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RusslandJahrbuch der Zeugen Jehovas 2008
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Manchmal installierte er heimlich Abhörgeräte bei Brüdern, die Verantwortung in der Versammlung hatten. Grigorij Siwulskij, der während der Verbotszeit 25 Jahre im Bezirksdienst war, schilderte, wie er 1958 so ein Gerät auf seinem Dachboden entdeckte: „Wir wohnten damals am Rand der sibirischen Stadt Tulun im oberen Stock eines zweigeschossigen Hauses. Einmal kam ich heim und hörte Bohrgeräusche auf dem Dachboden, wo ein Großteil der Literatur deponiert war. Mir war sofort klar, dass der KGB nach typischer Manier den Dachboden verwanzte.
Am Abend erzählte ich der ganzen Familie von meinem Verdacht. Wir beschlossen, in unseren vier Wänden eine Weile nicht mehr über die Versammlung zu reden. Wir stellten das Radio an, drehten es schön laut und ließen es eine ganze Woche laufen. Am Wochenende stieg ich dann mit einem Bruder auf den Dachboden, wo wir ein Abhörgerät mit Kabel fanden. Das Kabel führte von dort aus nach draußen — geradewegs in Richtung Stadt, wo der KGB saß. Ganz offensichtlich hatten sie alles aufgenommen, aber diesmal bestand ihre ganze Ausbeute nur aus Rundfunksendungen.“
UNTERWANDERUNG DURCH DEN KGB
Der KGB merkte, dass der Eifer der Zeugen durch offene Verfolgung nicht zu dämpfen war. Also säte er durch raffinierte Winkelzüge und Täuschungsmanöver Misstrauen gegen Brüder in Schlüsselstellungen und die Organisation generell. Dazu schleuste er zum Beispiel erfahrene KGB-Leute in die Versammlungen ein.
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RusslandJahrbuch der Zeugen Jehovas 2008
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Das Misstrauen wuchs und wuchs. Deshalb hörten einige Brüder auf, die Versammlungsberichte an das Landeskomitee weiterzugeben. Die Verkündiger predigten zwar nach wie vor und gaben auch regelmäßig ihre Berichte ab, aber die meisten wussten nicht, dass ihre Berichte nicht mehr ans Landeskomitee weitergeleitet wurden. Im Jahr 1958 waren bereits Tausende von Verkündigern in ganzen Gruppen vom Landeskomitee abgeschnitten. In Irkutsk, Tomsk und später auch in anderen Städten Russlands wurden diese von der Organisation abgetrennten Gruppen immer größer. Im März 1958 gründeten sie dann ihr eigenes „Landeskomitee“, in der Hoffnung, es werde von allen Versammlungen anerkannt.
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