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  • Fragen, die eine Antwort verlangen
    Erwachet! 1990 | 8. Oktober
    • Fragen, die eine Antwort verlangen

      VIELLEICHT haben wir uns schon in gewissen Situationen gefragt: „Wenn es einen Gott gibt, warum hat er dann so viel Leid zugelassen? Und warum so lange — während der ganzen Menschheitsgeschichte? Wird das Leiden je ein Ende haben?“

      Viele Menschen sind verbittert, weil sie keine zufriedenstellenden Antworten auf solche Fragen finden. Einige haben sogar ihren Glauben an Gott verloren oder geben Gott die Schuld an ihrem Unglück.

      Ein Überlebender des Holocausts der Nationalsozialisten beispielsweise war so verbittert, daß er sagte: „Wenn Sie an meinem Herzen lecken könnten, wären Sie vergiftet.“ Ein anderer Mann, der unter rassistisch motivierter Verfolgung zu leiden hatte, die im 1. Weltkrieg das Leben von Freunden und Verwandten forderte, fragte bitter: „Wo war Gott, als wir ihn brauchten?“

      Nicht wenige sind verwirrt. Von ihrem Standpunkt aus ist es ein Widerspruch, daß ein Gott der Güte und Liebe während so langer Zeit Schlechtes zugelassen hat.

      Was der Mensch getan hat

      Unbestreitbar hat der Mensch über die Jahrhunderte hinweg, ja seit Jahrtausenden seinem Mitmenschen unsagbares Leid zugefügt. Das Ausmaß und das Grauen all dessen übersteigt jegliches Vorstellungsvermögen.

      Im Verlauf der angeblichen Zivilisierung haben die Menschen immer schrecklichere Mittel ersonnen, um einander zu vernichten oder zu verstümmeln: Kanonen, Maschinengewehre, Kriegsflugzeuge, Panzer, Raketen, Flammenwerfer sowie chemische und atomare Waffen. Als Folge davon kamen allein in den Kriegen unseres Jahrhunderts etwa 100 Millionen Menschen um. Weitere Hunderte von Millionen wurden verwundet oder hatten in anderer Weise zu leiden. Was an materiellen Werten wie Häusern und anderem Besitz zerstört wurde, ist überhaupt nicht zu berechnen.

      Wenn man nur an den Strom von Tränen, den unbeschreiblichen Kummer und den unerträglichen Schmerz denkt, die auf das Konto des Krieges gehen! Nur zu oft sind es die Unschuldigen, die leiden: alte Männer und Frauen, Kinder, Säuglinge. Und nur zu oft kommen die Verursacher des Unheils ungeschoren davon.

      Weltweit hält das Leiden an. Jeden Tag werden Menschen ermordet oder werden auf andere Weise zu Opfern der Kriminalität. Sie werden bei Unfällen oder Naturkatastrophen wie Stürmen, Überschwemmungen und Erdbeben verletzt oder getötet. Sie leiden unter Ungerechtigkeit, Vorurteilen, Armut, Hunger, Krankheiten und vielem anderen.

      Wie könnte ein guter Gott etwas — die Menschheit — erschaffen haben, das so schrecklich, so oft und Jahrhundert um Jahrhundert leiden mußte?

      Das Dilemma im menschlichen Körper

      Das Dilemma spiegelt sich sogar im menschlichen Körper wider. Wissenschaftler und andere, die den Körper studiert haben, stimmen darin überein, daß er wunderbar gemacht ist.

      Denken wir nur an einige phantastische Merkmale: das einzigartige menschliche Auge, das von keiner Kamera kopiert werden kann; das ehrfurchteinflößende Gehirn, das den fortschrittlichsten Computer plump und alt aussehen läßt; die komplexe Zusammenarbeit der Körperteile, die ohne unser bewußtes Dazutun funktioniert; das Wunder der Entwicklung eines Kindes im Mutterleib, bei der in nur neun Monaten ein seinen Eltern ähnliches, süßes Baby heranwächst. Viele Menschen kommen zu dem Schluß, daß eine solch meisterhafte Konstruktion wie der menschliche Körper von einem meisterhaften Konstrukteur geschaffen worden sein muß — von unserem Schöpfer, Gott, dem Allmächtigen.

      Doch traurigerweise verfällt dieser wunderbare Körper. Mit der Zeit wird er von Krankheit, Alter und Tod überwältigt. Schließlich zerfällt er zu Staub. Welch eine Tragik! Gerade wenn jemand die Erfahrungen nutzen könnte, die ihn über die Jahrzehnte weiser werden ließen, bricht der Körper zusammen. Was für ein Kontrast zwischen dem Potential des Körpers an Gesundheit, Vitalität und Schönheit zu Beginn des Lebens und seinem bemitleidenswerten Ende!

      Warum sollte ein liebevoller Schöpfer etwas so Hervorragendes wie den menschlichen Körper gemacht haben, nur damit dieser so traurig endet? Warum sollte er einen Mechanismus geschaffen haben, der einen so guten Start mit einem so großen Potential hat, aber dann so jämmerlich endet?

      Erklärungsversuch

      Einige sind der Meinung, Böses und Leiden seien Gottes Mittel zur Verbesserung unseres Charakters durch Widerwärtigkeiten. Ein methodistischer Geistlicher erklärte: „Das Vergelten von Bösem mit Gutem ist Teil des göttlichen Erlösungsplans.“ Gute Menschen müßten als Teil des göttlichen Plans seiner Ansicht nach zur Charakterbildung und Rettung unter den Taten schlechter Menschen leiden.

      Aber würde ein liebevoller menschlicher Vater versuchen, den Charakter seiner Kinder zu verbessern, indem er dafür sorgt, daß sie von einem gemeinen Verbrecher gequält werden? Denken wir auch daran, daß viele junge Menschen durch Unfälle, Morde oder Kriege umkommen. Diese jungen Opfer haben keine weitere Gelegenheit, ihren Charakter zu verbessern, denn sie sind tot! Der Gedanke, Leiden würden zugelassen, um den Charakter zu verbessern, ist also nicht sinnvoll.

      Kein vernünftiger und liebevoller menschlicher Vater würde seinen Lieben Leiden oder Unglücksfälle wünschen. Im Gegenteil, ein Vater, der beabsichtigte, seine Lieben „zur Charakterbildung“ leiden zu lassen, würde als unfähig oder sogar als geistesgestört angesehen werden.

      Könnte daher vernünftigerweise gesagt werden, daß Gott, der liebevolle Vater schlechthin, der allweise Schöpfer des Universums, absichtlich für Leiden als Teil seines „Erlösungsplans“ gesorgt hat? Damit würde er einen äußerst grausamen und schrecklichen Charakterzug aufweisen, den wir alle schon bei uns kleinen Menschen unannehmbar fänden.

      Die Antwort finden

      Wohin können wir uns wenden, um eine Antwort auf die Frage zu finden, warum Gott Leiden und Bosheit zugelassen hat? Da es hierbei um Gott geht, wäre es sinnvoll, festzustellen, was er selbst zur Beantwortung der Frage zu sagen hat.

      Wie können wir die Antwort finden? Indem wir uns an die Quelle wenden, von der Gott sagt, daß er sie als Anleitung für die Menschen geschaffen hat: die Heilige Schrift, die Bibel. Ungeachtet, was jemand über diese Quelle denken mag, verdient sie es, untersucht zu werden, denn „die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich ... zum Richtigstellen der Dinge“, wie der Apostel Paulus schrieb (2. Timotheus 3:16). Er sagte ebenfalls: „Als ihr Gottes Wort, das ihr von uns hörtet, empfingt, habt ihr es nicht als Menschenwort angenommen, sondern als das, was es wahrhaftig ist, als das Wort Gottes“ (1. Thessalonicher 2:13).a

      Eine Antwort auf die Frage zu finden, warum das Leiden zugelassen wurde, ist mehr als nur eine intellektuelle Übung. Die Antwort ist von grundlegender Bedeutung für unser Verständnis dessen, was sich heute in der Welt abspielt, was in der nahen Zukunft geschieht und wie jeder von uns davon betroffen wird.

      Wir schulden es uns, die Bibel — Gottes Mitteilung an die Menschheitsfamilie — für sich selbst sprechen zu lassen. Was sagt sie darüber, wie das Leid begann und warum Gott es zugelassen hat?

      Ein Schlüssel zum Verständnis steht mit der geistigen und gefühlsmäßigen Beschaffenheit des Menschen im Zusammenhang. Die Bibel zeigt, daß der Schöpfer uns eine entscheidende Veranlagung eingepflanzt hat: den Wunsch nach Freiheit. Wir wollen kurz betrachten, was unter dem freien Willen der Menschen zu verstehen ist und was dieser mit Gottes Zulassung des Leidens zu tun hat.

      [Fußnote]

      a Eine Betrachtung der Beweise dafür, daß die Bibel von Gott inspiriert ist, ist in dem von der Wachtturm-Gesellschaft herausgegebenen Buch Die Bibel — Gottes oder Menschenwort? zu finden.

  • Die wunderbare Gabe des freien Willens
    Erwachet! 1990 | 8. Oktober
    • Die wunderbare Gabe des freien Willens

      SCHÄTZEN wir die Freiheit, selbst zu entscheiden, wie wir unser Leben leben und was wir tun oder sagen wollen? Oder möchten wir, daß uns ein anderer unser ganzes Leben lang jede Minute jeden Tages jedes Wort und jede Handlung vorschreibt?

      Kein normaler Mensch will, daß ihm seine Lebensführung aus der Hand genommen und von jemand anders vollständig kontrolliert wird. Unter solchen Umständen zu leben wäre sehr bedrückend und deprimierend. Wir wünschen uns Freiheit.

      Doch warum haben wir ein derartiges Verlangen nach Freiheit? Wenn wir verstehen, warum wir unsere Entscheidungsfreiheit so schätzen, haben wir den Schlüssel zu der Frage in der Hand, wie Bosheit und Leiden entstehen konnten. Wir werden auch verstehen, warum Gott bis jetzt damit gewartet hat, Bosheit und Leiden ein Ende zu machen.

      Wie wir gemacht sind

      Als Gott die Menschen erschuf, war unter den vielen wunderbaren Gaben für sie auch der freie Wille. Die Bibel berichtet uns, daß Gott den Menschen in seinem ‘Bilde und Gleichnis’ erschuf; und eines der Merkmale Gottes ist die Entscheidungsfreiheit (1. Mose 1:26; 5. Mose 7:6). Als er daher die Menschen erschuf, gab er ihnen das gleiche wunderbare Merkmal — die Gabe des freien Willens.

      Deswegen ziehen wir die Freiheit der Sklaverei unter bedrückenden Herrschern vor. Und aus diesem Grund entsteht der Unmut über eine harte, bedrückende Herrschaft, der so häufig zu Freiheitskämpfen geführt hat.

      Der Wunsch nach Freiheit ist kein Zufall. Die Bibel gibt die zugrundeliegende Ursache an: „Wo der Geist Jehovas ist, da ist Freiheit“ (2. Korinther 3:17). Der Wunsch nach Freiheit ist somit Teil unserer Natur, weil Gott uns so geschaffen hat. Es ist etwas, das wir nach Gottes Willen haben sollen, da er selbst der Gott der Freiheit ist.

      Gott gab uns auch die geistigen Fähigkeiten, wie das Wahrnehmungsvermögen und die Fähigkeit, logisch zu denken und zu urteilen, die mit dem freien Willen zusammenarbeiten. Dadurch sind wir in der Lage zu denken, abzuwägen, Entscheidungen zu treffen und zwischen Richtig und Falsch zu unterscheiden (Hebräer 5:14). Wir wurden nicht als geistlose Roboter erschaffen, die keinen eigenen Willen haben, noch wurden wir geschaffen, um hauptsächlich dem Instinkt zu gehorchen wie die Tiere.

      Zusammen mit dem freien Willen erhielten unsere Ureltern alles, was man sich vernünftigerweise nur wünschen könnte: Sie lebten in einem parkgleichen Paradies, hatten materiellen Überfluß, verfügten über einen vollkommenen Geist und einen Körper, der weder alt noch krank werden würde, noch sterben müßte; sie würden Kinder bekommen, vor denen ebenfalls eine glückliche Zukunft läge, und die wachsende Bevölkerung würde die befriedigende Aufgabe haben, die gesamte Erde zu einem Paradies zu gestalten (1. Mose 1:26-30; 2:15).

      Über das, was Gott in Gang gebracht hatte, heißt es in der Bibel: „Gott [sah] alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut“ (1. Mose 1:31). Die Bibel sagt auch über den Schöpfer: „Vollkommen ist sein Tun“ (5. Mose 32:4). Ja, er gab der Menschheitsfamilie einen vollkommenen Start, der nicht besser hätte sein können.

      Freiheit mit Grenzen

      War jedoch diese wunderbare Gabe der Freiheit grenzenlos? Nun, würden wir im dichten Verkehr Auto fahren wollen, wenn es keine Verkehrsvorschriften gäbe, wenn man auf jeder beliebigen Spur fahren dürfte, in jede Richtung, egal, mit welcher Geschwindigkeit? Die Folgen solcher unbegrenzten Freiheit im Verkehr wären sicherlich katastrophal.

      Das gleiche gilt für die menschlichen Beziehungen. Grenzenlose Freiheit für einige bedeutet völlige Unfreiheit für andere. Unbegrenzte Freiheit kann zur Anarchie führen, durch die die Freiheit aller in Mitleidenschaft gezogen wird. Es muß Grenzen geben. Daher bedeutet Gottes Gabe der Freiheit nicht, daß die Menschen einfach nach Belieben handeln sollten, ohne das Wohl der anderen zu berücksichtigen.

      In Gottes Wort heißt es dazu: „Handelt als Freie, aber nicht als solche, die die Freiheit als Deckmantel für das Böse nehmen“ (1. Petrus 2:16, Neue Jerusalemer Bibel). Nach Gottes Willen soll also unser freier Wille zum Wohl der Allgemeinheit in richtige Bahnen gelenkt werden. Gottes Vorsatz gemäß sollte der Mensch keine völlige Freiheit haben, sondern eine relative, von Gesetzen geregelte Freiheit.

      Wessen Gesetze?

      Wessen Gesetzen sollten wir ursprünglich gehorchen? Wessen Gesetze sind für uns die besten? In dem eben angeführten Bibeltext wird weiter gesagt, wir seien „Knechte Gottes“. Damit ist keine bedrückende Knechtschaft gemeint. Vielmehr wurden wir geschaffen, um in Abhängigkeit von Gottes Gesetzen zu leben. Wir sind glücklicher, wenn wir uns ihnen unterwerfen.

      Gottes Gesetze sind für jeden die absolut beste Anleitung, und sie sind besser als jegliche Gesetzessammlung, die von Menschen erdacht werden könnte. In Jesaja 48:17 lesen wir: „Ich, Jehova, bin dein Gott, der dir zum Nutzen dich lehrt, der dich auf den Weg treten läßt, auf dem du wandeln solltest.“ Doch gleichzeitig lassen Gottes Gesetze in ihren Grenzen einen weiten Spielraum für Freiheit. Das ermöglicht eine Menge persönlicher Entscheidungen und Unterschiede, die die Menschheitsfamilie interessanter, ja faszinierend machen.

      Die Menschen unterstehen auch Gottes Naturgesetzen. Wenn wir z. B. das Gravitationsgesetz ignorieren und uns aus großer Höhe herunterstürzen, werden wir uns verletzen oder sogar unser Leben verlieren. Bleiben wir ohne Atemgerät unter Wasser, sterben wir innerhalb von Minuten. Und wenn wir die Gesetzmäßigkeiten ignorieren, die unseren Körper betreffen, und aufhören zu essen oder zu trinken, werden wir ebenfalls nicht lange überleben.

      Unsere Ureltern und damit alle, die von ihnen abstammen, wurden mit der Notwendigkeit erschaffen, Gottes Moralgesetzen, Verhaltensregeln und auch Naturgesetzen zu gehorchen. Es sollte keine Bürde sein, diese Gesetze zu befolgen. Statt dessen hätte sich Gehorsam zum Wohl der ersten Menschen und der ganzen Menschheitsfamilie, die noch kommen sollte, ausgewirkt. Wären unsere Ureltern in den von Gottes Gesetz festgesetzten Grenzen geblieben, wäre alles gutgegangen.

      Wodurch wurde dieser gute Start verdorben? Warum haben sich statt dessen Bosheit und Leiden ausgebreitet? Warum hat Gott das so lange zugelassen?

      [Bild auf Seite 7]

      Die wunderbare Gabe des freien Willens unterscheidet uns von geistlosen Robotern und von Tieren, die hauptsächlich ihrem Instinkt gehorchen

  • Warum hat Gott Leiden zugelassen?
    Erwachet! 1990 | 8. Oktober
    • Warum hat Gott Leiden zugelassen?

      „Es steht nicht bei dem Mann, der da wandelt, auch nur seinen Schritt zu richten. Bringe mich zurecht, o Jehova“ (Jeremia 10:23, 24).

      DIESE Worte wurden Tausende von Jahren nach der Erschaffung des Menschen geschrieben. Jeremia mußte feststellen, daß bis zu seinen Tagen die menschliche Geschichte im Verhältnis zu dem guten Start, den Gott unseren Ureltern gegeben hatte, eine Tragödie war.

      Jeremias Beobachtungen sind durch weitere gut 2 500 Jahre Menschheitsgeschichte nur bekräftigt worden. Die menschliche Tragödie hat sich sogar noch verschlimmert. Was ist falsch gelaufen?

      Mißbrauch des freien Willens

      Unsere Ureltern verloren die Tatsache aus den Augen, daß sie nicht so geschaffen worden waren, daß sie ohne Gott und seine Gesetze hätten glücklich leben können. In der Meinung, sie könnten ihr Leben verbessern, entschlossen sie sich, von Gott unabhängig zu werden. Doch das war ein Mißbrauch ihrer Freiheit. Sie übertraten die von Gott verfügten Grenzen des freien Willens (1. Mose, Kapitel 3).

      Warum vernichtete Gott Adam und Eva nicht einfach und fing mit einem anderen Menschenpaar neu an? Weil seine universelle Souveränität und seine Herrschaftsweise in Frage gezogen worden waren. Als allmächtiger Gott und Schöpfer aller Geschöpfe hat er das Recht, über sie zu herrschen. Und da er allweise ist, ist seine Herrschaft für alle Geschöpfe die beste. Dennoch wurde seine Herrschaft jetzt angefochten.

      Konnten die Menschen etwas Besseres erreichen als die Herrschaft Gottes? Der Schöpfer wußte bestimmt die Antwort auf diese Frage. Eine sichere Möglichkeit, die Menschen die Antwort herausfinden zu lassen, bestand darin, ihnen die unbeschränkte Freiheit zu geben, die sie sich wünschten. Somit hat Gott unter anderem deshalb Bosheit und Leiden zugelassen, weil er über jeden Zweifel erhaben die Frage klären wollte, ob eine von ihm unabhängige Menschenherrschaft erfolgreich sein kann.a

      Adam und Eva brachten Leiden über sich selbst und ihre Nachkommen. Sie ‘ernteten, was sie gesät hatten’ (Galater 6:7). „Sie haben ihrerseits verderblich gehandelt; sie sind nicht seine [Gottes] Kinder, ihre eigene Fehlerhaftigkeit ist es“ (5. Mose 32:5).

      Unsere Ureltern waren gewarnt worden, daß Unabhängigkeit von der Herrschaft Gottes zum Tod führen würde (1. Mose 2:17). Das erwies sich als wahr. Indem sie Gott verließen, wandten sie sich von dem Quell ihrer Gesundheit und ihres Lebens ab. Sie verfielen, bis der Tod sie überwältigte (1. Mose 3:19).

      Danach räumte Gott der Menschheitsfamilie ausreichend Zeit ein, um vollständig zu klären, ob irgendein politisches, gesellschaftliches oder wirtschaftliches System, das sie sich getrennt von ihm ausdenken mochte, völlig zufriedenstellend wäre. Würde irgendeines dieser Systeme zu einer glücklichen, friedlichen Welt ohne Verbrechen und Krieg führen? Könnte eines davon materiellen Wohlstand für alle sichern? Würde eines Krankheit, Alter und Tod besiegen? Die göttliche Herrschaft war so ausgelegt, daß sie all dies vollbringen konnte (1. Mose 1:26-31).

      Was uns die Vergangenheit lehrt

      Schon bald bewiesen die Ereignisse die Wahrheit der Worte aus Römer 5:12: „Der Tod [hat sich] zu allen Menschen verbreitet.“ Der gleiche Vers erklärt: „Durch e i n e n Menschen [ist] die Sünde in die Welt gekommen ... und durch die Sünde der Tod.“ Als unsere Ureltern gegen Gottes Herrschaft rebellierten, wurden sie fehlerhaft, unvollkommen. Diese Fehlerhaftigkeit war alles, was sie an ihre Nachkommen weitergeben konnten. Als Folge davon sind wir alle mit Fehlern behaftet geboren worden und sind Krankheiten und dem Tod unterworfen.

      Die Vergangenheit hat auch gezeigt, wie schrecklich sündenbeladene Menschen miteinander umgehen: brutale Kriege, die niemand zählen kann, Rassenhaß und religiöse Feindseligkeiten, Inquisitionen, abscheuliche Verbrechen aller Art sowie Taten der Selbstsucht und der Habgier. Auch haben Armut und Hunger ungezählte Millionen gequält.

      In den vergangenen Jahrtausenden hat der Mensch jede erdenkliche Regierungsform ausprobiert. Doch eine nach der anderen hat darin versagt, die Bedürfnisse der Menschen zu befriedigen. In letzter Zeit wurden in vielen Ländern die kommunistischen Regierungen verworfen. In demokratischen Ländern nehmen Kriminalität, Armut, wirtschaftliche Instabilität und Korruption überhand. Ja, alle Formen menschlicher Regierungen haben sich als mangelhaft erwiesen.

      Des weiteren hat Gott den Menschen Zeit eingeräumt, damit sie den Höhepunkt wissenschaftlichen und materiellen Strebens erreichen konnten. Aber ist es wirklich ein Fortschritt, wenn Pfeil und Bogen durch Atomraketen ersetzt worden sind; wenn die Menschen auf den Mond fliegen können, aber nicht in der Lage sind, auf der Erde friedlich zusammenzuleben; wenn Millionen von Menschen wegen der Kriminalität Angst haben, nachts auf die Straße zu gehen?

      Was die vergangene Zeit gezeigt hat, ist, daß es für den Menschen genausowenig möglich ist, erfolgreich „seinen Schritt zu richten“, wie ohne Nahrung, Wasser und Luft zu leben. So, wie wir von Nahrung, Wasser und Luft abhängig sind, weil wir so geschaffen wurden, sind wir auch aus dem gleichen Grund von der Leitung unseres Schöpfers abhängig (Matthäus 4:4).

      Indem Gott Bosheit und Leiden zuließ, hat er ein für allemal gezeigt, welch schlechte Folgen der Mißbrauch des freien Willens hat. Der freie Wille ist eine so kostbare Gabe, daß Gott, statt sie den Menschen zu entziehen, ihnen die Möglichkeit eingeräumt hat, zu sehen, was ihr Mißbrauch bedeutet.

      Über den freien Willen heißt es in der „Erklärung der Prinzipien des Konservativen Judaismus“ (engl.): „Hätte der Mensch, wenn er die Wahl zwischen Gut und Böse hat, nicht wirklich die Möglichkeit, eine falsche Entscheidung zu treffen, wäre das ganze Prinzip der Entscheidungsfreiheit bedeutungslos. ... Ein Großteil des Leids auf der Welt ist eine direkte Folge des Mißbrauchs des freien Willens, den Gott uns gewährt hat.“

      Ganz bestimmt hatte Jeremia recht, als er sagte: „Es steht nicht bei dem Mann, der da wandelt, auch nur seinen Schritt zu richten.“ Und auch Salomo hatte recht, als er schrieb: „Der Mensch [hat] über den Menschen zu seinem Schaden geherrscht“ (Prediger 8:9).

      Dies verdeutlicht nachdrücklich die Unfähigkeit des Menschen, das Leid auszumerzen. Selbst Salomo mit all seiner Weisheit, seinem Reichtum und seiner Macht konnte das Elend nicht beseitigen, das die Menschenherrschaft mit sich gebracht hatte.

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