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  • Sarajevo — Von 1914 bis 1994
    Erwachet! 1994 | 8. November
    • Die Schüsse, die die Welt veränderten

      In seinem Buch Wetterleuchten 1913/1914 schrieb Frederic Morton über den Mord an Franz Ferdinand: „Die Kugel, die sich in seine Hauptschlagader bohrte, war zugleich der Startschuß zu dem schrecklichsten Blutbad, das die Menschheit bis dahin gekannt hatte. Diese Kugel löste den Gang der Ereignisse aus, die zum Zweiten Weltkrieg führten. ... Viele der Fäden des Geschehens rund um uns wurden zuerst an der Donau gesponnen, in den eineinhalb Jahren, die dem Attentat auf den Thronfolger vorangingen“ (Kursivschrift von uns).

      Die jüngsten Geschehnisse im ehemaligen Jugoslawien sind nicht die einzigen „Fäden des Geschehens rund um uns“, die auf 1914 zurückgehen. Der Historiker Edmond Taylor äußerte einen Gedanken, dem viele Geschichtsforscher beipflichten: „Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs [hat] eine ‚Drangsalszeit‘ des 20. Jahrhunderts eingeleitet ... Direkt oder indirekt gehen alle Erschütterungen des vergangenen halben Jahrhunderts auf 1914 zurück.“

      Man hat angestrengt nach Erklärungen für die unheilbringenden Folgen der Schüsse von Sarajevo gesucht. Wie war es möglich, daß zwei Schüsse von einem „Schuljungen“ die ganze Welt in Brand steckten und eine Ära der Gewalt, der Verwirrung und der Desillusion einleiteten, die bis heute andauert?

      Erklärungsversuche für das Geschehen von 1914

      Der Verfasser des Buches Wetterleuchten 1913/1914 versucht, das Geschehen mit dem Hinweis auf die „neue Macht“ zu erklären — wie er sich ausdrückt —, in deren Bann die Nationen 1914 gerieten. Diese „Macht“ sei in Wirklichkeit ein Zusammenwirken von mehreren Faktoren gewesen. Die wenigen Stimmen, die zur Besonnenheit aufriefen, wurden von dem immer lauter werdenden Ruf nach Krieg übertönt. Die Mobilmachung eines Landes beschleunigte den gleichen Prozeß in allen anderen Ländern. Die herrschende Klasse verlor ihre Macht an die Generäle. Viele sahen im Krieg zudem eine willkommene Gelegenheit, aus dem trübseligen Alltag auszubrechen und ein „großes nationales Abenteuer“ zu erleben. Ein damaliger Diplomat schrieb später: „Wie sich der Mensch unter der drückenden Sommerschwüle nach einem Gewitter sehnt, so glaubte die Generation von 1914 an die entspannende Wirkung eines Krieges.“ Der deutsche Schriftsteller Hermann Hesse erklärte: „Aus dem blöden Kapitalistenfrieden herausgerissen zu werden tat vielen gut.“ Thomas Mann, Schriftsteller und Nobelpreisträger, sah in dem Krieg eine „Reinigung, Befreiung ... und eine ungeheuere Hoffnung“. Selbst Winston Churchill schrieb im Rausch des Gedankens an Krieg: „Kriegsvorbereitungen haben eine unwahrscheinliche Faszination für mich. Ich bete zu Gott, daß er mir solch schreckliche Stimmungen der Leichtfertigkeit vergeben möge.“

      Es lag an dieser „neuen Macht“, daß sich in ganz Europa überschwengliche Reaktionen abspielten, als die Soldaten in den Krieg zogen. Grüne Zweige waren an ihren Kappen befestigt, Rosengirlanden hingen um die Kanonen, Kapellen spielten auf, Hausfrauen winkten mit Taschentüchern aus den Fenstern, und Kinder liefen ausgelassen neben den Soldaten her. Es war, als würden die Leute die Ankunft des Krieges bejubeln und feiern. Der Weltkrieg kam als Fest verkleidet.

      Mit diesem Resümee wird verdeutlicht, was Morton, der zuvor zitiert wurde, mit der „neuen Macht“ meinte, die uns die Ursache des Ersten Weltkriegs verstehen helfen soll. Woher kam aber diese „Macht“? Die Historikerin Barbara Tuchman schrieb, daß die Industriegesellschaft dem Menschen neue Kräfte und neue Spannungen bescherte. Tatsächlich „war die Gesellschaft ... durch die neuen, ungeheuren inneren Spannungen und aufgestauten Energien geprägt“. Stefan Zweig, damals ein junger Wiener Intellektueller, schrieb über den Kriegsausbruch: „Ich weiß es nicht anders zu erklären als mit diesem Überschuß an Kraft, als tragische Folge jenes inneren Dynamismus, der sich in diesen vierzig Jahren Frieden aufgehäuft hatte und sich gewaltsam entladen wollte.“ Die Worte „Ich kann ihn nicht anders ... erklären“ legen nahe, daß es ihm selbst schwerfiel, eine Erklärung zu finden. Morton fragt im Vorwort zu seinem Buch Wetterleuchten 1913/1914: „Warum dies gerade damals und gerade dort geschehen ist? Und wie? ... Gibt es in diesem Labyrinth ein sichtbares Muster?“

      Viele, die nach Erklärungen für das Geschehen von 1914 suchen, stellen fest, daß die tiefer liegenden Ursachen nicht leicht zu verstehen sind. Warum wurde der Krieg nicht nur zwischen den direkt betroffenen Parteien geführt? Weshalb eskalierte er zu einem Weltkrieg? Warum zog er sich so lange hin und richtete solch große Verwüstungen an? Worin bestand diese eigenartige Macht, die im Herbst 1914 von der Menschheit Besitz ergriff? In dem anschließenden Artikel (Seite 10) werden die biblischen Antworten auf diese Fragen erörtert.

  • Sarajevo — Von 1914 bis 1994
    Erwachet! 1994 | 8. November
    • [Kasten/Bilder auf Seite 8, 9]

      1914

      In der Bibel wurden die katastrophalen Ereignisse, die seit 1914 eingetreten sind, vorhergesagt

      „Ein anderes, ein feuerfarbenes Pferd kam hervor; und dem, der darauf saß, wurde gewährt, den Frieden von der Erde wegzunehmen, so daß sie einander hinschlachten würden, und ein großes Schwert wurde ihm gegeben. Und als es das dritte Siegel öffnete, hörte ich das dritte lebende Geschöpf sagen: ‚Komm!‘ Und ich sah, und siehe, ein schwarzes Pferd; und der darauf saß, hatte eine Waage in seiner Hand. Und ich hörte eine Stimme, als ob sie inmitten der vier lebenden Geschöpfe sagte: ‚Einen Liter Weizen für einen Denar und drei Liter Gerste für einen Denar, und das Olivenöl und den Wein beschädigt nicht.‘ Und als es das vierte Siegel öffnete, hörte ich die Stimme des vierten lebenden Geschöpfes sagen: ‚Komm!‘ Und ich sah, und siehe, ein fahles Pferd; und der darauf saß, hatte den Namen Tod. Und der Hades folgte dicht hinter ihm. Und es wurde ihnen Gewalt über den vierten Teil der Erde gegeben, um mit einem langen Schwert und mit Lebensmittelknappheit und mit tödlicher Plage und durch die wilden Tiere der Erde zu töten“ (Offenbarung 6:4-8). (Siehe auch Lukas 21:10-24; 2. Timotheus 3:1-5.)

      „Der Große Krieg von 1914—1918 hat sich wie ein breiter Streifen verbrannter Erde zwischen uns und die Zeit davor geschoben. Die Vernichtung so vieler Menschenleben, deren Entfaltung in den nachfolgenden Jahren er abschnitt; die Zerstörung von Glaubenssätzen; der tiefgreifende Wandel der Vorstellungen und die unheilbaren Wunden der Desillusionierung und Enttäuschung, die er schlug, rissen sowohl physisch wie auch psychologisch eine tiefe Kluft zwischen beiden Epochen auf“ (Barbara W. Tuchman, Der stolze Turm, Vorwort).

      „Die vier Jahre, die nun folgten [nach 1914], waren ‚vier Jahre der intensivsten und heroischsten Anstrengungen, die die Menschheit je auf sich genommen hat‘, wie Graham Wallas schrieb. Als diese Anstrengungen vorüber waren, versanken Illusionen und Vorstellungen, die bis 1914 möglich gewesen waren, langsam in der Flut der unendlichen Enttäuschung und Desillusionierung. Für den Preis, den die Menschheit hatte bezahlen müssen, war ihr vor allem die schmerzliche Erkenntnis ihrer eigenen Grenzen zuteil geworden“ (aus dem Nachwort desselben Werkes).

      [Bildnachweis]

      The Bettmann Archive

      The Trustees of the Imperial War Museum (London)

      National Archives of Canada, P.A. 40136

  • Die wahre Bedeutung von 1914
    Erwachet! 1994 | 8. November
    • Die wahre Bedeutung von 1914

      AUF Seite 4 der vorliegenden Zeitschrift ist zu lesen: „Diese Zeitschrift [stärkt] das Vertrauen zum Schöpfer, der verheißen hat, noch zu Lebzeiten der Generation, die die Ereignisse des Jahres 1914 erlebt hat, eine neue Welt zu schaffen, in der Frieden und Sicherheit herrschen werden.“

      Höchstwahrscheinlich stutzen viele beim Lesen dieser Erklärung. Doch schon im Dezember 1879 — annähernd 35 Jahre vor 1914 — führte Der Wachtturm (damals Zions Wacht-Turm und Verkünder der Gegenwart Christi) in seiner englischen Ausgabe biblische Beweise an, die auf 1914 als ein bedeutsames Jahr hinwiesen. Noch weiter zurück, nämlich Mitte des 19. Jahrhunderts, hatten andere Erforscher der Bibel auf 1914 als mögliches markantes Jahr der biblischen Prophetie hingedeutet.a

      Man hat Prophezeiungen als im voraus geschriebene Geschichte bezeichnet. Dieses Merkmal der Bibel zeugt von ihrem göttlichen Ursprung. Davon abgesehen, daß die Bibel uns über künftige Ereignisse unterrichtet, gibt sie auch manchmal die Zeitspanne an, die bis dahin verstreichen soll. Einige der konkreten Prophezeiungen beziehen sich auf einen Zeitraum von ein paar Tagen, andere auf Jahre und wieder andere auf Jahrhunderte.

      Daniel, der die Zeit für das erste Erscheinen des Messias prophezeite, offenbarte auch die Zeit seiner Wiederkunft, das heißt des Beginns seiner „Gegenwart“ oder der „Zeit des Endes“ (Daniel 8:17, 19; 9:24-27). Diese biblische Prophezeiung sollte sich erst nach einer langen Zeitspanne erfüllen, nicht schon nach ein paar hundert Jahren, sondern nach mehr als zweitausend Jahren — genau gesagt, nach 2 520 Jahren. Gemäß Lukas 21:24 nannte Jesus diese Zeitperiode „die bestimmten Zeiten der Nationen“.b

      1914 leitet eine Zeit der Bedrängnis ein

      Die Erfüllung biblischer Prophezeiungen läßt darauf schließen, daß wir seit 1914 in der Zeit des Endes leben. Jesus sagte von dieser Zeit, sie werde mit „Bedrängniswehen“ beginnen (Matthäus 24:8). In Offenbarung 12:12 lesen wir: „Wehe der Erde und dem Meer, weil der Teufel zu euch hinabgekommen ist und große Wut hat, da er weiß, daß er nur eine kurze Frist hat.“ Das erklärt, warum die Welt seit 1914 in Aufruhr ist.

      Die Zeit des Endes soll jedoch relativ kurz sein, sie soll nur eine Generation andauern (Lukas 21:31, 32). Da nun schon 80 Jahre seit 1914 vergangen sind, können wir offensichtlich sehr bald mit der Befreiung durch Gottes Königreich rechnen. Das bedeutet, daß wir sehen werden, wie der ‘niedrigste der Menschen’ — Jesus Christus — die uneingeschränkte Herrschaft „im Königreich der Menschheit“ ausüben und eine friedliche, gerechte neue Welt herbeiführen wird (Daniel 4:17).

      [Fußnoten]

      a Im Jahr 1844 lenkte der britische Geistliche E. B. Elliott die Aufmerksamkeit auf das Jahr 1914 als möglichen Zeitpunkt für das Ende der in Daniel, Kapitel 4 erwähnten „sieben Zeiten“. 1849 ging Robert Seeley (London) ähnlich an die Sache heran. Joseph Seiss aus den Vereinigten Staaten wies in einer Veröffentlichung, die um das Jahr 1870 erschien, auf 1914 als bedeutsames Jahr in der biblischen Chronologie hin. 1875 schrieb Nelson H. Barbour in seiner Zeitschrift Herald of the Morning, das Jahr 1914 kennzeichne das Ende einer Zeitperiode, die Jesus „die bestimmten Zeiten der Nationen“ genannt habe (Lukas 21:24).

      b Eine ausführliche Erklärung der Prophezeiung Daniels ist in dem Buch Unterredungen anhand der Schriften, Seite 87—89 zu finden (herausgegeben von der Wachtturm-Gesellschaft).

      [Kasten auf Seite 11]

      Äußerungen über 1914 und die Zeit danach

      „Es kann sein, daß die Schaffung von Atomwaffen nach der scheinbaren Unausweichlichkeit von zwei Weltkriegen ein mahnendes Geschenk war, das uns einen dritten Zusammenstoß großer Nationen erspart und die längste Zeitspanne generellen Friedens seit der Viktorianischen Zeit ermöglicht hat — eines Schreckensfriedens allerdings. ... Was war mit der Menschheit schiefgegangen? Warum hatten sich die Hoffnungen des neunzehnten Jahrhunderts zerschlagen? Warum hatte sich das zwanzigste Jahrhundert in eine Ära des Schreckens oder des Bösen, wie einige sagen, verwandelt?“ (Paul Johnson, A History of the Modern World—From 1917 to the 1980s).

      „Von allen Umwälzungen der europäischen Ordnung haben der Große Krieg und der Friedensschluß den abruptesten Bruch mit der Vergangenheit herbeigeführt — auf wirtschaftlichem und gesellschaftlichem Gebiet ebenso wie auf politischem. ... Der liebliche Glanz jener frei wirkenden und produktiven Ordnung erlosch in dem verheerenden Krieg. Nun mußte Europa mit wirtschaftlicher Entkräftung und einer allgemeinen wirtschaftlichen Zerrüttung fertig werden. ... Der angerichtete Schaden war so groß, daß sich die europäische Wirtschaft von der Stagnation und Instabilität noch nicht erholt hatte, als der nächste Weltkrieg hereinbrach“ (Bernadotte E. Schmitt und Harold C. Vedeler, The World in the Crucible 1914-1919).

      „Im Zweiten Weltkrieg aber sollte nun alles Bindende zwischen den Menschen zugrunde gehen. Unter der Herrschaft Hitlers, von der sich das ganze Volk unterjochen liess, begingen die Deutschen Verbrechen, die an Ausmass und Verworfenheit auch in den düstersten Zeiten der Menschheitsgeschichte nicht ihresgleichen finden. Die Massenvernichtung von sechs oder sieben Millionen Männern, Frauen und Kindern durch systematisches Vorgehen in den deutschen Konzentrationslagern übertrifft an Grauenhaftigkeit die kurzerhand vollzogenen Schlächtereien des Dschingis-Khan und reduziert sie, im Verhältnis, auf ein zwerghaftes Ausmass. Absichtliche Ausrottung ganzer Bevölkerungen wurde im Krieg im Osten sowohl von Deutschland wie von Russland geplant und ausgeführt. ... Wir haben endlich ein Bild von materiellem Ruin und moralischer Verwüstung hinter uns gelassen, wie es niemals die Phantasie früherer Jahrhunderte verdüstert hatte“ (Winston S. Churchill, Der Zweite Weltkrieg, Erster Band: Der Sturm zieht auf).

      „Man anerkennt heute die Menschenrechte aller Klassen, Völker und Rassen. Aber zur selben Zeit sind wir in Klassenkampf, Nationalismus und Rassenhaß so tief verstrickt wie vielleicht noch nie zuvor. Diese schlimmen Leidenschaften toben sich in kaltblütigen, wissenschaftlich erklügelten Grausamkeiten aus, und dieser unvereinbare Gegensatz zwischen Geisteshaltung und Lebensführung findet sich heute nicht nur auf derselben Welt, sondern manchmal im selben Land, ja sogar in ein und derselben Seele“ (Arnold Toynbee, Die Kultur am Scheideweg).

      „Wie ein Geist, der über seine Stunde hinaus dablieb, verweilte das neunzehnte Jahrhundert — mit seiner grundlegenden Ordnung, seinem Selbstvertrauen und seinem Glauben an den Fortschritt des Menschen — bis zum August 1914, als die großen europäischen Mächte allesamt einen Anfall von Geistesgestörtheit erlitten, der direkt zu der sinnlosen Abschlachtung von Millionen der besten jungen Männer einer Generation führte. Viereinhalb Jahre später, als die Welt nach der schmerzlichen Katastrophe des Großen Krieges die Scherben aufzulesen versuchte, wurde vielen (aber beileibe nicht allen) zeitgenössischen Beobachtern klar, daß auch die letzten Spuren der alten Ordnung weggewischt waren und daß die Menschheit in ein neues Zeitalter eingetreten war, das beträchtlich weniger rational war und nicht so leicht über menschliche Unvollkommenheiten hinwegsah. Wer erwartet hatte, der Frieden werde zu einer besseren Welt führen, fühlte sich 1919 um seine Hoffnungen betrogen“ (William K. Klingaman, 1919—The Year Our World Began, Vorwort).

      [Bild auf Seite 10]

      Bayerische Alpen

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