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Vergewaltigungen und Raubüberfälle sind in vielen Teilen der Welt etwas Alltägliches. Selbst zu Hause fühlt man sich nicht sicher. Warum gibt es so viel Gewalt? Wie ist das Problem zu lösen? Wie solltest du reagieren, wenn du bedroht wirst? Die vorliegende Erwachet!-Ausgabe wird bei der Beantwortung dieser Fragen eine Hilfe sein.
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Gewalt — Warum die Besorgnis wächstErwachet! 1989 | 22. April
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Gewalt — Warum die Besorgnis wächst
Von unserem Korrespondenten in Großbritannien
LEBST du in einem sogenannten Getto — einem Stadtteil, den Angehörige des öffentlichen Dienstes wie Ärzte, Krankenschwestern und selbst Polizisten nicht allein betreten wollen? Offiziell gibt es so etwas in Großbritannien gar nicht, doch „difficult area“ (schwieriges Gebiet) klingt nur harmloser, bezeichnet aber das gleiche. Einige staatliche Stellen sprechen von 70 solchen Gebieten allein in London und vielen weiteren in anderen Städten des Landes.
Das britische Innenministerium zeigt sich besorgt: „Der Frieden unserer Gesellschaft wird heute nicht durch äußere Bedrohungen gefährdet, sondern dadurch, daß zu viele unserer Mitbürger ein Verlangen nach Gewalt haben.“
Großbritannien (wo die Gewaltverbrechen in einem Jahr um 17 Prozent angestiegen sind) ist in dieser Beziehung jedoch noch nicht einmal führend. Es gibt viele Gebiete mit weit höheren Kriminalitätsraten. In den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres wurden allein in den U-Bahnen New Yorks 10 607 Gewaltverbrechen — Mord, Vergewaltigung, Raub und tätlicher Angriff — begangen. Doch gemäß dem Forscher Dr. Michael Pratt ist die Behauptung, die Straßen von London seien im Begriff, wie die von New York zu werden, nicht aus der Luft gegriffen.
Aber selbst New York ist noch nicht das gefährlichste Pflaster. Atlanta, Miami, Detroit und Chicago zählen zu den acht Großstädten in den Vereinigten Staaten, in denen 1987 mehr Gewaltverbrechen pro Kopf verübt wurden als in New York. Gewalt scheint überall immer mehr Anlaß zur Besorgnis zu geben. Der Psychiater Thomas Radecki erklärte, daß „in den meisten westlichen Ländern die Gewalttätigkeiten in den letzten 20 Jahren um 200 bis 500 Prozent angestiegen“ seien.
Gewaltverbrechen haben auch andernorts zugenommen. In Kenia brachten beispielsweise vor kurzem 400 Viehdiebe unterschiedslos etwa 190 Männer, Frauen und Kinder um und überließen die Leichname einfach den Geiern und Hyänen.
Aus der Sowjetunion wurde berichtet, daß das Fußballrowdytum das „ganze Land überschwemmt“. Das chinesische Zentralkomitee zur Wahrung der sozialistischen Werte klagte, daß es „bei Fußballspielen zu Streitigkeiten, Faustkämpfen, ja sogar zu Verletzungen und Todesfällen“ komme. Das Komitee bemerkte: „Sportbegeisterte, besonders jüngere, müssen lernen, sich zivilisiert zu benehmen.“
Gewalttaten geben also offensichtlich immer mehr Anlaß zur Besorgnis. Doch was wird getan, um dem Problem zu begegnen?
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Gewalt — Sind wir dem Problem gewachsen?Erwachet! 1989 | 22. April
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Gewalt — Sind wir dem Problem gewachsen?
EIN Großteil der Gewalttaten in Großbritannien wird von Schülern begangen. In Sheffield sagte eine Lehrerin, daß sie eine Klasse unterrichtet habe, in der nur 3 von 15 Schülern noch nicht vorbestraft gewesen seien. Selbst in der Vorschule kommt es zu Gewalttätigkeiten.
„Betreuer werden von den Kindern tätlich angegriffen, und man kann sich den Terror im Herzen der anderen Kinder leicht ausmalen“, berichtete eine Lehrerin aus Yorkshire. Weiter erklärte sie: „Wenn Grundschüler andere schon so verwunden können, was werden sie dann erst in der Oberschule machen, sofern man nichts dagegen unternimmt?“
Doch warum neigen Kinder so sehr zu Gewalttätigkeit?
Die Rolle von Film und Fernsehen
Immer mehr Kinder sehen sich brutale und sadistische Fernsehsendungen und Filme an. Viele Fachleute geben dieser Entwicklung eine Mitschuld an der zunehmenden Gewalt. In Australien beispielsweise untersuchte man bei 1 500 Kindern im Alter von 10 und 11 Jahren, was für Filme sie sich gewöhnlich ansahen. Die australische Filmkontrollbehörde stufte die Hälfte dieser Filme als ungeeignet ein. Ein Drittel der Kinder meinte jedoch, sie sähen sich am liebsten die brutalen Szenen an.
Ein Kind erklärte: „Mir gefiel die Szene, in der das Mädchen seinem Vater den Kopf abschlägt und als Geburtstagstorte ißt.“ Über einen anderen Film sagte ein Kind: „Ich fand das gut, als der Außerirdische den Kopf der Frau aß und dabei immerzu rülpste.“ Ein drittes meinte: „Mir gefiel, wo sie die Frau zerhackten und alles aus ihr herausquoll.“
Die Forscher schlußfolgerten, daß sowohl Kinder wie auch Erwachsene durch das Ansehen solcher Dinge ein Verlangen nach Gewalt entwickeln. Eltern würden, wie sie weiter ausführten, durch starken gesellschaftlichen Druck, den ihre Kinder an sie weiterleiteten, eingeschüchtert und dazu verleitet, diesen zu erlauben, sich solche Filme anzusehen.
Die unabhängige Rundfunkbehörde Großbritanniens erarbeitete eine Studie über die Auswirkung gewaltorientierter Sendungen. Zwei Millionen oder 6 Prozent aller Zuschauer gaben an, sie kämen sich nach Krimis manchmal „ziemlich gewalttätig“ vor. In einem Bericht der Times über die Ergebnisse der Studie hieß es, Kinder könnten nicht verstehen, daß die Gewalt am Bildschirm nicht echt sei; sie hätten den Eindruck, Mord sei etwas Alltägliches. Verwundert es da, daß so viele Kinder gegenüber Gewalt unempfindlich geworden sind und kaum Skrupel haben, sie selbst anzuwenden?
Schulen und Eltern
Einige geben die Schuld an der zunehmenden Gewalt den Schulen, die darin versagt hätten, moralische Werte zu vermitteln. In einem Bericht von zwei britischen Lehrern aus Innenstadtbezirken heißt es diesbezüglich: „Die Lage ist schlimm und erklärt zum großen Teil den Anstieg der Gewalt in unserer Gesellschaft.“ Doch tut man den Lehrern nicht unrecht, wenn man ihnen vorwirft, sie hätten darin versagt, den Kindern moralische Werte einzupflanzen?
Ein Bericht der Vereinigung der Schulleiter Großbritanniens gibt folgende Antwort: „Die Verhaltensmuster in Schule und Gesellschaft verschlechtern sich zwar, aber man sollte den Einfluß, den die Schule durch die Schüler auf die Gesellschaft hat, nicht überbewerten.“ Die Neigungen eines Kindes werden geformt, schon lange bevor es zur Schule kommt. Daher heißt es in dem Bericht: „Daran kann ein Lehrer wenig ändern.“
Roy Mudd, stellvertretender Direktor der City of Portsmouth Boys’ School, betont ebenfalls, daß ein Lehrer, der die Schüler nur einige Stunden am Tag sieht, „nichts tun kann, um Charakterstärke zu vermitteln, wenn den Kindern von ihren Eltern nicht beigebracht wurde, zwischen Recht und Unrecht zu unterscheiden“.
Die Grundlage für eine moralisch einwandfreie Handlungsweise muß ohne Frage schon sehr früh von den Eltern gelegt werden. Sie und nicht die Schulen müßten sich in erster Linie bemühen, den Kindern moralische Werte zu vermitteln, wenn das Anwachsen der Gewalt rückgängig gemacht werden soll. Doch weder Eltern noch Schulen — jedenfalls nicht in genügender Zahl — sind dem Problem gewachsen.
Wie steht es mit den staatlichen Organen?
Sind die staatlichen Organe dem Problem gewachsen? In Kolumbien wurden gemäß Berichten auf 62 Richter Attentate verübt, weil sie Bestechungsgelder von Kokainhändlern abgelehnt hatten. Im Raum Los Angeles waren die staatlichen Stellen außerstande, die 387 Morde zu verhüten, die 1987 auf das Konto von Drogenringen gingen. An vielen solchen Orten sind sich die Behörden darüber im klaren, daß sie, besonders wegen der Drogen, vor einer Krise stehen, die sie nicht meistern können. Aber warum nicht?
Die Ursache ist der weltweite Niedergang von Recht und Ordnung. Brian Hayes, Polizeipräsident von Surrey (Großbritannien), erklärt dazu: „Wenn früher die Polizei Leuten sagte, sie sollten weitergehen, dann gingen sie. Heute fallen sie über die Polizisten her.“ In der Londoner Sunday Times wurde bemerkt, daß die heutige Gesellschaft oft „verdrehte Wertbegriffe“ hat: „Die Polizisten werden als Kriminelle angesehen und die Gesetzesbrecher als Helden.“
Richard Kinsey, Dozent für Kriminologie an der Universität Edinburg, sagt: „In Schottland schicken wir mehr Leute ins Gefängnis als in irgendeinem anderen europäischen Land, zweieinhalbmal soviel wie im Süden [England].“ Mit welchem Ergebnis? Die Strathclyde-Polizei (Glasgow) verzeichnete im Laufe des Jahres 1988 einen Anstieg der Gewaltverbrechen um 20 Prozent. Kinsey kommt zu dem bitteren Schluß: „Wir hier in Schottland haben festgestellt, daß sich der Schlüssel in der Zellentür als nutzlos erwiesen hat.“
Ein ungelöstes Problem
Daß man dem Problem der Gewalt nicht gewachsen ist, macht ein Leitartikel der britischen Nursing Times deutlich, in dem es heißt: „Niemand macht angehende Krankenpfleger[innen] darauf aufmerksam, daß sie sich einen gefährlichen Beruf ausgesucht haben — man sollte das vielleicht tun.“ Wie weiter gesagt wird, sind gemäß den Erkenntnissen der Gesundheits- und Sicherheitskommission Krankenschwestern „einem weit höheren Maß an Gewalt und Einschüchterungen ausgesetzt als die Bevölkerung im allgemeinen“.
Einer der gefährlichsten Arbeitsplätze für eine Krankenschwester ist die A&E (Accident and Emergency, Unfall- und Notaufnahmestation). Dort kann es besonders am Wochenende, wenn die anderen Abteilungen des Krankenhauses geschlossen sind, zu Gewalttätigkeiten kommen. Eine ehemalige Krankenschwester beschrieb gegenüber Erwachet! ihre Arbeit in einer Londoner A&E:
„Das Krankenhaus befand sich in einer Gegend, in der es viele Drogenabhängige gab; wir hatten für sie auf der Unfallstation einen besonderen Bereich. Dort konnten sie, getrennt von den anderen Patienten, die Folgen der Überdosis ausschlafen. Wenn sie wieder zu sich kamen, wurden sie oftmals sehr gewalttätig. Es war beängstigend.
Ich habe gesehen, daß Leute eingeliefert wurden, die bei einem Bandenkampf schwer verletzt worden waren und dann in der A&E weiterkämpften. Sehr oft kann sich die Gewalt ohne Vorwarnung gegen das Pflegepersonal richten. Als ich Krankenschwester wurde, schien die Schwesterntracht noch so eine Art Schutz zu sein, doch das ist heute nicht mehr so.“
Die Gewalt hat uns alle in die Defensive gedrängt. Äußerungen wie „Niemand ist mehr sicher“ und „Es scheint, daß man heute nirgends mehr sicher ist“ sind immer öfter zu hören. Eltern wachen über ihre Kinder und haben Angst, sie aus den Augen zu lassen. Frauen leben in der Angst, ausgeraubt oder vergewaltigt zu werden. Ältere Menschen verbarrikadieren sich zu Hause. Überall bietet sich einem ein trauriges Bild.
Das führt uns zu einer wichtigen Frage: Was können wir tun, wenn wir mit Gewalt konfrontiert werden?
[Bild auf Seite 5]
Gewalttätigkeit kann durch Gewalt im Fernsehen gefördert werden
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Gewalt — Du kannst dich schützenErwachet! 1989 | 22. April
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Gewalt — Du kannst dich schützen
DAS britische Innenministerium hat kürzlich eine neuartige Schulung für Gefängnispersonal eingeführt, die sich „Kontrolle und Überwältigung“ nennt und drei Themenkomplexe umfaßt:
◼ Kontrolle und Überwältigung eines einzelnen durch Zusammenarbeit
◼ Fluchttechniken für Angehörige des Personals, die allein sind
◼ Verhalten bei Gemeinschaftsaggressionen wie z. B. Aufstände
Der Kurs soll, wie ein Sprecher des Innenministeriums erklärte, „nicht zu einer aggressiven Form des unbewaffneten Kampfes ermuntern“. „Zuerst sollte jede andere Möglichkeit, die Lage unter Kontrolle zu bringen und zu entschärfen, genutzt werden.“ Anders ausgedrückt: Vermeide Konfrontationen! Von welchem Wert ist diese Einstellung?
Was ist über Selbstverteidigung zu sagen?
Auch wenn oft fernöstliche Kampfsportarten befürwortet werden, so sind sie doch den meisten nicht als Abwehrmittel gegen Kriminelle zu empfehlen. In der Veröffentlichung Violence—A Guide for the Caring Professions (Gewalt — Anleitung für Aufsichtspersonal) wird erklärt:
„Eine umfassende Ausbildung in Selbstverteidigung wird im allgemeinen kaum unterstützt, und das nicht nur, weil das eigentliche Ziel der Schulung das Vorbeugen ist, sondern auch, weil Selbstverteidigung häufig unklug ist. ... Außerdem lassen sich solche Techniken kaum anwenden, wenn man nicht viel freien Platz hat. Oft kommt es beim Training zu weit mehr Schäden und Verletzungen als durch Angriffe während der gesamten Berufstätigkeit.“
In dem Buch Self Defence in Action (Selbstverteidigung in Aktion) geht Robert Clark, Nationaltrainer der britischen Jiu-Jitsu-Vereinigung, noch weiter: „Wie alles, was man anfängt zu lernen, erfordern sie [die Kampfsportarten] anfangs sehr viel Anstrengungen, bevor die Bewegungen in Fleisch und Blut übergehen. Wenn man angegriffen wird, hat man einfach keine Zeit, sich zu überlegen, welche Bewegung als nächste kommen müßte.“
Die Suzy-Lamplugh-Stiftung (die zum Gedenken an eine 25jährige Frau ins Leben gerufen wurde, die 1986 in London auf mysteriöse Weise von ihrer Arbeitsstelle verschwand) empfiehlt ebenfalls Selbstverteidigung nur als letzten Ausweg.
Wenn Kampfsport kein Mittel ist, einem unerwarteten tätlichen Angriff zu begegnen, was dann?
Verhalten gegenüber Straßenräubern
Das wichtigste in Verbindung mit Straßenraub ist, daß man sich erst gar nicht der Gefahr aussetzt. Ein Polizeiinspektor in Leeds (England) bemerkte: „Man darf nicht vergessen, daß Straßenraub ein Gelegenheitsdelikt ist.“ Sei daher wachsam, wenn die Umstände von dir verlangen, dich in einer unsicheren Gegend aufzuhalten. Gib Räubern keine Gelegenheit. Handle gemäß dem biblischen Grundsatz: „Der Kluge sieht das Unglück und verbirgt sich; aber die Einfältigen tappen hinein und müssen es büßen“ (Sprüche 22:3, Schlachter-Bibel).
Beobachte ständig die Straße vor dir, und schau gelegentlich hinter dich. Achte bewußt auf mögliche Gefahren, bevor du ein Gebäude betrittst. Vermeide es wenn möglich, im Dunkeln allein unterwegs zu sein. Wenn du mit anderen zusammen bist und nach Hause gehen möchtest, warte, bis einer deiner Bekannten ebenfalls geht und dich begleiten kann. Vergewissere dich, daß beim Autofahren alle Türen verriegelt sind, sonst könnte leicht ein Verbrecher einsteigen, wenn du z. B. an einer Ampel hältst.
Doch was, wenn du dich trotz aller Vorsichtsmaßnahmen plötzlich jemandem gegenübersiehst, der ein Messer oder eine Pistole hat? Vergiß nie: Dein Leben hat Vorrang. Kein Besitz kann wertvoller sein. Will der Angreifer also Geld, dann gib es ihm. In gefährlichen Gegenden tragen einige Leute immer etwas Geld in einer Brieftasche oder Geldbörse bei sich, um einen Räuber zufriedenzustellen.
Bleibe ruhig. Sprich mit fester Stimme und normaler Lautstärke. Sieh dem Angreifer in die Augen, und versuche, seinem Blick standzuhalten. Reagiere nicht mit Drohungen und Beleidigungen. Befolge den Rat der Bibel, in der es heißt: „Eine Antwort, wenn milde, wendet Grimm ab“ und die empfiehlt, „gegen alle sanft“ zu sein (Sprüche 15:1; 2. Timotheus 2:24). Sei bereit, dich zu entschuldigen, selbst wenn es gar nichts gibt, wofür du dich entschuldigen müßtest.
Vergewaltigung und Sicherheit im Haus
„Viele Täter sind überrascht, wie leicht es ist, eine Frau zu vergewaltigen“, schreibt Ray Wyre in dem Buch Women, Men and Rape. „Ihre lähmende Angst wird als fehlender Widerstand gedeutet, womit dann viele Täter die eigentliche Tat zu entschuldigen versuchen.“ Füge dich nie! Mache dem Angreifer klar, daß du nicht nachgeben wirst. Du kannst zu jedem verfügbaren Mittel greifen, um den Geschlechtsverkehr zu verhindern. Selbst wenn du keine starke Kämpferin bist, hast du eine sehr wirksame Waffe — deine Stimme.
Schreie, so laut du kannst. Das ist in Übereinstimmung mit dem Rat der Bibel (5. Mose 22:23-27). Eine Jugendliche, die in eine abgelegene Parkecke gezerrt wurde, schrie laut und leistete Widerstand, so daß der erschreckte Angreifer wegrannte. Schreien kann einen Angreifer entnerven und dir so die Gelegenheit bieten zu entkommen, oder andere können dadurch zu Hilfe gerufen werden.a
In Großbritannien werden die meisten Vergewaltigungen in Gebäuden verübt, sehr oft in der Wohnung des Opfers und immer häufiger in Verbindung mit Einbrüchen. Es ist daher vernünftig, sich zu vergewissern, daß die Wohnung so sicher wie möglich ist. Was kannst du in dieser Beziehung tun?
Du solltest alle Zugangsmöglichkeiten sichern, entweder mit starken Fensterverschlüssen oder mit Sicherheitsschlössern. Schließe mit dem Schlüssel ab, wenn du weggehst, und verriegle das Schloß, wenn du zu Hause bist. Es mag klug sein, zusätzlich eine Kette an der Tür zu haben. Doch denke daran, daß diese nur so stark ist wie der Türrahmen und die Befestigung.
Eine weitere sinnvolle Vorsichtsmaßnahme ist es, sich von jedem Fremden den Personalausweis und den Dienstausweis, den Auftrag oder ähnliche Papiere zeigen zu lassen.
Die Gewalt wird nicht weniger; die Statistiken aus der ganzen Welt lassen erkennen, daß sie ansteigt. Es ist zwar vernünftig, alles zu tun, was wir können, um uns und unsere Lieben zu schützen, aber das Problem als solches wird dadurch nicht gelöst. Was ist die wirkliche Lösung?
[Fußnote]
a Umfassendere Abhandlungen über dieses Thema sind in den Erwachet!-Ausgaben vom 22. Mai 1986, 8. Mai 1984 und 8. Oktober 1980 zu finden.
[Kasten auf Seite 7]
Was du tun kannst
◼ Plane so, daß du, besonders bei Dunkelheit, nicht durch unbeleuchtete oder einsame Straßen gehen mußt. Denke auch daran, daß du in flachen Schuhen schneller laufen kannst als in hochhackigen.
◼ Laß dich nie von einem Fremden mitnehmen, und laß dich nie unter irgendeinem Vorwand aus deinem Fahrzeug locken. Alle Reparaturen sollten von jemandem, den du kennst, an einem sicheren Ort ausgeführt werden und nicht von einem Fremden am Straßenrand.
◼ Gehe nahe am Bordstein, möglichst weit weg von Gebäuden, wo ein Angreifer in einem Eingang oder Durchgang auf der Lauer liegen könnte.
◼ Siehst du vor dir eine verdächtig wirkende Gruppe, so wechsle die Straßenseite oder ändere die Richtung. Wenn du verfolgt wirst, gehe auf die Fahrbahn. Renne davon, oder rufe um Hilfe, sobald es bedrohlich wird.
◼ Steige nicht in einen Fahrstuhl, wenn du das Gefühl hast, daß von den Mitbenutzern Gefahr ausgehen könnte. Stehe im Fahrstuhl neben dem Bedientableau. Steigt jemand zu, der dir verdächtig vorkommt, wäre es besser auszusteigen.
◼ Trage Kreditkarten und andere Wertsachen gesondert am Körper; wird dir die Handtasche oder das Portemonnaie gestohlen, ist der Verlust nicht ganz so groß.
[Kasten auf Seite 10]
Achtung, Jugendbanden!
In Großbritannien gibt es einen neuen Trend: Größere Gruppen von Jugendlichen stürmen in ein Geschäft, einen Bus oder einen Zug und schüchtern die Kunden bzw. Fahrgäste ein. Man hat dafür den Begriff „steaming“ (dampfen, brausen) geprägt. Sie drohen und stehlen, manchmal mit Gewalt, wobei sie allein auf ihre große Anzahl bauen. Es ist daher weise, keine Schmucksachen oder anderen Wertgegenstände zu tragen, die gut zu sehen und leicht zu stehlen sind. Nimm eine Brieftasche oder Geldbörse mit etwas Geld mit (Papiere und Kreditkarten gehören natürlich woandershin), und sei bereit, sie den Räubern zu geben. Wenn du ihnen bereitwillig etwas gibst, lassen sie vielleicht von dir ab und gehen schnell weiter.
[Bild auf Seite 8]
Wirst du darum kämpfen, dein Geld zu behalten, und so vielleicht dein Leben verlieren?
[Bild auf Seite 8]
Das Beste, was eine Frau tun kann, wenn ihr jemand Gewalt antun will, ist SCHREIEN
[Bild auf Seite 9]
Gute Schlösser sind für die Sicherheit deiner Wohnung sehr wichtig
[Bild auf Seite 9]
Bevor du jemanden hereinläßt, sieh dir erst seine Ausweispapiere an
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Gewalt — Ihr Ende ist in SichtErwachet! 1989 | 22. April
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Gewalt — Ihr Ende ist in Sicht
DIE Menschheit hatte genügend Zeit, der Gewalttätigkeit Herr zu werden, doch es ist nur noch schlimmer geworden. Liegt es nicht klar auf der Hand, daß Menschen unfähig sind, das Problem zu lösen? Welche Hoffnung gibt es daher für ein Ende der Gewalt?
Zweifellos müssen sich die Menschen wegen der Lösung dieses Problems wie auch aller anderen an ihren Schöpfer wenden. Sein Mittel zur Lösung ist sein Königreich — eine gerechte himmlische Regierung. Jesus Christus widmete sein Predigtwerk hier auf der Erde der Verkündigung jener Königreichsregierung. Du betest darum, wenn du sagst: „Dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf der Erde“ (Matthäus 6:9, 10, Einheitsübersetzung).
Wie wird Gottes Königreich jedoch die Gewalt beseitigen? Die Bibel prophezeit über unsere Zeit: „In den Tagen dieser Könige wird der Gott des Himmels ein Königreich aufrichten, das nie zugrunde gerichtet werden wird. Und das Königreich selbst wird ... alle diese Königreiche zermalmen und ihnen ein Ende bereiten, und selbst wird es für unabsehbare Zeiten bestehen“ (Daniel 2:44). Ja, die heutigen Regierungen und die von ihnen beherrschten Systeme mitsamt all ihrer Gewalttätigkeit und Kriminalität werden durch Gottes Königreichsregierung vollständig vernichtet werden.
Aber wann? Die Erfüllung biblischer Prophezeiungen zeigt, daß es noch zu unseren Lebzeiten sein wird. Wieso können wir das sagen? Weil das „Zeichen“, das gemäß Jesu Worten den „Abschluß des Systems der Dinge“ anzeigen würde, jetzt zu sehen ist. Das Zeichen schließt „zunehmende Gesetzlosigkeit“ ein (Matthäus 24:3-14, 34). Welch wunderbare Befreiung es doch sein wird, wenn Gott diese gewaltverseuchte Welt vernichtet! Damit wir uns dann jedoch der Segnungen erfreuen können, müssen wir jetzt den Willen Gottes tun (1. Johannes 2:17).
Eine biblische Prophezeiung, die von dem Propheten Jesaja aufgezeichnet wurde, spricht von der Einladung Gottes, seine Unterweisung anzunehmen und auf ‘seinen Pfaden zu wandeln’. Diejenigen, die auf das Angebot eingehen, werden, wie die Prophezeiung sagt, „ihre Schwerter zu Pflugscharen schmieden müssen“ und werden „den Krieg nicht mehr lernen“ (Jesaja 2:3, 4). Aus einer anderen von Jesaja aufgezeichneten Prophezeiung erfahren wir, wie sich das auswirken wird: „Nicht mehr wird in deinem Land von Gewalttat gehört werden, Verheerung oder Zusammenbruch innerhalb deiner Grenzen.“ Warum? Weil „Jehova selbst ... dir zum Licht von unabsehbarer Dauer werden“ wird (Jesaja 60:18-20).
Man kann sich zwar schon heute in einem gewissen Maß des Friedens erfreuen, wenn man den Willen Gottes kennenlernt und sich ihm unterwirft, doch wie wird es erst sein, wenn Gottes Königreich die Erde von aller Ungerechtigkeit befreit haben wird! Dann wird es keine Veranlassung zur Furcht mehr geben, keinen Grund, sich zu fürchten, durch irgendeine Straße zu gehen oder bei Dunkelheit durch einen Park. Türschlösser werden unnötig sein, und du wirst dir keine Gedanken zu machen brauchen, wie du dich schützen kannst (2. Petrus 3:13).
Möchtest du in einer solchen gewaltfreien neuen Welt leben? Du kannst diese beglückende Hoffnung haben, denn sie beruht auf dem zuverlässigen Wort, das von unserem Schöpfer selbst stammt.
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