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Anhand der Bibel antwortenNutze die Belehrung der Theokratischen Predigtdienstschule
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LERNEINHEIT 18
Anhand der Bibel antworten
FRAGEN, die unsere Glaubensansichten, unsere Lebensweise, unseren Standpunkt zu aktuellen Ereignissen oder unsere Zukunftshoffnung betreffen, möchten wir anhand der Bibel beantworten. Warum? Weil sie Gottes Wort ist. Ihr entnehmen wir unsere Glaubensansichten. Unsere Lebensweise stützt sich auf die Bibel. Sie beeinflusst, wie wir Weltereignisse betrachten. Unsere Zukunftshoffnung ist in ihren inspirierten Verheißungen fest verankert (2. Tim. 3:16, 17).
Wir sind uns sehr wohl der Verantwortung bewusst, die mit unserem Namen einhergeht — wir sind Jehovas Zeugen (Jes. 43:12). Daher beantworten wir Fragen nicht gestützt auf menschliche Philosophien, sondern stützen uns auf das, was Jehova in seinem inspirierten Wort sagt. Jeder von uns hat zwar persönliche Ansichten, aber wir lassen unsere Sehweise von Gottes Wort formen, weil wir fest davon überzeugt sind, dass es die Wahrheit ist. Natürlich lässt uns die Bibel in vielen Dingen die Freiheit, selbst zu entscheiden. Statt anderen das aufzudrängen, was wir vorziehen, wollen wir unsere Zuhörer die Grundsätze der Bibel lehren, wodurch wir ihnen dieselbe Willensfreiheit zubilligen, die wir genießen. Wie der Apostel Paulus sind wir auf die „Förderung des Glaubensgehorsams“ bedacht (Röm. 16:26).
Jesus Christus wird in Offenbarung 3:14 als „der treue und wahrhaftige Zeuge“ bezeichnet. Wie beantwortete er Fragen, und wie ging er mit unvorhergesehenen Situationen um? Manchmal erzählte er Gleichnisse, um die Menschen zum Nachdenken zu bringen. Bei anderen Gelegenheiten erkundigte er sich beim Fragesteller, wie dieser eine bestimmte Schriftstelle verstand. Häufig zitierte er Texte aus den Schriften, umschrieb sie oder wies darauf hin (Mat. 4:3-10; 12:1-8; Luk. 10:25-28; 17:32). Im 1. Jahrhundert wurden Schriftrollen der Hebräischen Schriften normalerweise in den Synagogen aufbewahrt. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass Jesus eine persönliche Sammlung solcher Buchrollen besaß, aber er kannte die Schriften gut und bezog sich häufig auf sie, wenn er andere lehrte (Luk. 24:27, 44-47). Wie er wahrheitsgemäß sagen konnte, stammte das, was er lehrte, nicht aus ihm selbst. Er redete, was er von seinem Vater gehört hatte (Joh. 8:26).
Wir möchten Jesu Beispiel nachahmen. Niemand von uns hat Gott persönlich sprechen gehört wie Jesus. Doch die Bibel ist Gottes Wort. Stützen wir unsere Antworten darauf, wird die Aufmerksamkeit nicht auf uns gelenkt. Dadurch zeigen wir, dass wir keinesfalls die Meinung eines unvollkommenen Menschen darlegen, sondern Gott sagen lassen wollen, was die Wahrheit ist (Joh. 7:18; Röm. 3:4).
Allerdings geht es uns nicht nur darum, die Bibel zu gebrauchen, sondern es auch auf eine Weise zu tun, die für unseren Zuhörer von größtem Nutzen ist. Uns ist daran gelegen, dass er unvoreingenommen zuhört. Je nachdem, wie die Person eingestellt ist, können wir biblische Gedanken vielleicht mit folgenden Worten einführen: „Sind Sie nicht auch der Ansicht, dass letztlich nur das zählt, was Gott sagt?“ Oder wir könnten sagen: „Ist Ihnen bekannt, dass genau diese Frage in der Bibel behandelt wird?“ Sprechen wir dagegen mit jemand, der keine Achtung vor der Bibel hat, wäre eine andere Einleitung angebracht. Sie könnte lauten: „Über folgende alte Prophezeiung möchte ich mit Ihnen sprechen.“ Möglich wäre auch Folgendes: „In dem am weitesten verbreiteten Buch aller Zeiten heißt es . . .“
In manchen Fällen werden wir es vorziehen, einen Text lediglich zu umschreiben. Doch es ist das Beste, wenn irgend möglich die Bibel aufzuschlagen und daraus vorzulesen. Zeigen wir unserem Gegenüber den Text in seiner eigenen Bibel, sofern machbar. Es hinterlässt häufig einen nachhaltigen Eindruck bei den Menschen, wenn sie etwas mit eigenen Augen in der Bibel sehen (Heb. 4:12).
Auf den christlichen Ältesten ruht eine besondere Verantwortung, Fragen anhand der Bibel zu beantworten. Ein Bruder muss unter anderem „am zuverlässigen Wort . . . [festhalten], was seine Kunst des Lehrens betrifft“, um als Ältester dienen zu können (Tit. 1:9). Ein Glied der Versammlung könnte in seinem Leben eine schwerwiegende Entscheidung treffen, nachdem es sich bei einem Ältesten Rat geholt hat. Wie wichtig es doch ist, dass sich solcher Rat fest auf die Bibel gründet! Das Beispiel, das ein Ältester in dieser Hinsicht gibt, kann sich darauf auswirken, wie andere lehren.
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Zum Gebrauch der Bibel ermunternNutze die Belehrung der Theokratischen Predigtdienstschule
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LERNEINHEIT 19
Zum Gebrauch der Bibel ermuntern
WIR möchten die Aufmerksamkeit der Menschen auf Gottes Wort, die Bibel, lenken. Dieses heilige Buch ist die Grundlage der Botschaft, die wir predigen; wir möchten Außenstehenden vor Augen führen, dass das, was wir sagen, keine eigenen Vorstellungen sind, sondern von Gott stammt. Sie sollen Vertrauen in die Bibel entwickeln.
Im Predigtdienst. Wähle bei der Vorbereitung auf den Predigtdienst einen oder mehrere Bibeltexte aus, die du aufgeschlossenen Menschen vorlesen möchtest. Selbst wenn du nur kurz eine biblische Veröffentlichung anbietest, ist es häufig sinnvoll, einen passenden Bibeltext vorzulesen. Die Bibel hat weit mehr Macht, schafähnlichen Menschen den richtigen Weg zu zeigen, als irgendetwas, was du selbst sagen könntest. Wo es nicht möglich ist, direkt aus der Bibel vorzulesen, kannst du immer noch daraus zitieren. Im 1. Jahrhundert waren Exemplare von Schriftrollen der Hebräischen Schriften nicht allgemein verfügbar. Dennoch zitierten Jesus und seine Apostel ausgiebig aus den Schriften. Bemühe dich ebenfalls, dir Bibeltexte zu merken, um sie im Predigtdienst an passender Stelle anzubringen, und sei es, dass du sie lediglich aus dem Gedächtnis wiedergibst.
Kannst du aus der Bibel vorlesen, halte sie so, dass der Hausbewohner mitlesen kann. Sollte er den Text in der eigenen Bibel mitverfolgen, mag seine Reaktion auf das Gelesene noch günstiger ausfallen.
Sei dir allerdings bewusst, dass sich etliche Bibelübersetzer bei der Wiedergabe des Wortes Gottes einige Freiheiten herausgenommen haben. Ihre Wiedergabe entspricht womöglich nicht in jeder Hinsicht dem, was in den Originalsprachen der Bibel steht. In einigen modernen Übersetzungen kommt Gottes Eigenname nicht mehr vor. Zudem wird häufig verschleiert, was der Bibeltext in den Originalsprachen sowohl in Bezug auf den Zustand der Toten als auch über Gottes Vorsatz bezüglich der Erde sagt. Möchtest du dies jemand verdeutlichen, musst du zum Vergleich gegebenenfalls Schlüsseltexte aus mehreren Bibelausgaben oder aus älteren Übersetzungen in dieser Sprache heranziehen. Zu einer ganzen Reihe von Themen liefert das Buch Unterredungen anhand der Schriften Vergleichstexte, die zeigen, wie verschiedene Übersetzungen wichtige Ausdrücke in häufig gebrauchten Versen wiedergeben. Wer die Wahrheit liebt, wird für diesen Aufschluss dankbar sein.
In den Zusammenkünften der Versammlung. Alle sollten ermuntert werden, dort die Bibel zu gebrauchen. Dadurch wird in mehrfacher Hinsicht Gutes bewirkt. Es trägt dazu bei, die Aufmerksamkeit der Zuhörer auf das gerichtet zu halten, was besprochen wird. Zu der mündlichen Unterweisung kommt ein visueller Eindruck hinzu. Auch wird dem Sinn von Neuinteressierten dadurch eingeprägt, dass unsere Glaubensansichten tatsächlich aus der Bibel stammen.
Ob die Zuhörer die von dir gelesenen Bibeltexte tatsächlich in der eigenen Bibel mitverfolgen, hängt weitgehend davon ab, wie du sie dazu ermunterst. Eine der erfolgreichsten Methoden ist die direkte Aufforderung.
Es liegt bei dir als Redner zu entscheiden, welche Texte du dadurch hervorheben möchtest, dass du sie von den Zuhörern aufschlagen lässt. Am besten liest du Bibeltexte vor, die etwas zur Erklärung der Hauptpunkte beitragen. Sofern es die Zeit erlaubt, kannst du noch weitere hinzufügen, die die Argumentation unterstützen.
Meistens genügt es natürlich nicht, lediglich die Textstelle zu nennen oder die Zuhörer einfach einzuladen, einen Bibeltext aufzuschlagen. Wenn du einen Text liest und gleich zum nächsten übergehst, ehe sie den ersten finden konnten, sind sie bald entmutigt und werden gar nicht mehr versuchen, die Bibel aufzuschlagen. Sei aufmerksam. Lies den Text erst, wenn die meisten ihn gefunden haben.
Denke voraus. Kündige einen Bibeltext schon einige Zeit vor dem Vorlesen an. Dadurch dauert es nicht so lange, bis die Zuhörer den Text gefunden haben. Räumst du ihnen Zeit ein, die Bibeltexte aufzuschlagen, kannst du zwar weniger Stoff behandeln, aber das wird durch den Nutzen wettgemacht.
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Bibeltexte wirkungsvoll einführenNutze die Belehrung der Theokratischen Predigtdienstschule
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LERNEINHEIT 20
Bibeltexte wirkungsvoll einführen
DIE Bibel bildet die Grundlage für die Unterweisung, die in unseren Versammlungszusammenkünften vermittelt wird. Bibeltexte stehen auch im Mittelpunkt dessen, was wir im Predigtdienst sagen. Wie viel sie zu einem Gespräch beitragen, hängt unter anderem davon ab, wie wirkungsvoll sie eingeführt werden.
Es genügt nicht, einen Bibeltext lediglich anzugeben und zum Mitlesen aufzufordern. Versuche, beim Einführen eines Bibeltextes zwei Ziele zu erreichen: 1. Erwartung zu wecken und 2. die Aufmerksamkeit auf den Grund dafür zu lenken, warum der Text herangezogen wird. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, diese Ziele zu erreichen.
Eine Frage stellen. Das ist sehr wirkungsvoll, sofern die Antwort für die Zuhörerschaft nicht schon offensichtlich ist. Formuliere die Frage möglichst so, dass sie zum Nachdenken anregt. Jesus tat dies. Als die Pharisäer im Tempel zu Jesus kamen, um sein Verständnis der Schriften öffentlich auf die Probe zu stellen, fragte er sie: „Wie denkt ihr über den Christus? Wessen Sohn ist er?“ Sie antworteten: „Davids.“ Darauf fragte Jesus: „Wie kommt es denn, dass David ihn durch Inspiration ‚Herr‘ nennt?“ Dann fuhr er mit einem Zitat aus Psalm 110:1 fort. Das brachte die Pharisäer zum Schweigen. Die Volksmenge hörte Jesus dagegen weiterhin gern zu (Mat. 22:41-46).
Im Predigtdienst könntest du einleitende Fragen wie die folgenden verwenden: „Sie und ich, wir haben einen Namen. Hat Gott einen Eigennamen? Die Antwort finden wir in Psalm 83:18.“ „Wird es jemals eine einzige Regierung für die gesamte Menschheit geben? Beachten Sie, welche Antwort Daniel 2:44 enthält.“ „Spricht die Bibel tatsächlich von den Verhältnissen, die in unseren Tagen herrschen? Vergleichen Sie einmal die Zustände, die in 2. Timotheus 3:1-5 erwähnt werden, mit dem, was Sie nur zu gut kennen.“ „Werden Leiden und Tod jemals ein Ende haben? Die biblische Antwort ist in Offenbarung 21:4, 5 zu finden.“
In einer Redeaufgabe können gut überlegte Fragen zur Einführung von Bibeltexten die Zuhörer anregen, Texte aus einem anderen Blickwinkel zu sehen, selbst solche, die ihnen vertraut sind. Ob sie das aber wirklich tun, kann davon abhängen, inwieweit die Fragen, die du aufwirfst, sie ernsthaft berühren. Selbst wenn das Thema für die Zuhörer von Interesse ist, können ihre Gedanken abschweifen, falls du bestens bekannte Texte vorliest. Um das zu verhindern, musst du dir wirklich Gedanken darüber machen, wie du die Darlegungen ansprechend gestalten kannst.
Ein Problem anführen. Du könntest ein Problem anführen und die Aufmerksamkeit dann auf einen Bibeltext lenken, in dem auf die Lösung eingegangen wird. Wecke bei den Zuhörern keine übertriebenen Erwartungen, denn häufig liefert ein Bibeltext nur eine Teillösung. Du könntest die Zuhörer jedoch bitten, sich während des Vorlesens zu überlegen, welche Anleitung der Text dazu gibt, mit dem genannten Problem fertig zu werden.
In ähnlicher Weise könntest du einen Grundsatz in Bezug auf den gottgefälligen Lebenswandel darlegen und anschließend anhand eines biblischen Berichts veranschaulichen, wie weise es ist, sich danach zu richten. Enthält ein Bibeltext zwei (oder vielleicht mehr) spezielle Gedanken zu dem Besprochenen, bitten einige Redner die Zuhörer im Voraus, darauf zu achten. Ist eine Frage für die Zuhörerschaft offenbar zu schwierig, kannst du das Denken anregen, indem du mehrere mögliche Antworten nennst und die Auflösung dann durch den Text und dessen Anwendung zeigst.
Die Bibel als Autorität anführen. Hast du bereits Interesse für das Thema geweckt und zu gewissen Gesichtspunkten eine oder mehrere Auffassungen dargelegt, kannst du einen Bibeltext mit den einfachen Worten einführen: „Beachten wir, was in Gottes Wort dazu gesagt wird.“ Dadurch wird gezeigt, warum das, was du vorlesen wirst, maßgeblich ist.
Jehova ließ durch Männer wie Johannes, Lukas, Paulus und Petrus Teile der Bibel aufzeichnen. Aber sie waren nur die Schreiber; Jehova ist der Autor. Wenn wir mit Menschen sprechen, die keine Erforscher der Heiligen Schrift sind, wird die Einführung eines Textes mit der Aussage „Petrus schrieb . . .“ oder „Paulus sagte . . .“ nicht unbedingt denselben Eindruck machen wie eine Einleitung, die den Text als von Gott stammend kenntlich macht. Bemerkenswerterweise wies Jehova Jeremia bei bestimmten Gelegenheiten an, Aussprüche mit den Worten einzuführen: „Hört das Wort Jehovas“ (Jer. 7:2; 17:20; 19:3; 22:2). Ehe wir unser Gespräch beenden, sollten wir möglichst darauf hinweisen, dass das, was in der Bibel steht, das Wort Jehovas ist — ob wir seinen Namen bei der Einführung eines Bibeltextes gebrauchen oder nicht.
Den Zusammenhang berücksichtigen. Bevor du dich entscheidest, wie du einen Bibeltext einführen wirst, solltest du dir über den Zusammenhang im Klaren sein. In einigen Fällen wirst du direkt auf den Kontext Bezug nehmen; er kann auch Einfluss darauf haben, was du sagst. Würdest du beispielsweise die Worte des gottesfürchtigen Hiob genauso einführen wie die Aussage eines seiner falschen Tröster? Das Bibelbuch Apostelgeschichte wurde zwar von Lukas geschrieben, aber er zitierte unter anderem Jakobus, Petrus, Paulus, Philippus und Stephanus, des Weiteren Engel sowie Gamaliel und andere Juden, die keine Christen waren. Wem wirst du den Text zuschreiben, wenn du zitierst? Denke auch daran, dass weder alle Psalmen von David verfasst wurden noch das ganze Buch der Sprüche von Salomo stammt. Es ist auch vorteilhaft zu wissen, an wen die Darlegungen eines Bibelschreibers gerichtet waren und welches allgemeine Thema er behandelte.
Hintergrundinformationen verwenden. Das ist besonders wirkungsvoll, wenn du zeigen kannst, dass die Verhältnisse zur Zeit des Bibelberichts mit denen vergleichbar sind, über die du gerade sprichst. Manchmal sind Hintergrundinformationen unerlässlich für das Verständnis eines bestimmten Textes. Verwendest du beispielsweise in einem Vortrag über das Lösegeld Hebräer 9:12, 24, wäre es angebracht, dem Lesen des Textes eine kurze Erklärung über den innersten Raum der Stiftshütte vorauszuschicken, der, wie der Bibeltext zeigt, den Ort darstellte, in den Jesus eintrat, als er in den Himmel auffuhr. Erwähne aber nicht so viele Details, dass der Text, den du einführst, darüber in den Hintergrund tritt.
Stelle fest, wie erfahrene Redner Bibeltexte einführen, um dich dann darin zu verbessern. Achte darauf, welche unterschiedlichen Methoden sie anwenden. Befasse dich damit, wie wirkungsvoll diese Methoden sind. Ermittle bei der Vorbereitung deiner Redeaufgaben die Schlüsseltexte, und denke eingehend darüber nach, was mit jedem Text erreicht werden soll. Arbeite sorgfältig aus, wie du jeden Text einführen möchtest, damit er die größtmögliche Wirkung erzielt. Geh später bei allen Texten, die du verwendest, so vor. Wenn du dich in diesem Schulungspunkt verbesserst, wirst du verstärkt die Aufmerksamkeit auf Gottes Wort lenken.
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Bibeltexte mit richtiger Betonung vorlesenNutze die Belehrung der Theokratischen Predigtdienstschule
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LERNEINHEIT 21
Bibeltexte mit richtiger Betonung vorlesen
SPRICHST du über Gottes Vorsätze, ob in einer Unterhaltung oder von der Bühne, sollten sich deine Darlegungen auf das gründen, was in Gottes Wort steht. Daher wirst du in der Regel aus der Bibel vorlesen, und zwar so gut wie irgend möglich.
Zur richtigen Betonung gehört Gefühl. Bibeltexte sollten mit Gefühl gelesen werden. Es folgen einige Beispiele: Wird Psalm 37:11 vorgelesen, sollte die Stimme von der freudigen Erwartung des Friedens zeugen, der dort verheißen wird. Beim Lesen von Offenbarung 21:4, wo das Ende von Leid und Tod vorausgesagt wird, sollte in der Stimme aufrichtige Wertschätzung für diese wunderbare Erleichterung mitschwingen. Wird Offenbarung 18:2, 4, 5 vorgelesen, wo dazu aufgefordert wird, die sündenbeladene Hure, „Babylon die Große“, zu verlassen, sollte in der Stimme eine gewisse Dringlichkeit liegen. Die zum Ausdruck gebrachten Gefühle müssen natürlich von Herzen kommen, ohne übertrieben zu werden. Der Text an sich und das, wofür er verwendet wird, entscheiden über das angebrachte Maß an Gefühl.
Die richtigen Wörter hervorheben. Stützt sich dein Kommentar nur auf einen bestimmten Teil eines Verses, hebe diesen beim Vorlesen hervor. Liest du zum Beispiel Matthäus 6:33 vor und möchtest erörtern, was es bedeutet, „zuerst das Königreich . . . zu suchen“, würdest du nicht „SEINE Gerechtigkeit“ oder „alle diese anderen Dinge“ besonders betonen.
Angenommen, du möchtest in einem Programmpunkt der Dienstzusammenkunft Matthäus 28:19 vorlesen. Welche Worte würdest du hervorheben? Ermunterst du dazu, fleißig Heimbibelstudien einzurichten, dann betone „macht Jünger“. Sprichst du dagegen über die Verantwortung eines Christen, ausländischen Mitbürgern die biblische Wahrheit zu übermitteln, oder möchtest du jemand ermuntern, dort zu dienen, wo ein größerer Bedarf an Verkündigern besteht, würdest du „Menschen aller Nationen“ betonen.
Häufig wird ein Bibeltext angeführt, um eine Frage zu beantworten oder eine umstrittene Behauptung zu begründen. Diese Absicht kann den Zuhörern allerdings verborgen bleiben, wenn in dem Text jeder Gedanke gleich stark hervorgehoben wird. Dir ist der entscheidende Punkt klar, ihnen jedoch nicht.
Nehmen wir einmal an, du liest aus einer Bibel, die den göttlichen Namen enthält, Psalm 83:18 vor. Würdest du den Nachdruck allein auf die Aussage „der Höchste“ legen, könnte deinem Gegenüber die eigentlich offensichtliche Tatsache entgehen, dass Gott einen Eigennamen hat. Du müsstest den Namen „Jehova“ betonen. Verwendest du dagegen denselben Bibeltext in einem Gespräch über Jehovas Souveränität, müsstest du vor allem den Ausdruck „der Höchste“ hervorheben. Ähnlich verhält es sich, wenn du anhand von Jakobus 2:24 zeigen möchtest, wie wichtig es ist, den Glauben mit Taten zu verbinden. Hebst du „gerechtgesprochen“ stärker hervor als „Werke“, werden einige der Zuhörer womöglich gar nicht begreifen, worum es geht.
Ein anderes aufschlussreiches Beispiel liefert Römer 15:7-13. Die Verse sind einem Brief entnommen, den der Apostel Paulus an eine Versammlung schrieb, die aus Nichtjuden und natürlichen Juden bestand. Wie der Apostel darin erörterte, sollte Christi Dienst nicht nur beschnittenen Juden zugute kommen, sondern auch Menschen von den Nationen, damit „die Nationen Gott um seiner Barmherzigkeit willen verherrlichen mögen“. Dann zitierte Paulus vier Schriftstellen, die auf jene Möglichkeit hinwiesen, die den Nationen geboten wurde. Wie müsstest du nun diese Zitate vorlesen, um den Gedanken hervorzuheben, den Paulus im Sinn hatte? Wenn du dir die Aussagen kennzeichnest, die zu betonen sind, wäre das in Vers 9 „Nationen“, in Vers 10 „ihr Nationen“, in Vers 11 „all ihr Nationen“ und „alle Völker“ sowie in Vers 12 „Nationen“. Versuche, Römer 15:7-13 mit dieser Betonung zu lesen. Wenn du das tust, wird die gesamte Beweisführung des Paulus klarer und leichter zu verstehen sein.
Möglichkeiten der Betonung. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sinntragende Wörter, die du hervorheben möchtest, zu betonen. Die von dir gewählte Möglichkeit muss allerdings zu dem Bibeltext oder zum Rahmen der Darlegung passen. Es folgen einige Empfehlungen.
Betonung durch die Stimme. Darunter fällt jede Veränderung der Stimme, durch die sinntragende Wörter aus dem übrigen Satz herausgehoben werden. Betonung kann gegebenenfalls durch ein Variieren der Lautstärke erreicht werden — indem man sie entweder erhöht oder vermindert. In vielen Sprachen wird Nachdruck durch eine Veränderung der Stimmlage bewirkt. Es gibt allerdings Sprachen, in denen das zur völligen Bedeutungsänderung eines Wortes führen würde. Wird ein langsameres Sprechtempo gewählt, verleiht man wichtigen Ausdrücken dadurch größeres Gewicht. In Sprachen, die keine stimmliche Betonung zur Hervorhebung bestimmter Wörter zulassen, müssen die sprachüblichen Mittel angewandt werden, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen.
Eine Pause. Sie kann gemacht werden, entweder bevor der ausschlaggebende Teil eines Bibeltextes vorgelesen wird oder aber danach — vielleicht auch an beiden Stellen. Eine Pause unmittelbar vor einem Hauptgedanken weckt Erwartung; eine Pause danach vertieft den erzielten Eindruck. Bei zu vielen Pausen ragt allerdings nichts mehr heraus.
Wiederholung. Einem bestimmten Gedanken kann dadurch Nachdruck verliehen werden, dass innegehalten und das Wort oder die Wendung noch einmal gelesen wird. Dabei empfiehlt es sich häufig, den Text zunächst ganz zu lesen und den entscheidenden Punkt erst anschließend zu wiederholen.
Gesten. Durch die Körperbewegung sowie durch den Gesichtsausdruck kann einem Wort oder einem Ausdruck häufig zusätzliches Gefühl verliehen werden.
Klang der Stimme. In einigen Sprachen müssen gewisse Wörter in einem bestimmten Ton gelesen werden, der für ihre Bedeutung entscheidend ist und sie hervorhebt. In solchen Fällen gilt es allerdings, recht vorsichtig zu sein, vor allem bei etwaigen sarkastischen Bemerkungen.
Wenn andere etwas vorlesen. Liest ein Hausbewohner einen Bibeltext vor, betont er womöglich die verkehrten Wörter oder überhaupt nichts. Was kannst du dann tun? Im Allgemeinen ist es das Beste, die Bedeutung des Textes klarzustellen, wenn du die Anwendung zeigst. Im Anschluss daran kannst du die Aufmerksamkeit direkt auf die sinntragenden Wörter im Bibeltext lenken.
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Bibeltexte korrekt anwendenNutze die Belehrung der Theokratischen Predigtdienstschule
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LERNEINHEIT 22
Bibeltexte korrekt anwenden
ANDERE zu lehren beschränkt sich nicht darauf, Bibelverse vorzulesen. Der Apostel Paulus schrieb an seinen Gefährten Timotheus: „Tu dein Äußerstes, dich selbst Gott als bewährt darzustellen, als ein Arbeiter, der sich wegen nichts zu schämen hat, der das Wort der Wahrheit recht handhabt“ (2. Tim. 2:15).
Dementsprechend müssen unsere Erklärungen zu Bibeltexten mit dem übereinstimmen, was die Bibel tatsächlich lehrt. Das erfordert, den Zusammenhang zu berücksichtigen, statt einfach nur Aussagen auszuwählen, die uns gefallen, und unsere eigenen Ansichten dazu zu äußern. Jehova ließ durch Jeremia vor Propheten warnen, die vorgaben, „aus dem Mund Jehovas“ zu reden, in Wirklichkeit jedoch die „Vision ihres eigenen Herzens“ darlegten (Jer. 23:16). Der Apostel Paulus warnte Christen davor, Gottes Wort mit menschlichen Philosophien zu verunreinigen, als er schrieb: „Wir haben uns von den hinterhältigen Dingen losgesagt, deren man sich zu schämen hat, indem wir nicht mit List wandeln noch das Wort Gottes verfälschen.“ Damals streckten unehrliche Weinhändler ihren Wein, um so mehr Gewinn zu machen. Uns liegt es fern, Gottes Wort zu verfälschen, indem wir es mit menschlichen Philosophien vermischten. „Wir hausieren nicht mit dem Wort Gottes wie viele Menschen“, verkündete Paulus, „sondern in Aufrichtigkeit, ja als von Gott gesandt reden wir vor Gottes Augen in Gemeinschaft mit Christus“ (2. Kor. 2:17; 4:2).
Bestimmt zitierst du manchmal einen Bibeltext, um einen Grundsatz herauszustellen. Die Bibel ist voll von Grundsätzen, die einem vernünftige Anleitung geben, um mit den verschiedensten Umständen fertig zu werden (2. Tim. 3:16, 17). Achte jedoch darauf, einen Bibeltext korrekt anzuwenden und ihn nicht nur so zurechtzubiegen, dass er etwas auszusagen scheint, was du gern hineindeuten möchtest (Ps. 91:11, 12; Mat. 4:5, 6). Die Anwendung muss im Einklang mit Jehovas Vorsatz sein und mit Gottes Wort als Ganzem übereinstimmen.
‘Das Wort der Wahrheit recht zu handhaben’ schließt auch ein, den Geist biblischer Aussagen zu erfassen. Die Bibel darf nicht als „Knüppel“ dienen, mit dem man andere einschüchtert. Religiöse Lehrer, die sich Jesus Christus widersetzten, zitierten zwar aus den Schriften, aber sie verschlossen ihre Augen vor den wichtigeren Dingen, die Gott fordert — Dinge, die mit Recht, Barmherzigkeit und Treue zu tun haben (Mat. 22:23, 24; 23:23, 24). Wenn Jesus anhand des Wortes Gottes lehrte, spiegelte er dabei die Persönlichkeit seines Vaters wider. Jesu Eifer für die Wahrheit war gepaart mit tiefer Liebe zu denjenigen, die er lehrte. Ahme sein Beispiel nach (Mat. 11:28).
Wie kannst du sicher sein, dass du einen Bibeltext korrekt anwendest? Das regelmäßige Bibellesen wird dir dabei eine Hilfe sein. Schätze unbedingt auch den von Jehova eingesetzten „treuen und verständigen Sklaven“, die Gruppe der geistgesalbten Christen, durch die er den Haushalt des Glaubens mit geistiger Speise versorgt (Mat. 24:45). Durch das persönliche Studium sowie den regelmäßigen Besuch der Zusammenkünfte und die Beteiligung daran kannst du aus der Unterweisung Nutzen ziehen, für die die Klasse des treuen und verständigen Sklaven sorgt.
Gibt es das Buch Unterredungen anhand der Schriften in deiner Sprache? Mache dich gut damit vertraut. Dann steht dir die nötige Anleitung zur Verfügung, um Hunderte von Bibeltexten, die öfter auch im Predigtdienst gebraucht werden, korrekt anzuwenden. Möchtest du einen weniger bekannten Vers verwenden, wirst du nötigenfalls in aller Bescheidenheit nachforschen, damit du das Wort der Wahrheit recht handhabst, wenn du dich zu dem Text äußerst (Spr. 11:2).
Die Anwendung verständlich machen. Achte darauf, dass Personen, die du lehrst, die Verbindung zwischen dem behandelten Thema und den von dir verwendeten Bibeltexten deutlich erkennen. Leitest du mit einer Frage zu einem Bibeltext über, sollten die Zuhörer aus dieser bereits ersehen, inwiefern der Bibeltext sie beantwortet. Verwendest du einen Bibeltext, um eine bestimmte Aussage zu untermauern, vergewissere dich, ob demjenigen, den du lehrst, einleuchtet, inwiefern der Text das Argument stützt.
Meistens genügt es nicht, den Bibeltext einfach nur vorzulesen — selbst wenn es mit richtiger Betonung geschieht. Bedenke, dass der Durchschnittsbürger mit der Bibel nicht vertraut ist. Deshalb wird er wahrscheinlich gar nicht verstehen, worauf es ankommt, wenn du ihm etwas nur einmal vorliest. Lenke die Aufmerksamkeit daher auf den Teil des Textes, der sich direkt auf euer Gesprächsthema bezieht.
In der Regel müssen dafür die Schlüsselwörter herausgearbeitet werden, Wörter, die direkten Bezug zu dem Besprochenen haben. Das Einfachste ist, diese sinntragenden Wörter zu wiederholen. Einem Gesprächspartner könntest du durch Fragen helfen, die Schlüsselwörter zu erkennen. In einer Darlegung vor einer Zuhörerschaft gebrauchen manche Redner zu diesem Zweck lieber Synonyme oder sie formulieren den Gedanken etwas um. Falls du dich dafür entscheidest, achte sorgfältig darauf, dass die Zuhörer nicht die Verbindung zwischen dem besprochenen Gedanken und der Formulierung im Bibeltext aus den Augen verlieren.
Sind die Schlüsselwörter erst einmal klar herausgearbeitet, ist eine gute Grundlage gelegt. Bau jetzt darauf auf. Hattest du den Bibeltext mit einem deutlichen Hinweis eingeführt, weshalb du ihn verwendest? Wenn ja, dann führe aus, inwiefern sich die hervorgehobenen Wörter auf das beziehen, wofür du bei den Zuhörern Erwartung geweckt hattest. Zeige deutlich, worin die Verbindung besteht. Selbst wenn die Einleitung zu dem Text nicht so ausführlich war, solltest du anschließend noch kurz auf ihn eingehen.
Die Pharisäer stellten Jesus die ihrer Ansicht nach schwierige Frage: „Ist es einem Mann erlaubt, sich von seiner Frau aus jedem beliebigen Grund scheiden zu lassen?“ Jesus stützte seine Antwort auf 1. Mose 2:24. Beachte, dass er die Aufmerksamkeit nur auf einen Teil des Textes lenkte und anschließend die entsprechende Anwendung zeigte. Er wies darauf hin, dass Mann und Frau „e i n Fleisch“ werden, und folgerte: „Was also Gott zusammengejocht hat, bringe kein Mensch auseinander“ (Mat. 19:3-6).
Wie umfangreich sollte eine Erklärung sein, um die Anwendung eines Bibeltextes verständlich zu machen? Das hängt von der Zusammensetzung der Zuhörerschaft ab und davon, wie wichtig der besprochene Gedanke ist. Sei aber stets darauf bedacht, einfach und direkt vorzugehen.
Unterredungen anhand der Schriften führen. In Verbindung mit dem Dienst des Apostels Paulus in Thessalonich heißt es in Apostelgeschichte 17:2, 3, dass er Unterredungen anhand der Schriften führte. Jeder Diener Jehovas sollte versuchen, sich diese Fähigkeit zu erarbeiten. Paulus legte beispielsweise Tatsachen dar, die das Leben und Wirken Jesu betrafen; er zeigte, dass diese in den Hebräischen Schriften vorausgesagt worden waren, und zog daraus den zwingenden Schluss: „Dieser ist der Christus, dieser Jesus, den ich euch verkündige.“
In seinem Brief an die Hebräer zitierte Paulus wiederholt aus den Hebräischen Schriften. Um einen Gedanken hervorzuheben oder genauer zu erklären, griff er häufig ein Wort oder einen kurzen Ausdruck heraus und erläuterte dann dessen Bedeutung (Heb. 12:26, 27). Paulus führte in seiner Abhandlung, die wir in Hebräer, Kapitel 3 finden, ein Zitat aus Psalm 95:7-11 an. Beachte, dass er anschließend drei Punkte eingehender betrachtete, nämlich 1. die Bezugnahme auf das Herz (Heb. 3:8-12), 2. die Bedeutung des Wortes „heute“ (Heb. 3:7, 13-15; 4:6-11) und 3. die Bedeutung der Aussage: „Sie sollen nicht in meine Ruhe eingehen“ (Heb. 3:11, 18, 19; 4:1-11). Ahme beim Anwenden von Bibeltexten sein Beispiel nach.
Mache dir anhand des Berichts in Lukas 10:25-37 bewusst, wie erfolgreich Jesus Unterredungen anhand der Schriften führte. Ein Mann, der im Gesetz bewandert war, fragte ihn: „Lehrer, was soll ich tun, um ewiges Leben zu erben?“ In seiner Erwiderung forderte Jesus den Mann zunächst auf, selbst dazu Stellung zu nehmen. Anschließend hob Jesus hervor, wie wichtig es ist, das zu tun, was in Gottes Wort gesagt wird. Als deutlich wurde, dass der Mann nicht verstand, worum es ging, besprach Jesus ein einziges Wort des Bibeltextes ganz ausführlich — das Wort „Nächster“. Statt es lediglich zu definieren, erzählte er ein Gleichnis, damit der Mann selbst die richtige Schlussfolgerung ziehen konnte.
Beantwortete Jesus Fragen, zitierte er also nicht einfach Schrifttexte, die eine direkte, offensichtliche Antwort enthielten. Er analysierte die Aussagen der Schrifttexte und zeigte dann, wie sie auf die gestellten Fragen anzuwenden waren.
Als die Sadduzäer die Auferstehungshoffnung in Zweifel zogen, richtete Jesus die Aufmerksamkeit auf einen bestimmten Teil von 2. Mose 3:6. Er ließ es aber nicht dabei bewenden, den Bibeltext zu zitieren, sondern besprach ihn, um deutlich zu zeigen, dass die Auferstehung ein Teil des Vorsatzes Gottes ist (Mar. 12:24-27).
Die Fähigkeit, korrekt und wirkungsvoll anhand der Bibel zu argumentieren, ist ein wichtiges Erfordernis für einen geschickten Lehrer.
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