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„Wann geschah es?“Der Wachtturm 1991 | 1. August
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Die Hebräer unterteilten die Nacht offensichtlich in drei Zeitabschnitte, „Wachen“ genannt. Jede umfaßte ein Drittel der Zeit zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang oder etwa vier Stunden, abhängig von der Jahreszeit (Psalm 63:6). Gideon griff das Lager der Midianiter „zu Beginn der mittleren Nachtwache“ an, die von etwa zehn Uhr abends bis zwei Uhr morgens dauerte. Ein Angriff zu dieser Zeit kam für die Wachen sicher völlig überraschend. Der vorsichtige Gideon hätte für seinen Angriff bestimmt keine strategisch günstigere Zeit wählen können! (Richter 7:19).
Nach dem Auszug der Israeliten aus Ägypten ließ Jehova „das Meer durch einen starken Ostwind die ganze Nacht zurückgehen“, so daß sie es auf trockenem Boden durchqueren konnten. Als die Ägypter sie einholten, war es bereits „während der Morgenwache“, und Jehova brachte das Lager der Ägypter in Verwirrung, um sie schließlich zu vernichten, indem er veranlaßte, daß „das Meer ... beim Anbruch des Morgens zu seinem normalen Stand“ zurückzukehren begann (2. Mose 14:21-27). Somit dauerte die Teilung des Meeres und der Durchzug der Israeliten fast die ganze Nacht.
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„Wann geschah es?“Der Wachtturm 1991 | 1. August
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Einteilung der Nacht
Unter der römischen Herrschaft übernahmen die Juden offenbar von den Griechen und den Römern die Einteilung der Nacht in vier Wachen statt der vorher üblichen drei. In Markus 13:35 bezog sich Jesus anscheinend auf diese vier Abschnitte. Die Wache „spät am Tag“ dauerte von Sonnenuntergang bis gegen 21 Uhr. Die zweite, die Wache „um Mitternacht“, begann gegen 21 Uhr und endete um Mitternacht. Der „Hahnenschrei“ umfaßte die Zeit von Mitternacht bis etwa 3 Uhr. Und die letzte Wache, „frühmorgens“, endete bei Tagesanbruch oder gegen 6 Uhr.
Die „Hahnenschrei“-Wache ist von besonderem Interesse wegen der Worte, die Jesus gemäß Markus 14:30 zu Petrus sprach: „Du wirst mich ..., bevor ein Hahn zweimal kräht, dreimal verleugnen.“ Einige Kommentatoren behaupten zwar, „zweimal“ würde sich hier auf einen bestimmten Zeitpunkt beziehen — jeweils Mitternacht und Tagesanbruch —, aber in dem von James Hastings herausgegebenen Werk A Dictionary of Christ and the Gospels wird gesagt, daß „Hähne im Osten und anderswo tatsächlich in der Nacht krähen, und zwar ab Mitternacht zu unregelmäßigen Zeiten“. Jesus bezog sich offensichtlich nicht auf eine bestimmte Zeit, wann Petrus ihn verleugnen würde. Er wollte Petrus statt dessen durch ein Zeichen seine Worte einprägen, die sich in jener Nacht dann auch genau erfüllten (Markus 14:72).
Es war „in der vierten Nachtwache“ — zwischen drei und sechs Uhr morgens —, als Jesus, über das Wasser des Galiläischen Meeres schreitend, auf seine Jünger zukam, deren Boot „viele hundert Meter vom Land entfernt“ war. Man kann sich daher gut vorstellen, warum die Jünger „beunruhigt [waren] und sprachen: ‚Es ist eine Erscheinung!‘ Und sie schrien vor Furcht“ (Matthäus 14:23-26). Daraus ergibt sich allerdings auch, daß Jesus beträchtliche Zeit damit verbracht haben muß, allein auf dem Berg zu beten. Da sich dies zutrug, kurz nachdem Herodes Antipas Johannes den Täufer hatte enthaupten lassen und unmittelbar vor dem Passah, das den Beginn des letzten Jahres des irdischen Dienstes Jesu kennzeichnete, hatte er sicher vieles im Sinn, was er seinem Vater im persönlichen Gebet darlegte.
Neben den vier Wachen war auch die Einteilung der Nacht in zwölf Stunden üblich. Der Militärbefehlshaber Claudius Lysias befahl seinen Offizieren, „zur dritten Stunde der Nacht“ eine Abteilung von 470 Soldaten bereitzuhalten, um Paulus nach Cäsarea zu geleiten (Apostelgeschichte 23:23, 24). So wurde Paulus im Schutz der Nacht sicher aus Jerusalem herausgebracht.
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