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Zeiten und Zeitabschnitte in der Hand JehovasDer Wachtturm 1998 | 15. September
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Zeiten und Zeitabschnitte in der Hand Jehovas
„Es ist nicht eure Sache, über die Zeiten oder Zeitabschnitte Kenntnis zu erlangen, die der Vater in seine eigene Rechtsgewalt gesetzt hat“ (APOSTELGESCHICHTE 1:7).
1. Wie beantwortete Jesus die zeitbezogenen Fragen seiner Apostel?
IST es nicht ganz normal, daß sich diejenigen, „die seufzen und stöhnen über all die Abscheulichkeiten“, die in der Christenheit, ja überall auf der Erde getan werden, fragen, wann das gegenwärtige böse System enden und durch Gottes gerechte neue Welt ersetzt werden wird? (Hesekiel 9:4; 2. Petrus 3:13). Die Apostel stellten Jesus sowohl kurz vor seinem Tod als auch nach seiner Auferstehung Fragen mit zeitlichem Bezug (Matthäus 24:3; Apostelgeschichte 1:6). Jesu Antworten boten ihnen jedoch keine Möglichkeit, Daten zu errechnen. In dem einen Fall nannte er ihnen ein kombiniertes Zeichen und in dem anderen erklärte er, ‘es sei nicht ihre Sache, über die Zeiten oder Zeitabschnitte Kenntnis zu erlangen, die der Vater in seine eigene Rechtsgewalt gesetzt hat’ (Apostelgeschichte 1:7).
2. Warum kann gesagt werden, daß Jesus den von seinem Vater festgelegten zeitlichen Ablauf von Vorgängen während der Zeit des Endes nicht immer kannte?
2 Selbst Jesus, dem einziggezeugten Sohn Jehovas, war der Zeitplan seines Vaters für den Ablauf von Ereignissen nicht immer bekannt. In seiner Prophezeiung über die letzten Tage räumte Jesus demütig ein: „Von jenem Tag und jener Stunde hat niemand Kenntnis, weder die Engel der Himmel noch der Sohn, sondern nur der Vater“ (Matthäus 24:36). Jesus war bereit, geduldig zu warten, bis ihm sein Vater den genauen Zeitpunkt offenbaren würde, wann das gegenwärtige böse System der Dinge vernichtet werden soll.a
3. Was können wir aus Jesu Antworten zu Fragen, die den Vorsatz Gottes betrafen, ableiten?
3 Zweierlei läßt sich aus der Art und Weise ableiten, wie Jesus die Fragen beantwortete, wann Dinge geschehen würden, durch die sich Gottes Vorsatz erfüllt. Erstens hat Jehova einen Zeitplan; und zweitens legt er allein diesen fest, und seine Diener dürfen nicht erwarten, im voraus genaue Informationen über die von ihm festgelegten Zeiten oder Zeitabschnitte zu erhalten.
Die von Jehova festgelegten Zeiten und Zeitabschnitte
4. Welche Bedeutung haben die griechischen Wörter, die in Apostelgeschichte 1:7 mit „Zeiten“ und „Zeitabschnitte“ übersetzt wurden?
4 Was ist mit den „Zeiten“ und „Zeitabschnitten“ gemeint? Jesu Aussage gemäß Apostelgeschichte 1:7 enthält zwei Aspekte hinsichtlich der Zeit. Das griechische Wort, das mit „Zeiten“ wiedergegeben wird, bedeutet „Zeit im Sinn von Dauer“, das heißt ein Zeitraum (lang oder kurz). „Zeitabschnitte“ ist die Übersetzung eines Wortes, das sich auf eine festgesetzte oder bestimmte Zeit bezieht, auf eine bestimmte Jahreszeit oder einen Zeitabschnitt, gekennzeichnet durch bestimmte Merkmale. Mit Bezug auf diese zwei Wörter im Urtext erklärt W. E. Vine: „ ,In seine eigene Gewalt gesetzt hat der Vater‘ gemäß Apostelgeschichte 1:7 sowohl die Zeiten (chronos), die Länge der Zeiträume, als auch die Zeitabschnitte (kairos), Epochen, die durch bestimmte Ereignisse charakterisiert werden.“
5. Wann informierte Jehova Noah über seinen Vorsatz, die verdorbene Welt zu vernichten, und welchen zweifachen Auftrag führte Noah aus?
5 Vor der Flut setzte Gott der verdorbenen Welt, für deren Zustand Menschen und rebellische materialisierte Engel verantwortlich waren, eine Frist von 120 Jahren (1. Mose 6:1-3). Der gottesfürchtige Noah war zu jener Zeit 480 Jahre alt (1. Mose 7:6). Er war noch kinderlos und blieb es weitere 20 Jahre (1. Mose 5:32). Viel später, erst nachdem Noahs Söhne erwachsen und verheiratet waren, informierte Gott Noah über seinen Vorsatz, die Erde von der Bosheit zu reinigen (1. Mose 6:9-13, 18). Und obwohl Noah mit dem zweifachen Auftrag betraut wurde, die Arche zu bauen und seinen Zeitgenossen zu predigen, offenbarte Jehova ihm damals nicht seinen Zeitplan (1. Mose 6:14; 2. Petrus 2:5).
6. (a) Wie zeigte Noah, daß er die zeitlichen Belange Jehova überließ? (b) Wie können wir Noahs Beispiel nachahmen?
6 Jahrzehntelang — vielleicht ein halbes Jahrhundert — war Noah darauf bedacht, „gemäß allem zu tun, was Gott ihm geboten hatte“. Noah tat dies „durch Glauben“, ohne ein genaues Datum zu wissen (1. Mose 6:22; Hebräer 11:7). Erst eine Woche bevor die Sintflut beginnen sollte, unterrichtete Jehova ihn über den genauen zeitlichen Ablauf (1. Mose 7:1-5). Noahs unerschütterliches Vertrauen auf Jehova und sein Glaube an ihn befähigten ihn, die zeitlichen Belange Jehova zu überlassen. Und wie dankbar Noah gewesen sein muß, als er während der Flut Jehovas Schutz verspürte und später aus der Arche auf eine gereinigte Erde hinaustrat! Sollten nicht auch wir solch einen Glauben an Gott ausüben angesichts unserer vergleichbaren Hoffnung auf Befreiung?
7, 8. (a) Wie kamen Nationen und Weltmächte ins Dasein? (b) Inwiefern hat Jehova „die bestimmten Zeiten und die festgesetzten Wohngrenzen der Menschen [verordnet]“?
7 Nach der Flut wandten sich die meisten der Nachkommen Noahs von der wahren Anbetung Jehovas ab. In der Absicht, an einem Ort zusammenzubleiben, begannen sie eine Stadt und einen Turm zu bauen, der der falschen Anbetung diente. Jehova entschied, daß es an der Zeit war einzugreifen. Er verwirrte ihre Sprache und ‘zerstreute sie von Babel über die ganze Erdoberfläche’ (1. Mose 11:4, 8, 9). Später entwickelten sich die Sprachgemeinschaften zu Nationen, von denen einige andere Nationen ihrem Reich einverleibten und zu regionalen Mächten oder sogar zu Weltmächten wurden (1. Mose 10:32).
8 Gott legte im Einklang mit der Verwirklichung seines Vorsatzes gelegentlich nationale Grenzen fest oder bestimmte, zu welchem Zeitpunkt eine Nation regional oder als Weltmacht die Vorherrschaft übernehmen sollte (1. Mose 15:13, 14, 18-21; 2. Mose 23:31; 5. Mose 2:17-22; Daniel 8:5-7, 20, 21). Der Apostel Paulus bezog sich auf diesen Aspekt der von Jehova festgelegten Zeiten und Zeitabschnitte, als er zu griechischen Intellektuellen in Athen sagte: „Der Gott, der die Welt und alles, was darin ist, gemacht hat, ... hat aus e i n e m Menschen jede Nation der Menschen gemacht, damit sie auf der ganzen Erdoberfläche wohnen, und er verordnete die bestimmten Zeiten und die festgesetzten Wohngrenzen der Menschen“ (Apostelgeschichte 17:24, 26).
9. Wie hat Jehova Könige betreffend ‘Zeiten und Zeitabschnitte geändert’?
9 Das bedeutet nicht, daß Jehova für jeden politischen Sieg oder Umschwung unter den Nationen verantwortlich ist. Doch er behält sich vor einzugreifen, um seinen Vorsatz auszuführen. Der Prophet Daniel, der Zeuge des Endes der babylonischen Weltmacht werden sollte, an deren Stelle dann Medo-Persien trat, sagte daher von Jehova: „Er ändert Zeiten und Zeitabschnitte, indem er Könige absetzt und Könige einsetzt, den Weisen Weisheit gibt und Erkenntnis denen, die Unterscheidungsvermögen kennen“ (Daniel 2:21; Jesaja 44:24 bis 45:7).
‘Die Zeit nahte’
10, 11. (a) Wie lange im voraus legte Jehova den Zeitpunkt fest, wann er Abrahams Nachkommen aus der Sklaverei befreien würde? (b) Was weist darauf hin, daß die Israeliten nicht genau wußten, wann sie befreit werden sollten?
10 Mehr als 400 Jahre im voraus legte Jehova das genaue Jahr fest, in dem er den König der ägyptischen Weltmacht erniedrigen und Abrahams Nachkommen aus der Sklaverei befreien würde. Als Gott gegenüber Abraham seinen Vorsatz offenbarte, verhieß er ihm: „Wisse bestimmt, daß deine Nachkommen ansässige Fremdlinge werden in einem Land, das nicht das ihre ist, und sie werden ihnen dienen müssen, und diese werden sie bestimmt vierhundert Jahre lang niederdrücken. Die Nation aber, der sie dienen werden, richte ich, und danach werden sie mit viel Habe ausziehen“ (1. Mose 15:13, 14). Stephanus bezog sich in seinem Abriß der Geschichte Israels vor dem Sanhedrin auf diese Zeit von 400 Jahren und erklärte: „Als nun die Zeit der Erfüllung der Verheißung nahte, die Gott dem Abraham offen verkündet hatte, wuchs das Volk und mehrte sich in Ägypten, bis ein anderer König über Ägypten aufstand, der Joseph nicht kannte“ (Apostelgeschichte 7:6, 17, 18).
11 Dieser neue Pharao machte die Israeliten zu Sklaven. Moses hatte das Bibelbuch 1. Mose noch nicht geschrieben, wenngleich aller Wahrscheinlichkeit nach die Verheißungen Jehovas gegenüber Abraham entweder in mündlicher oder in schriftlicher Form überliefert worden waren. Doch offensichtlich gestatteten die Informationen, über die die Israeliten verfügten, ihnen nicht, den genauen Zeitpunkt ihrer Befreiung von der Unterdrückung zu berechnen. Gott wußte, wann er sie befreien wollte, aber die leidenden Israeliten waren offenbar nicht darüber informiert. Wir lesen: „Es geschah während jener vielen Tage, daß schließlich der König von Ägypten starb, aber die Söhne Israels fuhren fort, wegen der Sklaverei zu seufzen und ein Klagegeschrei zu erheben, und ihr Hilferuf wegen der Sklaverei stieg fortwährend zu dem wahren Gott empor. Zu seiner Zeit hörte Gott ihr Stöhnen, und Gott gedachte seines Bundes mit Abraham, Isaak und Jakob. Somit sah Gott die Söhne Israels an, und Gott nahm Kenntnis davon“ (2. Mose 2:23-25).
12. Wie zeigte Stephanus, daß Moses Jehova vorgreifen wollte?
12 Daß den Israeliten der genaue Zeitpunkt für ihre Befreiung unbekannt war, läßt sich auch aus dem Abriß des Stephanus ableiten. Mit Bezug auf Moses sagte er: „Als nun die Zeit seines vierzigsten Jahres voll wurde, stieg in seinem Herzen der Gedanke auf, bei seinen Brüdern, den Söhnen Israels, eine Besichtigung vorzunehmen. Und als er einen erblickte, der ungerecht behandelt wurde, verteidigte er ihn und rächte den Mißhandelten, indem er den Ägypter niederschlug. Er meinte, seine Brüder würden begreifen, daß Gott ihnen durch seine Hand Rettung verschaffe, aber sie begriffen es nicht“ (Apostelgeschichte 7:23-25). Moses war hier dem Zeitplan Gottes um 40 Jahre voraus. Wie Stephanus ausführte, mußte Moses weitere 40 Jahre warten, bevor Gott ‘den Israeliten durch seine Hand Rettung verschaffte’ (Apostelgeschichte 7:30-36).
13. Inwiefern gleicht unsere Situation der der Israeliten vor ihrer Befreiung aus Ägypten?
13 Obwohl „die Zeit der Erfüllung der Verheißung nahte“ und das genaue Jahr von Gott festgelegt worden war, mußten Moses und ganz Israel Glauben ausüben und die von Jehova vorgesehene Zeit abwarten, offenbar ohne sie im voraus berechnen zu können. Auch wir sind überzeugt, daß unsere Befreiung aus dem gegenwärtigen bösen System der Dinge naht. Wir wissen, daß wir „in den letzten Tagen“ leben (2. Timotheus 3:1-5). Sollten wir also nicht bereit sein, unseren Glauben zu beweisen, und die von Jehova bestimmte Zeit für seinen großen Tag erwarten? (2. Petrus 3:11-13). In diesem Fall werden wir eines Tages wie Moses und die Israeliten zum Lobpreis Jehovas ein wunderbares Lied der Befreiung singen (2. Mose 15:1-19).
‘Als die Zeit gekommen war’
14, 15. Woher wissen wir, daß Gott die Zeit festgelegt hatte, wann sein Sohn auf die Erde kommen sollte, und wonach hielten Propheten und sogar Engel Ausschau?
14 Jehova hatte die Zeit festgelegt, wann sein einziggezeugter Sohn als Messias auf die Erde kommen sollte. Paulus schrieb: „Als ... die Grenze der Fülle der Zeit gekommen war, sandte Gott seinen Sohn, der aus einer Frau geboren wurde und unter Gesetz zu stehen kam“ (Galater 4:4). Das geschah in Erfüllung der Verheißung Gottes, einen Samen zu senden — jenen ‘Schilo, dem der Gehorsam der Völker gehören würde’ (1. Mose 3:15; 49:10).
15 Gottes Propheten — sogar Engel — hielten Ausschau nach dem „Zeitabschnitt“, wann der Messias auf der Erde erscheinen und sündigen Menschen die Rettung ermöglichen würde. „Gerade was diese Rettung betrifft“, sagte Petrus, „wurde von den Propheten, die von der euch zugedachten unverdienten Güte prophezeiten, fleißig Nachfrage gehalten und sorgfältig nachgeforscht. Sie untersuchten beständig, welchen besonderen Zeitabschnitt oder welche Art eines Zeitabschnitts der Geist in ihnen in bezug auf Christus anzeigte, als er im voraus über die für Christus bestimmten Leiden und über die nach diesen folgenden Herrlichkeiten Zeugnis gab. ... Gerade in diese Dinge begehren Engel hineinzuschauen“ (1. Petrus 1:1-5, 10-12).
16, 17. (a) Durch welche Prophezeiung half Jehova den Juden des ersten Jahrhunderts, in bezug auf den Messias in Erwartung zu sein? (b) Welchen Einfluß hatte Daniels Prophezeiung auf die Messiaserwartungen der Juden?
16 Durch seinen Propheten Daniel — einen Mann mit unerschütterlichem Glauben — hatte Jehova eine Prophezeiung übermitteln lassen, in der es um „siebzig Wochen“ ging. Auf Grund dieser Prophezeiung hätten die Juden des ersten Jahrhunderts wissen können, daß das Erscheinen des verheißenen Messias nahte. In der Prophezeiung wurde unter anderem erklärt, daß „es vom Ausgehen des Wortes, Jerusalem wiederherzustellen und wieder zu bauen, bis zu dem Messias, dem Führer, sieben Wochen, ferner zweiundsechzig Wochen sein werden“ (Daniel 9:24, 25). Jüdische, katholische und protestantische Gelehrte sind sich im allgemeinen darin einig, daß die hier erwähnten „Wochen“ Jahrwochen bedeuten. Die 69 „Wochen“ (483 Jahre) gemäß Daniel 9:25 begannen 455 v. u. Z., als der persische König Artaxerxes Nehemia gestattete, „Jerusalem wiederherzustellen und wieder zu bauen“ (Nehemia 2:1-8). Sie endeten 483 Jahre später — 29 u. Z., als Jesus getauft und mit heiligem Geist gesalbt wurde, wodurch er der Messias oder Christus wurde (Matthäus 3:13-17).
17 Ob die Juden des ersten Jahrhunderts genau wußten, wann die 483 Jahre begannen, ist fraglich. Aber in Verbindung mit dem Beginn des Dienstes von Johannes dem Täufer heißt es, daß „das Volk in Erwartung war und alle wegen Johannes in ihrem Herzen überlegten: ‚Ist er vielleicht der Christus?‘ “ (Lukas 3:15). Einige Bibelgelehrte verbinden diese Erwartung mit der Prophezeiung Daniels. Matthew Henry schrieb in seinem Kommentar zu diesem Vers: „Wir erfahren hier ..., daß das Volk die Gelegenheit ergriff, aus dem Dienst und der Taufe des Johannes auf den Messias zu schließen und zu denken, sein Erscheinen stehe vor der Tür. ... Daniels siebzig Wochen liefen jetzt ab.“ In dem französischen Werk Manuel Biblique von Vigouroux, Bacuez und Brassac wird erklärt: „Die Menschen wußten, daß sich die von Daniel angegebenen siebzig Jahrwochen dem Ende näherten; niemand war überrascht von der Ankündigung Johannes’ des Täufers, daß das Königreich Gottes sich genaht habe.“ Wie der jüdische Gelehrte Abba Hillel Silver schrieb, wurde auf Grund „der populären Chronologie“ jener Tage „der Messias ... im zweiten Viertel des ersten Jahrhunderts u. Z. erwartet“.
Vorgänge — keine Zeitberechnung
18. Was war der überzeugendste Beweis für Jesu Messianität, auch wenn Daniels Prophezeiung den Juden half, die Zeit zu erkennen, wann der Messias zu erwarten wäre?
18 Obwohl Zeitangaben dem jüdischen Volk offenbar halfen, eine ungefähre Vorstellung zu haben, wann der Messias erscheinen sollte, zeigen die späteren Ereignisse, daß solche Angaben die meisten von ihnen nicht von Jesu Messianität überzeugen konnten. Weniger als ein Jahr vor seinem Tod fragte Jesus seine Jünger: „Was sagen die Volksmengen, wer ich sei?“ Sie antworteten: „Johannes der Täufer; andere aber: Elia, und wieder andere, daß einer von den ehemaligen Propheten auferstanden sei“ (Lukas 9:18, 19). Uns ist kein Bericht überliefert, gemäß dem Jesus jemals die Prophezeiung über die symbolischen Wochen zitiert hätte, um zu beweisen, daß er der Messias war. Bei einer Gelegenheit sagte er allerdings: „Ich ... habe das Zeugnis, das größer ist als das des Johannes, denn gerade die Werke, die mein Vater mir zu vollbringen aufgetragen hat, die Werke selbst, die ich tue, legen Zeugnis über mich ab, daß der Vater mich gesandt hat“ (Johannes 5:36). Nicht irgendwelche offenbarte Zeitangaben, sondern Jesu Predigttätigkeit, seine Wunder und die Geschehnisse in Verbindung mit seinem Tod (die übernatürliche Dunkelheit, das Zerreißen des Tempelvorhangs und das Erdbeben) bezeugten, daß er der von Gott gesandte Messias war (Matthäus 27:45, 51, 54; Johannes 7:31; Apostelgeschichte 2:22).
19. (a) Woran sollten die Christen erkennen, daß Jerusalems Zerstörung nahe war? (b) Warum benötigten die ersten Christen, die aus Jerusalem geflohen waren, weiterhin viel Glauben?
19 In ähnlicher Weise wurde den ersten Christen nach Jesu Tod keine Möglichkeit geboten, das bevorstehende Ende des jüdischen Systems der Dinge zu berechnen. Es stimmt zwar, daß in Daniels Prophezeiung über die symbolischen Wochen die Vernichtung des Systems erwähnt wird (Daniel 9:26b, 27b). Aber dies sollte erst nach dem Ende der „siebzig Wochen“ (455 v. u. Z. bis 36 u. Z.) erfolgen. Die Christen hatten also, nachdem 36 u. Z. die ersten Nichtjuden Nachfolger Jesu geworden waren, keine weiteren chronologischen Angaben, die über das hinausgegangen wären, was in Daniel, Kapitel 9 gesagt wurde. Vorgänge, nicht Zeitangaben, sollten ihnen anzeigen, daß das jüdische System binnen kurzem enden würde. Diese Vorgänge, die Jesus vorausgesagt hatte, gingen ab 66 u. Z. dem Höhepunkt entgegen, als römische Legionen Jerusalem angriffen, sich jedoch wieder zurückzogen. Treuen, aufmerksamen Christen in Jerusalem und Judäa bot sich dadurch die Gelegenheit, „in die Berge zu fliehen“ (Lukas 21:20-22). Da die ersten Christen keine chronologische Orientierung hatten, wußten sie nicht, wann die Zerstörung Jerusalems erfolgen würde. Welch einen Glauben es von ihnen erforderte, ihre Häuser, Höfe oder Werkstätten zurückzulassen und sich etwa vier Jahre von Jerusalem fernzuhalten, bis das römische Heer 70 u. Z. zurückkehrte und das jüdische System vernichtete! (Lukas 19:41-44).
20. (a) Wie können wir aus dem Beispiel, das Noah, Moses und die Christen des ersten Jahrhunderts in Judäa gaben, Nutzen ziehen? (b) Was werden wir im nächsten Artikel besprechen?
20 Wie Noah, Moses und die Christen des ersten Jahrhunderts in Judäa können wir heute vertrauensvoll die Zeiten und Zeitabschnitte Jehova überlassen. Unsere Überzeugung, daß wir in der Zeit des Endes leben und daß unsere Befreiung naht, beruht nicht lediglich auf chronologischen Berechnungen, sondern auf tatsächlichen Vorgängen, die anzeigen, daß sich biblische Prophezeiungen erfüllen. Außerdem leben wir zwar während Christi Gegenwart, aber das enthebt uns nicht der Notwendigkeit, Glauben auszuüben und beharrlich zu wachen. Wir müssen weiterhin in sehnsüchtiger Erwartung der begeisternden Vorgänge leben, die in der Bibel vorausgesagt wurden. Mit diesem Thema wird sich der folgende Artikel beschäftigen.
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In ‘sehnsüchtiger Erwartung’ bleibenDer Wachtturm 1998 | 15. September
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In ‘sehnsüchtiger Erwartung’ bleiben
„Die sehnsüchtige Erwartung der Schöpfung harrt auf die Offenbarung der Söhne Gottes“ (RÖMER 8:19).
1. Welche Ähnlichkeit besteht zwischen der Situation der heutigen Christen und der der Christen des ersten Jahrhunderts?
WAHRE Christen befinden sich heute in einer ähnlichen Situation wie die Christen des ersten Jahrhunderts. Eine Prophezeiung half Jehovas Dienern der damaligen Zeit zu erkennen, wann der Messias erscheinen sollte (Daniel 9:24-26). Dieselbe Prophezeiung sagte die Zerstörung Jerusalems voraus, enthielt aber keinen Anhaltspunkt, aus dem die Christen im voraus hätten schließen können, wann die Stadt zerstört werden sollte (Daniel 9:26b, 27). Eine Prophezeiung veranlaßte durch göttliche Vorsehung auch im 19. Jahrhundert aufrichtige Erforscher der Bibel, in Erwartung zu sein. Sie stellten eine Verbindung her zwischen den „sieben Zeiten“ aus Daniel 4:25 und den „Zeiten der Heiden“, und sie erwarteten, daß Christus im Jahr 1914 Königreichsmacht empfangen werde (Lukas 21:24, Lutherbibel; Hesekiel 21:25-27). Das Buch Daniel enthält zwar viele Prophezeiungen, aber keine einzige befähigt heutige Erforscher der Bibel, genau zu berechnen, wann Satans gesamtes System der Dinge vernichtet wird (Daniel 2:31-44; 8:23-25; 11:36, 44, 45). Dies wird allerdings bald geschehen, denn wir leben in der „Zeit des Endes“ (Daniel 12:4).a
Wachsamkeit während Christi Gegenwart
2, 3. (a) Was ist der hauptsächliche Beweis dafür, daß wir während Christi Gegenwart in königlicher Macht leben? (b) Was zeigt, daß Christen während der Gegenwart Jesu Christi beständig wachen müssen?
2 Es stimmt zwar, daß Christen durch eine Prophezeiung in eine Erwartungshaltung versetzt wurden, bevor Christus im Jahr 1914 Königreichsmacht erhielt. Aber das „Zeichen“, das Christus in bezug auf seine Gegenwart und den Abschluß des Systems der Dinge nannte, stellte Vorgänge heraus. Und die meisten davon sollten zu sehen sein, nachdem seine Gegenwart begonnen hatte. Solche Vorgänge — Kriege, Nahrungsmittelknappheit, Erdbeben, Seuchen, zunehmende Gesetzlosigkeit, Verfolgung von Christen und das weltweite Predigen der guten Botschaft vom Königreich — dienen als hauptsächlicher Beweis dafür, daß wir jetzt während Christi Gegenwart in königlicher Macht leben (Matthäus 24:3-14; Lukas 21:10, 11).
3 Doch der gesamte Tenor der mahnenden Abschiedsworte Jesu an seine Jünger war: „Haltet ständig Ausschau, bleibt wach ... Wacht beständig“ (Markus 13:33, 37; Lukas 21:36). Liest man diese Ermahnungen zur Wachsamkeit aufmerksam im Zusammenhang, so zeigt sich, daß Christus nicht in erster Linie davon sprach, auf das Zeichen für den Beginn seiner Gegenwart zu achten. Statt dessen forderte er seine wahren Nachfolger auf, während seiner Gegenwart wachsam zu sein. Aus welchem Grund sollten wahre Christen wachsam bleiben?
4. Welchem Zweck sollte das Zeichen dienen, das Jesus nannte?
4 Jesus äußerte seine große Prophezeiung als Antwort auf die Frage: „Wann werden diese Dinge [Vorgänge, die zur Vernichtung des jüdischen Systems der Dinge führen würden] geschehen, und was wird das Zeichen deiner Gegenwart und des Abschlusses des Systems der Dinge sein?“ (Matthäus 24:3). Das vorausgesagte Zeichen sollte nicht nur dazu dienen, Christi Gegenwart zu erkennen, sondern auch Vorgänge, die das Ende des gegenwärtigen bösen Systems der Dinge einleiten würden.
5. Wie zeigte Jesus, daß er, während er in geistiger Hinsicht gegenwärtig wäre, außerdem „kommen“ würde?
5 Jesus zeigte, daß er während seiner „Gegenwart“ (griechisch: parousía) mit Macht und Herrlichkeit kommen wird. In bezug auf dieses „Kommen“ (eine Übersetzung von Formen des griechischen Wortes érchomai) verkündete er: „Dann wird das Zeichen des Menschensohnes im Himmel erscheinen, und dann werden sich alle Stämme der Erde wehklagend schlagen, und sie werden den Menschensohn mit Macht und großer Herrlichkeit auf den Wolken des Himmels kommen sehen. Von dem Feigenbaum als Gleichnis lernt nun folgendes: Sobald sein junger Zweig weich wird und er Blätter hervortreibt, erkennt ihr, daß der Sommer nahe ist. Ebenso erkennt auch ihr, wenn ihr alle diese Dinge seht, daß er [Christus] nahe an den Türen ist. Wacht deshalb beharrlich, weil ihr nicht wißt, an welchem Tag euer Herr kommt. ... [Erweist] euch als solche, die bereit sind, denn zu einer Stunde, da ihr es nicht denkt, kommt der Menschensohn“ (Matthäus 24:30, 32, 33, 42, 44).
Warum kommt Jesus Christus?
6. Wie wird die Vernichtung „Babylons der Großen“ herbeigeführt werden?
6 Jesus Christus ist zwar seit 1914 als König gegenwärtig, aber er muß noch Einzelpersonen und ganze Systeme richten, bevor er das Strafurteil an all denen vollstreckt, die sich als böse erweisen. (Vergleiche 2. Korinther 5:10.) Jehova wird es den politischen Machthabern bald in den Sinn geben, „Babylon die Große“, das Weltreich der falschen Religion, zu vernichten (Offenbarung 17:4, 5, 16, 17). Der Apostel Paulus erwähnte ausdrücklich, daß Jesus Christus den ‘Menschen der Gesetzlosigkeit’ vernichten wird — die abtrünnige Geistlichkeit der Christenheit, ein prominenter Teil „Babylons der Großen“. Paulus schrieb: „Dann ... wird der Gesetzlose geoffenbart werden, den der Herr Jesus beseitigen wird durch den Geist seines Mundes und zunichte machen wird durch das Offenbarwerden seiner Gegenwart“ (2. Thessalonicher 2:3, 8).
7. Welches Gericht wird der Menschensohn vollziehen, wenn er in seiner Herrlichkeit kommt?
7 In naher Zukunft wird Christus Menschen der Nationen auf der Grundlage dessen richten, wie sie seine Brüder behandelt haben, die sich noch auf der Erde befinden. Wir lesen: „Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit gekommen sein wird und alle Engel mit ihm, dann wird er sich auf seinen Thron der Herrlichkeit setzen. Und alle Nationen werden vor ihm versammelt werden, und er wird die Menschen voneinander trennen, so wie ein Hirt die Schafe von den Ziegenböcken trennt. Und er wird die Schafe zu seiner Rechten stellen, die Böcke aber zu seiner Linken. ... der König wird [zu den Schafen] ... sagen: ‚Wahrlich, ich sage euch: In dem Maße, wie ihr es einem der geringsten dieser meiner Brüder getan habt, habt ihr es mir getan.‘ ... [Und die Böcke] werden in die ewige Abschneidung weggehen, die Gerechten aber in das ewige Leben“ (Matthäus 25:31-46).
8. Wie beschrieb Paulus, daß Christus kommen würde, um an den Gottlosen das Strafurteil zu vollstrecken?
8 Wie in dem Gleichnis von den Schafen und den Böcken gezeigt wird, liegt die endgültige Urteilsvollstreckung an allen Gottlosen in Jesu Hand. Paulus gab leidenden Glaubensbrüdern die Zusicherung der „Erleichterung zusammen mit uns bei der Offenbarung des Herrn Jesus vom Himmel her mit seinen mächtigen Engeln in flammendem Feuer, wenn er an denen Rache übt, die Gott nicht kennen, und an denen, die der guten Botschaft über unseren Herrn Jesus nicht gehorchen. Gerade diese werden die richterliche Strafe ewiger Vernichtung erleiden, hinweg von dem Angesicht des Herrn und von der Herrlichkeit seiner Stärke, zu der Zeit, da er kommt, um verherrlicht zu werden in Verbindung mit seinen Heiligen“ (2. Thessalonicher 1:7-10). Sollten wir angesichts all dieser aufregenden Vorgänge, die vor uns liegen, nicht Glauben ausüben und beharrlich nach Christi Kommen Ausschau halten?
Sehnlich die Offenbarung Christi erwarten
9, 10. Warum erwarten die Gesalbten, die sich noch auf der Erde befinden, sehnlich die Offenbarung Jesu Christi?
9 Die „Offenbarung des Herrn Jesus vom Himmel her“ wird nicht nur Vernichtung über die Bösen bringen, sondern auch Lohn für die Gerechten. Die Übriggebliebenen der gesalbten Brüder Christi, die sich noch auf der Erde befinden, mögen vor Christi Offenbarung noch leiden, aber sie freuen sich in ihrer herrlichen himmlischen Hoffnung. Der Apostel Petrus schrieb an gesalbte Christen: „Freut euch weiterhin, insofern ihr Anteil an den Leiden des Christus habt, damit ihr euch auch während der Offenbarung seiner Herrlichkeit mit Frohlocken freuen könnt“ (1. Petrus 4:13).
10 Die Gesalbten sind entschlossen, treu zu bleiben, bis Christus ‘sie zu sich versammelt’, damit die „geprüfte Echtheit“ ihres Glaubens „bei der Offenbarung Jesu Christi als eine Ursache zum Lobpreis und zur Herrlichkeit und Ehre erfunden werde“ (2. Thessalonicher 2:1; 1. Petrus 1:7). Mit Bezug auf die treuen geistgezeugten Christen kann gesagt werden, daß ‘das Zeugnis über den Christus unter ihnen befestigt worden ist, so daß sie an gar keiner Gabe Mangel haben, während sie sehnlich die Offenbarung ihres Herrn Jesus Christus erwarten’ (1. Korinther 1:6, 7).
11. Was tun die gesalbten Christen, während sie die Offenbarung Jesu Christi erwarten?
11 Der gesalbte Überrest teilt die Empfindungen des Paulus, der schrieb: „Ich [halte] dafür, daß die Leiden der gegenwärtigen Zeit nichts bedeuten im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns geoffenbart werden wird“ (Römer 8:18). Der Glaube der Überrestglieder muß nicht durch zeitliche Berechnungen gestützt werden. Sie bleiben im Dienst Jehovas beschäftigt und geben ihren Gefährten, den „anderen Schafen“, dadurch ein wunderbares Beispiel (Johannes 10:16). Die Gesalbten wissen, daß das Ende des gegenwärtigen bösen Systems nahe ist, und sie beachten die Ermahnung des Petrus: „Gürtet euren Sinn zur Tätigkeit, bleibt vollständig besonnen; setzt eure Hoffnung auf die unverdiente Güte, die euch bei der Offenbarung Jesu Christi gebracht wird“ (1. Petrus 1:13).
„Die sehnsüchtige Erwartung der Schöpfung“
12, 13. Wodurch wurde die menschliche Schöpfung „der Nichtigkeit unterworfen“, und wonach sehnen sich die anderen Schafe?
12 Haben auch die anderen Schafe etwas, wofür sie in sehnsüchtiger Erwartung leben? Ganz bestimmt! Nachdem Paulus über die wunderbare Hoffnung derjenigen gesprochen hatte, die von Jehova als seine geistgezeugten „Söhne“ und als „Miterben mit Christus“ im himmlischen Königreich angenommen wurden, sagte er: „Die sehnsüchtige Erwartung der Schöpfung harrt auf die Offenbarung der Söhne Gottes. Denn die Schöpfung ist der Nichtigkeit unterworfen worden, nicht durch ihren eigenen Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat aufgrund der Hoffnung, daß die Schöpfung selbst auch von der Sklaverei des Verderbens frei gemacht werden wird zur herrlichen Freiheit der Kinder Gottes“ (Römer 8:14-21; 2. Timotheus 2:10-12).
13 Durch Adams Sünde wurden alle seine Nachkommen „der Nichtigkeit unterworfen“, geboren in der Knechtschaft unter Sünde und Tod. Es war ihnen unmöglich, sich selbst aus dieser Knechtschaft zu befreien (Psalm 49:7; Römer 5:12, 21). Oh, wie sich die anderen Schafe danach sehnen, „von der Sklaverei des Verderbens frei gemacht“ zu werden! Aber bevor es soweit ist, müssen noch bestimmte Dinge geschehen gemäß den von Jehova festgelegten Zeiten und Zeitabschnitten.
14. Was wird mit der „Offenbarung der Söhne Gottes“ verbunden sein, und inwiefern wird dies dazu führen, daß die Menschheit „von der Sklaverei des Verderbens frei gemacht werden wird“?
14 Der Überrest der gesalbten „Söhne Gottes“ muß zunächst ‘offenbart werden’. Was wird damit verbunden sein? Zu der von Gott vorgesehenen Zeit wird es für die anderen Schafe offensichtlich sein, daß die Gesalbten endgültig „versiegelt“ und verherrlicht wurden, um mit Christus zu herrschen (Offenbarung 7:2-4). Die auferweckten „Söhne Gottes“ werden ebenfalls ‘offenbart’, wenn sie sich mit Christus daran beteiligen, Satans böses System der Dinge zu vernichten (Offenbarung 2:26, 27; 19:14, 15). Während Christi Tausendjahrherrschaft werden sie des weiteren ‘offenbart’ als priesterliche Kanäle, die den Nutzen des Loskaufsopfers Jesu der menschlichen „Schöpfung“ zukommen lassen. Das wird bewirken, daß die Menschen „von der Sklaverei des Verderbens frei gemacht werden“ und schließlich zur „herrlichen Freiheit der Kinder Gottes“ gelangen (Römer 8:21; Offenbarung 20:5; 22:1, 2). Ist es angesichts solch großartiger Aussichten verwunderlich, daß die anderen Schafe mit ‘sehnsüchtiger Erwartung auf die Offenbarung der Söhne Gottes harren’? (Römer 8:19).
Jehovas Geduld bedeutet Rettung
15. Was dürfen wir in Verbindung mit Jehovas zeitlicher Abstimmung bestimmter Vorgänge niemals vergessen?
15 Jehova ist der große Gott, der seine Zeit einhält. Seine zeitliche Abstimmung bestimmter Vorgänge wird sich als vollkommen erweisen. Manches mag sich zwar nicht so entwickeln, wie wir es persönlich erwartet haben. Doch wir können absolut darauf vertrauen, daß sich alle Verheißungen Gottes erfüllen werden (Josua 23:14). Er gestattet vielleicht, daß etwas länger dauert, als viele erwartet haben. Aber wir wollen versuchen, seine Wege zu verstehen, und wollen uns als Bewunderer seiner Weisheit erweisen. Paulus schrieb: „O Tiefe des Reichtums und der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unerforschlich sind seine Gerichte und unausspürbar seine Wege! Denn ‚wer hat den Sinn Jehovas erkannt, oder wer ist sein Ratgeber geworden‘?“ (Römer 11:33, 34).
16. Wer kann aus Jehovas Geduld Nutzen ziehen?
16 Petrus erklärte: „Geliebte, da ihr diese Dinge [die Vernichtung der alten „Himmel“ und der alten „Erde“, an deren Stelle Gottes verheißene „neue Himmel“ und „neue Erde“ treten] erwartet, tut euer Äußerstes, um schließlich von ihm fleckenlos und makellos und in Frieden erfunden zu werden. Betrachtet ferner die Geduld unseres Herrn als Rettung.“ Wegen der Geduld Jehovas erhalten Millionen weitere Menschen die Gelegenheit, während des „Tages Jehovas“ gerettet zu werden, der unerwartet, „wie ein Dieb“, kommen wird (2. Petrus 3:9-15). Seine Geduld gestattet es auch jedem von uns, ‘fortzufahren, mit Furcht und Zittern unsere eigene Rettung zu bewirken’ (Philipper 2:12). Jesus sagte, daß wir ‘auf uns selbst achtgeben’ und ‘wach bleiben’ müssen, wenn wir Anerkennung finden möchten und es uns gelingen soll, „vor dem Menschensohn zu stehen“, wenn er zum Gericht kommt (Lukas 21:34-36; Matthäus 25:31-33).
Weiterhin mit Ausharren warten
17. Welche Worte des Apostels Paulus sollten wir beherzigen?
17 Paulus forderte seine Glaubensbrüder auf, ihren „Blick nicht auf die Dinge gerichtet [zu] halten, die man sieht, sondern auf die Dinge, die man nicht sieht“ (2. Korinther 4:16-18). Er wünschte, daß nichts ihren Blick auf den Lohn im Himmel trübte, der ihnen in Aussicht stand. Ob wir gesalbte Christen sind oder zu den anderen Schafen gehören — wir wollen unsere wunderbare Hoffnung im Sinn behalten und nicht aufgeben. Wir wollen das, worauf wir hoffen, ‘weiterhin mit Ausharren erwarten’ und dadurch beweisen, daß wir „nicht von denen [sind], die zur Vernichtung zurückweichen, sondern von denen, die Glauben haben zum Lebendigerhalten der Seele“ (Römer 8:25; Hebräer 10:39).
18. Warum können wir zuversichtlich die Zeiten und Zeitabschnitte Jehova überlassen?
18 Wir können die Zeiten und Zeitabschnitte zuversichtlich Jehova überlassen. Die Verwirklichung seiner Verheißungen „wird sich nicht verspäten“, sondern seinem Zeitplan entsprechen (Habakuk 2:3). Unterdessen erhält die Ermahnung, die Paulus an Timotheus richtete, zusätzliche Bedeutung für uns. Er sagte: „Ich gebiete dir feierlich vor Gott und Christus Jesus, der dazu bestimmt ist, die Lebenden und die Toten zu richten, und bei seinem Offenbarwerden und seinem Königreich: Predige das Wort, halte dringend darauf in günstiger Zeit, in unruhvoller Zeit, ... verrichte das Werk eines Evangeliumsverkündigers, führe deinen Dienst völlig durch“ (2. Timotheus 4:1-5).
19. Was zu tun ist für Jehovas Volk immer noch an der Zeit, und warum?
19 Leben steht auf dem Spiel — unser eigenes Leben und das unserer Mitmenschen. Paulus schrieb: „Gib beständig acht auf dich selbst und auf dein Lehren. Bleibe bei diesen Dingen, denn dadurch, daß du dies tust, wirst du sowohl dich selbst als auch die retten, die auf dich hören“ (1. Timotheus 4:16). Für das gegenwärtige böse System der Dinge läuft die Zeit unerbittlich ab. Während wir mit sehnsüchtiger Erwartung aufregenden Vorgängen entgegenblicken, wollen wir uns stets bewußt sein, daß Jehovas Volk immer noch in der von ihm festgelegten Zeit oder dem Zeitabschnitt lebt, wo die gute Botschaft vom Königreich gepredigt werden soll. Diese Tätigkeit muß zu seiner Zufriedenheit ausgeführt werden. „Dann wird“, wie Jesus sagte, „das Ende kommen“ (Matthäus 24:14).
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