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Reicht dar zu eurer Erkenntnis SelbstbeherrschungDer Wachtturm 2003 | 15. Oktober
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Reicht dar zu eurer Erkenntnis Selbstbeherrschung
‘Reicht dar zu eurer Erkenntnis Selbstbeherrschung’ (2. PETRUS 1:5-8).
1. Worauf sind viele menschliche Probleme zurückzuführen?
IN EINER groß angelegten Antidrogenkampagne wurden junge Menschen in den USA aufgefordert: „Sag einfach Nein.“ Noch besser wäre es natürlich, wenn alle Menschen Nein sagen würden, und zwar nicht nur zu Drogen, sondern auch zu Alkoholmissbrauch, zu einer unvernünftigen oder unsittlichen Lebensweise, zu unehrlichen Geschäftspraktiken und zu den „Begierden des Fleisches“ allgemein (Römer 13:14). Wer wollte jedoch behaupten, es sei immer einfach, Nein zu sagen?
2. (a) Welche biblischen Beispiele zeigen, dass es schon immer schwer war, Nein zu sagen? (b) Wozu sollten uns diese Beispiele ermutigen?
2 Da alle Menschen unvollkommen sind, fällt es ihnen nicht leicht, sich zu beherrschen. Deshalb sollte es uns eigentlich interessieren, wie es dennoch möglich ist. Die Bibel berichtet von Menschen, die bemüht waren, Gott zu dienen, aber manchmal ihre Schwierigkeiten damit hatten, einfach Nein zu sagen. Denken wir nur an David, der mit Bathseba Ehebruch beging. In der Folge verlor nicht nur das außerehelich gezeugte Kind sein Leben, sondern auch Bathsebas Ehemann — zwei Menschen, die absolut keine Schuld traf (2. Samuel 11:1-27; 12:15-18). Oder nehmen wir den Apostel Paulus, der offen eingestand: „Das Gute, das ich wünsche, tue ich nicht, sondern das Schlechte, das ich nicht wünsche, das treibe ich“ (Römer 7:19). Verspüren wir bisweilen auch diesen Widerstreit? Paulus sagte anschließend: „Ich habe wirklich Lust an dem Gesetz Gottes gemäß dem Menschen, der ich innerlich bin, aber ich sehe in meinen Gliedern ein anderes Gesetz, das dem Gesetz meines Sinnes widerstreitet und mich gefangen nimmt unter das Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist. Ich elender Mensch! Wer wird mich befreien von dem Leib, der diesem Tod verfallen ist?“ (Römer 7:22-24). Lassen wir uns durch biblische Beispiele darin bestärken, unseren Kampf um größere Selbstbeherrschung nie aufzugeben.
Selbstbeherrschung ist erlernbar
3. Erkläre, warum wir nicht erwarten können, dass uns Selbstbeherrschung leicht fällt.
3 Selbstbeherrschung — wozu auch gehört, Nein sagen zu können — wird in 2. Petrus 1:5-7 zusammen mit Glauben, Tugend, Erkenntnis, Ausharren, Gottergebenheit, brüderlicher Zuneigung und Liebe erwähnt. Keine dieser wünschenswerten Eigenschaften ist bei uns von Geburt an voll ausgebildet. Wir müssen sie daher entwickeln. Und dazu sind entschlossene Anstrengungen nötig. Sollten wir also erwarten, dass uns Selbstbeherrschung in den Schoß fällt?
4. Warum meinen viele, sie hätten kein Problem mit der Selbstbeherrschung, doch worauf deutet das hin?
4 Millionen Menschen meinen, sie hätten mit der Selbstbeherrschung kein Problem. Sie leben so, wie es ihnen gefällt, und handeln bewusst oder unbewusst nach dem Diktat ihres unvollkommenen Fleisches, wobei es ihnen so ziemlich gleichgültig ist, welche Folgen das für sie oder andere hat (Judas 10). Mehr denn je zeigt sich heutzutage, dass Menschen nicht Nein sagen können — und auch nicht wollen. Das deutet darauf hin, dass wir wirklich in den „letzten Tagen“ leben, von denen Paulus sprach, als er voraussagte, dass „kritische Zeiten da sein werden, mit denen man schwer fertig wird. Denn die Menschen werden eigenliebig sein, geldliebend, anmaßend, hochmütig, Lästerer, ... ohne Selbstbeherrschung“ (2. Timotheus 3:1-3).
5. Warum beschäftigt uns das Thema Selbstbeherrschung, und welcher Rat ist immer noch gültig?
5 Jehovas Zeugen sind sich dessen bewusst, wie schwer es ist, sich zu beherrschen. Wie Paulus kennen sie sehr wohl den Widerstreit zwischen dem Wunsch, Gott zu gefallen und nach seinen Maßstäben zu leben, und ihrem unvollkommenen Fleisch, das sie in eine andere Richtung drängt. Deshalb ist ihnen schon seit langem daran gelegen, zu erfahren, wie man dieses Tauziehen gewinnt. Schon 1916 war in der englischen Ausgabe des Wachtturms davon die Rede, „wie wir vorgehen sollten, um uns selbst, unsere Gedanken, unsere Worte und unser Verhalten zu beherrschen“. Es wurde angeregt, sich immer Philipper 4:8 vor Augen zu halten. Was uns Gott in diesem vor nahezu 2 000 Jahren aufgezeichneten Text rät, ist nach wie vor gültig, aber heute wahrscheinlich schwieriger zu befolgen als damals oder 1916. Aber wie dem auch sei, wir strengen uns sehr an, zu weltlichen Begierden Nein zu sagen, denn uns ist bewusst, dass wir dadurch zu unserem Schöpfer Ja sagen.
6. Warum besteht kein Grund zu verzweifeln, solange wir uns bemühen, Selbstbeherrschung zu entwickeln?
6 Selbstbeherrschung gehört gemäß Galater 5:22, 23 zur „Frucht des [heiligen] Geistes“. Diese Eigenschaft zusammen mit ‘Liebe, Freude, Frieden, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Glauben und Milde’ hervorzubringen kommt uns sehr zugute. Dadurch können wir verhindern, in unserem Dienst für Gott „entweder untätig oder ohne Frucht zu sein“ (2. Petrus 1:8). Wir sollten aber weder verzweifeln noch uns verurteilen, wenn bei uns diese Eigenschaften nicht so schnell und in dem Maße hervortreten, wie wir es uns wünschen würden. Wie wir von der Schule her wissen, lernen einige schneller als andere. Und auch im Berufsleben erlernt so mancher eine neue Tätigkeit schneller als seine Arbeitskollegen. Bei Christen ist es nicht anders. Einigen gelingt es schneller als anderen, gottgefällige Eigenschaften zu entwickeln. Wichtig ist, dass wir uns immer weiter bemühen, diese Eigenschaften so gut wie möglich zu veredeln. Dazu empfiehlt es sich, die Hilfe, die uns Jehova durch sein Wort und die Versammlung bietet, voll zu nutzen. Es kommt darauf an, dass wir bemüht bleiben, Fortschritte zu machen, nicht so sehr darauf, wie schnell wir unser Ziel erreichen.
7. Was beweist, dass Selbstbeherrschung wichtig ist?
7 Selbstbeherrschung wird unter den Eigenschaften, die auf den Geist Gottes zurückzuführen sind, zwar an letzter Stelle erwähnt, aber deswegen ist sie noch lange nicht die unwichtigste. Ganz im Gegenteil! Immerhin könnten wir alle „Werke des Fleisches“ vermeiden, wenn wir imstande wären, uns vollkommen zu beherrschen. Doch als unvollkommene Menschen sind wir anfällig für die „Werke des Fleisches ...: Hurerei, Unreinheit, zügelloser Wandel, Götzendienst, Ausübung von Spiritismus, Feindschaften, Streit, Eifersucht, Wutausbrüche, Wortzänkereien, Spaltungen, Sekten“ (Galater 5:19, 20). Daher müssen wir einen ständigen Kampf führen und negative Neigungen entschlossen aus Herz und Sinn verbannen.
Einige haben es besonders schwer
8. Warum haben es einige besonders schwer, sich zu beherrschen?
8 Sich zu beherrschen fällt einigen Christen schwerer als anderen. Wieso? Vielleicht liegt es an der Erziehung oder an früheren Erlebnissen. Wer mit der Selbstbeherrschung weniger Probleme hat, kann sich darüber freuen. Er sollte aber Personen, die mehr Schwierigkeiten damit haben, mitfühlend und verständnisvoll behandeln, selbst wenn ihn diese Schwäche unangenehm berührt. Sollte er sich angesichts der eigenen Unvollkommenheit nicht vor Selbstgerechtigkeit hüten? (Römer 3:23; Epheser 4:2).
9. Welche Schwächen machen sich mitunter bemerkbar, und wann werden sie vollständig ausgemerzt sein?
9 Ein Beispiel: Vielleicht kennen wir Mitchristen, die früher rauchten oder „Freizeitdrogen“ nahmen und hin und wieder noch ein starkes Verlangen danach haben. Anderen fällt es schwer, weniger zu essen oder den Genuss alkoholischer Getränke einzuschränken. Wieder anderen gelingt es nicht, sich auf die Zunge zu beißen, sodass ihnen oft etwas Verkehrtes herausrutscht. Es mit solchen Unzulänglichkeiten aufzunehmen setzt voraus, dass man sich angestrengt bemüht, Selbstbeherrschung zu entwickeln. Warum? In Jakobus 3:2 lesen wir das realistische Eingeständnis: „Wir alle straucheln oft. Wer nicht im Wort strauchelt, der ist ein vollkommener Mann, imstande, auch seinen ganzen Leib zu zügeln.“ Manch einer fühlt sich vom Glücksspiel stark angezogen. Anderen fällt es schwer, ihr Temperament zu zügeln. Diese oder ähnliche Schwächen in den Griff zu bekommen dauert seine Zeit. Wir können zwar heute schon bedeutende Fortschritte darin machen, doch vollständig ausgemerzt werden solche Schwächen erst sein, wenn wir die Vollkommenheit erreicht haben. Bis dahin müssen wir uns anstrengen, Selbstbeherrschung zu üben, damit wir nicht rückfällig werden. Stehen wir uns gegenseitig in diesem Kampf bei und geben wir nicht auf (Apostelgeschichte 14:21, 22).
10. (a) Weshalb fällt es einigen besonders schwer, auf dem Gebiet der Sexualität Selbstbeherrschung zu üben? (b) Welche einschneidenden Maßnahmen ergriff ein Bruder? (Siehe den Kasten auf Seite 16.)
10 Ein anderes Gebiet, auf dem es einigen schwer fällt, Selbstbeherrschung zu üben, ist die Sexualität. Sie ist Teil der menschlichen Natur. Jehova Gott hat uns so geschaffen. Doch einigen fällt es extrem schwer, sich auf dem Gebiet der Sexualität an die göttlichen Normen zu halten. Erschwert wird es ihnen vielleicht noch durch einen ungewöhnlich starken Geschlechtstrieb. Wir leben in einer sexbesessenen Welt, in der das entsprechende Verlangen auf vielerlei Weise erregt wird. Christen, die — zumindest eine gewisse Zeit — ledig bleiben wollen, um Gott ohne Ablenkung dienen zu können, haben es dadurch besonders schwer (1. Korinther 7:32, 33, 37, 38). Da die Bibel sagt, dass „es ... besser [ist], zu heiraten, als von Leidenschaft entbrannt zu sein“, entschließen sie sich vielleicht zu heiraten, was sicherlich eine weise Entscheidung ist. Sie sind aber darauf bedacht, „nur im Herrn“ zu heiraten, wie die Bibel rät (1. Korinther 7:9, 39). Jehova freut sich bestimmt über ihren Entschluss, an seinen gerechten Grundsätzen festzuhalten. Und ihre Glaubensbrüder freuen sich, mit Menschen verbunden zu sein, die sich an hohe sittliche Normen halten und ihre Lauterkeit bewahren.
11. Was kann man für jemand tun, der gern heiraten möchte, aber keinen Partner findet?
11 Was aber, wenn jemand, der gern heiraten würde, keinen passenden Partner findet? Wir können uns bestimmt vorstellen, wie frustrierend das ist. Seine Freunde heiraten vielleicht und fühlen sich glücklich, während er immer noch einen Partner sucht. Einige haben in dieser Lage womöglich mit der unreinen Gewohnheit der Masturbation zu kämpfen. Bestimmt möchte kein Christ einen anderen entmutigen, der sich anstrengt, sittlich rein zu bleiben. Das könnte allerdings unabsichtlich durch gedankenlose Äußerungen geschehen, wie zum Beispiel: „Na, willst du nicht auch bald heiraten?“ Man sagt so etwas zwar nicht böswillig, doch wäre es besser, sich zu beherrschen und solche Bemerkungen zu unterlassen (Psalm 39:1). Alle, die als Unverheiratete sittlich rein bleiben, verdienen ein aufrichtiges Lob. Wir sollten uns bemühen, sie aufzumuntern, statt sie zu entmutigen. Beispielsweise könnten wir sie mit einbeziehen, wenn wir langjährige Diener Gottes zum Essen einladen oder in einer netten Runde zusammen sind.
Selbstbeherrschung in der Ehe
12. Warum benötigen selbst Verheiratete Selbstbeherrschung?
12 Verheiratet zu sein schließt an sich nicht aus, Selbstbeherrschung üben zu müssen. Denn Mann und Frau können völlig unterschiedliche sexuelle Bedürfnisse haben. Die körperliche Verfassung eines Partners kann Geschlechtsbeziehungen im Weg stehen oder sie sogar unmöglich machen. Vielleicht fällt es einem der beiden wegen früherer Erlebnisse schwer, der Aufforderung zu entsprechen: „Der Mann leiste seiner Frau das, was ihr zusteht, doch gleicherweise auch die Frau ihrem Mann.“ In dieser Situation benötigt der andere Partner umso größere Selbstbeherrschung. Beide sollten aber den liebevollen Rat des Paulus im Sinn behalten: „Entzieht es einander nicht, außer mit gegenseitiger Einwilligung für eine bestimmte Zeit, damit ihr dem Gebet Zeit widmen und wieder zusammenkommen könnt, sodass der Satan euch nicht wegen eures Mangels an Selbstbeherrschung beständig versuche“ (1. Korinther 7:3, 5).
13. Was können wir für jemand tun, der darum kämpft, Selbstbeherrschung zu üben?
13 Wie dankbar können Ehepaare doch sein, wenn beide Partner es gelernt haben, in dieser engsten Verbindung die nötige Selbstbeherrschung zu üben. Gleichzeitig sollten sie für Mitchristen Verständnis zeigen, die auf diesem Gebiet immer noch zu kämpfen haben. Vergessen wir nicht, Jehova darum zu bitten, unseren Glaubensbrüdern Einsicht, Mut und Entschlossenheit zu geben, damit sie sich weiter darum bemühen, Selbstbeherrschung zu üben und unrechtes Verlangen zu überwinden (Philipper 4:6, 7).
Weiterhin einander beistehen
14. Warum sollten wir Mitchristen verständnisvoll und mitfühlend behandeln?
14 Bisweilen fällt es uns vielleicht schwer, für Mitchristen Verständnis zu zeigen, die auf einem bestimmten Gebiet um Selbstbeherrschung kämpfen müssen, auf dem wir persönlich keine Probleme haben. Aber Menschen sind eben von Natur aus verschieden. Einige werden stärker von Gefühlen beherrscht als andere. Für einige ist es verhältnismäßig einfach, sich unter Kontrolle zu haben, anderen fällt es schwerer. Doch das macht sie nicht zu schlechten Menschen. Sie brauchen unser Verständnis und Mitgefühl. Es trägt zu unserer eigenen Freude bei, wenn wir versuchen, uns in Menschen, die um Selbstbeherrschung bemüht sind, hineinzuversetzen. Das bestätigen Jesu Worte aus Matthäus 5:7.
15. Warum sind die Worte aus Psalm 130:3 sehr tröstlich?
15 Wenn sich jemand einmal unchristlich verhält, sollten wir ihn nicht gleich verurteilen. Wie ermutigend ist es doch, dass Jehova nicht nur das eine Mal sieht, wo wir versagt haben, sondern auch die vielen Male, wo wir uns richtig verhalten haben, selbst wenn das anderen gar nicht aufgefallen ist! Denken wir an die sehr tröstlichen Worte aus Psalm 130:3: „Wären Vergehungen das, worauf du achtest, o Jah, o Jehova, wer könnte bestehen?“
16, 17. (a) Was hat uns Galater 6:2, 5 in Bezug auf Selbstbeherrschung zu sagen? (b) Was werden wir als Nächstes betrachten?
16 Jeder von uns muss Selbstbeherrschung entwickeln, damit er Jehova gefällt. Aber wir dürfen dabei auch auf die Hilfe unserer Glaubensbrüder bauen. Niemandem wird die Last der eigenen Verantwortung abgenommen, doch wir werden aufgefordert, uns gegenseitig zu helfen, mit Schwächen fertig zu werden (Galater 6:2, 5). Schätzen wir also Eltern, Ehepartner oder Freunde, die uns raten, irgendwo lieber nicht hinzugehen, uns etwas besser nicht anzusehen oder etwas lieber nicht zu tun. Sie sind uns eine Hilfe, uns zu beherrschen — Nein sagen zu können und dabei zu bleiben.
17 Viele, die mit diesen Gedanken einig gehen, haben vielleicht das Empfinden, bei sich selbst noch manches verbessern zu müssen. Sie wünschen sich, sich besser beherrschen zu können, jedenfalls soweit man es von einem unvollkommenen Menschen erwarten kann. Geht es dir auch so? Wie kannst du diesen Teil der Frucht des Geistes Gottes weiterentwickeln? Und wie wird dir das helfen, deine langfristigen Ziele als Christ zu erreichen? Sehen wir uns dazu den nächsten Artikel an.
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Selbstbeherrschung üben und den Preis gewinnenDer Wachtturm 2003 | 15. Oktober
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Selbstbeherrschung üben und den Preis gewinnen
„Jeder, der an einem Wettkampf teilnimmt, [übt] in allen Dingen Selbstbeherrschung“ (1. KORINTHER 9:25).
1. Wie haben Millionen im Sinne von Epheser 4:22-24 zu Jehova Ja gesagt?
WER sich als Zeuge Jehovas taufen lässt, erklärt sich öffentlich bereit, am Wettkampf um das ewige Leben teilzunehmen. Alle Zeugen haben gesagt: Ja, ich möchte den Willen Jehovas tun. Manche mussten vor ihrer Hingabe an Jehova bedeutende Änderungen vornehmen, damit ihre Hingabe überhaupt gültig und für Gott annehmbar war. Alle folgten der Aufforderung des Apostels Paulus: ‘Ihr sollt die alte Persönlichkeit ablegen, die eurem früheren Wandel entspricht und die gemäß ihren trügerischen Begierden verdorben wird; zieht die neue Persönlichkeit an, die nach Gottes Willen in wahrer Gerechtigkeit und Loyalität geschaffen worden ist’ (Epheser 4:22-24). In anderen Worten: Bevor jemand zur Hingabe an Gott Ja sagte, musste er zu seiner früheren Lebensweise Nein sagen.
2, 3. Inwiefern ist in 1. Korinther 6:9-12 von zweierlei Änderungen die Rede, die nötig sind, wenn jemand Gott gefallen möchte?
2 Wer ein Zeuge Jehovas werden will, muss bestimmte in der Bibel ausdrücklich verurteilte Merkmale der alten Persönlichkeit ablegen. Paulus führte einige davon in seinem Brief an die Korinther an: „Weder Hurer noch Götzendiener noch Ehebrecher noch Männer, die für unnatürliche Zwecke gehalten werden, noch Männer, die bei männlichen Personen liegen, noch Diebe noch Habgierige noch Trunkenbolde noch Schmäher noch Erpresser werden Gottes Königreich erben.“ Anschließend zeigte er, dass sich Christen im ersten Jahrhundert ändern mussten. Er schrieb: „Doch waren das einige von euch“ — wohlgemerkt waren, nicht sind (1. Korinther 6:9-11).
3 Paulus deutete an, dass noch weitere Änderungen nötig sein könnten, denn er fügte hinzu: „Alle Dinge sind mir erlaubt; aber nicht alle Dinge sind von Vorteil“ (1. Korinther 6:12). Vielen, die Zeugen Jehovas sein möchten, ist bewusst, dass sie manchmal sogar zu etwas Nein sagen müssen, was nicht vorteilhaft oder nicht von bleibendem Wert ist, obwohl es eigentlich nichts Verbotenes wäre. Es kann etwas Zeitraubendes sein, was von etwas Wichtigerem ablenkt.
4. Worin stimmen Gott hingegebene Christen mit Paulus überein?
4 Wer sich Gott hingibt, tut dies freiwillig und nicht widerwillig, so als ob ein riesiges Opfer damit verbunden wäre. Gott hingegebene Christen stimmen mit Paulus überein, der Folgendes sagte, nachdem er ein Nachfolger Christi geworden war: „Um seinetwillen [Jesu willen] habe ich den Verlust aller Dinge erlitten, und ich betrachte sie als eine Menge Kehricht, damit ich Christus gewinne“ (Philipper 3:8). Paulus sagte gern Nein zu etwas Unwichtigem, damit er weiterhin Ja zu Gott sagen konnte.
5. An was für einem Wettlauf nahm Paulus mit Erfolg teil, und wie ist uns das möglich?
5 Paulus lief seinen Wettlauf mit Selbstbeherrschung und konnte schließlich sagen: „Ich habe den vortrefflichen Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe den Glauben bewahrt. Fortan ist mir die Krone der Gerechtigkeit aufbehalten, die mir der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tag als Lohn geben wird, doch nicht nur mir, sondern auch all denen, die sein Offenbarwerden geliebt haben“ (2. Timotheus 4:7, 8). Werden wir eines Tages auch so etwas sagen können? Ja, wenn wir in unserem christlichen Wettlauf in Treue bis ans Ende Selbstbeherrschung üben.
Selbstbeherrschung nötig, um Gutes zu tun
6. Was ist Selbstbeherrschung, und wobei benötigen wir sie?
6 Die hebräischen und griechischen Wörter, die mit Selbstbeherrschung übersetzt werden, bedeuten wörtlich „Macht oder Kontrolle über sich zu haben“. Oft vermitteln sie den Gedanken, sich vom Bösestun zurückzuhalten. Doch offensichtlich benötigen wir auch ein gewisses Maß an Selbstbeherrschung, wenn es darum geht, Gutes zu tun. Von Natur aus neigt der Mensch wegen seiner Unvollkommenheit dazu, verkehrt zu handeln. Somit kämpfen wir an zwei Fronten (Prediger 7:29; 8:11). Zum einen halten wir uns davon zurück, böse zu handeln, zum anderen müssen wir uns anstrengen, Gutes zu tun. Wenn wir uns selbst dazu zwingen, Gutes zu tun, ist das ein wirksamer Schutz davor, schlecht zu handeln.
7. (a) Worum sollten wir wie David beten? (b) Worüber nachzudenken hilft uns, Selbstbeherrschung zu üben?
7 Selbstbeherrschung ist unerlässlich, wenn wir unserer Hingabe an Gott gerecht werden möchten. Daher müssen wir wie David Gott bitten: „Schaffe in mir auch ein reines Herz, o Gott, und leg einen neuen, einen festen Geist in mich“ (Psalm 51:10). Wir sollten darüber nachdenken, wie vorteilhaft es ist, alles zu vermeiden, was moralisch verkehrt ist oder unserem Körper schadet. Denken wir auch an die schädlichen Folgen, die sich sonst einstellen: zwischenmenschliche Probleme, ernste gesundheitliche Schäden oder sogar ein vorzeitiger Tod. Dagegen hat die Lebensweise, die Jehova von uns wünscht, viele Vorteile. Seien wir aber auch realistisch und vergessen wir nicht, dass das Herz verräterisch ist (Jeremia 17:9). Wenn es uns also einreden möchte, es sei nicht so wichtig, uns an Jehovas Maßstäbe zu halten, müssen wir uns energisch dagegen wehren.
8. Was lehrt uns die Erfahrung? Beschreibe es.
8 Die meisten von uns wissen aus Erfahrung, dass das unwillige Fleisch oftmals das Feuer eines willigen Geistes auslöschen möchte. Denken wir beispielsweise an das Predigen des Königreiches. Jehova freut sich, dass sich Menschen bereitwillig an diesem lebensrettenden Werk beteiligen (Psalm 110:3; Matthäus 24:14). Den meisten von uns fiel es nicht leicht, predigen zu lernen. Wir mussten — und müssen vielleicht immer noch — unseren Körper ‘zerschlagen’ und ‘ihn zum Sklaven machen’, statt uns von ihm auf den Weg des geringsten Widerstands führen zu lassen (1. Korinther 9:16, 27; 1. Thessalonicher 2:2).
„In allen Dingen“?
9, 10. Was gehört dazu, ‘in allen Dingen Selbstbeherrschung zu üben’?
9 Die biblische Aufforderung ‘in allen Dingen Selbstbeherrschung zu üben’ legt nahe, dass es nicht nur darum geht, unser Temperament zu zügeln und kein unmoralisches Leben zu führen. Vielleicht glauben wir, dass wir uns in dieser Hinsicht in der Gewalt haben; und wenn das so ist, können wir wirklich dankbar sein. Wie sieht es aber auf anderen Gebieten aus, wo Selbstbeherrschung nicht so notwendig zu sein scheint? Angenommen, wir leben in einem relativ wohlhabenden Land, in dem ein hoher Lebensstandard herrscht. Wäre es da nicht gut, wenn wir lernen würden, zu unnötigen Anschaffungen Nein zu sagen? Eltern sollten ihren Kindern beibringen, nicht alles zu kaufen, was man sieht und was einem gefällt, auch wenn man es sich leisten könnte. Das ist natürlich nur dann wirkungsvoll, wenn die Eltern selbst ein gutes Beispiel geben (Lukas 10:38-42).
10 Wer es lernt, auf etwas zu verzichten, stärkt seine Willenskraft. Seine Wertschätzung für das, was er besitzt, nimmt zu, und er kann sich besser in diejenigen hineinversetzen, die zwangsläufig auf vieles verzichten müssen. Wer bescheiden ist, lebt natürlich nicht nach der populären Devise: „Man gönnt sich ja sonst nichts“, oder: „Das bin ich mir wert.“ Die Werbung propagiert Sofortgenuss. Dahinter steckt reines Profitstreben. Dadurch haben wir es schwerer, Selbstbeherrschung zu üben. In einer Zeitschrift eines wohlhabenden europäischen Landes war kürzlich zu lesen: „Wenn es aber schon unter Bedingungen extremer Reizarmut heftiger innerer Kämpfe bedarf, um unerwünschte Impulse in Schach zu halten — wie schwer ist es dann in der schlaraffiösen Welt der Überflussgesellschaft?“
11. Warum ist es nützlich, verzichten zu lernen, doch wodurch wird dies erschwert?
11 Falls es uns schwer fällt, zu unterscheiden, ob wir etwas nur wünschen oder ob wir es wirklich benötigen, sollten wir Vorsichtsmaßnahmen treffen, damit wir nicht unverantwortlich handeln. Neigen wir beispielsweise dazu, unkontrolliert Geld auszugeben, sollten wir lieber nicht auf Kredit kaufen und grundsätzlich nur mit einer bestimmten Geldsumme einkaufen gehen. Vergessen wir nicht, dass Paulus sagte, „Gottergebenheit zusammen mit Selbstgenügsamkeit“ sei „ein Mittel zu großem Gewinn“. Er argumentierte folgendermaßen: „Wir haben nichts in die Welt hineingebracht, und wir können auch nichts mit hinaustragen. Wenn wir also Lebensunterhalt und Bedeckung haben, werden wir mit diesen Dingen zufrieden sein“ (1. Timotheus 6:6-8). Sind wir damit zufrieden? Zu lernen, ein einfaches Leben zu führen, unbelastet durch Genusssucht oder Maßlosigkeit irgendwelcher Art, setzt zwar Willenskraft und Selbstbeherrschung voraus, lohnt sich jedoch.
12, 13. (a) Wieso brauchen wir in christlichen Zusammenkünften Selbstdisziplin? (b) In welchen anderen Bereichen müssen wir Selbstdisziplin üben?
12 Auch bei christlichen Zusammenkünften und Kongressen ist Selbstbeherrschung gefragt. Wir benötigen sie beispielsweise, damit unsere Gedanken während des Programms nicht auf Wanderschaft gehen (Sprüche 1:5). Es erfordert Selbstbeherrschung, andere nicht durch Flüstern mit unseren Nachbarn zu stören, sondern dem Redner aufmerksam zuzuhören. Gute Planung, damit wir rechtzeitig ankommen, kann ebenfalls eine Sache der Selbstdisziplin sein. Das Gleiche gilt für die Vorbereitung auf die Zusammenkünfte und die Beteiligung daran.
13 In kleinen Dingen Selbstbeherrschung zu üben gibt uns die Kraft, es auch in bedeutenderen Angelegenheiten zu schaffen (Lukas 16:10). Sollten wir daher nicht Selbstdisziplin üben und regelmäßig Gottes Wort und die biblischen Veröffentlichungen lesen, sie studieren und über das Gelernte nachdenken? Brauchen wir nicht auch Selbstdisziplin, wenn es um so etwas wie eine bedenkliche Arbeitsstelle, eine zweifelhafte Freundschaft oder eine fragwürdige Einstellung oder Gewohnheit geht? Und wie ist es mit Aktivitäten, die uns kostbare Zeit rauben, Zeit, die wir eigentlich für unseren heiligen Dienst benötigen? Sollten wir da nicht auch Selbstdisziplin üben und Nein sagen? Im Dienst für Jehova beschäftigt zu bleiben ist bestimmt ein ausgezeichneter Schutz vor allem, was uns aus dem geistigen Paradies der weltweiten Christenversammlung weglocken könnte.
Vollerwachsene Christen durch Selbstbeherrschung
14. (a) Wie sollten Kinder Selbstbeherrschung lernen? (b) Von welchem Nutzen ist es, wenn Kinder das schon früh im Leben lernen?
14 Ein Neugeborenes zeichnet sich nicht durch Selbstbeherrschung oder Selbstkontrolle aus. In einer von Kinderpsychologen verfassten Druckschrift heißt es: „Selbstkontrolle entsteht weder automatisch noch unvermittelt. Säuglinge und Kleinkinder brauchen die elterliche Anleitung und Unterstützung, damit der für die Selbstkontrolle nötige Lernprozess einsetzt. ... Die Selbstkontrolle nimmt mit den Schuljahren zu, wenn Eltern den Prozess entsprechend steuern.“ Wie eine Studie an Vierjährigen ergab, wurden aus Kindern, die es gelernt hatten, ein gewisses Maß an Selbstbeherrschung zu üben, „im Allgemeinen anpassungsfähigere, beliebtere, abenteuerlustigere, selbstbewusstere und zuverlässigere Teenager“. Diejenigen, die es nicht gelernt hatten, „neigten eher zu Einsamkeit, Frustration und Eigensinn. Sie gaben unter Belastungen nach und schreckten vor Herausforderungen zurück.“ Damit aus einem Kind ein ausgeglichener Erwachsener wird, muss es offensichtlich Selbstbeherrschung lernen.
15. Worauf lässt mangelnde Selbstbeherrschung schließen, und wonach sollten wir gemäß der Bibel streben?
15 Wenn wir vollerwachsene Christen werden möchten, müssen wir ebenfalls Selbstbeherrschung lernen. Wenn es uns daran mangelt, sind wir eigentlich noch geistige Kleinkinder. Die Bibel fordert uns auf: „Werdet ... Erwachsene an Verständnisvermögen“ (1. Korinther 14:20). Unser Ziel ist es, „zur Einheit im Glauben und in der genauen Erkenntnis des Sohnes Gottes [zu] gelangen, zum vollerwachsenen Mann, zum Maße des Wuchses, der zur Fülle des Christus gehört“. Warum? „Damit wir nicht mehr Unmündige seien, die wie von Wellen umhergeworfen und von jedem Wind der Lehre hierhin und dorthin getrieben werden durch das Trugspiel der Menschen, durch List im Ersinnen von Irrtum“ (Epheser 4:13, 14). Selbstbeherrschung zu lernen ist für unser Geistiggesinntsein somit unerlässlich.
Selbstbeherrschung entwickeln
16. Wie sorgt Jehova für Hilfe?
16 Selbstbeherrschung zu entwickeln ist ohne Gottes Hilfe nicht möglich. Diese Hilfe steht uns aber zur Verfügung. Aus Gottes Wort, das mit einem vollkommenen Spiegel zu vergleichen ist, erfahren wir, worin wir uns noch ändern müssen und wie (Jakobus 1:22-25). Wir haben eine liebevolle Bruderschaft, die uns Hilfe bieten kann. Älteste zeigen Verständnis und stehen uns zur Seite. Jehova gibt uns großzügig seinen heiligen Geist, wenn wir ihn darum bitten (Lukas 11:13; Römer 8:26). Machen wir ruhig von diesen Hilfen Gebrauch. Auch der Kasten auf Seite 21 enthält wertvolle Anregungen.
17. Welche Ermunterung enthält Sprüche 24:16 für uns?
17 Wie tröstlich ist es doch, zu wissen, dass Jehova unser Bemühen schätzt, ihm zu gefallen! Das sollte uns motivieren, immer weiter nach Selbstbeherrschung zu streben. Geben wir nie auf, ganz gleich, wie oft wir scheitern. „Der Gerechte mag sogar siebenmal fallen, und er wird bestimmt aufstehen“ (Sprüche 24:16). Jedes Mal, wenn wir einen Sieg verbuchen können, haben wir allen Grund, uns zu freuen. Auch dürfen wir überzeugt sein, dass sich Jehova über uns freut. Ein Glaubensbruder erzählte aus der Zeit vor seiner Hingabe an Jehova Folgendes: Jedes Mal, wenn er es geschafft hatte, eine Woche lang nicht zu rauchen, belohnte er sich für seine Selbstbeherrschung, indem er sich von dem gesparten Geld etwas Nützliches kaufte.
18. (a) Wo fängt unser Kampf um Selbstbeherrschung an? (b) Was sichert uns Jehova zu?
18 Vor allem sollten wir daran denken, dass Selbstbeherrschung Gedanken und Gefühle einbezieht. Das ist aus den Worten Jesu zu erkennen, dass „jeder, der fortwährend eine Frau ansieht, um so in Leidenschaft zu ihr zu entbrennen, in seinem Herzen schon mit ihr Ehebruch begangen hat“ (Matthäus 5:28; Jakobus 1:14, 15). Wer es gelernt hat, seine Gedanken und Gefühle zu beherrschen, dem fällt es auch leichter, seinen ganzen Körper zu beherrschen. Nehmen wir uns daher nicht nur fest vor, nichts Verkehrtes zu tun, sondern auch, über Verkehrtes nicht nachzudenken. Verscheuchen wir schlechte Gedanken unverzüglich. Wir können vor der Versuchung fliehen, indem wir unseren Blick fest auf Jesus gerichtet halten (1. Timotheus 6:11; 2. Timotheus 2:22; Hebräer 4:15, 16). Tun wir unser Möglichstes und befolgen wir dabei den Rat aus Psalm 55:22: „Wirf deine Bürde auf Jehova, und er selbst wird dich stützen. Niemals wird er zulassen, dass der Gerechte wankt.“
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Selbstbeherrschung üben und den Preis gewinnenDer Wachtturm 2003 | 15. Oktober
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[Kasten/Bilder auf Seite 21]
Wie man sich in der Selbstbeherrschung verbessern kann
• Übe sie selbst in kleinen Dingen
• Denke über die unmittelbaren und die langfristigen Vorteile nach
• Meide alles, was Gott verbietet, indem du dich bewusst bemühst, Gutes zu tun
• Verscheuche schlechte Gedanken unverzüglich
• Fülle deinen Sinn mit erbauenden Gedanken
• Nimm die Hilfe reifer Mitchristen in Anspruch
• Vermeide Situationen, die zu einer Versuchung werden könnten
• Bitte Gott bei Versuchungen um Hilfe
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