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Eltern — womit spielt euer Kind?Erwachet! 1994 | 8. September
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Eltern — womit spielt euer Kind?
„IMMER Arbeit, nie ein Spiel, wird dem Knaben Hans zuviel“, so lautet ein altes Sprichwort. Von jeher war das Spiel im Leben von Kindern ein wichtiger Bestandteil. Durch das Spielen wird der kindliche Sinn geschult, werden die Muskeln trainiert und wichtige Fertigkeiten erlernt. Heutzutage ist Kinderspielzeug jedoch zu einem großen Geschäft geworden. Das Spielzeugland wird nicht von den Eltern oder von den Kindern beherrscht, sondern von Herstellern, Einzelhändlern, Werbefachleuten und von einer raffinierten Absatzforschung. Ausgerüstet mit neuartiger Technologie zur Spielzeugherstellung und von mächtigen Medien unterstützt, definieren sie die Welt des Spiels neu — was für Eltern und Kinder ernste Folgen hat.
Zweifelsohne haben viele in der Spielwarenindustrie Beschäftigte echtes Interesse am Wohlergehen von Kindern. Doch nur allzuoft hat der Gewinn oberste Priorität. Es geht nicht hauptsächlich darum, welches Spielzeug von erzieherischem Wert ist oder welches die kindliche Phantasie anregt, sondern einfach darum, welches sich gut verkaufen läßt. Und das ist nicht immer das schlichte Stoff-, Holz- oder Plastikspielzeug von gestern, sondern realistisches High-Tech-Spielzeug, bei dem das Kind gar keine oder nur wenig Phantasie braucht.
Ein Fabrikant stellt zum Beispiel eine Serie von Spielzeugautos her, in denen Figürchen sitzen, die bei einem Aufprall auseinanderfallen. Prallt das Auto auf einen Gegenstand, werden die Arme, die Beine und der Kopf der Figuren aus dem Fenster geschleudert. Durch ein anderes realistisches Spielzeug soll eine Schwangerschaft nachgestellt werden. Ein rucksackähnlicher Beutel, den sich kleine Mädchen um den Bauch binden können, simuliert den Herzschlag und die sanften Stöße des wachsenden Fetus.
Einige sind der Überzeugung, solche Spielsachen seien von erzieherischem Wert. Donna Gibbs, Mediadirektorin bei einem Spielzeughersteller, bezeichnet den Schwangerschaftssimulator als „eine unterhaltsame Methode für ... [kleine Mädchen], nachzuempfinden, wie ihre Mutter die Schwangerschaft erlebt“. Allerdings teilt nicht jeder ihre Meinung. Dr. T. Berry Brazelton, Professor für Kinderheilkunde an der medizinischen Fakultät der Harvarduniversität, meint, daß dieses Spielzeug „die Mutter der Möglichkeit beraubt, ihrem Kind etwas Wertvolles mit auf den Weg zu geben“. Und Dr. David Elkind, Professor für Kinderpsychologie, behauptet, daß „solches Spielzeug einfach zu weit geht“. Eine Puppe, die einen Fetus simuliere, übersteige „das Verständnis und das Begriffsvermögen von Kindern bei weitem“. Dann stellt er noch die Frage, warum denn unbedingt durch Spielsachen, die einen blutigen Autounfall realistisch darstellen würden, zu noch mehr Gewaltdarstellung beigetragen werden müsse, da doch die Fernsehprogramme bereits mit Gewalt durchsetzt seien (The Globe and Mail, 8. Februar 1992).
Auch über andere beliebte Spiele gehen die Meinungen auseinander — zum Beispiel über Videokriegsspiele und Hochdruck-Wasserpistolen. Wenn man bedenkt, daß gemäß dem Präsidenten der Amerikanischen Spielzeugfabrikanten „ständig schätzungsweise 150 000 verschiedene Spielzeuge auf dem Markt sind“, ist es für Eltern eine gewaltige Herausforderung, zu entscheiden, welches Spielzeug sie kaufen sollen. Wovon sollten sich Eltern bei ihrer Wahl leiten lassen? Gibt es berechtigte Gründe, einige der modernen Spielwaren mit Besorgnis zu betrachten? Diese und andere damit in Verbindung stehende Fragen werden in den folgenden Artikeln behandelt.
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Das Spielzeug von heute — Was vermittelt es Kindern?Erwachet! 1994 | 8. September
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Das Spielzeug von heute — Was vermittelt es Kindern?
KINDER haben einen natürlichen Spieldrang. In dem Buch Choosing Toys for Children heißt es, daß normal entwickelte Kinder „sich ihre eigene Phantasiewelt schaffen und dort auf Erkundungsreise gehen“. Das war sogar in alter Zeit schon so. Damals war es üblich, daß Kinder ‘auf öffentlichen Plätzen spielten’ (Sacharja 8:5). Dabei erfanden sie oft einfallsreiche Spiele. (Vergleiche Matthäus 11:16, 17.)
Daher wird Spielen auch zu Recht als die Arbeit des Kindes bezeichnet; somit könnte man Spielzeug als das Werkzeug des Kindes betrachten. Die Zeitschrift Parents schrieb: „Durch das Spielen lernen Kinder etwas über die Welt. ... Sie verkleinern sie auf eine kindgerechte Größe, und diese Welt können sie fühlen und kontrollieren. Beim Spielen entwickeln sich die Muskeln, die Koordination wird geübt, die Grenzen zwischen Realität und Phantasie werden ausgetestet, die Sozialisation wird gefördert, die Kinder lernen, miteinander zu kommunizieren, sich abzuwechseln und zu teilen. Das Spiel regt ihre Phantasie an, und sie sammeln Erfahrungen im Lösen von Problemen.“
Auch in biblischer Zeit war Spielzeug für Kinder wichtig. Ausgrabungen in Israel förderten einen kleinen kostbaren Fund an Kinderspielzeug zutage — darunter befanden sich Rasseln, Pfeifen, kleine Tontöpfe und Wagen. In der World Book Encyclopedia ist zu lesen: „Im alten Afrika spielten die Kinder mit Bällen, mit Spielzeugtieren oder mit Spielzeug, das sie hinter sich herziehen konnten. Die Kinder im antiken Griechenland und im alten Rom amüsierten sich mit Booten, Wägelchen, Reifen und mit Kreiseln. Im Mittelalter waren in Europa unter anderem Tonmurmeln, Rasseln und Puppen beliebt.“
Noch heute spielt anregendes, interessantes und pädagogisch wertvolles Spielzeug eine bedeutende Rolle. Jedoch ist eine alarmierende Anzahl von Spielwaren auf dem Markt, deren Wert angezweifelt wird. In einem Artikel der Zeitschrift Time (1992) hieß es: „Wenn Sie gutes und vernünftiges Spielzeug suchen, an dem Ihre Kinder Freude haben, dann vergessen Sie die Spielwaren, die dieses Jahr auf den Markt kommen. Eigentlich jeder große Spielzeughersteller stellt das Widerliche heraus.“ Zu einer Spielzeugserie gehört ein lebensgroßer Plastikschädel, den die Kinder „so ekelerregend wie möglich“ gestalten können. Dann gibt es noch Spielwaren zu kaufen, die Körperfunktionen wie Erbrechen simulieren. Sowohl auf Eltern als auch auf Kinder wird großer Druck ausgeübt, diese Art von Spielzeug zu kaufen.
Das Kind als Kunde
Wie die Zeitschrift Pediatrics in Review bemerkte, war es nach dem alten „Kodex Hammurabi unter Androhung der Todesstrafe verboten, irgend etwas an ein Kind zu verkaufen“. Heute genieren sich jedoch weder Spielzeughersteller noch Werbefachleute, ihre teuren Spielwaren arglosen Kindern zum Verkauf anzubieten. Mit Hilfe ausgeklügeltster Forschungstechniken gewinnen Spielzeugkonstrukteure Einsicht in den kindlichen Sinn. Ständig werden Produkte neu designt; dadurch erscheinen die Vorjahresmodelle als überholt und die neuen Spielwaren als unentbehrlich.
Die Spielzeugindustrie macht außerdem vollen Gebrauch vom Einfluß des Fernsehens. In den Vereinigten Staaten ist das Kinderprogramm mit Werbung für Spielzeug vollgestopft. Durch eine raffinierte Kameraführung, Spezialeffekte und eine die Phantasie weckende Musik lassen sich selbst die langweiligsten Spielwaren als zauberhaft und aufregend hinstellen. Die meisten Erwachsenen durchschauen diese Manipulation, „kleine Kinder dagegen glauben, die Werbung sei für bare Münze zu nehmen“ (Pediatrics in Review).
Viele Kindersendungen bestehen in Wirklichkeit aus nichts anderem als aus Werbung. Wie in der Veröffentlichung Current Problems in Pediatrics zu lesen war, werden solche Sendungen „gemacht, um zum Kauf von Spielzeug anzuregen, und nicht, um Kinder zu erziehen oder ihnen etwas zu vermitteln“. Aus der Fernsehserie Ninja Turtles sind beispielsweise „über 70 Ninja-Artikel, ein Frühstücksmüsli und ein Kinofilm hervorgegangen“.
Wie die Zeitschrift Pediatrics in Review außerdem berichtete, „belegen zahllose Studien, daß Kinder, die Werbefilme sehen, ihren Eltern in den Ohren liegen, ihnen die angepriesenen Artikel doch zu kaufen“. Der Gründer einer internationalen Spielzeugfirma sagte: „Man kann beobachten, wie die Kinder am Mantel der Eltern zerren, und jeder weiß, was das heißen soll: ‚Wenn ich dieses Spielzeug nicht krieg’, sterb’ ich.‘“ Wen wundert es daher, daß allein in Kanada jedes Jahr über 1,2 Milliarden kanadische Dollar für Spielzeug ausgegeben werden, das für Kinder, Enkel oder Freunde bestimmt ist.
Kriegsspielzeug
Ganz besonders beliebt auf dem Spielwarensektor sind Videokriegsspiele. Nach Ansicht von Befürwortern dieser Spiele fördern sie die Fähigkeit, Probleme zu lösen, das Auge-Hand-Zusammenspiel, die manuelle Geschicklichkeit, und sie wecken die Neugier. „Bei richtiger Verwendung ist ein Computerspiel unschädlich, es kann sogar von pädagogischem Wert sein“ wurde in einem Artikel des Toronto Star bemerkt. Allerdings wurde zugegeben, daß diese Beschäftigung immer häufiger zur Abkapselung führt und sogar in Besessenheit ausartet.
Da ist zum Beispiel ein kleiner Junge, der von Videokriegsspielen geradezu besessen ist. Die Mutter erzählt: „Es ist unglaublich! Er geht nicht eher vom Bildschirm weg, bis er jeden getötet hat.“ Wie alt ist dieses Kind? Gerade zwei Jahre! Der kleine Daumen ist schon ganz wund, weil der Junge jeden Tag vier bis fünf Stunden die Spielknöpfe drückt. Doch das scheint die Mutter nicht weiter zu beunruhigen. „Das einzige, was mir Sorgen macht, ist, daß er auch alles andere ‚mal so eben schnell‘ erledigen will“, sagt sie und schnippt dazu mit dem Finger. Das Spiel „läuft so schnell ab ..., doch im wirklichen Leben geht alles viel langsamer“.
Nach einem Bericht des Toronto Star meinen einige Gegner von Videospielen, daß diese „es den Kindern verleiden, zu lernen, sich mit Hilfe ihrer Phantasie, des Lesens oder anderer traditioneller Freizeitbeschäftigungen zu vergnügen, und daß sie Kinder von den Hausaufgaben ablenken“. Einige Erzieher sagen sogar, Videospiele seien eine verführerische Bedrohung und würden Kinder zu einem gewalttätigen Einsiedlerverhalten ermutigen.
Die Nachrichtenmeldungen im Fernsehen über die Bombardements während des Kriegs am Persischen Golf (1991) sorgten für eine lebhafte Nachfrage nach noch mehr Kriegsspielzeug, das konventionelles Kriegsmaterial darstellt. Ganz oben auf der Beliebtheitsliste standen Modelle von Abrams-Panzern, von Scud-Raketen und von Kampfhubschraubern. Experten befürchten, dieses Spielzeug fördere bei Kindern die Aggressivität oder stumpfe sie gegenüber Gewalt ab. Zumindest läuft das Spielen mit Kriegsspielzeug der Aussage des Bibeltextes Jesaja 2:4 zuwider, wo vorausgesagt wird, daß Gottes Volk „nie wieder für den Krieg ausgebildet wird“ (The New English Bible).
Es ist auch schon vorgekommen, daß realistisches Spielzeug — wie Hochdruck-Wasserpistolen — echte Gewalt auslöste. In einer nordamerikanischen Stadt eskalierte eine Wasserschlacht mit Hochdruck-Wasserpistolen, als jemand zu einer echten Waffe griff und einen 15jährigen Jugendlichen tötete. Bei einem anderen Vorfall wurden zwei Jugendliche von einem wütenden Bewaffneten verwundet, der durch Wasserpistolen klatschnaß geworden war. Scheinbar harmlose Wasserschlachten haben noch zu etlichen anderen Gewalttätigkeiten geführt.
Die Botschaft, die Eltern vermitteln
Nur wenige verantwortungsbewußte Eltern heißen Gewalt wirklich gut. Und dennoch blüht das Geschäft mit Kriegsspielzeug. Manchmal machen Eltern lieber Zugeständnisse, als sich den Zorn ihres Kindes zuzuziehen. Dadurch richten sie jedoch unter Umständen großen Schaden an. Susan Goldberg, eine kanadische Forscherin auf dem Gebiet der Psychiatrie, argumentiert folgendermaßen: „Wenn wir Eltern unseren Kindern ein Spielzeug schenken, geben wir damit zu erkennen, daß wir mit dem, wofür dieses Spielzeug steht, einverstanden sind.“ Natürlich ist es normal, daß sich einige Kinder von Zeit zu Zeit aggressiv verhalten. „Gäbe es keine Spielzeugpistolen, würden sich die Kinder eigene Modelle ausdenken oder sogar ihre Finger nehmen“, behauptet eine Psychologin. Das kann schon sein. Sollten Eltern jedoch ein aggressives Verhalten provozieren, indem sie ihren Kindern nachgebaute Waffen in die Hände geben?
Richtig ist auch, daß nur wenige Kinder letztendlich eine kriminelle Laufbahn einschlagen, weil sie mit einer Spielzeugpistole gespielt haben. Welche Botschaft vermitteln wir aber unseren Kindern, wenn wir ihnen solche Spielsachen geben? Möchten wir sie glauben machen, daß Gewalt gleich Spaß ist, Töten und Krieg gleich Spannung sind? Bringen wir ihnen dadurch Respekt vor göttlichen Maßstäben bei? Gottes Wort sagt: „Jeden, der Gewalttat liebt, haßt SEINE [Gottes] Seele gewiß“ (Psalm 11:5).
Wie Susan Goldberg noch sagt, wachse die Wahrscheinlichkeit, daß Kinder Probleme mit Aggressivität angehen, je öfter sie mit stillschweigender Genehmigung der Eltern mit Kriegsspielzeug spielen dürften. Die Bibel sagt in Galater 6:7: „Was immer ein Mensch sät, das wird er auch ernten.“ Wird das Spielen mit Kriegsspielzeug bei einem Kind zu einer Ernte guter Eigenschaften führen?
Fairerweise sollte man zugeben, daß jedes Kind anders ist. Das eine ist womöglich nach Videospielen süchtig, das andere nicht. Und ob ein Kind das elektronische Geblinke auf dem Bildschirm wirklich mit der Gewalt im richtigen Leben in Verbindung bringt, mag dahingestellt bleiben. Daher müssen die Eltern entscheiden, was das Beste für ihre Kinder ist, und Spielsachen mit großer Sorgfalt auswählen.
[Bild auf Seite 6]
Durch das Spielen lernen Kinder, zu anderen eine Beziehung herzustellen
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Eltern — entscheidet bei der Wahl von Spielzeug weise!Erwachet! 1994 | 8. September
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Eltern — entscheidet bei der Wahl von Spielzeug weise!
KINDER sind gemäß der Bibel „ein Erbe von Jehova“ (Psalm 127:3). Gottesfürchtige Eltern erkennen daher ihre Verantwortung, Kinder „in der Zucht und in der ernsten Ermahnung Jehovas“ zu erziehen (Epheser 6:4). Sie überlassen es nicht Spielzeugherstellern, die Persönlichkeit ihrer Kinder zu formen.
Spielzeug kann einen bedeutenden Beitrag zur emotionalen und geistigen Entwicklung eines Kindes leisten. Das heißt aber nicht, daß Eltern Unsummen für High-Tech-Spielereien ausgeben müssen. Einige der nützlichsten und anregendsten Spielsachen sind jedoch fast umsonst erhältlich.
Ein simpler Pappkarton läßt sich durch die lebhafte kindliche Phantasie in ein Haus, in ein Flugzeug oder in irgend etwas anderes verwandeln. Mit Hilfe von Eimer und Schaufel wird eine Sandburg gebaut. Schlichte Bauklötzchen, Puzzles, Knetmasse oder Buntstifte können ebenfalls für vergnügliche Stunden sorgen. Ältere Kinder erwerben durch Malutensilien oder Bastelsätze Geschicklichkeit und lassen dadurch ihrer Kreativität auf angebrachte Weise freien Lauf — was weitaus zufriedenstellender ist, als blinkende Lichter auf dem Bildschirm zu löschen.
Manche Spiele erfordern überhaupt kein großes Zubehör. Ein Waldspaziergang kann ein aufregendes Abenteuer sein, ganz besonders dann, wenn das Kind von einem liebevollen, aufmerksamen Elternteil begleitet wird. Man kann einem Kind auch beibringen, daß man selbst an grundlegenden häuslichen Tätigkeiten Spaß finden kann. Penelope Leach schreibt in ihrem Buch Your Growing Child: „Kuchen backen, kochen, einkaufen, den Garten umgraben, das Auto waschen, die Decke streichen oder das Baby baden bedeutet für die Eltern wahrscheinlich Arbeit, für das Kind hingegen können diese Tätigkeiten zu den schönsten Spielen gehören.“
Sieben hilfreiche Richtlinien
Selbstverständlich hat käufliches Spielzeug seinen Platz. Und wenn die Familienfinanzen es erlauben und die Eltern etwas kaufen möchten, werden sie sich zuvor vielleicht folgende Fragen stellen:
1. Weckt das Spielzeug wirklich die Neugier, und regt es die Phantasie unseres Kindes an? Wenn nicht, dann wird es sich schon nach kurzer Zeit langweilen. In der Fernsehwerbung sieht ein Spielzeug womöglich verlockend aus, aber bedenkt: Die kleinen Schauspieler und Schauspielerinnen werden für ihre Begeisterung bezahlt. Euer Kind reagiert womöglich ganz anders. Beobachtet es daher beim Spielen oder im Spielwarengeschäft. Zu welchem Spielzeug fühlt es sich hingezogen?
Eltern denken manchmal, Spielzeug sei erst dann wertvoll, wenn es von „erzieherischem Wert“ sei. Die Professorin Janice T. Gibson gibt jedoch zu bedenken: „Kinder lernen durch alle Spielsachen. Hauptsache, sie haben Spaß daran, so daß sie damit lange Zeit auf eine Weise spielen, die für sie förderlich ist.“
2. Entspricht es den körperlichen und geistigen Fähigkeiten unseres Kindes? Gelegentlich ist ein Kind für ein spezielles Spielzeug einfach nicht kräftig, geduldig oder behende genug. Die Eltern dagegen würden es gern kaufen, weil damit gewisse wehmütige Erinnerungen verbunden sind. Ist ein Dreijähriger aber tatsächlich in der Lage, eine komplette elektrische Eisenbahn handzuhaben oder einen Baseballschläger zu schwingen? Warum nicht warten, bis das Kind körperlich und geistig so weit entwickelt ist, daß es solche Spielsachen wertschätzt?
3. Ist es sicher? Kleine Kinder stecken gern alles in den Mund, und wie schnell können sie an einem kleinen Holzbauklotz oder an einem winzigen Plastikteil ersticken. Scharfe oder spitze Kanten können Kindern aller Altersklassen gefährlich werden. Vielleicht überlegt ihr auch, ob das Spielzeug herumgeworfen oder als Waffe gegen Geschwister eingesetzt wird.
In den Vereinigten Staaten ist auf einigen Spielsachen die Altersgruppe vermerkt, für die sie gedacht sind. Wer sich an diese Empfehlungen hält, kann sein Kind vor Verletzungen schützen. Seid ihr euch bei einem Spielzeug nicht ganz sicher, könntet ihr, falls möglich, den Verkäufer um eine Vorführung des Modells bitten.
4. Ist es strapazierfähig und gut verarbeitet? „Kleine Kinder, die Gegenstände gern fallen lassen, in den Mund stecken oder damit werfen, kriegen Spielzeug, das nicht strapazierfähig ist, leicht kaputt“, heißt es in der Zeitschrift Parents.
5. Ist es sein Geld wert? Die Fernsehwerbung spricht selten über Preise, aber Spielzeug will bezahlt werden. Ein Großteil des Geldes zahlt man für den Markennamen statt für das tatsächliche Konstruktionsmaterial. Außerdem weckt die Werbung in Kindern oft unrealistische Erwartungen, die teilweise zu großer Enttäuschung führen.
Bringt eurem Kind bei, ein kluger Käufer zu sein. In Sprüche 14:15 lesen wir: „Ein Unerfahrener glaubt jedem Wort, aber der Kluge achtet auf seine Schritte.“ In einem Artikel in der New York Times hieß es: „Manchmal läßt sich schon vor dem Kauf eines Spielzeugs sagen, warum es von schlechter Qualität ist und warum es nicht das hält, was es gemäß der Werbung verspricht.“ Und weiter: „Kinder sind viel klügere Käufer, wenn das Geld aus ihrem eigenen Portemonnaie stammt und nicht aus dem der Eltern.“
Natürlich läßt sich der wahre Wert von Spielzeug bei weitem nicht nur am Material oder an der Verarbeitungsgüte messen. Wichtig ist, wie oft damit gespielt wird und wieviel Spaß Kinder dabei haben. Eine Schaukel für den Garten kostet wahrscheinlich relativ viel, doch sie kann jahrelang für lustige Stunden sorgen. Billiges Spielzeug, das schon nach kurzer Zeit links liegengelassen wird, mag, auf lange Sicht gesehen, hinausgeworfenes Geld sein.
6. Welche Wertvorstellungen und Maßstäbe werden vermittelt? David Elkind, Professor für Kinderpsychologie, weist darauf hin, daß „Spielsachen die kindliche Phantasie auf eine konstruktive, nicht auf eine destruktive Weise anregen sollten“. Kauft kein martialisches Spielzeug, keines, das eindeutig Gewalt fördert oder Laster der Erwachsenen wiedergibt, zum Beispiel Glücksspiel.
Wie sieht es mit Spielsachen aus, die bekannte Märchengestalten oder Figuren aus Science-fiction-Romanen nachempfinden? In der Regel siegt in solchen Geschichten das Gute über das Böse. Deswegen halten einige Eltern die darin enthaltenen magischen Elemente nur für ein harmloses Produkt der kindlichen Phantasie, das ihrem Kind nicht schadet. Andere befürchten jedoch möglicherweise, daß solche Geschichten das Interesse am Okkulten wecken (5. Mose 18:10-13). Eltern müssen — ohne andere zu verurteilen — in dieser Hinsicht ihre eigene Entscheidung treffen, wobei sie berücksichtigen, welche möglichen Auswirkungen die Geschichten sowie alle Spielzeuge, die damit in Zusammenhang stehen, auf ihr Kind haben.
Denkt auch an den Grundsatz aus 1. Korinther 10:23, wo es heißt: „Alle Dinge sind erlaubt; aber nicht alle Dinge sind von Vorteil.“ Ihr persönlich mögt nichts gegen ein beliebtes Spielzeug einzuwenden haben, aber ist sein Kauf wirklich von Vorteil? Könnte es die Gefühle anderer verletzen, oder würden sie daran Anstoß nehmen?
Prüft auch Spielzeug, das von erzieherischem Wert sein soll, genauestens — besonders dann, wenn Kinder dadurch angeblich etwas über Sexualität oder über Schwangerschaft lernen. Ist schon der richtige Zeitpunkt für Aufschluß dieser Art gekommen? Sollten solche Informationen nicht lieber in Gesprächen zwischen euch und eurem Kind übermittelt werden?a Gewisse Spielsachen mögen nützlich sein, um die körperlichen Aspekte aufzuzeigen, aber vermitteln sie die richtige Einstellung zu Moral?
7. Möchten wir es unserem Kind wirklich kaufen? Vielleicht seid ihr der Meinung, euer Kind habe bereits zu viele Spielsachen, das Spielzeug eigne sich für eure Wohnverhältnisse einfach nicht oder es mache zuviel Lärm. Wenn sich nichts dagegen unternehmen läßt, bleibt euch wahrscheinlich nichts anderes übrig, als nein zu sagen. Das fällt schwer. Aber man hilft einem Kind nicht, ein ausgeglichener Erwachsener zu werden, wenn man seinen Bitten und Launen jedesmal nachgibt. Beachtet, welcher Grundsatz in Sprüche 29:21 erwähnt wird: „Wenn einer seinen Knecht [oder sein Kind] von Jugend an verzärtelt, wird er in seinem späteren Leben sogar ein Undankbarer werden.“
Das heißt nicht, daß ihr dogmatische oder unvernünftige Eltern sein sollt. Denn dann würde euer Kind nur wütend und gereizt reagieren. ‘Die Weisheit von oben ist vernünftig’ (Jakobus 3:17). Eine Fachfrau auf dem Gebiet der Kinderbetreuung drückt es so aus: „Sie müssen sich die Zeit nehmen, Ihrem Kind ausführlich zu erklären, warum Sie ihm bestimmte Spielsachen nicht kaufen.“
Etwas Wichtigeres als Spielzeug
Spielsachen können zwar erzieherisch wertvoll und unterhaltsam sein, aber es sind nur Gegenstände. Ein Kind kann ein Spielzeug liebhaben, aber umgekehrt funktioniert das nicht. Kinder brauchen liebevolle Zuwendung, etwas, was ihnen nur die Eltern geben können. „Eigentlich sind die Eltern das beste Spielzeug aller Zeiten“, meint Dr. Magdalena Grey. Wenn Eltern mit ihren Kindern spielen, tragen sie zu einer engen emotionalen Bindung bei und zur Entwicklung von vernünftigen Anschauungen und gesunden Emotionen.
Ja, vernünftiges Spielen ist für Kinder wichtig. Viel wichtiger ist jedoch Anleitung auf moralischem und geistigem Gebiet. „Dies bedeutet ewiges Leben“, sagt die Bibel, „daß sie fortgesetzt Erkenntnis in sich aufnehmen über dich, den allein wahren Gott, und über den, den du ausgesandt hast, Jesus Christus“ (Johannes 17:3). Eltern können eine wichtige Rolle dabei spielen, ihren Kindern diese lebensrettende Erkenntnis zu vermitteln. Die Familien unter Jehovas Zeugen bemühen sich, regelmäßig die Bibel zu studieren. Häufig tun sie das mit Hilfe von Veröffentlichungen wie den Büchern Mein Buch mit biblischen Geschichten, Auf den Großen Lehrer hören und Fragen junger Leute — Praktische Antworten, die speziell für Kinder und Jugendliche geschrieben worden sind.b Diese Bücher sind mehr als lediglich eine unterhaltsame Lektüre — sie haben Tausenden von Kindern geholfen, einen festen Glauben an Gott zu entwickeln. Die Kinder hören sich auch gern biblische Dramen auf Kassette an.c
Wahre Christen spielen daher nicht nur mit ihren Kindern — sie beten, studieren und unterhalten sich auch mit ihnen. Eine solche liebevolle Zuwendung erfordert Zeit und viel Mühe. Auf lange Sicht gesehen, bringt sie einem Kind jedoch größere und anhaltendere Freude als jedes noch so schöne Spielzeug.
[Fußnoten]
a Siehe die Artikelserie über Aufklärung im Erwachet! vom 22. Februar 1992.
b Herausgegeben von der Wachtturm-Gesellschaft.
c Herausgegeben von der Wachtturm-Gesellschaft.
[Bilder auf Seite 8, 9]
Kinder finden an selbstausgedachtem Spielzeug Freude — aus einem Wäschekorb wird ein Auto, Schuhkartons werden zu einer Eisenbahn umfunktioniert
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