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Wie unbedenklich sind unsere Lebensmittel?Erwachet! 2001 | 22. Dezember
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Wie unbedenklich sind unsere Lebensmittel?
JEMAND, der dreimal täglich ißt, verzehrt bis zu seinem 70. Lebensjahr über 75 000 Mahlzeiten. Demnach verbraucht ein durchschnittlicher Europäer in dieser Zeit unter anderem allein etwa 10 000 Eier, 5 000 Laibe Brot, 100 Sack Kartoffeln, 6 Rinderhälften und 2 Schafe. Ist es eine Last, diese Mengen zu essen? Ganz und gar nicht! Jeder hört es gern, wenn man ihm „Guten Appetit!“, „Enjoy your meal!“ oder „Bon appétit!“ wünscht. Die Leiterin einer Kochschule ging sogar so weit zu sagen: „Essen ist der Inbegriff des Lebens.“
In der Regel geht man wohl davon aus, nahrhafte und gesunde Lebensmittel zu sich zu nehmen. Sollte jedoch nur eine dieser 75 000 Mahlzeiten etwas Schädliches enthalten, könnte man schon ernsthaft erkranken. Kann man sich darauf verlassen, daß die Nahrung, die man zu sich nimmt, einwandfrei ist? In dieser Hinsicht haben heute anscheinend immer mehr Menschen Bedenken. In manchen Ländern macht man sich große Sorgen um die Lebensmittelsicherheit. Warum?
Warum die Sorge?
Jedes Jahr werden etwa 15 Prozent der Europäer durch Lebensmittel krank. Beispielsweise starben Anfang der 80er Jahre in Spanien ungefähr 1 000 Menschen an giftigem „Speiseöl“; weitere 20 000 erkrankten schwer. Als in Belgien 1999 bekannt wurde, daß Lebensmittel wie Eier, Geflügel, Käse und Butter möglicherweise mit dem Gift Dioxin belastet waren, reagierte die Bevölkerung geschockt. In jüngerer Zeit erlitt die britische Rindfleischindustrie einen schweren Schlag und die Verbraucher waren erschüttert, als Rinder an BSE (bovine spongioforme Enzephalopathie, auch Rinderwahnsinn genannt) erkrankten. Schließlich brach die Maul- und Klauenseuche aus, und Millionen Kühe, Schafe, Schweine und Ziegen mußten geschlachtet und beseitigt werden.
Neben diesen sicherlich gravierenden Risiken im Zusammenhang mit Lebensmitteln sieht mancher noch weitere Gründe zur Sorge. Neue Produktions- und Verarbeitungsmethoden von Nahrungsmitteln beunruhigen die Verbraucher. 1998 schrieb die Europäische Kommission: „Neue Verfahrensweisen wie die Bestrahlung von Lebensmitteln und die gentechnische Veränderung von Nahrungspflanzen haben heftige Kontroversen ausgelöst.“ Verbessern diese modernen wissenschaftlichen Methoden die Lebensmittel, oder schaden sie ihnen? Und wie kann man selbst für einwandfreie Nahrung sorgen?
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Was geschieht mit unserer Nahrung?Erwachet! 2001 | 22. Dezember
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Was geschieht mit unserer Nahrung?
DIE Idee, Nahrungsmittel zu verändern, ist nicht neu. Tatsächlich wird dies schon seit Generationen praktiziert. Durch ausgeklügelte Zuchtmethoden entstanden viele neue Pflanzensorten sowie zahlreiche Rinder- und Schafrassen. Ein Mitarbeiter der amerikanischen Nahrungs- und Arzneimittelbehörde sagte sogar, daß „praktisch alle käuflichen Lebensmittel durch traditionelle Züchtung verändert wurden“.
Nahrungsmittel werden allerdings nicht nur durch Züchtung verändert. Die Lebensmittelindustrie hat viele Verfahren entwickelt, Nahrungsmittel zu behandeln und zu verarbeiten, sei es, um den Geschmack oder die Farbe zu verbessern, sei es zum Zweck der Standardisierung oder der Haltbarmachung. Man ist gewohnt, Nahrungsmittel zu essen, die auf die eine oder andere Weise verändert worden sind.
Doch eine wachsende Zahl von Verbrauchern ist angesichts dessen, was heutzutage mit den Lebensmitteln geschieht, beunruhigt. Warum? Einige fürchten, derzeit gebräuchliche, moderne Verfahren würden die Unbedenklichkeit der Lebensmittel beeinträchtigen. Ist diese Sorge berechtigt? Wir möchten drei Bereiche etwas näher betrachten.a
Hormone und Antibiotika
Seit den 1950er Jahren werden dem Futter von Geflügel, Schweinen und Rindern mancherorts geringe Mengen Antibiotika beigemischt. Dadurch soll vor allem bei auf engem Raum gehaltenen Tieren das Krankheitsrisiko gesenkt werden. In einigen Ländern setzt man dem Futter hormonelle Wachstumsförderer zu. Hormone und Antibiotika sollen die Tiere vor Infektionen schützen und die Intensivtierhaltung profitabler machen, was durch niedrigere Preise wiederum dem Verbraucher zugute komme.
So weit, so gut. Aber birgt Fleisch von Tieren, deren Futter diese Zusatzstoffe enthält, nicht gewisse Risiken für den Verbraucher? Wie der Wirtschafts- und Sozialausschuß der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft in einem Bericht feststellte, besteht tatsächlich die Gefahr, daß Bakterien, die trotz der Antibiotika überleben, zum Verbraucher gelangen. „Einige dieser Bakterien, wie Salmonellen und Campylobakter, können durch die Nahrungskette zum Menschen gelangen und schwere Krankheiten verursachen“, heißt es in dem Bericht. Und was ist, wenn sich in der Nahrungskette nicht nur Bakterien, sondern auch Antibiotikareste befinden? Man fürchtet, für Menschen gefährliche Krankheitserreger könnten mit der Zeit gegen Antibiotika resistent werden.
Wie steht es mit hormonbehandeltem Fleisch? Der Münchner Professor Heinrich Karg meint dazu: „Nach Ansicht aller Experten ist Fleisch von hormonbehandelten Tieren nicht gesundheitsschädlich, wenn die Präparate bestimmungsgemäß angewendet werden.“ Die Woche schreibt jedoch zu der Frage, ob Fleisch von hormongefütterten Tieren unbedenklich ist: „Seit 15 Jahren können sich die Forscher nicht auf einen gemeinsamen Standpunkt einigen.“ Und in Frankreich reagiert man auf hormonhaltiges Fleisch mit einem deutlichen „Nein! Keine Verwendung von Hormonen!“ Offensichtlich sind die strittigen Fragen noch längst nicht geklärt.
Lebensmittelbestrahlung
Seit 1916 in Schweden die ersten Versuche mit Lebensmittelbestrahlung gemacht wurden, ist die Bestrahlung von Lebensmitteln wie Kartoffeln, Getreide, Obst und Fleisch mit niedrigen Strahlendosen in 39 Ländern genehmigt worden. Aus welchem Grund? Es heißt, Bestrahlung töte die meisten Bakterien, Insekten und Parasiten ab, wodurch für den Verbraucher das Risiko sinke, sich nahrungsmittelbedingte Krankheiten zuzuziehen. Außerdem werden die Produkte dadurch haltbarer.
Natürlich weisen Fachleute darauf hin, daß frische und einwandfreie Nahrungsmittel der Idealfall wären. Doch wer nimmt sich schon die Zeit, sein Essen regelmäßig frisch zuzubereiten? „10 Minuten für das Frühstück, jeweils 15 Minuten für Mittag- und Abendessen“ ist gemäß der Zeitschrift test die durchschnittliche Dauer von Mahlzeiten. Daher überrascht es nicht, daß viele Verbraucher haltbare Schnellgerichte vorziehen. Sind bestrahlte Lebensmittel jedoch unbedenklich?
Die Weltgesundheitsorganisation veröffentlichte 1999 eine von einem internationalen Forscherteam durchgeführte Studie. Die Experten kamen zu dem Schluß, daß bestrahlte Lebensmittel „sowohl ohne Bedenken konsumiert werden können als auch angemessenen Nährwert besitzen“. Befürworter der Bestrahlung von Lebensmitteln vergleichen diesen Vorgang manchmal mit der Sterilisation von Verbandmaterial in der Medizin — was ebenfalls durch Bestrahlung geschieht — oder mit der elektronischen Gepäckdurchleuchtung am Flughafen. Die Kritiker hingegen beharren auf der Meinung, daß sich der natürliche Nährwert der Lebensmittel reduziere und das Verfahren möglicherweise bisher unbekannte Risiken berge.
Gentechnisch veränderte Lebensmittel
Der Transfer von Genen zwischen den DNS zweier Organismen derselben Art ist Genetikern schon seit geraumer Zeit möglich. Mittlerweile bieten sich ihnen jedoch wesentlich weitgehendere Möglichkeiten. Beispielsweise hat man Erdbeeren und Tomaten ein Gen eingesetzt, das von einem Fisch stammt, um ihre Widerstandskraft gegen Kälte zu erhöhen.
Über das Für und Wider gentechnisch veränderter Lebensmittel ist schon viel gesagt und geschrieben worden.b Die Befürworter argumentieren, diese Art der Biotechnologie sei berechenbarer und besser zu kontrollieren als konventionelle Methoden der Pflanzenzucht, sie ermögliche höhere Erträge und bewahre mehr Menschen vor dem Hungertod. Sind gentechnisch veränderte Lebensmittel jedoch wirklich unbedenklich?
Ein Team von Wissenschaftlern, die an Akademien in Brasilien, China, Großbritannien, Indien, Mexiko, den Vereinigten Staaten und verschiedenen Entwicklungsländern tätig sind, ist dieser Frage nachgegangen. Im Juli 2000 legten sie ihren Bericht vor. Darin heißt es: „Mehr als 30 Millionen Hektar transgener [gentechnisch veränderter] Pflanzen sind bereits angebaut worden, und bisher konnten beim Menschen keinerlei Gesundheitsbeschwerden festgestellt werden, die eindeutig auf den Verzehr von Erzeugnissen aus transgenen Pflanzen zurückgeführt werden können.“ In manchen Regionen gelten Erzeugnisse aus GVOs (gentechnisch veränderte Organismen) als genauso unbedenklich wie konventionelle Lebensmittel.
Woanders herrscht jedoch weitverbreitete Unsicherheit. In Großbritannien, Frankreich und Österreich werden gentechnisch veränderte Lebensmittel von einigen mit Mißtrauen betrachtet. Ein Politiker aus den Niederlanden sagte über derartige Erzeugnisse: „Es gibt bestimmte Lebensmittel, die wir einfach nicht mögen.“ Die Kritiker von GVOs führen außerdem ethische Fragen ins Feld und weisen auf mögliche Umweltgefahren hin.
In den Augen einiger Wissenschaftler steckt die GVO-Forschung im Bereich Lebensmittel noch in den Kinderschuhen. Sie plädieren für weitere Untersuchungen, um das mögliche Risiko für den Verbraucher zu klären. Die Britische Ärztevereinigung beispielsweise betrachtet die Gentechnologie als etwas, das großen Nutzen für die Allgemeinheit verspricht. Dennoch ist sie der Meinung, daß in einigen Bereichen — wie etwa der Frage allergischer Reaktionen auf gentechnisch veränderte Lebensmittel — „noch weitere Forschungen nötig sind“.
Ausgeglichenheit bei der persönlichen Wahl
In einigen Ländern werden ganze 80 Prozent aller Nahrungsmittel industriell hergestellt. Häufig werden Zusatzstoffe verwendet, um Aroma oder Farbe zu standardisieren oder zu intensivieren und um die Haltbarkeit zu erhöhen. In einem Nachschlagewerk heißt es sogar, daß „es viele moderne Produkte, wie kalorienreduzierte Lebensmittel, Snacks und Fertiggerichte, ohne Lebensmittelzusätze nicht gäbe“. Solche Lebensmittel enthalten auch mit größerer Wahrscheinlichkeit gentechnisch veränderte Zutaten.
Weltweit war die Landwirtschaft jahrelang auf Methoden angewiesen, die viele für schädlich halten. Die Verwendung giftiger Pestizide ist dafür nur ein Beispiel. Außerdem verwendet die Lebensmittelindustrie schon lange Zusatzstoffe, die bei manchen Verbrauchern allergische Reaktionen auslösen. Sind die neuen lebensmitteltechnischen Verfahren deutlich riskanter als diese Praktiken? Darüber sind sich nicht einmal die Fachleute einig. Tatsächlich können beide Seiten mit stichhaltigen Forschungsergebnissen aufwarten, die eher zu einer Polarisierung der Meinungen beitragen.
Viele Verbraucher entscheiden sich letztlich dafür, sich über die Angelegenheit nicht allzuviel Gedanken zu machen, weil man letzten Endes den High-Tech-Lebensmitteln ja doch nicht aus dem Weg gehen könne oder weil ihnen andere Dinge einfach wichtiger sind. Andere sind allerdings ernsthaft besorgt. Was kann man machen, wenn man unsicher ist, ob man industriell hergestellte Lebensmittel essen sollte, die anscheinend mit hochkomplizierten modernen Verfahren verändert wurden? Es gibt praktische Möglichkeiten, von denen einige im folgenden Artikel besprochen werden. Allerdings wäre es klug, sich zunächst zu vergewissern, ob man in dieser Sache eine ausgeglichene Ansicht vertritt.
Mit der Lebensmittelsicherheit verhält es sich ähnlich wie mit der Gesundheit. Gegenwärtig gibt es einfach keinen Weg zur Vollkommenheit. Gemäß der Zeitschrift natur & kosmos müssen selbst diejenigen, die ihre Lebensmittel mit äußerster Sorgfalt auswählen und zubereiten, immer wieder Kompromisse machen. Was dem einen nützt, mag einem anderen schaden. Wäre es angesichts dessen nicht ratsam, ausgeglichen zu sein und Extreme zu meiden?
Die Bibel sagt natürlich nichts darüber, wie man sich hinsichtlich der heutigen High-Tech-Lebensmittel entscheiden sollte. Doch sie lehrt uns, eine Eigenschaft zu entwickeln, die in diesem Zusammenhang hilfreich ist. In Philipper 4:5 heißt es: „Laßt eure Vernünftigkeit allen Menschen bekanntwerden.“ Vernünftigkeit kann helfen, ausgeglichene Entscheidungen zu treffen und Extreme zu meiden. Vernünftigkeit kann auch bewirken, daß man anderen nicht vorschreibt, was sie in dieser Hinsicht zu tun oder zu lassen haben. Außerdem kann sie uns sinnlose und entzweiende Diskussionen mit denjenigen ersparen, die vielleicht anderer Meinung sind als wir.
Allerdings muß eingeräumt werden, daß viele ernährungsbedingte Gefahren weniger kontrovers beurteilt werden. Welches sind einige dieser Gefahren, und wie kann man sich davor schützen?
[Fußnoten]
a Ernährungsfragen sind weitgehend eine persönliche Angelegenheit. Unabhängig von den bei ihrer Herstellung verwendeten technischen Verfahren werden die nachfolgend behandelten verschiedenen Lebensmittel von Erwachet! weder empfohlen, noch wird von ihrem Verzehr abgeraten. Zweck dieser Artikelserie ist, den Lesern Sachinformationen gemäß dem heutigen Kenntnisstand darzulegen.
b Siehe auch die Erwachet!-Ausgabe vom 22. April 2000.
[Bild auf Seite 4]
Wirken sich Antibiotika und Hormone im Viehfutter auf den Verbraucher aus?
[Bild auf Seite 6]
Es ist ratsam, Lebensmitteletiketten sorgfältig zu lesen
[Bild auf Seite 7]
Lebensmittel regelmäßig frisch einzukaufen hat Vorteile
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Wege zu größerer LebensmittelsicherheitErwachet! 2001 | 22. Dezember
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Wege zu größerer Lebensmittelsicherheit
IST essen gefährlich? Beim Lesen mancher Statistiken könnte dieser Eindruck entstehen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) infizieren sich jedes Jahr beispielsweise im europäischen WHO-Bereich etwa 130 Millionen Menschen durch Nahrungsmittel. Im Jahr 1998 wurden allein im Vereinigten Königreich mehr als 100 000 Fälle von Lebensmittelvergiftung — davon etwa 200 mit tödlichem Ausgang — registriert. In den Vereinigten Staaten treten jedes Jahr schätzungsweise 76 Millionen nahrungsmittelbedingte Erkrankungen auf, von denen 325 000 einen Krankenhausaufenthalt erforderlich machen und 5 000 tödlich enden.
Zuverlässige globale Schätzungen sind schwerer zu erstellen. Dennoch berichtet die WHO, daß 1998 etwa 2,2 Millionen Menschen an Durchfallerkrankungen gestorben sind — davon 1,8 Millionen Kinder. In dem Bericht heißt es: „Ein Großteil dieser Fälle kann auf verunreinigte Lebensmittel und auf unsauberes Trinkwasser zurückgeführt werden.“
Diese Zahlen mögen erschütternd klingen. Sind derartige Statistiken jedoch ein Grund, mit panischer Sorge an den eigenen Speiseplan zu denken? Wohl kaum, wenn man ein anderes Beispiel berücksichtigt. In Australien kommt es jährlich zu etwa 4,2 Millionen Fällen nahrungsmittelbedingter Erkrankungen — also täglich rund 11 500! Das hört sich zunächst nach sehr viel an. Man kann die Sache aber auch aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Jedes Jahr werden in Australien ungefähr 20 Milliarden Mahlzeiten gegessen; von all diesen Mahlzeiten verursachen weniger als 0,02 Prozent irgendwelche Krankheiten. Mit anderen Worten: Das Risiko, das von einer einzelnen Mahlzeit ausgeht, ist wirklich sehr gering.
Dennoch ist dieses Risiko eine ernüchternde Tatsache. Auf welche Weise verursachen Lebensmittel überhaupt Krankheiten, und wie läßt sich das Risiko verringern?
Ursachen nahrungsmittelbedingter Krankheiten
Die Zahl der Krankheiten, die man sich durch Nahrungsmittel zuziehen kann, ist bemerkenswert — in der Veröffentlichung Emerging Infectious Diseases ist von über 200 die Rede. Die wahren Verursacher all dieser Krankheiten sind allerdings weniger zahlreich. Gemäß Dr. Iain Swadling, Ernährungswissenschaftler beim International Food Information Service, werden ungefähr 90 Prozent aller nahrungsmittelbedingten Krankheiten „wahrscheinlich von weniger als zwei Dutzend“ Arten von Mikroorganismen verursacht. Auf welche Weise gelangen die verschiedenen Krankheitserreger wie Viren, Bakterien, Parasiten, Giftstoffe usw. in die Nahrung?
Dr. Swadling nennt fünf der häufigsten Ursachen für verunreinigte Lebensmittel: „Verwendung nicht einwandfreier roher Zutaten; Zubereitung der Mahlzeiten durch jemand, der sich infiziert hat oder krank ist; falsche Lagerung, kombiniert mit dem Vorbereiten von Mahlzeiten mehrere Stunden vor dem Verzehr; Kreuzkontaminierung von Lebensmitteln bei der Zubereitung; unzureichendes Kochen oder Aufwärmen der Speisen“. Diese Liste mag zunächst abschreckend erscheinen, doch läßt sich auch einiges an guten Nachrichten daraus ableiten: Die meisten nahrungsmittelbedingten Krankheiten sind leicht zu vermeiden. Der Kasten auf den Seiten 8 und 9 enthält Hinweise, wie man für unbedenkliche Nahrung sorgen kann.
Eine ausgewogene Wahl treffen
Angesichts der verschiedenen Risiken und Bedenken hinsichtlich Nahrungsmitteln nimmt sich heutzutage mancher bewußt die Zeit, öfter Mahlzeiten aus frisch eingekauften Zutaten zuzubereiten. Wenn man sich für diese Möglichkeit entscheidet, empfiehlt es sich, ein Geschäft oder einen Markt in der Nähe ausfindig zu machen, wo frische, unbehandelte Ware verkauft wird. In einem Verbraucherhandbuch wird erklärt: „Viele Verbraucher suchen den Kontakt mit dem Produzenten — sei es auf dem Wochenmarkt oder im Betrieb des Erzeugers —, um besonders frisch einzukaufen und Einblick in die Gewinnung und Herkunft der Lebensmittel zu bekommen.“ So vorzugehen kann vor allem beim Kauf von Fleischerzeugnissen hilfreich sein.
In ähnlicher Weise mag es das beste sein, regionale Lebensmittel der Saison zu kaufen, da diese möglicherweise am gesündesten sind. Wer sich daran hält, nimmt allerdings in Kauf, auf eine ganzjährige Auswahl an Obst und Gemüse weltweiter Herkunft zu verzichten.
Sollte man auf biodynamische Kost umsteigen? Das zu entscheiden ist eine persönliche Angelegenheit. Biolebensmittel finden viele Anhänger, was bei einigen zweifellos auf Mißtrauen gegenüber neuen Verfahren in der Lebensmittelindustrie zurückzuführen ist. Doch nicht jeder hält Lebensmittel aus ökologischem Landbau für sicherer.
Unabhängig von persönlichen Ernährungsvorlieben sollte man sich das, was man kauft, sorgfältig ansehen. „Wenn es ums Essen geht“, zitiert Die Zeit eine Expertin, „schaut der Konsument ausschließlich nach dem Preis.“ Preisbewußt einzukaufen ist sicher lobenswert, doch es empfiehlt sich, auch auf das Zutatenverzeichnis zu achten. Schätzungsweise nimmt sich fast jeder zweite Verbraucher in den Industrienationen beim Einkaufen nicht die Zeit, die Informationen auf dem Etikett zu lesen. Es besteht zwar nicht in allen Ländern eine Kennzeichnungspflicht; wer jedoch Wert auf unbedenkliche Lebensmittel legt, sollte so gut wie möglich auf die Inhaltsstoffe achten.
Wie auch immer man sich in Ernährungsfragen entscheidet, muß man wahrscheinlich dazu bereit sein, angesichts der Gegebenheiten des Landes, in dem man lebt, flexibel zu reagieren. Heutzutage ist es vielen Menschen aus verschiedenen Gründen — zu teuer, zu zeitaufwendig, zu kompliziert — schlicht unmöglich, auf eine rundum unbedenkliche Ernährung zu achten.
Wirkt diese Einschätzung der heutigen Lage allzu pessimistisch? Eigentlich ist sie nur realistisch. Doch die gute Nachricht ist, daß sich bald alles zum Besseren wenden wird.
[Kasten/Bilder auf Seite 8, 9]
Was der Verbraucher tun kann
◼ Waschen. Vor dem Zubereiten jeder Mahlzeit sollte man sich die Hände mit heißem Wasser und Seife waschen; ebenso nach dem Gang zur Toilette, auch nachdem man beispielsweise einem Baby die Windeln gewechselt oder einem Kleinkind die Nase geputzt hat und wenn man ein Tier (einschließlich Haustieren) angefaßt hat. Arbeitsflächen, Schneidbretter und sonstige Utensilien sind nach dem Zubereiten jeder Mahlzeit mit heißem Seifenwasser abzuwaschen — besonders wenn man rohes Fleisch, Geflügel oder Meeresfrüchte verarbeitet hat. Die Zeitschrift test empfiehlt, „Obst und Gemüse mit lauwarmem Wasser [zu] waschen“, um Insekten und Rückstände von Pestiziden zu entfernen. Die sicherste Methode, Lebensmittel zu säubern, ist häufig das Entfernen der Haut, Schälen oder Kochen. Bei Kopfsalat oder Kohl kann man die äußeren Blätter entfernen und wegwerfen.
◼ Gründliches Erhitzen. Selbst wenn die Temperatur im Inneren von Fleisch nur kurzzeitig 70 °C übersteigt, werden dadurch so gut wie alle Bakterien, Viren und Parasiten abgetötet. Geflügel ist sogar noch stärker, auf 80 °C, zu erhitzen. Aufgewärmtes Essen sollte 75 °C erreicht haben oder dampfend heiß sein. Geflügel, das innen noch rosa ist, sollte genausowenig gegessen werden wie Ei mit flüssigem Dotter oder Eiweiß sowie Fisch, der noch durchsichtig ist und sich nicht leicht mit einer Gabel teilen läßt.
◼ Lebensmittel getrennt aufbewahren. Rohes Fleisch, Geflügel und Meeresfrüchte sollte man beim Einkaufen, Aufbewahren und Zubereiten stets von anderen Lebensmitteln getrennt halten. Die verschiedenen Fleischsäfte dürfen sich nicht vermischen und auch nicht auf andere Lebensmittel tropfen. Außerdem sollte man niemals bereits gekochtes Essen auf einen Teller legen, auf dem zuvor rohes Fleisch, Geflügel oder roher Fisch gelegen hat, ohne den Teller mit heißem Seifenwasser gründlich gespült zu haben.
◼ Richtiges Aufbewahren und Einfrieren. Durch die Aufbewahrung im Kühlschrank kann das Wachstum gefährlicher Bakterien gebremst werden, die Temperatur muß jedoch bei 4 °C liegen. Im Gefrierfach sollte die Temperatur −18 °C betragen. Verderbliche Lebensmittel sind innerhalb von zwei Stunden kühlzustellen. Kommen die Speisen vor dem Essen auf den Tisch, ist es angebracht, alles zum Schutz vor Fliegen abzudecken.
◼ Vorsicht, wenn außerhalb gegessen wird. Gemäß einer Schätzung sind in einigen Industrienationen 60 bis 80 Prozent aller nahrungsmittelbedingten Krankheiten auf Speisen zurückzuführen, die nicht in der eigenen Küche zubereitet worden sind. Beim Besuch eines Restaurants sollte man sicher sein, daß es den gesetzlichen Hygienevorschriften entspricht. Fleisch sollte gut durchgebraten sein. Bei Speisen zum Mitnehmen empfiehlt es sich, sie innerhalb von zwei Stunden zu verzehren. Vergeht mehr Zeit, ist es angebracht, das Essen nochmals auf 75 °C zu erhitzen.
◼ Im Zweifelsfall wegwerfen. Wenn man nicht sicher ist, ob bestimmte Lebensmittel noch genießbar oder bereits verdorben sind, geht man besser auf Nummer Sicher und wirft sie weg. Natürlich ist es unklug, wertvolle Lebensmittel zu verschwenden. Doch durch verdorbene Lebensmittel krank zu werden kommt letzten Endes vielleicht noch teurer.
[Nachweis]
(Hinweise basieren zum Großteil auf Food Safety Tips, herausgegeben vom Food Safety Technology Council, USA.)
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Einwandfreie Nahrung für alleErwachet! 2001 | 22. Dezember
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Einwandfreie Nahrung für alle
EIN gesundes, nahrhaftes Essen macht Freude. Wie gezeigt wurde, sind die entsprechenden Nahrungsmittel jedoch nicht immer leicht zu beschaffen. Was noch schlimmer ist: Millionen Menschen können sich den Luxus gar nicht leisten, darauf zu achten, ob ihre Nahrung wirklich einwandfrei oder gesund ist. Ihre Hauptsorge ist, genügend Nahrung zum Überleben zu haben. Kann Gott diese Verhältnisse gewollt haben?
Man überlege einmal: Hatten der Mann und die Frau, die Gott erschuf, irgendeinen Grund, sich Sorgen um ihre Nahrung zu machen? Nein, auf keinen Fall! Der biblische Schöpfungsbericht lautet: ‘Jehova Gott ließ aus dem Erdboden allerlei Bäume hervorwachsen, begehrenswert für den Anblick und gut zur Speise’ (1. Mose 2:9). Adam und Eva stand also ein unerschöpflicher Vorrat vielseitiger und schmackhafter Nahrung zur Verfügung. Ihr Schöpfer wußte genau, welche Nährstoffe sie benötigten. Er wußte auch, worüber sie sich freuen würden. Heute leben wir natürlich nicht im Garten Eden. Hat Gott seinen ursprünglichen Vorsatz hinsichtlich der Menschheit und der Erde etwa geändert?
Wir haben guten Grund, daran zu glauben, daß sich bald jeder Mensch auf der Erde über nahrhafte, gesunde Nahrung im Überfluß freuen wird. Diese Überzeugung ist eine große Hilfe, heute ausgeglichen zu bleiben, wenn es um die Lebensmittelsicherheit geht. Vorausgesetzt, sie ist gut begründet und zuverlässig, kann uns solch eine Hoffnung davor bewahren, fanatische oder extreme Ansichten zu entwickeln.
Warum können wir so sicher sein, daß das Leben bald anders aussehen wird? Sorgfältige Erforscher der Bibel wissen, daß wir in „den letzten Tagen“ des gegenwärtigen Systems der Dinge leben. Dieses System ist von menschlicher Weisheit geprägt, die auf Erfahrungswerte angewiesen ist, sich in vielen Lebensbereichen jedoch als unzuverlässig erweist. Was die Lebensmittelverarbeitung betrifft, besteht erhebliche Unklarheit darüber, ob bestimmte Verfahren unbedenklich oder aber gefährlich sind. Aus dieser Unsicherheit entspringen Furcht, Zwietracht und Uneinigkeit (2. Timotheus 3:1-5).
Der Schöpfer des Menschen hat verheißen, das gegenwärtige System der Dinge durch ein völlig neues System zu ersetzen. Sein ursprünglicher Vorsatz — die ganze Erde zu einem edengleichen Paradies zu machen, in dem eine gesunde und glückliche Menschheitsfamilie wohnt — wird Wirklichkeit werden. Dann wird die Erde von der einigenden Kraft der vollkommenen göttlichen Weisheit erfüllt sein (Jesaja 11:9). Die unzuverlässige menschliche Weisheit wird keinen Bestand haben. In dem von Gott geschaffenen neuen System wird es nicht mehr nötig sein, bezüglich der Sicherheit von Nahrungsmitteln Bedenken zu haben. Ist es nicht logisch, zu schlußfolgern, daß der Gott, der die Menschen erschuf, auch weiß, welche Nahrung sie benötigen?
Makellose Nahrung aus der Hand des Schöpfers
Die Bibel enthält anschauliche Prophezeiungen über die Lebensbedingungen in dem kommenden System der Dinge. So schrieb der Prophet Jesaja: „[Gott] wird gewiß den Regen für deine Saat geben, mit der du den Erdboden besäst, und als den Ertrag des Erdbodens Brot, das fett und ölig werden soll. Dein Vieh wird an jenem Tag auf einer geräumigen Weide grasen. Und die Rinder und die ausgewachsenen Esel, die den Erdboden bearbeiten, werden ein mit Sauerampfer gewürztes Futter fressen, das mit der Schaufel und mit der Gabel geworfelt wurde.“
Ferner heißt es in der Prophezeiung Jesajas: „Jehova der Heerscharen wird bestimmt für alle Völker auf diesem Berg ein Festmahl von Gerichten, reich an Öl, machen, ein Festmahl von Wein, der auf den Hefen stehengelassen wurde, von Gerichten, reich an Öl, mit Mark gefüllt, von gefiltertem Wein, der auf den Hefen stehengelassen wurde.“ Der letzte Satzteil wird in der Einheitsübersetzung (1974) wie folgt wiedergegeben: „ein Festmahl . . . mit den feinsten Speisen, . . . mit erlesenen Weinen, mit den besten und feinsten Speisen, mit besten, erlesenen Weinen“ (Jesaja 30:23, 24; 25:6).
Klingt das nicht einladend? Jesajas Prophezeiung sichert jedem, der in Gottes neuem System leben wird, mehr als genug Nahrung zu. Wird diese wirklich einwandfrei sein? Ohne jeden Zweifel. In einer weiteren Prophezeiung wird uns versichert, daß Gottes Volk „tatsächlich sitzen [wird], jeder unter seinem Weinstock und unter seinem Feigenbaum, und da wird niemand sein, der sie aufschreckt“ (Micha 4:4). Gottes messianisches Königreich, das in naher Zukunft über die ganze Erde herrschen wird, ist der Garant für diese vollkommene Sicherheit (Jesaja 9:6, 7).
Nie wieder wird man sich fragen müssen, ob man sein Essen bedenkenlos genießen kann oder nicht. Ganz im Gegenteil, man wird sich freudig gegenseitig „Guten Appetit!“, „Enjoy your meal!“ oder „Bon appétit!“ wünschen.
[Herausgestellter Text auf Seite 12]
Bald wird sich jeder über nahrhafte, gesunde Nahrung im Überfluß freuen
[Bild auf Seite 10]
Gott verspricht allen unbedenkliche und gesunde Nahrung
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