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Terrorismus — Wer ist davon betroffen?Erwachet! 1987 | 8. Januar
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Terrorismus — Wer ist davon betroffen?
Die Zeitschrift Erwachet! mischt sich nicht in die Politik ein. Sie ist neutral, was die politischen Konflikte der Welt betrifft. Doch sie geht dem aktuellen Geschehen auf den Grund und weist in Übereinstimmung mit ihrem Zweck auf die wahre Bedeutung der Ereignisse hin. Deshalb untersucht Erwachet! die Motive des Terrorismus, wobei sie die Meinung von Experten auf diesem Gebiet beleuchtet. Es bleibt dem Leser überlassen, eigene Schlußfolgerungen zu ziehen.
„Heute sind die Straßen der Großstädte, die Flughäfen und die Militärstützpunkte zum Schlachtfeld geworden, da terroristische Gruppen und einzelne Attentäter versuchen, ihre politischen Ziele durchzusetzen.“
„Von 1973 bis 1984 ist es weltweit zu mehr als 5 000 Terrorakten gekommen, bei denen es über 4 000 Tote und doppelt so viele Verletzte gab.“
„In den vergangenen fünfzehn Jahren sind Diplomaten aus 113 Ländern Zielscheibe von Terroranschlägen gewesen, die in 128 verschiedenen Ländern verübt wurden“ (Fighting Back—Winning the War Against Terrorism [Zurückschlagen — den Krieg gegen den Terrorismus gewinnen]).
BIST du vom Terrorismus betroffen? Hast du aus Angst vor Terroristen 1986 irgendwelche Reisepläne geändert oder rückgängig gemacht? Der Terrorismus ist heute — bewußt oder unbewußt — ein Streßfaktor im Leben vieler. Yitzhak Rabin, Israels Verteidigungsminister, schreibt: „Die Angst vor dem Terrorismus ist für viele Menschen in der ganzen Welt etwas Alltägliches geworden.“ Es ist anzunehmen, daß auch du für die durch den Terrorismus entstehenden Kosten mit aufkommen mußt. Inwiefern? Ein Teil deiner Steuern wird wahrscheinlich dafür verwendet, die höheren Kosten für verbesserte Sicherheit und größere Alarmbereitschaft zu decken, die viele Regierungen wegen der terroristischen Bedrohung nicht scheuen.
Nordirland und der Nahe Osten leben seit Jahrzehnten mit dem Terrorismus. In den letzten Jahren hat der Terrorismus in vielen europäischen sowie mittel- und südamerikanischen Ländern Spuren hinterlassen. Durch das Fernsehen, den Rundfunk und die Presse sind wir alle über die Gewalttätigkeit der Terroristen unterrichtet worden. Der Terror ist fast wie das tägliche Brot. Bombenanschläge, Morde und Entführungen sind so häufig, daß man womöglich schon abgestumpft ist. Als Folge davon scheint das Unnormale normal zu sein und das Undenkbare denkbar, und in einigen Ländern, wie zum Beispiel im Libanon, wird das Unerträgliche ertragen.
Ja, der Terrorismus gehört zum heutigen Leben — die Medien berichten regelmäßig darüber, wodurch die Namen von führenden Terroristen und von terroristischen Vereinigungen zu Begriffen geworden sind. Der Terrorismus ist heute eine Geißel der ganzen Menschheit. (Siehe die Karte auf Seite 5.)
Was ist Terrorismus?
Man sollte meinen, es sei nicht schwer, zu erklären, was ein Terrorist ist. Doch das hängt ganz davon ab, auf welcher Seite man steht. Sind die Rebellen in El Salvador Terroristen, oder sind sie die „nationale Befreiungsbewegung eines Volkes“? Sind die contras in Nicaragua Terroristen oder „Freiheitskämpfer“? Mit dem Terrorismus ist es wie mit der Schönheit — es kommt auf die Betrachtungsweise des einzelnen an. Durch die politische Überzeugung kann eine Definition verzerrt werden.
Benjamin Netanyahu, der israelische Botschafter bei den Vereinten Nationen, definiert Terrorismus wie folgt: „Die vorsätzliche und systematische Bedrohung, Verstümmelung und Ermordung Unschuldiger, um durch Verängstigung politische Ziele zu erreichen“ (Terrorism—How the West Can Win [Terrorismus — Wie der Westen gewinnen kann]). Sam Sarkesian von der Loyola-Universität in Chicago sagt, Terrorismus sei „gewöhnlich durch verschiedene Taktiken gekennzeichnet, wie zum Beispiel Mordanschläge, Flugzeugentführungen, Menschenraub, Sabotage und Angriffe auf ‚Unschuldige‘, um eine dritte Gruppe zu beeinflussen. Terrorismus heißt, kurz gesagt, der Bevölkerung Angst einzujagen, um das bestehende System zu zwingen, den Forderungen und/oder Zielen der Terroristen nachzugeben“ (Hydra of Carnage [Hydra des Gemetzels]).
Andererseits schreibt der katholische Priester und Theologe James T. Burtchaell: „Terrorismus ist der Krieg der Verzweifelten. ... [Er] ist immer die Gebärde derer, die sich im Nachteil fühlen“ (Fighting Back).
Von welcher Seite man den Terrorismus auch betrachtet, gewöhnlich bedeutet er Gewalt und den Tod Unschuldiger. Jan Schreiber sagt in seinem Buch The Ultimate Weapon—Terrorists and World Order (Die letzte Waffe — Terroristen und Weltordnung): „Eine terroristische Vereinigung operiert wie eine Armee auf entmenschlichte Weise und macht Greueltaten zu etwas Alltäglichem.“
Kein neues Phänomen
Zwar ist der Terrorismus schon jahrhundertealt, doch als politisches Druckmittel ist er besonders in den vergangenen Jahrzehnten benutzt worden. Im Jahre 1945, als es offenkundig war, daß die britische Labour-Regierung Palästina nicht an die Juden abtreten würde, kamen terroristische Vereinigungen auf, darunter „die ‚Etzel‘ genannte ‚Nationale Militärorganisation‘ (Irgun Zvai Leumi) und die ‚Kämpfer für die Freiheit Israels‘ (Lohamei Herut Jisrael) [auch Lehi oder Sternbande genannt]. Am 22. Juli sprengte Etzel einen Flügel des Hotels ‚König David‘ in Jerusalem in die Luft, in dem sich die Büros der britischen Verwaltung befanden. Fast hundert Juden, Briten und Araber kamen dabei ums Leben“ (Die Juden in ihrem Land von David Ben Gurion).
Seit den 60er Jahren hat der Terrorismus Auftrieb erhalten, besonders in Verbindung mit dem Problemkreis Israel, palästinensische Flüchtlinge und arabische Staaten.
Der Terrorismus beschränkt sich jedoch nicht auf Nordirland und den Nahen Osten. In Spanien sind es die baskischen ETA-Terroristen, in Indien sind die Sikh-Separatisten am Werk, Sri Lanka ist wegen der militanten Tamilen von Unruhen zerrissen, und in Peru sind es die maoistischen Kämpfer, die sich Sendero Luminoso (Leuchtender Pfad) nennen. In der sogenannten demokratischen Welt scheint die Liste endlos zu sein.
Aber warum sind die demokratischen Länder derart davon betroffen? Und worin bestehen die wirklichen Ursachen des Terrorismus? Sind Terroristen einfach nur unterdrückte Gruppen, die Gerechtigkeit und Wiedergutmachung erwirken wollen? Oder steckt mehr dahinter? Wird sich der Terrorismus nie ausrotten lassen? In den folgenden Artikeln werden diese und andere Fragen behandelt.
[Karte auf Seite 5]
(Genaue Textanordnung in der gedruckten Ausgabe)
Einige Länder, die in letzter Zeit in bezug auf Terrorismus für Schlagzeilen gesorgt haben
Großbritannien
Nordirland
Bundesrepublik Deutschland
Frankreich
Spanien
Italien
Türkei
Libanon
Israel
Afghanistan
Bangladesch
Indien
Sri Lanka
Japan
Südkorea
Philippinen
Angola
Südwestafrika
Südafrika
Vereinigte Staaten
El Salvador
Nicaragua
Panama
Venezuela
Kolumbien
Peru
Argentinien
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Terrorismus — Was steckt dahinter, und warum?Erwachet! 1987 | 8. Januar
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Terrorismus — Was steckt dahinter, und warum?
„LONDON, 17. April — Während einer Protestdemonstration gegen die Regierung Muammar Al Kadhdhafis beharkten Maschinengewehre von der libyschen Botschaft aus die Menge. Eine Polizistin wurde getötet, und 10 Menschen wurden verletzt“ (New York Times).
„Gut sichtbar schossen die bewaffneten Männer aus einem offenen Fenster und durchlöcherten die Demonstranten mit Maschinengewehrfeuer ... Die unbewaffnete Polizistin wurde in den Rücken getroffen. ... Zehn Tage nach diesem grausigen Vorfall gewährte die britische Regierung den Mördern mitsamt ihren mörderischen Waffen freies Geleit aus dem Land“ (Terrorism—How the West Can Win).
Als Botschaftsangehörige genossen sie den Schutz diplomatischer Immunität.
WARUM wenden sich sowohl einzelne als auch Gruppen dem Terrorismus zu? Wer wird hauptsächlich angegriffen? Was wird durch den Terrorismus erreicht?
Einige vertreten den Standpunkt, daß der Terrorismus ein Symptom ist, das eine Vielzahl rassischer, sozialer und politischer Ungerechtigkeiten anzeigt. Der katholische Priester und Theologe James T. Burtchaell sagt: „Zum Teil wird der Terrorismus von ethnischen und/oder religiösen (und gewöhnlich sozialen) Minderheiten verübt, die Autonomie fordern: die Basken in Spanien, die Katholiken in Ulster und die Huk auf den Philippinen. ... Zum Teil machen Regierungen davon Gebrauch, die sich durch die Unzufriedenheit der Mehrheit bedroht fühlen ... Zum Teil ist der Terrorismus das Wagnis einer nationalen Minderheit, die die Regierung übernehmen will.“
Wenden sich aber nur Minderheiten dem Terrorismus zu? J. T. Burtchaell fährt fort: „Zum Teil wird der Terrorismus von Regierungen gefördert, die die Regierung eines anderen, unkooperativen Staates in Mißkredit bringen, erschüttern oder stürzen wollen“ (Fighting Back).
Andere Kommentatoren sind der Meinung, man könne die Motive des Terrorismus unterschiedlich auslegen, je nachdem welche politischen Sympathien man habe. Wenn Ungerechtigkeiten begangen werden, so argumentieren einige, und die Menschen kein legales Mittel haben, Wiedergutmachung zu erwirken, ist der Terror für sie die einzige Lösung. Wieder andere sehen im Terrorismus eine Strategie gegen die westlichen Demokratien, inspiriert und manipuliert von der gegensätzlichen politischen Ideologie. Wir möchten nun einige Fakten untersuchen sowie verschiedene Meinungen zu diesem komplexen Problem.
Warum der Terror in Nordirland?
Wie die Autoren des Buches Northern Ireland—The Divided Province (Nordirland — die geteilte Provinz) erklären, wurden vor über 350 Jahren britische Protestanten, darunter viele aus Schottland, auf irisch-katholischem Boden angesiedelt, was einen Zusammenprall der Kulturen mit sich brachte und später zur Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt führte. In dem Buch heißt es: „Die Protestanten Nordirlands gelangten zumeist während des 17. Jahrhunderts dorthin — ein Prozeß, der 1607 begann und als die ‚Ansiedlung‘ von Ulster bekannt ist. Dadurch wurde schließlich die britische Herrschaft über die gesamte Insel Irland gesichert.“ Die britische Herrschaft war jahrhundertelang Grund zu Bitterkeit und Gewalt.
Im Jahre 1921 wurde der katholische irische Freistaat (Éire) gegründet, und die sechs mehrheitlich protestantischen Grafschaften im Nordosten wurden abgetrennt und bildeten Nordirland. Vom irisch-nationalistischen Standpunkt aus betrachtet, wurde dadurch das Land gespalten. Seit diesem Zeitpunkt kämpft die illegale IRA (Irisch-Republikanische Armee) für die Wiedervereinigung des Landes — wogegen sich die Protestanten entschieden wehren. Warum? Weil sie nicht unter eine Herrschaft kommen wollen, die sie als „katholische papistische Regierung“ in Dublin empfinden.
In einem Bericht über die unlängst in Irland durchgeführte Abstimmung über das Scheidungsverbot, das mit einer 3:2-Mehrheit aufrechterhalten wurde, faßt die New York Times den protestantischen Standpunkt treffend zusammen. Es heißt: „Politiker in Nordirland, die gegen jegliche Verbindung mit der Republik sind, gehörten zu den ersten, die das Ergebnis der Abstimmung als Gradmesser für die ‚vollkommene Gewalt‘ brandmarkten, die von der römisch-katholischen Kirche in der irischen Republik ausgeübt wird.“
Die IRA ist gegenwärtig in zwei Flügel gespalten — die „Offiziellen“ und die „Provisorischen“ („Provos“). Wie Thomas E. Hachey, Professor für Geschichte, schreibt, „ist die offizielle IRA für einen gesamtirischen Staat, eine sozialistische Republik mit zweiunddreißig Counties. ... Die Provos befürworten eine föderative Lösung und eine föderative Verfassung für Irland“ (The Rationalization of Terrorism [Die Rationalisierung des Terrorismus]). Wie ernst es den „Provos“ mit ihren Zielen ist, zeigte sich 1984, als sie in einem Brightoner Hotel eine Zeitbombe legten und die britische Premierministerin Margaret Thatcher und ihr Kabinett beinahe umgekommen wären.
Trotz der religiösen, politischen und ethnischen Faktoren bleiben einige Fragen: Stecken hinter dem Terrorismus noch tiefere Motive? In welchem Ausmaß sind die Großmächte beteiligt?
Die Motive des Terrorismus
Die meisten arabischen Terroristenvereinigungen rechtfertigen ihre Aktionen mit dem Hinweis auf die Not der palästinensischen Flüchtlinge, die ihre Heimat Palästina verloren haben, als 1948 der Staat Israel gegründet wurde. Im Laufe der Jahrzehnte haben sich die Gemüter so sehr erhitzt, daß das Ziel arabischer Terroristen heute nicht nur ein eigenes Heimatland ist, sondern etwas weit Unheilvolleres für die Juden — die Zerschlagung Israels. Woher weiß man das?
Folgendes Zitat stammt aus einem „offenen Brief“ von Hisb Allah („Partei Gottes“), einer schiitischen Gruppe, die im Nahen Osten operiert:
„Unsere Söhne befinden sich nun in einem Stadium sich zuspitzender Konfrontation mit ihren Feinden [Israel, Vereinigte Staaten, Frankreich und die (libanesische) Phalanx], bis folgende Ziele erreicht sind:
Israels endgültiger Abzug aus dem Libanon vor seiner Zerschlagung und die Befreiung des ehrwürdigen Jerusalem aus den Klauen der Besatzung“ (Hydra of Carnage).
Andererseits werden viele Terrorakte von „Märtyrern“ verübt, die von dem iranischen Ajatollah Khomeini und seiner Philosophie beeinflußt sind. Seine Denkweise kommt in folgenden aus dem Buch Sacred Rage (Heiliger Zorn) zitierten Worten zum Ausdruck: „Die Regierungen der Welt sollen wissen, daß der Islam nicht besiegt werden kann. Der Islam wird in allen Ländern der Welt siegreich sein, und der Islam mit seinen aus dem Koran stammenden Lehren wird in der ganzen Welt vorherrschen.“
Diese Ansicht veranlaßte ihn zu folgendem Schluß: „Wir haben dann in Wirklichkeit keine andere Wahl, als diese Regierungssysteme zu vernichten, die durch und durch korrupt sind, ... und alle verräterischen, korrupten, bedrückenden und kriminellen Regime zu stürzen. Das ist die Pflicht, die alle Moslems erfüllen müssen.“
Bei anderen Terroristen besteht die Triebkraft darin, einen revolutionären Sozialismus aufzurichten und den Kapitalismus niederzureißen. Jan Schreiber sagt in seinem Buch The Ultimate Weapon—Terrorists and World Order: „Im allgemeinen wird Ausbeutung mit Kapitalismus gleichgesetzt, und der Kapitalismus wird, ob durch Demokratie abgeschwächt oder nicht, mit Faschismus gleichgesetzt.“ Ein japanischer Befürworter des Terrorismus erklärt: „Was wir in dieser Welt nie akzeptieren werden, ist das vom Kapitalismus verursachte Faktum, daß Menschen andere Menschen ausbeuten. Und das ist das Motiv für unsere Bereitschaft zu kämpfen.“
Manche hingegen sehen Terroristen in einem anderen Licht. Der israelische Botschafter Benjamin Netanyahu schreibt: „Terrorismus ist nicht die automatische Folge irgendeines Tatbestandes. Er ist eine Alternative, eine schlechte Alternative.“ Seine Schlußfolgerung: „Die tiefere Ursache des Terrorismus sind nicht Mißstände, sondern es ist die Neigung zu ungezügelter Gewalt. Diese führt zu der Weltanschauung, bestimmte ideologische und religiöse Ziele würden das Ablegen aller moralischen Hemmungen rechtfertigen, ja sogar fordern“ (Terrorism—How the West Can Win).
Aber warum ist unsere moderne Gesellschaft so plötzlich das Opfer des Terrorismus geworden?
Eine verwundbare Gesellschaft
Neil Livingstone, ein US-Experte für Terrorismus, schreibt: „Da unsere Welt immer urbaner und komplexer geworden ist, sind wir dementsprechend immer anfälliger geworden für Anschläge kleiner Gruppen oder auch einzelner, die sich darauf konzentrieren, das Leben der Mehrheit zu zertrümmern oder ihr ihren Willen aufzudrängen.“ Warum ist unsere Gesellschaft so anfällig für terroristische Aktionen? „Unsere verwundbaren Lebensadern — Wasser, Energie, Transport, Kommunikation und sanitäre Einrichtungen — sind raffinierten Terroristen und Saboteuren auf Gedeih und Verderb ausgeliefert“ (Hydra of Carnage).
Da unsere Versorgungssysteme so empfindlich sind, kann ein einziger Terrorist heute dieselbe Macht ausüben wie in alter Zeit eine ganze Armee. Neil Livingstone fügt hinzu: „Als Folge des technischen Fortschrittes ... kann ein einziger Mensch über mehr Tötungstechnik verfügen denn je. Ein einzelner im Zeitalter der Technik entspricht womöglich einer Armee ... [der alten Zeit], als die Hauptkriegswaffen Schwert, Bogen und Speer waren. Das ist einer der Hauptgründe, warum Terroristen für die heutige Welt eine so große Bedrohung darstellen.“
Die moderne Gesellschaft ist auch durch die sofortige Wirkung der Nachrichten sehr verwundbar geworden. Durch das Fernsehen wird die Macht des Terrorismus um ein Vielfaches größer. Der Terrorist wünscht sich internationale Publizität für seine Sache — und dank der Medien erhält er sie.
Noch vor einem Jahrhundert dauerte es Tage, bis eine Nachricht um die Welt gegangen war. Heute ist die Nachrichtenverbreitung Momentsache. In einigen Fällen kann sich der Terrorist sogar auf dem Bildschirm seine Rolle spielen sehen. Oft weiß er, was die andere Seite unternimmt, während er sich nicht in die Karten schauen läßt. Jan Schreiber geht so weit, zu sagen, daß das „Bemühen, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich zu lenken“, die „durchweg erfolgreichste Taktik der Terroristen“ sei.
Aber gibt es noch irgendwelche anderen Gründe dafür, daß der Terrorismus weiterhin um sich greift?
Terrorismus und zwei gegensätzliche Ideologien
Zwei Experten auf dem Gebiet des Terrorismus vermitteln kaum Hoffnung für die Zukunft, denn sie schreiben: „Der Terrorismus wird nicht verschwinden. Kleine, schwache Staaten haben entdeckt, daß er ihre politische Macht außerordentlich vergrößern kann, und da sie so sehr von Engpässen geplagt sind, werden sie den Terrorismus als politisches und militärisches Werkzeug kaum aufgeben.“ Gleichzeitig, so fügen sie hinzu, betrachten es einige Großmächte als vorteilhaft, mit Hilfe des Terrorismus eine Art Ersatzkrieg zu führen. „Größere, stärkere Staaten haben im Gegensatz dazu entdeckt, daß beauftragte Terroristen ihnen helfen können, ihre nationalen Ziele zu erreichen, ohne daß sie das Risiko eingehen, das mit anderen Arten der Kriegführung verbunden ist“ (Fighting Back).
Könnte ein Teil oder der Großteil des Weltterrorismus darauf zurückzuführen sein, daß die stärkeren Staaten erkannt haben, daß der Terrorismus ihnen helfen kann, ihre Ziele zu erreichen? Jan Schreiber sagt: „Enthüllungen Mitte der 70er Jahre bestätigten, was nüchterne Beobachter schon lange wußten, ohne Beweise dafür zu haben, nämlich daß die beiden dominierenden Ideologien der Welt alle Mittel, fair oder unfair, eingesetzt hatten und wahrscheinlich weiterhin einsetzen würden, um ihre Feinde zu vernichten und die Vormachtstellung zu erlangen oder zu halten.“
Dieser Zusammenprall der Ideologien tritt in einer Rede des Sowjetführers Gorbatschow zutage, in der er erklärte: „Es muß kristallklar sein, daß die internationalen Beziehungen nur auf eine normale Zusammenarbeit hingelenkt werden können, wenn die Imperialisten ihre Versuche aufgeben, die historische Streitfrage zwischen den beiden sozialen Systemen durch militärische Mittel zu lösen“ (A Time for Peace).
Auch andere erkennen dieses internationale „Schachspiel“ zwischen den beiden Großmächten. Zum Beispiel schreibt Robin Wright in ihrem Buch Sacred Rage: „Militante Moslems denken außerdem, daß die Vereinigten Staaten den Nahen Osten in erster Linie als Gebiet ansehen, in dem sie ihren Machtkampf mit der Sowjetunion austragen können, wobei sie die starken Kräfte, die dort am Werk sind, praktisch außer acht lassen. In einer bipolaren Welt haben die USA kein hörendes Ohr für die verzweifelten Rufe der aufsteigenden dritten Welt nach Anerkennung.“ Anscheinend kommen sich einige kleinere Staaten wie Schachfiguren der widersprüchlichen Ideologien vor.
Westliche Experten halten einen Großteil des Terrorismus für eine Waffe, die eingesetzt wird, um das kapitalistische System zu erschüttern. Der US-Botschafter Robert B. Oakley, ein Kenner des Gegenterrorismus, sagt: „Wenn man nichts unternimmt, wird der zunehmende Terrorismus das System der politischen, wirtschaftlichen und militärischen Beziehungen untergraben, auf das die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten vertrauen, um ihre nationalen und gegenseitigen Interessen zu wahren, zu schützen und zu fördern ... In den vor uns liegenden Jahren müssen wir uns auf wiederholte ernstliche Bedrohungen durch den internationalen Terrorismus gefaßt machen ..., oft unterstützt oder angezettelt von einer Handvoll skrupelloser Regierungen.“
Der US-Botschafter Robert M. Sayre bringt seine Meinung offener zum Ausdruck: „Der Terrorismus ist politisch motiviert, geplant und organisiert. ... Zumeist wird er von Staaten und Vereinigungen mit marxistisch-leninistischer Überzeugung verübt, und die Sowjetunion und ihre Ostblockpartner geben ihnen Rückendeckung und Hilfe“ (Department of State Bulletin).
Terrorismus und biblische Prophezeiungen
Warum ist der Konflikt zwischen den beiden Großmächten mit dem Terrorismus als Instrument für Erforscher der Bibel von besonderem Interesse? Wegen einer bedeutenden Prophezeiung, die in dem Bibelbuch Daniel, Kapitel 11 zu finden ist. Diese Prophezeiung beschreibt einen andauernden Konflikt zwischen zwei Großmächten, dem „König des Nordens“ und dem „König des Südens“. Der „König des Nordens“ wird als atheistisch beschrieben, und es heißt von ihm, er habe den „Gott seiner Väter“ verworfen (Daniel 11:37). Er verherrlicht sich selbst und erweist dem „Gott der Festungen“ oder der Rüstung Ehre. Er handelt wirksam gegen starke Festungen und baut seine Stellung in der Welt aus (Daniel 11:38, 39). Sieht der „König des Südens“ untätig zu, während sein Gegner sich ausdehnt?
Die unheilkündende Prophezeiung lautet: „Und in der Zeit des Endes wird sich der König des Südens mit ihm auf Zusammenstöße einlassen, und gegen ihn wird der König des Nordens mit Wagen und mit Reitern und mit vielen Schiffen anstürmen; und er wird in die Länder gewiß einziehen und sie überfluten und hindurchziehen“ (Daniel 11:40, NW, Stud.). Logischerweise wird der Terrorismus unter seinen verschiedenen Masken heute von beiden Königen in ihrem Kampf um die Vormachtstellung in der Welt eingesetzt.a Daniels Worte deuten an, daß die beiden führenden konkurrierenden Weltmächte nebeneinander bestehen werden, bis Gott durch seinen Krieg von Harmagedon ihrem Machtkampf ein Ende setzt (Offenbarung 16:14-16).
Es bleiben die Fragen: Kann der Mensch allein dem Schrecken des Terrorismus ein Ende machen? Wenn ja, wie und wann? Wenn nein, warum nicht? Im nächsten Artikel werden diese Fragen behandelt.
[Fußnote]
a Weiterer Aufschluß über diese Könige ist in dem von der Wachtturm-Gesellschaft 1960 herausgegebenen Buch „Dein Wille geschehe auf Erden“, Kapitel 11 zu finden.
[Bild auf Seite 7]
Die Motive des Terrorismus stehen zum großen Teil mit der Prophezeiung Daniels über die Zeit des Endes in Verbindung
[Bildnachweis]
Foto: Pacemaker Press Int’l, Belfast
[Bild auf Seite 8]
Der heutige Terrorismus hat von den Nachrichtenmedien wirksamen Gebrauch gemacht
[Bildnachweis]
Foto: Reuters/Bettmann Newsphotos
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Terrorismus — Worin besteht die Lösung?Erwachet! 1987 | 8. Januar
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Terrorismus — Worin besteht die Lösung?
WENN du mit dem Flugzeug reist, siehst du die Folgeerscheinungen des Terrorismus mit eigenen Augen. Sicherheitsüberprüfungen sind auf fast allen internationalen Flughäfen vorgeschrieben. Der Terrorismus kostet Regierungen und Fluggesellschaften ein Vermögen in Form von Sicherheitsmaßnahmen. Bei den Olympischen Spielen in Los Angeles (1984) betrugen die Sicherheitskosten für die US-Regierung etwa 65 Millionen Dollar. Wie wirksam sind solche Maßnahmen?
In mancher Hinsicht zahlen sie sich aus. In den vergangenen 20 Jahren wurden allein in den Vereinigten Staaten rund 35 000 Waffen oder Sprengkörper gefunden und 13 000 Personen verhaftet (Department of State Bulletin). Aufgrund der wohl strengsten Sicherheitsüberprüfungen gingen bei der israelischen Fluggesellschaft El Al die Erfolgschancen für terroristische Aktionen im Luftraum drastisch zurück.
Doch die Regierungen und ihre Organe gehen in Wirklichkeit die Symptome an und nicht die Ursachen. Ihre Behandlung erreicht nicht die Wurzel der Krankheit, die tief in der modernen Gesellschaft sitzt — eine Krankheit, deren Nährboden Haß und Selbstsucht ist. Ungerechtigkeiten und Chancenungleichheit gibt es überall, und sie nehmen überhand — ganz gleich, welche Ideologie maßgebend ist. Wo kann man daher die Lösung finden? Kann die Religion Haß in Liebe verwandeln? Kann die Politik Uneinigkeit in Einheit verwandeln? Können die Vereinten Nationen die Nationen wirklich vereinen? Oder gibt es eine andere Lösung?
Hat die Religion die Lösung?
Die Terrorsituation in Nordirland, die nun schon seit 1969 besteht, hat in dem Land mit rund 1,5 Millionen Einwohnern über 2 000 Menschenleben gefordert, und über 20 000 Menschen wurden verletzt. Die gegnerischen Seiten bekennen sich zu ein und demselben christlichen Erbe, das sich auf die Voraussetzung gründet, daß „Gott Liebe ist“ (1. Johannes 4:8). Doch sowohl auf der katholischen als auch auf der protestantischen Seite geht der Terror weiter. John Hickey schreibt in seinem Buch Religion and the Northern Ireland Problem (Religion und das Nordirland-Problem): „Es ist heute möglich ..., daß man Gefahren oder sogar den Tod hinnehmen muß, nur weil man Katholik oder Protestant ist, ja daß man grausame Vergeltungsmaßnahmen — religiös-fanatische Morde — als Art und Weise akzeptieren muß, wie Nordirland seine spezifische Version vom ‚Gleichgewicht des Schreckens‘ aufrechterhält.“
Derselbe Autor erklärt außerdem: „Bei der Politik in ... [Nordirland] geht es nicht darum, daß die Politik die Religion ausbeutet. ... Es ist eher so, daß die Religion die Politik beeinflußt.“ Und wenn das der Fall ist, handelt es sich um eine Politik der gegenseitigen Vergeltung und des Mordes.
Die meisten Religionen behaupten, als Hauptgrundsatz die Liebe zu lehren. Ein hoher Prozentsatz der Terroristen gehört einer Religion an — viele bekennen sich zum Beispiel zum Christentum, oder sie sind Juden, Moslems, Buddhisten, Hindus oder Sikhs. Aber inwieweit beeinflußt die Religion ihre Handlungen? In seinem Buch The Ultimate Weapon—Terrorists and World Order zitiert Jan Schreiber den IRA-Führer Ruairi O’Bradaigh wie folgt: „Ich war einmal mit einem ziemlich harten Mann zusammen. Wir legten einen Sprengsatz, der unter einem Trupp englischer Soldaten losgehen sollte. ... Tatsächlich, sie waren genau an der richtigen Stelle. Und was tat dieser harte Bursche? Kurz bevor er den Sprengsatz zündete, durch den sie alle in Stücke gerissen werden sollten, schloß er die Augen. Dann bekreuzigte er sich und flüsterte andächtig: ‚Möge sich der Herr ihrer Seelen erbarmen!‘“
Die Religion hat rechtsgerichtete Katholiken in Spanien nicht davon abhalten können, ihre eigene terroristische Vereinigung zu gründen, die Guerrilleros del Cristo Rey (Guerillas Christi, des Königs). Wie die Autoren des Buches The Terrorists schreiben, haben die Guerrilleros „ihr Bestehen sowohl der Religion als auch der Politik zu verdanken“.
Sollte es uns überraschen, daß die Religion darin versagt hat, den Terrorismus einzudämmen? Professor C. E. Zoppo von der Abteilung für Politologie an der Universität von Kalifornien schreibt: „Die organisierten Kirchen im Westen haben, wenn sie mit Gewaltanwendung für politische Zwecke konfrontiert wurden, ihren religiösen Feinden die moralischen Rechte versagt, die sie unter ihren Anhängern förderten, ... und sogar den gegen ‚Ungläubige‘ gerichteten Terrorismus gestattet.“ Im weiteren führt er den Kreuzzug zur Zeit Papst Urbans II. an. Er sagt: „Von dem Kreuzzug erwartete man, daß er den Islam für immer bezwingen würde, und man betrachtete ihn als ‚Krieg, der Kriege beenden sollte‘. Der Islam wurde als Inbegriff aller Kräfte des Bösen angesehen. Ein christlicher Soldat, der einen feindlichen christlichen Soldaten tötete, verdiente sich 40 Tage Ablaß, wohingegen die Tötung eines Moslems ‚vollkommenen Ablaß‘ bedeutete“ (The Rationalization of Terrorism).
Auch andere Religionen betrachten es als Verdienst, einen Ungläubigen zu töten. Sie meinen, dies sei eine Möglichkeit, in ihr himmlisches Paradies Eingang zu finden. Die religiöse Überzeugung kann daher einen Terroristen tatsächlich in seiner Motivation bestärken, zu morden und sogar auf selbstmörderische Weise Sprengsätze zu zünden.
Gibt es eine politische Lösung?
Politische und militärische Experten des Westens haben ihre Methoden im Kampf gegen den Terrorismus, obwohl sie sich in der Anwendung nicht immer einig sind. Die Verfahrensweise der leidtragenden Staaten besteht derzeit darin, Feuer mit Feuer zu bekämpfen. William Casey, Leiter des CIA (US-amerikanischer Geheimdienst), sagt: „Wir können und werden nicht von gewaltsamen Aktionen abstehen, um Terrorakte zu verhindern, ihnen vorzubeugen und darauf zu reagieren, wenn die Umstände Gewaltanwendung erfordern. Viele Länder, einschließlich der Vereinigten Staaten, verfügen über die speziellen Kräfte und Fähigkeiten, die man braucht, um gegen terroristische Vereinigungen einzuschreiten“ (Hydra of Carnage).
Der Angriff der Vereinigten Staaten auf Libyen im April 1986 als Vergeltung für die Bombenexplosion in einer Berliner Diskothek ist ein Beispiel für diese Denkweise. Aber dieser Angriff forderte auch unverzüglich einen Preis — Opfer unter Zivilisten in Libyen, die von den US-Behörden für unvermeidlich gehalten wurden, sowie der Verlust eines US-Flugzeugs mit Besatzung. Terrorismus und Gegenterrorismus fordern außerdem einen versteckten Preis — Ansehen und Glaubwürdigkeit leiden darunter.
Politiker und Militaristen betrachten das als normales Opfer bei dieser Art verdeckter Kriegführung. Benjamin Netanyahu schreibt: „Alle Bürger einer Demokratie, die vom Terrorismus bedroht wird, müssen sich in gewissem Sinne als Soldaten in einer gemeinsamen Schlacht sehen. Sie sollten ihre Regierung nicht unter Druck setzen, vor dem Terrorismus kampflos zu kapitulieren. ... Wenn wir wirklich den Krieg gegen den Terrorismus gewinnen wollen, müssen die Menschen darauf eingestellt sein, Opfer zu bringen und sogar, falls ein Angehöriger das Leben verliert, unermeßliches Leid zu erdulden“ (Terrorism—How the West Can Win).
Kann die Politik folglich die tieferen Ursachen des Terrorismus beseitigen? Kann die Ungerechtigkeit abgeschafft und die Situation entschärft werden? Politische Kommentatoren verneinen dies. Warum? Sie sagen, wie es in dem vorhergehenden Artikel ausgeführt wurde, daß der Terrorismus oft ein Werkzeug ist in dem Konflikt zwischen den beiden großen politischen Systemen. Die Politik erzeugt also Terrorismus.
Der französische Autor und Journalist Jean-François Revel schreibt beispielsweise: „In ihren Manifesten und Büchern bezeichnen die Terroristen ihre Angriffe auf die Demokratien als ‚Strategie der Spannung‘. Dem liegt der Gedanke zugrunde, daß es viel leichter sei, vom Faschismus zum Kommunismus überzugehen als von der Demokratie zum Kommunismus. Die ‚Revolutionären‘ müssen die demokratischen Regierungen also zunächst zu einem faschistischen Verhaltensmuster drängen, damit sie in der zweiten Phase auf den Trümmern des Faschismus den Sozialismus aufbauen können.“ Daher ermorden in einigen Ländern Terroristen bewußt Offiziere, um einen rechten militärischen Coup zu provozieren.
Kann die UNO die Flut eindämmen?
Der Politologe C. E. Zoppo erklärt das Dilemma, in dem sich die UNO befindet, wie folgt: „Es verwundert nicht ..., daß die Vereinten Nationen nicht in der Lage sind, zu irgendeiner Übereinkunft zu kommen, was internationaler Terrorismus eigentlich ist oder worin passende Reaktionen der Mitgliedstaaten bestehen könnten.“ Dies sollte für niemand überraschend sein, wenn man bedenkt, daß die UNO ein internationaler Kampfplatz ist, auf dem sich die Großmächte in Wortgefechten verfangen, ähnlich wie kämpfende Hirsche, die sich mit ihren Geweihen verhaken.
Ein weiterer Faktor ist, daß in der UNO die demokratischen Staaten, die Leidtragenden des Terrorismus, in der Minderheit sind. Professor Zoppo erläutert dies wie folgt: „Eine Resolution der UN-Vollversammlung über den internationalen Terrorismus ... brachte zwar ‚ihre tiefe Besorgnis über die zunehmende Zahl der Akte von internationalem Terrorismus‘ zum Ausdruck, bekräftigte aber ‚das unveräußerliche Recht aller Völker unter kolonialen und rassistischen Regimen sowie anderen Formen der Fremdherrschaft auf Selbstbestimmung und Unabhängigkeit‘.“ Dieselbe Resolution verurteilte „die Fortsetzung repressiver und terroristischer Handlungen, durch die koloniale, rassistische und fremde Regime den Völkern ihr legitimes Recht auf Selbstbestimmung und Unabhängigkeit ... verweigern“.
Nach Ansicht von Professor Zoppo billigt die UNO also in bezug auf den Terrorismus eine Doppelmoral. Er fährt fort: „Der Terrorismus wird stillschweigend geduldet, wenn er ein Mittel zur nationalen Selbstbestimmung ist, aber verurteilt, wenn es sich um Staatsterror handelt, mit dem man die Unabhängigkeit verhindern will. Neugegründete Staaten, die den Terrorismus als Werkzeug zur Befreiung benutzt haben, können ihn schwerlich bei anderen verurteilen“ (The Rationalization of Terrorism). Folglich ist die UNO als wirksames Instrument im Kampf gegen den Terrorismus sozusagen schachmatt gesetzt worden. Moral zählt nicht viel, denn wie Professor Zoppo schlußfolgert, „bestimmt im Grunde die Politik, was Moral ist“. Währenddessen müssen unschuldige Opfer des Terrorismus leiden und sterben.
Eine Bruderschaft ohne Terror
Jan Schreiber erklärt das Dilemma, in dem sich die Staaten befinden, wie folgt: „Beunruhigend ist, daß die Länder, die den Terrorismus aus der Welt schaffen wollen — und sie scheinen nicht in der Mehrheit zu sein —, gezwungen sind, sich mit Halbheiten zu begnügen. Entweder machen die üblichen Strafen keinen Eindruck auf Terroristen, die bereit sind, um einer Ideologie willen Opfer zu bringen, oder sie rufen eine gewalttätige Reaktion von seiten derer hervor, die noch in der Lage sind zu kämpfen“ (The Ultimate Weapon—Terrorists and World Order).
In seiner Analyse des Problems kommt Professor Zoppo zu dem Schluß: „Kaum ein moderner Staat wurde ohne Terror geboren.“ Dies scheint anzudeuten, daß Terror ein unvermeidlicher Bestandteil des politischen Werdeganges ist. Wir können hingegen versichern, daß es ein „Volk“ gibt, das ohne Terror und Gewalt — ohne politische Interventionen — ins Leben gerufen worden ist. Es ist ein Volk, das über drei Millionen Menschen aus aller Welt zählt, die unterschiedlichen Kulturen und Religionen entstammen und die verschiedensten Sprachen sprechen. Von wem sprechen wir? Von denjenigen, die an den Türen diese Zeitschrift anbieten — Jehovas Zeugen.
Sie sind mehr als eine internationale Vereinigung von Menschen. Sie sind eine übernationale Bruderschaft, die einen gemeinsamen Glauben und eine gemeinsame von Gott verliehene Hoffnung hat. Sie machen ihren Einfluß weltweit geltend, und zwar nicht durch Terrorismus, sondern durch ein friedliches biblisches Erziehungswerk. Überall auf der Erde weisen sie auf Gottes messianische Königreichsregierung als einzige Lösung für die Probleme der Menschheit hin (Matthäus 6:9, 10).
Ja, Jehovas Zeugen sind über die entzweiende Politik und den Nationalismus erhaben, die zu Kriegen und Terrorismus führen. Sie bilden heute ein Volk, das in wahrem Frieden lebt und sich auf die Zeit vorbereitet, wo Gottes Königreich bald allein über die Erde regieren wird. Dies wird nicht durch eine Weltbekehrung ermöglicht werden, sondern durch eine Säuberung der Welt in Gottes Krieg von Harmagedon (Matthäus 24:37-39; Offenbarung 16:14, 16).
Dann werden wahrer Frieden und ewiges Leben das Erbteil der Sanftmütigen der Erde sein (Titus 1:2; Offenbarung 21:3, 4). Wer mehr über dieses Königreich wissen möchte, in dem es keinen Terrorismus mehr geben wird, ist eingeladen, sich an Jehovas Zeugen an seinem Wohnort zu wenden oder an die Herausgeber dieser Zeitschrift zu schreiben.
[Herausgestellter Text auf Seite 11]
In den vergangenen 20 Jahren wurden allein in den Vereinigten Staaten rund 35 000 Waffen oder Sprengkörper gefunden und 13 000 Personen verhaftet (Department of State Bulletin)
[Herausgestellter Text auf Seite 12]
„Kurz bevor er den Sprengsatz zündete, durch den sie alle in Stücke gerissen werden sollten, schloß er die Augen. Dann bekreuzigte er sich und flüsterte andächtig: ‚Möge sich der Herr ihrer Seelen erbarmen!‘“
[Kasten auf Seite 14]
Gottes Königreich in den Händen Jesu Christi wird den Terrorismus beseitigen
Man sagt, der Terrorismus sei der Krieg der Verzweifelten, derer, die sich im Nachteil fühlten. Unter dem Königreich Gottes braucht sich niemand benachteiligt zu fühlen, wie dies aus folgender Prophezeiung über die Herrschaft Jesu Christi hervorgeht:
„O Gott, gib deine eigenen richterlichen Entscheidungen dem König und deine Gerechtigkeit dem Sohn des Königs. Möge er die Rechtssache deines Volkes mit Gerechtigkeit führen und deiner Niedergedrückten mit richterlicher Entscheidung. Er richte die Niedergedrückten des Volkes, er rette die Söhne des Armen, und er zermalme den Übervorteiler. Denn er wird den Armen befreien, der um Hilfe ruft, auch den Niedergedrückten und jeden, der keinen Helfer hat. Es wird ihm leid sein um den Geringen und den Armen, und die Seelen der Armen wird er retten. Von Bedrückung und von Gewalttat wird er ihre Seele erlösen, und ihr Blut wird kostbar sein in seinen Augen“ (Psalm 72:1, 2, 4, 12-14).
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