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Der Schintoismus — Japans Suche nach GottDie Suche der Menschheit nach Gott
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Auf der Suche nach dem Ursprung der japanischen Kultur studierte Motoori die Klassiker, besonders die schintoistischen Schriften, die als Kodschiki bezeichnet werden.
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Der Schintoismus — Japans Suche nach GottDie Suche der Menschheit nach Gott
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Die „heilige Schrift“ des Schintoismus
22, 23. (a) Welche zwei Edikte erließ der Kaiser? (b) Warum wurden diese Edikte für heilig gehalten?
22 Während der Schintoismus seine Mythen, Riten und Gebete im Kodschiki, Nihongi und Engischiki hatte, fehlte dem Staats-Schinto ein heiliges Buch. Im Jahre 1882 erließ Kaiser Meidschi das kaiserliche Edikt an die Soldaten und Seeleute. Da es vom Kaiser kam, betrachteten die Japaner es als heilige Schrift, und es wurde die Grundlage für die täglichen Meditationen der Angehörigen der Streitkräfte. Darin wurde betont, daß die Pflicht, dem göttlichen Kaiser die Schulden zu bezahlen und den Verantwortlichkeiten ihm gegenüber nachzukommen, wichtiger sei als alle Pflichten, die man anderen gegenüber haben könne.
23 Einen weiteren Teil der Schinto-Bibel bildete das kaiserliche Erziehungsedikt, das am 30. Oktober 1890 herausgegeben wurde. Es „legte nicht nur die Grundsätze für die Schulbildung fest, sondern wurde auch die heilige Schrift des Staats-Schinto“, schreibt Shigeyoshi Murakami, ein Gelehrter auf dem Gebiet des Staats-Schinto. In dem Edikt hieß es, daß die „historische“ Beziehung zwischen den mythischen kaiserlichen Ahnen und ihren Untertanen die Grundlage der Erziehung sei. Wie betrachteten die Japaner diese Edikte?
24. (a) Führe ein Beispiel dafür an, wie die Leute diese kaiserlichen Edikte betrachteten. (b) Wie führte der Staats-Schinto zum Kaiserkult?
24 „Als ich noch zur Schule ging, pflegte der Konrektor ein hölzernes Kästchen in Augenhöhe zu halten und es ehrfürchtig auf die Bühne zu tragen“, erinnert sich Asano Koshino. „Der Rektor nahm das Kästchen entgegen und zog eine Rolle heraus, auf der das kaiserliche Erziehungsedikt geschrieben stand. Während das Edikt vorgelesen wurde, durften wir nicht aufschauen, bis wir die abschließenden Worte hörten: ‚der Name Seiner Majestät und Sein Siegel‘. Wir hörten die Worte so oft, daß sie sich uns einprägten.“ Bis 1945 wurde die ganze Nation durch ein auf Mythologie beruhendes Erziehungssystem so gesteuert, daß sie absolut kaisertreu war. Der Staats-Schinto galt als die Religion der Religionen, und die 13 schintoistischen Sekten, die andere Lehren vertraten, galten als Sekten-Schinto.
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