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  • Warum sollten wir dankbar sein?
    Der Wachtturm 1988 | 1. Juli
    • Warum sollten wir dankbar sein?

      EIN Blick auf die Titelseite dieser Zeitschrift erinnert uns bestimmt daran, wieviel Schönes es als Ausgleich für die Verwahrlosung und die häßlichen Dinge gibt, die vielerorts zu sehen sind.

      Erfreuen wir uns nicht an schönen Dingen? Nehmen wir nur einmal die gefällige, zarte Farbzusammenstellung eines Regenbogens nach der Dunkelheit eines Gewitters. Vielleicht denken wir auch an einen schäumenden Wasserfall, an Tiere, die mit ihren Jungen spielen, an einen entzückenden Blumengarten oder an ein wogendes Getreidefeld. Für viele Menschen ist ein solcher Anblick nichts Besonderes. Aber wie berührt er uns?

      Leicht für selbstverständlich gehalten

      Gewöhnlich wird etwas um so alltäglicher, je öfter man es erlebt, und es wird leicht für selbstverständlich gehalten. Diese Schwäche ist in unserem schnellebigen 20. Jahrhundert besonders ausgeprägt. Doch es ist schon immer ein Fehler der unvollkommenen Menschen gewesen, daß sie sich nicht die Zeit genommen haben, über Segnungen und über Gründe zur Dankbarkeit nachzudenken oder sie sich überhaupt zu vergegenwärtigen.

      Der Psalmist David dagegen brachte unter Inspiration seine Dankbarkeit häufig in seinen Liedern zum Ausdruck. Folgende an Gott gerichtete Worte aus einem der Werke Davids sind ein vorzügliches Beispiel für Dankbarkeit:

      „Wenn ich deine Himmel sehe, die Werke deiner Finger,

      Den Mond und die Sterne, die du bereitet hast:

      Was ist der sterbliche Mensch, daß du seiner gedenkst,

      Und der Sohn des Erdenmenschen, daß du für ihn sorgst?

      Du läßt ihn herrschen über die Werke deiner Hände;

      Alles hast du unter seine Füße gelegt:

      Kleinvieh und Rinder, sie alle,

      Und auch die Tiere des freien Feldes,

      Die Vögel des Himmels und die Fische des Meeres,

      Alles, was die Pfade der Meere durchzieht.

      O Jehova, unser Herr, wie majestätisch ist dein Name auf der ganzen Erde!“ (Psalm 8:3, 4, 6-9).

      Dankbarkeit kann Traurigkeit vertreiben

      Die Dankbarkeit für schöne Dinge half dem Psalmisten, Traurigkeit aufgrund von häßlichen Anblicken oder schwierigen Situationen entgegenzuwirken. Diese Erfahrung kann jeder von uns machen. Wie? Indem wir uns bemühen, in vermehrtem Maße die schönen Dinge wahrzunehmen, die uns umgeben. Auf diese Weise können wir nicht nur unser eigenes Glück, sondern auch das unserer Mitmenschen vergrößern.

      Sollten wir unserem wohltätigen Schöpfer nicht für die Schönheiten und Wunder, auf die wir täglich stoßen, von Herzen dankbar sein? Im folgenden Artikel werden weitere Gründe gezeigt, warum wir dankbar sein sollten.

  • Weitere Gründe, dankbar zu sein
    Der Wachtturm 1988 | 1. Juli
    • Weitere Gründe, dankbar zu sein

      DIE Menschen im alten Israel hatten mehr als alle anderen Ursache, dem Schöpfer dankbar zu sein. Wieso?

      Im Unterschied zu den anderen Menschen hatten sie nicht nur Grund, für all die schönen und wunderbaren Dinge dankbar zu sein, die Gott erschaffen hatte, sondern zusätzlich auch dafür, daß der Allmächtige sie als sein eigenes Volk auserwählt hatte und ihnen besondere Aufmerksamkeit schenkte (Amos 3:1, 2). Es folgen einige der wichtigsten Gründe, weshalb sie ihm zu Dank verpflichtet waren.

      Zweimal dem Tod entronnen

      Wie dankbar müssen doch alle israelitischen Eltern in der Nacht des 14. Nisan 1513 v. u. Z. gewesen sein! In jener bedeutsamen Nacht brachte der Engel Gottes den Tod über „jeden Erstgeborenen im Land Ägypten ..., vom Menschen bis zum Tier“. An den Häusern der Israeliten ging er jedoch vorüber, denn sie hatten die Türpfosten und Oberschwellen mit dem Blut des Tieres besprengt, das anläßlich des Passahs geschlachtet worden war. Die Stille dieser Nacht währte nicht lange, da „sich ein großes Geschrei unter den Ägyptern zu erheben [begann], denn da war kein Haus, wo nicht ein Toter war“. Die Erstgeborenen in den israelitischen Hausgemeinschaften waren dagegen am Leben und wohlauf (2. Mose 12:12, 21-24, 30).

      Schon kurze Zeit später müssen die Herzen der Israeliten erneut mit Dank erfüllt gewesen sein. Sie wurden Zeuge, wie Jehova durch ein Wunder eingriff, als sie in einer Falle zu stecken schienen — vor ihnen das Rote Meer und im Rücken das ihnen nachjagende Heer des ägyptischen Pharao. Zunächst beobachteten die Israeliten, daß sich die Wolkensäule, die sie führte, zum Ende ihres Zuges bewegte und den Verfolgern wirkungsvoll Einhalt gebot. Dann sahen sie, daß Moses seine Hand über das Meer ausstreckte, und mit Erstaunen wurden sie gewahr, daß Gott die ganze Nacht einen starken Ostwind wehen ließ, der die Wasser teilte und das Meer in trockenes Land verwandelte. Die Israeliten ließen sich nicht lange bitten, den von Gott geschaffenen Fluchtweg zu benutzen.

      Doch dann gab es einen neuen Grund zur Besorgnis. Die Ägypter rückten ebenfalls über den trockenen Meeresboden vor, voller Zuversicht, die Israeliten überwältigen zu können. Aber als sich alle Ägypter in dem von Wasserwänden gesäumten Durchgang befanden, begannen die Räder ihrer Wagen abzuspringen, und schnell herrschte ein völliges Durcheinander. Sobald alle Israeliten sicher am anderen Ufer angelangt waren, streckte Moses auf das Geheiß Jehovas hin wiederum seine Hand aus, „und das Meer begann beim Anbruch des Morgens zu seinem normalen Stand zurückzukehren“. Die Folge? Nicht e i n Mann von den Elitetruppen Pharaos überlebte, der stolze Herrscher selbst auch nicht (2. Mose 14:19-28; Psalm 136:15). Kannst du dir vorstellen, wie dankbar die geretteten Israeliten Jehova waren?

      Gottes spektakuläre Kriegführung

      Obwohl die Israeliten für die Rettung aus Ägypten und den unvergeßlichen Durchgang durch das Rote Meer dankbar waren, mußten sie noch viele demütigende Erfahrungen durchmachen, bevor sie das Land der Verheißung erreichten. Aber alles, was sie auf ihrer 40jährigen Wanderung durch die Wildnis erlebten, sollte ihnen zusätzlichen Grund geben, Jehova wirklich dankbar zu sein.

      Schließlich überquerten die Israeliten den Jordan und gelangten in das Land, das Gott ihnen gegeben hatte. Sie wurden schon bald Zeuge von Jehovas spektakulärer Kriegführung zu ihren Gunsten. Wo zum Beispiel? Bei der ungewöhnlichen Einnahme und Zerstörung Jerichos, der ersten Kanaaniterstadt, zu der sie kamen (Josua, Kapitel 6). Wie eigenartig die von Gott gebotene Strategie doch war, mit der Bundeslade um Jericho herumzumarschieren! An sechs aufeinanderfolgenden Tagen gingen die Israeliten jeweils einmal um die Stadt herum. Am siebenten Tag mußten sie siebenmal um die Stadt marschieren. Als die Priester die Hörner bliesen, zerriß ein „großes Kriegsgeschrei“ der Israeliten die Stille, und „die Mauer [begann] einzustürzen“ (Vers 20). Nur Rahabs Haus und der Teil der Mauer, auf dem es errichtet war, blieben stehen. Die Mauern der scheinbar uneinnehmbaren Stadt waren gefallen, ohne daß Josua und sein Heer einen einzigen Pfeil abgeschossen hätten! Bestimmt war das, was in Verbindung mit Jericho geschah, ein weiterer herausragender Grund, Gott dankbar zu sein.

      Bei einer anderen Gelegenheit lieferte Jehova noch mehr eindrucksvolle Beweise seiner spektakulären Kriegführung. Da die Bewohner von Gibeon mit den Israeliten Frieden geschlossen hatten, erklärten ihnen fünf Könige der Amoriter den Krieg. Josua kam den Gibeonitern zu Hilfe, und in der Schlacht, die daraufhin entbrannte, war die Hand Jehovas wiederholt zu erkennen. Gott brachte die Amoriter in Verwirrung, und „es geschah, während sie vor Israel her flohen und am Abhang von Beth-Horon waren, daß Jehova von den Himmeln her bis Aseka große Steine auf sie herabwarf, so daß sie starben“. Durch die Hagelsteine starben mehr als durch das Schwert der Israeliten (Josua 10:1-11).

      „Vor den Augen Israels“ sprach Josua dann zu Jehova und sagte: „Sonne, steh bewegungslos über Gibeon, und Mond, über der tief gelegenen Ebene von Ajalon!“ Was geschah? Im Bericht heißt es: „Demgemäß blieb die Sonne bewegungslos, und der Mond stand wirklich still, bis die Nation Rache nehmen konnte an ihren Feinden“ (Josua 10:12, 13).

      Welch erstaunliche Geschehnisse! Und bestimmt weitere herausragende Gründe für das Volk Jehovas, seinem Gott dankbar zu sein!

      Dankbarkeit nur von kurzer Dauer

      Nach jedem Eingriff Jehovas waren die Israeliten von Dank erfüllt. Wahrscheinlich schwor sich jeder, nie zu vergessen, was er gesehen hatte. Doch ihre Dankbarkeit war nur von sehr kurzer Dauer. Immer wieder erwiesen sich die Israeliten als undankbar. Daher gab Gott sie „wiederholt in die Hand der Nationen, damit die sie Hassenden über sie herrschten“ (Psalm 106:41).

      Jehova bekundete allerdings großmütig seine Bereitschaft zu vergeben, wenn die Israeliten in eine ernste Notlage geraten waren, dann aber ihren falschen und undankbaren Lauf bereuten und ihn um Hilfe anriefen. „Er sah immer wieder ihre Bedrängnis, wenn er ihr inständiges Rufen hörte. Und er gedachte ihretwegen stets seines Bundes, und er empfand immer wieder Bedauern gemäß der Fülle seiner großen liebenden Güte“ (Psalm 106:44, 45). Wiederholt vergab Gott ihnen, befreite sie aus der Hand der Bedrücker und erwies ihnen wieder Gunst.

      Gott war zwar langmütig und sandte wiederholt seine Propheten zu den Israeliten, um ihr Denken zurechtzubringen, aber sie erwiesen sich als unverbesserlich. Schließlich hatte Gottes Geduld ein Ende, und er ließ zu, daß das Land Juda im Jahre 607 v. u. Z. von den Babyloniern erobert wurde. Wer nicht von den Heeren Nebukadnezars getötet worden war, wurde in die Gefangenschaft nach Babylon geführt.

      Welch ein katastrophales Ende sie doch wegen ihrer ständigen Undankbarkeit und ihrer Illoyalität Gott gegenüber ereilte! Und das obwohl sie unzählige Gründe gehabt hätten, dankbar zu sein.

      Was müssen Christen heute tun, um denselben Fehler zu vermeiden, nämlich zu versäumen, für all das dankbar zu sein, was Jehova Gott — zusätzlich zu seinen gütigen Taten gegenüber der Menschheit im allgemeinen — für sie getan hat? Das wird im folgenden Artikel behandelt.

  • „Erweist euch als dankbar“
    Der Wachtturm 1988 | 1. Juli
    • „Erweist euch als dankbar“

      „Der Frieden des Christus herrsche in eurem Herzen ... Und erweist euch als dankbar“ (KOLOSSER 3:15).

      1. Wovor müssen Christen in unserer undankbaren Welt auf der Hut sein?

      IM 20. Jahrhundert haben viele Menschen vergessen, wie man sich als dankbar erweisen kann. Wörter wie „bitte“ und „danke“ sind von Jahr zu Jahr seltener zu hören. Undankbarkeit ist ein Bestandteil der „Luft“ geworden, das heißt des selbstsüchtigen Geistes, von dem Weltmenschen beherrscht werden (Epheser 2:1, 2). Christen sind zwar „kein Teil der Welt“, doch solange das gegenwärtige System der Dinge besteht, müssen sie noch in der Welt leben (Johannes 17:11, 16). Daher müssen sie auf der Hut sein, damit der Geist der Undankbarkeit nicht auf sie abfärbt und bewirkt, daß ihre Dankbarkeit nachläßt.

      2. (a) Welche Möglichkeiten haben Diener Jehovas, ihm gegenüber ihre Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen? (b) Was ist außer Äußerungen der Dankbarkeit noch nötig?

      2 Vielleicht äußern wir in Gesprächen mit Glaubensbrüdern oftmals unsere Dankbarkeit für Gottes Güte. Die meisten Gott hingegebenen Christen danken Jehova, ihrem himmlischen Vater, für seine Güte mehrmals am Tag in persönlichen Gebeten. Dankbarkeit kommt auch bei christlichen Zusammenkünften in den Gebeten der Versammlung und durch das Singen von Königreichsliedern zum Ausdruck. Natürlich ist es verhältnismäßig einfach, Dankbarkeit in Worten auszudrücken. Der Apostel Paulus ermunterte jedoch seine Brüder in Kolossä nicht nur, zu sagen, sie seien dankbar, sondern sich auch in ihrem täglichen Leben als dankbar zu erweisen oder dies zu beweisen. Er schrieb: „Der Frieden des Christus herrsche in eurem Herzen, denn dazu seid ihr tatsächlich in e i n e m Leib berufen worden. Und erweist euch als dankbar“ (Kolosser 3:15).

      Viele Gründe zur Dankbarkeit

      3. Warum sollten wir alle Gott dankbar sein?

      3 Jeder Lebende hat viele Gründe, dankbar zu sein. Der allererste Grund ist das Leben an sich, denn alles, was wir haben oder planen mögen, wird plötzlich wertlos, wenn wir unser Leben verlieren. Der Psalmist David erinnerte alle Menschen, daran zu denken, daß bei Jehova „der Quell des Lebens“ ist (Psalm 36:9). Und der Apostel Paulus erinnerte die Athener an dieselbe ewiggültige Wahrheit, als er auf dem Areopag sprach (Apostelgeschichte 17:28). Ja, allein schon am Leben zu sein ist für uns reichlich Grund zur Dankbarkeit. Und unsere Wertschätzung wird noch vertieft, wenn wir an das Wahrnehmungsvermögen denken, mit dem uns Gott ausgestattet hat — den Geschmackssinn, den Tastsinn, den Geruchssinn, den Gesichtssinn und das Gehör —, so daß wir uns am Leben und an den Schönheiten in der Schöpfung, die uns umgibt, erfreuen können.

      4. Was wird uns davor bewahren, die mit dem Leben verbundenen Segnungen für selbstverständlich zu betrachten?

      4 Doch viele Menschen betrachten all das Gute für selbstverständlich. Manche werden sich erst dann, wenn sie zum Beispiel das Augenlicht oder das Gehör verloren haben, der Segnungen bewußt, für die sie bei guter Gesundheit nicht dankbar waren. Gott hingegebene Christen sollten ständig darauf achten, daß sich bei ihnen nicht ebenfalls ein Mangel an Wertschätzung einstellt. Sie sollten alles daransetzen, dieselbe Dankbarkeit zu bewahren, die der Psalmist mit den Worten zum Ausdruck brachte: „Viele Dinge hast du selbst getan, o Jehova, mein Gott, ja deine wunderbaren Werke und deine Gedanken uns gegenüber; niemand ist mit dir zu vergleichen. Wollte ich sie kundtun und davon reden: Sie sind zahlreicher geworden, als ich aufzählen kann“ (Psalm 40:5).

      5. Wie verhielten sich die Israeliten trotz der ihnen von Jehova zusätzlich gewährten Segnungen?

      5 Im 106. Psalm werden die Machttaten, die Jehova zugunsten seines Volkes Israel wirkte, in Gedichtform aufgezählt. Seine Handlungsweise mit den Israeliten überstieg noch die Güte und die mit dem Leben verbundenen Segnungen, die er ohnehin den Menschen im allgemeinen gewährt. Trotz dieser Vorteile bekundeten die Israeliten, wie der Psalmist zeigt, keine Wertschätzung für die empfangenen einzigartigen Segnungen. In Vers 13 heißt es: „Schnell vergaßen sie seine Werke; sie warteten nicht auf seinen Rat.“ Ihre Dankbarkeit nahm nicht etwa erst im Laufe der Zeit allmählich ab, so daß sie nach Jahrzehnten nicht mehr gewußt hätten, was Gott für sie getan hatte. Nein, sie vergaßen schnell, schon nach wenigen Wochen, welche außergewöhnlichen Wunder Jehova ihrethalben am Roten Meer gewirkt hatte (2. Mose 16:1-3). Leider bewiesen spätere Ereignisse, daß ihr Leben von Undankbarkeit geprägt war.

      Wie sie sich als dankbar erweisen sollten

      6. Warum stellte die Zehntordnung keine Härte dar?

      6 Jehova zeigte den Israeliten im einzelnen, daß sie auf dreierlei Weise echte Wertschätzung für seine Güte bekunden sollten. Eine seiner Forderungen bestand darin, die Zehntordnung zu beachten, das heißt, Jehova ein Zehntel von allen Erträgen und vom ganzen Viehbestand zu geben (3. Mose 27:30-32). Das stellte keine Härte dar, denn sie hatten die Sonne, den fruchtbaren Boden, den Regen und das Wunder des Wachstums Gott zu verdanken. Dadurch, daß sie den Priestern im Heiligtum Jehovas einen Zehnten gaben, war ihre Dankbarkeit gegenüber Jehova auch von praktischem Nutzen.

      7. (a) Welcher wesentliche Unterschied bestand zwischen der Zehntabgabe und den Beiträgen für Jehova? (b) Was konnten die Israeliten dadurch zum Ausdruck bringen?

      7 Eine weitere Forderung bestand darin, Gott Beiträge zu geben, deren Höhe von der Herzenseinstellung des betreffenden Israeliten abhing. Es war zwar keine bestimmte Menge festgesetzt worden, doch sollten die Beiträge Erstlinge sein, das heißt das erste vom Korn, vom Wein und von der Wolle des Kleinviehs (4. Mose 15:17-21; 5. Mose 18:4). Überdies hatte Jehova ausdrücklich darauf hingewiesen, daß sein Volk „nicht zögernd geben“ sollte, und es sollte „das Beste von den ersten reifen Früchten“ geben (2. Mose 22:29; 23:19). So hatten die Israeliten Gelegenheit, ihre Dankbarkeit gegenüber Jehova auf greifbare Weise zu bekunden. Durch die Menge konnten sie die Tiefe ihrer Dankbarkeit zum Ausdruck bringen. Würden sie nur eine Traube spenden? Oder würde ein großzügiges Herz sie dazu antreiben, einen ganzen Korb voll zu geben? Jeder einzelne oder jede Familie konnte sich so ohne jeglichen Zwang dankbar zeigen.

      8. (a) Welchen doppelten Nutzen bot die Vorkehrung der Nachlese? (b) Inwiefern konnten alle an der Vorkehrung der Nachlese Beteiligten ihre Großzügigkeit und Dankbarkeit beweisen?

      8 Eine dritte besondere Weise, Dankbarkeit zu zeigen, hatte mit der von Gott getroffenen Vorkehrung der Nachlese zu tun. Zur Erntezeit sollten bestimmte Teile des Feldes zugunsten der Bedürftigen nicht abgeerntet werden. Dadurch wurden nicht nur das Mitgefühl und die Rücksichtnahme gegenüber den Armen betont, sondern es wurde auch sichergestellt, daß die Armen nicht von Almosen lebten, ohne sich selbst anzustrengen, was die Moral untergraben hätte (3. Mose 19:9, 10). Wieviel für die Bedürftigen übriggelassen werden sollte, war nicht ausdrücklich festgesetzt worden. Aber wenn die israelitischen Landwirte eine großzügige Einstellung bekundeten, indem sie an den Rändern ihrer Felder viel zurückließen und auf diese Weise die Armen unterstützten, verherrlichten sie Gott (Sprüche 14:31). Ob sie ein schmales oder ein breites Stück nicht abernteten, blieb ihnen überlassen. Gott forderte jedoch unmißverständlich dazu auf, großzügig zu sein, indem er anordnete, daß eine Getreidegarbe, die versehentlich auf dem Feld blieb, sowie Früchte, die am Ölbaum oder am Weinstock blieben, für diejenigen sein sollten, die Nachlese hielten (5. Mose 24:19-22). Jene Personen wiederum konnten ihre Dankbarkeit für diese Vorkehrung Jehova gegenüber dadurch beweisen, daß sie an seiner Stätte der Anbetung ein Zehntel ihrer Nachlese spendeten.

      Von Herzen kommende Großzügigkeit

      9. Wieso schadeten sich Israeliten mit einer selbstsüchtigen Einstellung in Wirklichkeit selbst?

      9 Wenn die Israeliten großzügige Beiträge leisteten, ruhte der Segen Jehovas auf ihren Häusern. (Vergleiche Hesekiel 44:30; Maleachi 3:10.) Doch trotz reicher Ernten lieferten sie oft keine Beiträge ab. Dann ließ Gott durch Könige oder Propheten Mahnungen an sie ergehen, um ihre Dankbarkeit wiederzubeleben. In Wirklichkeit waren selbstsüchtige Israeliten die Benachteiligten, denn Jehova konnte niemand segnen, der Beiträge zurückhielt, die für seine Anbetung oder für die Armen bestimmt waren.

      10. (a) Zu welchen erfreulichen Ergebnissen führten König Hiskias Mahnungen, dankbar zu sein? (b) War dieser Zustand von Dauer?

      10 Einmal führten die Mahnungen König Hiskias dazu, daß die Israeliten freudig ein 14tägiges Fest in Jerusalem feierten. Sie waren geistig wiederbelebt worden. Zunächst vernichteten sie alle Überbleibsel des Götzendienstes, dann gaben sie „Haufen auf Haufen. ... Als Hiskia und die Fürsten kamen und die Haufen sahen, gingen sie daran, Jehova und sein Volk Israel zu segnen“ (2. Chronika 30:1, 21-23; 31:1, 6-8). Leider fielen die Israeliten nach solchen Wiederbelebungen der Dankbarkeit immer wieder in die Undankbarkeit zurück. Schließlich ging Gottes Geduld zu Ende, und er ließ zu, daß sein Volk gefangen nach Babylon weggeführt wurde. Die Stadt Jerusalem und ihr herrlicher Tempel wurden zerstört (2. Chronika 36:17-21). Später, nach der Rückkehr aus der Gefangenschaft, wurde es erneut derart schlimm, daß Jehova die Engherzigkeit der Juden so ansah, als würden sie ihn bestehlen oder berauben (Maleachi 3:8).

      11. Was können Christen heute Grundsätzliches aus der Geschichte des Volkes Israel lernen?

      11 Was können wir Grundsätzliches aus der wechselvollen Geschichte der Israeliten lernen? Folgendes: Solange sie im Herzen tiefe Dankbarkeit bewahrten, bewiesen sie diese dadurch, daß sie Jehova freudig „Haufen auf Haufen“ gaben. Als aber die Dankbarkeit in Vergessenheit geriet oder stark zurückging, hörte das freudige materielle Geben praktisch auf. Könnte es so weit kommen, daß Gott hingegebene Christen von heute ebenfalls eine solch schlechte Einstellung offenbaren? Ja, denn wir Menschen sind immer noch unvollkommen. Wie froh wir doch sind, daß Gott schriftlich festhalten ließ, wie er mit Israel verfuhr, so daß wir, die wir kurz vor dem Ende des heutigen Systems der Dinge leben, daraus eine Lehre ziehen können! (Römer 15:4; 1. Korinther 10:11).

      12. (a) Inwiefern befindet sich Jehovas Volk heute in einer ähnlichen Lage wie die Israeliten damals? (b) Welche Fragen sollten wir uns stellen?

      12 Jehovas Volk von heute hat wie die Israeliten viele Gründe zur Dankbarkeit. Auch uns werden mehr Segnungen zuteil als unseren Zeitgenossen. Tatsächlich wissen wir mehr über Jehovas Vorsätze als das Volk Israel. Wir wissen, daß Gott bereitwillig seinen Sohn geopfert hat und welche Segnungen denen, die Gottes Anerkennung haben, daraus erwachsen. Außerdem haben wir das Vorrecht, in einem geistigen Paradies zu sein, da Jehova vom Jahre 1919 an für sein Volk ein wunderbares geistiges Land geschaffen hat. Ja, als Zeugen Jehovas haben wir viele zusätzliche Gründe zur Dankbarkeit. Wir sollten uns deshalb fragen: Wie groß ist unsere Dankbarkeit Gott gegenüber? Und wie können wir uns im 20. Jahrhundert als dankbar erweisen?

      Neuzeitliche Parallelen

      13, 14. Kann man zum Nutzen der Christen, wenn sie auch nicht unter dem mosaischen Gesetz stehen, Parallelen zur Zehntordnung ziehen?

      13 Christen stehen nicht unter dem mosaischen Gesetz, das aufzeigte, wie man seine Dankbarkeit gegenüber Gott beweisen konnte (Galater 3:24, 25). Unser „Schlachtopfer“ des Lobpreises für Jehova ist „die Frucht der Lippen, die eine öffentliche Erklärung für seinen Namen abgeben“ (Hebräer 13:15). Gott hingegebene Christen können sich somit hauptsächlich auf diese Weise ihm gegenüber als dankbar erweisen. Allerdings drängen sich interessante Vergleiche zur Zehntordnung und zu den Gesetzen über Beiträge und über die Nachlese auf.

      14 Bei der Zehntabgabe ging es um die bestimmte Menge eines Zehntels — es war keine andere Möglichkeit vorgesehen. Auch heute stehen alle Diener Jehovas unter ganz bestimmten Geboten, für die es keine Alternative gibt. Wir müssen uns regelmäßig versammeln, wir müssen die gute Botschaft von Jehovas Königreich öffentlich predigen und anderen helfen, Jünger Christi zu werden (Hebräer 10:24, 25; Matthäus 24:14; 28:19, 20).

      15. Wodurch zeigt sich in der Neuzeit ein großzügiges Herz, ähnlich wie bei der Vorkehrung der Beiträge und der Nachlese?

      15 Denken wir ebenfalls an die Vorkehrung der Beiträge und der Nachlese. Diesbezüglich waren keine bestimmten Mengen festgesetzt worden. Desgleichen finden wir in der Heiligen Schrift keine Vorschrift darüber, wieviel Zeit jeder Zeuge Jehovas im heiligen Dienst verbringen sollte. Es bleibt der Bereitschaft eines großzügigen, selbstlosen Herzens überlassen, wieviel Zeit der einzelne aufwendet, um Gottes Wort zu studieren und anderen zu predigen. Auch die Höhe materieller Beiträge zur Förderung der Königreichsinteressen darf jeder von seinem Herzen bestimmen lassen. Die Tiefe der Dankbarkeit ist ausschlaggebend dafür, ob ein Diener Gottes heute „Haufen auf Haufen“ bringt oder nur so viel, daß es gerade noch reicht (2. Chronika 31:6). Doch wie im Falle des Volkes Israel wird man von Gott um so reichlicher gesegnet, je mehr Dankbarkeit man bekundet.

      Möglichkeiten, sich als dankbar zu erweisen

      16—18. Welche besonderen Möglichkeiten haben Gott hingegebene Christen, sich als dankbar zu erweisen?

      16 Eine Möglichkeit, sich gegenüber Jehova auf eindeutige Weise als dankbar zu erweisen, ist der Vollzeitpredigtdienst. Ist deine Dankbarkeit so groß, daß du von Herzen wünschst, diesen Dienst aufzunehmen? Wie man zu Recht gesagt hat, muß bei einem erfolgreichen Pionier vor allem der Wunsch zu dienen vorhanden sein und erst in zweiter Linie die richtigen Verhältnisse. In einem Herzen, das von Dankbarkeit erfüllt ist, entsteht der sehnliche Wunsch, Gott noch uneingeschränkter zu dienen. Verspürst du diesen Wunsch? Selbst wenn es dir deine gegenwärtigen Verhältnisse nicht gestatten, im Vollzeitpredigtdienst zu stehen, braucht der Pioniergeist nicht gedämpft zu werden. Du hast die Möglichkeit, die Pioniere ganzherzig zu unterstützen und zu ermuntern.

      17 Könntest du, falls es dir jetzt nicht möglich ist, allgemeiner Pionier zu sein, wenigstens von Zeit zu Zeit als Hilfspionier dienen? Zu bestimmten Zeiten des Jahres ermuntert die Christenversammlung jeweils zu außergewöhnlichen Anstrengungen im Predigtdienst. Viele finden, daß sich beispielsweise die Sommermonate ideal dafür eignen, und im Oktober wird in Verbindung mit dem Abonnementsfeldzug vermehrte Tätigkeit entfaltet. Was einen größeren Zeiteinsatz im heiligen Dienst anlangt, gilt der Grundsatz: Dankbarkeit veranlaßt zu großzügigem Geben.

      18 Eine weitere Möglichkeit, sich als dankbar zu erweisen, besteht in der Unterstützung des weltweiten theokratischen Bauprogramms. In vielen Ländern werden neue Königreichssäle gebaut und bestehende Säle erweitert, weil sie zu klein geworden sind. Es werden neue Kongreßsäle errichtet, und Bethelheime und Druckereien werden vergrößert. Welch eine praktische Möglichkeit, seine Dankbarkeit gegenüber Jehova zu beweisen, indem man durch seine Arbeitskraft oder durch finanzielle Unterstützung einen Beitrag zu diesen Bauprojekten leistet!

      Das vortreffliche Beispiel der armen Witwe

      19. Was beeindruckt dich am meisten an der armen Witwe im Tempel?

      19 Ein bekanntes biblisches Beispiel dafür, Dankbarkeit durch großzügiges materielles Geben zu bekunden, ist das der Witwe, die Jesus erwähnte (Lukas 21:1-4). Sicherlich wußte sie, daß ihre zwei Münzen, die einen sehr geringen Wert hatten, für den Tempel und das materielle Wohl der dort Dienenden ziemlich unbedeutend waren. Aber sie sah nicht den Tempel und die dort dienenden Priester und dachte nicht bei sich: „Sie leben viel besser als ich, und ihr Haus ist viel besser als mein bescheidenes Heim.“ Zweifellos war der Tempel wesentlich luxuriöser und schöner als ihr Haus. „Er [war] mit schönen Steinen und mit gestifteten Dingen geschmückt“ (Lukas 21:5). Dadurch ließ sich jedoch die Witwe nicht davon abhalten, etwas zu spenden. Sie wollte sich gegenüber Jehova als dankbar erweisen, nicht gegenüber den Männern, die im Tempel dienten.

      20. Auf welche Weise können wir dieselbe bewundernswerte Einstellung bekunden wie die arme Witwe?

      20 Aus diesem Beispiel können Jehovas Diener von heute etwas lernen. Wie die arme Witwe wissen auch sie, daß sie ihren Beitrag — ob groß oder klein — Jehova geben. Und es ist für sie beruhigend, zu wissen, daß Jehovas irdische Organisation so aufgebaut ist, daß keine Einzelperson je finanziell davon profitieren kann. Die Gebäude und Produktionsanlagen der Gesellschaft dienen fleißigen Arbeitern dazu, auf bestmögliche Weise qualitativ hochwertige Bibeln und biblische Hilfsmittel herzustellen und so die Königreichsinteressen zu fördern. Dieser Einsatz von Spendengeldern steht in krassem Gegensatz zu dem kürzlich berichteten skandalösen Mißbrauch solcher Mittel durch einige Fernsehprediger.

      Mahnungen zur Dankbarkeit von Nutzen

      21, 22. Wie sollten sich freundliche Mahnungen, Dankbarkeit zu bekunden, auf empfängliche Herzen auswirken?

      21 Die Israeliten mußten ständig ermahnt werden, an ihre Pflicht gegenüber Jehova zu denken, besonders an die Notwendigkeit, eine dankbare Einstellung zu bekunden. Gewöhnlich wurde durch solche Hinweise in ihrem Herzen wieder Dankbarkeit entfacht, und diese kam dann nicht nur durch Worte zum Ausdruck. Die Israeliten waren bereit, Jehova „Haufen auf Haufen“ von ihren Erträgen zu geben, die in seinem Haus der Anbetung verwendet werden konnten.

      22 Mögen die Glieder des heutigen „Israels Gottes“ und ihre Gefährten, die „große Volksmenge“, stets ebenso eingestellt sein (Galater 6:16; Offenbarung 7:9). Mögen sie von ihrem dankbaren Herzen dazu gedrängt werden, Jehova „Haufen auf Haufen“ des Lobpreises zu geben. Dann können sie wirklich sagen: „Wir erweisen uns als dankbar gegenüber unserem großzügigen und liebevollen Gott, Jehova.“

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