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Wind und Wetter schreiben GeschichteErwachet! 2011 | Juni
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Vom Regen um den Sieg gebracht
Auch 1815 beeinflusste das Wetter den Ausgang eines Ereignisses von welthistorischer Bedeutung: die Schlacht von Waterloo. Wie Historiker berichten, wurden auf dem Schlachtfeld bei Waterloo, etwa 20 Kilometer südlich von Brüssel, innerhalb weniger Stunden mehr als 70 000 Männer getötet oder verwundet. Der britische Herzog von Wellington erwartete den Angriff der Franzosen und war bereits auf einem Höhenzug in Stellung gegangen. Napoleons Armee war Wellingtons Truppen zahlenmäßig überlegen. Da Wellington aber fest damit rechnete, spätestens am Abend Verstärkung durch preußische Truppen zu erhalten, war den Franzosen klar, dass sie ihren Gegner noch vor Einbruch der Dunkelheit entscheidend schlagen mussten. Wieder einmal sollte das Wetter eine Schlüsselrolle spielen.
In der Nacht vor der Schlacht regnete es in Strömen. Der Regen war so verheerend, dass sich die meisten Soldaten an diese Nacht als die schrecklichste ihres Lebens erinnern. Einige schlugen zwar kleine Zelte auf, doch wie ein Soldat klagte, hätte es am Grund eines Sees nicht nasser sein können als in den Feldbetten. Der vom Regen getränkte Boden war ein einziger Sumpf. Eigentlich wollte Napoleon angreifen, sobald der Morgen dämmerte, um Wellington möglichst schnell besiegen zu können. Dann aber musste er die Attacke mehrere Stunden aufschieben.
Der Hauptgrund für die Verzögerung war der völlig aufgeweichte Boden, der erst etwas trocknen musste, ehe man zum Angriff blasen konnte. Außerdem gelang es Napoleon nicht, seine bevorzugten Waffen, die Kanonen, so wirksam einzusetzen wie geplant, weil sich die schweren Geräte im Schlamm kaum bewegen ließen. Zum anderen sollten die Kanonenkugeln flach vom Boden abprallen und dabei unter Wellingtons Truppen möglichst großen Schaden anrichten. Diese Rechnung ging allerdings nicht auf, weil der weiche, nasse Erdboden die Wucht der Geschosse erheblich minderte. Für Napoleon und seine Truppen war das alles eine echte Katastrophe. Nicht zuletzt war es also dem extremen Wetter zuzuschreiben, dass Napoleons Armee geschlagen und er selbst in die Verbannung geschickt wurde.
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[Bild auf Seite 25]
Die Schlacht von Waterloo
[Bildnachweis]
© Bettmann/CORBIS
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