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Singapur — Dem Glanzstück Asiens haftet ein Makel anErwachet! 1997 | 8. Juni
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Die Anklagen gegen die Ausländer wurden fallengelassen. Dagegen machte man 64 Bürgern von Singapur Ende 1995 und Anfang 1996 den Prozeß. Alle 64 wurden für schuldig befunden. 47 von ihnen, im Alter von 16 bis 72 Jahren, bezahlten die Geldstrafen in Höhe von Tausenden von Dollar nicht und kamen deshalb für 1 bis 4 Wochen ins Gefängnis.
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Singapur — Dem Glanzstück Asiens haftet ein Makel anErwachet! 1997 | 8. Juni
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Ein stellvertretender Polizeichef, der einen Stoßtrupp anführte, gab vor Gericht zu, dies sei das einzige Mal gewesen, daß er und seine Beamten den Befehl hatten, eine religiöse Zusammenkunft zu sprengen. Die folgenden Aussagen stammen aus dem Beweisaufnahmeprotokoll:
Frage: Hat die Abteilung für Geheimorganisationen Ihres Wissens je bei irgendwelchen nichtregistrierten Religionsgemeinschaften außer bei Jehovas Zeugen ermittelt und sie strafrechtlich verfolgt?
Antwort: Nicht daß ich wüßte!
Dann wurde die Befragung fortgesetzt.
Frage: Haben Sie persönlich jemals eine ähnliche Razzia bei einer kleinen Religionsgemeinschaft durchgeführt, deren Angehörige sich in einer Wohnung versammelt haben und die nicht als Gesellschaft eingetragen ist?
Antwort: Nein.
Ein Aufruf zum Handeln
Amnesty International und die Internationale Anwaltsvereinigung entsandten je einen Sonderbeobachter, um den Ablauf der Verfahren zu überwachen. Andrew Raffell, unparteiischer Beobachter von Amnesty International und Barrister in Hongkong, sagte: „Ich habe in meinen Bericht geschrieben, daß das Verfahren den Anschein eines Schauprozesses hatte.“ Weiter führte er aus, die als Zeugen geladenen Staatsbeamten seien nicht imstande gewesen, dem Gericht zu erklären, warum die Literatur der Zeugen Jehovas als unerwünscht gelte. Raffell nannte einige der verbotenen biblischen Publikationen, wie zum Beispiel die Bücher Der Weg zu wahrem Glück und Mache deine Jugend zu einem Erfolg, und meinte, diese Veröffentlichungen könnten in keiner Hinsicht als unerwünscht gelten.
Cecil Rajendra, der von der Internationalen Anwaltsvereinigung entsandte Beobachter, erklärte:
„Von Anfang an war für mich als Beobachter klar, daß der gesamte Prozeß nichts anderes als eine ... Farce war, die man inszeniert hatte, um der Welt zu zeigen, daß Singapur immer noch eine Demokratie ist.
Das Ergebnis stand von vornherein fest, und es gab weder vor noch während, noch am Ende des Prozesses den geringsten Zweifel darüber, daß alle Angeklagten für schuldig befunden würden.
Obwohl sich ein untergeordnetes Gericht mit dem Fall befaßte und es sich bei den Beschuldigungen um geringfügige Verletzungen des Gesetzes über Gesellschaften handelte, war das Gerichtsgebäude von einer Atmosphäre der Angst und Einschüchterung erfüllt.
Das lag zum großen Teil daran, daß dort nicht weniger als 10 uniformierte Polizisten postiert waren (6 im Gerichtsgebäude und 4 draußen) und mehrere Männer von der Sonderabteilung in Zivil auf der Galerie saßen.“
Über den Verlauf des Verfahrens sagte Rajendra:
„Das Verhalten des besagten Richters während der Zeit der Beobachtung des Prozesses (sowie während des gesamten Verfahrens, wie aus den Protokollen hervorgeht) ließ viel zu wünschen übrig. ... Entgegen allen Regeln eines fairen Prozesses intervenierte der Richter immer wieder zugunsten der Staatsanwaltschaft und frustrierte die Verteidigung durch Kreuzverhöre mit Zeugen der Anklage. Als Beweisstück wurde zum Beispiel auf die King James Version hingewiesen, wobei der Staatsanwalt die Sache so hinstellte, als seien die Angeklagten im Besitz verbotener Schriften.“
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