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Kamtschatka — Russlands Naturparadies am PazifikErwachet! 2007 | März
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Vulkane, Geysire und heiße Quellen
Kamtschatka liegt am „Feuerring“ — ein Gürtel mit hoher seismischer Aktivität am Rande des Pazifiks. Es gibt dort ungefähr 30 aktive Vulkane. Von dem Vulkan Kljutschewskaja Sopka, der 4 750 Meter über den Meeresspiegel aufragt und damit der höchste aktive Vulkan Eurasiens ist, wird gesagt, er habe „einen vollkommenen, unbeschreiblich schönen Kegel“. Seit 1697 — dem Jahr, in dem russische Naturforscher das erste Mal ihren Fuß auf Kamtschatka setzten — hat man auf der Halbinsel mehr als 600 Vulkanausbrüche gezählt.
Ein Spaltenausbruch im Gebiet des Tolbatschik-Vulkans verursachte 1975/76 eine über 2 500 Meter hohe flammende „Fackel“. Blitze durchzuckten die Aschewolken. Dadurch dass es fast anderthalb Jahre lang immer wieder zu neuen Ausbrüchen kam, entstanden vier neue Kegel. Seen und Flüsse verschwanden und die heiße Asche ließ ganze Wälder bis auf die Wurzeln abbrennen. Riesige Landstriche blieben verwüstet zurück.
Glücklicherweise ereigneten sich die meisten Eruptionen nicht in der Nähe von Wohngebieten, sodass nur wenige Menschen ihr Leben verloren. Doch außer Vulkanausbrüchen gibt es für Besucher noch andere Gründe, vorsichtig zu sein. Das gilt vor allem, wenn man einen Abstecher zum Todestal machen möchte, das am Fuß des Kichpinytsch liegt. Bei Windstille und besonders während der Schneeschmelze im Frühling bilden sich dort Konzentrationen giftiger vulkanischer Gase, die Tieren zur Todesfalle werden können. Einmal fand man in diesem Tal die Kadaver von zehn Sibirischen Braunbären und von zahlreichen kleineren Tieren.
Die Uson-Caldera, ein großer Kraterkessel, ist voller sprudelnder und dampfender Schlammkessel, die mit bunten Algen besetzt sind.
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Kamtschatka — Russlands Naturparadies am PazifikErwachet! 2007 | März
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[Kasten/Bilder auf Seite 18]
EIN AUSSERGEWÖHNLICHER KRATERKESSEL
Wo früher ein Vulkan aufragte, findet man heute die Uson-Caldera, einen Kraterkessel, der einen Durchmesser von etwa 10 Kilometern hat. Innerhalb der tiefen Seitenwände befindet sich eine „Sammlung von allem, wofür Kamtschatka berühmt ist“, heißt es in einem Nachschlagewerk. Der ganze Stolz der Uson-Caldera sind heiße und kalte Quellen, sprudelnde Schlammkessel sowie Schlammvulkane. Auf unberührten Seen, eingerahmt von üppiger Vegetation, tummeln sich Schwäne und im Wasser wimmelt es nur so von Fischen.
In dem Buch Miracles of Kamchatka Land heißt es: „Es gibt kaum einen anderen Platz auf der Erde, wo die Kürze des Herbstes durch seine extreme Schönheit wettgemacht wird.“ Die scharlachfarbene Tundra bietet den Kontrast zu den warmen Gelb- und Goldtönen der Birken, während hier und da die kochende Erde Säulen von weißem Dampf ausstößt, die sich gegen den tiefblauen Himmel abheben. Und früh am Morgen hört man den Wald „singen“, wenn Millionen mit Raureif überzogene Blätter raschelnd zur Erde fallen und damit die Ankunft des Winters einläuten.
[Kasten auf Seite 19]
EIN LEBENSFEINDLICHER SEE!
Unterhalb des Karymskijsees brach 1996 ein Vulkan aus, von dem man geglaubt hatte, er sei erloschen. Der Ausbruch verursachte 10 Meter hohe Wellen, die umliegende Wälder dem Erdboden gleichmachten. Innerhalb weniger Minuten stieg der Säuregehalt des Sees so stark an, dass darin kein Leben mehr möglich war. Trotz der vom Vulkan ausgestoßenen Säure und der Flutwellen, die weit über die Uferlinie schwappten, fand man jedoch in der Nähe des Sees keine toten Tiere, wie der Forscher Andrew Logan erklärte. Er sagte: „Man wusste, dass vor dem Ausbruch einige Millionen Fische, vor allem Lachse und Forellen, im Karymskijsee heimisch waren. Nach der Eruption wies der See keine Spur von Leben auf.“ Doch einige Fische haben wahrscheinlich überlebt. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Fische irgendein Warnsignal wahrgenommen haben müssen — vielleicht eine Veränderung der chemischen Zusammensetzung des Wassers — und daraufhin in den nahe gelegenen Fluss Karymskij abgewandert sind.
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