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  • Warum so viele Gewaltverbrechen?
    Erwachet! 2003 | 8. Juli
    • Warum tun sie es?

      Die Frage, warum sinnlose Gewaltakte unterschiedlichster Art begangen werden, lässt sich nicht mit dem Hinweis auf einen einzelnen Faktor beantworten. Einige Verbrechen sind, gerade weil sie so absurd sind, besonders schwer zu verstehen. Beispielsweise ist es kaum zu begreifen, warum jemand auf völlig fremde Menschen zugeht und sie ersticht oder warum jemand an einem Haus vorbeifährt und einfach das Feuer eröffnet.

      Einige behaupten, Gewalt sei ein Teil der menschlichen Natur. Andere sind der Ansicht, sinnlose Gewalttaten könnten keinesfalls als unvermeidlicher Teil der menschlichen Natur betrachtet werden. (Siehe den Kasten „Zur Gewalt verurteilt?“.)

      Nach Meinung vieler Fachleute können etliche Faktoren und Umstände irrationales und brutales Verhalten auslösen oder fördern. In einem Bericht der FBI-Akademie in den Vereinigten Staaten wird sogar erklärt: „Ein Mord ist nicht die Tat eines normalen und geistig gesunden Menschen.“ Der Wortwahl dieser Behauptung würden manche Experten widersprechen. Mit dem, was damit gesagt werden soll, gehen allerdings viele einig. Aus irgendeinem Grund ist das Denken derjenigen, die sinnlose Verbrechen begehen, nicht normal. Etwas hat ihren Verstand so weit beeinträchtigt, dass sie das Undenkbare in die Tat umsetzen. Was bringt Menschen dazu, solche Dinge zu tun? Betrachten wir einmal einige der von Fachleuten angeführten möglichen Faktoren.

      Zerrüttete Familien

      Ein Erwachet!-Mitarbeiter befragte Marianito Panganiban, einen Sprecher der zentralen Ermittlungsbehörde der Philippinen, nach dem sozialen Hintergrund von Extremtätern. Er erklärte: „Sie kommen aus zerrütteten Familien. Ihnen fehlen Aufmerksamkeit und Liebe. Weil die Leute orientierungslos sind, haben sie keine Charakterstärke mehr; und dann geraten sie auf die schiefe Bahn.“ Nach Meinung vieler Forscher sind mangelnde familiäre Bindungen und häusliche Gewalt bei aggressiven Straftätern die Regel.

      Das amerikanische Zentrum für die Analyse von Gewaltverbrechen hat einen Bericht veröffentlicht, in dem Faktoren aufgeführt werden, an denen man unter Umständen Schüler erkennen kann, die zu brutaler Gewalt neigen könnten. Aus dem Bereich der Familie wurden dort unter anderem folgende Faktoren genannt: eine instabile Eltern-Kind-Beziehung; Eltern, die Probleme ihrer Kinder nicht erkennen können; mangelnde Nähe; Eltern, die einem Kind kaum oder gar keine Grenzen setzen; Kinder, die extrem zurückgezogen leben und ein Doppelleben führen, das heißt, einen Teil ihres Lebens vor ihren Eltern verbergen.

      Heute sind viele Kinder Opfer von zerrütteten Familien. Andere Kinder werden von ihren Eltern kaum beachtet. Tausende junger Menschen sind ohne jegliche familiäre oder moralische Anleitung groß geworden. Nach Meinung mancher Experten kann ein solches Umfeld bewirken, dass ein Heranwachsender unfähig bleibt, Bindungen einzugehen, und daher weniger Hemmungen hat, anderen Menschen zu schaden, oft ohne jede Reue.

      Hassgruppen und Kulte

      Der starke Einfluss mancher Hassgruppen oder Kulte hinter bestimmten Verbrechen ist unverkennbar. In Indiana (USA) verließ ein 19-jähriger Schwarzer ein Einkaufszentrum und machte sich zu Fuß auf den Heimweg. Nur einen Augenblick später lag er mit einer Kugel im Kopf am Straßenrand. Er war von einem jungen Mann erschossen worden, der sein Opfer rein zufällig ausgewählt hatte. Warum? Angeblich wollte der Täter Mitglied einer Organisation „weißer Herrenmenschen“ werden und sich eine Spinnennetztätowierung verdienen, indem er einen Schwarzen tötete.

      Der Anschlag mit Nervengas in einer Tokioter U-Bahn 1995, der Massenselbstmord in Jonestown (Guyana), der Tod von 69 Mitgliedern des Sonnentemplerordens in der Schweiz, Kanada und Frankreich — hinter all diesen Vorfällen standen Kulte. Die Beispiele machen deutlich, wie stark bestimmte Gruppen das Denken mancher Menschen beeinflusst haben. Mithilfe ominöser Versprechen haben charismatische Führer Menschen verleitet, das Undenkbare zu tun.

      Massenmedien und Gewalt

      Einige verweisen darauf, dass verschiedene moderne Medien offenbar aggressives Verhalten fördern. Wer sich regelmäßig den Gewaltdarstellungen im Fernsehen, im Kino, in Videospielen und im Internet aussetze, stumpfe mit der Zeit ab. Außerdem würden die erwähnten Gewaltdarstellungen zu brutalen Verbrechen inspirieren. Dr. Daniel Borenstein, Präsident des amerikanischen Psychologenverbandes, erklärte: „Derzeit belegen mindestens 1 000 Studien, die auf über 30 Jahren Forschung basieren, den kausalen Zusammenhang zwischen Gewalt in den Medien und dem aggressiven Verhalten mancher Kinder.“ Und vor einem Ausschuss des US-Senats versicherte Dr. Borenstein: „Wir sind davon überzeugt, dass wiederholter Kontakt mit gewaltsamer Unterhaltung, welcher Art auch immer, der Volksgesundheit spürbar schadet.“ (Siehe den Kasten „Gewaltverherrlichende Computerspiele aus der Sicht eines Arztes“.)

      Als Beleg werden oft bestimmte Fälle angeführt. Im vorigen Artikel wurde ein kaltblütiger Mörder erwähnt, der „zum Spaß“ ein Paar erschoss, das an einem Strand den Sonnenaufgang betrachtete. In diesem Fall konnten die Ermittler beweisen, dass der Täter durch einen Gewaltfilm inspiriert wurde, den er sich immer wieder angesehen hatte. Nach einer Schießerei in einer Schule, die 15 Menschen das Leben kostete, hieß es, die beiden jugendlichen Täter hätten jeden Tag stundenlang brutale Videospiele gespielt. Außerdem hatten sie wiederholt Filme angeschaut, in denen Gewalt und Mord verherrlicht werden.

      Drogen

      In den Vereinigten Staaten hat sich die Zahl der von Jugendlichen verübten Morde innerhalb eines Zeitraums von 8 Jahren verdreifacht. Welchen Grund nennen die Behörden unter anderem? Bandenkriminalität, vor allem im Zusammenhang mit dem Rauschgift Crack. Von den mehr als 500 Morden der letzten Zeit im kalifornischen Los Angeles „hatten nach Angaben der Polizei 75 Prozent mit Banden zu tun“.

      In einem Bericht der FBI-Akademie heißt es: „Bei extrem vielen Mordfällen sind Drogen im Spiel.“ Manche töten, während sie unter Drogeneinfluss stehen und nicht klar denken können. Andere greifen zu Gewalt, um sich im Drogengeschäft zu behaupten. Offensichtlich erhöhen Drogen ganz erheblich die Bereitschaft, grauenhafte Verbrechen zu verüben.

      Zugang zu verheerenden Waffen

      Wie im vorhergehenden Artikel erwähnt wurde, brachte ein einziger bewaffneter Mann in Tasmanien (Australien) 35 Menschen um und verwundete 19 weitere. Er benutzte halbautomatische Waffen, wie sie auch beim Militär verwendet werden. Daher haben viele gefolgert, der leichte Zugang zu solchen Waffen trage ebenfalls zum Anstieg von Gewaltverbrechen bei.

      Gemäß einer Statistik wurden 1995 in Japan nur 32 Morde mit Schusswaffen verübt; meist als Folge von Auseinandersetzungen zwischen Kriminellen. Im Gegensatz dazu wurden in den Vereinigten Staaten 15 000 Menschen mit Schusswaffen ermordet. Warum dieser Unterschied? Zur Erklärung verweisen einige auf die strengen japanischen Waffengesetze.

      Unfähigkeit, mit dem Leben zurechtzukommen

      Nach bestimmten grauenhaften Verbrechen hört man gelegentlich den Satz: „Der muss doch verrückt sein!“ Aber nicht jeder, der ein solches Verbrechen begeht, ist tatsächlich geistesgestört. Viele haben allerdings Schwierigkeiten, mit dem Leben zurechtzukommen. Fachleute machen auf Persönlichkeitsschäden und Probleme aufmerksam, die zu extremem Verhalten führen können. Dazu zählen: Lernschwächen und soziale Defizite; die Folgen von körperlicher Gewalt oder sexuellem Missbrauch; eine gesellschaftsfeindliche Haltung; Hass auf eine bestimmte Gruppe, wie etwa Frauen; fehlende Reue nach getanem Unrecht; der Wunsch, andere zu manipulieren.

      Ganz gleich, wo das Problem im Einzelfall liegen mag: Manche werden von ihren Schwierigkeiten so sehr vereinnahmt, dass sich ihr Denken verändert, was wiederum zu sehr befremdlichem Verhalten führen kann. Als Beispiel diene der Fall einer Krankenschwester, die ein extrem starkes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit hatte. Daher injizierte sie kleinen Kindern ein Muskelrelaxans, was deren Atmung aussetzen ließ. Danach genoss sie es, als Retterin der Kinder im Mittelpunkt zu stehen. Doch leider konnte sie nicht alle Kinder wiederbeleben und wurde wegen Mordes verurteilt.

  • Warum so viele Gewaltverbrechen?
    Erwachet! 2003 | 8. Juli
    • [Kasten auf Seite 9]

      FAKTOREN, DIE ZU GEWALTVERBRECHEN BEITRAGEN

      Nach Ansicht zahlreicher Experten können folgende Faktoren zu sinnlosen Verbrechen beitragen:

      Familienzerrüttung

      Hassgruppen, Extremisten

      Gefährliche Kulte

      Gewaltbetonte Unterhaltung

      Erfahrungen mit Gewalt

      Drogenmissbrauch

      Unfähigkeit, Probleme zu meistern

      Leichter Zugang zu Waffen mit hohem Zerstörungspotenzial

      Bestimmte Geisteskrankheiten

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