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    Der Wachtturm 1990 | 1. November
    • Die Rolle der obrigkeitlichen Gewalten

      „Sie ist Gottes Dienerin, dir zum Guten. Wenn du aber Schlechtes tust, so fürchte dich“ (RÖMER 13:4).

      1, 2. Auf welche Weise haben viele Angehörige der Christenheit mit revolutionären Bestrebungen zu tun gehabt?

      VOR zwei Jahren brachte die New York Post in einem Leitartikel ihre Empörung über eine Versammlung von Bischöfen in London zum Ausdruck. Es handelte sich um die Lambeth-Konferenz, an der über 500 Bischöfe der anglikanischen Gemeinschaft teilnahmen. Anlaß der Empörung war eine Resolution, mit der die Konferenz Verständnis zum Ausdruck brachte für Menschen, „die sich nach Ausschöpfung aller anderen Mittel für einen bewaffneten Kampf als einzigen Weg zur Gerechtigkeit entscheiden“.

      2 In dem Artikel hieß es, die Resolution sei praktisch eine Billigung des Terrorismus. Die Bischöfe folgten jedoch lediglich einem steigenden Trend. Ihre Haltung unterschied sich weder von derjenigen des katholischen Priesters in Ghana, der den Guerillakrieg als schnellstes, zuverlässigstes und sicherstes Mittel zur Befreiung Afrikas empfahl, noch von der des afrikanischen Methodistenbischofs, der dafür plädierte, „den Befreiungskrieg bis zum bitteren Ende“ zu führen, noch unterschied sie sich von der vieler Missionare der Christenheit, die in Asien und Südamerika gemeinsam mit Rebellen gegen bestehende Regierungen gekämpft haben.

      Wahre Christen ‘widersetzen sich der Gewalt’ nicht

      3, 4. (a) Welche Grundsätze verletzen sogenannte Christen, die eine Revolution befürworten? (b) Was stellte ein Mann in bezug auf Jehovas Zeugen fest?

      3 Im ersten Jahrhundert sagte Jesus von seinen Nachfolgern: „Sie [sind] kein Teil der Welt ..., so wie ich kein Teil der Welt bin“ (Johannes 17:14). Jeder sogenannte Christ, der eine Revolution befürwortet, ist weitgehend ein Teil der Welt. Er ist weder ein Nachfolger Jesu, noch ist er „den obrigkeitlichen Gewalten untertan“ (Römer 13:1). Er würde gut daran tun, die warnenden Worte des Apostels Paulus zu beachten: „Wer sich ... der Gewalt widersetzt, hat sich der Anordnung Gottes entgegengestellt; die, die sich ihr entgegengestellt haben, werden für sich ein Gericht empfangen“ (Römer 13:2).

      4 Im Gegensatz zu vielen Angehörigen der Christenheit haben Jehovas Zeugen nichts mit bewaffneter Gewalt zu tun. Das stellte ein Mann aus Europa fest. Er schreibt: „Als ich erkannte, was die Religion und die Politik zustande gebracht haben, war ich entschlossen, meine ganze Kraft für den Umsturz der bestehenden Gesellschaftsordnung einzusetzen. Ich schloß mich einer Gruppe von Terroristen an und wurde im Umgang mit allen Arten von Waffen geschult; ich beteiligte mich an vielen schweren Raubüberfällen. Mein Leben war ständig in Gefahr. Mit der Zeit wurde offensichtlich, daß wir einen aussichtslosen Kampf führten. Ich war frustriert, und es überkam mich ein Gefühl der völligen Hoffnungslosigkeit. Damals klopfte eine Zeugin Jehovas an unsere Tür. Sie erzählte mir von Gottes Königreich. Ich war überzeugt, daß ich meine Zeit vergeudete, und schlug vor, daß meine Frau zuhöre. Das tat sie auch, und es wurde ein Heimbibelstudium begonnen. Schließlich war ich einverstanden, dem Studium beizuwohnen. Worte können die Erleichterung nicht beschreiben, die ich empfand, als ich erkannte, wer die treibende Kraft ist, die die Menschheit zum Bösen lenkt. Die wunderbare Königreichsverheißung hat meinem Leben eine Hoffnung und einen Sinn gegeben.“

      5. Warum bleiben Christen den obrigkeitlichen Gewalten friedlich untertan, und wie lange wird dies der Fall sein?

      5 Christen sind Gesandte oder Bevollmächtigte Gottes und Christi (Jesaja 61:1, 2; 2. Korinther 5:20; Epheser 6:19, 20). Als solche verhalten sie sich in den Konflikten der Welt neutral. Wenn auch einige politische Systeme wirtschaftlich erfolgreicher zu sein scheinen als andere und einige Systeme größere Freiheit gewähren als andere, fördern Christen kein politisches System, noch ziehen sie das eine dem anderen vor. Sie wissen, daß alle Systeme unvollkommen sind. Die „Anordnung Gottes“ besteht darin, daß diese Systeme so lange weiterbestehen, bis sein Königreich sie ablöst (Daniel 2:44). Deshalb bleiben Christen den obrigkeitlichen Gewalten friedlich untertan, während sie das ewige Wohl anderer fördern, indem sie die gute Botschaft vom Königreich predigen (Matthäus 24:14; 1. Petrus 3:11, 12).

      Dem Gesetz gehorchen

      6. Warum sind viele menschliche Gesetze trotz des Umstandes gut, daß ‘die ganze Welt in der Macht dessen liegt, der böse ist’?

      6 Staatsregierungen erlassen Gesetze, und die meisten dieser Gesetze sind gut. Sollte uns das überraschen angesichts des Umstandes, daß ‘die ganze Welt in der Macht dessen liegt, der böse ist’? (1. Johannes 5:19). Nein. Jehova pflanzte unserem Urvater Adam das Gewissen ein, und dieser angeborene Sinn für Recht und Unrecht spiegelt sich in vieler Hinsicht in menschlichen Gesetzen wider (Römer 2:13-16). Hammurabi, ein Gesetzgeber im alten Babylon, sagte in der Einleitung zu seinem Gesetzbuch unter anderem: „Damals gaben [sie] mir, Hammurapi, dem stolzen Fürsten, dem Verehrer der Götter, um eine Gesetzgebung im Lande erscheinen zu lassen, den Bösen und Schlimmen zu vernichten, damit der Starke den Schwachen nicht schädige, damit ich ... den Menschen Wohlbehagen verschaffe ...“

      7. Wer hat das Recht, einen Gesetzesbrecher zu bestrafen, und wieso?

      7 Die meisten Regierungen würden sagen, ihre Gesetze verfolgten einen ähnlichen Zweck: das Wohl der Bürger zu fördern und die Ordnung in der Gesellschaft aufrechtzuerhalten. Daher bestrafen sie gesellschaftsfeindliche Handlungen, wie Mord und Diebstahl, und legen Bestimmungen fest, wie zum Beispiel Geschwindigkeitsbeschränkungen und Parkvorschriften. Alle, die absichtlich diese Gesetze brechen, stellen sich der Gewalt entgegen und „werden für sich ein Gericht empfangen“. Ein Gericht von wem? Nicht unbedingt von Gott. Das hier mit „Gericht“ wiedergegebene griechische Wort kann sich eher auf einen Zivilprozeß beziehen als auf ein Gericht Jehovas. (Vergleiche 1. Korinther 6:7.) Die obrigkeitliche Gewalt hat das Recht, jemanden, der ungesetzlich handelt, zu bestrafen.

      8. Wie wird die Versammlung reagieren, wenn einer ihrer Angehörigen eine schwere Straftat begeht?

      8 Jehovas Zeugen stehen in dem guten Ruf, sich der menschlichen Obrigkeit nicht zu widersetzen. Falls ein Angehöriger der Versammlung das Gesetz bricht, wird ihm die Versammlung nicht helfen, der gesetzmäßigen Strafe zu entgehen. Wer stiehlt, einen Mord begeht, jemanden verleumdet, Steuern hinterzieht, betrügt, jemanden vergewaltigt, verbotene Drogen nimmt oder sich sonstwie der rechtmäßigen Gewalt widersetzt, hat mit einer schwerwiegenden Zuchtmaßnahme seitens der Versammlung zu rechnen — und sollte nicht denken, er werde verfolgt, wenn er von der weltlichen Obrigkeit bestraft wird (1. Korinther 5:12, 13; 1. Petrus 2:13-17, 20).

      Ein Gegenstand der Furcht

      9. Wozu können Christen zu Recht Zuflucht nehmen, wenn sie von gesetzlosen Elementen bedroht werden?

      9 Paulus setzt seine Besprechung der obrigkeitlichen Gewalten mit den Worten fort: „Denn die Herrschenden sind nicht für die gute Tat ein Gegenstand der Furcht, sondern für die schlechte. Willst du also ohne Furcht vor der obrigkeitlichen Gewalt sein? Fahre fort, Gutes zu tun, und du wirst Lob von ihr haben“ (Römer 13:3). Nicht loyale Christen sollen sich vor Strafe durch die Obrigkeit fürchten, sondern Übeltäter, diejenigen, die ‘schlechte Taten’, kriminelle Handlungen, begehen. Wenn Zeugen Jehovas von solchen gesetzlosen Elementen bedroht werden, können sie zu Recht den polizeilichen oder militärischen Schutz in Anspruch nehmen, den die Obrigkeit gewährt (Apostelgeschichte 23:12-22).

      10. Wieso haben Jehovas Zeugen von der Obrigkeit „Lob“ empfangen?

      10 Dem Christen, der das Gesetz der obrigkeitlichen Gewalt beachtet, sagt Paulus: „Du wirst Lob von ihr haben.“ Als Beispiele dafür mögen Briefe dienen, die Jehovas Zeugen in Brasilien nach ihren Bezirkskongressen erhielten. Der Leiter eines städtischen Sportamts führte aus: „Das größte Lob verdient Ihr friedliches Verhalten. In der heutigen so sehr geplagten Welt ist es beruhigend zu wissen, daß so viele Menschen immer noch an Gott glauben und ihm dienen.“ Der Direktor eines städtischen Stadions schrieb: „Trotz der hohen Anwesendenzahl war zufolge der tadellosen Organisation von keinem Vorfall zu berichten, der dem Ereignis Abbruch getan hätte.“ Im Brief eines Bürgermeisteramts hieß es: „Wir möchten die Gelegenheit wahrnehmen und Ihnen zu Ihrer Ordentlichkeit und zu Ihrer beeindruckenden freiwilligen Disziplin gratulieren, und wir wünschen Ihnen für zukünftige Veranstaltungen ... viel Erfolg.“

      11. Warum kann das Predigen der guten Botschaft in keiner Hinsicht als eine schlechte Tat bezeichnet werden?

      11 Mit dem Ausdruck „gute Tat“ werden Handlungen bezeichnet, durch die Gehorsam gegenüber den Gesetzen der obrigkeitlichen Gewalten zum Ausdruck kommt. Auch das Predigtwerk, das uns nicht von einem Menschen, sondern von Gott geboten worden ist, ist keine schlechte Tat — ein Umstand, den die politischen Gewalten anerkennen sollten. Es ist ein Dienst an der Öffentlichkeit, der die Moral derer hebt, die darauf eingehen. Deshalb hoffen wir, daß die obrigkeitlichen Gewalten unser Recht zu predigen schützen werden. Paulus berief sich auf die Obrigkeit, um das Predigen der guten Botschaft gesetzlich zu befestigen (Apostelgeschichte 16:35-40; 25:8-12; Philipper 1:7). Desgleichen beantragten Jehovas Zeugen in letzter Zeit die gesetzliche Anerkennung ihres Werkes in der DDR, in Ungarn, Polen, Rumänien, Benin und Myanmar (Birma) und haben sie auch erhalten.

      „Sie ist Gottes Dienerin“

      12—14. Wie haben die obrigkeitlichen Gewalten als Gottes Dienerin fungiert (a) in biblischer Zeit, (b) in der Neuzeit?

      12 Bezüglich der weltlichen Obrigkeit sagt Paulus weiter: „Sie ist Gottes Dienerin, dir zum Guten. Wenn du aber Schlechtes tust, so fürchte dich; denn sie trägt das Schwert nicht ohne Zweck; denn sie ist Gottes Dienerin, eine Rächerin zur Kundgabe des Zorns an dem, der Schlechtes treibt“ (Römer 13:4).

      13 Die staatliche Obrigkeit hat mitunter in besonderer Weise als Gottes Dienerin fungiert. Das traf auf Cyrus zu, als er die Juden dazu aufrief, aus Babylon nach Jerusalem zurückzukehren und das Haus Gottes wieder aufzubauen (Esra 1:1-4; Jesaja 44:28). Artaxerxes war Gottes Diener, als er Esra mit einem Beitrag für den Wiederaufbau jenes Hauses nach Jerusalem sandte, und später, als er Nehemia beauftragte, die Mauern Jerusalems wieder aufzubauen (Esra 7:11-26; 8:25-30; Nehemia 2:1-8). Die römische Obrigkeit diente in dieser Weise, als sie Paulus vor dem Pöbel in Jerusalem bewahrte, ihm bei einem Schiffbruch Schutz bot und dafür sorgte, daß er in Rom sein eigenes Haus hatte (Apostelgeschichte 21:31, 32; 28:7-10, 30, 31).

      14 Ebenso haben obrigkeitliche Gewalten in neuerer Zeit als Gottes Dienerin fungiert. 1959 entschied beispielsweise der Oberste Gerichtshof von Kanada, daß ein Zeuge Jehovas, der in Quebec angeklagt worden war, eine aufrührerische Schmähschrift veröffentlicht zu haben, nicht schuldig war. Dieser Entscheid wirkte der Voreingenommenheit des damaligen Premierministers von Quebec, Maurice Duplessis, entgegen.

      15. Auf welch allgemeine Weise fungieren die obrigkeitlichen Gewalten als Gottes Dienerin, und welches Recht gibt ihnen das?

      15 Des weiteren fungieren Staatsregierungen allgemein als Gottes Dienerin, indem sie die öffentliche Ordnung aufrechterhalten, bis Gottes Königreich diese Aufgabe übernimmt. Zu diesem Zweck „trägt“, wie Paulus sagt, die Obrigkeit „das Schwert“, das ihr Recht versinnbildlicht, Strafen zu verhängen. Gewöhnlich handelt es sich dabei um Haft- oder Geldstrafen. In einigen Ländern kann auch die Todesstrafe dazuzählen.a Viele andere Staaten wiederum haben die Todesstrafe abgeschafft, und das ist ebenfalls ihr Recht.

      16. (a) Was haben einige Diener Gottes für richtig erachtet, da die Obrigkeit Gottes Dienerin ist? (b) Was für eine Beschäftigung würde ein Christ nicht annehmen, und warum nicht?

      16 Der Umstand, daß die obrigkeitlichen Gewalten als Gottes Dienerin fungieren, erklärt, warum Daniel, die drei Hebräer, Nehemia und Mordechai verantwortliche Stellungen in der babylonischen und der persischen Regierung annehmen konnten. So waren sie in der Lage, zum Nutzen des Volkes Gottes an die Staatsgewalt zu appellieren (Nehemia 1:11; Esther 10:3; Daniel 2:48, 49; 6:1, 2). Auch heute stehen einige Christen im Staatsdienst. Da sie jedoch von der Welt getrennt sind, treten sie weder einer politischen Partei bei, noch streben sie nach einem politischen Amt oder nehmen in politischen Organisationen eine Stellung an, in der Politik gemacht wird.

      Glauben erforderlich

      17. Welche Umstände mögen einige Nichtchristen veranlassen, sich der Obrigkeit zu widersetzen?

      17 Wie verhält es sich aber, wenn die Obrigkeit Korruption oder sogar Unterdrückung toleriert? Sollten Christen versuchen, diese Obrigkeit durch eine andere zu ersetzen, die besser zu sein scheint? Nun, Ungerechtigkeit und Korruption in Regierungskreisen ist nichts Neues. Im ersten Jahrhundert hieß das Römische Reich Ungerechtigkeiten wie die Sklaverei gut. Es duldete auch korrupte Beamte. In der Bibel ist von betrügerischen Steuereinnehmern die Rede, von einem ungerechten Richter und von einem Statthalter, der Bestechungsgeschenke erwartete (Lukas 3:12, 13; 18:2-5; Apostelgeschichte 24:26, 27).

      18, 19. (a) Wie reagieren Christen, wenn Regierungsbeamte ihr Amt mißbrauchen oder korrupt sind? (b) Wie haben Christen das Leben der einzelnen verbessert, was die Worte eines Historikers zeigen und auch der nachstehende Kasten?

      18 Christen hätten damals versuchen können, solchen Mißbräuchen ein Ende zu machen, doch sie taten es nicht. Paulus forderte beispielsweise nicht die Abschaffung der Sklaverei, und er wies christliche Sklavenhalter nicht an, ihre Sklaven freizulassen, sondern gebot Sklaven und Sklavenhaltern, im Umgang miteinander christliches Mitgefühl zu bekunden (1. Korinther 7:20-24; Epheser 6:1-9; Philemon 10-16; siehe auch 1. Petrus 2:18). Christen ließen sich auch nicht auf revolutionäre Bestrebungen ein. Sie waren fleißig damit beschäftigt, „die gute Botschaft des Friedens“ zu predigen (Apostelgeschichte 10:36). Im Jahr 66 u. Z. wurde Jerusalem von einem römischen Heer belagert, das sich aber wieder zurückzog. Statt nun mit den rebellischen Verteidigern in der Stadt zu bleiben, gehorchten die hebräischen Christen der Anweisung Jesu und ‘flohen in die Berge’ (Lukas 21:20, 21).

      19 Die frühen Christen lebten mit den Gegebenheiten und suchten das Leben der einzelnen zu verbessern, indem sie ihnen halfen, sich an biblische Grundsätze zu halten. Der Historiker John Lord schrieb in seinem Buch The Old Roman World (Die alte römische Welt): „Die wahren Triumphe des Christentums sah man eher darin, daß es aus denen, die sich zu seiner Lehre bekannten, gute Menschen machte, als darin, daß es staatliche Einrichtungen oder Regierungen oder Gesetze nach außen hin änderte.“ Sollten sich Christen heutzutage anders verhalten?

      Wenn der Staat nicht hilft

      20, 21. (a) Inwiefern handelte die weltliche Obrigkeit in einem Fall nicht als Gottes Dienerin zum Guten? (b) Wie sollten Jehovas Zeugen reagieren, wenn sie mit Beihilfe des Staates verfolgt werden?

      20 Im September 1972 begann für Jehovas Zeugen in einem zentralafrikanischen Land eine heftige Verfolgung. Tausende wurden all ihrer Besitztümer beraubt und grausam behandelt, indem man sie schlug, folterte oder sogar ermordete. Erfüllte die obrigkeitliche Gewalt ihre Pflicht, die Zeugen zu schützen? Nein, im Gegenteil, sie förderte die Gewalttätigkeit und zwang diese harmlosen Christen dadurch, aus Sicherheitsgründen in Nachbarländer zu fliehen.

      21 Sollten sich denn Jehovas Zeugen nicht im Zorn gegen derartige Peiniger erheben? Nein, Christen sollten eine solch erniedrigende Behandlung geduldig ertragen, demütig sein und sich so verhalten wie Jesus: „Als er litt, begann er nicht zu drohen, sondern übergab sich weiterhin dem, der gerecht richtet“ (1. Petrus 2:23). Sie wissen, daß Jesus bei seiner Festnahme im Garten Gethsemane einen Jünger rügte, der ihn mit einem Schwert verteidigen wollte, und daß er später zu Pontius Pilatus sagte: „Mein Königreich ist kein Teil dieser Welt. Wäre mein Königreich ein Teil dieser Welt, so hätten meine Diener gekämpft, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde. Nun aber ist mein Königreich nicht von daher“ (Johannes 18:36; Matthäus 26:52; Lukas 22:50, 51).

      22. Welches vorzügliche Beispiel gaben Zeugen in Afrika, als sie heftig verfolgt wurden?

      22 Da jene afrikanischen Zeugen das Beispiel Jesu im Sinn behielten, hatten sie den Mut, die Aufforderung des Paulus zu befolgen: „Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Sorgt für die Dinge, die in den Augen aller Menschen vortrefflich sind. Wenn möglich, haltet, soweit es von euch abhängt, mit allen Menschen Frieden. Rächt euch nicht selbst, Geliebte, sondern gebt dem Zorn Raum; denn es steht geschrieben: ‚Mein ist die Rache; ich will vergelten, spricht Jehova‘“ (Römer 12:17-19; vergleiche Hebräer 10:32-34). Welch ein nachahmenswertes Beispiel unsere afrikanischen Brüder uns allen in der heutigen Zeit gegeben haben! Wahre Christen halten sich selbst dann an biblische Grundsätze, wenn sich die Obrigkeit weigert, ehrenhaft zu handeln.

      23. Welche Fragen bleiben noch zur Betrachtung?

      23 Was können indes die obrigkeitlichen Gewalten von Christen erwarten? Sind den Forderungen, die sie an Christen stellen können, irgendwelche Grenzen gesetzt? Das wird im folgenden Artikel behandelt.

      [Fußnote]

      a Die von Gott gegebene Gesetzessammlung des Volkes Israel schloß die Todesstrafe bei schweren Verbrechen ein (2. Mose 31:14; 3. Mose 18:29; 20:2-6; 4. Mose 35:30).

  • Unsere relative Unterordnung unter die obrigkeitlichen Gewalten
    Der Wachtturm 1990 | 1. November
    • Unsere relative Unterordnung unter die obrigkeitlichen Gewalten

      „Daher besteht zwingender Grund, daß ihr untertan seid“ (RÖMER 13:5).

      1. Was erlebten Jehovas Zeugen unter der Herrschaft der nationalsozialistischen obrigkeitlichen Gewalten, und geschah dies, weil sie ‘Schlechtes taten’?

      AM 7. Januar 1940 wurden Franz Reiter und fünf weitere Österreicher mit dem Fallbeil hingerichtet. Sie waren Bibelforscher, Zeugen Jehovas, und sie starben, weil sie es mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren konnten, die Waffe in die Hand zu nehmen, um für Hitlers Reich zu kämpfen. Franz Reiter war einer von Tausenden von Zeugen, die während des Zweiten Weltkriegs für ihren Glauben starben. Viele weitere verbrachten mehrere Jahre in Konzentrationslagern. Hatten sie alle deshalb unter dem „Schwert“ der nationalsozialistischen obrigkeitlichen Gewalten zu leiden, weil sie ‘Schlechtes taten’? (Römer 13:4). Ganz im Gegenteil! Diese Christen gehorchten sogar den Geboten Gottes aus Römer, Kapitel 13, entsprechend den weiteren Worten des Paulus, obwohl sie unter der Obrigkeit zu leiden hatten.

      2. Welcher zwingende Grund besteht, den obrigkeitlichen Gewalten untertan zu sein?

      2 Gemäß Römer 13:5 schreibt der Apostel: „Daher besteht zwingender Grund, daß ihr untertan seid, nicht nur jenes Zorns wegen, sondern auch eures Gewissens wegen.“ Ein guter Grund, der Obrigkeit untertan zu sein, besteht, wie Paulus zuvor ausführte, darin, daß sie „das Schwert“ trägt. Jetzt nennt er einen wichtigeren Grund: das Gewissen. Wir sind bestrebt, Gott „mit reinem Gewissen“ zu dienen (2. Timotheus 1:3). Die Bibel gebietet uns, den obrigkeitlichen Gewalten untertan zu sein, und wir gehorchen, weil wir das tun möchten, was in Gottes Augen recht ist (Hebräer 5:14). Ja, unser biblisch geschultes Gewissen veranlaßt uns, der Obrigkeit zu gehorchen, auch wenn uns kein Mensch beobachtet. (Vergleiche Prediger 10:20.)

      „Darum zahlt ihr auch Steuern“

      3, 4. Welchen Ruf haben Jehovas Zeugen, und warum sollten Christen Steuern zahlen?

      3 Vor Jahren kam es in Nigeria wegen Steuern zu Aufständen, bei denen mehrere Personen das Leben verloren. So setzte die Regierung das Militär ein. Einige Soldaten kamen auch in einen Königreichssaal, wo gerade eine Zusammenkunft stattfand, und erkundigten sich nach deren Zweck. Als der befehlshabende Offizier erfuhr, daß es sich um eine dem Bibelstudium dienende Zusammenkunft der Zeugen Jehovas handelte, befahl er den Soldaten, den Saal zu verlassen, und fügte hinzu: „Jehovas Zeugen hetzen nicht gegen die Entrichtung von Steuern.“

      4 Jene nigerianischen Zeugen standen in dem Ruf, im Einklang mit den Worten des Paulus zu leben: „Denn darum zahlt ihr auch Steuern; denn sie sind Gottes öffentliche Diener, die für ebendiesen Zweck beständig dienen“ (Römer 13:6). Als Jesus die Regel aufstellte: ‘Zahlt Cäsars Dinge Cäsar zurück’, sprach er vom Zahlen der Steuern (Matthäus 22:21). Die weltlichen Obrigkeiten sorgen für Straßen, Polizeischutz, Bibliotheken, öffentliche Verkehrsmittel, Schulen, Postdienste und vieles andere. Wir machen oftmals von diesen Einrichtungen Gebrauch. Daher ist es nur recht und billig, daß wir dafür in Form von Steuern bezahlen.

      „Erstattet allen, was ihnen gebührt“

      5. Was bedeuten die Worte: „Erstattet allen, was ihnen gebührt.“?

      5 Paulus fährt fort: „Erstattet allen, was ihnen gebührt: dem, der die Steuer verlangt, die Steuer; dem, der den Tribut verlangt, den Tribut; dem, der Furcht verlangt, die Furcht; dem, der Ehre verlangt, die Ehre“ (Römer 13:7). Das Wort „allen“ schließt alle weltlichen Gewalten ein, die ja Gottes öffentliche Diener sind. Es gibt keine Ausnahme. Auch wenn wir unter einem politischen System leben, das uns persönlich nicht zusagt, zahlen wir Steuern. Wenn Religionsgemeinschaften in dem Land, wo wir leben, Steuerfreiheit genießen, können die Versammlungen diese beantragen. Und Christen können wie andere Bürger jedes legale Mittel nutzen, um eine Steuerermäßigung zu erwirken. Kein Christ sollte jedoch das Zahlen von Steuern auf ungesetzliche Weise umgehen. (Vergleiche Matthäus 5:41; 17:24-27.)

      6, 7. Warum sollten wir selbst dann Steuern zahlen, wenn mit dem Geld etwas finanziert wird, was wir ablehnen, oder wenn die Obrigkeit uns verfolgt?

      6 Was aber, wenn eine Steuer ungerecht zu sein scheint oder wenn mit einem Teil der Steuergelder etwas finanziert wird, was wir ablehnen, wie zum Beispiel Abtreibungen, Blutbanken oder Programme, die unserer neutralen Haltung widersprechen? Wir zahlen dennoch unsere Steuern. Die Verantwortung für die Verwendung der Steuergelder hat die Obrigkeit zu tragen. Wir sind nicht beauftragt, sie zu richten. Gott ist der „Richter der Erde“, und zu seiner Zeit wird er die Regierungen für die Art und Weise, wie sie ihre Gewalt gebraucht haben, zur Rechenschaft ziehen (Psalm 94:2; Jeremia 25:31). Bis das geschieht, zahlen wir unsere Steuern.

      7 Wie steht es, wenn uns die Obrigkeit verfolgt? Wegen der alltäglichen Dienste, die sie uns leistet, zahlen wir dennoch Steuern. Über Zeugen Jehovas, die in einem afrikanischen Land verfolgt wurden, schrieb eine amerikanische Zeitung: „Man kann sie als Musterbürger bezeichnen. Sie zahlen pünktlich ihre Steuern, pflegen die Kranken, bekämpfen das Analphabetentum“ (San Francisco Examiner). Ja, diese verfolgten Zeugen zahlten ihre Steuern.

      „Furcht“ und „Ehre“

      8. Was ist die „Furcht“, die wir der Obrigkeit schulden?

      8 Bei der in Römer 13:7 erwähnten „Furcht“ handelt es sich nicht um Feigheit, sondern um Respekt vor der weltlichen Gewalt, um die Furcht, ihre Gesetze zu übertreten. Dieser Respekt wird aufgrund der betreffenden Stellung gezollt, nicht immer wegen der Person, die diese Stellung einnimmt. Die Bibel spricht prophetisch von dem römischen Kaiser Tiberius und bezeichnet ihn als einen, „der zu verachten ist“ (Daniel 11:21). Aber er war der Kaiser, und als solchem hätte ihm ein Christ Furcht und Ehre geschuldet.

      9. Welches sind einige Möglichkeiten, menschlichen Obrigkeiten Ehre zu erweisen?

      9 Was die Ehre betrifft, halten wir uns an Jesu Gebot, niemanden mit einem religiösen Titel anzureden (Matthäus 23:8-10). Doch was die weltlichen Obrigkeiten angeht, gebrauchen wir als Anrede gern jeglichen Titel, der vielleicht als Ehrerweisung erforderlich ist. Als Paulus mit römischen Statthaltern sprach, benutzte er die Anrede „Exzellenz“ (Apostelgeschichte 26:25). Daniel sprach Nebukadnezar mit „mein Herr“ an (Daniel 4:19). Heute mögen Christen Ausdrücke wie „Eure Lordschaft“ oder „Eure Majestät“ gebrauchen. Sie mögen sich erheben, wenn der Richter den Gerichtssaal betritt, oder sich aus Achtung vor einem Herrscher verneigen, sofern dies Brauch ist.

      Relative Unterordnung

      10. Wie zeigte Jesus, daß den Forderungen der menschlichen Obrigkeit gegenüber einem Christen Grenzen gesetzt sind?

      10 Wenn Jehovas Zeugen der menschlichen Obrigkeit untertan sind, warum hatten dann Franz Reiter und sehr viele andere so zu leiden? Weil unsere Unterordnung relativ ist und die Obrigkeit nicht immer anerkennt, daß die Bibel ihren Forderungen Grenzen setzt. Verlangt die Obrigkeit etwas, was einem geschulten christlichen Gewissen widerspricht, so überschreitet sie die ihr von Gott gesetzten Grenzen. Das deutete Jesus mit den Worten an: „Zahlt ... Cäsars Dinge Cäsar zurück, Gottes Dinge aber Gott“ (Matthäus 22:21). Wenn der Cäsar etwas verlangt, was Gott gehört, müssen wir anerkennen, daß Gottes Anspruch Vorrang hat.

      11. Welcher Grundsatz, der beweist, daß den Forderungen einer menschlichen Obrigkeit Grenzen gesetzt sind, wird weithin anerkannt?

      11 Ist dieser Standpunkt umstürzlerisch oder hinterhältig? Keineswegs. Er stellt in Wirklichkeit eine Erweiterung eines Grundsatzes dar, der von den meisten Kulturvölkern anerkannt wird. Im 15. Jahrhundert wurde Peter von Hagenbach vor Gericht gestellt, weil er in der Landgrafschaft Oberelsaß als Landvogt eine Schreckensherrschaft ausübte. Seine Verteidigung, lediglich die Befehle seines Herrn, des Herzogs von Burgund, ausgeführt zu haben, wurde zurückgewiesen. Seither ist wiederholt geltend gemacht worden, jemand sei für seine Greueltaten nicht verantwortlich, wenn er sie auf Anordnung der Obrigkeit begangen habe — am bekanntesten ist der Fall der Nazi-Kriegsverbrecher vor dem internationalen Militärgerichtshof in Nürnberg. Doch dieser Anspruch wurde gewöhnlich verworfen. Im Urteil des internationalen Militärgerichtshofes hieß es: „Die einzelnen haben internationale Pflichten, die die vom jeweiligen Staat auferlegten nationalen Gehorsamspflichten übersteigen.“

      12. Welches sind einige biblische Beispiele von Dienern Gottes, die sich weigerten, unvernünftigen Forderungen der Obrigkeit zu entsprechen?

      12 Gottes Diener haben von jeher anerkannt, daß der Unterordnung, die sie den obrigkeitlichen Gewalten gewissensmäßig schulden, Grenzen gesetzt sind. Zu der Zeit, als Moses in Ägypten geboren wurde, befahl Pharao zwei hebräischen Hebammen, alle neugeborenen hebräischen Jungen zu töten. Die Hebammen ließen die Babys jedoch am Leben. Handelten sie verkehrt, indem sie Pharao nicht gehorchten? Nein, sie folgten der Stimme des ihnen von Gott verliehenen Gewissens, und Gott segnete sie deswegen (2. Mose 1:15-20). Als die Israeliten im Exil in Babylon waren, befahl Nebukadnezar seinen Beamten, zu denen die Hebräer Schadrach, Meschach und Abednego gehörten, sich vor einem Standbild zu verbeugen, das er in der Ebene Dura hatte aufstellen lassen. Die drei Hebräer weigerten sich, dies zu tun. Handelten sie falsch? Nein, denn den Befehl des Königs zu befolgen hätte bedeutet, dem Gesetz Gottes ungehorsam zu sein (2. Mose 20:4, 5; Daniel 3:1-18).

      ‘Gott, dem Herrscher, gehorchen’

      13. Welches Beispiel gaben die frühen Christen in bezug auf den relativen Gehorsam gegenüber den obrigkeitlichen Gewalten?

      13 Ähnlich verhielt es sich, als die jüdische Obrigkeit Petrus und Johannes befahl, nicht mehr über Jesus zu predigen. Die Apostel antworteten: „Ob es in den Augen Gottes gerecht ist, eher auf euch zu hören als auf Gott, urteilt selbst“ (Apostelgeschichte 4:19; 5:29). Sie konnten nicht schweigen. In der Zeitschrift The Christian Century wird darauf aufmerksam gemacht, welchen Standpunkt die frühen Christen aus Gewissensgründen einnahmen: „Die ersten Christen dienten nicht im Heer. Roland Bainton schrieb, daß ‚vom Ende der neutestamentlichen Zeit an bis in die Dekade von 170—180 n. Chr. überhaupt nichts darauf schließen läßt, daß Christen im Heer dienten‘ (Christian Attitudes Toward War and Peace [Abingdon, 1960], S. 67, 68). ... Swift sagt, für Justinus den Märtyrer sei ‚es selbstverständlich gewesen, daß Christen von Gewalttaten abstehen‘.“

      14, 15. Welches sind einige biblische Grundsätze, die den relativen Gehorsam der frühen Christen gegenüber der menschlichen Obrigkeit regelten?

      14 Warum dienten die frühen Christen nicht als Soldaten? Zweifellos befaßte sich jeder von ihnen eingehend mit Gottes Gesetzen und seinem Wort und traf seine eigene Entscheidung aufgrund seines biblisch geschulten Gewissens. Sie verhielten sich neutral und waren „kein Teil der Welt“; ihre Neutralität verbot ihnen, in weltlichen Konflikten Stellung zu beziehen (Johannes 17:16; 18:36). Überdies gehörten sie Gott (2. Timotheus 2:19). Ihr Leben für den Staat niederzulegen hätte bedeutet, daß sie Cäsar das gegeben hätten, was Gott gehörte. Außerdem waren sie Teil einer in Liebe verbundenen internationalen Bruderschaft (Johannes 13:34, 35; Kolosser 3:14; 1. Petrus 4:8; 5:9). Sie konnten nicht guten Gewissens eine Waffe in die Hand nehmen mit der Möglichkeit vor Augen, einen Mitchristen zu töten.

      15 Des weiteren konnten Christen nicht bei religiösen Kulthandlungen wie der Verehrung des Kaisers mitmachen. Infolgedessen betrachtete man sie als „absonderliche und gefährliche Leute, und die übrige Bevölkerung stand ihnen mißtrauisch gegenüber“ (W. A. Smart, Still the Bible Speaks [Die Bibel spricht immer noch]). Obwohl Paulus schrieb, Christen sollten ‘dem Furcht erstatten, der Furcht verlangt’, vergaßen sie doch nicht die bedeutsamere Furcht, den Respekt vor Jehova (Römer 13:7; Psalm 86:11). Jesus selbst sagte: „Werdet nicht furchtsam vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können; fürchtet aber vielmehr den, der sowohl Seele als Leib in der Gehenna vernichten kann“ (Matthäus 10:28).

      16. (a) Auf welchen Gebieten müssen Christen gewissenhaft ihre Unterordnung unter die obrigkeitlichen Gewalten abwägen? (b) Wofür liefert der Kasten auf Seite 27 ein Beispiel?

      16 Als Christen stehen wir heute vor ähnlichen Herausforderungen. Wir können uns an keiner Form neuzeitlichen Götzendienstes beteiligen — handle es sich um Gesten, durch die Bilder oder Symbole verehrt werden, oder darum, einer Person oder einer Organisation Rettung zuzuschreiben (1. Korinther 10:14; 1. Johannes 5:21). Und wie die frühen Christen können wir keinen Kompromiß in bezug auf unsere christliche Neutralität eingehen. (Vergleiche 2. Korinther 10:4.)

      „Mit Milde und tiefem Respekt“

      17. Was schrieb Petrus denen, die um des Gewissens willen zu leiden hatten?

      17 Der Apostel Petrus schrieb über unseren gewissensmäßigen Standpunkt und sagte: „Wenn jemand wegen des Gewissens vor Gott unter Betrübnissen ausharrt und ungerechterweise leidet, so ist dies etwas Wohlgefälliges“ (1. Petrus 2:19). Ja, es ist Gott wohlgefällig, wenn ein Christ trotz Verfolgung feststeht, und er hat den zusätzlichen Nutzen, daß dadurch sein Glaube gestärkt und geläutert wird (Jakobus 1:2-4; 1. Petrus 1:6, 7; 5:8-10). Petrus schrieb ebenfalls: „Wenn ihr auch um der Gerechtigkeit willen leiden solltet, seid ihr glücklich. Fürchtet jedoch nicht das, was sie fürchten, noch werdet erregt. Sondern heiligt den Christus als Herrn in eurem Herzen, stets bereit zu einer Verteidigung vor jedermann, der von euch einen Grund für die Hoffnung verlangt, die in euch ist, doch tut es mit Milde und tiefem Respekt“ (1. Petrus 3:14, 15). Ein wirklich hilfreicher Rat!

      18, 19. Wieso können tiefer Respekt und Vernünftigkeit eine Hilfe sein, wenn die Obrigkeit unsere Freiheit der Anbetung einschränkt?

      18 Wenn Verfolgung entsteht, weil die Obrigkeit den christlichen Standpunkt falsch auffaßt oder weil religiöse Führer der Christenheit Jehovas Zeugen bei der Obrigkeit falsch dargestellt haben, kann eine Richtigstellung vor der Obrigkeit zur Folge haben, daß der Druck nachläßt. Ein Christ offenbart Milde und tiefen Respekt und kämpft nicht buchstäblich gegen seine Verfolger. Er macht sich jedoch jedes ihm zu Gebote stehende rechtliche Mittel zunutze, um seinen Glauben zu verteidigen. Dann überläßt er die Sache Jehova (Philipper 1:7; Kolosser 4:5, 6).

      19 Tiefer Respekt veranlaßt den Christen, was den Gehorsam gegenüber der Obrigkeit betrifft, so weit zu gehen, wie er kann, ohne sein Gewissen zu verletzen. Wenn beispielsweise die Versammlungszusammenkünfte verboten worden sind, werden Christen eine weniger auffällige Möglichkeit finden, sich weiterhin am Tisch Jehovas zu ernähren. Die höchste Gewalt, Jehova Gott, läßt uns durch Paulus sagen: „Laßt uns aufeinander achten zur Anreizung zur Liebe und zu vortrefflichen Werken, indem wir unser Zusammenkommen nicht aufgeben, wie es bei einigen Brauch ist“ (Hebräer 10:24, 25). Aber Zusammenkünfte können unauffällig stattfinden. Selbst wenn nur wenige anwesend sind, dürfen wir davon überzeugt sein, daß Gott solche Vorkehrungen segnet. (Vergleiche Matthäus 18:20.)

      20. Wie können Christen vorgehen, wenn das öffentliche Predigen der guten Botschaft verboten ist?

      20 Einige obrigkeitliche Gewalten haben auch das öffentliche Predigen der guten Botschaft verboten. Christen, die unter ihrer Herrschaft leben, wissen, daß die höchste Gewalt durch Jesus sagen ließ: „Unter allen Nationen [muß] zuerst die gute Botschaft gepredigt werden“ (Markus 13:10). Deshalb gehorchen sie der höchsten Gewalt, was immer es auch koste. Die Apostel predigten, wenn möglich, öffentlich und von Haus zu Haus. Es gibt aber noch andere Möglichkeiten, Menschen zu erreichen, zum Beispiel durch informelles Zeugnisgeben (Johannes 4:7-15; Apostelgeschichte 5:42; 20:20). Oftmals wird die Obrigkeit nicht gegen das Predigtwerk einschreiten, wenn nur die Bibel verwendet wird — was allen Zeugen die Notwendigkeit vor Augen führt, sich für Unterredungen anhand der Schriften gut schulen zu lassen. (Vergleiche Apostelgeschichte 17:2, 17.) Wenn Christen mutig, aber respektvoll sind, mögen sie oft eine Möglichkeit finden, Jehova zu gehorchen, ohne den Zorn der obrigkeitlichen Gewalten heraufzubeschwören (Titus 3:1, 2).

      21. Wozu müssen sich Christen entscheiden, wenn sie vom Cäsar unbarmherzig verfolgt werden?

      21 Mitunter verfolgt die Obrigkeit Christen jedoch unbarmherzig. Unter solchen Umständen können wir nur ein reines Gewissen bewahren, wenn wir tun, was recht ist. Der junge Franz Reiter hatte die Wahl, seinen Glauben preiszugeben oder zu sterben. Da er nicht aufhören konnte, Gott anzubeten und ihm zu dienen, ging er mutig in den Tod. In der Nacht vor seinem Tod schrieb Franz an seine Mutter: „Mein Urteil ... lautet auf Tod und wird morgen früh ausgeführt. Ich habe meine Stärke von Gott erhalten, so wie es auch jedem wahren Christen ergangen ist von jeher. ... Wenn Ihr alle standhaft seid bis in den Tod, so können wir uns bei der Auferstehung wiedersehen.“

      22. Welche Hoffnung haben wir, und wie verhalten wir uns bis dahin?

      22 Eines Tages wird die ganze Menschheit nur einem einzigen Gesetz unterstehen: dem Gesetz Jehovas. Bis dahin müssen wir guten Gewissens die Einrichtung Gottes beachten und uns den obrigkeitlichen Gewalten bedingt unterordnen, während wir gleichzeitig Jehova, unserem Souveränen Herrn, in allen Dingen gehorchen (Philipper 4:5-7).

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