadurch erfüllt sich auch die Verheißung, die Jesus seinen treuen gesalbten Christen der Versammlung in Sardes gab: „Wer siegt, der wird so in weiße äußere Kleider gehüllt werden“ (Offenbarung 3:5; 4:4; 1. Petrus 1:4).

      12. Inwiefern „ruhen“ die auferstandenen Gesalbten „eine kleine Weile“, und bis wann?

      12 Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß diese himmlische Auferstehung im Jahre 1918 begann, nachdem Jesus 1914 inthronisiert worden war und seinen Siegeszug als König begonnen hatte, indem er den Himmel von Satan und seinen Dämonen reinigte. Den auferweckten Gesalbten wird jedoch gesagt, sie müßten „noch eine kleine Weile ... ruhen, bis auch die Zahl ihrer Mitsklaven ... voll wäre“. Die Glieder der Johannes-Klasse, die noch auf der Erde sind, müssen ihre Lauterkeit unter Prüfungen und Verfolgungen beweisen, ja einige mögen sogar noch getötet werden. Schließlich wird aber alles gerechte Blut, das von Babylon der Großen und ihren politischen Liebhabern vergossen wurde, gerächt werden. Bis dahin sind die bereits Auferstandenen zweifellos mit bestimmten himmlischen Aufgaben beschäftigt. Sie ruhen nicht, indem sie sich seligem Nichtstun hingeben, sondern indem sie geduldig den Tag der Rache Jehovas abwarten (Jesaja 34:8; Römer 12:19). Ihre Ruhe wird zu Ende gehen, wenn sie Zeugen der Vernichtung der falschen Religion werden und als ‘Berufene, Auserwählte und Treue’ mit dem Herrn Jesus Christus ausziehen, um an allen übrigen irdischen Gliedern des bösen Samens Satans das Urteil zu vollstrecken (Offenbarung 2:26, 27; 17:14; Römer 16:20).

      ‘Die Verstorbenen, die zuerst auferstehen’

      13, 14. (a) Wann beginnt gemäß den Worten des Apostels Paulus die himmlische Auferstehung, und wer wird auferweckt? (b) Wann auferstehen die Gesalbten, die am Tag des Herrn noch leben, zu himmlischem Leben?

      13 Was beim Öffnen des fünften Siegels zu sehen ist, stimmt mit anderen Bibeltexten, bei denen es um die himmlische Auferstehung geht, völlig überein. Der Apostel Paulus schrieb zum Beispiel: „Denn dies sagen wir euch durch Jehovas Wort, daß wir, die Lebenden, die bis zur Gegenwart des Herrn am Leben bleiben, denen keineswegs zuvorkommen werden, die im Tod entschlafen sind; denn der Herr selbst wird vom Himmel herabkommen mit gebietendem Zuruf, mit der Stimme eines Erzengels und mit der Posaune Gottes, und die in Gemeinschaft mit Christus Verstorbenen werden zuerst auferstehen. Danach werden wir, die Lebenden, welche überleben, mit ihnen zusammen in Wolken entrückt werden zur Begegnung mit dem Herrn in der Luft; und so werden wir allezeit beim Herrn sein“ (1. Thessalonicher 4:15-17).

      14 Welch begeisternden Gedanken enthalten doch diese Verse! Die bereits verstorbenen gesalbten Brüder Jesu gehen denen, die bis zu seiner Gegenwart leben, das heißt, die während seiner Gegenwart noch auf der Erde sind, in den Himmel voran. Die in Gemeinschaft mit Christus Verstorbenen werden zuerst auferstehen. Jesus kommt herab, das heißt, er wendet ihnen seine Aufmerksamkeit zu, und auferweckt sie zu himmlischem Leben und gibt ihnen „ein weißes langes Gewand“. Wenn dann die noch Lebenden ihren irdischen Lauf vollenden — manche durch einen von Gegnern verursachten gewaltsamen Tod —, werden sie nicht wie ihre Vorgänger im Tod schlafen, sondern sie werden bei ihrem Tod unverzüglich, „in einem Augenblick“, verwandelt und in den Himmel entrückt werden, um mit Jesus und den übrigen Gliedern des Leibes Christi zusammenzusein (1. Korinther 15:50-52; vergleiche Offenbarung 14:13). Die Auferstehung der gesalbten Christen beginnt also kurz nach dem Aufbruch der vier Apokalyptischen Reiter.

      15. (a) Für wen ist durch das Öffnen des fünften Siegels eine gute Botschaft enthüllt worden? (b) Zu welchem Höhepunkt bringt der Sieger auf dem weißen Pferd seinen Ritt?

      15 Den Gesalbten, die gesiegt haben, indem sie ihre Lauterkeit und ihre Treue bis in den Tod bewahrt haben, ist durch das Öffnen des fünften Siegels der Buchrolle eine gute Botschaft enthüllt worden. Für Satan und seinen Samen dagegen ist es keine gute Botschaft. Der Sieger auf dem weißen Pferd setzt seinen Ritt unentwegt fort und bringt ihn zum Höhepunkt, wenn mit der Welt, die ‘in der Macht dessen liegt, der böse ist’, abgerechnet wird (1. Johannes 5:19). Das zeigt sich deutlich, wenn das Lamm das sechste Siegel öffnet.

      [Fußnoten]

      a Wer Babylon die Große ist, wird in Kapitel 33 ausführlich behandelt.

      b Vergleiche Neue-Welt-Übersetzung der Heiligen Schrift — mit Studienverweisen, Anhang 5C: „Marterpfahl“, Seite 1641.

      c Weitere Beweise für die Blutschuld der Religion sind in Kapitel 36 zu finden.

      [Kasten auf Seite 102]

      ‘Hingeschlachtete Seelen’

      In M’Clintocks und Strongs Cyclopaedia werden folgende Worte des englischen Protestanten John Jortin zitiert, der im 18. Jahrhundert lebte und der Sohn von Hugenotten war: „Da, wo die Verfolgung [Andersdenkender] beginnt, hört das Christentum auf. ... Erst als das Christentum Reichsreligion [von Rom] geworden und den Geistlichen Reichtum und Ehre übertragen worden war, erlangte das gräßliche Unheil der Verfolgung kolossale Stärke und übte einen verderblichen Einfluß auf den Evangeliumsglauben aus.“

      [Bild auf Seite 103]

      „Und es wurde jedem von ihnen ein weißes langes Gewand gegeben“

  • Erdbeben am Tag des Herrn
    Die Offenbarung — Ihr großartiger Höhepunkt ist nahe!
    • Kapitel 18

      Erdbeben am Tag des Herrn

      1, 2. (a) Was empfindet man bei einem schweren Erdbeben? (b) Was sieht Johannes beim Öffnen des sechsten Siegels?

      HAST du jemals ein schweres Erdbeben erlebt? Es ist alles andere als ein angenehmes Erlebnis. Ein großes Beben kann mit einem dumpfen Getöse oder einem Übelkeit erregenden Schwanken beginnen. Es mag immer schlimmer werden, indem es stoß- und ruckweise erfolgt, und du suchst dich eilends in Sicherheit zu bringen — vielleicht unter einem Schreibtisch. Das Beben kann aber auch als ein plötzlicher heftiger Stoß kommen, der zur Folge hat, daß Geschirr, Möbelstücke und sogar Gebäude zertrümmert werden. Der Schaden kann verheerend sein, und Nachbeben können weitere Schäden verursachen und die Lage noch verschlimmern.

      2 Behalten wir all das im Sinn, während wir das betrachten, was Johannes beim Öffnen des sechsten Siegels sieht: „Und ich sah, als er das sechste Siegel öffnete, und es ereignete sich ein großes Erdbeben“ (Offenbarung 6:12a). Das muß in den gleichen Zeitraum fallen wie das Öffnen der anderen Siegel. Doch wann am Tag des Herrn ereignet sich dieses Erdbeben, und um was für ein Beben handelt es sich dabei? (Offenbarung 1:10).

      3. (a) Welche Ereignisse sagte Jesus in seiner Prophezeiung über das Zeichen seiner Gegenwart voraus? (b) In welcher Beziehung stehen die buchstäblichen Erdbeben zu dem in Offenbarung 6:12 erwähnten großen sinnbildlichen Erdbeben?

      3 Von buchstäblichen und sinnbildlichen Erdbeben ist in der Bibel mehrmals die Rede. Jesus sagte in seiner Prophezeiung über das Zeichen seiner Gegenwart als regierender König „Erdbeben an einem Ort nach dem anderen“ voraus. Sie sollten ein Teil des ‘Anfangs der Bedrängniswehen’ sein. In der Zeit seit 1914, in der sich die Erdbevölkerung explosionsartig vermehrte, so daß sie heute in die Milliarden geht, haben buchstäbliche Erdbeben wesentlich zu den Bedrängnissen unserer Zeit beigetragen (Matthäus 24:3, 7, 8). Dadurch erfüllt sich zwar diese Prophezeiung, aber es handelt sich dabei um Naturkatastrophen, die dem in Offenbarung 6:12 erwähnten großen sinnbildlichen Erdbeben vorausgehen. Dieses Erdbeben wird den verwüstenden Abschluß einer Reihe von Erschütterungen bilden, die Satans irdisches System der Dinge bis in seine Grundfesten zum Wanken bringen werden.a

      Erschütterungen innerhalb der menschlichen Gesellschaft

      4. (a) Von wann an hatte Jehovas Volk erwartet, daß im Jahre 1914 unheilvolle Ereignisse eintreten würden? (b) Das Ende welchen Zeitabschnitts sollte das Jahr 1914 kennzeichnen?

      4 Von der Mitte der 1870er Jahre an hatte Jehovas Volk erwartet, daß im Jahre 1914 unheilvolle Ereignisse eintreten würden, die erkennen ließen, daß die Zeiten der Nationen abgelaufen wären. Mit diesem Zeitabschnitt sind die „sieben Zeiten“ (2 520 Jahre) gemeint, die mit dem Sturz des davidischen Königreiches in Jerusalem im Jahre 607 v. u. Z. begannen und bis zur Inthronisierung Jesu im himmlischen Jerusalem im Jahre 1914 u. Z. dauerten (Daniel 4:24, 25; Lukas 21:24).b

      5. (a) Welche Mitteilung machte C. T. Russell am 2. Oktober 1914? (b) Zu welchen politischen Veränderungen kam es vom Jahre 1914 an?

      5 Als daher C. T. Russell am 2. Oktober 1914 zur morgendlichen Anbetung der Bethelfamilie in Brooklyn (New York) erschien, machte er folgende sensationelle Mitteilung: „Die Zeiten der Nationen sind abgelaufen; die Tage ihrer Könige sind gezählt.“ Der Umbruch, der im Jahre 1914 weltweit begann, war in der Tat von solch großer Tragweite, daß viele alte Monarchien verschwanden. Der Sturz des Zarenreiches in der russischen Revolution (1917) führte zu einer lang anhaltenden Konfrontation zwischen Marxismus und Kapitalismus. Politische Veränderungen erschütterten die menschliche Gesellschaft weiterhin. Heutzutage bleiben Regierungen oftmals höchstens ein oder zwei Jahre bestehen. Das beste Beispiel politischer Instabilität ist Italien, das nach dem Zweiten Weltkrieg in nur 42 Jahren 47 verschiedene Regierungen hatte. Bei diesen Erschütterungen handelt es sich aber lediglich um die Vorläufer des letzten Regierungssturzes. Die Folge? Gottes Königreich wird die Alleinherrschaft über die Erde übernehmen (Jesaja 9:6, 7).

      6. (a) Was schrieb H. G. Wells über die neue, bedeutsame Ära? (b) Was schrieben ein Philosoph und ein Staatsmann über die Ära, die 1914 begann?

      6 Historiker, Philosophen und führende Politiker haben auf das Jahr 1914 als den Beginn einer neuen, bedeutsamen Ära hingewiesen. Siebzehn Jahre dieser Ära waren vergangen, als sich der Historiker H. G. Wells wie folgt äußerte: „Gern würde der Prophet etwas Gutes prophezeien. Er ist aber verpflichtet, das zu sagen, was er sieht. Er sieht eine Welt, die immer noch streng von Soldaten, Patrioten, Wucherern und Börsenspekulanten beherrscht wird, eine Welt, die dem Mißtrauen und dem Haß ergeben ist, die das, was ihr noch an persönlichen Freiheiten geblieben ist, sehr schnell verliert, die sich blindlings in bittere Klassenkämpfe stürzt und sich auf neue Kriege vorbereitet.“ Im Jahre 1953 schrieb der Philosoph Bertrand Russell: „Seit dem Jahre 1914 ist jedermann, der sich der Tendenzen der Welt bewußt ist, tief beunruhigt über das, was ihm wie ein schicksalhafter, vorbestimmter Marsch einem noch größeren Unheil entgegen erscheint. Viele ernst denkende Menschen haben das Gefühl, daß nichts getan werden könne, um den Sturz ins Verderben zu verhüten. In ihren Augen gleicht die Menschheit dem Helden einer griechischen Tragödie, der von wütenden Göttern vorangetrieben wird und nicht mehr Herr des Schicksals ist.“ Im Jahre 1980 sagte der britische Staatsmann Harold Macmillan über den friedlichen Anfang des 20. Jahrhunderts: „Alles wurde immer besser. In solch eine Welt wurde ich hineingeboren. ... An einem Morgen des Jahres 1914 ging plötzlich und unerwartet alles zu Ende.“

      7—9. (a) Welche Erschütterungen hat die menschliche Gesellschaft seit 1914 erlebt? (b) Welche Situation unter den Menschen gehört schließlich zu den Erschütterungen der menschlichen Gesellschaft zur Zeit der Gegenwart Christi?

      7 Der Zweite Weltkrieg brachte eine weitere Welle von Erschütterungen mit sich, und kleinere Kriege sowie Terrorismus erschüttern die Welt unaufhörlich. Die schreckliche Gefahr, die vom Terrorismus ausgeht sowie von Staaten, die Massenvernichtungswaffen einsetzen, besteht immer noch.

      8 Die menschliche Gesellschaft ist aber seit 1914 noch von anderen Dingen bis in ihre Grundfesten erschüttert worden. Eine der schlimmsten dramatischen Erschütterungen wurde durch den New Yorker Börsenkrach vom 29. Oktober 1929 ausgelöst, der zu einer Weltwirtschaftskrise führte, die sich auf sämtliche kapitalistische Länder auswirkte. Diese Krise erreichte ihre Talsohle in den Jahren 1932 bis 1934, aber ihre Auswirkungen sind noch heute zu verspüren. Seit 1929 wurde an der wirtschaftlich kranken Welt nur behelfsmäßig herumgedoktert. Die Staaten betreiben eine Schuldenpolitik. Die Ölkrise von 1973 und der Börsensturz von 1987 verstärkten die Erschütterung des internationalen Finanzsystems noch. Währenddessen kaufen Millionen Menschen großenteils auf Abzahlung. Unzählige werden geschädigt durch Geldbetrügereien, Spekulationsprojekte, Lotterien und andere Glücksspiele, von denen viele vom Staat gefördert werden, der eigentlich seine Bürger schützen sollte. Selbst die millionenschweren Fernsehprediger strecken beide Hände nach weiteren Millionen aus. (Vergleiche Jeremia 5:26-31.)

      9 Wirtschaftliche Schwierigkeiten hatten früher Mussolini und Hitler den Weg zur Machtergreifung geebnet. Babylon die Große verlor keine Zeit, sich bei ihnen lieb Kind zu machen. Im Jahre 1929 schloß der Vatikan ein Konkordat mit Italien ab und im Jahre 1933 eines mit Deutschland (Offenbarung 17:5). In den düsteren Tagen danach erfüllte sich zum Teil offensichtlich Jesu Prophezeiung über seine Gegenwart, in der es „Angst und Bangen unter den Nationen“ geben werde, da sie „weder aus noch ein wissen, während die Menschen ohnmächtig werden vor Furcht und Erwartung der Dinge, die über die bewohnte Erde kommen“ (Lukas 21:7-9, 25-31).c Ja, die „Erdbeben“, die im Jahre 1914 die menschliche Gesellschaft zu erschüttern begannen, setzten sich fort, verbunden mit heftigen Nachbeben.

      Jehova bewirkt eine Erschütterung

      10. (a) Wovon sind die vielen Erschütterungen im Weltgeschehen die Folge? (b) Was bewirkt Jehova, und in Vorbereitung wofür?

      10 Solche Erschütterungen im Weltgeschehen sind die Folge der Unfähigkeit des Menschen, seinen Schritt zu richten (Jeremia 10:23). Außerdem verursacht Satan — die alte Schlange —, „der die ganze bewohnte Erde irreführt“, in seinem letzten verzweifelten Bemühen, die Menschheit von der Anbetung Jehovas abzubringen, verschiedene Wehe. Durch die moderne Technik ist die Erde gleichsam zu einem einzigen Dorf zusammengeschrumpft, wo Nationalismus und Rassenhaß die menschliche Gesellschaft bis in ihre Grundfesten erschüttern, und die sogenannten Vereinten Nationen können kein wirksames Heilmittel finden. Wie nie zuvor herrscht der Mensch über den Menschen zu seinem Schaden (Offenbarung 12:9, 12; Prediger 8:9). Dessenungeachtet hat der Souveräne Herr Jehova, der Schöpfer des Himmels und der Erde, in den vergangenen 70 Jahren auf seine Art eine Erschütterung bewirkt in Vorbereitung für eine endgültige Lösung der Weltprobleme. Wie?

      11. (a) Welche Erschütterung wird in Haggai 2:6, 7 beschrieben? (b) Wie erfüllt sich Haggais Prophezeiung?

      11 In Haggai 2:6, 7 lesen wir: „Denn dies ist, was Jehova der Heerscharen gesprochen hat: ‚Noch einmal — eine kleine Weile ist es —, und ich erschüttere die Himmel und die Erde und das Meer und den trockenen Erdboden.‘ ‚Und ich will alle Nationen erschüttern, und die begehrenswerten Dinge aller Nationen sollen hereinkommen; und ich will dieses Haus mit Herrlichkeit füllen‘, hat Jehova der Heerscharen gesprochen.“ Besonders seit 1919 läßt Jehova durch seine Zeugen seine Urteilssprüche unter allen Schichten der Erdbevölkerung verkünden. Durch dieses globale Warnungswerk ist Satans Weltsystem informiert worden.d Während die Warnung immer lauter ertönt, werden gottesfürchtige Menschen, „die begehrenswerten Dinge“, veranlaßt, sich von den Nationen zu trennen. Sie trennen sich nicht zufolge der Erschütterungen innerhalb der Organisation Satans. Sowie sie aber die Situation erkennen, fassen sie den Entschluß, gemeinsam mit der gesalbten Johannes-Klasse Jehovas Haus mit Herrlichkeit zu füllen. Wie geschieht dies? Durch das eifrige Verkündigen der guten Botschaft von Gottes aufgerichtetem Königreich (Matthäus 24:14). Dieses aus Jesus und seinen gesalbten Nachfolgern bestehende Königreich wird als „ein Königreich ..., das nicht erschüttert werden kann“, zur Verherrlichung Jehovas für immer bestehenbleiben (Hebräer 12:26-29).

      12. Was solltest du tun, bevor das in Offenbarung 6:12 erwähnte große Erdbeben eintritt, sofern du zu denen gehörst, die begonnen haben, auf die in Matthäus 24:14 vorhergesagte Predigttätigkeit positiv zu reagieren?

      12 Gehörst du zu denen, die begonnen haben, auf diese Predigttätigkeit positiv zu reagieren? Warst du vielleicht unter den Millionen, die in den letzten Jahren der Feier zum Gedächtnis an den Tod Jesu beiwohnten? Wenn ja, dann setze dein Studium der biblischen Wahrheit fort (2. Timotheus 2:15; 3:16, 17). Wende dich von dem verwerflichen Lebensstil der zum Untergang verurteilten irdischen Gesellschaft Satans vollständig ab. Schließe dich unverzüglich der christlichen Neuen-Welt-Gesellschaft an und beteilige dich mit ganzer Kraft an ihrer Tätigkeit, bevor das letzte katastrophale „Erdbeben“ die Welt Satans völlig zertrümmert. Worum handelt es sich aber bei diesem großen Erdbeben? Wir wollen sehen.

      Das große Erdbeben

      13. In welchem Sinne ist dieses große Erdbeben für die Menschheit etwas völlig Neues?

      13 Ja, in diesen kritischen letzten Tagen haben sich viele Erdbeben ereignet — buchstäbliche und sinnbildliche (2. Timotheus 3:1). Doch bei keinem handelte es sich um das letzte große Beben, das Johannes beim Öffnen des sechsten Siegels sieht. Die Zeit für vorausgehende Erschütterungen ist vorbei. Jetzt kommt ein großes Erdbeben, etwas für die Menschheit völlig Neues. Dieses Erdbeben ist so groß, daß seine Stärke nicht an der Richter-Skala abgelesen oder mit irgendeinem anderen von Menschen entwickelten Instrument gemessen werden könnte. Es handelt sich dabei nicht nur um einen lokalen Erdstoß, sondern um eine katastrophale Erschütterung, durch die die ganze „Erde“, das heißt die ganze sittlich verdorbene menschliche Gesellschaft, verwüstet wird.

      14. (a) Welche Prophezeiung sagt ein großes Erdbeben und seine Folgen voraus? (b) Worauf müssen sich Joels Prophezeiung und Offenbarung 6:12, 13 beziehen?

      14 Auch andere Propheten Jehovas sagten ein solches Erdbeben und seine katastrophalen Folgen voraus. Etwa im Jahre 820 v. u. Z. sprach zum Beispiel Joel von ‘dem Kommen des großen und furchteinflößenden Tages Jehovas’ und stellte fest, daß „die Sonne ... in Finsternis verwandelt werden [wird] und der Mond in Blut“. Ferner sagte er: „Mengen, Mengen sind in der Tiefebene der Entscheidung, denn nahe ist der Tag Jehovas in der Tiefebene der Entscheidung. Sonne und Mond, sie werden sich gewiß verfinstern, und die Sterne, sie werden ihren Glanz tatsächlich zurückziehen. Und Jehova wird aus Zion brüllen, und aus Jerusalem wird er seine Stimme erschallen lassen. Und Himmel und Erde werden gewiß erbeben; aber Jehova wird eine Zuflucht sein für sein Volk und eine Festung für die Söhne Israels“ (Joel 2:31; 3:14-16, Neue-Welt-Übersetzung der Heiligen Schrift — mit Studienverweisen). Dieses Beben kann sich nur auf Jehovas Urteilsvollstreckung in der großen Drangsal beziehen (Matthäus 24:21). Der Parallelbericht in Offenbarung 6:12, 13 müßte sich demnach logischerweise ebenfalls darauf beziehen. (Siehe ferner Jeremia 10:10; Zephanja 1:14, 15.)

      15. Welche gewaltige Erschütterung sagte der Prophet Habakuk voraus?

      15 Ungefähr 200 Jahre nach Joel betete der Prophet Habakuk zu seinem Gott: „O Jehova, ich habe den Bericht über dich gehört. Ich bin in Furcht geraten, o Jehova, vor deinem Tun. Inmitten der Jahre o bringe es zum Leben! Inmitten der Jahre mögest du es bekanntmachen. Mögest du während der Erregung [Erschütterung] daran denken, Barmherzigkeit zu erweisen.“ Was sollte diese „Erregung“ oder Erschütterung sein? In seinen weiteren Worten schildert Habakuk auf anschauliche Weise die große Drangsal, indem er von Jehova sagt: „Er stand still, damit er die Erde erschüttere. Er sah und ließ dann die Nationen hüpfen. ... Mit Strafankündigung durchschrittest du dann die Erde. Im Zorn droschest du dann die Nationen. Dennoch, was mich betrifft, will ich in Jehova frohlocken; ich will jubeln in dem Gott meiner Rettung“ (Habakuk 3:1, 2, 6, 12, 18). Welch gewaltige Erschütterung auf der ganzen Erde wird Jehova verursachen, wenn er die Nationen „drischt“!

      16. (a) Was sagte der Prophet Hesekiel für die Zeit vorher, in der Satan seinen letzten Angriff auf Gottes Volk unternimmt? (b) Welche Folgen wird das in Offenbarung 6:12 erwähnte große Erdbeben haben?

      16 Auch Hesekiel sagte „ein großes Beben“ voraus, das Jehova „auf dem Boden Israels“ verursachen wird, wenn Gog von Magog (der erniedrigte Satan) seinen letzten Angriff auf Gottes Volk unternimmt (Hesekiel 38:18, 19). Buchstäbliche Erdbeben mögen zwar mit im Spiel sein, aber wir sollten nicht vergessen, daß die Offenbarung in Zeichen dargelegt worden ist. Diese Prophezeiung und die anderen angeführten Prophezeiungen sind hochsymbolisch. Das Öffnen des sechsten Siegels scheint somit den Höhepunkt sämtlicher Erschütterungen des gegenwärtigen irdischen Systems der Dinge zu enthüllen — das große Erdbeben, in dem alle Menschen, die sich der Souveränität Jehovas widersetzen, vernichtet werden.

      Eine Zeit der Finsternis

      17. Wie wirkt sich das große Erdbeben auf Sonne, Mond und Sterne aus?

      17 Wie Johannes weiter zeigt, wird das große Erdbeben von schrecklichen Ereignissen begleitet, die sich sogar auf den Himmel auswirken. Er sagt: „Und die Sonne wurde schwarz wie härenes Sacktuch, und der ganze Mond wurde wie Blut, und die Sterne des Himmels fielen zur Erde, wie wenn ein Feigenbaum seine unreifen Feigen abwirft, wenn er von einem starken Wind geschüttelt wird“ (Offenbarung 6:12b, 13). Welch verblüffendes Phänomen! Kannst du dir die beängstigende Finsternis vorstellen, die entstünde, wenn sich diese Prophezeiung buchstäblich erfüllte? Kein warmes, wohltuendes Sonnenlicht bei Tage! Kein mildes, silbernes Mondlicht bei Nacht! Die Myriaden Sterne am samtenen Himmelszelt würden nicht mehr funkeln. Statt dessen nichts als frostige, anhaltende Schwärze. (Vergleiche Matthäus 24:29.)

      18. In welchem Sinne ‘verfinsterte sich der Himmel’ für Jerusalem im Jahre 607 v. u. Z.?

      18 Eine solche Finsternis wurde in übertragenem Sinne seinerzeit dem Volk Israel prophezeit. Jeremia sagte warnend: „Eine wüste Einöde wird das ganze Land werden, und werde ich nicht eine völlige Ausrottung herbeiführen? Deswegen wird das Land trauern, und die Himmel droben werden sich gewißlich verfinstern“ (Jeremia 4:27, 28). Als sich diese Prophezeiung im Jahre 607 v. u. Z. erfüllte, sah es für Jehovas Volk tatsächlich „finster“ aus. Jerusalem, seine Hauptstadt, war von den Babyloniern eingenommen worden. Ihr Tempel war zerstört worden, und ihr Land war unbewohnt. Kein wohltuendes Licht leuchtete ihnen vom Himmel herab. Es war vielmehr so, wie Jeremia in seiner Trauer zu Jehova sagte: „Du hast getötet; du hast kein Mitleid gezeigt. Du hast mit Gewölk den Zugang zu dir versperrt, damit das Gebet nicht hindurchdringe“ (Klagelieder 3:43, 44). Für Jerusalem bedeutete dieser verfinsterte Himmel Tod und Vernichtung.

      19. (a) Was schreibt Gottes Prophet Jesaja über eine Verfinsterung des Himmels, das alte Babylon betreffend? (b) Wann und wie erfüllte sich Jesajas Prophezeiung?

      19 Später bedeutete eine ähnliche Verfinsterung des Himmels für das alte Babylon Unheil. Gottes Prophet wurde inspiriert, darüber folgendes zu schreiben: „Siehe! Der Tag Jehovas, er kommt, grausam, sowohl mit überwallendem Zorn als auch mit glühendem Zorn, um das Land zu einem Gegenstand des Entsetzens zu machen und die Sünder des Landes daraus zu vertilgen. Denn selbst die Sterne der Himmel und ihre Kesil-Sternbilder werden ihr Licht nicht strahlen lassen; die Sonne wird sich tatsächlich verfinstern bei ihrem Aufgang, und selbst der Mond wird sein Licht nicht leuchten lassen. Und ich werde am ertragfähigen Land bestimmt seine eigene Schlechtigkeit heimsuchen und an den Bösen selbst ihr eigenes Vergehen“ (Jesaja 13:9-11). Diese Prophezeiung erfüllte sich im Jahre 539 v. u. Z., als Babylon von den Medern und Persern eingenommen wurde. Sie schildert treffend die Finsternis oder Hoffnungslosigkeit, ja das Fehlen jeden Lichtblicks für Babylon, nachdem es seine Stellung als führende Weltmacht für immer verloren hatte.

      20. Welche furchtbaren Folgen wird das große Erdbeben für das gegenwärtige System der Dinge haben?

      20 Auf ähnliche Weise wird das ganze gegenwärtige Weltsystem vom Dunkel völliger Hoffnungslosigkeit umhüllt werden, wenn das große Erdbeben eintritt. Die Lichtquellen des irdischen Systems Satans werden keinen Hoffnungsstrahl mehr aussenden. Schon heute sind führende Politiker, besonders innerhalb der Christenheit, für ihre Korruption, ihre Lügen und ihre unmoralische Lebensweise bekannt (Jesaja 28:14-19). Sie sind nicht mehr vertrauenswürdig. Ihr flackerndes Licht wird vollständig ausgehen, wenn Jehova sein Strafurteil vollstreckt. Ihr mondscheinähnlicher Einfluß auf das Weltgeschehen wird sich als blutbefleckt, als tödlich erweisen. Ihre weltlichen Superstars werden wie herabfallende Meteoriten erlöschen, sie werden zerstreut werden wie unreife Feigen in einem heulenden Sturm. Unser ganzer Planet wird unter einer großen Drangsal erbeben, einer „Drangsal ..., wie es seit Anfang der Welt bis jetzt keine gegeben hat, nein, noch wieder geben wird“ (Matthäus 24:21). Welch furchtbare Aussicht!

      „Der Himmel“ entweicht

      21. Was sieht Johannes in seiner Vision in bezug auf den „Himmel“ und ‘jeden Berg und jede Insel’?

      21 Johannes berichtet über seine Vision weiter: „Und der Himmel entwich wie eine Buchrolle, die man zusammenrollt, und jeder Berg und jede Insel wurden von ihren Stellen gerückt“ (Offenbarung 6:14). Offensichtlich ist hier nicht vom buchstäblichen Himmel und von den buchstäblichen Bergen und Inseln die Rede. Doch was wird dadurch versinnbildlicht?

      22. Welche Art „Himmel“ wurde in Edom ‘gleichwie eine Buchrolle zusammengerollt’?

      22 Die Bedeutung des „Himmels“ wird uns klar, wenn wir folgende Prophezeiung über Jehovas Zorn gegen alle Nationen in Betracht ziehen: „Und alle vom Heer der Himmel sollen verwesen. Und die Himmel sollen zusammengerollt werden gleichwie eine Buchrolle“ (Jesaja 34:4). Besonders Edom sollte in Mitleidenschaft gezogen werden. Wie? Kurz nach der Zerstörung Jerusalems (607 v. u. Z.) wurde Edom von den Babyloniern eingenommen. Es wird nichts davon berichtet, daß sich damals am buchstäblichen Himmel Edoms etwas Besonderes ereignet hätte. Aber an seinem sinnbildlichen „Himmel“ hatten sich katastrophale Ereignisse abgespielt.e Seine von Menschen ausgeübte Regierung wurde aus ihrer gleichsam himmelhohen Stellung hinabgestürzt (Jesaja 34:5). Sie wurde „zusammengerollt“ und gewissermaßen weggestellt wie eine alte Buchrolle, die kein Mensch mehr brauchen kann.

      23. Was ist mit dem „Himmel“ gemeint, der ‘wie eine Buchrolle entweichen wird’, und inwiefern bestätigen die Worte des Petrus dieses Verständnis?

      23 Mit dem „Himmel“, der ‘wie eine Buchrolle entwich’, sind also die gottfeindlichen Regierungen gemeint, die über unsere Erde herrschen. Sie werden von dem alles besiegenden Reiter auf dem weißen Pferd endgültig beseitigt werden (Offenbarung 19:11-16, 19-21). Das wird durch den Apostel Petrus bestätigt, der, in die Zukunft blickend, über das, was durch das Öffnen des sechsten Siegels angedeutet wird, sagte: „Die Himmel und die Erde, die jetzt sind, [sind] aufgespart für das Feuer und sind aufbehalten für den Tag des Gerichts und der Vernichtung der gottlosen Menschen“ (2. Petrus 3:7). Wie verhält es sich aber mit dem Ausdruck „jeder Berg und jede Insel wurden von ihren Stellen gerückt“?

      24. (a) Wann beben oder wanken gemäß biblischen Prophezeiungen Berge und Inseln? (b) Inwiefern ‘bebten die Berge’, als Ninive fiel?

      24 Wenn in biblischen Prophezeiungen auf große politische Umwälzungen Bezug genommen wird, heißt es, Berge und Inseln würden beben oder wanken. Der Prophet Nahum, der Ninive die Urteilssprüche Jehovas ankündigte, schrieb zum Beispiel: „Selbst Berge haben seinetwegen gebebt, und die Hügel, sie sind zerschmolzen. Und die Erde wird emporgehoben werden seines Angesichts wegen“ (Nahum 1:5). In Verbindung mit der Eroberung Ninives im Jahre 632 v. u. Z. wird nichts von einem Zerbersten buchstäblicher Berge berichtet. In Wirklichkeit brach aber eine Weltmacht plötzlich zusammen, die früher jeder Erschütterung ebenso standzuhalten schien wie ein Berg. (Vergleiche Jeremia 4:24.)

      25. Inwiefern werden bei dem bevorstehenden Ende des gegenwärtigen Systems der Dinge „jeder Berg und jede Insel“ von ihren Stellen gerückt?

      25 Wenn beim Öffnen des sechsten Siegels daher „jeder Berg und jede Insel“ erwähnt werden, so müßte sich das logischerweise auf politische Regierungen dieser Welt und davon abhängige Organisationen beziehen, von denen ein Großteil der Menschheit dachte, sie könnten nicht erschüttert werden. Sie werden aber zur Bestürzung und zum Entsetzen derer, die auf sie vertraut haben, durch die Erschütterung „von ihren Stellen gerückt“ werden. Wie die Prophezeiung weiter zeigt, wird dann ohne Frage der große Tag des Zorns Jehovas und seines Sohnes — das letzte Beben, durch das Satans Organisation vollständig beseitigt wird — mit Vergeltung gekommen sein.

      „Fallt über uns, und verbergt uns“

      26. Was werden Menschen, die sich Gottes Souveränität widersetzen, in ihrem Schrecken tun, und was werden sie vor Entsetzen sagen?

      26 Johannes fährt fort mit den Worten: „Und die Könige der Erde und die Personen von oberstem Rang und die Militärbefehlshaber und die Reichen und die Starken und jeder Sklave und jeder Freie verbargen sich in den Höhlen und in den Felsen der Berge. Und sie sagen fortgesetzt zu den Bergen und zu den Felsen: ‚Fallt über uns, und verbergt uns vor dem Angesicht dessen, der auf dem Thron sitzt, und vor dem Zorn des Lammes, denn der große Tag ihres Zorns ist gekommen, und wer vermag zu bestehen?‘ “ (Offenbarung 6:15-17).

      27. Was würden die untreuen Israeliten von Samaria ausrufen, und wie erfüllten sich jene Worte?

      27 Als Hosea das Strafgericht, das Jehova über Samaria, die Hauptstadt des nördlichen Königreiches Israel, bringen wollte, ankündigte, sagte er: „Die Höhen von Beth-Awen, die Sünde Israels, werden wirklich vertilgt werden. Ja, Dornen und Disteln werden auf ihren Altären aufschießen. Und man wird tatsächlich zu den Bergen sprechen: ‚Bedeckt uns!‘ und zu den Hügeln: ‚Fallt über uns!‘ “ (Hosea 10:8). Wie erfüllten sich diese Worte? Als Samaria im Jahre 740 v. u. Z. von den grausamen Assyrern erobert wurde, konnten die Israeliten nirgendhin fliehen. Die Worte Hoseas bringen das Gefühl der Hilflosigkeit, der schrecklichen Angst und der Verlassenheit der Besiegten zum Ausdruck. Weder die buchstäblichen Hügel Samarias noch seine mit Bergen vergleichbaren Einrichtungen vermochten sie zu beschützen, obwohl es in der Vergangenheit so schien, als ob sie nicht erschüttert werden könnten.

      28. (a) Welche Warnung richtete Jesus an die Frauen von Jerusalem? (b) Wie erfüllte sich Jesu Warnung?

      28 Als die römischen Soldaten Jesus zur Hinrichtung führten, sagte er zu den Frauen von Jerusalem: „Tage kommen, an denen man sagen wird: ‚Glücklich sind die unfruchtbaren Frauen und die Schöße, die nicht geboren, und die Brüste, die nicht genährt haben!‘ Dann wird man anfangen, zu den Bergen zu sagen: ‚Fallt über uns!‘ und zu den Hügeln: ‚Bedeckt uns!‘ “ (Lukas 23:29, 30). Die Zerstörung Jerusalems durch die Römer im Jahre 70 u. Z. ist urkundlich gut belegt, und offensichtlich hatten Jesu Worte eine ähnliche Bedeutung wie die Hoseas. Es gab für die Juden, die in Judäa geblieben waren, keinen Zufluchtsort. Ob sie sich in Jerusalem zu verbergen suchten oder wenn sie gar in die hochgelegene Festung Masada flohen — nirgends konnten sie der Urteilsvollstreckung Jehovas entgehen.

      29. (a) In welcher Notlage werden sich die Unterstützer des gegenwärtigen Systems der Dinge befinden, wenn der Tag des Zorns Jehovas kommt? (b) Welche Prophezeiung Jesu wird sich erfüllen, wenn Jehova seinen Zorn zum Ausdruck bringt?

      29 Beim Öffnen des sechsten Siegels hat es sich somit gezeigt, daß an dem bevorstehenden Tag des Zorns Jehovas etwas Ähnliches geschehen wird. Wenn das gegenwärtige System der Dinge zum letztenmal erschüttert wird, werden seine Unterstützer verzweifelt ein Versteck suchen, werden aber keines finden. Die falsche Religion, Babylon die Große, hat sie bereits jämmerlich enttäuscht. Weder Höhlen in buchstäblichen noch in sinnbildlichen Bergen — mit Bergen vergleichbare politische und kommerzielle Organisationen — werden ihnen finanzielle Sicherheit oder sonst irgendwelche Hilfe bieten. Nichts wird sie vor dem Zorn Jehovas schützen. Ihr Schrecken kommt in folgenden Worten Jesu deutlich zum Ausdruck: „Dann wird das Zeichen des Sohnes des Menschen im Himmel erscheinen, und dann werden sich alle Stämme der Erde wehklagend schlagen, und sie werden den Sohn des Menschen mit Macht und großer Herrlichkeit auf den Wolken des Himmels kommen sehen“ (Matthäus 24:30).

      30. (a) Was schließt die Frage: „Wer vermag zu bestehen?“ in sich? (b) Wird jemand in der Zeit des Gerichtes Jehovas bestehen können?

      30 Ja, alle, die sich geweigert haben, die Machtbefugnis des siegreichen Reiters auf dem weißen Pferd anzuerkennen, werden gezwungen werden, ihren Fehler einzugestehen. Menschen, die bereit waren, dem Samen der „Schlange“ anzugehören, werden sich der Vernichtung gegenübersehen, wenn Satans Welt vergeht (1. Mose 3:15; 1. Johannes 2:17). Die Weltsituation wird dann viele zu der Frage veranlassen: „Wer vermag zu bestehen?“ Sie werden wahrscheinlich denken, daß an diesem Gerichtstag Jehovas ihm überhaupt niemand wohlgefällig sein könne. Wie die Offenbarung aber des weiteren zeigt, wird sich dies als Irrtum herausstellen.

      [Fußnoten]

      a Buchstäblichen Erdbeben gehen oft seismische Stöße voraus, die bewirken, daß Hunde zu bellen anfangen oder unruhig werden und Fische sowie andere Tiere sich merkwürdig verhalten, wogegen Menschen nichts merken, bis das eigentliche Beben eintritt. (Siehe Erwachet!, 8. Dezember 1982, Seite 22.)

      b Nähere Einzelheiten sind auf Seite 22, 24 zu finden.

      c Über 35 Jahre (von 1895 bis 1931) standen auf der Titelseite des Watchtowers die Worte aus Lukas 21:25, 28, 31 unter einem Leuchtturm, der den mit Sturmwolken bedeckten Himmel über dem tosenden Meer beleuchtete.

      d Während eines Sonderfeldzuges überreichten Jehovas Zeugen im Jahre 1931 Geistlichen, Politikern und Geschäftsleuten in der ganzen Welt zum Beispiel Tausende von Exemplaren der Broschüre Das Königreich — die Hoffnung der Welt.

      e Ähnlich wird das Wort „Himmel“ in der Prophezeiung aus Jesaja 65:17, 18 gebraucht, wo von neuen Himmeln die Rede ist. Diese Prophezeiung erfüllte sich zum erstenmal in Verbindung mit dem neuen Regierungssystem, das unter dem Statthalter Serubbabel und dem Hohenpriester Jeschua nach der Rückkehr der Juden aus dem Babylonischen Exil im Verheißenen Land eingeführt wurde (2. Chronika 36:23; Esra 5:1, 2; Jesaja 44:28).

      [Kasten/Bild auf Seite 105]

      1914 vorhergesehen

      „Folglich geschah es im Jahre 606 v. Chr., daß Gottes Königtum endete; der Kopfbund wurde beseitigt, und die ganze Erde wurde den Heiden überlassen. Die Zeitspanne von 2 520 Jahren endet — wenn vom Jahre 606 v. Chr. an gerechnet — im Jahre 1914 n. Chr.“f (The Three Worlds [Die drei Welten], 1877, Seite 83).

      „Der biblische Nachweis ist klar und stark, daß die ‚Zeiten der Nationen‘ eine Periode von 2 520 Jahren sind, vom Jahre 606 v. Chr. bis (einschließlich des Jahres) 1914 n. Chr.“ (C. T. Russell, Schriftstudien, Band 2, herausgegeben im Jahr 1900, Seite 80).

      Charles Taze Russell und seine Bibelstudienfreunde hatten Jahrzehnte zuvor erkannt, daß das Jahr 1914 das Ende der Heidenzeiten oder der „bestimmten Zeiten der Nationen“ kennzeichnen würde (Lukas 21:24). Sie verstanden zwar damals die volle Bedeutung dieses Jahres nicht, aber sie waren davon überzeugt, daß 1914 ein ausschlaggebendes Datum in der Weltgeschichte sein würde, und sie hatten recht. Man beachte das folgende Zeitungszitat:

      „Der Ausbruch des schrecklichen Krieges in Europa hat eine außergewöhnliche Prophezeiung erfüllt. Während der vergangenen fünfundzwanzig Jahre haben die ‚Internationalen Bibelforscher‘, die am besten als ‚Millennium-Tagesanbruch-Leute‘ bekannt sind, durch ihre Prediger und durch die Presse der Welt verkündet, daß der Tag der Rache, der in der Bibel prophezeit ist, im Jahre 1914 anbrechen werde. ‚Blickt nach dem Jahre 1914 aus!‘ ist der Ruf von Hunderten reisender Evangelisten gewesen“ (The World, eine New Yorker Zeitung, 30. August 1914).

      [Fußnote]

      f Durch eine höhere Fügung hatten die Bibelforscher nicht verstanden, daß es zwischen „v. Chr.“ und „n. Chr.“ kein Jahr Null gibt. Später, als Forschungen ergaben, daß eine Änderung von 606 v. Chr. auf 607 v. u. Z. nötig war, wurde auch das Jahr Null fallengelassen, so daß die Voraussage für das Jahr „1914 n. Chr.“ weiterhin zutraf. (Siehe “The Truth Shall Make You Free”, herausgegeben von Jehovas Zeugen, 1943, S. 239.)

      [Kasten auf Seite 106]

      1914 — ein Wendepunkt

      In dem Werk Politikens Verdenshistorie—Historiens Magt og Mening (Politikens Weltgeschichte — Macht und Bedeutung der Geschichte), das 1987 in Kopenhagen erschienen ist, wird auf Seite 40 folgendes gesagt:

      „Der Fortschrittsglaube des 19. Jahrhunderts erhielt 1914 den Todesstoß. In dem Jahr vor Kriegsausbruch schrieb der dänische Historiker und Politiker Peter Munch optimistisch: ‚Alle Anzeichen sprechen gegen die Möglichkeit eines Krieges zwischen den europäischen Großmächten. „Die Kriegsgefahr“ wird auch in Zukunft gebannt werden, wie das seit 1871 immer wieder geschehen ist.‘

      Im Gegensatz dazu lesen wir in seinen späteren Memoiren: ‚Der Ausbruch des Krieges im Jahre 1914 ist der große Wendepunkt in der Geschichte der Menschheit. Aus einer vielversprechenden Epoche des Fortschritts, in der man seiner Beschäftigung verhältnismäßig ungefährdet nachgehen konnte, traten wir in ein Zeitalter der Katastrophen, des Schreckens und des Hasses ein, in ein Zeitalter voller Gefahren. Niemand konnte damals und niemand kann auch heute sagen, ob die Finsternis, die uns zu jener Zeit überkam, zur endgültigen Zerstörung der gesamten Kultur führen wird, die der Mensch im Verlauf von Jahrtausenden geschaffen hat.‘ “

      [Bild auf Seite 110]

      ‘Jeder Berg wurde von seiner Stelle gerückt’

      [Bild auf Seite 111]

      Sie verbargen sich in den Höhlen

  • Das Versiegeln des Israels Gottes
    Die Offenbarung — Ihr großartiger Höhepunkt ist nahe!
    • Kapitel 19

      Das Versiegeln des Israels Gottes

      4. Vision — Offenbarung 7:1-17

      Thema: Die 144 000 sind versiegelt, und es ist eine große Volksmenge zu beobachten, die vor dem Thron Jehovas und vor dem Lamm steht

      Zeit der Erfüllung: Von der Zeit der Inthronisierung Christi Jesu im Jahre 1914 an bis in die Zeit der Millenniumsherrschaft hinein

      1. „Wer vermag zu bestehen“ während des großen Tages des Zornes Gottes?

      „WER vermag zu bestehen?“ (Offenbarung 6:17). Ja wer? Wenn am großen Tag des Zornes Gottes Satans System verwüstet wird, mag es sein, daß sich Herrscher und Nationen dieser Welt diese Frage stellen. Es mag ihnen so vorkommen, als werde in der bevorstehenden Katastrophe alles menschliche Leben ausgelöscht. Stimmt das aber? Glücklicherweise gibt uns Gottes Prophet die Zusicherung: „Jeder, der den Namen Jehovas anruft, [wird] sicher davonkommen“ (Joel 2:32). Das bestätigen auch der Apostel Petrus und der Apostel Paulus (Apostelgeschichte 2:19-21; Römer 10:13). Ja, diejenigen, die den Namen Jehovas anrufen, werden überleben. Wer wird das sein? In der folgenden Vision wird uns dies gezeigt.

      2. Warum ist es bemerkenswert, daß es am Gerichtstag Jehovas Überlebende geben wird?

      2 Es ist wirklich bemerkenswert, daß überhaupt jemand am Gerichtstag Jehovas am Leben bleiben wird, denn ein anderer Prophet Gottes beschreibt diesen Tag mit den Worten: „Siehe! Ein Windsturm von Jehova, Grimm selbst ist ausgegangen, ein dahinfegender Sturm. Auf das Haupt der Bösen wird er niederwirbeln. Jehovas Zornglut wird sich nicht abwenden, bis er vollzogen und bis er ausgeführt haben wird die Gedanken seines Herzens“ (Jeremia 30:23, 24). Es ist dringend notwendig, daß wir Schritte unternehmen, um diesen Sturm zu überleben (Sprüche 2:22; Jesaja 55:6, 7; Zephanja 2:2, 3).

      Die vier Winde

      3. (a) Johannes sieht Engel welchen besonderen Dienst verrichten? (b) Wofür sind „die vier Winde“ ein passendes Symbol?

      3 Ehe der Zorn Jehovas ausbricht, verrichten Engel im Himmel einen besonderen Dienst. Johannes sieht nun folgendes in einer Vision: „Danach sah ich vier Engel an den vier Ecken der Erde stehen und die vier Winde der Erde festhalten, damit kein Wind über die Erde wehe oder über das Meer oder über irgendeinen Baum“ (Offenbarung 7:1). Was bedeutet das für uns heute? Diese „vier Winde“ sind ein passendes Symbol für das vernichtende Gericht, das über die böse irdische Gesellschaft kommt sowie über das aufgewühlte „Meer“ der gesetzlosen Menschheit und über hochmütige baumähnliche Herrscher, die sich von Menschen unterstützen lassen (Jesaja 57:20; Psalm 37:35, 36).

      4. (a) Was stellen die vier Engel dar? (b) Was wird mit Satans irdischer Organisation geschehen, wenn die vier Winde losgelassen werden?

      4 Diese vier Engel stellen zweifellos vier Scharen von Engeln dar, die Jehova gebraucht, um die Vollstreckung des Urteils bis zu der dafür bestimmten Zeit aufzuhalten. Wenn die Engel die Winde des Zornes Gottes vom Norden, Süden, Osten und Westen her auf einmal loslassen, wird es eine große Vernichtung geben. Es wird ähnlich sein — nur in gewaltigerem Ausmaß — wie zu der Zeit, als Jehova die Elamiter des Altertums durch vier Winde zerstreute, zerschmetterte und ausrottete (Jeremia 49:36-38). Es wird ein tobender Sturm sein; ja er wird verheerender sein als der „Sturm“, durch den Jehova die Nation Ammon vernichtete (Amos 1:13-15). Kein Teil der irdischen Organisation Satans wird am Tag des Zornes Jehovas, wenn er seine Souveränität ein für allemal rechtfertigen wird, bestehen können (Psalm 83:15, 18; Jesaja 29:5, 6).

      5. Wie hilft uns Jeremias Prophezeiung verstehen, daß Gottes Gericht über die ganze Erde kommen wird?

      5 Können wir sicher sein, daß das Gericht Gottes über die ganze Erde Verwüstung bringen wird? Der Prophet Jeremia sagt diesbezüglich: „Siehe! Unglück geht aus von Nation zu Nation, und ein großer Sturm selbst wird von den entlegensten Teilen der Erde her erweckt werden. Und die von Jehova Erschlagenen werden schließlich an jenem Tag gewißlich von einem Ende der Erde bis zum anderen Ende der Erde sein“ (Jeremia 25:32, 33). Während dieses Sturmwindes wird die Welt in Dunkelheit gehüllt sein. Ihre Regierungen werden so sehr erschüttert werden, daß sie von der Bildfläche verschwinden (Offenbarung 6:12-14). Aber nicht für jeden wird die Zukunft düster aussehen. Für wen werden denn die vier Winde zurückgehalten?

      Das Versiegeln der Sklaven Gottes

      6. Wer gebietet den Engeln, die vier Winde zurückzuhalten, und wofür wird dadurch Zeit geschaffen?

      6 Johannes beschreibt nun, wie einige zum Überleben gekennzeichnet werden, indem er sagt: „Und ich sah einen anderen Engel vom Sonnenaufgang heraufkommen, der ein Siegel des lebendigen Gottes hatte; und er rief mit lauter Stimme den vier Engeln zu, denen gewährt war, die Erde und das Meer zu beschädigen, und sagte: ‚Beschädigt nicht die Erde noch das Meer, noch die Bäume, bis wir die Sklaven unseres Gottes an ihrer Stirn versiegelt haben‘ “ (Offenbarung 7:2, 3).

      7. Wer ist in Wirklichkeit der fünfte Engel, und was hilft, seine Identität festzustellen?

      7 Obwohl der Name dieses fünften Engels nicht genannt wird, deutet doch alles darauf hin, daß es der verherrlichte Jesus ist. Da Jesus der Erzengel ist, wird er hier als jemand dargestellt, der Gewalt über die anderen Engel hat (1. Thessalonicher 4:16; Judas 9). Er kommt vom Osten herauf wie „die Könige vom Sonnenaufgang“ — Jehova und sein Christus —, die zur Urteilsvollstreckung kommen wie einst König Darius und König Cyrus, als sie das alte Babylon demütigten (Offenbarung 16:12; Jesaja 45:1; Jeremia 51:11; Daniel 5:31). Dieser Engel ähnelt Jesus auch darin, daß er mit dem Versiegeln gesalbter Christen betraut ist (Epheser 1:13, 14). Und wenn die Winde losgelassen werden, wird Jesus die himmlischen Heere anführen, die an den Nationen das Gericht vollziehen (Offenbarung 19:11-16). Demnach ist also Jesus derjenige, der befiehlt, mit der Vernichtung der irdischen Organisation Satans so lange zu warten, bis Gottes Sklaven versiegelt sind.

      8. Worin besteht das Versiegeln, und wann wurde damit begonnen?

      8 Worin besteht das Versiegeln, und wer sind die erwähnten Sklaven Gottes? Zu Pfingsten 33 u. Z. wurde mit dem Versiegeln begonnen, als die ersten jüdischen Christen mit heiligem Geist gesalbt wurden. Später berief Gott auch Leute „aus den Nationen“ und salbte sie (Römer 3:29; Apostelgeschichte 2:1-4, 14, 32, 33; 15:14). Der Apostel Paulus schrieb über gesalbte Christen, sie hätten eine Garantie dafür, daß sie ‘Christus angehörten’, und fügte hinzu, Gott ‘habe ihnen sein Siegel aufgedrückt und das Unterpfand in ihr Herz gegeben für das, was kommen solle, nämlich den Geist’ (2. Korinther 1:21, 22; vergleiche Offenbarung 14:1). Wenn somit diese Sklaven als Gottes geistige Söhne adoptiert werden, erhalten sie im voraus ein Unterpfand ihres himmlischen Erbes — ein Siegel (2. Korinther 5:1, 5; Epheser 1:10, 11). Sie können dann sagen: „Der Geist selbst bezeugt mit unserem Geist, daß wir Gottes Kinder sind. Wenn wir also Kinder sind, sind wir auch Erben, nämlich Erben Gottes, doch Miterben mit Christus, vorausgesetzt, daß wir mitleiden, damit wir auch mitverherrlicht werden“ (Römer 8:15-17).

      9. (a) Was wird von den übriggebliebenen der geistgezeugten Söhne Gottes, das Ausharren betreffend, erwartet? (b) Wie lange werden die Gesalbten noch geprüft werden?

      9 „Vorausgesetzt, daß wir mitleiden“ — was bedeutet das? Um die Krone des Lebens zu bekommen, müssen gesalbte Christen selbst bis in den Tod treu ausharren (Offenbarung 2:10). Das Sprichwort „Einmal gerettet, für immer gerettet“ trifft nicht zu (Matthäus 10:22; Lukas 13:24). Sie werden vielmehr ermahnt: „Tut ... euer Äußerstes, eure Berufung und Auserwählung festzumachen.“ Sie müssen wie der Apostel Paulus schließlich sagen können: „Ich habe den vortrefflichen Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe den Glauben bewahrt“ (2. Petrus 1:10, 11; 2. Timotheus 4:7, 8). Hier auf der Erde muß das Prüfen und Sichten der übriggebliebenen der geistgezeugten Söhne Gottes demnach so lange fortgesetzt werden, bis Jesus und seine Engel bei ihnen allen das Siegel „an ihrer Stirn“ fest angebracht haben und sie so endgültig, unwiderruflich, als geprüfte und treue „Sklaven unseres Gottes“ gekennzeichnet sind. Dieses Siegel ist dann ein bleibendes Kennzeichen. Wenn die vier Winde der Drangsal losgelassen werden, sind offensichtlich alle geistigen Israeliten endgültig versiegelt, auch wenn sich einige noch im Fleische auf der Erde befinden (Matthäus 24:13; Offenbarung 19:7). Ihre Zahl wird vollständig sein (Römer 11:25, 26).

      Wie viele Versiegelte gibt es?

      10. (a) Welche Bibeltexte lassen erkennen, daß die Zahl der Versiegelten begrenzt ist? (b) Wie viele Versiegelte gibt es insgesamt, und wie werden sie aufgeführt?

      10 Jesus sagte zu denen, die für das Versiegeln in Frage kommen: „Fürchte dich nicht, du kleine Herde, denn es hat eurem Vater wohlgefallen, euch das Königreich zu geben“ (Lukas 12:32). Andere Schrifttexte, beispielsweise Offenbarung 6:11 und Römer 11:25, lassen erkennen, daß die Zahl dieser kleinen Herde begrenzt ist, ja sie ist vorherbestimmt. Johannes bestätigt dies mit seinen nun folgenden Worten: „Und ich hörte die Zahl derer, die versiegelt waren, hundertvierundvierzigtausend, versiegelt aus jedem Stamm der Söhne Israels: aus dem Stamm Juda zwölftausend versiegelt; aus dem Stamm Ruben zwölftausend; aus dem Stamm Gad zwölftausend; aus dem Stamm Ascher zwölftausend; aus dem Stamm Naphtali zwölftausend; aus dem Stamm Manasse zwölftausend; aus dem Stamm Simeon zwölftausend; aus dem Stamm Levi zwölftausend; aus dem Stamm Issachar zwölftausend; aus dem Stamm Sebulon zwölftausend; aus dem Stamm Joseph zwölftausend; aus dem Stamm Benjamin zwölftausend versiegelt“ (Offenbarung 7:4-8).

      11. (a) Warum kann es sich bei den 12 Stämmen nicht um das buchstäbliche, fleischliche Israel handeln? (b) Wieso werden in der Offenbarung die 12 Stämme aufgezählt? (c) Weshalb gibt es im Israel Gottes keinen besonderen Stamm, der die Königslinie oder die Priester hervorbringt?

      11 Könnte es nicht sein, daß sich diese Worte auf das buchstäbliche, fleischliche Israel beziehen? Nein, denn die Aufzählung der Stämme in Offenbarung 7:4-8 weicht von der gewöhnlichen Aufzählung ab (4. Mose 1:17, 47). Offensichtlich dient die Aufzählung in der Offenbarung nicht dazu, natürliche Juden nach ihren Stämmen zu kennzeichnen, sondern zeigt, daß das geistige Israel ein ähnliches organisatorisches Gefüge aufweist wie das natürliche Israel. Dieses Gefüge ist ausgewogen. Die neue Nation besteht aus 144 000 Gliedern — 12 000 aus jedem der 12 Stämme. In diesem Israel Gottes ist kein Stamm besonders dazu auserwählt, die Könige oder die Priester hervorzubringen. Alle Glieder der Nation sollen als Könige herrschen, und alle Glieder sollen als Priester dienen (Galater 6:16; Offenbarung 20:4, 6).

      12. Warum ist es passend, daß die 24 Ältesten vor dem Lamm die Worte aus Offenbarung 5:9, 10 singen?

      12 Die natürlichen Juden und jüdische Proselyten waren die ersten, denen die Gelegenheit gegeben wurde, Glieder des geistigen Israel zu werden, doch nur eine Minderheit nahm diese Gelegenheit wahr. Deshalb ließ Jehova auch eine Einladung an die Heiden ergehen (Johannes 1:10-13; Apostelgeschichte 2:4, 7-11; Römer 11:7). Wie im Falle der Epheser, die früher ‘dem Staatswesen Israels entfremdet’ waren, konnten nun Nichtjuden mit Gottes heiligem Geist versiegelt und ein Teil der Versammlung gesalbter Christen werden (Epheser 2:11-13; 3:5, 6; Apostelgeschichte 15:14). Es ist daher passend, daß die 24 Ältesten vor dem Lamm singen: „Mit deinem Blut hast du für Gott Personen aus jedem Stamm und jeder Zunge und jedem Volk und jeder Nation erkauft, und du hast sie zu einem Königtum und zu Priestern für unseren Gott gemacht, und sie werden als Könige über die Erde regieren“ (Offenbarung 5:9, 10).

      13. Warum konnte Jesu Halbbruder Jakobus seinen Brief zu Recht „an die zwölf Stämme, die überall zerstreut sind“, richten?

      13 Die Christenversammlung ist „ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, eine heilige Nation“ (1. Petrus 2:9). Da sie nun anstelle des natürlichen Israel Gottes Nation wurde, wurde sie ein neues Israel, das heißt „wirklich ‚Israel‘ “ (Römer 9:6-8; Matthäus 21:43).a Deshalb richtete Jesu Halbbruder Jakobus seinen Hirtenbrief zu Recht „an die zwölf Stämme, die überall zerstreut sind“, das heißt an die weltweite Versammlung gesalbter Christen, die mit der Zeit auf 144 000 Glieder anwachsen würde (Jakobus 1:1).

      Das heutige Israel Gottes

      14. Was zeigt, daß Jehovas Zeugen die Zahl 144 000, die sich auf die geistigen Israeliten bezieht, schon immer buchstäblich aufgefaßt haben?

      14 Interessanterweise erkannte Charles T. Russell, daß die Zahl 144 000 buchstäblich aufzufassen ist und sich auf die Glieder des geistigen Israel bezieht. In dem Buch Die neue Schöpfung (Band 6 seiner Schriftstudien), das 1904 veröffentlicht wurde, schrieb er: „Wir haben allen Grund anzunehmen, daß diese bestimmte Anzahl die in der Offenbarung erwähnten 144 000 ‚aus den Menschen Erkauften‘ sind. (Off. 7:4; 14:1.)“ Die Bibelforscher gaben 1930 den 1. Band Licht heraus, und darin äußerten sie einen ähnlichen Gedanken: „Die 144 000 Glieder des Leibes Christi werden so als eine Versammlung Auserwählter und Gesalbter oder Versiegelter gezeigt.“ Jehovas Zeugen vertraten immer den Standpunkt, daß buchstäblich 144 000 gesalbte Christen das geistige Israel bilden.

      15. Kurz vor dem Tag des Herrn glaubten aufrichtige Erforscher der Bibel, daß sich die natürlichen Juden nach Beendigung der Heidenzeiten welches Vorrechtes erfreuen würden?

      15 Steht es aber dem heutigen natürlichen Israel nicht zu, wenigstens etwas begünstigt zu werden? Als aufrichtige Erforscher der Bibel kurz vor Beginn des Tages des Herrn viele der grundlegenden Wahrheiten des Wortes Gottes herausfanden, dachten sie, die Juden würden sich wiederum einer bevorzugten Stellung vor Gott erfreuen, wenn die Zeiten der Heiden zu Ende seien. Deshalb wandte C. T. Russell in seinem Buch Die Zeit ist herbeigekommen (Band 2 der Schriftstudien), das 1889 veröffentlicht wurde, Jeremia 31:29-34 auf die natürlichen Juden an und sagte: „Die Welt ist Zeuge davon, daß Israels Strafe unter der Nationenherrschaft ununterbrochen seit ... [607] v. Chr. gedauert hat und noch fortdauert; und kein Grund ist vorhanden, ihre nationale Reorganisation früher als 1914 — am Endpunkt ihrer ‚sieben Zeiten‘, der 2 520 Jahre — zu erwarten.“ Es schien, als würden die Juden dann als Nation wiederhergestellt werden, und dieser Gedanke wurde anscheinend noch unterstützt, als 1917 in der Balfour-Deklaration britische Hilfe für die Gründung einer nationalen Heimstätte der Juden in Palästina zugesagt wurde.

      16. Welche Anstrengungen unternahmen Jehovas Zeugen, um natürliche Juden mit der christlichen Botschaft zu erreichen, und was war das Ergebnis?

      16 Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Palästina Mandatsgebiet Großbritanniens, und für viele Juden wurde der Weg geöffnet, in dieses Land zurückzukehren. Im Jahre 1948 wurde der politische Staat Israel gegründet. Ließ das nicht erkennen, daß die Juden die Aussicht hatten, von Gott gesegnet zu werden? Jehovas Zeugen glaubten das viele Jahre. Deshalb veröffentlichten sie 1925 ein 144seitiges Buch, betitelt Trost für die Juden. Im Jahre 1929 gaben sie ein gutaussehendes 360seitiges Buch mit dem Titel Leben heraus, das besonders Juden ansprechen sollte und außerdem das Bibelbuch Hiob behandelte. Große Anstrengungen wurden unternommen — besonders in der Stadt New York —, um die Juden mit dieser messianischen Botschaft zu erreichen. Es ist erfreulich, daß einige Juden günstig reagierten, aber im großen und ganzen nahmen sie wie ihre Vorväter im 1. Jahrhundert die Beweise für die Gegenwart des Messias nicht an.

      17, 18. Was verstanden Gottes Sklaven auf der Erde mit der Zeit hinsichtlich des neuen Bundes und der biblischen Prophezeiungen über die Wiederherstellung?

      17 Es ist offensichtlich, daß die natürlichen Juden als Nation nicht das Israel sein können, das in Offenbarung 7:4-8 oder in anderen biblischen Prophezeiungen, die den Tag des Herrn betreffen, beschrieben wird. Die Juden halten weiterhin an ihrer Tradition fest und vermeiden es, Gottes Namen zu gebrauchen (Matthäus 15:1-3, 7-9). In dem Buch Jehova, das 1934 von Jehovas Zeugen herausgegeben wurde, kam man bei einer Betrachtung von Jeremia 31:31-34 zu folgendem Schluß: „Der neue Bund [hat] nichts mit den natürlichen Nachkommen Israels und mit der Menschheit im allgemeinen zu tun ..., sondern [ist] auf das geistige Israel beschränkt.“ Die biblischen Prophezeiungen über die Wiederherstellung haben weder etwas mit den natürlichen Juden noch mit dem politischen Staat Israel zu tun, der Mitglied der Vereinten Nationen und ein Teil der Welt ist, von der Jesus in Johannes 14:19, 30 und 18:36 sprach.

      18 Im Jahre 1931 nahmen Gottes Sklaven auf der Erde mit großer Freude den Namen Jehovas Zeugen an. Sie konnten von ganzem Herzen den Worten aus Psalm 97:11 beipflichten, wo es heißt: „Licht selbst ist aufgestrahlt für den Gerechten und Freude auch für die von Herzen Rechtschaffenen.“ Sie erkannten ganz deutlich, daß nur das geistige Israel in den neuen Bund aufgenommen worden war (Hebräer 9:15; 12:22, 24). Das gleichgültige natürliche Israel gehörte nicht dazu, ebensowenig die Menschheit im allgemeinen. Dieses Verständnis öffnete die Tür für einen hellen Strahl göttlichen Lichts, der aus den Annalen der theokratischen Geschichte besonders hervorleuchtet. Es wurde deutlich, daß Jehova gegenüber denen, die sich ihm nahen, überströmend ist an Barmherzigkeit, liebender Güte und Wahrheit (2. Mose 34:6; Jakobus 4:8). Ja, nicht nur das Israel Gottes, sondern auch andere ziehen daraus Nutzen, daß die Engel die vier Winde der Vernichtung zurückhalten. Wer sind diese anderen? Bist du möglicherweise einer von ihnen? Wir werden sehen.

      [Fußnote]

      a Der Name Israel bedeutet passenderweise „Gott streitet“, „Streiter (Beharrender) mit Gott“ (1. Mose 32:28, Neue-Welt-Übersetzung der Heiligen Schrift — mit Studienverweisen, Fußnote).

      [Ganzseitiges Bild auf Seite 114]

      [Bilder auf Seite 116, 117]

      Die allgemeine Auswahl des wahren Israels Gottes fand von Pfingsten 33 u. Z. bis zum Jahre 1935 statt, als auf einem historischen Kongreß der Zeugen Jehovas in Washington (D. C.) die Betonung auf die Einsammlung einer großen Volksmenge gelegt wurde, die eine irdische Hoffnung haben würde (Offenbarung 7:9)

  • Eine zahllose große Volksmenge
    Die Offenbarung — Ihr großartiger Höhepunkt ist nahe!
    • Kapitel 20

      Eine zahllose große Volksmenge

      1. Welche andere Gruppe sieht Johannes, nachdem er das Versiegeln der 144 000 beschrieben hat?

      NACHDEM Johannes das Versiegeln der 144 000 beschrieben hat, berichtet er von einer der begeisterndsten Offenbarungen in der Heiligen Schrift. Diese Vision hat bestimmt sein Herz höher schlagen lassen. Er berichtet: „Nach diesen Dingen sah ich, und siehe, eine große Volksmenge, die kein Mensch zu zählen vermochte, aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Zungen stand vor dem Thron und vor dem Lamm, in weiße lange Gewänder gehüllt, und Palmzweige waren in ihren Händen“ (Offenbarung 7:9). Ja, dadurch, daß die vier Winde zurückgehalten werden, kann außer den 144 000 Gliedern des geistigen Israel eine weitere Gruppe gerettet werden: eine vielsprachige internationale große Volksmengea (Offenbarung 7:1).

      2. Wer ist nach den Interpretationen weltlicher Kommentatoren die große Volksmenge, und was verstanden sogar die Bibelforscher in der Vergangenheit unter dieser Gruppe?

      2 Nach den Interpretationen weltlicher Kommentatoren handelt es sich bei dieser großen Volksmenge um Nichtjuden, die zum Christentum bekehrt worden sind, oder um für den Himmel bestimmte christliche Märtyrer. Selbst die Bibelforscher betrachteten sie früher als eine zweitrangige himmlische Klasse, wie dies aus dem 1. Band der Schriftstudien hervorgeht, der 1886 veröffentlicht wurde und betitelt ist Der göttliche Plan der Zeitalter. Es heißt darin: „Sie ... verlieren den Kampfpreis — den Thron, die göttliche Natur, werden aber schließlich doch als Geistwesen zur Geburt kommen, jedoch von niedrigerer Ordnung als die göttliche Natur ... Sie sind in Wahrheit geweiht, werden jedoch in solchem Maße vom Geiste der Welt überwunden, daß sie verfehlen, ihr Leben als Opfer darzubringen.“ Noch im Jahre 1930 wurde im 1. Band Licht folgender Gedanke geäußert: „Diese große Volksmenge verfehlt, der Einladung, eifrige Zeugen für den Herrn zu werden, Folge zu leisten.“ Sie wurde als eine selbstgerechte Gruppe dargestellt, die zwar eine Erkenntnis der Wahrheit hatte, aber kaum mit anderen darüber sprach. Sie sollte als eine zweitrangige Klasse in den Himmel kommen, die nicht mit Christus regieren würde.

      3. (a) Welche Hoffnung hatten gewisse rechtschaffene Personen, die sich später eifrig am Predigtdienst beteiligten? (b) Wie wurde 1923 im Wacht-Turm das Gleichnis von den Schafen und Böcken erklärt?

      3 Es gab jedoch andere Gefährten der gesalbten Christen, die sich später eifrig am Predigtwerk beteiligten. Sie sehnten sich nicht danach, in den Himmel zu kommen. Nein, ihre Hoffnung stimmte mit dem Thema eines öffentlichen Vortrages überein, der von 1918 bis 1922 für Jehovas Volk eine wichtige Rolle spielte und ursprünglich den Titel trug: „Die Welt ist am Ende — Millionen jetzt Lebender werden nie sterben!“b Bald darauf wurde in der Zeitschrift Der Wacht-Turm, in der englischen Ausgabe vom 15. Oktober 1923 (deutsch: 1. Januar 1924), das Gleichnis Jesu von den Schafen und Böcken erklärt (Matthäus 25:31-46). Es hieß darin: „Schafe stellen alle Völker der Nationen dar, die nicht geistgezeugt sind, aber zur Gerechtigkeit hinneigen, die i n i h r e m H e r z e n J e s u s C h r i s t u s als den Herrn anerkennen, und die auf eine bessere Zeit unter seiner Herrschaft hoffen und erwartungsvoll einer solchen Zeit entgegensehen.“

      4. Inwiefern wurde das Licht hinsichtlich der irdischen Klasse in den Jahren 1931, 1932 und 1934 immer heller?

      4 Einige Jahre später, im Jahre 1931, wurde im 1. Band Rechtfertigung Hesekiel, Kapitel 9 behandelt; darin wurden die Personen, die am Ende der Welt an der Stirn zum Überleben gekennzeichnet werden, mit den Schafen des oben erwähnten Gleichnisses identifiziert. Der 3. Band Rechtfertigung, der 1932 herausgegeben wurde, beschreibt die aufrichtige Herzenseinstellung des nichtisraelitischen Mannes Jonadab, der zu Israels gesalbtem König Jehu auf den Wagen stieg und mit ihm fuhr, um zu sehen, mit welchem Eifer Jehu Angehörige der falschen Religion hinrichtete (2. Könige 10:15-17). In dem Buch heißt es: „Jonadab stellt im Schattenbilde jene Klasse von Menschen guten Willens dar, die jetzt, während das Jehuwerk im Gange ist, auf der Erde leben, nicht in Harmonie mit der Organisation Satans sind und sich auf die Seite der Gerechtigkeit stellen. Diese sind es, die der Herr während der Zeit Harmagedons bewahren, durch diese Trübsal hindurchbringen und ihnen ewiges Leben auf der Erde geben wird. Diese bilden die Klasse der ‚Schafe‘. “ Im Jahre 1934 machte Der Wachtturm deutlich, daß diese Christen, die eine irdische Hoffnung haben, sich Jehova weihen und sich taufen lassen sollten. Das Licht hinsichtlich dieser irdischen Klasse schien immer heller (Sprüche 4:18).

      5. (a) Was wurde 1935 hinsichtlich der großen Volksmenge erkannt? (b) Was geschah, als J. F. Rutherford 1935 die Kongreßteilnehmer, die ewig auf der Erde zu leben hofften, bat aufzustehen?

      5 Nun sollten die Worte aus Offenbarung 7:9-17 bald so gut verstanden werden, als würden sie von einem helleuchtenden Licht angestrahlt (Psalm 97:11). Der Wachtturm hatte wiederholt darauf hingewiesen, daß sich diejenigen, die durch Jonadab dargestellt würden, auf den Kongreß freuen könnten, der vom 30. Mai bis zum 3. Juni 1935 in Washington (D. C., USA) stattfinden werde, denn er werde ihnen „zu wirklichem Trost und Nutzen“ gereichen. Die Jonadab-Klasse wurde nicht enttäuscht. In einem aufrüttelnden Vortrag mit dem Thema „Die große Volksmenge“, den J. F. Rutherford, der damals die Leitung des weltweiten Predigtwerks innehatte, vor 20 000 Zuhörern hielt, bewies er anhand der Bibel, daß die heutigen anderen Schafe mit der großen Volksmenge aus Offenbarung 7:9 identisch sind. Am Höhepunkt des Vortrags angelangt, stellte der Redner die Frage: „Würden alle, die die Hoffnung haben, ewig auf der Erde zu leben, bitte einmal aufstehen?“ Als ein großer Teil der Zuhörerschaft aufstand, sagte er: „Siehe! Die große Volksmenge!“ Zuerst herrschte Stille, dann gab es brausenden Beifall. Die Johannes-Klasse war begeistert — und auch die Jonadab-Gruppe. Am darauffolgenden Tag wurden 840 neue Zeugen getauft, von denen sich die meisten zur großen Volksmenge bekannten.

      Die Identität der großen Volksmenge bestätigt

      6. (a) Warum können wir überzeugt sein, daß es sich bei der großen Volksmenge um die heutige Gruppe Gott hingegebener Christen handelt, die hoffen, ewig auf der Erde leben zu dürfen? (b) Was wird durch die weißen Gewänder der großen Volksmenge dargestellt?

      6 Warum können wir mit einer solchen Überzeugung sagen, daß es sich bei der großen Volksmenge um die heutige Gruppe der Gott hingegebenen Christen handelt, die hoffen, für immer auf Gottes Erde zu leben? Zuvor hatte Johannes in einer Vision die himmlische Gruppe gesehen, die „für Gott ... aus jedem Stamm und jeder Zunge und jedem Volk und jeder Nation erkauft“ worden war (Offenbarung 5:9, 10). Die große Volksmenge hat eine ähnliche Herkunft, doch eine andere Bestimmung. Im Gegensatz zum Israel Gottes ist ihre Zahl nicht vorherbestimmt. Niemand kann im voraus sagen, wie viele schließlich dazugehören werden. Sie haben ihre Kleider im Blut des Lammes weiß gewaschen, wodurch dargestellt wird, daß sie vor Jehova aufgrund ihres Glaubens an das Opfer Jesu gerecht dastehen (Offenbarung 7:14). Und in ihren Händen haben sie Palmzweige, mit denen sie dem Messias als ihrem König zujubeln.

      7, 8. (a) An welches Ereignis wird der Apostel Johannes zweifellos erinnert, als er sieht, daß die große Volksmenge Palmzweige in den Händen trägt? (b) Was bedeutet es, daß die große Volksmenge Palmzweige in ihren Händen hat?

      7 Während dieser Vision muß sich Johannes in Gedanken mehr als 60 Jahre zurückversetzt haben, in die letzte Woche des Aufenthalts Jesu auf der Erde. Am 9. Nisan des Jahres 33 u. Z. hießen viele Menschen Jesus in Jerusalem willkommen und „nahmen ... die Zweige von Palmen und zogen hinaus, ihm entgegen. Und sie begannen zu rufen: ‚Rette, bitte! Gesegnet ist, der im Namen Jehovas kommt, ja, der König von Israel!‘ “ (Johannes 12:12, 13). Dadurch, daß die große Volksmenge ebenfalls Palmzweige in ihren Händen trägt und mit lauter Stimme ruft, bringt sie ihre uneingeschränkte Freude zum Ausdruck und zeigt, daß sie Jesus als Jehovas eingesetzten König anerkennt.

      8 Die Palmzweige und jubelnden Zurufe erinnern Johannes zweifellos auch an das Laubhüttenfest, das in alter Zeit von den Israeliten gefeiert wurde. Jehova gebot hinsichtlich dieses Festes: „Und ihr sollt euch am ersten Tag die Frucht prächtiger Bäume holen, die Palmwedel und die Äste von Bäumen mit vielen Zweigen und von Pappeln aus dem Wildbachtal, und ihr sollt euch sieben Tage vor Jehova, eurem Gott, freuen.“ Die Palmzweige waren ein Zeichen der Freude. Die Hütten, in denen die Israeliten vorübergehend wohnten, sollten daran erinnern, daß Jehova sein Volk aus Ägypten befreit hatte und daß es danach in der Wildnis in Zelten wohnte. „Der ansässige Fremdling und der vaterlose Knabe und die Witwe“ sollten an der Feier ebenfalls teilnehmen. Ganz Israel sollte „nichts anderes als erfreut werden“ (3. Mose 23:40; 5. Mose 16:13-15).

      9. Welchen Jubelruf läßt die große Volksmenge erschallen?

      9 Die Glieder der großen Volksmenge gehören zwar nicht zum geistigen Israel, aber es ist trotzdem angebracht, daß sie Palmzweige in den Händen tragen, denn freudigen und dankbaren Herzens schreiben sie den Sieg und ihre Rettung Gott und dem Lamm zu. Johannes sagt diesbezüglich: „Und sie rufen fortwährend mit lauter Stimme, indem sie sagen: ‚Die Rettung verdanken wir unserem Gott, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm‘ “ (Offenbarung 7:10). Obwohl die große Volksmenge aus allen Volksgruppen herausgesammelt wurde, ruft sie mit nur einer einzigen „lauten Stimme“. Wie kann sie das tun, da sie doch verschiedenen Nationen und Sprachen angehört?

      10. Inwiefern kann die große Volksmenge vereint mit nur einer einzigen „lauten Stimme“ rufen, wo sie doch verschiedenen Nationen und Sprachen angehört?

      10 Die große Volksmenge gehört zu der einzigen wirklich vereinten multinationalen Organisation, die es heute auf der Erde gibt. Für sie gelten in den verschiedenen Ländern nicht verschiedene Maßstäbe, sondern ihre Glieder wenden überall die gerechten biblischen Grundsätze an, ganz gleich, wo sie leben mögen. An nationalistischen, revolutionären Bewegungen beteiligen sie sich nicht, denn sie haben wirklich ‘ihre Schwerter zu Pflugscharen geschmiedet’ (Jesaja 2:4). Sie sind nicht in verschiedene Sekten oder Glaubensgemeinschaften aufgesplittert, und sie verkündigen nicht wie die Religionsorganisationen der Christenheit verwirrende oder sich widersprechende Botschaften; auch überlassen sie es nicht einer Klasse berufsmäßiger Geistlicher, für sie Gott Lobpreis darzubringen. Sie schreiben nicht mit lauter Stimme ihre Rettung dem heiligen Geist zu, denn sie dienen keinem dreieinigen Gott. In etwa 200 geographischen Gebieten der Erde rufen sie einheitlich den Namen Jehovas an und sprechen die eine reine Sprache der Wahrheit (Zephanja 3:9). Zu Recht erkennen sie öffentlich an, daß ihre Rettung von Jehova, dem Gott der Rettung, durch Jesus Christus, seinen Hauptvermittler der Rettung, kommt (Psalm 3:8; Hebräer 2:10).

      11. Wie hat die moderne Technik der großen Volksmenge geholfen, die laute Stimme noch lauter erschallen zu lassen?

      11 Durch die moderne Technik ist es möglich, die laute Stimme der geeinten großen Volksmenge noch lauter erschallen zu lassen. Keine andere religiöse Gruppe hält es für notwendig, Bibelstudienhilfsmittel in mehr als 400 Sprachen zu veröffentlichen, denn keine andere Gruppe ist daran interessiert, alle Menschen mit ein und derselben Botschaft zu erreichen. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, wurde unter der Aufsicht der gesalbten leitenden Körperschaft der Zeugen Jehovas ein vielsprachiges elektronisches Fotosatzsystem (MEPS) entwickelt. Als das vorliegende Buch gedruckt wurde, benutzte man MEPS in verschiedenen Ausführungen weltweit an über 125 Orten, wodurch es möglich wurde, die halbmonatlich erscheinende Zeitschrift Der Wachtturm in über 130 Sprachen simultan zu veröffentlichen. Jehovas Volk gibt auch Bücher wie das vorliegende in mehreren Sprachen simultan heraus. Auf diese Weise können Jehovas Zeugen, von denen die Mehrheit zur großen Volksmenge gehört, jährlich Hunderte von Millionen Publikationen in allen bekannten Sprachen verbreiten, wodurch vielen weiteren Personen aller Stämme und Zungen geholfen wird, Gottes Wort zu studieren und die laute Stimme der großen Volksmenge zu unterstützen (Jesaja 42:10, 12).

      Im Himmel oder auf der Erde?

      12, 13. In welchem Sinne steht die große Volksmenge „vor dem Thron und vor dem Lamm“?

      12 Wenn gesagt wird, die große Volksmenge ‘stehe vor dem Thron’, bedeutet das nicht, daß sie sich im Himmel befindet. Wieso wissen wir das? Für diese Auffassung gibt es viele eindeutige Beweise. Zum Beispiel bedeutet das griechische Wort (enṓpion), das hier mit „vor“ wiedergegeben wurde, buchstäblich „in Sicht“, „vor den Augen“ und wird mehrere Male in Verbindung mit Menschen auf der Erde gebraucht, die sich „vor Gott“ oder „vor Gottes Augen“ befinden (1. Timotheus 5:21; 2. Timotheus 2:14; Römer 14:22; Galater 1:20). Als sich die Israeliten in der Wildnis aufhielten, sagte Moses bei einer Gelegenheit zu Aaron: „Sprich zu der ganzen Gemeinde der Söhne Israels: ‚Naht herzu vor Jehova, denn er hat euer Murren gehört‘ “ (2. Mose 16:9). Die Israeliten mußten nicht erst in den Himmel gebracht werden, um bei dieser Gelegenheit vor Jehova zu stehen. (Vergleiche 3. Mose 24:8.) Nein, sie standen direkt dort in der Wildnis vor Jehovas Augen, und er hatte sich ihnen zugewandt.

      13 Wir lesen außerdem: „Wenn der Sohn des Menschen in seiner Herrlichkeit gekommen sein wird ..., [werden] alle Nationen ... vor ihm versammelt werden.“c Bei der Erfüllung dieser Prophezeiung wird nicht das ganze Menschengeschlecht im Himmel sein. Bestimmt werden sich diejenigen, die „in die ewige Abschneidung weggehen“, nicht im Himmel befinden (Matthäus 25:31-33, 41, 46). Vielmehr steht die Menschheit auf der Erde vor den Augen Jesu, und er wendet sich ihr zu und richtet sie. In ähnlicher Weise steht die große Volksmenge „vor dem Thron und vor dem Lamm“; sie steht nämlich vor den Augen Jehovas und seines Königs, Christus Jesus, von denen sie ein günstiges Urteil erhält.

      14. (a) Von wem wird gesagt, daß sie „rings um den Thron“ und „auf dem [himmlischen] Berg Zion“ seien? (b) Warum ist die große Volksmenge keine Priesterklasse, obwohl sie Gott „in seinem Tempel“ dient?

      14 Von den 24 Ältesten und der Gruppe der 144 000 Gesalbten wird gesagt, sie seien „rings um den Thron“ Jehovas und „auf dem [himmlischen] Berg Zion“ (Offenbarung 4:4; 14:1). Die große Volksmenge ist keine Priesterklasse, und sie wird nicht in diese erhöhte Stellung eingesetzt werden. Es stimmt zwar, daß es später, in Offenbarung 7:15, heißt, sie bringe Gott „in seinem Tempel“ Dienst dar, aber mit diesem Tempel ist nicht der innere Teil des Heiligtums, das Allerheiligste, gemeint, sondern der irdische Vorhof des geistigen Tempels Gottes. Das griechische Wort naós, das hier mit „Tempel“ übersetzt worden ist, bezieht sich oft in einem umfassenderen Sinn auf das gesamte Gebäude, das für die Anbetung Jehovas errichtet worden war. Heute ist damit ein geistiges Gebäude gemeint, das sowohl den Himmel als auch die Erde einschließt. (Vergleiche Matthäus 26:61; 27:5, 39, 40; Markus 15:29, 30; Johannes 2:19-21, Neue-Welt-Übersetzung der Heiligen Schrift — mit Studienverweisen, Fußnote.)

      Im ganzen Universum erschallt Lobpreis

      15, 16. (a) Wie wird im Himmel das Erscheinen der großen Volksmenge aufgenommen? (b) Wie reagiert Jehovas geistige Schöpfung auf jede neue Offenbarung seines Vorsatzes? (c) Wie können wir, die wir uns auf der Erde befinden, in das Loblied mit einstimmen?

      15 Die große Volksmenge lobpreist Jehova, aber auch andere singen ihm Loblieder. Johannes berichtet: „Und alle Engel standen rings um den Thron und die Ältesten und die vier lebenden Geschöpfe, und sie fielen vor dem Thron auf ihr Angesicht und beteten Gott an, indem sie sprachen: ‚Amen! Der Segen und die Herrlichkeit und die Weisheit und die Danksagung und die Ehre und die Macht und die Stärke seien unserem Gott für immer und ewig. Amen‘ “ (Offenbarung 7:11, 12).

      16 Als Jehova die Erde erschuf, jubelten alle seine heiligen Engel miteinander, „und alle Söhne Gottes [begannen] beifällig zu jauchzen“ (Hiob 38:7). Jede neue Offenbarung des Vorsatzes Jehovas muß die Engel ebenfalls veranlaßt haben, Lobpreis erschallen zu lassen. Wenn die 24 Ältesten — die 144 000 in ihrer himmlischen Herrlichkeit — das Lamm mit lauter Stimme loben, schließen sich ihnen alle anderen himmlischen Geschöpfe Gottes an und lobpreisen Jesus und Jehova Gott (Offenbarung 5:9-14). Diese Geschöpfe waren bereits überglücklich, die Verwirklichung des Vorsatzes Jehovas beobachten zu können, als treue gesalbte Personen von Gott auferweckt wurden, um im geistigen Bereich eine herrliche Stellung einzunehmen. Und jetzt, wo die große Volksmenge erscheint, lassen Jehovas treue himmlische Geschöpfe ein Loblied erschallen. Ja, für Jehovas Diener ist es begeisternd, am Tag des Herrn am Leben zu sein (Offenbarung 1:10). Welch großes Vorrecht ist es doch, daß wir hier auf der Erde in das Loblied mit einstimmen können, indem wir von Jehovas Königreich Zeugnis ablegen!

      Die große Volksmenge tritt in Erscheinung

      17. (a) Welche Frage stellt einer der 24 Ältesten, und was zeigt die Tatsache, daß der Älteste die Antwort ausfindig machen konnte, an? (b) Wann wurde die Frage des Ältesten beantwortet?

      17 Von der Zeit des Apostels Johannes bis in den Tag des Herrn hinein wollten gesalbte Christen gern wissen, wer die große Volksmenge ist. Es ist daher verständlich, daß einer der 24 Ältesten — sie versinnbildlichen die Gesalbten, die sich schon im Himmel befinden — Johannes eine ihn zum Nachdenken anregende Frage stellt. „Und einer der Ältesten ergriff das Wort und sprach zu mir: ‚Wer sind diese, die in die weißen langen Gewänder gehüllt sind, und woher sind sie gekommen?‘ Da sprach ich sogleich zu ihm: ‚Mein Herr, d u weißt es‘ “ (Offenbarung 7:13, 14a). Ja, der Älteste konnte die Antwort ausfindig machen und sie Johannes geben. Das zeigt an, daß die Auferstandenen der Gruppe der 24 Ältesten möglicherweise daran beteiligt sind, heute göttliche Wahrheiten zu übermitteln. Die Johannes-Klasse auf der Erde fand ihrerseits heraus, wer die große Volksmenge ist, indem sie genau beobachtete, was Jehova in ihrer Mitte tat. Schnell erkannte sie den hellen Strahl göttlichen Lichts, der 1935 — zu Jehovas bestimmter Zeit — das theokratische Firmament erleuchtete.

      18, 19. (a) Welche Hoffnung hob die Johannes-Klasse in den 1920er und 1930er Jahren hervor, doch Angehörige welcher Personengruppe hörten in immer größerer Zahl auf die Botschaft? (b) Die Identifizierung der großen Volksmenge im Jahre 1935 läßt uns zu welcher Schlußfolgerung kommen, was die 144 000 betrifft? (c) Was lassen die Statistiken über das Gedächtnismahl erkennen?

      18 Während der 1920er und Anfang der 1930er Jahre hob die Johannes-Klasse in den Publikationen und auch in ihrer Predigttätigkeit die himmlische Hoffnung hervor. Offensichtlich mußte die Zahl der 144 000 noch vervollständigt werden. Doch immer mehr Personen, die auf die Botschaft hörten und sich eifrig am Zeugniswerk beteiligten, bekundeten Interesse an einem ewigen Leben auf einer paradiesischen Erde. Sie sehnten sich nicht danach, in den Himmel zu kommen. Dazu waren sie nicht berufen. Sie gehörten nicht zu der kleinen Herde, sondern zu den anderen Schafen (Lukas 12:32; Johannes 10:16). Aus der Tatsache, daß sie 1935 als die große Volksmenge anderer Schafe identifiziert wurden, war zu schließen, daß die Auswahl der 144 000 zu jener Zeit fast abgeschlossen war.

      19 Bestätigen Statistiken diese Schlußfolgerung? Ja. Im Jahre 1938 beteiligten sich weltweit 59 047 Zeugen Jehovas am Predigtdienst. Davon nahmen bei der jährlichen Feier zum Gedächtnis an den Tod Jesu 36 732 Personen von den Symbolen, was zeigt, daß sie eine himmlische Berufung hatten. Seit jenem Jahr hat sich die Zahl derer, die von den Symbolen nehmen, jährlich verringert; der Hauptgrund besteht darin, daß treue Zeugen Jehovas ihren irdischen Lauf durch den Tod beendet haben. Im Jahr 2005 nahmen nur 8 524 Personen von den Symbolen; das sind nur 0,05 Prozent der 16 390 116 Anwesenden bei dieser weltweit durchgeführten Feier.

      20. (a) Welche persönliche Bemerkung machte J. F. Rutherford während des Zweiten Weltkrieges über die große Volksmenge? (b) Welche Tatsachen zeigen, daß die große Volksmenge wirklich groß ist?

      20 Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, versuchte Satan verbissen, die Einsammlung der großen Volksmenge zum Stillstand zu bringen. In vielen Ländern wurde das Werk Jehovas verboten oder eingeschränkt. In jenen dunklen Tagen sagte J. F. Rutherford kurz vor seinem Tod im Januar 1942: „Nun ..., es sieht so aus, als ob die große Volksmenge doch nicht so groß sein wird.“ Aber aufgrund des Segens Gottes kam es anders. Bis 1946 war die Zahl der Zeugen Jehovas weltweit auf 176 456 angestiegen, und die meisten gehörten zur großen Volksmenge. Im Jahr 2005 gab es 6 390 022 Zeugen, die Jehova in 235 verschiedenen Ländern treu dienten. Wahrhaftig, EINE GROSSE VOLKSMENGE! Und sie nimmt ständig zu.

      21. (a) Inwiefern stimmte die Art und Weise, wie die Einsammlung des Volkes Gottes am Tag des Herrn vonstatten ging, völlig mit der Vision des Johannes überein? (b) Wie begannen sich gewisse wichtige Prophezeiungen zu erfüllen?

      21 Die Einsammlung des Volkes Gottes am Tag des Herrn ging also genauso vonstatten, wie es in der Vision des Johannes gezeigt wird: Zuerst wurden die Übriggebliebenen der 144 000 eingesammelt und dann die große Volksmenge. Der Prophezeiung Jesajas gemäß strömen jetzt, „im Schlußteil der Tage“, Menschen aus allen Nationen herbei, um an der reinen Anbetung Jehovas einen Anteil zu nehmen. Ja, wir frohlocken, weil wir es sehr schätzen, daß Jehova „neue Himmel und eine neue Erde“ erschafft (Jesaja 2:2-4; 65:17, 18). Gott bringt „in dem Christus wieder alle Dinge zusammen ..., die Dinge in den Himmeln und die Dinge auf der Erde“ (Epheser 1:10). Die gesalbten Miterben des himmlischen Königreiches — sie wurden seit den Tagen Jesu im Laufe der Jahrhunderte erwählt — sind „die Dinge in den Himmeln“. Die Glieder der großen Volksmenge anderer Schafe werden nun als die ersten der „Dinge auf der Erde“ sichtbar. Die Zusammenarbeit mit dieser Vorkehrung kann für dich ewiges Glück bedeuten.

      Die Segnungen der großen Volksmenge

      22. Was erfährt Johannes noch über die große Volksmenge?

      22 Durch den göttlichen Kanal erhält Johannes weiteren Aufschluß über die große Volksmenge: „Und er [der Älteste] sprach zu mir: ‚Das sind die, die aus der großen Drangsal kommen, und sie haben ihre langen Gewänder gewaschen und sie in dem Blut des Lammes weiß gemacht. Darum sind sie vor dem Thron Gottes; und Tag und Nacht bringen sie ihm in seinem Tempel heiligen Dienst dar; und der, der auf dem Thron sitzt, wird sein Zelt über sie ausbreiten‘ “ (Offenbarung 7:14b, 15).

      23. Was ist die große Drangsal, aus der die große Volksmenge kommt?

      23 Bei einer früheren Gelegenheit hatte Jesus gesagt, daß seine Gegenwart in Königreichsherrlichkeit in einer „großen Drangsal ..., wie es seit Anfang der Welt bis jetzt keine gegeben hat, nein, noch wieder geben wird“, gipfeln wird (Matthäus 24:21, 22). Als Erfüllung dieser Prophezeiung werden die Engel die vier Winde der Erde loslassen, um das Weltsystem Satans zu verwüsten. Zuerst wird Babylon die Große, das Weltreich der falschen Religion, beseitigt werden. Auf dem Höhepunkt der Drangsal wird Jesus dann irgendwelche Übriggebliebenen der 144 000, die sich noch auf der Erde befinden könnten, und die zahllose große Volksmenge befreien (Offenbarung 7:1; 18:2).

      24. Was müssen die Glieder der großen Volksmenge tun, um überleben zu können?

      24 Was müssen die Glieder der großen Volksmenge tun, um überleben zu können? Der Älteste teilt Johannes mit, daß sie „ihre langen Gewänder gewaschen und sie in dem Blut des Lammes weiß gemacht“ haben. Das heißt mit anderen Worten, daß sie an Jesus als ihren Loskäufer glauben, daß sie sich Jehova hingegeben und ihre Hingabe durch die Wassertaufe symbolisiert haben und daß sie durch einen guten Lebenswandel „ein gutes Gewissen“ behalten haben (1. Petrus 3:16, 21; Matthäus 20:28). Sie sind also in Jehovas Augen rein und gerecht. Außerdem haben sie sich „von der Welt ohne Flecken“ bewahrt (Jakobus 1:27).

      25. (a) Wie bringt die große Volksmenge Jehova „in seinem Tempel heiligen Dienst dar“? (b) Wie ‘breitet Jehova sein Zelt über die große Volksmenge aus’?

      25 Sie legen auch eifrig für Jehova Zeugnis ab — „Tag und Nacht bringen sie ihm in seinem Tempel heiligen Dienst dar“. Gehörst du zu dieser Gott hingegebenen großen Volksmenge? Wenn ja, dann darfst du Jehova im irdischen Vorhof seines großen geistigen Tempels ohne Unterlaß dienen. Unter der Leitung der Gesalbten bewältigt die große Volksmenge bei weitem den größten Teil des Zeugniswerkes. Trotz weltlicher Verpflichtungen haben Hunderttausende für den Vollzeitdienst als Pioniere Raum geschaffen. Doch ob du zu dieser Gruppe gehörst oder nicht, als Gott hingegebenes Glied der großen Volksmenge kannst du dich freuen, denn aufgrund deines Glaubens und deiner Werke bist du als Freund Gottes gerechtgesprochen worden und bist als Gast in seinem Zelt willkommen (Psalm 15:1-5; Jakobus 2:21-23). Jehova ‘breitet so sein Zelt über diejenigen aus’, die ihn lieben, und als guter Gastgeber beschützt er sie (Sprüche 18:10).

      26. Welcher weiteren Segnungen wird sich die große Volksmenge erfreuen?

      26 Der Älteste fährt fort mit den Worten: „Sie werden nicht mehr hungern und auch nicht mehr dürsten, noch wird die Sonne auf sie niederbrennen, noch irgendeine sengende Hitze, weil das Lamm, das inmitten des Thrones ist, sie hüten und sie zu Wasserquellen des Lebens leiten wird. Und Gott wird jede Träne von ihren Augen abwischen“ (Offenbarung 7:16, 17). Ja, Jehova ist wirklich gastfreundlich. Doch welche tiefere Bedeutung haben diese Worte?

      27. (a) Inwiefern ähnelte die Prophezeiung Jesajas den Worten des Ältesten? (b) Was zeigt, daß sich die Prophezeiung Jesajas in den Tagen des Paulus in Verbindung mit der Christenversammlung zu erfüllen begann?

      27 Wir wollen unsere Aufmerksamkeit auf eine Prophezeiung richten, die ähnlich lautet: „Dies ist, was Jehova gesprochen hat: ‚In einer Zeit des Wohlwollens habe ich dir geantwortet, und an einem Tag der Rettung habe ich dir geholfen ... Sie werden nicht hungern, noch werden sie dürsten, noch wird austrocknende Hitze oder Sonne sie treffen. Denn ihr Erbarmer wird sie führen, und an Wasserquellen wird er sie geleiten‘ “ (Jesaja 49:8, 10; siehe auch Psalm 121:5, 6). Der Apostel Paulus zitierte teilweise aus dieser Prophezeiung und wandte sie auf den „Tag der Rettung“ an, der zu Pfingsten des Jahres 33 u. Z. begann. Er schrieb: „Denn er [Jehova] sagt: ‚In einer annehmbaren Zeit habe ich dich erhört, und an einem Tag der Rettung habe ich dir geholfen.‘ Seht! Jetzt ist die besonders annehmbare Zeit. Seht! Jetzt ist der Tag der Rettung“ (2. Korinther 6:2).

      28, 29. (a) Wie erfüllten sich die Worte Jesajas im ersten Jahrhundert? (b) Wie erfüllen sich die Worte aus Offenbarung 7:16 in Verbindung mit der großen Volksmenge? (c) Was wird das Ergebnis davon sein, daß die große Volksmenge zu „Wasserquellen des Lebens“ geleitet wird? (d) Inwiefern wird die große Volksmenge unter der Menschheit einzigartig sein?

      28 Wie erfüllte sich die Verheißung, Gottes Volk werde von Hunger, Durst und austrocknender Hitze verschont werden? Die Christen im ersten Jahrhundert litten gewiß manchmal buchstäblich Hunger und Durst (2. Korinther 11:23-27). Aber in geistiger Hinsicht litten sie keinen Mangel. Sie waren gut versorgt, so daß sie keinen geistigen Hunger und Durst zu erleiden brauchten. Außerdem mußten sie nicht die Hitze des Zornes Jehovas verspüren, als er 70 u. Z. das jüdische System der Dinge vernichtete. Die Worte aus Offenbarung 7:16 erfüllen sich heute auf ähnliche Weise an der großen Volksmenge. Sie und die gesalbten Christen leben in geistigem Überfluß (Jesaja 65:13; Nahum 1:6, 7).

      29 Wenn du zur großen Volksmenge gehörst, kannst du zufolge deines guten Herzenszustandes „jubeln“, ganz gleich, was du in den letzten Jahren des Systems Satans an Entbehrungen und an Druck noch zu erdulden hast (Jesaja 65:14). Gott kann also in diesem Sinne schon jetzt ‘jede Träne von deinen Augen abwischen’. Du wirst nicht mehr von Gottes heißer „Sonne“ des ungünstigen Urteils bedroht, und wenn die vier Winde der Vernichtung losgelassen werden, wirst du wahrscheinlich nicht die „austrocknende Hitze“ des Mißfallens Jehovas zu verspüren bekommen. Nachdem die Vernichtung vorüber ist, wird dich das Lamm so führen und leiten, daß du völlig Nutzen ziehen kannst aus den wiederbelebenden „Wasserquellen des Lebens“ (diese stellen alle Vorkehrungen Jehovas dar, die er getroffen hat, damit du ewiges Leben erlangen kannst). Dein Glaube an das Blut des Lammes wird dadurch bestätigt, daß du Schritt für Schritt vollkommen gemacht wirst. Diejenigen, die die große Volksmenge bilden, werden unter der Menschheit einzigartig sein — die „Millionen“, die nie sterben mußten. Im wahrsten Sinne des Wortes wird jede Träne von ihren Augen abgewischt sein (Offenbarung 21:4).

      Die Berufung festmachen

      30. Welcher wunderbare Anblick wird uns durch die Vision des Johannes dargeboten, und wer vermag zu „bestehen“?

      30 Welch wunderbarer Anblick uns durch diese Worte doch dargeboten wird! Jehova sitzt auf dem Thron, und alle seine Diener — im Himmel und auf der Erde — bringen ihm vereint Lobpreis dar. Seine irdischen Diener schätzen das einmalige Vorrecht, in dem Chor, der Jehova immer lauter lobsingt, mitsingen zu dürfen. Bald werden Jehova und Christus Jesus Gericht üben, und es wird der Ruf zu hören sein: „Der große Tag ihres Zorns ist gekommen, und wer vermag zu bestehen?“ (Offenbarung 6:17). Wie lautet die Antwort? Nur eine kleine Minderheit — möglicherweise noch im Fleische übriggebliebene der 144 000 Versiegelten und die große Volksmenge anderer Schafe — vermag zu „bestehen“, das heißt wird überleben (Jeremia 35:19; 1. Korinther 16:13).

      31. Wie sollte die Erfüllung der Vision des Johannes die Gesalbten und die Glieder der großen Volksmenge beeinflussen?

      31 In Anbetracht dessen strengen sich die gesalbten Christen der Johannes-Klasse sehr an, „dem Ziel entgegen[zujagen], dem Preis der Berufung Gottes nach oben durch Christus Jesus“ (Philipper 3:14). Sie sind sich dessen völlig bewußt, daß das, was in der heutigen Zeit geschieht, von ihnen außergewöhnliches Ausharren verlangt (Offenbarung 13:10). Nachdem sie so viele Jahre Jehova treu gedient haben, halten sie am Glauben fest und freuen sich, daß ihre Namen „in den Himmeln eingeschrieben sind“ (Lukas 10:20; Offenbarung 3:5). Auch die Glieder der großen Volksmenge wissen, daß nur derjenige, der „bis ans Ende ausgeharrt haben wird, ... gerettet werden“ wird (Matthäus 24:13). Während die große Volksmenge als Gruppe zum Überleben der großen Drangsal gekennzeichnet ist, müssen sich die einzelnen Glieder selbst anstrengen, um rein und aktiv zu bleiben.

      32. Die Tatsache, daß nur zwei Gruppen am Tag des Zornes Jehovas zu „bestehen“ vermögen, läßt uns welche ernste Lage erkennen?

      32 Nichts deutet darauf hin, daß außer diesen zwei Gruppen noch andere am Tag des Zornes Jehovas zu „bestehen“ vermögen. Was bedeutet das für die Millionen, die jedes Jahr eine gewisse Achtung vor dem Opfer Jesu zeigen, indem sie der Feier zum Gedächtnis an seinen Tod beiwohnen, aber nicht so sehr an dieses Opfer glauben, daß sie sich Jehova hingeben, sich taufen lassen und ihm aktiv dienen? Und was ist mit denen, die einmal aktiv waren, es aber zuließen, daß ihr Herz durch „Sorgen des Lebens beschwert“ wurde? Mögen alle jene aufwachen und wach bleiben, damit es ihnen „gelinge, all diesen Dingen, die geschehen sollen, zu entgehen und vor dem Sohn des Menschen [Jesus Christus] zu stehen“. Es bleibt nicht mehr viel Zeit (Lukas 21:34-36).

      [Fußnoten]

      a Siehe Neue-Welt-Übersetzung der Heiligen Schrift — mit Studienverweisen, Fußnote.

      b Der Wacht-Turm, englische Ausgabe vom 1. April 1918, Seite 98.

      c Wörtlich: „vorne von ihm“, The Kingdom Interlinear Translation of the Greek Scriptures.

      [Kasten auf Seite 119]

      Deutungen sind Sache Gottes

      Viele Jahrzehnte stellte die Johannes-Klasse Nachforschungen an, um herauszufinden, um wen es sich bei der großen Volksmenge handelt, doch sie kam zu keinem befriedigenden Ergebnis. Wieso nicht? Die Worte des treuen Joseph geben uns die Antwort, denn er sagte: „Sind Deutungen nicht Sache Gottes?“ (1. Mose 40:8). Wann und wie läßt Gott die Erfüllung seiner Prophezeiungen erkennen? Gewöhnlich dann, wenn es an der Zeit ist, daß sie sich erfüllen, oder während sie sich erfüllen, so daß sie von seinen forschenden Dienern wirklich verstanden werden können. Dieses Verständnis dient „zu unserer Unterweisung ..., damit wir durch unser Ausharren und durch den Trost aus den Schriften Hoffnung haben können“ (Römer 15:4).

      [Kasten auf Seite 124]

      Glieder der großen Volksmenge

      ◼ kommen aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Zungen

      ◼ stehen vor Jehovas Thron

      ◼ haben ihre Gewänder im Blut des Lammes weiß gewaschen

      ◼ schreiben Jehova und Jesus ihre Rettung zu

      ◼ kommen aus der großen Drangsal

      ◼ dienen Jehova Tag und Nacht in seinem Tempel

      ◼ werden von Jehova liebevoll beschützt und umsorgt

      ◼ werden von Jesus zu Wasserquellen des Lebens geführt

      [Ganzseitiges Bild auf Seite 121]

      [Bild auf Seite 127]

      Die große Volksmenge verdankt Gott und dem Lamm ihre Rettung

      [Bild auf Seite 128]

      Das Lamm wird die große Volksmenge zu Wasserquellen des Lebens führen

  • Die für die Christenheit bestimmten Plagen Jehovas
    Die Offenbarung — Ihr großartiger Höhepunkt ist nahe!
    • Kapitel 21

      Die für die Christenheit bestimmten Plagen Jehovas

      5. Vision — Offenbarung 8:1⁠—⁠9:21

      Thema: Sechs der sieben Trompetenstöße

      Zeit der Erfüllung: Von der Zeit der Inthronisierung Jesu im Jahre 1914 an bis zur großen Drangsal

      1. Was geschieht, als das Lamm das siebte Siegel öffnet?

      „DIE vier Winde“ werden so lange zurückgehalten, bis die 144 000 Glieder des geistigen Israel versiegelt worden sind und die große Volksmenge anerkannt ist, so daß sie überleben kann (Offenbarung 7:1-4, 9). Bevor jedoch dieser heftige Sturm über die Erde fegt, muß das ungünstige Urteil, das Jehova über die Welt Satans gefällt hat, bekanntgemacht werden. Während das Lamm darangeht, das siebte und letzte Siegel zu öffnen, ist Johannes bestimmt gespannt darauf, was er nun zu sehen bekommt. Er erzählt uns, was es ist: „Und als er [das Lamm] das siebte Siegel öffnete, entstand ein Schweigen im Himmel, etwa eine halbe Stunde lang. Und ich sah die sieben Engel, die vor Gott stehen, und es wurden ihnen sieben Trompeten gegeben“ (Offenbarung 8:1, 2).

      Eine Zeit des inständigen Gebets

      2. Was geschieht während der symbolischen halben Stunde des Schweigens im Himmel?

      2 Dieses Schweigen ist von Bedeutung. Eine halbe Stunde kann einem sehr lang vorkommen, wenn man darauf wartet, daß etwas geschieht. Jetzt ist nicht einmal mehr der himmlische Chor zu hören, der ständig Loblieder sang (Offenbarung 4:8). Warum? Das, was Johannes in der Vision sieht, läßt den Grund erkennen: „Und ein anderer Engel, der ein goldenes Räuchergefäß hatte, kam herzu und stellte sich an den Altar; und sehr viel Räucherwerk wurde ihm gegeben, damit er es mit den Gebeten aller Heiligen auf dem goldenen Altar darbringe, der vor dem Thron war. Und der Rauch des Räucherwerks stieg aus der Hand des Engels mit den Gebeten der Heiligen vor Gott empor“ (Offenbarung 8:3, 4).

      3. (a) Woran erinnert uns das Verbrennen von Räucherwerk? (b) Zu welchem Zweck entsteht im Himmel für eine halbe Stunde ein Schweigen?

      3 Das erinnert uns daran, daß unter dem jüdischen System der Dinge in der Stiftshütte — und später im Tempel in Jerusalem — täglich Räucherwerk verbrannt wurde (2. Mose 30:1-8). Während das Räucherwerk verbrannte, warteten die nichtpriesterlichen Israeliten außerhalb des heiligen Bezirks, und sie beteten — zweifellos still in ihrem Herzen — zu demjenigen, zu dem der Rauch aufstieg (Lukas 1:10). Johannes sieht nun, daß im Himmel etwas Ähnliches geschieht. Das von dem Engel dargebrachte Räucherwerk wird mit „den Gebeten der Heiligen“ in Verbindung gebracht. Tatsächlich wird in einer früheren Vision gesagt, daß das Räucherwerk diese Gebete darstellt (Offenbarung 5:8; Psalm 141:1, 2). Das symbolische Schweigen im Himmel soll es also offensichtlich ermöglichen, daß die Gebete der Heiligen, die sich auf der Erde befinden, gehört werden.

      4, 5. Welche historischen Entwicklungen helfen uns, festzustellen, welcher Zeit die symbolische halbe Stunde des Schweigens entspricht?

      4 Läßt sich feststellen, wann dies geschah? Ja, und zwar wenn wir den Kontext zusammen mit der historischen Entwicklung am Anfang des Tages des Herrn untersuchen (Offenbarung 1:10). In den Jahren 1918 und 1919 stimmten die Ereignisse auf der Erde in erstaunlicher Weise mit dem überein, was in Offenbarung 8:1-4 beschrieben wird. Vor 1914 hatten die Bibelforscher — so wurden Jehovas Zeugen damals genannt — 40 Jahre lang mutig verkündigt, daß in jenem Jahr die Zeiten der Heiden enden würden. Die schrecklichen Ereignisse des Jahres 1914 bewiesen, daß sie recht hatten (Lukas 21:24, Einheitsübersetzung; Matthäus 24:3, 7, 8). Viele der Bibelforscher glaubten aber auch, daß sie 1914 von der Erde weggenommen und ihr himmlisches Erbe antreten würden. Das geschah jedoch nicht. Statt dessen mußten sie im Ersten Weltkrieg eine Zeit heftiger Verfolgung durchmachen. Am 31. Oktober 1916 starb der erste Präsident der Watch Tower Society, Charles T. Russell. Am 4. Juli 1918 wurden der neue Präsident, Joseph F. Rutherford, und sieben weitere Vertreter der Gesellschaft in die Strafanstalt von Atlanta (Georgia, USA) gebracht, weil sie ungerechterweise zu vielen Jahren Gefängnis verurteilt worden waren.

      5 Die aufrichtigen Christen der Johannes-Klasse waren verwirrt. Was verlangte Gott von ihnen als nächstes? Wann würden sie in den Himmel genommen werden? Im Wacht-Turm (engl.) vom 1. Mai 1919 erschien ein Artikel mit dem Titel „Die Ernte ist beendet — was wird folgen?“ Dieser Artikel spiegelte Ungewißheit wider, und die Treuen wurden darin ermuntert, weiterhin auszuharren. Dann hieß es: „Wir glauben, daß nun mit Gewißheit gesagt werden kann, daß die Ernte der Königreichsklasse abgeschlossen ist, daß alle Glieder ordnungsgemäß versiegelt sind und daß die Tür geschlossen ist.“ In dieser schwierigen Zeitperiode stiegen die Gebete der Johannes-Klasse gleichsam wie im Rauch von sehr viel Räucherwerk auf. Und ihre Gebete wurden erhört.

      Feuer wird zur Erde geschleudert

      6. Was geschieht nach dem Schweigen im Himmel, und zwar als Antwort worauf?

      6 Johannes berichtet: „Doch sogleich nahm der Engel das Räuchergefäß, und er füllte es mit etwas vom Feuer des Altars und schleuderte es zur Erde. Und es entstanden Donner und Stimmen und Blitze und ein Erdbeben“ (Offenbarung 8:5). Nach dem Schweigen kommt es plötzlich zu lebhafter Tätigkeit. Offenbar ist dies die Antwort auf die Gebete der Heiligen, denn die Tätigkeit wird durch das Feuer ausgelöst, das vom Räucheraltar genommen wurde. Im Jahre 1513 v. u. Z. zeigten am Berg Sinai ein Donnern und Blitzen, ein lautes Getöse, Feuer und die Erschütterung des Berges an, daß Jehova dem Volk seine Aufmerksamkeit zugewandt hatte (2. Mose 19:16-20). Die Kundgebungen, von denen Johannes berichtet, sind ähnlich und deuten ebenfalls darauf hin, daß Jehova seinen irdischen Dienern Aufmerksamkeit schenkt. Doch was Johannes beobachtet, ist in Zeichen dargelegt worden (Offenbarung 1:1). Was symbolisieren also das Feuer, das Donnern, die Stimmen, die Blitze und das Erdbeben?

      7. (a) Welches Feuer zündete Jesus während seines Dienstes auf der Erde an? (b) Wie brachten Jesu geistige Brüder in der Christenheit ein Feuer zum Brennen?

      7 Jesus sagte bei einer Gelegenheit zu seinen Jüngern: „Ich bin gekommen, um ein Feuer auf der Erde anzufachen“ (Lukas 12:49). Ja, er zündete tatsächlich ein Feuer an. Durch seine eifrige Predigttätigkeit machte er unter dem jüdischen Volk Gottes Königreich zur wichtigsten Streitfrage, und dadurch gab es in der ganzen Nation eine heftige Kontroverse (Matthäus 4:17, 25; 10:5-7, 17, 18). Im Jahre 1919 brachten Jesu geistige Brüder, die kleine Gruppe gesalbter Christen, die sich noch auf der Erde befanden und die prüfungsreichen Tage des Ersten Weltkriegs überlebt hatten, innerhalb der Christenheit ein ähnliches Feuer zum Brennen. Im September jenes Jahres wirkte Jehovas Geist auf bemerkenswerte Weise, als sich seine treuen Zeugen von nah und fern in Cedar Point (Ohio, USA) versammelten. Joseph F. Rutherford, der kurz zuvor aus dem Gefängnis entlassen worden war und der bald erleben sollte, daß alle Anklagen gegen ihn zurückgezogen werden, richtete sich mit mutigen Worten an seine Zuhörer und sagte: „Dem Befehle unseres Meisters gehorsam und unser Vorrecht und unsere Pflicht erkennend, gegen die Bollwerke des Irrtums zu kämpfen, welche so lange das Volk in Knechtschaft gehalten haben, war es und ist es unser Beruf, das Kommen des herrlichen Königreiches des Messias zu verkünden.“ Ja, in der wichtigsten Streitfrage geht es um das Königreich Gottes.

      8, 9. (a) Wie beschrieb J. F. Rutherford die Einstellung und den Wunsch des Volkes Gottes in den schweren Kriegsjahren? (b) Inwiefern wurde Feuer zur Erde geschleudert? (c) Wie entstanden Donner, Stimmen, Blitze und ein Erdbeben?

      8 Bezug nehmend auf die schrecklichen Erlebnisse, die Gottes Volk kurz zuvor hatte, sagte der Redner: „So unbarmherzig war der Ansturm des Feindes, daß viele von des Herrn lieber Herde betäubt waren und in Verwunderung still standen, wartend und betend, daß der Herr seinen Willen zeigen möge ... Doch trotz der momentanen Entmutigung hatten die treuen Nachfolger des Herrn den brennenden Wunsch, die Königreichsbotschaft zu verkündigen.“ (Siehe Wacht-Turm, Januar 1920, S. 8; Jehovas Zeugen in Gottes Vorhaben, S. 89.)

      9 Im Jahre 1919 wurde dieser Wunsch erfüllt. Die kleine, doch aktive Gruppe von Christen wurde bildlich gesprochen angezündet, damit sie mit einem weltweiten Predigtfeldzug begann. (Vergleiche 1. Thessalonicher 5:19.) Es wurde insofern Feuer zur Erde geschleudert, als Gottes Königreich zu einer brennenden Streitfrage gemacht wurde, und so ist es auch heute noch. Laute Stimmen brachen das Schweigen, indem die Königreichsbotschaft klar und deutlich verkündigt wurde. Donnernde Sturmwarnungen aus der Bibel ertönten. Wie Blitze gingen von Jehovas prophetischem Wort helle Lichtstrahlen der Wahrheit aus, und der religiöse Bereich wurde wie durch ein großes Erdbeben bis auf seine Grundfesten erschüttert. Die Johannes-Klasse sah, daß es Arbeit zu tun gab. Und dieses Werk hat sich bis heute auf der ganzen bewohnten Erde auf wunderbare Weise immer weiter ausgedehnt (Römer 10:18).

      Zum Blasen der Trompeten bereit

      10. Die sieben Engel machen sich bereit, was zu tun, und warum?

      10 Johannes fährt mit den Worten fort: „Und die sieben Engel mit den sieben Trompeten machten sich zum Blasen bereit“ (Offenbarung 8:6). Was bedeutet das Blasen dieser Trompeten? In alter Zeit wurden in Israel wichtige Tage oder bedeutende Ereignisse durch Trompetenstöße signalisiert (3. Mose 23:24; 2. Könige 11:14). Die Trompetenstöße, die Johannes bald hören wird, werden in ähnlicher Weise die Aufmerksamkeit auf wichtige Angelegenheiten lenken, auf Angelegenheiten, bei denen es um Leben und Tod geht.

      11. In welchem Vorbereitungswerk war die Johannes-Klasse von 1919 bis 1922 auf der Erde eifrig tätig?

      11 Als die Engel sich bereit machten, die Trompeten zu blasen, leiteten sie zweifellos auch ein Vorbereitungswerk auf der Erde. Von 1919 bis 1922 war die wiederbelebte Johannes-Klasse eifrig damit beschäftigt, den öffentlichen Predigtdienst zu organisieren und Einrichtungen zum Veröffentlichen von Literatur zu schaffen. Im Jahre 1919 wurde die Zeitschrift Das Goldene Zeitalter, heute als Erwachet! bekannt, als „eine Zeitschrift, gegründet auf Tatsache, Hoffnung und Überzeugung“, in englisch (deutsch: 1922) herausgegeben — ein trompetenähnliches Instrument, das eine wichtige Rolle in der Bloßstellung der Einmischung der falschen Religion in die Politik spielen würde.

      12. Was wird durch jeden Trompetenstoß angekündigt, und an welche Ereignisse in den Tagen Mose werden wir erinnert?

      12 Wie wir nun sehen werden, kündigt jeder Trompetenstoß eine dramatische Szene an, in der Teile der Erde von schrecklichen Plagen heimgesucht werden. Einige dieser Plagen erinnern uns an die Plagen, durch die Jehova die Ägypter in den Tagen Mose bestraft hatte (2. Mose 7:19 bis 12:32). Sie waren ein Ausdruck des Gerichts Jehovas, das er an dieser Nation vollzog und durch das er für sein Volk den Weg öffnete, von der Sklaverei freizukommen. Die Plagen, die Johannes sieht, bewirken etwas Ähnliches. Sie sind jedoch keine buchstäblichen Plagen, sondern Zeichen, die Jehovas gerechte Urteilssprüche symbolisieren (Offenbarung 1:1).

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