Wachtturm ONLINE-BIBLIOTHEK
Wachtturm
ONLINE-BIBLIOTHEK
Deutsch
  • BIBEL
  • PUBLIKATIONEN
  • ZUSAMMENKÜNFTE
  • w89 15. 11. S. 26-29
  • Erntezeit im Land des Eises und des Schnees

Kein Video für diese Auswahl verfügbar.

Beim Laden des Videos ist ein Fehler aufgetreten.

  • Erntezeit im Land des Eises und des Schnees
  • Der Wachtturm verkündigt Jehovas Königreich 1989
  • Zwischentitel
  • Ein Anfang wird gemacht
  • Verstärkung trifft ein
  • Endlich beginnt die Ernte!
  • Ein Besuch im grönländischen Gebiet
  • Die Ernte geht weiter
Der Wachtturm verkündigt Jehovas Königreich 1989
w89 15. 11. S. 26-29

Erntezeit im Land des Eises und des Schnees

GRÖNLAND, die größte Insel der Welt, ist wirklich ein Land des Eises und des Schnees. Der größte Teil der fast 2 700 km langen Insel liegt nördlich des Polarkreises unter einer permanenten Eiskappe von durchschnittlich 1,5 km Mächtigkeit. Der übrige Teil Grönlands ist fünf bis acht Monate im Jahr mit Schnee bedeckt. Man sagt, daß die Insel von den Wikingern, die sie entdeckten, Grönland („grünes Land“) genannt wurde, um Siedler anzulocken. Während des kurzen Sommers paßt dieser Name tatsächlich auf bestimmte Küstengebiete.

Im Frühjahr bricht die Eisdecke vor der Nordostküste Grönlands auf, und es bildet sich Packeis. Dieses treibt die Ostküste hinunter, umrundet das Kap Farvel und driftet ein Stück die Westküste hinauf, was die Schiffahrt monatelang sehr erschwert. Im Winter sind die Küstengewässer größtenteils zugefroren, und dadurch sind die Siedlungen voneinander abgeschnitten. Das Land, das Meer, ja die ganze Lebensweise der Menschen wird tatsächlich vom Eis beherrscht. Man kann sich kaum vorstellen, daß in diesem Land etwas geerntet werden kann.

Ein Anfang wird gemacht

Die Eskimos der Inuitkulturen leben seit Jahrhunderten als Jäger auf der Insel. 1721 kam der lutherische Geistliche Hans Egede als Missionar nach Grönland. Später war die Herrnhuter Brüdergemeine in verschiedenen Siedlungen tätig. Einige ihrer Missionare übersetzten bestimmte Bibelbücher in die grönländische Sprache, wobei sie Gottes Eigennamen, Jehova, verwendeten. Von 1900 an war jedoch nur noch die dänische lutherische Kirche in Grönland aktiv.

Das Jahr 1953 — Grönland war bis dahin eine dänische Kolonie — brachte einige bedeutsame Veränderungen. Gemäß der neuen dänischen Verfassung, die in jenem Jahr in Kraft trat, wurden in Grönland neben der lutherischen Kirche auch wieder andere Religionsgemeinschaften zugelassen. Daher trafen im Januar 1955 zwei Zeugen Jehovas, Missionare aus Dänemark, dort ein. Ihre Zuteilung war ein 2 000 km langer Streifen an der Südwestküste, wo fast alle Grönländer lebten — etwa 27 000 Menschen, zumeist Jäger und Fischer.

Kristen Lauritsen, einer der beiden Zeugen, erzählt: „Unsere Grönländischkenntnisse waren zunächst gleich Null, aber wir hatten den brennenden Wunsch, den Grönländern die Wahrheit des Wortes Gottes zu bringen. Es gab einige Traktate in Grönländisch, und die Broschüre ,Diese gute Botschaft vom Königreich‘ traf im Verlauf des ersten Jahres ein.“ Wie gingen sie bei ihrer Predigttätigkeit vor?

„Anfangs benutzten wir gedruckte Karten, um den Zweck unseres Besuchs zu erklären. Später lernten wir einige Sätze auswendig. Reisen von Ort zu Ort waren nur mit Schiffen möglich, die allerdings sehr unregelmäßig fuhren, da Fahrpläne so gut wie unbekannt waren. Nicht selten wurden wir seekrank. Es war für uns auch schwierig, eine Bleibe zu finden. Oft mußten wir uns mit dem Zelt begnügen, das wir immer in unserem Gepäck hatten.“

Aber sie erhielten auch einen Ausgleich. Die Grönländer sind freundliche und gastfreie Menschen. Für sie ist es natürlich, an Gott zu glauben und die Bibel zu respektieren. In fast jedem Haus hat man eine Bibel in der Landessprache. Kristen erinnert sich, daß ihnen einmal ein kleines Mädchen einen Zettel brachte, auf dem stand: „Wenn Sie noch keinen Platz zum Übernachten gefunden haben, können Sie zu uns kommen.“ Die betreffende Familie half ihnen auch, einen Ort zu finden, wo ein Film der Gesellschaft gezeigt werden konnte.

Verstärkung trifft ein

Von 1961 an zogen Familien aus Dänemark nach Grönland, um dort zu dienen, wo ein größerer Bedarf an Zeugen bestand. Sie bemühten sich in bewundernswerter Weise, die äußerst schwierige grönländische Sprache zu erlernen und das Getrenntsein von Glaubensbrüdern zu ertragen. Regelmäßig führten sie ihre Zusammenkünfte durch, um im Glauben stark zu bleiben, und standen eifrig im christlichen Dienst. Ihre Mühe war ganz sicher nicht vergeblich. In jenem Jahr wurden in Grönland die ersten beiden Versammlungen gegründet, die eine in Nuuk (Godthåb), der Hauptstadt, und die andere in Qaqortoq (Julianehåb) im Süden. Es war eine große Freude für die Zeugen, als sich einige Grönländer, die nach Skandinavien gezogen waren, taufen ließen.

In den 70er Jahren trafen mehrere eifrige Sonderpionierehepaare ein, die das Zeugniswerk vorantrieben. Von 1973 an standen Der Wachtturm und das Buch Die Wahrheit, die zu ewigem Leben führt in Grönländisch zur Verfügung. So ausgerüstet, bearbeiteten die Pioniere die Küste, besuchten Städte und Dörfer und säten reichlich Samen der Wahrheit aus. Erstmals wurde mit dem Predigtwerk die abgelegene Ostküste bei Ammassalik (Angmagssalik) erreicht. Welch eine Freude war es, daß in jenem Jahr ein im Land lebender Grönländer die Wahrheit annahm!

Endlich beginnt die Ernte!

Als weitere Bibelstudienhilfsmittel in der Landessprache herausgegeben wurden, konnte viel Literatur abgegeben werden. So war es nichts Ungewöhnliches, wenn mehrere Zeugen, die einige Wochen lang nichtzugeteiltes Gebiet bearbeiteten, 300 bis 400 Bücher, ebenso viele Broschüren und 1 000 Zeitschriften abgaben sowie 60 oder 70 Abonnements abschließen konnten.

All das Säen und Bewässern führte dazu, daß ‘Gott es wachsen ließ’, und zwar sowohl unter den einheimischen Grönländern als auch unter den im Land lebenden Dänen (1. Korinther 3:5-7). Heute dienen — verstreut über dieses Land von Eis und Schnee — 117 Königreichsverkündiger in sieben Versammlungen und einer Verkündigergruppe. Wir wollen einmal einige dieser hart arbeitenden Zeugen kennenlernen.

Ein Besuch im grönländischen Gebiet

Damit kann man gut in der südlichsten Versammlung, in Qaqortoq (Julianehåb), beginnen. Fünf Familien sind aus Dänemark gekommen, um hier zu dienen. Einige von ihnen haben sich sehr angestrengt, Grönländisch zu lernen, damit sie den Einheimischen Zeugnis geben können, die kein Dänisch verstehen. Flemming, ein Familienvater und Pionier (Vollzeitverkündiger) in dieser Versammlung, sagt: „Unser Gebiet ist sehr weitläufig. Viele Fischerdörfer und Schafstationen gehören dazu, die irgendwo an den vielen Fjorden entlang der Südküste liegen.“ Mit ihren Motorbooten unternehmen die Zeugen bis zu 640 km lange Fahrten, um die Menschen zu erreichen, die an diesen abgeschiedenen Orten leben.

Nachdem wir mit dem Boot drei Stunden durch malerische Fjorde gefahren sind, kommen wir zur nächsten Versammlung, Narssaq. Hier wohnt nur eine Familie, die aus vier Königreichsverkündigern besteht. In ihrer Abgeschiedenheit bemühen sie sich, einander durch gute Studiengewohnheiten geistig zu erbauen sowie dadurch, daß sie regelmäßig Zusammenkünfte durchführen und sich am Predigtdienst beteiligen.

Jetzt gehen wir an Bord des Passagierschiffes, das in den Sommermonaten jede Woche hier anlegt. Nach 24stündiger Fahrt werden wir Pâmiut (Frederikshåb) erreichen, wo es zehn Zeugen gibt. Auf der Hälfte der Strecke liegt jedoch noch ein Dorf, in dem zwei auf sich allein gestellte Verkündiger wohnen. Ane Marie, eine der beiden, hat einen Sohn in Nuuk, der die Wahrheit bereits vor einigen Jahren kennenlernte und ihr telefonisch und brieflich Zeugnis gab. Sie schätzte das, was er ihr berichtete, und las alles, was in Grönländisch zur Verfügung stand. Außerdem hörte sie sich Kassetten an, auf denen grönländische Zeugen ihre Erfahrungen erzählten. Schließlich bezog Ane Marie Stellung für die Wahrheit. Im Alter von über 60 Jahren und ohne die Unterstützung einer Versammlung gelang es ihr, mit dem Rauchen aufzuhören, obwohl sie 50 Jahre lang geraucht hatte. Sie feierte fortan kein Weihnachten und keinen Geburtstag mehr und begann, im ganzen Dorf Zeugnis zu geben. Aufgrund ihrer geduldigen Bemühungen und ihres guten Beispiels versammeln sich bis zu zehn interessierte Personen regelmäßig zum Bibelstudium und um sich Kassettenaufnahmen der Zusammenkünfte anzuhören.

Die Fahrt von Pâmiut über das rauhe offene Meer nach Nuuk dauert 14 Stunden. Die Versammlung der 13 000 Einwohner zählenden Hauptstadt hat 43 Verkündiger, und mehr als ein Drittel von ihnen sind Grönländer. In den wöchentlichen Zusammenkünften wird Dänisch und Grönländisch gesprochen, was für beide Sprachgruppen bestimmt nicht ganz leicht ist.

Wieder auf dem Küstenschiff, erreichen wir nach 8stündiger Fahrt Manîtsoq (Sukkertoppen). Hier sind vier Familien aus Dänemark zusammen mit einigen einheimischen Königreichsverkündigern tätig. Sie haben das Stadtgebiet so gründlich bearbeitet und so viel biblische Literatur abgegeben, daß jeder zweite Haushalt ein Exemplar des Buches Mein Buch mit biblischen Geschichten in Grönländisch besitzt. Mit ihren Motorbooten unternehmen sie außerdem regelmäßig Predigtreisen in abgelegene Dörfer.

Es geht weiter nach Norden, und unser nächstes Ziel ist das 10 Stunden entfernte Sisimiut (Holsteinsborg). Fünf dänische Familien und mehrere einheimische Verkündiger bilden hier die Versammlung. Ein dort tätiges Sonderpionierehepaar unternimmt von Zeit zu Zeit Reisen an die Ostküste. Das erfordert einen halbstündigen Hubschrauberflug zum Flughafen, eine zweistündige Flugzeugreise über das Inlandeis und einen weiteren kurzen Hubschrauberflug über die Bucht nach Ammassalik an der Ostküste. Die Szenerie, die sich dort vor einem auftut, ist wirklich beeindruckend — zerklüftete Berge türmen sich empor, und Gletscher füllen die Täler aus. Die Menschen sind für die Königreichsbotschaft sehr empfänglich, aber nur wenige haben bisher für die Wahrheit Stellung bezogen.

Nach dem Rückflug über das Inlandeis ist Ilulíssat (Jakobshavn), die nördlichste Versammlung, die letzte Etappe unserer Reise. Ilulíssat ist das grönländische Wort für „Eisberge“, und der Name ist wirklich passend. In der Nähe liegt der produktivste Gletscher der Nordhalbkugel, und in der Bucht und in den Fjorden schwimmen überall Eisberge — ein unvergeßlicher Anblick! Sechs Familien aus Dänemark und einige Grönländer bilden hier eine sehr aktive Versammlung. Ihr Gebiet umfaßt neben der Stadt Ilulíssat und der Gegend um die Diskobucht das wahrscheinlich nördlichste Predigtdienstgebiet der Welt; es reicht bis zum Dorf Kullorsuaq (Teufelsdaumen) hinauf, das bei 75 Grad nördlicher Breite liegt.

Die Sonderpioniere aus Ilulíssat besuchen regelmäßig dieses entfernte Gebiet und geben den Leuten in Upernavik und Umanak Zeugnis. Bo und Helen berichten: „Die weiten Gebiete im Norden sind immer noch ein unberührtes arktisches Paradies. Die Gegend ist nur spärlich bevölkert, und die Menschen leben mehr von der Jagd als vom Fischfang. Sie führen ein einfaches Leben und machen sich kaum Sorgen um die Zukunft. Viele von ihnen sind an geistigen Dingen interessiert. Bereitwillig hören sie der Botschaft zu, die wir bringen.“ Die Zeit wird erweisen, ob auch dort schafähnliche Menschen in die eine wahre „Herde“ unter dem „e i n e n Hirten“, Jesus Christus, eingesammelt werden können (Johannes 10:16).

Bisher wurde dieses Gebiet nur von dänischen Pionieren bearbeitet, aber acht Grönländer aus Nuuk haben eine Videoaufnahme gemacht, in der ein allgemeines Zeugnis über unsere Glaubensansichten und unsere Lebensweise vermittelt wird. Als die Pioniere diese Kassette im Haus-zu-Haus-Dienst verwendeten, konnten sie die Menschen zum Sprechen bringen, und sie stellten sehr viele Fragen, vor allem, warum wir nicht Weihnachten feiern und keine Kleinkinder taufen. Man kann noch hinzufügen, daß im Verlauf der eben beschriebenen insgesamt vierwöchigen Reise über 200 Bücher abgegeben wurden.

Die Ernte geht weiter

Trotz der rauhen Elemente und der Sprachschranke geht die Einsammlung der Königreichsfrüchte weiter. Viele Grönländer haben Dänisch gelernt, um aus den Versammlungszusammenkünften größeren Nutzen ziehen zu können. Allerdings werden auch immer mehr Zusammenkünfte in Grönländisch abgehalten, wodurch noch mehr Menschen einen Anteil an der geistigen Speise haben können.

So wurde beispielsweise der Bezirkskongreß 1988, „Göttliches Recht“, in Nuuk zwar in Dänisch abgehalten, aber etwa ein Drittel der Ansprachen wurde auch ins Grönländische übersetzt. Insgesamt 163 Personen waren anwesend. Delegierte aus Ilulíssat, der nördlichsten Versammlung, und Qaqortoq, der südlichsten, benötigten für die Hin- und Rückreise jeweils zwei Tage. Vier Personen ließen sich auf dem Kongreß taufen.

Wie sehen die Aussichten für die künftige Ernte aus? Wirklich ausgezeichnet! Mit Freude wurde registriert, daß 1989 205 Personen der Feier zum Gedächtnis an den Tod Christi beiwohnten. Gegenwärtig werden über 100 Bibelstudien durchgeführt. Ja, Jehova segnet die harte Arbeit seiner Diener in diesem Land des Eises und des Schnees in der Tat reichlich.

    Deutsche Publikationen (1950-2025)
    Abmelden
    Anmelden
    • Deutsch
    • Teilen
    • Einstellungen
    • Copyright © 2025 Watch Tower Bible and Tract Society of Pennsylvania
    • Nutzungsbedingungen
    • Datenschutzerklärung
    • Datenschutzeinstellungen
    • JW.ORG
    • Anmelden
    Teilen