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Hiob — ein Beispiel für Ausharren und LauterkeitDer Wachtturm 2006 | 15. August
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Hiob — ein Beispiel für Ausharren und Lauterkeit
„Hast du dein Herz auf meinen Knecht Hiob gerichtet, dass es seinesgleichen keinen gibt auf der Erde, einen Mann, untadelig und rechtschaffen, gottesfürchtig und von Schlechtem weichend?“ (HIOB 1:8).
1, 2. (a) Von welchen Unglücksschlägen wurde Hiob heimgesucht? (b) Beschreibe Hiobs Leben vor den Unglücksschlägen.
ES GAB einen Mann, der alles hatte, was man sich nur wünschen kann — Wohlstand, Ansehen, Gesundheit und eine glückliche Familie. Dann wurde er in schneller Folge von drei Unglücksschlägen heimgesucht. Er verlor über Nacht seinen Wohlstand, bei einem Sturm kamen alle seine Kinder ums Leben, und bald darauf bekam er eine schwere Krankheit, bei der sein ganzer Körper mit schmerzhaften Beulen überzogen war. Der Mann ist für uns wahrscheinlich kein Unbekannter. Es war Hiob, die Hauptfigur des gleichnamigen Bibelbuches (Hiob, Kapitel 1 und 2).
2 „O dass ich wie in den Mondmonaten vor alters wäre“, stöhnte Hiob (Hiob 3:3; 29:2). Wer würde wohl nach einem Unglück nicht ebenfalls wehmütig auf frühere Tage zurückblicken? Hiob hatte ein rechtschaffenes Leben geführt und war anscheinend vor Unglück beschützt worden. Angesehene Männer hatten bei ihm Rat gesucht (Hiob 29:5-11). Er war reich gewesen, hatte aber die richtige Einstellung zum Geld (Hiob 31:24, 25, 28). Witwen und Waisen in Not hatte er geholfen (Hiob 29:12-16). Seiner Frau war er stets treu gewesen (Hiob 31:1, 9, 11).
3. Wie dachte Jehova über Hiob?
3 Als Anbeter Gottes führte Hiob ein tadelloses Leben. Jehova sagte von ihm: „Seinesgleichen [gibt es] keinen . . . auf der Erde, einen Mann, untadelig und rechtschaffen, gottesfürchtig und von Schlechtem weichend“ (Hiob 1:1, 8). Aber trotz seiner Untadeligkeit kamen die erwähnten Unglücke über ihn, sodass es mit dem sorgenfreien Leben vorbei war. Alles, wofür er gearbeitet hatte, ging verloren. Unter dem Eindruck von schmerzlichen, leidvollen und frustrierenden Erfahrungen sollte sich sein wahrer Charakter zeigen.
4. Warum ist es gut, über Hiobs traumatische Erlebnisse nachzudenken?
4 Natürlich war Hiob nicht der einzige Diener Jehovas, der Furchtbares erlebte. Viele Christen machen heute durchaus ähnliche Erfahrungen. Deshalb sollten wir uns einmal näher mit folgenden zwei Fragen befassen: Wieso kann es für uns eine Hilfe sein, an die traumatischen Erlebnisse Hiobs zu denken, falls uns ein Unglück zustößt? Und wieso können wir dadurch mitfühlender gegenüber anderen werden, die zu leiden haben?
Eine Streitfrage der Loyalität und eine Lauterkeitsprüfung
5. Welche Beweggründe unterstellte Satan Hiob?
5 Was im Falle Hiobs geschah, war außergewöhnlich. Hiob wusste nicht, dass die Beweggründe, aus denen er Gott diente, vom Teufel infrage gestellt wurden. Als Jehova bei einer Versammlung im Himmel die Aufmerksamkeit auf Hiobs vorzügliche Eigenschaften lenkte, erwiderte Satan: „Hast nicht du selbst um ihn und um sein Haus und um alles, was er hat, ringsum eine Hecke aufgerichtet?“ Damit behauptete Satan nicht nur von Hiob, sondern indirekt auch von allen anderen Dienern Gottes, die Triebfeder ihres Handelns sei Selbstsucht. Er sagte zu Jehova: „Strecke bitte deine Hand aus, und taste alles an, was er hat, und sieh, ob er dir nicht direkt ins Angesicht fluchen wird“ (Hiob 1:8-11).
6. Welche wichtige Streitfrage warf Satan auf?
6 Es ging um eine wichtige Streitfrage. Satan stellte die Art und Weise infrage, wie Jehova seine Souveränität ausübt. Kann Gott wirklich das Universum durch Liebe regieren? Oder wird letztendlich, wie Satan zu verstehen gab, immer die Selbstsucht triumphieren? Jehova war von der Lauterkeit und der Loyalität seines Dieners Hiob überzeugt und ließ zu, dass der Teufel Hiob in einen Präzedenzfall verwickelte. Die Unglücke, die in schneller Folge über Hiob hereinbrachen, kamen von Satan. Als dieser mit seinen ersten Anschlägen scheiterte, schlug er Hiob mit einer schmerzhaften Krankheit. „Haut um Haut, und alles, was ein Mensch hat, wird er für seine Seele geben“, behauptete der Teufel (Hiob 2:4).
7. Wieso kommen heute über Diener Gottes ähnliche Prüfungen wie über Hiob?
7 Die meisten Christen heute haben zwar nicht in dem Ausmaß zu leiden wie Hiob, sie begegnen aber den unterschiedlichsten Drangsalen. Viele müssen mit Verfolgung oder familiären Schwierigkeiten fertig werden. Nicht weniger belastend sind oft wirtschaftliche Härten oder auch Krankheiten. Einige von ihnen haben sogar ihr Leben für den Glauben gelassen. Es ist natürlich nicht anzunehmen, dass hinter all unserem Leid Satan persönlich steckt. Das eine oder andere Problem könnte sogar auf unsere eigenen Fehler oder die ererbte Unvollkommenheit zurückzuführen sein (Galater 6:7). Außerdem kann niemand von uns etwas gegen den Alterungsprozess oder gegen Naturkatastrophen tun. Wie die Bibel erkennen lässt, schützt Jehova seine Diener gegenwärtig nicht auf übernatürliche Weise vor all diesen Bedrängnissen (Prediger 9:11).
8. Wozu kann Satan die Drangsale, die über uns kommen, nutzen?
8 Solche Drangsale kann Satan durchaus nutzen, um unseren Glauben zu schwächen. Der Apostel Paulus sagte, ihm sei ‘ein Dorn ins Fleisch gegeben worden, ein Satansengel, dass er ihn immer wieder schlage’ (2. Korinther 12:7). Ob es sich nun um eine Erkrankung handelte, die beispielsweise die Sehkraft stark beeinträchtigte, oder um etwas anderes, Paulus wusste, dass Satan dieses Leiden und die daraus resultierende Frustration nutzen konnte, ihn in seiner Freude und Lauterkeit zu schwächen (Sprüche 24:10). Heute kann Satan Familienangehörige, Mitschüler und auch diktatorische Regierungen veranlassen, Diener Gottes auf irgendeine Weise zu verfolgen.
9. Warum sollten uns Anfeindungen oder Verfolgung nicht allzu sehr überraschen?
9 Wie können wir solchen Schwierigkeiten begegnen? Sehen wir sie als eine Möglichkeit, Jehova zu zeigen, dass wir in unserer Liebe zu ihm und in unserer Unterordnung unter seine Souveränität nicht wankelmütig sind (Jakobus 1:2-4). Was auch immer unsere Bedrängnis verursachen mag, das Bewusstsein, wie wichtig unsere Treue zu Gott ist, hilft uns, geistig ausgeglichen zu bleiben. Der Apostel Petrus schrieb an Christen: „Geliebte, lasst euch das, was unter euch brennt und was euch als Prüfung widerfährt, nicht befremden, als ob euch etwas Befremdendes zustoße“ (1. Petrus 4:12). Und Paulus erklärte: „Alle, die in Gemeinschaft mit Christus Jesus in Gottergebenheit leben wollen, [werden] auch verfolgt werden“ (2. Timotheus 3:12). Wie im Falle Hiobs stellt Satan immer noch die Lauterkeit der Zeugen für Jehova infrage. Ja in den gegenwärtigen letzten Tagen greift er Gottes Volk sogar vermehrt an (Offenbarung 12:9, 17).
Eine falsche Schlussfolgerung und ein schlechter Rat
10. Worin war Hiob im Nachteil?
10 Hiob war im Gegensatz zu uns in einer bestimmten Hinsicht im Nachteil. Ihm war nicht bekannt, warum die Unglücksschläge über ihn kamen, und er schlussfolgerte fälschlicherweise: „Jehova selbst hat gegeben, und Jehova selbst hat weggenommen“ (Hiob 1:21). Vielleicht ließ Satan bei Hiob absichtlich den Eindruck entstehen, Gott habe die Bedrängnis verursacht.
11. Erkläre, wie Hiob auf die Unglücksschläge reagierte.
11 Obwohl Hiob äußerst entmutigt war, weigerte er sich, Gott zu fluchen, wozu ihn seine Frau aufgefordert hatte (Hiob 2:9, 10). Seiner Meinung nach ging es den Bösen viel besser als ihm (Hiob 21:7-9). Und er muss sich gefragt haben, warum Gott ihn eigentlich bestrafe. Bisweilen wünschte er sich einfach zu sterben. „O dass du mich im Scheol verbärgest, dass du mich verborgen hieltest, bis dein Zorn sich abwendet!“, rief er aus (Hiob 14:13).
12, 13. Wie berührten Hiob die Äußerungen seiner drei Gefährten?
12 Drei Gefährten Hiobs besuchten ihn, um „ihm ihr Mitgefühl zu bekunden und ihn zu trösten“ (Hiob 2:11). Doch sie erwiesen sich als „leidige Tröster“ (Hiob 16:2). Hiob hätte Freunde gebraucht, bei denen er seinen Kummer hätte loswerden können. Doch die drei setzten ihm nur noch mehr zu und vergrößerten seine Verzweiflung (Hiob 19:2; 26:2).
13 Hiob könnte sich verständlicherweise gefragt haben: „Warum trifft es gerade mich? Womit habe ich all das Unglück verdient?“ Seine Gefährten lagen mit ihren Erklärungen völlig falsch. Nach ihrer Auffassung war Hiobs Leid auf eine schwerwiegende Sünde zurückzuführen. „Welcher Unschuldige ist je umgekommen?“, fragte Eliphas. „Nach dem, was ich gesehen habe, werden diejenigen, die Schädliches ersinnen, und diejenigen, die Ungemach säen, es selbst ernten“ (Hiob 4:7, 8).
14. Warum sollten wir Leid nicht automatisch auf ein Fehlverhalten zurückführen?
14 Probleme können sich natürlich einstellen, wenn man nicht im Hinblick auf den Geist, sondern im Hinblick auf das Fleisch sät (Galater 6:7, 8). Doch in dem gegenwärtigen System kann es ungeachtet unseres Verhaltens zu Schwierigkeiten kommen. Man kann auf keinen Fall sagen, Unschuldige würden von Unglück verschont bleiben. Jesus Christus war „unbefleckt, getrennt von den Sündern“ und starb dennoch eines qualvollen Todes an einem Marterpfahl, und auch der Apostel Jakobus starb den Märtyrertod (Hebräer 7:26; Apostelgeschichte 12:1, 2). Wegen der irrigen Überlegungen des Eliphas und seiner Gefährten sah sich Hiob gezwungen, seinen guten Ruf zu verteidigen und seine Unschuld zu beteuern. Hartnäckig behaupteten die drei, Hiob leide verdientermaßen. Das könnte sogar seine Äußerungen über Gottes Gerechtigkeit beeinflusst haben (Hiob 34:5; 35:2).
In Bedrängnis Hilfe finden
15. Welche Überlegungen werden uns eine Hilfe sein, wenn uns Leid widerfährt?
15 Was können wir daraus lernen? Wir mögen Unglücksschläge, Krankheiten oder Verfolgung als sehr ungerecht empfinden. Anscheinend bleiben anderen viele solcher Probleme erspart (Psalm 73:3-12). Manchmal müssen wir uns vielleicht folgende grundlegende Fragen stellen: „Drängt mich meine Liebe zu Gott, ihm zu dienen, komme, was da will? Möchte ich, dass Jehova ‘demjenigen eine Antwort geben kann, der ihn höhnt’?“ (Sprüche 27:11; Matthäus 22:37). Nie dürfen wir zulassen, dass wir wegen gedankenloser Äußerungen anderer an unserem Vater im Himmel zweifeln. Eine treue Zeugin Jehovas, die viele Jahre an einer chronischen Krankheit litt, sagte einmal: „Ich weiß, . . . was Jehova zulassen wird, wird für mich zum Guten sein. Ich weiß, dass er mir die erforderliche Kraft geben wird. Er hat es bis jetzt immer getan.“
16. Welche Hilfe bietet Gottes Wort in schweren Zeiten?
16 Was Satans Taktik angeht, wissen wir mehr als Hiob. Seine bösen Machenschaften oder „seine Anschläge sind uns nicht unbekannt“ (2. Korinther 2:11). Außerdem können wir aus einem großen Vorrat an praktischer Weisheit schöpfen. In der Bibel finden wir Berichte über treue Männer und Frauen, die alle möglichen Nöte und Entbehrungen erduldeten. Der Apostel Paulus, der mehr durchmachte als die meisten Christen, schrieb: „Alles, was vorzeiten geschrieben wurde, ist zu unserer Unterweisung geschrieben worden, damit wir durch unser Ausharren und durch den Trost aus den Schriften Hoffnung haben können“ (Römer 15:4). Ein Zeuge Jehovas in Europa, der im Zweiten Weltkrieg wegen seines Glaubens eingesperrt war, tauschte drei Brotrationen gegen eine Bibel ein. „Wie lohnend dieser Tausch doch war!“, berichtet er. „Buchstäblich litt ich zwar Hunger, aber die geistige Speise half mir und anderen, in dieser prüfungsreichen Zeit standzuhalten. Die Bibel habe ich übrigens immer noch.“
17. Was hält Gott alles bereit, damit wir ausharren können?
17 Neben dem Trost aus den Schriften verfügen wir über viele Bibelstudienhilfen, die guten Rat enthalten, wie man mit Problemen fertig wird. Mit Hilfe des Index der Wachtturm-Publikationen findet man wahrscheinlich Erfahrungsberichte von Mitchristen, die bereits ähnliche Prüfungen durchgemacht haben (1. Petrus 5:9). Man kann auch mit verständnisvollen Ältesten oder anderen reifen Christen über seine Lage sprechen. Vor allem aber kann man Jehova vertrauensvoll um die Hilfe seines Geistes bitten. Wie war es Paulus möglich, die „Schläge“ Satans zu ertragen? Er lernte es, auf die Kraft Gottes zu vertrauen (2. Korinther 12:9, 10). Er schrieb: „Für alles bin ich stark durch den, der mir Kraft verleiht“ (Philipper 4:13).
18. Wie können Mitchristen eine echte Ermunterung sein?
18 Hilfe steht also zur Verfügung. Zögern wir nicht, sie zu nutzen. Termiten können ein Holzhaus zum Einsturz bringen. Genauso gefährlich ist Entmutigung für die Lauterkeit eines Christen. In Sprüche 24:10 heißt es: „Hast du dich entmutigt gezeigt am Tag der Bedrängnis? Deine Kraft wird karg sein.“ Deshalb sorgt Jehova dafür, dass uns andere Diener Gottes beistehen. In der Nacht, in der Jesus verhaftet wurde, erschien ihm ein Engel und stärkte ihn (Lukas 22:43). Als Paulus als Gefangener auf seiner Reise nach Rom am Marktplatz des Appius und bei den Drei Schenken Brüder traf, „dankte er Gott und fasste Mut“ (Apostelgeschichte 28:15). Eine deutsche Zeugin Jehovas erinnert sich, wie ihr als einem ängstlichen Mädchen bei der Ankunft im Konzentrationslager Ravensbrück geholfen wurde: „Eine Glaubensschwester entdeckte mich sofort und begrüßte mich herzlich. Eine andere treue Schwester nahm mich unter ihre Fittiche und wurde für mich so etwas wie eine geistige Mutter.“
„Erweise dich als treu“
19. Was half Hiob, Satan zu widerstehen?
19 Von Hiob sagte Jehova: ‘Er hält an seiner unversehrten Lauterkeit fest’ (Hiob 2:3). Niemals wankte Hiob in der wichtigen Streitfrage der Loyalität, obwohl er entmutigt war und nicht verstand, weshalb er leiden musste. Er gab nichts von dem preis, wofür er gelebt hatte. Mit allem Nachdruck erklärte er: „Bis ich verscheide, werde ich meine unversehrte Lauterkeit nicht von mir weichen lassen!“ (Hiob 27:5).
20. Warum lohnt es sich, auszuharren?
20 Entschlossenheit wird auch uns helfen, in jeder Lage die Lauterkeit zu bewahren, sei es bei Versuchungen, Widerstand oder anderen widrigen Umständen. „Fürchte dich nicht vor den Dingen, die zu leiden du im Begriff bist“, sagte Jesus der Versammlung in Smyrna. „Siehe! Der Teufel wird fortfahren, einige von euch ins Gefängnis zu werfen, damit ihr völlig auf die Probe gestellt werdet, und ihr werdet zehn Tage lang Drangsal [Schwierigkeiten, Kummer oder Bedrängnis] haben. Erweise dich als treu selbst bis in den Tod, und ich will dir die Krone des Lebens geben“ (Offenbarung 2:10).
21, 22. Welche Tatsache kann uns in Drangsalen trösten?
21 Im gegenwärtigen von Satan beherrschten System kommt es unweigerlich zu Prüfungen unseres Ausharrens und unserer Lauterkeit. Trotzdem brauchen wir, wie Jesus versicherte, keine Angst vor der Zukunft zu haben. Es kommt darauf an, dass wir treu bleiben. „Die Drangsal [ist] von kurzer Dauer“, sagte Paulus, wohingegen die „Herrlichkeit“ oder der von Jehova verheißene Lohn „an Gewicht immer mehr alles Maß übertrifft und ewig dauert“ (2. Korinther 4:17, 18). Selbst Hiobs Drangsal war, verglichen mit den vielen glücklichen Jahren vor und nach seiner Prüfung, von kurzer Dauer (Hiob 42:16).
22 Dennoch kann es uns bisweilen so erscheinen, als ob unsere Prüfungen nicht enden wollten und fast unerträglich seien. Im folgenden Artikel betrachten wir, was wir noch aus der Erfahrung Hiobs lernen können. Auch wollen wir uns ansehen, wie wir andere stärken können, die mit Schwierigkeiten fertig werden müssen.
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„Ihr habt vom Ausharren Hiobs gehört“Der Wachtturm 2006 | 15. August
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„Ihr habt vom Ausharren Hiobs gehört“
„Ihr habt vom Ausharren Hiobs gehört und habt gesehen, welchen Ausgang Jehova gab, dass Jehova voll inniger Zuneigung und barmherzig ist“ (JAKOBUS 5:11).
1, 2. Was hatte ein Ehepaar aus Polen zu erdulden?
HARALD ABT war noch kein Jahr ein Zeuge Jehovas, als die Freie Stadt Danzig (das heutige Gdańsk in Nordpolen) von den deutschen Truppen besetzt wurde. Für die dortigen Zeugen entstand dadurch eine schwierige, ja gefährliche Situation. Die Gestapo wollte Harald zwingen, ein Schriftstück zu unterzeichnen, wodurch er seinem Glauben untreu geworden wäre. Er weigerte sich. Nach einigen Wochen Haft wurde Harald in das Konzentrationslager Sachsenhausen transportiert. Man drohte ihm und schlug ihn mehrere Male. Ein SS-Mann deutete auf den Schornstein des in der Nähe liegenden Krematoriums und kündigte Harald an: „Innerhalb von 14 Tagen werden Sie durch diesen zu Ihrem Jehova geschickt werden, wenn Sie an Ihrem Glauben festhalten.“
2 Bei Haralds Verhaftung war seine Tochter erst 10 Monate alt und wurde noch von seiner Frau Elsa gestillt. Das war für die Gestapo aber kein Grund, Elsa in Ruhe zu lassen. Schon bald nahm man ihr das Kind weg und sie wurde in das Vernichtungslager Auschwitz eingeliefert. Doch wie Harald überlebte auch sie. Im Wachtturm vom 15. Juli 1980 berichteten beide, wie es ihnen möglich war, auszuharren. Harald schrieb: „Wegen meines Glaubens an Gott habe ich insgesamt 14 Jahre meines Lebens in Konzentrationslagern und Gefängnissen verbracht. Ich wurde einmal gefragt: ‚Hat dir deine Frau geholfen, all dies zu ertragen?‘ Ganz bestimmt! Ich wusste von Anfang an, dass sie niemals ihren Glauben aufgeben würde, und dies stützte mich. Ich wusste, dass sie mich lieber tot auf einer Bahre liegen sehen würde, als dass ich aufgrund von Kompromissen frei wäre. . . . Elsa erduldete viele Härten während der Jahre in den deutschen Konzentrationslagern.“
3, 4. (a) Wessen Beispiel kann Christen zum Ausharren ermutigen? (b) Warum fordert uns die Bibel auf, das Beispiel Hiobs zu betrachten?
3 Leiden zu ertragen ist keineswegs leicht, was viele Zeugen Jehovas bestätigen können. Die Bibel rät deshalb allen Christen: „Nehmt euch beim Erleiden von Ungemach und beim Geduldüben die Propheten als Beispiel, die im Namen Jehovas geredet haben“ (Jakobus 5:10). Im Laufe der Jahrhunderte sind viele Diener Gottes grundlos verfolgt worden. Das Beispiel dieser großen „Wolke von Zeugen“ kann uns ermutigen, unseren Wettlauf als Christen mit Ausharren zu laufen (Hebräer 11:32-38; 12:1).
4 Die Bibel berichtet, wie vorbildlich Hiob ausharrte. „Seht! Wir preisen die glücklich, die ausgeharrt haben“, schrieb Jakobus. „Ihr habt vom Ausharren Hiobs gehört und habt gesehen, welchen Ausgang Jehova gab, dass Jehova voll inniger Zuneigung und barmherzig ist“ (Jakobus 5:11). Wie es mit Hiob ausging, lässt uns erahnen, wie Jehova treue Menschen belohnen wird. Noch wichtiger für uns ist, wie uns Hiobs Beispiel unter widrigen Umständen nützen kann. Das Buch Hiob hilft Fragen zu beantworten wie: Warum müssen wir uns in einer Prüfung bewusst machen, worum es in erster Linie geht? Welche Eigenschaften und welche Einstellung sind nötig, um auszuharren? Wie können wir Mitchristen stärken, die zu leiden haben?
Die Zusammenhänge verstehen
5. An welche wichtige Frage sollten wir bei Prüfungen und Versuchungen denken?
5 Damit wir unter widrigen Umständen geistig ausgeglichen bleiben, müssen wir die Zusammenhänge verstehen. Sonst könnten persönliche Probleme unsere geistige Sicht trüben. Am bedeutendsten ist die Frage der Loyalität gegenüber Gott. Unser himmlischer Vater lässt einen Aufruf ergehen, den wir uns persönlich zu Herzen nehmen sollten: „Sei weise, mein Sohn, und erfreue mein Herz, damit ich dem, der mich höhnt, eine Antwort geben kann“ (Sprüche 27:11). Was für eine einzigartige Gelegenheit! Trotz unserer Fehler und Schwächen können wir Jehova, unseren Schöpfer, erfreuen, und zwar wenn wir aus Liebe zu ihm in Prüfungen standhalten und Versuchungen widerstehen. Echte christliche Liebe erduldet alles. Sie versagt nie (1. Korinther 13:7, 8).
6. Wie höhnt Satan Jehova, und in welchem Umfang?
6 Im Buch Hiob wird Satan eindeutig als derjenige identifiziert, der Jehova höhnt. Das Bibelbuch deckt auf, wie böse dieser unsichtbare Feind ist und dass er unser Verhältnis zu Gott zerstören möchte. Wie der Fall Hiobs zeigt, beschuldigt Satan im Grunde alle Diener Jehovas der Selbstsucht und möchte beweisen, dass ihre Liebe zu Gott abkühlen kann. Er höhnt Gott schon seit Tausenden von Jahren. Als Satan aus dem Himmel geworfen wurde, bezeichnete ihn eine Stimme von dort als „Ankläger unserer Brüder“ und sagte, er verklage sie „Tag und Nacht vor unserem Gott“ (Offenbarung 12:10). Durch treues Ausharren können wir beweisen, dass seine Beschuldigungen haltlos sind.
7. Wie können wir am besten auf einen Schwächezustand reagieren?
7 Wir dürfen nicht vergessen: Satan ist darauf aus, alles Leid, das uns widerfährt, zu nutzen, um einen Keil zwischen uns und Jehova zu treiben. Wann trat er mit Versuchungen an Jesus heran? Als dieser viele Tage gefastet hatte und hungrig war (Lukas 4:1-3). Aber Jesus war geistig stark genug und konnte den Versuchungen widerstehen. Es ist daher sehr wichtig, einer durch ein Leiden oder Alter bedingten körperlichen Schwäche geistige Stärke entgegenzusetzen. Wenn auch „der Mensch, der wir äußerlich sind, verfällt“, geben wir nicht auf, denn „der Mensch, der wir innerlich sind, [wird] von Tag zu Tag erneuert“ (2. Korinther 4:16).
8. (a) Wieso können uns negative Emotionen schwächen? (b) Was für eine Gesinnung hatte Jesus?
8 Auch negative Emotionen können jemanden nach und nach geistig schwächen. „Warum lässt Jehova so etwas zu?“, fragt sich vielleicht der eine oder andere. Und wer unfreundlich behandelt worden ist, entrüstet sich womöglich: „Wie kann ein Bruder mir so etwas antun?“ Mit diesen Empfindungen ist man völlig auf seine persönlichen Umstände konzentriert und übersieht die Streitfragen, um die es eigentlich geht. Hiobs frustrierende Erfahrung mit seinen drei irregeleiteten Gefährten richtete bei ihm auf emotionalem Gebiet anscheinend einen ebenso großen Schaden an wie seine Krankheit in körperlicher Hinsicht (Hiob 16:20; 19:2). Und wie der Apostel Paulus erklärte, kann man durch anhaltenden Zorn ‘dem Teufel Raum [oder: eine Gelegenheit] geben’ (Epheser 4:26, 27). Christen sollten nicht ihrer Enttäuschung oder ihrem Ärger über jemanden Luft machen oder über eine ungerechte Behandlung nachgrübeln, sondern Jesus nachahmen, der ‘sich dem übergab, der gerecht richtet’, nämlich Jehova Gott (1. Petrus 2:21-23). Die „Gesinnung“ Jesu zu haben ist ein großer Schutz vor den Angriffen Satans (1. Petrus 4:1).
9. Was sichert uns Gott bei Bürden und Versuchungen zu?
9 Vor allem dürfen wir nicht denken, wir hätten Schwierigkeiten, weil wir Gott missfielen. Dem treuen Hiob machte eine solche Fehleinschätzung zu schaffen, als ihm seine angeblichen Tröster hart zusetzten (Hiob 19:21, 22). Die Bibel versichert: „Gott kann nicht von üblen Dingen versucht werden, noch versucht er selbst irgendjemand“ (Jakobus 1:13). Jehova verspricht uns vielmehr, jede Bürde mitzutragen und aus jeder Versuchung den Ausweg zu schaffen (Psalm 55:22; 1. Korinther 10:13). Wenn wir in schwierigen Zeiten Gottes Nähe suchen, können wir alles richtig einordnen und dem Teufel widerstehen (Jakobus 4:7, 8).
Hilfen, auszuharren
10, 11. (a) Was half Hiob auszuharren? (b) Was bedeutete Hiob ein gutes Gewissen?
10 Obwohl sich Hiob in einer verzweifelten Lage befand, von seinen „Tröstern“ beschuldigt wurde und die wahre Ursache seiner Bedrängnis nicht kannte, bewahrte er seine Lauterkeit. Was können wir von ihm lernen? Dass er ausharren konnte, war zweifellos seiner Treue gegenüber Jehova zuzuschreiben. Er war ‘gottesfürchtig und wich von Schlechtem’ (Hiob 1:1). Das zeichnete ihn aus. Nie kehrte er Jehova den Rücken, auch dann nicht, als ihm unerklärlich war, warum bei ihm plötzlich alles so schlecht verlief. Hiob vertrat den Standpunkt, er müsse Gott in guten wie in schlechten Zeiten dienen (Hiob 1:21; 2:10).
11 Hiob hatte ein gutes Gewissen, und das war für ihn sehr beruhigend, besonders als sein Leben zu Ende zu gehen schien. Er wusste, dass er alles ihm Mögliche getan hatte, anderen zu helfen, dass er an Jehovas gerechten Maßstäben festgehalten und jede Form falscher Anbetung gemieden hatte (Hiob 31:4-11).
12. Wie reagierte Hiob auf die Hilfe Elihus?
12 Natürlich musste Hiob geholfen werden, seinen Standpunkt in mancher Hinsicht zu korrigieren. Er nahm diese Hilfe demütig an — ein weiterer Schlüssel für erfolgreiches Ausharren. Hiob hörte sich respektvoll Elihus vernünftigen Rat an und reagierte auf Jehovas Zurechtweisung positiv. „Ich [redete], doch verstand ich nicht“, gab Hiob zu. „Deshalb widerrufe ich, und ich bereue wirklich in Staub und Asche“ (Hiob 42:3, 6). Hiob wurde immer noch von seiner Krankheit geplagt, doch freute er sich, dass er durch sein verändertes Denken Gott näher gekommen war. „Ich habe erkannt, dass du [Jehova] alle Dinge zu tun vermagst“, sagte er (Hiob 42:2). Da Jehova ihm seine Größe erläuterte, verstand Hiob besser, wie er im Vergleich zum Schöpfer dastand.
13. Von welchem Nutzen war es für Hiob, barmherzig zu sein?
13 Hiob ist schließlich noch ein außergewöhnliches Beispiel für Barmherzigkeit. Seine falschen Tröster hatten ihn zutiefst gekränkt. Trotzdem betete er für sie, als Jehova ihn dazu aufforderte. Anschließend stellte Jehova Hiobs Gesundheit wieder her (Hiob 42:8, 10). Verbitterung ist eindeutig keine Hilfe auszuharren; Liebe und Barmherzigkeit dagegen schon. Keinen Groll aufkommen zu lassen wirkt wohltuend und wird von Jehova gesegnet (Markus 11:25).
Weise Ratgeber, die uns helfen auszuharren
14, 15. (a) Welche Eigenschaften helfen einem Ratgeber, andere zu „heilen“? (b) Erkläre, warum Elihu Hiob helfen konnte.
14 Aus dem Bericht über Hiob lernen wir auch, wie wertvoll weise Ratgeber sind. Es sind Brüder, die „für die Zeit der Bedrängnis geboren“ sind (Sprüche 17:17). Wie jedoch Hiobs Erfahrung zeigt, können Ratgeber auch verletzen statt heilen. Ein guter Ratgeber muss wie Elihu einfühlsam, rücksichtsvoll und gütig sein. Älteste und andere reife Christen können aus dem Buch Hiob sehr viel darüber lernen, wie sie das Denken von Brüdern, die von Problemen niedergedrückt werden, in die richtigen Bahnen lenken können (Galater 6:1; Hebräer 12:12, 13).
15 Eine ausgezeichnete Anleitung ist darin zu finden, wie Elihu im Einzelnen vorging. Bevor er sich zu den unangebrachten Bemerkungen der drei Gefährten Hiobs äußerte, hörte er lange zu (Hiob 32:11; Sprüche 18:13). Er redete Hiob mit Namen an und sprach mit ihm wie mit einem Freund (Hiob 33:1). Anders als die drei falschen Tröster stellte sich Elihu nicht über Hiob. „Aus Lehm bin ich geformt worden, auch ich“, sagte er. Er wollte Hiobs Leid nicht noch durch unbedachte Worte vergrößern (Hiob 33:6, 7; Sprüche 12:18). Elihu lobte Hiobs Gerechtigkeit und kritisierte ihn nicht wegen seines früheren Verhaltens (Hiob 33:32). Vor allem betrachtete er die Sache vom Standpunkt Gottes aus und machte Hiob darauf aufmerksam, dass Jehova niemals ungerecht handeln würde (Hiob 34:10-12). Er ermunterte Hiob, auf Jehova zu warten, statt die eigene Gerechtigkeit hervorzuheben (Hiob 35:2; 37:14, 23). Älteste und andere Christen können daraus viel Nützliches lernen.
16. Wie wurden Hiobs drei falsche Tröster zu Werkzeugen Satans?
16 Elihus weiser Rat stand im Gegensatz zu den verletzenden Worten von Eliphas, Bildad und Zophar. Den dreien erklärte Jehova: „Ihr habt von mir nicht geredet, was wahrhaftig ist“ (Hiob 42:7). Wenn sie auch behauptet hatten, es gut zu meinen, waren sie doch eher Werkzeuge Satans als treue Gefährten. Von Anfang an gingen sie davon aus, Hiob sei an seinem Unglück selbst schuld (Hiob 4:7, 8; 8:6; 20:22, 29). Eliphas sagte, Gott misstraue seinen Dienern und es sei ihm gleichgültig, ob man gerecht sei oder nicht (Hiob 15:15; 22:2, 3). Außerdem unterschob er Hiob bestimmte Fehler (Hiob 22:5, 9). Elihu jedoch half Hiob in geistiger Hinsicht. Dieses Ziel verfolgt auch stets ein liebevoller Ratgeber.
17. Was sollten wir in einer Prüfung nicht vergessen?
17 Aus dem Buch Hiob können wir noch etwas in Sachen Ausharren lernen. Gott, der uns liebt, sieht unsere Lage und er will und kann uns auch auf verschiedene Weise helfen. Wir haben eingangs betrachtet, was Elsa Abt erlebte. Beachten wir, zu welcher Schlussfolgerung sie kam: „Bevor ich festgenommen wurde, hatte ich im Brief einer Schwester gelesen, dass unter schweren Prüfungen Jehovas Geist eine unerschütterliche Ruhe über uns bringen kann. Ich dachte, sie hätte ein wenig übertrieben. Doch als ich selbst durch Prüfungen ging, fand ich heraus, dass das, was sie gesagt hatte, der Wahrheit entsprach. Es ist wirklich so. Man kann sich schlecht vorstellen, dass dies so ist, wenn man es nicht selbst erlebt hat. Aber ich habe es selbst an mir erfahren. Jehova hilft.“ Elsa sprach nicht davon, was Jehova tun könnte oder vor Tausenden von Jahren zur Zeit Hiobs tat. Sie sprach von der Gegenwart. Ja, „Jehova hilft“!
Glücklich ist, wer ausharrt
18. Von welchem Nutzen war das Ausharren für Hiob?
18 Wenige von uns müssen ebenso Schweres durchmachen wie Hiob. Aber ganz gleich, was in dem gegenwärtigen System über uns kommt, haben wir triftige Gründe, wie Hiob unsere Lauterkeit zu bewahren. Hiobs Ausharren bereicherte sogar sein Leben. Es machte ihn „vollständig“, vervollkommnete ihn (Jakobus 1:2-4). Es vertiefte sein Verhältnis zu Gott. „Vom Hörensagen habe ich von dir gehört, nun aber hat mein eigenes Auge dich gesehen“, beteuerte Hiob (Hiob 42:5). Satan erwies sich als Lügner, weil er Hiobs Lauterkeit nicht brechen konnte. Hunderte von Jahren danach zog Jehova seinen Diener Hiob als Beispiel für einen Gerechten heran (Hesekiel 14:14). Hiobs beispielhafte Lauterkeit und sein vorbildliches Ausharren motivieren Gottes Volk noch heute.
19. Warum lohnt es sich deiner Meinung nach, auszuharren?
19 In einem Brief an Christen im 1. Jahrhundert erwähnte Jakobus das Ausharren Hiobs und wies darauf hin, welche Befriedigung Ausharren mit sich bringt. Er erinnerte daran, wie sehr Jehova seine treuen Diener belohnt (Jakobus 5:11). In Hiob 42:12 lesen wir: „Was Jehova betrifft, er segnete das Ende Hiobs danach mehr als seinen Anfang.“ Hiob erhielt von Gott das Doppelte dessen, was er verloren hatte, durfte noch lange leben und war glücklich (Hiob 42:16, 17). Genauso wird in Gottes neuer Welt aller Kummer und Schmerz sowie alles Leid, das wir am Ende des Systems der Dinge erdulden mögen, vorbei und vergessen sein (Jesaja 65:17; Offenbarung 21:4). Wir haben vom Ausharren Hiobs gehört und sind entschlossen, mit der Hilfe Jehovas sein Beispiel nachzuahmen. Die Bibel verspricht: „Glücklich ist der Mann, der die Prüfung erduldet, denn nachdem er sich bewährt hat, wird er die Krone des Lebens empfangen, die Jehova denen verheißen hat, die ihn beständig lieben“ (Jakobus 1:12).
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