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  • „Meine Liebe zu Jehova hat mich gestützt”
    Lebensberichte von Zeugen Jehovas
    • Georgi Portschuljan.

      GEORGI PORTSCHULJAN | LEBENSBERICHT

      „Meine Liebe zu Jehova hat mich gestützt“

      Ich war erst 23 Jahre alt, als ich in ein Arbeitslager in der rauen Gegend von Magadan in Sibirien geschickt wurde. Vor gerade einmal einem Jahr hatte ich mich als Zeuge Jehovas taufen lassen. Weil ich so unerfahren war und oft nicht nachdachte, bevor ich etwas tat, endete mein erster Versuch, einem Mitgefangenen etwas von meinem neuen Glauben zu erzählen, fast in einer Schlägerei.

  • „Meine Liebe zu Jehova hat mich gestützt”
    Lebensberichte von Zeugen Jehovas
    • Ich wurde zu 15 Jahren Zwangsarbeit verurteilt und mit dem Zug in die Kolyma-Region nach Sibirien gebracht, die für ihre vielen Straflager berüchtigt war. Um die Kontrolle über die Gefangenen zu behalten, schlugen uns die Wärter und Beamten und gaben uns nichts zu essen. Anfangs fragte ich mich, wie ich das überleben sollte.

      Ich lerne Gottes Fürsorge und Schulung kennen

      Kurz nach meiner Ankunft fragten mich einige der 34 Zeugen Jehovas, die bereits im Straflager inhaftiert waren, vorsichtig: „Gibt es irgendwelche Jonadabe in deiner Gruppe?“ Ich wusste sofort, dass das meine Glaubensbrüder sein mussten. Wer sonst würde einen solchen biblischen Ausdruck verwenden? Diese erfahrenen Brüder haben mir nicht nur beigebracht, wie man in schwierigen Situationen biblische Grundsätze anwendet, sie haben mir auch geholfen, christliche Eigenschaften sowie ein gutes Urteilsvermögen zu entwickeln.

      Im Straflager arbeitete ich als Mechaniker. Eines Tages prahlte ein Mitgefangener namens Matfei damit, dass er die Namen von 50 Heiligen auswendig aufsagen könne. Als ich eine beleidigende Bemerkung über diese sogenannten Heiligen machte, versuchte Matfei mich zu schlagen, aber ich lief davon. Später ärgerte ich mich, als ich sah, dass die Brüder über mich lachten. Ich rief: „Worüber lacht ihr? Ich habe versucht zu predigen!“ Sie erinnerten mich freundlich daran, dass es unser Ziel ist, die gute Botschaft zu verkünden und nicht, jemanden zu beleidigen (1. Petrus 3:15). Obwohl Matfei ein Regimegegner war, beeindruckte es ihn, wie respektvoll sich die Zeugen Jehovas den Wächtern und den Behörden gegenüber verhielten. Schließlich zeigte er Interesse an der Botschaft der Bibel. Ich werde niemals vergessen, wie er nachts heimlich in einem Fass mit kaltem Wasser getauft wurde.

      Zwei junge Brüder und ich wurden kurz nach unserer Ankunft im Lager aufgefordert, an einem Unterricht über politische Theorie teilzunehmen. Zunächst weigerten wir uns, bei so etwas mitzumachen. Wir dachten, wir würden dadurch unsere christliche Neutralität verletzen (Johannes 17:16). Zur Strafe wurden wir für zwei Wochen in eine dunkle Zelle gesperrt. Als wir wieder freigelassen wurden, erklärten uns fürsorgliche Brüder, dass allein die Teilnahme an so einem Kurs nicht unbedingt bedeutet hätte, unsere christliche Neutralität aufzugeben. Stattdessen könnten wir es auch als eine Möglichkeit sehen, ein gutes Zeugnis zu geben. Diese lieben Brüder zeigten uns, wie wir weise Entscheidungen treffen und biblische Grundsätze anwenden konnten.

      Ihre geduldige Schulung war für mich ein deutlicher Beweis für Jehovas Fürsorge. Ein Beispiel: Ein Gefangener, ein Priester, war zum Chefbuchhalter ernannt worden. Jedes Mal wenn wir uns bei den Mahlzeiten über den Weg liefen, begrüßte er mich mit: „Hallo, Sohn des Teufels!“ Ein anderer Gefangener riet mir, ich solle ihm doch mal mit „Hallo Papa!“ antworten. Leider befolgte ich seinen Rat und wurde deshalb übel zusammen­geschlagen. Als die Brüder herausfanden, was passiert war, erklärten sie mir, dass mein Verhalten nicht angebracht gewesen war (Sprüche 29:11). Später entschuldigte ich mich bei dem Priester.

      Bevor ich ins Straflager kam, besuchte ich die heimlichen Zusammenkünfte nachts oder am frühen Morgen. Aber im Lager konnten wir uns nirgendwo verstecken. Deswegen stellten wir Brüder uns jeden Tag in einem Kreis auf, direkt vor den Augen der Wachen, um einige Schriftstellen zu besprechen, die wir vorher auf kleine Zettel geschrieben hatten. Unser Ziel war es, möglichst viele Schriftstellen auswendig zu lernen und sie uns regelmäßig ins Gedächtnis zu rufen. Wenn ein Wärter unser Treffen unterbrach, schluckten wir unsere Notizen schnell herunter.

      Brüder im Straflager besprechen Bibeltexte, die sie vorher auf kleine Zettel geschrieben haben.

      Weil es im Straflager keine Möglichkeit gab, sich zu verstecken, lasen inhaftierte Zeugen Jehovas vor den Augen der Wachen die Bibel

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