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UkraineJahrbuch der Zeugen Jehovas 2002
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Zeugnisgeben vor Gericht
Michailo Dan, der schon erwähnt wurde, wurde Ende 1948 verhaftet. Damals war er verheiratet, hatte einen einjährigen Sohn, und seine Frau erwartete das zweite Kind. In der Verhandlung forderte der Staatsanwalt eine Freiheitsstrafe von 25 Jahren. In seinem letzten Wort an die Richter gebrauchte Bruder Dan Jeremia 26:14, 15 und sagte: „Ich bin in Ihrer Hand. Tun Sie mir gemäß dem, was gut, und gemäß dem, was recht ist in Ihren Augen. Nur sollten Sie auf jeden Fall wissen, dass Sie, wenn Sie mich zu Tode bringen, unschuldiges Blut auf sich und auf diese Stadt und auf ihre Bewohner bringen, denn in Wahrheit hat mich Jehova tatsächlich zu Ihnen gesandt, um vor Ihren Ohren alle diese Worte zu reden.“ Diese Warnung beeindruckte die Richter. Sie berieten sich und trafen ihre Entscheidung: zehn Jahre Gefängnis und fünf Jahre Verbannung in fernen Teilen Russlands.
Bruder Dan war für schuldig befunden worden, ein Vaterlandsverräter zu sein. Als er davon erfuhr, sagte er zu den Richtern: „Ich wurde in der Ukraine geboren, als sie zur Tschechoslowakei gehörte, und lebte später unter ungarischer Herrschaft; jetzt gehört unser Land zur Sowjetunion, und ich bin rumänischer Nationalität. Welches Vaterland soll ich denn verraten haben?“ Natürlich blieb man ihm die Antwort schuldig. Nach der Verhandlung hörte Bruder Dan, dass er glücklicher Vater einer Tochter geworden sei. Das half ihm, all die Entwürdigungen in den Gefängnissen und Lagern im Osten Russlands zu ertragen. Ende der 1940er Jahre verhungerten viele Brüder aus der Ukraine, aus Moldawien und Weißrussland in sowjetischen Gefängnissen. Bruder Dan verlor 25 Kilogramm an Gewicht.
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UkraineJahrbuch der Zeugen Jehovas 2002
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Ein Zeuge Jehovas zu sein reichte als Verhaftungsgrund aus. Oft wurde vor Gericht vorsätzlich falsch ausgesagt. In der Regel hatte der Geheimdienst zu diesem Zweck Nachbarn oder Kollegen eingeschüchtert oder bestochen.
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