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Ich habe den Sinn und Zweck meines Lebens gefundenDer Wachtturm 2009 | 15. September
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1957 zogen wir nach Logroño, einer Stadt in der Nähe, und schließlich kam die ganze Familie nach. Schon bald wurde mir klar, dass man als ungelernter Arbeiter kaum eine Chance auf ein vernünftiges Einkommen hatte. Ich wusste nicht weiter und ging öfter in die Stadtbibliothek, ohne allerdings so recht zu wissen, wonach ich suchen sollte.
Später hörte ich, dass ein Radiosender einen Bibelfernkurs anbot, und ich nahm daran teil. Danach meldeten sich evangelikale Protestanten bei mir. Ich besuchte einige ihrer Treffen. Bald fiel mir jedoch ein gewisser Konkurrenzkampf unter prominenten Mitgliedern der Gemeinschaft auf. In den Religionen ist es wohl überall gleich, so dachte ich mir, und ging nicht mehr hin.
Es fällt mir wie Schuppen von den Augen
1964 besuchte uns ein junger Mann namens Eugenio. Er war ein Zeuge Jehovas. Von Jehovas Zeugen hatte ich vorher noch nie gehört. Doch über die Heilige Schrift unterhielt ich mich nur zu gern. Ich dachte, dass ich mich in der Bibel gut auskenne, und ließ den einen oder anderen Text aus meinem Fernkurs in unser Gespräch einfließen. Zwar versuchte ich, gewisse protestantische Glaubenslehren zu verteidigen, aber so richtig überzeugt war ich von diesen Lehren nicht.
Nach zwei langen Unterhaltungen musste ich zugeben, dass Eugenio mit der Bibel wie ein Experte umging. Einfach erstaunlich, wie er die Bibelverse fand und logisch erklären konnte! Dabei hatte er noch weniger Schulbildung als ich. Eugenio belegte mit der Bibel, dass wir in den letzten Tagen leben und dass Gottes Königreich schon bald ein Paradies auf der Erde entstehen lassen wird. Das klang hochinteressant (Ps. 37:11, 29; Jes. 9:6, 7; Mat. 6:9, 10).
Ohne zu zögern, sagte ich zu einem Bibelstudium Ja. Praktisch alles, was ich dabei erfuhr, war für mich neu und sprach mich sehr an. Auf einmal eröffneten sich für mich ganz andere Perspektiven: Es gab etwas, wofür es sich zu leben lohnte! Ich brauchte nicht länger zu suchen. Ob wir den sozialen Aufstieg schafften oder nicht, zählte nun irgendwie nicht mehr. Auch dass ich mich abstrampelte, um eine vernünftige Arbeit zu finden, machte mir nicht mehr so viel aus. Ich dachte mir, wenn Gott Krankheiten und sogar den Tod beseitigen wird, dann wird er auch alle anderen Probleme lösen (Jes. 33:24; 35:5, 6; Offb. 21:4).
Das mussten auch meine Verwandten erfahren! Mit Feuereifer erzählte ich ihnen von dem Versprechen Gottes, ein Paradies auf der Erde zu schaffen, in dem treue Menschen für immer leben werden.
Meine Verwandten nehmen die biblische Wahrheit an
Kurz darauf vereinbarte gut ein Dutzend meiner Verwandten, sich sonntags zu biblischen Gesprächen bei meinem Onkel zu treffen. Und so verbrachten wir jede Woche zwei, drei Stunden damit, uns über die Verheißungen der Bibel zu unterhalten. Als Eugenio das mitbekam, sorgte er dafür, dass jede Familie persönlich betreut wurde.
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Ich habe den Sinn und Zweck meines Lebens gefundenDer Wachtturm 2009 | 15. September
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Ich werde älter und mein Leben wird noch reicher
In den nächsten zwanzig Jahren konzentrierte ich mich vor allem darauf, unsere beiden Söhne großzuziehen und die Versammlung zu unterstützen. Als Mercedes und ich nach Logroño, einer Stadt mit 100 000 Einwohnern, zogen, gab es dort nur ungefähr 20 Zeugen Jehovas. Schon bald wurden mir viele verantwortungsvolle Aufgaben in der Versammlung übertragen.
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