Wachtturm ONLINE-BIBLIOTHEK
Wachtturm
ONLINE-BIBLIOTHEK
Deutsch
  • BIBEL
  • PUBLIKATIONEN
  • ZUSAMMENKÜNFTE
  • Seite 2
    Erwachet! 1990 | 8. März
    • Jahrhundertelang waren Spanien und der Katholizismus so unzertrennlich wie die Madonna und das Jesuskind. Der triumphale Empfang, den die Spanier im Jahre 1982 Papst Johannes Paul II. bereiteten und bei dem ihm Millionen zuriefen: „Totus tuus“ (ganz dein), bewies klar, wie sehr das Land seinem traditionellen Glauben verbunden war.

      Als aber die Euphorie verflogen war, sah man sich quälenden Widersprüchen gegenüber — die einen wurzelten in der Geschichte, die anderen sind in unserer Zeit entstanden. Die folgenden Artikel werden einige dieser Widersprüche, ihre Ursachen und ihre Auswirkungen auf die einst so mächtige spanische Kirche untersuchen.

      [Bildnachweis auf Seite 2]

      Agencia EFE

  • Die katholische Kirche in Spanien — Die Widersprüche
    Erwachet! 1990 | 8. März
    • Die katholische Kirche in Spanien — Die Widersprüche

      Von unserem Korrespondenten in Spanien

      „Die Dinge sind selten das, was sie zu sein scheinen.“ Diese Beobachtung Sir William Gilberts beschreibt treffend den Tempolo de la Sagrada Familia (Tempel der Heiligen Familie) in Barcelona (Bild auf Seite 10). Seine majestätischen Türme überragen ein leeres Inneres — nachdem hundert Jahre daran gebaut wurde, ist die Kirche immer noch nur ein Torso. Auch der spanische Katholizismus ist ein eigenartiges Gemisch von Stärke und Leere, wie das folgende Äußerungen von Spaniern zeigen:

      „Johannes XXIII.? Der Name klingt vertraut. War er ein König?“ fragte Cristina, ein spanischer Teenager, denn sie hatte noch nie etwas von diesem populären Papst gehört.

      Der Madrider Taxifahrer José Luis und seine Frau Isabel, die selten zur Kirche gehen, suchten sie auf, um ihr Söhnchen taufen zu lassen. „Warum möchten Sie Ihr Kind taufen lassen?“ wurden sie gefragt. „Weil wir katholisch sind“, entgegnete der Vater. Als man ihm ein bißchen auf den Zahn fühlte, gab er jedoch zu, daß er es hauptsächlich deshalb wollte, um Problemen mit seiner Familie aus dem Weg zu gehen.

      WER Spanien in der Karwoche besucht, mag von den Prozessionen, die in den Städten des Landes durchgeführt werden, beeindruckt sein. Doch manch ein Spanier — besonders wenn er jünger ist — weiß wenig oder gar nichts über die Religion, zu der er sich bekennt.

      Religiöses Analphabetentum ist häufig gepaart mit religiöser Gleichgültigkeit. Obwohl die meisten Spanier von der Kirche getauft, getraut und beerdigt werden und sie sich für gute Katholiken halten, sind sie nicht unbedingt bereit, nach den Geboten der Kirche zu leben.

      Eltern mögen ihre Kinder taufen lassen, aber nicht viele fühlen sich verpflichtet, sie im katholischen Glauben zu unterweisen. Paare lassen sich kirchlich trauen, aber selten fühlen sie sich an die Richtlinien gebunden, die die Kirche für die Ehe gibt. Auch glauben 10 Prozent der Spanier, die sagen, sie seien katholisch, nicht einmal an einen persönlichen Gott.

      Diese Situation überrascht nicht ganz, wenn man an die dauerhaften, doch widersprüchlichen Beziehungen Spaniens zur Kirche denkt. Spanien wurde „das Licht [des Konzils] von Trient, der Hammer für die Häretiker und das Schwert Roms“ genannt. Aber in Spanien kam es auch zu der „blutigsten Verfolgung, die die katholische Kirche je erlebt hat“, schreibt ein Professor für Zeitgeschichte an der Deusto-Universität (Vizcaya).

      Im 16. Jahrhundert verteidigten spanisches Geld und spanische Armeen den europäischen Katholizismus gegen die protestantische Woge, aber im Jahre 1527 wurden Rom und der Vatikan von der Armee Karls V. — König von Spanien und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches — geplündert.a Wie andere spanische Herrscher, so mißachtete auch Karl unbekümmert die vatikanischen Dekrete, die ihm nicht gefielen.

      Die katholische Kirche Spaniens, unabhängig und von ganz besonderer Art, hat diese Widersprüche einer einzigartigen Beziehung zwischen Kirche und Staat zuzuschreiben, die geschmiedet wurde, als beide auf der Höhe ihrer Macht standen.

      [Fußnote]

      a Nachdem Karl 1527 Rom geplündert hatte, stellte er Papst Klemens VII. in der Engelsburg (Rom) sieben Monate lang unter Hausarrest.

  • Die katholische Kirche in Spanien — Ihre Macht und ihre Privilegien
    Erwachet! 1990 | 8. März
    • Die katholische Kirche in Spanien — Ihre Macht und ihre Privilegien

      „Der Herr übertrug an Petrus nicht nur die Regierung der ganzen Kirche, sondern der ganzen Welt“ (Papst Innozenz III.).

      ALS zu Beginn des 13. Jahrhunderts Innozenz III. diese Worte äußerte, war die katholische Kirche des Mittelalters auf dem Gipfel ihrer Macht. Der Weg zur weltlichen Macht war indessen nicht mit religiösen, sondern mit politischen Bündnissen gepflastert. Das traf nirgendwo mehr zu als in Spanien.

      Die spanische Kirche errang Macht und Privilegien, indem sie sich mit dem Staat verbündete.

      Glaubenseinheit ein politisches Werkzeug

      Im Jahre 1479, nachdem Spanien jahrhundertelang in kleine Königreiche aufgeteilt gewesen war, wurde fast das ganze Land unter der Herrschaft Ferdinands und Isabellas geeint. Wie aber sollte die neu gebildete Nation im Denken und in der Zielsetzung geeint werden? Ferdinand gewann die Mithilfe der Kirche. Mit der Unterstützung des Papstes war 1478 die Inquisition eingeführt worden. Kontrolliert vom König und betrieben von der Kirche, erwies sie sich als eine der machtvollsten Waffen, die es je gab, um religiös und politisch Andersdenkende zu unterdrücken. Die getauften spanischen Katholiken waren schnell unterworfen, doch was der Einheit noch im Wege stand, waren die Millionen Ungetauften — die Juden und die Mauren.

      Unter dem Druck des Großinquisitors Torquemada verwiesen Ferdinand und Isabella im Jahre 1492 alle ungetauften Juden des Landes. Zehn Jahre später wurden alle Mauren, die sich nicht katholisch taufen ließen, ebenfalls vertrieben. Der Bettelmönch Bleda hielt die Vertreibung der Muslime für „das glorreichste Ereignis in Spanien seit den Tagen der Apostel“. Ferner sagte er: „Die Einheitlichkeit der Religion ist jetzt gesichert, und eine Episode des Wohlstandes steht bevor.“ La España Católica (das katholische Spanien) war eine Realität geworden, und Papst Alexander VI. nannte Isabella und Ferdinand anerkennend „Los Reyes Católicos“ (Katholische Könige).

      Nun, da die spanische Kirche im eigenen Land Glaubenseinheit erlangt hatte, richtete sie ihre Blicke auf andere Gebiete. Unter dem Patronat des spanischen Königs hatte Kolumbus in Amerika gerade neue Länder und Völker entdeckt. Dominikaner- und Franziskanermönche segelten mit den Konquistadoren nach der Neuen Welt — entschlossen, die Heiden in den Schoß der Kirche zu bringen.

      Cortés, dem Eroberer Mexikos, wurde erklärt, daß das Hauptziel seiner Expedition darin bestehe, Gott zu dienen und den christlichen Glauben auszubreiten. Dennoch gab er offen zu: „Mich trieb das Verlangen nach Gold.“ Vielleicht hatten viele der Konquistadoren mehr als einen Beweggrund. So sagte einer von ihnen: „Wir sind hierhergekommen, um Gott zu dienen, und auch, um reich zu werden.“

      Bevor die Konquistadoren ein bestimmtes Gebiet unterwarfen, lasen sie laut — in Hörweite der Eingeborenen oder auch nicht — ein Dokument vor, Los requisitos, das von den Eingeborenen die Anerkennung der Tatsache forderte, daß die Kirche die Welt beherrschte und der spanische König ihr Vertreter war. Weigerten sie sich, das anzuerkennen, so galt die militärische Kolonisation als „gerechter Krieg“.

      Millionen Eingeborene wurden getauft, viele, gleich nachdem sie besiegt worden waren. Die Kolonien wurden danach von Priestern und Mönchen in Zusammenarbeit mit der spanischen Krone beherrscht. Der Kirchenhistoriker Paul Johnson schrieb: „Die katholische Kirche war ‚eine Dienststelle‘ der spanischen Regierung, und zwar ganz besonders auf dem amerikanischen Kontinent. ... Dafür verlangte die Kirche von der Krone Schutz, Privilegien und die unerschütterliche Hingabe an den orthodoxen Glauben.“

      Ende des 16. Jahrhunderts war die spanische Kirche die mächtigste Nationalkirche der Christenheit geworden. Sie übte in ganz Spanien und in einem großen Teil der Neuen Welt eine unumschränkte religiöse Macht aus. Aber diese einzigartige Macht und all die Privilegien, die sie genoß, führten unweigerlich zu schlimmeren Mißbräuchen als in anderen Ländern.

      [Herausgestellter Text auf Seite 5]

      „Wir sind hierhergekommen, um Gott zu dienen, und auch, um reich zu werden“

  • Die katholische Kirche in Spanien — Der Machtmißbrauch
    Erwachet! 1990 | 8. März
    • Die katholische Kirche in Spanien — Der Machtmißbrauch

      „Je größer die Macht, desto gefährlicher ihr Mißbrauch“ (Edmund Burke).

      DER mächtigste Mann im Europa des 16. Jahrhunderts war Philipp II., König des katholischen Spanien. Sein Reich, „über dem die Sonne nie unterging“, erstreckte sich von Mexiko bis zu den Philippinen, von den Niederlanden bis zum Kap der Guten Hoffnung.

      Seine ehrgeizigen Ziele waren jedoch weniger politischer als religiöser Natur — er wollte den katholischen Glauben in Europa verteidigen und ihn in seinem ganzen Reich ausbreiten. Von Priestern erzogen, war er überzeugt, daß die katholische Kirche die Hauptstütze seiner Monarchie, ja sogar der ganzen Zivilisation war. Vor allem war er ein Sohn der Kirche.

      Um die Sache des Katholizismus zu fördern, befürwortete er die grausamen Methoden der Inquisition. Er kämpfte in den Niederlanden gegen die Protestanten und im Mittelmeer gegen die „ungläubigen“ Türken. Widerstrebend heiratete er Maria Tudor, die kränkliche englische Königin, und bemühte sich, daß sie einen katholischen Erben bekam, was ihm allerdings nicht gelang. Später entsandte er seine „unbesiegbare“ Armada, um England dem protestantischen Lager zu entreißen, doch die Armada traf ein schlimmes Geschick. Und als er starb, war sein Land bankrott — trotz des vielen Goldes, das aus den Kolonien nach Spanien geschleppt worden war.

      Die Inquisition — drei Jahrhunderte der Unterdrückung

      Der zweitmächtigste Mann in Spanien war nach dem König der Großinquisitor. Seine Aufgabe bestand darin, dafür zu sorgen, daß der spanische Katholizismus rein und rechtgläubig blieb. Die Andersgläubigen behielten entweder ihre Meinung für sich oder gingen ins Exil, vorausgesetzt, daß die Schergen der Inquisition sie nicht daran hinderten. Jeder, der König vielleicht ausgenommen, konnte ein Opfer der Inquisition mit ihrem Machtmißbrauch werden. Sogar katholische Geistliche erschienen ihr manchmal verdächtig.

      Der Erzbischof von Toledo mußte aufgrund fadenscheiniger Anklagen sieben Jahre hinter Gittern verbringen, obschon der Papst wiederholt dagegen protestierte. In Spanien wagte es niemand, für ihn einzutreten. Das Argument wurde vorgebracht, es sei besser, daß ein Unschuldiger verurteilt werde, als daß die Inquisition Schande erleide.

      Die Inquisition begleitete die Konquistadoren in die spanischen Kolonien auf dem amerikanischen Kontinent. Im Jahre 1539, nur wenige Jahre nach der Eroberung Mexikos, wurde der aztekische Häuptling Ometochtzin aufgrund der Aussage seines eigenen zehnjährigen Sohnes des Götzendienstes angeklagt. Trotz seiner Bitte um Gewissensfreiheit verurteilte man ihn zum Tode. Sowohl in den Kolonien als auch in Spanien wurde die Bibel in der Landessprache verboten. Jerónimo López schrieb im Jahre 1541: „Es ist ein gefährlicher Irrtum, die Indianer mit der Wissenschaft vertraut zu machen, und noch gefährlicher ist es, ihnen die Bibel zu geben. ... Viele Menschen in unserem Spanien gingen auf diese Weise verloren.“

      Drei Jahrhunderte lang wachte die Inquisition streng über Spanien und sein Großreich, bis ihr schließlich das Geld ausging und sie keine Opfer mehr fand. Ohne Opfer aber, die hohe Strafen zahlen mußten, kam die ganze Maschinerie zum Stillstand.a

      Der Wind springt um

      Als die Inquisition im 19. Jahrhundert zu bestehen aufhörte, entwickelte sich in Spanien der Liberalismus, und die Macht der katholischen Kirche begann zu schwinden. Der Grundbesitz der Kirche — zu jener Zeit war es ein Drittel des bebauten Bodens — wurde von den nachfolgenden Regierungen konfisziert. In den 1930er Jahren erklärte der sozialistische Ministerpräsident Azaña: „Spanien hat aufgehört, katholisch zu sein“, und seine Regierung handelte entsprechend.

      Die Kirche wurde vom Staat vollständig getrennt, und der Klerus erhielt keine finanzielle Unterstützung mehr. In den Schulen hatte die Religion nichts mehr zu suchen, sogar die Ziviltrauung und die Ehescheidung wurden eingeführt. Kardinal Segura beklagte diesen „schweren Schlag“ und befürchtete, daß die Nation nicht überleben werde. Der Niedergang des Katholizismus schien unvermeidlich zu sein, doch dann, im Jahre 1936, wurde Spanien von einer Militärrevolte erschüttert.

      Bürgerkrieg — ein grausamer Kreuzzug

      Die revoltierenden Generäle handelten aus politischen Überlegungen heraus, indessen spielte bald auch die Religion eine Rolle. Wenige Wochen nach Ausbruch der Revolte wurde die Kirche, deren Macht durch neuere Gesetze bereits untergraben worden war, plötzlich das Ziel vieler heftiger Angriffe.b Tausende von Priestern und Mönchen wurden von fanatischen Gegnern der Militärrevolte getötet, für die die spanische Kirche gleichbedeutend mit einer Diktatur war. Kirchen und Klöster wurden geplündert und in Brand gesteckt. In gewissen Gebieten Spaniens bedeutete schon das Tragen einer Soutane den sicheren Tod. Es war, als sei das Ungeheuer Inquisition aus dem Grab auferstanden, um nun seine eigenen Kinder zu verschlingen.

      Angesichts dieser Gefahr wandte sich die spanische Kirche wiederum an die weltliche Macht — in diesem Fall an das Militär — und ersuchte sie, sich für sie einzusetzen und die Nation wieder dem katholischen Glauben zuzuführen. Der Bürgerkrieg mußte aber erst als ein „heiliger Krieg“, als ein „Kreuzzug“ zur Verteidigung des Christentums, deklariert werden.

      Kardinal Gomá, der Erzbischof von Toledo und Primas von Spanien, schrieb: „Ist der Krieg in Spanien ein Bürgerkrieg? Nein. Es ist der Kampf derer, die ohne Gott sind, ... gegen das wahre Spanien, gegen die katholische Religion.“ Er bezeichnete General Franco, den Anführer der Aufständischen, als das „Werkzeug für Gottes Pläne auf der Erde“. Andere spanische Bischöfe brachten ähnliche Empfindungen zum Ausdruck.

      Natürlich war die Wahrheit nicht ganz so einfach. Viele auf der Seite der Republikaner waren ebenfalls aufrichtige Katholiken, besonders im Baskenland, das schon immer ein katholisches Bollwerk war. Im Bürgerkrieg kämpften somit Katholiken gegen Katholiken — alle für die Sache des spanischen Katholizismus, wie die Bischöfe den Krieg definierten.c

      Als Francos Truppen schließlich die baskischen Provinzen überrannten, richteten sie 14 Priester hin und sperrten viele weitere ins Gefängnis. Der französische Philosoph Jacques Maritain, der über die Greuel schrieb, die an den katholischen Basken verübt wurden, bemerkte, daß „der heilige Krieg die Gläubigen, die ihn nicht unterstützen, glühender haßt als die Ungläubigen“.

      Der dreijährige Bürgerkrieg, in dem auf beiden Seiten Greuel verübt und Ströme von Blut vergossen wurden, endete mit dem Sieg der Truppen Francos. Der Krieg kostete 600 000 bis 800 000 Spaniern das Leben, viele fielen der grimmigen Rache zum Opfer, die die siegreichen Truppen nahmen.d Kardinal Gomá behauptete in einem Hirtenbrief ungerührt: „Niemand kann bestreiten, daß die Macht, die diesen Krieg entschieden hat, Gott selbst war, seine Religion, seine Satzungen, sein Gesetz, seine Existenz und sein wiederkehrender Einfluß auf unsere Geschichte.“

      Seit der Einführung der Inquisition im 15. Jahrhundert bis zum Spanischen Bürgerkrieg (1936—1939) hatten Kirche und Staat fast immer in Symbiose gelebt. Diese unheilige Verbindung hat zweifellos den Interessen beider gedient. Dennoch haben die 500 Jahre weltliche Macht — und der damit verbundene Mißbrauch — die geistige Autorität der Kirche stark untergraben, wie der folgende Artikel zeigen wird.

      [Fußnoten]

      a Das letzte Opfer war der unglückliche Schullehrer, der im Jahre 1826 in Valencia erhängt wurde, weil er in den Schulgebeten „Gelobt sei Gott“ anstatt „Ave Maria“ gesagt hatte.

      b Wie der Kanoniker Arboleya im Jahre 1933 in einem kirchlichen Bericht schrieb, betrachtete der Arbeitende die Kirche als einen wesentlichen Bestandteil der ihn ausbeutenden reichen und privilegierten Klasse. Arboleya erklärte: „Die Massen verließen die Kirche, weil sie sie für ihren größten Feind hielten.“

      c Einige katholische Priester kämpften sogar in Francos Armee. Der Priester von Zafra (Extremadura) war besonders berüchtigt wegen seiner Brutalität. Andererseits protestierten auch ein paar Priester mutig gegen das Töten verdächtiger republikanischer Sympathisanten — und mindestens einer wurde aus diesem Grund hingerichtet. Kardinal Vidal y Barraquer, der bemüht war, im Krieg neutral zu bleiben, wurde vom Franco-Regime gezwungen, bis zu seinem Tod im Jahre 1943 im Exil zu leben.

      d Genaue Zahlen der Opfer sind nicht bekannt; es handelt sich nur um Schätzungen.

      [Kasten auf Seite 8]

      Der Spanische Bürgerkrieg — Erklärungen der Bischöfe

      Kurz nach Ausbruch des Bürgerkrieges (1936) bezeichnete Kardinal Gomá ihn als einen Kampf zwischen „Spanien und den Feinden Spaniens, zwischen der Religion und dem Atheismus, der christlichen Zivilisation und dem Barbarentum“

      (La Guerra de España, 1936—1939, Seite 261).

      Der Bischof von Cartagena sagte: „Gesegnet sind die Kanonen, wenn das Evangelium in den Breschen blüht, die sie schießen“

      (La Guerra de España, 1936—1939, Seite 264, 265).

      Am 1. Juli 1937 veröffentlichten die spanischen Bischöfe ein gemeinschaftliches Schreiben, in dem sie die katholische Haltung im Bürgerkrieg darlegten. Unter anderem wurde darin folgendes gesagt:

      „Die Kirche konnte trotz ihres friedlichen Geistes ... in dem Kampf nicht unbeteiligt bleiben. ... Es gab in Spanien keinen anderen Weg, um Gerechtigkeit und Frieden sowie das Gute, das daraus entspringt, wiederzuerlangen, als durch die Nationale Bewegung [Francos faschistische Streitkräfte].

      Wir glauben, diese Bezeichnung trifft die Sache, erstens wegen des Geistes dieser Erhebung, der das Denken der großen Mehrheit der spanischen Bevölkerung widerspiegelt, und sie ist die einzige Hoffnung für die ganze Nation“

      (Enciclopedia Espasa-Calpe, Ergänzungsband 1936—1939, Seite 1553—1555).

      Katholische Bischöfe in anderen Ländern waren schnell bereit, ihre spanischen Kollegen zu unterstützen. Kardinal Verdier, Erzbischof von Paris, beschrieb den Bürgerkrieg als „einen Kampf zwischen der christlichen Zivilisation und der ... atheistischen Zivilisation“, und Kardinal Faulhaber (Deutschland) forderte alle Deutschen auf, für die zu beten, die „die heiligen Rechte Gottes verteidigen, damit er denen, die in diesem heiligen Krieg kämpfen, den Sieg verleihen möchte“

      (Enciclopedia Espasa-Calpe, Ergänzungsband 1936—1939, Seite 1556, 1557).

      [Bild auf Seite 7]

      Von der Klosteranlage San Lorenzo del Escorial aus regierte Philipp II. sein Reich, „über dem die Sonne nie unterging“

  • Die katholische Kirche in Spanien — Warum die Krise?
    Erwachet! 1990 | 8. März
    • Die katholische Kirche in Spanien — Warum die Krise?

      „Wind säen sie, Sturm sollen sie ernten“ (Hosea 8:7, „Herder“-Bibel).

      AM 20. Mai 1939 überreichte General Franco in der Kirche Santa Bárbara in Madrid sein siegreiches Schwert dem Primas von Spanien, Erzbischof Gomá. Die Armee und die Kirche feierten gemeinsam den Sieg, den der Papst als den „erwünschten katholischen Sieg“ bezeichnete. Der Bürgerkrieg war zu Ende, und anscheinend brach für den spanischen Katholizismus eine neue Ära an.

      Die triumphierende Kirche erhielt vom Staat großzügige finanzielle Unterstützung und die Aufsicht über das Schulwesen, außerdem durfte sie alles zensieren, was sie als dem nationalen Katholizismus nicht förderlich ansah. Doch der erfolgreiche militärisch-religiöse Kreuzzug hatte auch den Samen des Kirchenverfalls gesät.

      In den Augen vieler Spanier war die Kirche mitverantwortlich für die Greuel, die die siegreichen Truppen verübt hatten. In den ersten Nachkriegsjahren gingen die Massen noch zur Messe, denn um Arbeit zu finden oder um befördert zu werden, war es empfehlenswert, gut katholisch zu sein. Hat aber Waffengewalt und politischer Druck zum Aufblühen echten Glaubens geführt?

      Vierzig Jahre später gibt eine Reihe von Krisen die Antwort auf diese Frage.

      Glaubenskrise: Im Jahre 1988 praktizierten von 10 Spaniern nur 3 den katholischen Glauben, und die meisten Spanier hielten sich für „weniger religiös als noch vor zehn Jahren“. Eine Umfrage, die das spanische Wochenblatt El Globo durchführte, ergab, daß die Mehrzahl der Spanier zwar gottgläubig ist, doch nicht einmal die Hälfte von ihnen an ein Leben nach dem Tod glaubt. Das überraschendste war, daß 10 Prozent von denen, die sich für praktizierende Katholiken hielten, sagten, sie würden nicht an einen persönlichen Gott glauben.

      Krise des Priesterberufs: Spanien entsandte stets Priester in die ganze Welt. Vor 30 Jahren wurden jährlich 9 000 ordiniert. Jetzt ist diese Zahl auf 1 000 geschrumpft, und viele große Seminare sind außer Betrieb. Das hat zur Folge, daß das Durchschnittsalter der spanischen Priester steigt — 16 Prozent sind jetzt über 70 Jahre alt, während nur 3 Prozent unter 30 sind.

      Geldkrise: Nach der neuen spanischen Verfassung sind Kirche und Staat getrennt. Früher wurde die katholische Kirche automatisch vom Staat großzügig unterstützt. Die gegenwärtige Regierung hat ein neues System eingeführt. Der einzelne Steuerzahler kann bestimmen, ob die „religiöse Steuer“, ein geringer Anteil seiner Steuerabgaben, für die katholische Kirche oder für soziale Zwecke sein soll. Überraschenderweise wollte nur jeder dritte spanische Steuerzahler die Kirche mitfinanzieren. Das war ein Schlag für die Bischöfe, die erwartet hatten, daß etwa doppelt so viele die „religiöse Steuer“ der Kirche zufließen lassen wollten. Es bedeutet, daß sich die Kirche noch lange nicht selbst erhalten kann.

      Offenbar wird die Regierung bis dahin die Kirche weiterhin unterstützen, wenn auch widerwillig, und zwar mit einem jährlichen Betrag, der 120 Millionen Dollar entspricht. Über diese Situation sind nicht alle Katholiken glücklich. Casiano Floristán, ein spanischer Theologe, wies darauf hin, daß „eine Kirche, die von ihren Gläubigen nicht ausreichend finanziell unterstützt wird, entweder keine echten Gläubigen hat oder keine Kirche ist“.

      Gehorsamskrise: Diese Krise betrifft sowohl die Priester als auch die Gemeindeglieder. Jüngere Priester und Theologen befassen sich häufig mit sozialen anstatt mit religiösen Fragen. Durch ihre „progressiven“ Tendenzen geraten sie in Widerspruch zum konservativen spanischen Episkopat und auch zum Vatikan. Ein typisches Beispiel ist José Sánchez Luque, ein Priester aus Málaga, der die Meinung vertritt, daß „die Kirche kein Wahrheitsmonopol besitzt“ und daß sie „die Bürger nur orientieren, nicht dominieren“ sollte.

      Viele spanische Katholiken denken ähnlich — gewöhnlich stimmt nur ein Drittel von ihnen dem zu, was der Papst sagt. Und der spanische Episkopat schneidet noch schlechter ab. Bei einer neulich durchgeführten Umfrage erklärte ein Viertel, daß ihnen die Bischöfe gleichgültig seien, während 18 Prozent antworteten, sie könnten sie sowieso nicht verstehen.

      „Eine Neu-Evangelisierung“

      Angesichts dieser alarmierenden Situation veröffentlichten die spanischen Bischöfe 1985 ein außergewöhnliches Bekenntnis. Unter anderem gaben sie folgendes zu:

      „Wir haben das wahre Antlitz Gottes eher verhüllt als enthüllt.“

      „Vielleicht haben wir das Wort Gottes in Ketten gelegt.“

      „Wir haben nicht alle die unverfälschte Botschaft über Jesus verständlich gemacht.“

      „Wir haben zuwenig auf Gott vertraut und zuviel auf die Mächte der Welt.“a

      Die Bischöfe räumten auch ein, daß Spanien immer weltlicher und gegenüber der Religion immer gleichgültiger werde. Sie empfahlen eine Neu-Evangelisierung des Landes. Aber nur wenige beachteten ihren Aufruf. Zwei katholische Damen, die von Haus zu Haus gingen, erlebten eine Überraschung. Sie brauchten länger, den Wohnungsinhabern zu erklären, daß sie keine Zeugen Jehovas seien, als ihnen die katholische Botschaft zu übermitteln.

      Man sollte darüber nicht erstaunt sein, denn Jehovas Zeugen, die eine echte landesweite Evangelisation durchführen, haben im vergangenen Jahr mehr als 18 Millionen Stunden damit verbracht, die Spanier in ihrer Wohnung zu besuchen. Alle Zeugen fühlen sich — wie die Christen des ersten Jahrhunderts — verpflichtet, als „Verkündiger des Evangeliums“ tätig zu sein (2. Timotheus 4:5, Rösch, katholische Bibelübersetzung). Wohl stellen sie fest, daß die Kirche vielen Spaniern völlig gleichgültig ist, doch sie finden auch manche, die auf das Evangelium oder die gute Botschaft von Gottes Königreich, die sie verkündigen, hören.

      So trafen sie zum Beispiel einen älteren Mann namens Benito an. Als der Bürgerkrieg ausbrach, wohnte er in einem von aufständischen Truppen besetzten Gebiet. Er wurde zum Waffendienst gezwungen, aber in seinem Herzen fühlte er, daß es verkehrt war, mit der Waffe zu kämpfen. Die Auffassung, daß es ein „heiliger Krieg“ sei, lehnte er ab. Um seine Mitmenschen nicht töten zu müssen, schoß er sich absichtlich in die Hand, so daß er den Gewehrabzug nicht mehr bedienen konnte.

      Vierzig Jahre später begannen er und seine Frau, mit Zeugen Jehovas die Bibel zu studieren. Benito war überglücklich, als er erfuhr, daß Gott selbst sein Volk auffordert, ‘die Schwerter zu Pflugscharen umzuschmieden’. Das war genau das, was ihn sein Gewissen vor vielen Jahren zu tun hieß (Jesaja 2:4). Obgleich kränklich, war er schon bald als Verkündiger des Evangeliums tätig.

      „Eine bunte Seifenblase“

      Gloria war eine Katholikin, die sich damit abgefunden hatte, Gott auf ihre Weise zu dienen. Jahrelang hatte sie in Venezuela als Missionsschwester im Dienst der Kirche gestanden. Ihre Enttäuschung war jedoch groß, als sie auf ihre Fragen bezüglich kirchlicher Lehren wie der von der Unbefleckten Empfängnis Mariens, vom Fegfeuer und von der Dreifaltigkeit keine Antwort erhielt.

      Wen sie auch nach einer Erklärung fragte — immer erhielt sie die Antwort, es sei ein Geheimnis. „Warum macht Gott es uns so schwer, das alles zu verstehen?“ fragte sie sich. Bei einer Gelegenheit wurde sie warnend darauf aufmerksam gemacht, daß sie auf den Scheiterhaufen gekommen wäre, wenn sie zur Zeit der Inquisition gelebt hätte. „Vermutlich stimmt das“, dachte sie bei sich.

      Als Zeugen Jehovas sie besuchten, war sie skeptisch, weil sie sich solche Abfuhren geholt hatte. Aber sobald sie feststellte, daß alles, was Jehovas Zeugen lehrten, biblisch begründet war und daß sie endlich Gottes Botschaft an die Menschheit verstehen konnte, war sie überglücklich. Sie widmet jetzt viel von ihrer Zeit dem Predigen der guten Botschaft von Gottes Königreich.

      „Wenn ich an all die religiösen Zeremonien der katholischen Kirche denke“, sagte Gloria, „kommen sie mir wie eine bunte Seifenblase vor, die in vielen Farben schillert, aber hohl ist — und wenn man hineinsticht, platzt sie.“

      Benito, Gloria und weitere Tausende von Zeugen Jehovas in Spanien sind geistig erfrischt worden, indem sie sich den reinen Wassern der Wahrheit zugewandt haben, die in der Heiligen Schrift enthalten sind. Diese Erfrischung war in jener altehrwürdigen iberischen Institution, der spanischen Kirche, nicht zu finden — einer Kirche, die so traditionsreich und doch so arm an geistigem Gehalt ist, die jahrhundertelang große Macht ausübte und jetzt hilflos der Gleichgültigkeit ihrer schrumpfenden Herde gegenübersteht.

      Jesus Christus sagte einmal, um zu zeigen, daß man religiöse Irrlehrer erkennen und meiden müsse: „Hütet euch vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber reißende Wölfe sind. An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. ... An ihren Früchten also werdet ihr sie erkennen“ (Matthäus 7:15-20, Her).

      Wir überlassen es dem Leser, sich ein Urteil über die Früchte des spanischen Katholizismus zu bilden.

      [Fußnote]

      a Ein anderes Bekenntnis wurde im Jahre 1971 auf einer gemeinsamen Konferenz von Priestern und Bischöfen abgelegt. Obgleich die Erklärung die für ihre Annahme erforderliche Zweidrittelmehrheit nicht bekam, pflichteten doch mehr als die Hälfte der Erklärung bei: „Wir geben demütig zu und bitten um Verzeihung, daß wir uns, als es erforderlich war, nicht als wahre ,Diener der Versöhnung‘ inmitten unseres Volkes, das sich in einem Bruderkrieg zerfleischte, erwiesen haben.“

      [Herausgestellter Text auf Seite 12]

      Die katholischen Bischöfe riefen zu einer Neu-Evangelisierung Spaniens auf. Nur wenige beachteten ihren Aufruf.

      [Bild auf Seite 9]

      Von 10 Spaniern gehen nur 3 regelmäßig zur Kirche

      [Bild auf Seite 10]

      Der Tempolo de la Sagrada Familia in Barcelona ist nach hundert Jahren, in denen daran gebaut und dafür gespendet wurde, immer noch unvollendet

      [Bildnachweis]

      Foto: Godo-Foto

Deutsche Publikationen (1950-2025)
Abmelden
Anmelden
  • Deutsch
  • Teilen
  • Einstellungen
  • Copyright © 2025 Watch Tower Bible and Tract Society of Pennsylvania
  • Nutzungsbedingungen
  • Datenschutzerklärung
  • Datenschutzeinstellungen
  • JW.ORG
  • Anmelden
Teilen