Wachtturm ONLINE-BIBLIOTHEK
Wachtturm
ONLINE-BIBLIOTHEK
Deutsch
  • BIBEL
  • PUBLIKATIONEN
  • ZUSAMMENKÜNFTE
  • Ausgebrannt — Bin ich der nächste?
    Erwachet! 1995 | 8. Januar
    • Ausgebrannt — Bin ich der nächste?

      VON UNSEREM KORRESPONDENTEN IN JAPAN

      „Kellnerinnen in Schweden, Lehrer in Japan, Postangestellte in Amerika, Busfahrer in Europa und Fließbandarbeiter in der ganzen Welt — bei allen mehren sich Anzeichen für Berufsstreß“ (MAINICHI DAILY NEWS).

      NOBUAKI war vollkommen erschöpft. Innerhalb von vier Monaten hatte er 130 Personen eingestellt und dafür Tag und Nacht gearbeitet. Er war der Verkaufsleiter einer neuen Filiale, die zu einer größeren Supermarktkette in Japan gehörte, und hatte in größter Hast Leute angestellt, die dann seinen Vorstellungen nicht entsprachen. Sie zankten sich und nörgelten herum. Obendrein brannte einer der Angestellten noch mit einer Frau aus dem Betrieb durch. Nobuaki litt jeden Tag unter Kopfschmerzen. Bald konnte er nicht mehr zur Arbeit gehen, und an den Tagen, an denen er sich dazu zwang, war er kurz darauf wieder zu Hause. Er war ausgebrannt wie ein Streichholz, das schließlich ausgeht.

      Auch Hausfrauen können sich ausgebrannt fühlen. Sarah war zwei Jahre zu Hause bei ihren drei Kindern geblieben und merkte schließlich, daß sie mit ihnen immer ungeduldiger wurde. „Ich hatte das Gefühl, immer nur zu schuften, zu schuften und nochmals zu schuften, ohne daß ein Ende abzusehen war“, erzählte sie. Ist eine Frau berufstätig und Mutter, ist die Wahrscheinlichkeit auszubrennen um so höher. Betty, die über 40 Jahre alt war, versuchte, ihre Pflichten als Mutter und ihren Beruf unter einen Hut zu bringen; sie bemühte sich, beide Rollen bis zur Perfektion zu erfüllen. Sie wollte es jedem recht machen — ihrem Mann, ihren Kindern, ihrem Arbeitgeber und ihren Kollegen. Ihr Blutdruck war zu hoch, und sie regte sich wegen Kleinigkeiten schnell auf. Sie litt am Syndrom des Ausgebranntseins oder Burnout-Syndrom.

      Burnout trifft Menschen, von denen man es nie gedacht hätte. Shinzo, ein tüchtiger christlicher Diener Gottes, steckte voller Energie und Ideale. Er zog in eine Gegend, wo christliche Lehrer dringend benötigt wurden. Nach wenigen Monaten fühlte er sich jedoch ausgelaugt und schloß sich den ganzen Tag lang in seinem Schlafzimmer ein. Er hatte das Gefühl, in einem endlosen Tunnel zu sein. Es fiel ihm schwer, Entscheidungen zu treffen, selbst wenn es nur darum ging, was er zu Mittag essen würde. Zu nichts hatte er Lust. Er war vollkommen ausgebrannt.

      Was ist Burnout?

      Was genau ist Burnout? Dieser Begriff wurde Mitte der 70er Jahre von Herbert Freudenberger und anderen Forschern geprägt und beschreibt „einen Zustand der Erschöpfung als Folge davon, daß man durch den Umgang mit anderen unter emotioneller Belastung steht“. Unter Burnout versteht man auch „physische oder psychische Erschöpfung, insbesondere als Folge von Dauerstreß oder einer unsoliden Lebensführung“ (American Heritage Dictionary). Jedoch wird dieser Begriff von jedem Forscher etwas anders definiert.

      Das Burnout-Syndrom oder Syndrom des Ausgebranntseins ist medizinisch zwar noch nicht genau definiert, aber bei den Betroffenen sind Symptome wie Müdigkeit, Lustlosigkeit, Hilflosigkeit, Hoffnungslosigkeit und Mißstimmung zu beobachten. Der Betreffende fühlt sich extrem müde und regt sich wegen Kleinigkeiten schnell auf. Nichts kann ihn motivieren. Ihm wird alles zuviel, und er versucht verzweifelt, von irgendwoher Hilfe zu erhalten. In seinen Augen scheinen alle Bemühungen am Arbeitsplatz oder zu Hause vergeblich zu sein. Ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit macht sich breit. Wenn man solche Symptome an sich beobachtet und dazu noch mißgestimmt ist, sich über nichts mehr freuen kann, dann könnte es gut sein, daß man am Syndrom des Ausgebranntseins leidet.

      Burnout kann die Arbeit und das Familienleben beeinträchtigen. Niemand möchte davon betroffen sein. Aber wie kann man Burnout vorbeugen? Um das herauszufinden, wollen wir zuerst einmal sehen, wer gefährdet ist und warum.

      [Kasten auf Seite 4]

      Symptome für Burnout

      „Burnout im Berufsleben bezeichnet einen schwächenden psychischen Zustand, der durch unbewältigten Arbeitsstreß verursacht wird und sich folgendermaßen auswirkt:

      1. aufgebrauchte Kraftreserven,

      2. verminderte Widerstandskraft gegen Krankheiten,

      3. verstärkte Unzufriedenheit und Pessimismus,

      4. häufiges Fehlen am Arbeitsplatz und ungenügende Leistungen.

      Dieser Zustand ist insofern schwächend, als er sonst recht gesunde, dynamische und kompetente Menschen entkräftet, ja sogar zu ihrem Zusammenbruch führen kann. Verursacht wird er in erster Linie durch unbewältigten Streß, der Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr anhält“ (Robert L. Veninga und James P. Spradley, The Work/Stress Connection: How to Cope With Job Burnout).

  • Ausgebrannt — Wer ist gefährdet? Warum?
    Erwachet! 1995 | 8. Januar
    • Ausgebrannt — Wer ist gefährdet? Warum?

      STELL dir einmal vor, du arbeitest im Büro und hast eine Familie — vielleicht ist das bei dir ja sogar der Fall. Auf dem Schreibtisch stapelt sich die Arbeit. Ständig klingelt das Telefon, und einige Kunden fordern fast Unmögliches. Dein Chef ist ungehalten, weil du dein Arbeitspensum nicht schaffst. Dein Sohn hat in der Schule Schwierigkeiten. Der Lehrer bittet um ein sofortiges Gespräch. Auf deine Bitte, dir zu helfen, reagiert dein Ehepartner mit Gleichgültigkeit. Wenn die Situation außer Kontrolle zu geraten scheint, wird aus Streß Distreß, und damit ist dem Ausbrennen oder Burnout der Weg geebnet.

      Wird Burnout durch Überarbeitung verursacht? Wie die Gehirnforscherin Ann McGee-Cooper erklärte, ist das Ausgebranntsein „die Folge eines unausgeglichenen Lebens, eines Lebens in einer Tretmühle nach dem Motto: Immer Arbeit, nie ein Spiel“. Überarbeitung ist jedoch nicht der einzige Faktor, denn während die einen ausbrennen, passiert dies anderen, die unter dem gleichen Druck stehen und mit denselben Umständen fertig werden müssen, nicht.

      Burnout-Kandidaten

      Genauso, wie manche Menschen für bestimmte Krankheiten besonders anfällig sind, sind bestimmte Typen von Menschen besonders gefährdet auszubrennen. „Um ausbrennen zu können“, sagte Elliot Aronson, Professor für Sozialpsychologie an der Universität von Kalifornien, „muß man erst einmal brennen.“ Zum Ausbrennen neigen also Menschen, die Feuer und Flamme für hochgesteckte Ziele und Ideale sind. Man sagt allgemein, daß diejenigen, die ausbrennen, oft die tüchtigsten Kräfte in einem Betrieb sind.

      Professor Fumiaki Inaoka vom College für Krankenpflege des Japanischen Roten Kreuzes faßte in dem Buch Moetsukishokogun (Burnout-Syndrom) die Persönlichkeitsmerkmale von Burnout-Kandidaten folgendermaßen zusammen: „Menschen, die dazu neigen auszubrennen, sind oft außergewöhnlich mitfühlend, human, sensibel, einsatzbereit und idealistisch. Sie sind nicht auf Maschinen fixiert, sondern am Menschen interessiert.“

      Ein Spezialist, der gebeten wurde, einen Test zu entwickeln, mit dem man herausfinden kann, wer gefährdet ist auszubrennen, meinte, dieser Test sollte statt dessen als Einstellungstest verwendet werden. Er sagte: „Die Betriebe sollten herausfinden, wer bereit ist, sich bis zum letzten einzusetzen, ... und dann ein Programm gegen Burnout entwerfen.“

      Besonders gefährdet sind Menschen in Sozialberufen wie Sozialarbeiter, Ärzte, Krankenschwestern und Lehrer. Diese Personen sind eifrig bemüht zu helfen, sie verausgaben sich, um anderen das Leben leichter zu machen, und sie brennen möglicherweise aus, wenn sie ihre mitunter viel zu hoch gesteckten Ziele nicht erreichen. Aus demselben Grund können fürsorgliche Mütter ausbrennen.

      Warum man ausbrennt

      Bei einer Umfrage unter Krankenschwestern kristallisierten sich drei Faktoren heraus, die zum Ausbrennen führen. Als erstes wurde der frustrierende tägliche Streß genannt. Die meisten Krankenschwestern hatten beispielsweise große Verantwortung zu tragen, mußten Schwierigkeiten im Umgang mit den Patienten meistern, sich an neue Geräte gewöhnen, mit steigenden Kosten zurechtkommen und mit einem ungeregelten Lebensrhythmus klarkommen. „Dieser tägliche Streß trägt am meisten dazu bei, daß sie ausbrennen“, heißt es in dem Buch Moetsukishokogun. Wenn die Probleme nicht gelöst werden, stauen sich einfach immer mehr Frustrationen auf, die schließlich zum Ausgebranntsein führen.

      Der zweite Faktor hing damit zusammen, daß die Betreffenden keinen festen Rückhalt hatten, niemand, dem sie sich anvertrauen konnten. Bei einer Mutter, die sich von anderen Müttern absondert, ist die Wahrscheinlichkeit auszubrennen daher höher. Bei der zuvor erwähnten Umfrage stellte man fest, daß eher ledige als verheiratete Krankenschwestern ausbrennen. Doch wenn Mann und Frau nicht offen miteinander reden, kann die Ehe eine zusätzliche Belastung im Alltag sein. Selbst wenn die ganze Familie zu Hause ist, kann es sein, daß sich einer in der Familie einsam fühlt, weil alle anderen vor dem Fernsehgerät sitzen.

      Als dritter Faktor wurde ein Gefühl der Hilflosigkeit genannt. Krankenschwestern stehen zum Beispiel eher in Gefahr, sich hilflos zu fühlen, als Ärzte, weil sie nicht befugt sind, etwas zu ändern. Wer dem mittleren Management angehört, brennt vielleicht aus, weil er das Gefühl hat, daß seine angestrengten Bemühungen nichts fruchten. Ein Personalchef erklärte, es komme zum Burnout, wenn man „frustriert ist, weil man etwas bewirken möchte, aber keiner darauf eingeht“.

      Undank ist der Nährboden, auf dem Gefühle der Hilflosigkeit keimen — das Ausgebranntsein ist die Ernte. Eine Ehefrau brennt aus, wenn ihr Mann nicht zu würdigen weiß, wieviel Arbeit mit dem Haushalt und den Kindern verbunden ist. Ein Manager im mittleren Management brennt aus, wenn der Chef seine gute Arbeit nicht honoriert und wegen Kleinigkeiten auf ihm herumhackt. „Das Fazit aus dem Ganzen ist: Wir alle brauchen das Gefühl, daß man unsere Bemühungen schätzt und anerkennt, und wenn wir irgendwo arbeiten, wo unsere Anstrengungen nicht gewürdigt werden — ob zu Hause oder im Büro —, dann ist die Wahrscheinlichkeit auszubrennen um so höher“, hieß es in der Zeitschrift Parents.

      Interessanterweise erkranken, prozentual gesehen, weit mehr Krankenschwestern als Hebammen am Burnout-Syndrom. Ganz allgemein gesagt, hat die Arbeit einer Hebamme damit zu tun, ein neues Leben zur Welt zu bringen. Und sowohl Mütter als auch Väter danken es ihr. Wird man geschätzt, dann hat man das Gefühl, gebraucht zu werden, und das motiviert einen.

      Wenn man weiß, daß man dazu neigt auszubrennen und warum, ist es leichter, mit dem Problem umzugehen. Der folgende Artikel kann ausgebrannten Personen helfen, erneut Ausgeglichenheit in ihr Leben zu bringen.

      [Herausgestellter Text auf Seite 6]

      Ausgebranntsein ist die Folge eines Lebens in einer Tretmühle nach dem Motto: Immer Arbeit, nie ein Spiel

  • Ausgebrannt — Wie damit umgehen?
    Erwachet! 1995 | 8. Januar
    • Ausgebrannt — Wie damit umgehen?

      VÖLLIG gestreßt von Sorgen und den täglichen Belastungen, versuchen viele, ihre Frustrationen hinunterzuspülen. Nicht wenige bedienen sich des Alkohols, der heute am meisten mißbrauchten Droge, um der rauhen Wirklichkeit zu entfliehen. Andere verlassen sich auf allseits bekannte rezeptpflichtige Medikamente, die angstdämpfend wirken. Wieder andere greifen zu bewußtseinsverändernden Drogen wie Marihuana, Methamphetaminen oder Kokain. Selbst Kinder nehmen Drogen, um der Realität zu entfliehen. Man sagt, daß 95 Prozent der Jugendlichen in Amerika noch vor dem Schulabschluß mindestens eine illegale Droge nehmen.

      Andere versuchen dem Alltagsstreß zu entgehen, indem sie mit ihren Freunden auf die Pauke hauen oder sich nach außen hin fröhlich geben, obwohl sie deprimiert sind. Oder sie suchen aus dem falschen Beweggrund heraus Zuneigung und Zärtlichkeit beim anderen Geschlecht. Doch dem Streß mit solchen Fluchtmethoden zu begegnen, führt nur zu noch mehr Frustrationen. Wenn man versucht, Streß mit Alkohol hinunterzuspülen oder mit bewußtseinsverändernden Substanzen zu verscheuchen, statt erneut „Feuer zu fangen“, wird der Prozeß des Ausbrennens beschleunigt. Was kann man tun, wenn man merkt, daß das Feuer in einem langsam erlischt?

      Wie man sich regenerieren kann

      Erwachet! empfiehlt keine speziellen Therapien oder Behandlungsmethoden. Aber es nennt einige hilfreiche Empfehlungen, die sich auf biblische Grundsätze stützen und jemandem helfen können, die verlöschende Glut in sich wieder zu entfachen. Dr. Yutaka Ono, Direktor der medizinischen Fakultät der Keio-Universität, empfahl im Zusammenhang mit dem Burnout-Syndrom die „drei K“. Er erklärte: „Die ‚drei K‘ stehen für Kontrolle, Kommunikation und Kognition.“

      Um Gefühle der Hilflosigkeit überwinden zu können, muß man das Empfinden haben, seine Emotionen und sein Verhalten unter Kontrolle zu haben. Wenn man tagtäglich von Frustrationen beherrscht wird und deswegen nicht in der Lage ist, Probleme zu lösen, könnte man leicht denken, einem sei die Kontrolle entglitten. Man sollte jedoch nicht tatenlos herumsitzen und trüben Gedanken nachhängen. Statt dessen sollte man sich bemühen, das Problem Schritt für Schritt anzugehen. (Siehe Kasten auf Seite 8.) Das sollte man nicht auf die lange Bank schieben. Allein schon dadurch, daß man positive Schritte unternimmt, wird man sich besser fühlen und das Gefühl haben, Herr der Lage zu sein.

      Außerdem sollte man versuchen, Ärger zu vermeiden, der zu Resignation führt. Manche regen sich beispielsweise schnell über jede Kleinigkeit auf. Sie beharren auf einer bestimmten Verfahrensweise und sind verärgert, wenn sich andere nicht danach richten; oder sie sind wegen ihrer eigenen Fehlschläge frustriert. Ein weiser Mann in alter Zeit sagte einmal: „Werde nicht allzu gerecht, noch zeige dich übermäßig weise. Warum solltest du Verwüstung über dich bringen?“ (Prediger 7:16). Wer sich zu hohe Ziele steckt und ständig das Gefühl hat, sie nicht zu erreichen, ist auf dem besten Weg auszubrennen.

      Ein weiterer hilfreicher Rat aus der Bibel lautet: ‘Wandle bescheiden mit deinem Gott’ (Micha 6:8). Bescheiden zu sein bedeutet, sich seiner Grenzen bewußt zu sein oder seine Fähigkeiten maßvoll einzuschätzen. Das könnte heißen, zu unvernünftigen Anforderungen am Arbeitsplatz nein zu sagen.

      Wer seine Grenzen kennt, ist für jede Hilfe dankbar. Eine Managerin, die am Syndrom des Ausgebranntseins erkrankte, sagte, zur Vorbeugung von Burnout sei es entscheidend, andere um Hilfe bitten zu können. Wie sie erklärte, haben jedoch „viele Leute Skrupel, jemanden um Hilfe zu bitten, weil andere sonst denken könnten, sie kämen mit ihrer Arbeit nicht zurecht“. Ob im Haushalt, in der Schule oder im Beruf — je nachdem, in welchem Bereich man gefährdet ist auszubrennen —, man sollte Arbeiten delegieren, wann immer es geht. Es wird einen überraschen, wenn man sieht, was erreicht werden kann, ohne daß man alles selbst macht. (Vergleiche 2. Mose 18:13-27.)

      Vielleicht benötigt man auch etwas Ruhe. Urlaub kann bei einem Burnout-Kandidaten Wunder wirken. Sollten die Umstände das nicht erlauben, „macht es viel aus, wenn man es versteht, sich ein paar schöne Stunden zu machen“, sagte die Forscherin Ann McGee-Cooper. Einmal etwas auszuspannen, um aus dem alltäglichen Trott herauszukommen, kann sogar die Leistungsfähigkeit steigern und dem Sinn neue Ideen liefern. Der Rat, den König Salomo vor vielen Jahren gab, ist nach wie vor treffend: „Besser ist eine Handvoll Ruhe als eine doppelte Handvoll harter Arbeit und Haschen nach Wind“ (Prediger 4:6).

      Kommunikation im Freundeskreis

      Das zweite „K“, das Dr. Ono erwähnte, steht für Kommunikation. Interessanterweise erkranken Feuerwehrleute selten am Syndrom des Ausgebranntseins. Das liegt wahrscheinlich nicht nur daran, daß sie als Helden betrachtet werden, sondern auch daran, daß sie eine gute Kameradschaft verbindet. Freunde, an die man sich anlehnen kann, sind eine große Hilfe. Bei wem kann man heute tröstenden Beistand finden? In dem Buch Moetsukishokogun (Burnout-Syndrom) werden Wege aufgezeigt, wie Ärzte das Syndrom des Ausgebranntseins bewältigen können, und es wird unter anderem gesagt: „Den wirkungsvollsten und realistischsten gefühlsmäßigen Beistand erhält ein Arzt von seiner Familie, besonders von seiner Frau.“ Jeder braucht einen Freund, dem er seine Gefühle anvertrauen kann. In Verbindung mit diesem Bereich der Kommunikation gibt die Bibel praktischen Rat. Sie ermutigt Ehepaare dazu, sich ihre Romantik zu bewahren, und rät jedem, Freunde zu haben, die fundierte und praktische Ratschläge geben können (Sprüche 5:18, 19; 11:14).

      „Wir müssen uns enge Freunde und Familienangehörige suchen, die uns Rückhalt geben“, schrieb die Zeitschrift USA Today. Weiter wurde gesagt: „Außerdem müssen wir uns frei fühlen, Möglichkeiten auszuschöpfen, die sich uns in religiösen Zentren und im Bereich der Psychohygiene bieten.“ Wenn es darum geht, unsere Möglichkeiten auf religiösem Gebiet auszuschöpfen, können uns die Worte des Jakobus, eines Halbbruders Jesu, weiterhelfen: „Ist jemand unter euch krank? Er rufe die älteren Männer der Versammlung zu sich, und sie mögen über ihm beten und ihn im Namen Jehovas mit Öl einreiben“ (Jakobus 5:14). Für problembeladene Christen kann es wohltuend sein, mit einem Ältesten aus einer Versammlung der Zeugen Jehovas zu sprechen. Die geistige Hilfe, die Älteste bieten, ist von unschätzbarem Wert, auch wenn sie keine Spezialisten für das Burnout-Syndrom sind.

      Ein Freundeskreis kann uns zwar die Kraft für einen weiteren Tag geben, aber möglicherweise ist es damit allein nicht getan. Martin E. P. Seligman schrieb in der Einleitung zu seinem Buch Helplessness, ein Grund für die heutige Zunahme an Depressionen sei der ungebändigte Individualismus in der westlichen Welt, und er erwähnte, wie wichtig es sei, einen Sinn im Leben zu finden. Dann erklärte er: „Eine wichtige Bedingung für einen Sinn im Leben ist die Bindung an etwas von höherem Rang.“ Viele Menschen heute nehmen ihr Verhältnis zu Gott nicht ernst, doch Kommunikation mit dem Schöpfer — der zweifelsohne „von höherem Rang“ ist — kann einem helfen, Gefühle der Hilflosigkeit zu besiegen.

      König David, der in seinem Leben so manche Krise durchmachte, ermunterte seine Untertanen mit folgenden Worten: „Vertraut auf ihn [Gott] zu allen Zeiten. Vor ihm schüttet euer Herz aus. Gott ist uns eine Zuflucht“ (Psalm 62:8). Gott hat ein offenes Ohr für uns, sogar für unsere ‘unausgesprochenen Seufzer’ (Römer 8:26). Wenn wir ihn ernsthaft bitten, werden wir den Frieden erhalten, der ‘unser Herz und unsere Denkkraft’ vor dem Ausbrennen behüten kann (Philipper 4:6, 7).

      Umdenkprozeß

      Vielleicht muß man auch umdenken lernen. Kognition oder Erkenntnis ist das letzte „K“, das Dr. Ono empfahl, um mit dem Burnout-Syndrom fertig zu werden. Wenn wir unter starkem Streß stehen, neigen wir dazu, alles negativ zu sehen und aus dieser pessimistischen Gedankenwelt nicht mehr herauszufinden. Wir müssen jedoch realistisch bleiben. Überlegen wir uns, ob wir wirklich Grund haben, derartig negativ zu denken. Wird es wirklich so schlimm werden, wie wir befürchten? Wir sollten versuchen, das Ganze aus einem anderen Blickwinkel zu sehen.

      „Das beginnt damit, daß man sich sagt: ‚Wenn ich ausgebrannt bin, dann wahrscheinlich, weil ich ein guter Mensch bin, und nicht, weil ich ein schlechter Mensch bin‘“, heißt es in der Zeitschrift Parents. Erinnern wir uns: Anfällig für Burnout sind Menschen, die hohe Maßstäbe vertreten und sich für andere interessieren. Am meisten hilft einer ausgebrannten Person ein Wort der Wertschätzung. Es macht ungeheuer viel aus, wenn eine Ehefrau und Mutter von ihrem Mann und ihren Kindern gesagt und gezeigt bekommt, wie sehr sie ihre Arbeit im Haushalt schätzen. Leidet ein Manager im mittleren Management am Syndrom des Ausgebranntseins, kann es seine ganze Einstellung zum Positiven verändern, wenn man ihm ein paar anerkennende Worte sagt und ihm auf die Schulter klopft.

      Die Bibel zeigt, daß eine tüchtige Ehefrau Lob verdient hat: „Ihre Söhne sind aufgestanden und haben sie glücklich gepriesen; ihr Besitzer steht auf, und er preist sie. Viele Töchter gibt es, die sich tüchtig erzeigt haben, du aber — du bist über sie alle emporgestiegen“ (Sprüche 31:10, 28, 29). Ja, „liebliche Reden sind eine Honigwabe, süß für die Seele und Heilung für das Gebein“ (Sprüche 16:24).

      Shinzo, der christliche Älteste, von dem im ersten Artikel berichtet wurde, erholte sich von dem Burnout-Syndrom recht gut. Er erhielt zwar professionelle Hilfe, aber am meisten halfen ihm die Gebete zu Jehova. Nachdem er ernsthaft um Hilfe gebetet hatte, traf er zufällig den Ältesten, der als erster mit ihm Gottes Wort studiert hatte. Dieser Älteste und andere Mitälteste standen ihm zur Seite, indem sie sich seine Ängste anhörten. Seine Frau las ihm Artikel vor, die in einer früheren Ausgabe dieser Zeitschrift (8. Oktober 1992) veröffentlicht worden waren und die Frage behandelten, wie man negative Gefühle überwinden kann. Allmählich begriff er sein Problem: Er wollte immer alles selbst machen. Langsam betrachtete er das, was um ihn herum geschah, mit anderen Augen. Anfangs hatte er zwar das Gefühl, in einem endlosen finsteren Tunnel zu sein, doch dann sah er am anderen Ende des Tunnels ein Licht, das langsam größer wurde, bis er schließlich aus dem Tunnel heraus war.

      Wer ausgebrannt ist, kann sich ebenso wie Shinzo vom Burnout-Syndrom erholen und den Herausforderungen des Lebens wieder begegnen.

      [Kasten auf Seite 8]

      Zwölf Vorbeugemaßnahmen gegen Burnout

      DIE folgenden Punkte stützen sich auf einige Empfehlungen, die eine klinische Spezialistin auf dem Gebiet der Psychohygiene gab.

      1. Man sollte Herr seiner Gedanken, Gefühle und Handlungen sein — das Gebet ist dabei eine große Hilfe.

      2. Wenn man anfängt, sich Sorgen zu machen, sollte man ganz bewußt auf konstruktive und konkrete Gedanken umschalten.

      3. Falls man sich aufregt, empfiehlt es sich, tief durchzuatmen und sich bewußt zu entspannen.

      4. Man sollte versuchen, die Sache vom Standpunkt des anderen zu sehen, um zu verstehen, wie es zu den Spannungen gekommen ist.

      5. Es ist gut, sich darauf zu konzentrieren, was man an anderen schätzt, und sie dafür zu loben. Man sollte ihnen nicht schmeicheln, sondern ein ehrliches Lob aussprechen.

      6. Negatives, destruktives Denken sollte im Keim erstickt werden.

      7. Man muß lernen, nein zu sagen, wenn die Kraft und der Zeitplan es erfordern.

      8. Es ist empfehlenswert, sich jeden Tag ein wenig körperlich zu betätigen — ein flotter Spaziergang tut gut.

      9. Man sollte andere respektvoll behandeln und versuchen, das Gute in ihnen zu fördern.

      10. Man sollte sich seinen Humor und seinen Frohsinn bewahren.

      11. Es ist gut, wenn man berufliche Probleme nicht mit nach Hause nimmt, sondern am Arbeitsplatz läßt.

      12. Man sollte heute erledigen, was erledigt werden muß, und es nicht auf die lange Bank schieben.

      (In Anlehnung an den Artikel „Dealing With Feelings, Beating Burnout“ [Mit Gefühlen umgehen, Burnout besiegen] von Ruth Dailey Grainger in der Zeitschrift American Journal of Nursing, Januar 1992.)

      [Bild auf Seite 8, 9]

      Häufig sind es unermüdliche und dynamische Menschen, die ausbrennen

Deutsche Publikationen (1950-2025)
Abmelden
Anmelden
  • Deutsch
  • Teilen
  • Einstellungen
  • Copyright © 2025 Watch Tower Bible and Tract Society of Pennsylvania
  • Nutzungsbedingungen
  • Datenschutzerklärung
  • Datenschutzeinstellungen
  • JW.ORG
  • Anmelden
Teilen