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Ein gut gehütetes GeheimnisErwachet! 2000 | 8. März
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Ein gut gehütetes Geheimnis
„Niemand darf in Sklaverei oder Leibeigenschaft gehalten werden; Sklaverei und Sklavenhandel in allen ihren Formen sind verboten“ (Allgemeine Erklärung der Menschenrechte).
WER das nächste Mal Zucker in seinen Kaffee rührt, tut gut daran, einmal an Prevot zu denken, einen Haitianer, dem man einen guten Job in einem anderen karibischen Land versprochen hatte. Statt dessen wurde er für acht Dollar verkauft.
Prevot teilt das Los von Tausenden seiner versklavten Landsmänner, die gezwungen sind, für wenig oder gar kein Geld sechs oder sieben Monate lang Zuckerrohr zu schneiden. Sie werden in beengten, schmutzigen Unterkünften gefangengehalten. Nachdem man ihnen ihre ganze Habe abgenommen hat, drückt man ihnen Macheten in die Hand. Wollen sie etwas zum Essen haben, müssen sie arbeiten. Versuchen sie zu fliehen, riskieren sie, geschlagen zu werden.
Ein anderes Beispiel ist Lin-Lin, ein Mädchen aus Südostasien. Beim Tod ihrer Mutter war Lin-Lin 13 Jahre alt. Eine Arbeitsvermittlungsstelle kaufte sie ihrem Vater für 480 Dollar ab und versprach ihr einen guten Job. Der für sie gezahlte Preis wurde als „Vorschuß auf ihren Lohn“ betrachtet — ein sicheres Mittel, um sie für immer an ihre neuen Besitzer zu binden. Statt eine anständige Arbeit zu erhalten, wurde Lin-Lin in ein Bordell gebracht, wo die Kunden dem Besitzer für eine Stunde mit ihr 4 Dollar zahlen. Lin-Lin ist praktisch eine Gefangene, denn sie kann nicht weggehen, bevor sie ihre Schulden bezahlt hat. Darunter fallen auch die Kosten, die sie dem Bordellbesitzer verursacht, sowie Zinsen und eigene Ausgaben. Weigert sich Lin-Lin, die Wünsche ihres Arbeitgebers zu erfüllen, wird sie unter Umständen geschlagen oder gefoltert. Oder schlimmer noch: Versucht sie wegzulaufen, wird sie möglicherweise umgebracht.
Freiheit für alle?
Die meisten denken, daß Sklaverei heute nicht mehr existiert. Und in einem Großteil der Länder wurde sie nach zahlreichen Abkommen, Erklärungen und Gesetzen offiziell auch tatsächlich für abgeschafft erklärt. Abscheu vor Sklaverei wird überall vehement zum Ausdruck gebracht. Nationale Gesetze verbieten die Sklaverei, und internationale Urkunden dokumentieren ihre Abschaffung — insbesondere der oben zitierte Artikel 4 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948.
Dennoch lebt und floriert die Sklaverei, auch wenn sie für manche ein gut gehütetes Geheimnis ist. Von Phnom Penh bis Paris, von Mumbai bis Brasília sind Millionen unserer Mitmenschen — Männer, Frauen und Kinder — gezwungen, als Sklaven oder unter sklavenähnlichen Bedingungen zu leben und zu arbeiten. Die in London ansässige Anti-Slavery International, die älteste Organisation der Welt zur Kontrolle von Zwangsarbeit, setzt die Zahl der als Sklaven gehaltenen Menschen bei Hunderten von Millionen an. Möglicherweise gibt es heute sogar mehr Sklaven auf der Welt als je zuvor!
Freilich sind die gängigen Vorstellungen von Sklaverei wie Fesseln, Peitschen und Auktionen nicht typisch für moderne Formen der Sklaverei. Zwangsarbeit, Zwangsverheiratungen, Schuldknechtschaft, Kinderarbeit und oftmals Prostitution sind nur einige der markanteren Formen der heutigen Sklaverei. Sklaven können sein: Konkubinen, Kameltreiber, Zuckerrohrschnitter, Teppichweber oder Straßenbauer. Natürlich werden die allermeisten von ihnen nicht auf einer öffentlichen Auktion verkauft, aber sie sind eigentlich in keiner besseren Position als ihre Vorgänger. Mitunter verläuft ihr Leben sogar noch tragischer.
Wer wird Sklave? Wie wird er zum Sklaven? Was tut man, um diesen Menschen zu helfen? Ist eine völlige Abschaffung der Sklaverei in Sicht?
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WAS IST MODERNE SKLAVEREI?
Diese Frage können selbst die Vereinten Nationen nach jahrelangem Engagement nur mit Mühe beantworten. Eine Definition des Begriffes Sklaverei wurde in der Sklavereikonvention aus dem Jahr 1926 formuliert, in der es hieß: „Sklaverei ist der Zustand oder die Stellung einer Person, an der die mit dem Eigentumsrechte verbundenen Befugnisse oder einzelne davon ausgeübt werden.“ Der Begriff ist jedoch dehnbar. Nach Ansicht der Journalistin Barbara Crossette ist „Sklaverei ein Stigma für die Situation der Niedriglohnarbeiter in der Bekleidungs- und Sportbekleidungsindustrie im Ausland und für Ausbeuterbetriebe in amerikanischen Städten. Damit soll die Sexindustrie und Gefängnisarbeit angeprangert werden.“
Nach Auffassung von Mike Dottridge, dem Direktor der Anti-Slavery International, „besteht die Gefahr, daß die Bedeutung des Wortes Sklaverei in dem Maße, wie die Sklaverei anscheinend neue Formen annimmt oder der Begriff im erweiterten Sinn angewandt wird, verwischt oder sogar geschmälert wird“. Seiner Meinung nach ist „Sklaverei durch ein Besitzverhältnis oder durch Kontrolle über das Leben eines anderen gekennzeichnet“. Das schließe die Ausübung von Zwang und die Einschränkung der Bewegungsfreiheit ein — „jemand ist nicht frei, zu gehen oder seinen Arbeitgeber zu wechseln“.
A. M. Rosenthal schrieb in der New York Times: „Die Sklaven führen ein echtes Sklavendasein: Schwerstarbeit, Vergewaltigung, Hunger, Folter, totale Erniedrigung.“ Weiter meinte er: „Ein Sklave kostet fünfzig Dollar, es ist [den Besitzern] deshalb ziemlich gleichgültig, wie lange er lebt, bevor seine Leiche irgendwo in einen Fluß geworfen wird.“
[Bildnachweis]
Ricardo Funari
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Wer sind die Sklaven heute?Erwachet! 2000 | 8. März
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Wer sind die Sklaven heute?
HALTEN wir uns doch nur einmal die Zahlen vor Augen. Man schätzt, daß zwischen 200 und 250 Millionen Kinder unter 15 Jahren von früh bis spät arbeiten. Eine viertel Million Kinder, manche von ihnen sind gerade einmal sieben Jahre alt, wurden allein 1995 und 1996 als Folge bewaffneter Konflikte eingezogen, und einige von ihnen wurden auf diese Weise Sklaven des Krieges. Die Zahl der Frauen und Kinder, die jedes Jahr als Sklaven verkauft werden, soll sich auf mehr als eine Million belaufen.
Nackte Zahlen sagen jedoch rein gar nichts über die verzweifelte Lage des einzelnen aus. In einem nordafrikanischen Land traf die Publizistin Elinor Burkett beispielsweise eine junge Frau namens Fatma, der es gelungen war, ihrem grausamen Herrn zu entfliehen. Nachdem Burkett jedoch mit ihr gesprochen hatte, war ihr klar, daß Fatma „immer eine Sklavin sein wird, und zwar in ihrem eigenen Denken“. Kann sich Fatma eine bessere Zukunft überhaupt vorstellen? „Sie kann nicht über das Heute hinausdenken“, sagt Burkett. „Das Konzept von einer Zukunft ist eine der vielen abstrakten Vorstellungen, die ihrem Denken fremd sind.“
Und auch jetzt, in ebendiesem Moment, befinden sich Millionen unserer Mitmenschen in der Sackgasse der Sklaverei. Warum und wie werden sie zu Sklaven? In welche Formen der Sklaverei werden sie hineingedrängt?
Menschenhändler
Unverblümter wie in einer Broschüre für Touristen, die in den Vereinigten Staaten kursiert, kann man es wohl kaum ausdrücken. Hier kann man lesen: „Sextouren nach Thailand. Echte Mädchen. Echter Sex. Echt billig. ... Haben Sie gewußt, daß Sie ein jungfräuliches Mädchen schon für knapp 200 Dollar haben können?“ Was die Broschüre jedoch nicht sagt, ist, daß diese „Jungfrauen“ wahrscheinlich entführt oder gegen ihren Willen an ein Bordell verkauft worden sind, wo sie am Tag durchschnittlich 10 bis 20 Kunden bedienen. Leisten sie keine sexuellen Dienste, werden sie geschlagen. Als in einem Bordell auf der Insel Phuket, einer Urlaubsgegend in Südthailand, ein Feuer ausbrach, kamen fünf Prostituierte in den Flammen um. Warum? Weil ihre Besitzer sie an die Betten gefesselt hatten, damit sie aus ihrem Gefängnis nicht ausbrechen konnten.
Woher kommen diese jungen Frauen? Berichten zufolge wird dieser Sektor der Sexindustrie mit Millionen von Frauen und Mädchen aus aller Welt aufgefüllt, die entführt, zur Prostitution gezwungen und an Bordelle verkauft wurden. Der internationale Sexhandel boomt, weil mehrere Faktoren zusammenkommen: Da ist zum einen die Armut in den Entwicklungsländern, zum anderen der Überfluß in den wohlhabenden Ländern und eine Gesetzgebung, die den internationalen Sklavenhandel und vertragsgebundene Knechtschaft ignoriert.
Frauenorganisationen in Südostasien schätzen, daß von Mitte der 70er Jahre bis Anfang der 90er Jahre weltweit 30 Millionen Frauen verkauft wurden. Menschenhändler kämmen Bahnhöfe, verarmte Dörfer sowie Straßen in der Stadt nach wehrlos wirkenden Mädchen und Frauen durch. Gewöhnlich sind die Opfer ungebildet, verwaist, verlassen worden oder mittellos. Man verspricht ihnen Arbeit, bringt sie über die Grenze und verschachert sie dann an Bordelle.
Seit dem Zusammenbruch des kommunistischen Blocks im Jahr 1991 gibt es eine neue Generation verarmter Frauen und Mädchen. Die Aufhebung der staatlichen Kontrollen, die Privatisierung und die zunehmende Ungleichheit der Gesellschaftsschichten haben zu wachsender Kriminalität, Armut und Arbeitslosigkeit geführt. Viele russische und osteuropäische Frauen und Mädchen sind mittlerweile in die Mühle der internationalen organisierten Prostitution geraten. „Menschenhandel ist weniger risikoreich als Drogenhandel“, sagte die ehemalige EU-Kommissarin Anita Gradin.
Der Kindheit beraubt
In einer kleinen Teppichfabrik in Asien arbeiten sage und schreibe 5jährige Kinder von 4 Uhr morgens bis 23 Uhr nachts, ohne bezahlt zu werden. In vielen Fällen sind arbeitende Kinder wie diese schweren Gesundheitsrisiken ausgesetzt: Sie müssen an gefährlichen Maschinen arbeiten, haben lange Arbeitstage in schwach beleuchteten und schlecht gelüfteten Räumen und hantieren bei der Produktion mit gefährlichen Chemikalien.a
Warum sind Kinder als Arbeitskräfte so begehrt? Weil Kinderarbeit billig ist und weil Kinder von Natur aus gefügig, leicht zu disziplinieren und zu verängstigt sind, sich zu beschweren. Ihre kleine Statur und ihre flinken Finger sind in den Augen skrupelloser Arbeitgeber für bestimmte Arbeiten wie das Teppichknüpfen von großem Vorteil. Oft erhalten solche Kinder Arbeit, wohingegen ihre Eltern zu Hause sitzen, weil sie keine Arbeit finden.
Für Kinder, die als Hausangestellte arbeiten, wird das Elend noch dadurch verschlimmert, daß insbesondere sie der sexuellen und körperlichen Mißhandlung preisgegeben sind. Viele Kinder werden auch entführt, in abgelegenen Lagern festgehalten und nachts angekettet, damit sie nicht fliehen können. Tagsüber müssen sie womöglich im Straßenbau oder im Steinbruch arbeiten.
Viele werden auch durch eine Zwangsverheiratung der Kindheit beraubt. Die Anti-Slavery International schilderte einen klassischen Fall: „Einem 12jährigen Mädchen wird gesagt, daß seine Eltern seine Heirat mit einem 60jährigen Mann arrangiert haben. Angeblich hat sie das Recht, diese Heirat zu verweigern, aber in der Praxis bietet sich ihr keine Gelegenheit, dieses Recht geltend zu machen, und es ist ihr auch nicht bewußt, daß sie das tun kann.“
Schuldknechtschaft
Hunderttausende von Arbeitern sind wie Sklaven an ihren Arbeitgeber und ihren Arbeitsplatz gebunden, weil sie oder ihre Eltern sich verschuldet haben. Leibeigenschaft entsteht hauptsächlich in Agrarregionen, wo sich die Leute als Hausknechte oder Feldarbeiter verdingen müssen. In manchen Fällen werden die Schulden von einer Generation auf die nächste übertragen; dadurch werden die Familienmitglieder auf Dauer in Knechtschaft gehalten. In anderen Fällen reichen die Arbeitgeber, denen die Betreffenden Geld schulden, die Schulden an einen neuen Arbeitgeber weiter. In Extremfällen erhalten die leibeigenen Arbeiter überhaupt keinen Lohn für ihre Arbeit. Oder sie werden durch verhältnismäßig geringe Vorschüsse auf ihren Lohn von ihrem Arbeitgeber in Abhängigkeit gehalten; dieser Vorgang wiederholt sich immer wieder, so daß sie dem Arbeitgeber versklavt sind.
Sklaverei aus religiöser Tradition
Binti aus Westafrika ist 12 Jahre alt und eines von Tausenden von Mädchen, die als Trokosi dienen, was in Ewe „Sklavinnen der Gottheiten“ bedeutet. Sie wird zu einem Leben der Sklaverei und der Buße gezwungen für ein Verbrechen, das sie nicht begangen hat: eine Vergewaltigung, die zu ihrer Geburt führte! Momentan beschränken sich ihre Aufgaben noch auf die Hausarbeit für den Fetischpriester im Dorf. Später werden Bintis Aufgaben auch sexuelle Dienste für den Priester — ihren Herrn — einschließen. Im mittleren Alter wird sie dann ersetzt werden. Der Priester wird sich andere attraktive Mädchen suchen, die ihm als Trokosi dienen.
Tausende von Mädchen, die wie Binti Opfer der Sklaverei aus religiöser Tradition sind, werden von ihren Familien als regelrechte Sklavinnen feilgeboten, damit sie für eine Handlung, die als Sünde oder Verstoß gegen heilige Verordnungen gilt, Buße tun. In etlichen Teilen der Welt werden Mädchen und Frauen gezwungen, religiöse Pflichten zu erfüllen sowie Priestern und anderen sexuelle Dienste zu leisten — und zwar unter dem Vorwand, daß sie mit einer Gottheit verheiratet seien. In vielen Fällen leisten diese Frauen weitere unbezahlte Dienste. Es steht ihnen nicht frei, ihren Aufenthaltsort oder ihre Arbeit zu wechseln; oft bleiben sie viele Jahre lang versklavt.
Herkömmlicher Sklavenhandel
Obwohl die meisten Länder behaupten, die Sklaverei offiziell abgeschafft zu haben, blüht der traditionelle oder herkömmliche Sklavenhandel in einigen Gegenden in letzter Zeit wieder auf, und zwar gewöhnlich in Regionen, die von Bürgerkriegen oder bewaffneten Konflikten zerrissen sind. „In Konfliktgebieten ist das Gesetz praktisch aufgehoben“, berichtete Anti-Slavery International, „so daß Soldaten oder bewaffnete Milizen Menschen dazu zwingen können, unentgeltlich für sie zu arbeiten, ... ohne Vergeltung fürchten zu müssen; solche Praktiken werden hauptsächlich aus Gegenden berichtet, wo bewaffnete Gruppen, die keine internationale Anerkennung erlangt haben, die Kontrolle innehaben.“ Gleichzeitig erklärte die Organisation allerdings auch, es gebe „in jüngster Zeit Berichte von Regierungssoldaten, die Zivilisten außerhalb jeder Legalität zu Sklavenarbeit zwingen würden. Soldaten und Milizen sollen sich auch am Sklavenhandel beteiligt und Gefangene als Arbeitskräfte verkauft haben.“
Leider wird die Menschheit nach wie vor von dem Fluch der Sklaverei verfolgt, nur daß die Sklaverei heute viele Gesichter hat und viele verschiedene Formen annimmt. Denken wir noch einmal einen Moment an die vielen Menschen, die das betrifft — an die Millionen von Menschen, die rund um den Erdball als Sklaven darben. Erinnern wir uns noch einmal an ein oder zwei moderne Sklaven, deren Geschichte wir auf diesen Seiten gelesen haben, vielleicht an Lin-Lin oder an Binti. Wünschen wir uns, daß dem Verbrechen der modernen Sklaverei Einhalt geboten wird? Wird die Abschaffung der Sklaverei je Wirklichkeit werden? Bevor es dazu kommen kann, müssen radikale Veränderungen stattfinden. Sie werden im nächsten Artikel beschrieben.
[Fußnote]
a Siehe die Artikelserie „Kinderarbeit — Ein Ende in Sicht!“ im Erwachet! vom 22. Mai 1999.
[Kasten/Bild auf Seite 6]
AUF LÖSUNGEN HINARBEITEN
Verschiedene Organisationen, wie das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen und die Internationale Arbeitsorganisation, bemühen sich eifrig, Strategien zur Abschaffung der modernen Sklaverei zu entwerfen und umzusetzen. Außerdem haben eine Reihe von Nichtregierungsorganisationen wie Anti-Slavery International und Human Rights Watch sich darum bemüht, die moderne Sklaverei mehr in das Bewußtsein der Öffentlichkeit zu rücken und die Opfer aus der Sklaverei zu befreien. Einige dieser Organisationen setzen sich für die Einführung spezieller Aufkleber ein, die darauf hinweisen, daß das jeweilige Produkt nicht in Sklaven- oder Kinderarbeit hergestellt wurde. Andere Organisationen verlangen in den Ländern, von denen „Sextouren“ ausgehen, eine Gesetzgebung, die es ermöglicht, daß jeder, der Sex mit Kindern hat, nach der Rückkehr in sein Land strafrechtlich verfolgt werden kann. Manche Menschenrechtsaktivisten haben Sklavenhändlern und -haltern sogar viel Geld gezahlt, um so viele Sklaven wie möglich freizukaufen. Ihre Vorgehensweise hat etliche Kontroversen ausgelöst, weil dadurch möglicherweise ein lukrativer Sklavenmarkt geschaffen wird und die Preise für Sklaven aufgebläht werden.
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Moderne Sklaverei — Bald Vergangenheit!Erwachet! 2000 | 8. März
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Moderne Sklaverei — Bald Vergangenheit!
„Die Freiheit eines Menschen ist ein Stück von der allgemeinen Freiheit, ihr könnt euch nicht gegen die eine vergehen, ohne die andere zu compromittiren“ (Victor Schölcher, französischer Journalist und Politiker, 1848).
„WAS ist das für eine dunkle Seite im Menschen, die immer wieder seinen Nächsten verachtet, ausbeutet, unterjocht?“ lautete die Frage im UNESCO-Kurier. „Wie kommt es, daß dieses Verbrechen gegen die Menschlichkeit unbestraft bleibt, auch nach der Erfindung der Menschenrechte?“
Die Antwort ist komplex. Habgier ist die Triebkraft hinter billiger Kinderarbeit und dem Auftreten der Schuldknechtschaft. Armut und fehlende Bildung werden dafür verantwortlich gemacht, daß Mädchen in die Prostitution verkauft oder zwangsverheiratet werden. Der Sklaverei aus religiöser Tradition liegen religiöse Normen und kulturelle Vorstellungen zugrunde. Und was die Männer angeht, die nach Bangkok oder Manila reisen, um dort aidsfreie Jungen oder Mädchen zu finden — sie haben ganz klar unmoralische, perverse Motive. All das gehört zu einer Welt, in der die Menschen „eigenliebig“ sind, „geldliebend, ... ohne natürliche Zuneigung, ... ohne Selbstbeherrschung, brutal“, um es mit den Worten des Apostels Paulus auszudrücken, eines Rechtsgelehrten im ersten Jahrhundert (2. Timotheus 3:1-5). Es gehört zu einer Welt, in der das, ‘was krumm gemacht ist, nicht geradegemacht werden kann’, und das, ‘was fehlt, unmöglich gezählt werden kann’, um die Worte eines alten Staatsmanns namens Salomo zu zitieren (Prediger 1:15).
Ein Sinneswandel
Bedeutet das, daß nichts getan werden kann oder nichts getan werden wird, um der Sklaverei — ganz gleich, ob in der herkömmlichen Form oder in den neueren Formen — ein für allemal ein Ende zu setzen? Ganz und gar nicht!
Wie die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte erklärt, ist Sklaverei eine „Geisteshaltung“ in den Köpfen der Menschen. Sie sagt: „Selbst wenn die Sklaverei abgeschafft ist, hinterläßt sie Spuren. Sie kann in den Köpfen der Opfer und ihrer Nachkommen sowie in den Köpfen der Erben derjenigen, die die Sklavenhaltung praktizierten, weiterbestehen, lange nachdem sie formal verschwunden ist.“
Sklaverei ließe sich somit unter anderem dadurch abschaffen, daß man auf weltweiter Ebene einen Sinneswandel, eine Veränderung der Herzenseinstellung, bewirkt. Das würde eine andere Form der Aufklärung erfordern: Die Menschen müßten gelehrt werden, ihre Mitmenschen zu lieben und die Würde des anderen zu achten. Man müßte ihnen helfen, die Habgier aus ihrem Herzen auszumerzen und sich von hohen Moralbegriffen leiten zu lassen. Wer bietet ein derartiges Erziehungsprogramm? Nach Aussage der UN-Hochkommissarin „muß jeder seinen Beitrag zu der Schaffung einer Weltordnung leisten, in der unmenschliche Ausbeutung nicht länger toleriert wird“.
Werfen wir einen Blick auf ein Erziehungsprogramm, das weltweit von der christlichen Gemeinschaft der Zeugen Jehovas durchgeführt wird. Durch dieses Programm haben aufrichtige Menschen gelernt, unmenschliche Ausbeutung weder zu tolerieren noch zu billigen. Es hat Millionen Menschen in über 230 Ländern und Inselgebieten gelehrt, alle ihre Mitmenschen würdevoll zu behandeln. Warum hat dieses Programm einen solchen Erfolg?
Weil es auf der Bibel beruht, einem vom Schöpfer des Menschen inspirierten Buch. Dieses Buch schützt die menschliche Würde. Menschen, die durch das Erziehungsprogramm von Jehovas Zeugen über die Bibel unterwiesen werden, lernen unseren Schöpfer, Jehova, selbst als einen Gott der Würde kennen (1. Chronika 16:27). Er verleiht seiner ganzen Schöpfung Würde. Das schließt Männer und Frauen aus allen Rassen, sozialen Schichten und Klassen ein. (Siehe Kasten „Die Freiheit und Würde des Menschen — Wer ist ihr Urheber?“)
Gleichheit sowie Achtung vor der Menschenwürde
Die Bibel lehrt, daß Gott „aus e i n e m Menschen jede Nation der Menschen gemacht [hat], damit sie auf der ganzen Erdoberfläche wohnen“ (Apostelgeschichte 17:26). Aus diesem Grund kann sich keiner anmaßen, seinem Mitmenschen überlegen zu sein, oder sich das Recht herausnehmen, andere zu unterdrücken oder auszubeuten. Wer sich gern belehren läßt, wird zu der Einsicht kommen, daß „Gott nicht parteiisch ist, sondern daß für ihn in jeder Nation der Mensch, der ihn fürchtet und Gerechtigkeit wirkt, annehmbar ist“ (Apostelgeschichte 10:34, 35). Ihm wird bewußt, daß Gottes Liebe allumfassend ist, denn das Privileg, ein enges Verhältnis zu Gott zu haben, steht allen Menschen offen. Tatsächlich „hat Gott die Welt [so sehr] geliebt, daß er seinen einziggezeugten Sohn gab, damit jeder, der Glauben an ihn ausübt, nicht vernichtet werde, sondern ewiges Leben habe“ (Johannes 3:16).
Dieses auf der Bibel aufbauende Bildungsprogramm hat eine nachhaltige Wirkung auf den Charakter. Es kann das Herz und den Sinn von Menschen ‘vollständig erneuern’ (Epheser 4:22-24, NT 68). Es motiviert sie, ihre Mitmenschen mit Würde und Respekt zu behandeln. Sie sind entschlossen, „gegenüber allen das Gute [zu] wirken“ (Galater 6:10). Jemand, der an der unmenschlichen Ausbeutung und Unterdrückung irgendeines Mitmenschen beteiligt ist, kann kein wahrer Christ sein. Jehovas Zeugen freuen sich, eine christliche Gemeinschaft ähnlich der Christenversammlung im ersten Jahrhundert zu sein, in der es ‘weder Juden noch Griechen, weder Sklaven noch Freie’ gab. ‘Alle waren e i n e r in Gemeinschaft mit Christus Jesus’ (Galater 3:28).
Ein Regierungswechsel
Damit allerdings alle Formen der Sklaverei dauerhaft ausgemerzt werden, ist eine drastische Veränderung in der menschlichen Gesellschaft vonnöten. Um der Ausbeutung von Menschen ein Ende zu machen, muß nach Meinung der Internationalen Arbeitsorganisation „das Umfeld geändert werden, das [derlei Praktiken] zuläßt und billigt“. Internationales Handeln, internationale Zusammenarbeit und das Engagement der Weltgemeinschaft sind weitere von dieser Organisation gelieferte Stichwörter.
Das würde logischerweise eine Macht erfordern, die die Situation auf unserem Planeten im Griff hätte, eine Macht, die universale Freiheit garantieren könnte. Wie Boutros Boutros-Ghali, der frühere UN-Generalsekretär, erklärte, müßten die eigentlichen Probleme auf unserem Planeten „auf globaler Ebene“ gelöst werden. Nicht jeder ist sich jedoch so sicher, daß das jemals gelingen könnte. Die Vergangenheit zeigt, daß viele Menschen, die an der Macht sind, zu selbstsüchtig und zu ichbezogen sind, was ihre Interessen und Ziele angeht, um eine solche internationale Zusammenarbeit zustande zu bringen.
Die Bibel — dasselbe Buch, das Millionen Menschen gelehrt hat, die Würde ihrer Mitmenschen zu achten — zeigt jedoch, daß Gott den Vorsatz gefaßt hat, eine solche Weltregierung aufzurichten. In der Bibel findet man viele Verheißungen von einer neuen gerechten Welt (Jesaja 65:17; 2. Petrus 3:13). Gott hat sich vorgenommen, die Erde von allen Menschen zu befreien, die Gott und ihren Nächsten nicht lieben. Er hat uns seinen Vorsatz mitgeteilt, der darin besteht, über die Menschheit eine Weltregierung einzusetzen, die die Erde gerecht regieren wird. In dem allgemein als Vaterunser bekannten Gebet lehrte uns Jesus um diese Regierung beten (Matthäus 6:9, 10).
Unter der Herrschaft dieser Regierung wird die Ausbeutung des Menschen und jede Form der Sklaverei verschwinden, denn die Regierung Christi, des Königs, wird „durch Recht und durch Gerechtigkeit“ gestützt werden (Jesaja 9:7). Unterdrückte Menschen werden unter seiner gerechten Herrschaft erlöst werden, denn die Bibel sagt: „Er wird den Armen befreien, der um Hilfe ruft, auch den Niedergedrückten und jeden, der keinen Helfer hat. Es wird ihm leid sein um den Geringen und den Armen, und die Seelen der Armen wird er retten. Von Bedrückung und von Gewalttat wird er ihre Seele erlösen“ (Psalm 72:12-14).
Wer das Ende der Sklaverei, ja jeder Form der Versklavung, herbeisehnt, soll hiermit angespornt werden, mehr über Gottes Vorsatz, eine Freiheit bringende Weltregierung einzusetzen, zu erfahren. Jehovas Zeugen sind gern bereit, jedem dabei zu helfen.
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DIE FREIHEIT UND WÜRDE DES MENSCHEN — WER IST IHR URHEBER?
Wir werden alle mit dem natürlichen Bedürfnis und dem Wunsch nach Menschenwürde und Freiheit geboren. UN-Generalsekretär Kofi Annan drückte die Gefühle aller aus, als er fragte: „Wer will leugnen, daß wir uns alle ein Leben ohne Furcht, Folter und Diskriminierung wünschen? ... Wann hat man die Stimme eines freien Menschen gehört, der ein Ende der Freiheit verlangte? Wo hat man gehört, daß sich ein Sklave für die Sklaverei einsetzte?“
Solche Überlegungen sind nicht neu. Der römische Philosoph Seneca, der die Anschauung verwarf, manche seien zum Sklaventum geboren, schrieb im ersten Jahrhundert in seinen Briefen an Lucilius: „Halte dir bitte vor Augen! Der Mann, den du deinen Sklaven nennst, stammt aus dem gleichen Samen, weilt unter demselben Himmel, atmet, lebt und stirbt wie du!“
Imam Ali, der als der vierte Kalif nach Mohammed verehrt wird, sagte, alle Menschen seien „Gleichgestellte in der Schöpfung“. Saadi, ein persischer Dichter aus dem 13. Jahrhundert, erklärte: „Das Menschengeschlecht ist geschaffen aus Menschen, die alle der einen Quelle entsprangen. Und spürt einer von ihnen Schmerz, so können die anderen aus derselben Quelle nicht gleichgültig bleiben.“
Der in der Bibel zu findende, von Gott inspirierte historische Bericht legt großen Nachdruck auf die Würde jedes einzelnen Menschen. Zum Beispiel wird in 1. Mose 1:27 die Erschaffung des Menschen mit den Worten beschrieben: „Gott ging daran, den Menschen in seinem Bilde zu erschaffen, im Bilde Gottes erschuf er ihn; männlich und weiblich erschuf er sie.“ Unser Schöpfer ist ein Gott der Freiheit. „Wo der Geist Jehovas ist, da ist Freiheit“, sagte der Apostel Paulus (2. Korinther 3:17). Dadurch, daß Jehova den Menschen in seinem Bilde erschuf, stattete er ihn mit einem gewissen Maß an Selbstwertgefühl, Selbstachtung und Würde aus. Indem er seine Schöpfung von der „Sklaverei des Verderbens“ befreit, wird er auch gewährleisten, daß der Mensch sich dieser Freiheit und Würde für immer erfreuen wird (Römer 8:21).
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Jeder hat das Recht auf Menschenwürde und Freiheit
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DAS BIBLISCHE BILDUNGSPROGRAMM LEGT GROSSEN NACHDRUCK AUF DIE ACHTUNG DER MENSCHENWÜRDE UND VERMITTELT DIE HOFFNUNG AUF EINE NEUE WELT
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