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UkraineJahrbuch der Zeugen Jehovas 2002
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Eine weitere bedeutende Änderung trat gegen Ende 1965 ein. Die Regierung der UdSSR gab einen Erlass heraus, wonach alle Zeugen, die 1951 nach Sibirien deportiert worden waren, freigelassen werden sollten. Jetzt durften sie in der gesamten Sowjetunion ungehindert reisen, hatten aber keinen Anspruch auf Rückgabe ihrer Häuser, ihres Viehs und anderen beschlagnahmten Hab und Guts. Wegen Schwierigkeiten bei den Meldeämtern konnten aber nur wenige an ihren früheren Wohnort zurückkehren.
Viele Brüder, die 1951 nach Sibirien gesandt worden waren, ließen sich nach und nach in verschiedenen Teilen der UdSSR nieder, in Kasachstan, in Kirgisistan, Georgien und im Norden des Kaukasus. Andere zogen in die Ost- und die Südukraine, sodass der Same der Wahrheit dort ausgestreut wurde.
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UkraineJahrbuch der Zeugen Jehovas 2002
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[Kasten/Bild auf Seite 220, 221]
Ein Interview mit Petro Wlasjuk
Geburtsjahr: 1924
Taufe: 1945
Kurzporträt: Verbannung von 1951 bis 1965. Kurz nachdem Bruder Wlasjuk deportiert worden war, erkrankte sein Sohn und starb. Im Jahr darauf traten bei seiner Frau nach der Geburt eines weiteren Sohnes Komplikationen ein, denen sie schließlich erlag. Nun stand Bruder Wlasjuk mit dem Baby allein da. 1953 heiratete er wieder, und seine zweite Frau half ihm, das Kind zu versorgen.
Ich war unter denen, die 1951 aus der Ukraine nach Sibirien deportiert wurden. Niemand von uns war verängstigt. Jehova flößte den Brüdern einen solch besonderen Geist ein, dass sie Glauben hatten, einen Glauben, der sich in der Art, wie sie redeten, äußerte. Niemand hätte sich je dieses Gebiet zum Predigen ausgesucht. Anscheinend gestattete Jehova Gott es aber der Regierung, uns dorthin zu bringen. Später gestanden die Behörden: „Wir haben einen großen Fehler begangen.“
Die Brüder fragten: „Was für einen Fehler?“
„Den Fehler, dass wir Sie hierher gebracht haben und Sie jetzt auch hier die Leute bekehren.“
Die Brüder erwiderten: „Das wird wohl nicht Ihr letzter Fehler gewesen sein.“
Ihr zweiter großer Fehler war, dass wir nach der Amnestie zwar freigelassen wurden, aber nicht nach Hause zurückkehren durften. „Ziehen Sie irgendwohin, außer nach Hause“, sagten sie. Hinterher kamen sie zur Vernunft und erkannten, dass dies für sie ein schlechter Schachzug gewesen war. Zufolge dieser Anordnung hatte sich nämlich die gute Botschaft in ganz Russland verbreitet.
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