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  • Der Terrorismus wandelt sein Gesicht
    Erwachet! 2001 | 22. Mai
    • Der Terrorismus wandelt sein Gesicht

      Als das Thema Terrorismus das letzte Mal auf der Titelseite dieser Zeitschrift erschien, war dort ein geläufiges Motiv zu sehen — maskierte bewaffnete Killer vor dem Hintergrund eines brennenden Infernos. Mittlerweile hat sich das Bild jedoch gewandelt.

      IM Licht der Abenddämmerung rollen einige unauffällige Transporter langsam durch eine Wohnsiedlung. Die Wagen halten in der Nähe eines Schulgebäudes. Kurz darauf stapft ein besonders ausgebildetes Team von Männern mit Gasmasken und in Schutzanzügen durch das Gebüsch. Sie wissen lediglich, daß während einer Sportveranstaltung in der Schulsportanlage ein kleiner Sprengkörper gezündet wurde und Dämpfe entwichen sind, von denen viele Zuschauer krank wurden. In Absprache mit örtlichen Notfallhelfern betreten die vier Männer vorsichtig den verseuchten Bereich und versuchen herauszufinden, was vorgefallen ist. Was wurde bei der Explosion freigesetzt? Etwa Anthraxsporen? Oder Nervengas?

      Ausgestattet mit speziellen Geräten für chemische Analysen, gehen die Männer langsam in Richtung Arena. In einem kleinen Raum entdecken sie die Reste des Sprengkörpers. Ihre Aufgabe ist heikel; sie erfordert die Handhabung kleiner Analysegeräte genauso wie das Bewegen schwerer Objekte.

      Binnen kurzem sind ihre Masken beschlagen. Sogar für die gut ausgebildeten Männer ist diese Arbeit strapaziös. Doch innerhalb von 10 Minuten haben sie die Rückstände identifiziert. „Eindeutig Anthrax“, bestätigt der Chemiker des Teams.

      Das Gesicht des Terrors wandelt sich

      Dieses Geschehen war nicht so gefährlich, wie es aussah. Es handelte sich um eine Übung, die im Bundesstaat New York durchgeführt wurde. Der Gasanschlag war simuliert worden, um zu erproben, wie das Team mit solch einer Situation zurechtkommt. Die Gruppe gehört zu den neu gebildeten zivilen Einsatzkommandos zur Abwehr von Massenvernichtungswaffen. Solche Teams haben die Aufgabe, zu beurteilen, wie weitreichend und schwerwiegend die Folgen von Terroranschlägen neuen Stils sind, indem sie verdächtige Krankheitserreger beziehungsweise chemische oder radioaktive Stoffe analysieren.

      Angesichts der neuartigen Gefahren und Herausforderungen durch den Terrorismus wurden weltweit viele derartige Einsatzgruppen gebildet.a Die Ereignisse der letzten Jahre deuten darauf hin, daß Terroranschläge vermehrt von unabhängigen Gruppierungen oder von extremistischen Einzeltätern verübt werden. Terroristen greifen zwar nach wie vor militärische und diplomatische Einrichtungen an, doch einige haben die Liste ihrer Ziele um sogenannte weiche Ziele erweitert, wie etwa Massenverkehrsmittel, Sportveranstaltungen, belebte Innenstadtbereiche, Hotels und Touristenattraktionen.

      Porter Goss, Vorsitzender des Geheimdienstausschusses im US-Repräsentantenhaus, bestätigt das veränderte Verhalten der Terroristen. Er sagte: „Wir müssen unsere alten Ansichten über staatlich geförderten Terrorismus hinter uns lassen und begreifen, daß der Terrorismus ein neues Gesicht angenommen hat. Wir haben es zunehmend mit Terroristen zu tun, denen es bei ihren Aktionen um eine ganz bestimmte Sache geht.“

      Zum gewandelten Gesicht des Terrorismus gehören Aktionen und Strategien, die womöglich vergleichsweise schwer abzuwenden oder zu bekämpfen sind. Terroristen gelingt es verstärkt, neue Technologien einzusetzen und finanziell unabhängig zu agieren. Die Zeitschrift USA Today berichtet: „Neue Computer- und Kommunikationstechniken und Verbindungen zum organisierten Verbrechen erschweren die Terrorismusbekämpfung erheblich.“ Zum veränderten Gesicht des Terrorismus gehören auch neue Ziele, was wiederum Reporter und Nachrichtenredakteure zu Wortschöpfungen zwingt, wie Cyberterrorismus, Bioterrorismus und Ökoterrorismus.

      Wie bedrohlich ist die neue Form des Terrorismus? Ist unsere persönliche Sicherheit in Gefahr? Läßt sich die Bedrohung durch den internationalen Terrorismus irgendwie abwenden? In den folgenden Artikeln sollen diese Fragen etwas beleuchtet werden.

      [Fußnote]

      a Die Ansichten darüber, was unter „Terrorismus“ zu verstehen ist, gehen stark auseinander. In Ländern, in denen Bürgerkrieg herrscht, werden Gewalttaten der einen Partei gegen die andere entweder als rechtmäßige Kampfhandlung oder als Terrorismus bezeichnet, je nachdem welche Seite man fragt. In dieser Artikelserie bezieht sich der Begriff Terrorismus generell auf das Ausüben von Zwang durch Gewaltanwendung.

      [Kasten/Karte auf Seite 4, 5]

      (Genaue Textanordnung in der gedruckten Ausgabe)

      Ein Jahrzehnt des TERRORISMUS

      1 Buenos Aires (Argentinien)

      17. März 1992

      Eine Autobombe zerstört die israelische Botschaft — 29 Tote, 242 Verletzte.

      2 Algier (Algerien)

      26. August 1992

      Eine Bombe explodiert auf dem internationalen Flughafen — 12 Tote, mindestens 128 Verletzte.

      3 New York (USA)

      26. Februar 1993

      Religiöse Extremisten zünden eine gewaltige Bombe unter dem World Trade Center — 6 Tote, ungefähr 1 000 Verletzte.

      4 Matsumoto (Japan)

      27. Juni 1994

      Mitglieder der Sekte Aum Shinrikyo versprühen Sarin in einer Wohngegend — 7 Tote, 270 Verletzte.

      5 Tokio (Japan)

      20. März 1995

      Mitglieder von Aum Shinrikyo deponieren in der Tokioter U-Bahn sechs Behälter, aus denen tödliches Sarin strömt — 12 Tote, über 5 000 Verletzte.

      6 Oklahoma City (USA)

      19. April 1995

      Vor einem Gebäude der Bundesbehörden explodiert eine Autobombe. Die Tat wird Rechtsextremisten zugeschrieben. 168 Personen kommen ums Leben, über 500 werden verletzt.

      7 Colombo (Sri Lanka)

      31. Januar 1996

      Ethnisch motivierte Terroristen rammen mit einem Transporter voller Sprengstoff eine Bank — 90 Tote, über 1 400 Verletzte.

      8 London (Großbritannien)

      9. Februar 1996

      Irische Terroristen zünden eine Bombe in einer Tiefgarage — 2 Tote, über 100 Verletzte.

      9 Jerusalem (Israel)

      25. Februar 1996

      Ein Selbstmordattentäter sprengt einen Bus in die Luft. Man verdächtigt religiöse Extremisten — 26 Tote, etwa 80 Verletzte.

      10 Dhahran (Saudi-Arabien)

      25. Juni 1996

      Eine in einem Tankwagen versteckte Bombe explodiert vor einem Wohngebäude der US-Streitkräfte — 19 Tote, 515 Verletzte.

      11 Phnom-Penh (Kambodscha)

      30. März 1997

      Attentäter werfen vier Granaten in eine demonstrierende Menschenmenge — bis zu 16 Tote, über 100 Verletzte.

      12 Coimbatore (Indien)

      14. Februar 1998

      Militante Religionsanhänger verüben eine Serie von Bombenanschlägen — 43 Tote, 200 Verletzte.

      13 Nairobi (Kenia) und Daressalam (Tansania)

      7. August 1998

      Auf die US-Botschaften werden Bombenanschläge verübt. 250 Menschen sterben, über 5 500 werden verletzt.

      14 Kolumbien

      18. Oktober und 3. November 1998

      Ein Bombenattentat und ein Raketenangriff: Der erste Angriff richtet sich gegen eine Ölpipeline — 209 Tote, über 130 Verletzte.

      15 Moskau (Rußland)

      9. und 13. September 1999

      Zwei gewaltige Explosionen zerstören zwei Wohnblocks — 212 Tote, über 300 Verletzte.

      [Bildnachweis]

      Quelle: The Interdisciplinary Center, Herzliya (Israel)

      Mountain High Maps® Copyright © 1997 Digital Wisdom, Inc.

      Victor Grubicy/Sipa Press

      [Kasten/Bild auf Seite 6]

      Cyberattacken

      März 1999: Es wird berichtet, daß Eindringlinge die Computer des Pentagons „koordiniert und organisiert“ unter Beschuß genommen haben. Täglich registrieren die Computer des US-Verteidigungsministeriums 60 bis 80 Angriffe von Hackern.

      Mitte 1999: Innerhalb von drei Monaten verschafften sich regierungsfeindliche Hacker illegal Zugang zu den Webseiten des US-Senats, des FBI, der US-Streitkräfte, des Weißen Hauses und verschiedener US-Ministerien.

      Januar 2000: Gemäß Berichten gab die Wirtschaft im Vorjahr weltweit 12,1 Milliarden Dollar zur Abwehr von „Wirtschaftsterrorismus“ mittels Computerviren aus.

      August 2000: Ein Hacker dringt in die Webseiten von britischen Regierungsbehörden und von örtlichen Behörden ein.

  • Die Bedrohung durch den Terrorismus
    Erwachet! 2001 | 22. Mai
    • Die Bedrohung durch den Terrorismus

      GEGEN Ende der 80er Jahre sah es nach einem Rückgang des Terrorismus aus. Indes ist eine neue Generation von Terroristen auf den Plan getreten. Mittlerweile geht die terroristische Bedrohung in erster Linie von Extremisten aus, die sich eigene Finanzierungsnetzwerke aufgebaut haben, sei es durch Drogenhandel, eigene Unternehmen, Privatvermögen, Spenden oder durch finanzielle Unterstützung von lokalen Interessengruppen. Und sie sind so skrupellos wie eh und je.

      Im vergangenen Jahrzehnt haben sinnlose terroristische Handlungen deutlich zugenommen. Bei einem Bombenanschlag auf das World Trade Center in New York wurden 6 Menschen getötet und ungefähr 1 000 verletzt. Eine Sekte setzte in der Tokioter U-Bahn das Nervengas Sarin frei, wodurch 12 Menschen starben und über 5 000 verletzt wurden. Ein Terrorist zerstörte mit einer Autobombe ein Bundesgebäude in Oklahoma City; 168 Menschen starben, und Hunderte wurden verletzt. Wie die Übersicht auf den Seiten 4 und 5 zeigt, reichen die verschiedensten terroristischen Gewalttaten bis in die jüngste Zeit.

      Anscheinend sind heutige Terroristen generell noch skrupelloser als früher. Der verurteilte Bombenleger von Oklahoma (1995) wurde mit den Worten zitiert, er habe „eine Leichenzählung“ gewollt, um das gewünschte Maß an Aufmerksamkeit zu erhalten. Der Rädelsführer des Bombenanschlags auf das World Trade Center in New York (1993) beabsichtigte, einen Turm des Doppelhochhauses gegen den anderen stürzen zu lassen und auf diese Weise die Menschen in beiden Teilen des Gebäudes zu töten.

      Was sich auch geändert hat, ist die Auswahl der Waffen, auf die Terroristen zurückgreifen können. Louis R. Mizell jr., ein Terrorismusexperte, sagte: „Wir leben in einer Zeit unglaublicher Wut, gepaart mit einem apokalyptischen Arsenal an atomaren, biologischen und chemischen Waffen.“ Extremisten, die Aufsehen erregen wollen, stehen außerdem noch weitere wirksame Waffen zur Verfügung — bereitgestellt durch die moderne Technik.

      Angriffe mit Nullen und Einsen

      Im sogenannten Cyberterrorismus spielt moderne Technik, wie etwa die Computertechnik, eine Rolle. Computerviren können beispielsweise als Waffe eingesetzt werden, um Daten zu vernichten oder Computersysteme lahmzulegen. Daneben gibt es „logische Bomben“, die Computer zwingen, unmögliche Befehle auszuführen, bis sie schließlich ausfallen. Da nationale Wirtschafts- und Sicherheitssysteme zunehmend auf Informationsnetzwerke angewiesen sind, fürchten viele, daß die Öffentlichkeit verstärkt ins Visier derartiger Terroranschläge geraten könnte. Und während die meisten Armeen darauf vorbereitet sind, ihre Kommunikationssysteme sogar im Fall eines Atomkrieges aufrechtzuerhalten, sind zivile Einrichtungen, wie Stromversorgungsunternehmen, öffentliche Verkehrsmittel und Finanzmärkte, wahrscheinlich leichter zu sabotieren.

      Angenommen, ein Terrorist wollte die Stromversorgung einer Stadt wie Berlin lahmlegen, dann hätte er noch vor kurzem wahrscheinlich versucht, sich als Montagearbeiter einzuschleichen, um so das elektrische System sabotieren zu können. Einige sind der Ansicht, daß heute ein geschickter Hacker die Stadt verdunkeln könnte, ohne sein gemütliches Zuhause in einem kleinen Dorf auf der anderen Seite der Erde verlassen zu müssen.

      Vor einer Weile gelang es einem Hacker, von Schweden aus in ein Computersystem in Florida einzudringen und die Notfallsysteme eine Stunde lang außer Betrieb zu setzen, so daß weder Polizei noch Feuerwehr oder Krankenwagen abrufbar waren.

      „Im Grunde haben wir ein globales Dorf ohne Polizeigewalt geschaffen“, erklärte Frank J. Cilluffo, Direktor der Arbeitsgruppe Informationskrieg des Zentrums für Strategische und Internationale Studien (CSIS). Außerdem sagte Robert Kupperman, Berater am CSIS, im Jahr 1997, daß, falls Terroristen High-Tech-Methoden anwenden, „gegenwärtig keine Regierungseinrichtungen existieren, um die Folgen eines derartigen Angriffs abzuwehren“.

      Manche Analytiker vermuten, daß Computerterroristen das technische Rüstzeug haben, sämtliche Schutzvorkehrungen der Sicherheitskräfte zu knacken. „Ein Gegner, der es schafft, das richtige Virus einzuschmuggeln oder in das richtige Terminal einzudringen, kann massiven Schaden anrichten“, sagte George Tenet, Direktor des CIA.

      Terror durch Verwendung von Chemikalien und Krankheitserregern

      Der Gedanke an den möglichen Gebrauch chemischer und biologischer Waffen ist ebenfalls beunruhigend. Der Giftgasanschlag auf die Tokioter U-Bahn Anfang 1995 versetzte der ganzen Welt einen Schock. Für diesen Vorfall wurde eine apokalyptische Sekte verantwortlich gemacht.

      „Der Terrorismus hat sich gewandelt“, sagte Brad Roberts vom Institute for Defense Analyses. „Traditionelle Terroristen wollten politische Zugeständnisse erreichen. Heute dagegen bezeichnen manche Gruppen die Tötung möglichst vieler Menschen als ihr Hauptziel. Das macht biologische Waffen für sie so interessant.“ Ist es schwer, an derartige Waffen heranzukommen? In der Zeitschrift Scientific American hieß es: „Man kann relativ risikolos Billionen hochgefährlicher Bakterien züchten; dafür braucht man nicht viel mehr als einen kleinen Braubottich und Proteine als Basis der Bakterienkultur sowie eine Gasmaske und Kunststoff-Schutzkleidung.“ Sind die Krankheitserreger erst einmal vorhanden, ist es verhältnismäßig einfach, sie freizusetzen. Die Opfer würden erst nach 1 oder 2 Tagen merken, daß ein Anschlag auf sie verübt wurde. Doch dann könnte es bereits zu spät sein.

      Als eine biologische Waffe käme wahrscheinlich Anthrax (Milzbrand) in Frage. Der Name der Krankheit stammt von dem griechischen Wort für Kohle — eine Anspielung auf den schwarzen Schorf, der normalerweise die Milzbrandkarbunkel auf der Haut von Menschen überzieht, die durch infiziertes Vieh angesteckt wurden. Verteidigungsplaner denken vor allem an die Gefahr von Lungeninfektionen, die durch das Einatmen von Anthraxsporen verursacht werden. Bei Menschen endet eine Anthraxinfektion häufig tödlich.

      Warum ist Anthrax eine so wirksame biologische Waffe? Die Bakterien sind einfach zu kultivieren und äußerst resistent. Bevor die Opfer die ersten Symptome bemerken — ein Unwohlsein wie bei einer Grippe und Müdigkeit —, können einige Tage vergehen. Diesen Symptomen folgen Husten und leichte Brustschmerzen. Danach kommt es zu schweren Atembeschwerden, zum Schock, und innerhalb weniger Stunden tritt der Tod ein.

      Atomwaffen in der Hand von Terroristen?

      Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion hat sich mancher gefragt, ob eine Atomwaffe wohl auf dem Schwarzmarkt auftauchen würde. Etliche Fachleute bezweifeln allerdings, daß es je dazu kommt. Robert Kupperman, der bereits zitiert wurde, bemerkte, daß es „keine Beweise dafür gibt, daß irgendeine terroristische Vereinigung versucht hätte, Nuklearmaterial zu erwerben“.

      Eine konkretere Sorge dreht sich um den stillen, aber tödlichen Verwandten der Atombombe — radioaktives Material. Es explodiert nicht. Es kommt weder zum großen Knall noch zu Schäden durch Hitze. Statt dessen setzt es Strahlung frei, die einzelne Zellen zerstört. Die Zellen des Knochenmarks sind besonders verletzlich. Sterben sie ab, löst das eine ganze Lawine von Folgen aus, unter anderem innere Blutungen und den Zusammenbruch des Immunsystems. Im Gegensatz zu chemischen Waffen, deren Wirksamkeit nachläßt, wenn sie Sauerstoff und Feuchtigkeit ausgesetzt sind, kann radioaktives Material jahrelang gefährlich bleiben.

      Ein Unfall, der sich in Goiânia, einer Stadt im Landesinneren Südbrasiliens, ereignete, zeigt, wie verheerend Strahlung sein kann. 1987 öffnete ein argloser Mann einen Bleibehälter, der an einem zurückgelassenen medizinischen Ausrüstungsgegenstand befestigt war. Der Behälter enthielt Cäsium 137. Fasziniert von dem blauen Leuchten des Materials, zeigte er den Fund seinen Freunden. Noch vor Ablauf einer Woche suchten die ersten Opfer das örtliche Krankenhaus auf. Tausende wurden auf Anzeichen möglicher Verstrahlung untersucht. Ungefähr hundert Personen wurden krank. Fünfzig mußten im Krankenhaus behandelt werden, und vier starben. Die Vorstellung, was eine mutwillige Verbreitung des Cäsiums hätte anrichten können, bereitet Antiterrorismusexperten Alpträume.

      Schwindelerregende Kosten

      Die offensichtlichste Folge des Terrorismus ist der tragische Verlust an Menschenleben. Doch die Auswirkungen reichen noch weiter. Terrorismus kann den Friedensprozeß in den Krisenregionen der Welt verzögern oder völlig vereiteln. Er provoziert, verlängert oder zementiert Auseinandersetzungen und beschleunigt die Gewaltspirale.

      Terrorismus kann sich auch auf die Wirtschaft ganzer Nationen auswirken. Regierungen mußten bereits viel Geld und Zeit in Gegenmaßnahmen investieren. So wurde allein in den Vereinigten Staaten der Etat für Terrorismusabwehr für das Jahr 2000 auf über 10 Milliarden Dollar angesetzt.

      Ob wir uns dessen bewußt sind oder nicht, Terrorismus wirkt sich auf jeden von uns aus. Er beeinflußt, wie wir reisen und welche Entscheidungen wir treffen, wenn wir unterwegs sind. Er zwingt Regierungen rund um die Welt, erhebliche Steuergelder auszugeben, um Personen des öffentlichen Lebens, wichtige Anlagen und die Bürger zu schützen.

      Die Frage bleibt: Gibt es eine dauerhafte Lösung für die Geißel des Terrorismus? Im folgenden Artikel wird dieser Frage nachgegangen.

      [Kasten/Bild auf Seite 7]

      Terrorismus im Namen der Umwelt

      Eine neue Form des Terrorismus greift „im Namen der Umwelt und bedrohter Lebewesen zu Brandstiftung, Bomben und Sabotage“, das berichtet die Zeitung The Oregonian. Diese destruktiven Aktionen bezeichnet man als Ökoterrorismus. Seit 1980 wurden im Westen der Vereinigten Staaten mindestens 100 größere Anschläge dieser Kategorie verübt, wobei ein Schaden von mindestens 42,8 Millionen Dollar entstand. Solche Verbrechen werden normalerweise verübt, um das Abholzen von Wäldern, die freizeitmäßige Nutzung der Wildnis und Tierversuche zu verhindern sowie den Mißbrauch beziehungsweise das Töten von Tieren zu Nahrungszwecken oder wegen ihres Felles.

      Derartige Aktionen werden als terroristisch bezeichnet, weil man durch Gewalt das Verhalten von Einzelpersonen oder Institutionen beeinflussen oder eine Änderung der allgemeinen Verhaltensgrundsätze erzwingen will. Ökoterroristen frustrieren Investoren, indem sie häufig nachts auf abgelegene Objekte Anschläge verüben und in den rauchenden Ruinen kaum Spuren zurücklassen. Bis vor kurzem wirkten sich die Verbrechen im Namen des Umweltschutzes nur auf begrenzter, lokaler Ebene aus und wurden kaum wahrgenommen. Doch in den letzten Jahren sind die Ziele spektakulärer geworden. „Die Absicht dieser Leute besteht darin, auf die von ihnen gewünschte Veränderung aufmerksam zu machen“, sagte der Sonderermittler James N. Damitio, ein langjähriger Inspektor der US-Forstbehörde. „Und wenn sie den Eindruck haben, daß sie nicht genügend Aufmerksamkeit erregen, versuchen sie es mit etwas anderem.“

      [Kasten/Bild auf Seite 10]

      Terrorismus und die Medien

      „Publicity war schon immer sowohl ein vorrangiges Ziel als auch eine Waffe derer, die Unschuldige terrorisieren, um ihre politischen Ziele zu fördern oder einfach nur Chaos zu stiften“, sagte Terry Anderson, ein Journalist, der beinahe 7 Jahre im Libanon von Terroristen gefangengehalten wurde. „Allein die Berichterstattung über die Entführung eines Politikers, über ein Attentat oder einen tödlichen Bombenanschlag ist für den Terroristen ein erster Sieg. Ohne die Aufmerksamkeit der Weltgemeinschaft sind solche Gewaltakte zwecklos.“

      [Bilder auf Seite 8, 9]

      1 Ein Selbstmordanschlag in Jerusalem (Israel)

      2 Ethnisch motivierte Terroristen sprengen eine Bank in Colombo (Sri Lanka)

      3 Explosion einer Autobombe in Nairobi (Kenia)

      4 Angehörige der Opfer einer Bombenexplosion in Moskau (Rußland)

      [Bildnachweis]

      Heidi Levine/Sipa Press

      A. Lokuhapuarachchi/Sipa Press

      AP Photo/Sayyid Azim

      Izvestia/Sipa Press

  • Terrorismus — Nicht mehr lange!
    Erwachet! 2001 | 22. Mai
    • Terrorismus — Nicht mehr lange!

      EIN Linienbus in Jerusalem, ein Regierungsgebäude in Oklahoma City, ein Wohnblock in Moskau — all das kann Ziel terroristischer Anschläge sein. Terroristen wollen zwar offensichtlich vor allem Politikern, verantwortlichen Militärs oder Wirtschaftsführern eine deutliche Botschaft übermitteln, aber häufig scheint die Wahl ihrer Opfer nicht viel mit ihrem Anliegen zu tun zu haben. Oftmals geraten ganz gewöhnliche Menschen ins Visier — Menschen, die mit der Sache, der sich ein Terrorist verschworen hat, überhaupt nichts zu tun haben. Warum nur verüben Extremisten dennoch terroristische Anschläge?

      Warum Terrorismus?

      Terrorismus hat System, ist überlegt und kalkuliert. In erster Linie geht es nicht um die Bilanz an Toten und Verletzten. Blutbäder sind nur Mittel zum Zweck. Sie tragen zu einer von Angst und Entsetzen geprägten Atmosphäre bei, die der Terrorist schaffen will, um die bestehende Autorität zu untergraben und für sein besonderes Anliegen Gehör zu finden. Was steht hinter terroristischen Gewaltaktionen? Es folgen einige Beispiele:

      Haß. „Terrorismus . . . wird durch Haß genährt“, stellte Louis J. Freeh, Direktor des FBI, fest. „Wer derartigen Haß in sich trägt, sieht die Welt durch die Brille des Fanatikers, ist verblendet von Verschwörung und durch Unwissenheit beschränkt.“

      Unterdrückung. „Gewiß gibt es Gruppen und Länder, deren Führer das irrationale Ziel haben, andere Kulturen zu vernichten“, schreibt Stephen Bowman in seinem Buch When the Eagle Screams. „Aber es ist auch klar, daß Terrorismus zum großen Teil der Verzweiflung entspringt.“

      Frustration. „In vielen Fällen . . . ist echte Frustration angesichts vermeintlich unverrückbarer politischer, sozialer oder wirtschaftlicher Kräfte die hauptsächliche Motivation eines Terroristen“, stellt der Herausgeber des Buches Urban Terrorism fest.

      Ungerechtigkeit. „Terrorismus ist ein Symptom und nicht die eigentliche Ursache eines Problems“, bemerkt Michael Shimoff in seiner Abhandlung The Policy of Terrorism (Die Politik des Terrorismus). Weiter heißt es darin: „Langfristig sollte es unser Ziel sein, die grundlegenden sozialen und politischen Ursachen für Terrorismus zu beseitigen. . . . Parallel zur Terrorismusbekämpfung müssen wir uns mit der gleichen Energie darum bemühen, Freiheit, Würde, Gerechtigkeit und humanitäre Werte zu fördern. Nur wenn wir hierin entschlossen handeln, werden wir die Bekämpfung des Terrorismus einstellen können.“

      Sowohl die Geschichte des Terrorismus als auch seine Ursachen bestätigen die Wahrhaftigkeit der biblischen Feststellung: ‘Der Mensch hat über den Menschen zu seinem Schaden geherrscht’ (Prediger 8:9). Die Bibel hat sogar die Umstände vorhergesagt, die zum Terrorismus beitragen. Es heißt dort, daß „in den letzten Tagen kritische Zeiten dasein werden, mit denen man schwer fertig wird. Denn die Menschen werden eigenliebig sein, . . . ohne natürliche Zuneigung, für keine Übereinkunft zugänglich, Verleumder, ohne Selbstbeherrschung, brutal, ohne Liebe zum Guten, Verräter, unbesonnen, aufgeblasen vor Stolz“ (2. Timotheus 3:1-4).

      Selbst wenn die Menschen den Terrorismus noch so ernsthaft und aufrichtig bekämpfen — seine Ursachen können sie in Wirklichkeit nicht beheben. Die Bibel enthält die realistische Feststellung, daß „nicht beim Erdenmenschen sein Weg steht. Es steht nicht bei dem Mann, der da wandelt, auch nur seinen Schritt zu richten“ (Jeremia 10:23). Wenn es auch menschliche Möglichkeiten übersteigt, das Problem des Terrorismus zu lösen, so übersteigt es jedoch gewiß nicht die Macht Gottes.

      Die Lösung

      Unterdrückte und frustrierte Menschen, denen Unrecht angetan wurde, können in der zuverlässigen Verheißung der Bibel Trost finden: „Die Rechtschaffenen sind es, die auf der Erde weilen werden, und die Untadeligen sind es, die darauf übrigbleiben werden. Was die Bösen betrifft, von der Erde werden sie weggetilgt; und die Treulosen, sie werden davon weggerissen“ (Sprüche 2:21, 22).

      Dieses Versprechen Gottes wird bald erfüllt werden. Dafür wird sein regierender König, Jesus Christus, sorgen. Eine biblische Prophezeiung in bezug auf Christus lautet: „Er wird nicht nach dem bloßen Augenschein richten noch einfach gemäß dem zurechtweisen, was seine Ohren hören. Und mit Gerechtigkeit wird er die Geringen richten, und mit Geradheit wird er Zurechtweisung erteilen müssen zugunsten der Sanftmütigen der Erde“ (Jesaja 11:3, 4).

      Ja, der Sohn Gottes, Jesus Christus, wird bald alle Ungerechtigkeit einschließlich derjenigen, die dafür verantwortlich sind, beseitigen. In Gottes gerechtem neuen System werden Terrorismus und sämtliche Gewalttaten der Vergangenheit angehören. Dann wird jeder Erdbewohner in Sicherheit leben, ohne Angst vor irgendeiner Bedrohung (Offenbarung 21:3, 4).

      [Bild auf Seite 12]

      Die Bibel verheißt, daß Gott bald alle Formen der Unterdrückung und Ungerechtigkeit beseitigen wird

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