Wachtturm ONLINE-BIBLIOTHEK
Wachtturm
ONLINE-BIBLIOTHEK
Deutsch
  • BIBEL
  • PUBLIKATIONEN
  • ZUSAMMENKÜNFTE
  • Seite 2
    Erwachet! 1988 | 8. August
    • Die Frage der Religionszugehörigkeit wurde für die meisten Menschen auf der Erde bereits durch Ereignisse der Vergangenheit entschieden. Vor Jahrhunderten ist die religiöse Weltkarte durch politische Intrigen, Religionskriege und koloniale Eroberungen neu geprägt worden.

      Sollte aber ein Eroberer, ein Fürst oder ein Kaiser, der vor Hunderten von Jahren lebte, bestimmen, welcher Religion man angehört? Sollte die religiöse Überzeugung, die jemand vertritt, von geschichtlichen Zufällen oder vom Geburtsort bestimmt werden?

  • Sollte deine Religion von deinem Geburtsort bestimmt werden?
    Erwachet! 1988 | 8. August
    • Sollte deine Religion von deinem Geburtsort bestimmt werden?

      DEINE Sprechweise und deine Eßgewohnheiten, deine Kleidung und deine Schlafgewohnheiten — all das und vieles mehr ist höchstwahrscheinlich von deinem Geburtsort beeinflußt worden. Wenn wir uns auch dessen nicht bewußt sind, wirkt sich unsere Herkunft doch auf unser ganzes Leben aus; sie formt unsere Gewohnheiten, unsere Denkweise und unsere Ansichten.

      María ist Katholikin, weil sie im katholischen Spanien zur Welt kam. Martin ist evangelisch, da er in Lübeck (Norddeutschland) geboren wurde. Abdullam erblickte in Westbeirut das Licht der Welt; daher ist er Muslim.

      Bis heute halten sie wie Millionen andere an ihrer jeweiligen Religion fest. Oft ist die Religion der Menschen lediglich von geschichtlichen oder geographischen Gegebenheiten abhängig. Ohne daß sie es wissen, ist ihre Religion vielleicht vor Jahrhunderten zufolge der Laune eines Herrschers bestimmt worden.

      So verhielt es sich bei Lisette, die in einem Dorf im Schwarzwald zur Welt kam. Sie wurde evangelisch getauft, weil über Generationen in ihrem Teil des Dorfes alle Bewohner treue Untertanen des Herzogs von Württemberg, eines Protestanten, waren. Wäre sie am anderen Ende der Straße zur Welt gekommen, so wäre sie Katholikin geworden, denn jener Teil des Dorfes unterstand einem katholischen Herrscher.

      Diese künstlichen religiösen Grenzen rühren von der Zeit der Reformation im 16. Jahrhundert her. Nach einer langen Zeitspanne blutiger Religionskämpfe kam man überein, daß jeder Landesfürst die Religion seiner Untertanen bestimmen sollte. Da sich die Menschen nicht einigen könnten, so argumentierte man, müsse der Herrscher entscheiden.

      Manche bedauernswerte Dorfbewohner waren gezwungen, ihre religiöse Fahne nach dem Wind zu drehen, je nachdem, aus welcher Richtung ihn die aufeinanderfolgenden Landesherren wehen ließen. Einige Orte wurden willkürlich religiös geteilt, da die Grenze durch den Ort verlief.

      Nicht alle Herrscher schlossen sich dem Protestantismus aus Frömmigkeit an. Heinrich VIII. von England, ehemals ein prominenter Verteidiger des katholischen Glaubens, ärgerte sich darüber, daß ihm der Papst die Scheidung von seiner ersten Frau verweigerte. Seine Lösung war einfach. Er brach mit Rom und machte sich selbst zum Oberhaupt der anglikanischen Kirche in der Erwartung, seine Untertanen würden ihm getreulich nachfolgen, was die meisten schließlich auch taten.

      Zuweilen wurden ganze Länder von Missionaren „bekehrt“, die den Eroberern dicht auf den Fersen folgten. Nach Mexiko gelangten wenige Jahre nach der spanischen Eroberung die ersten Franziskaner. Sie behaupteten, in nur 30 Jahren über fünf Millionen Einheimische getauft zu haben, obwohl sie die Eingeborenensprachen anfänglich gar nicht beherrschten. Ein Historiker beschrieb diese landesweite Bekehrung als „außergewöhnliche Mischung aus Gewalt, Grausamkeit, Dummheit und Gier, die gelegentlich durch Geistesblitze und Wohltätigkeit gemildert wurde“. Die damaligen europäischen Mächte teilten also die Welt politisch und religiös auf.

      Jahrhunderte früher führten die muslimischen Eroberungen Nordafrikas, des Nahen Ostens und großer Gebiete Asiens dazu, daß die überwiegende Mehrheit der dortigen Bevölkerung muslimisch wurde.

      Heute sind die historischen Gründe für die religiöse Spaltung der Menschheit weitgehend in Vergessenheit geraten, und dennoch bleiben die meisten bei der Religion, in die sie hineingeboren wurden. Doch sollte die Religion unserer „Wahl“ dem Zufall überlassen sein? Sollte sie lediglich etwas Übernommenes sein? Oder sollte sie das Ergebnis einer überlegten und mit Vernunft getroffenen Entscheidung sein? Eine Betrachtung des Christentums im ersten Jahrhundert wird uns helfen, diese Fragen zu beantworten.

      [Bild auf Seite 4]

      Heinrich VIII. bestimmte die Religion von Millionen

  • Das frühe Christentum — keine Sache des Zufalls
    Erwachet! 1988 | 8. August
    • Das frühe Christentum — keine Sache des Zufalls

      IM ERSTEN Jahrhundert gab es Götter in Mengen und für jeden Geschmack. Von der Wiege bis zur Bahre verließen sich die Bürger des Römischen Reiches darauf, daß die Götter und Göttinnen ihnen beistanden und sie beschützten.

      Cuba behütete das Neugeborene, und Ossipago stärkte die Knochen des Kleinen. Adeona leitete seine ersten Schritte, und Fabulinus lehrte ihn sprechen. Im Krieg glaubte der Römer, von Mars beschützt zu werden. Wenn er krank wurde, sorgte Äskulap für ihn. Und wenn er starb, wachte Orkus, der Gott der Unterwelt, über ihn.

      Jede bedeutende Stadt und jede Tribus rühmte sich eines Schutzgottes, und dem römischen Kaiser, der als Gott in Menschengestalt galt, wurde täglich Weihrauch dargebracht. Orientalische Gottheiten erfreuten sich großer Beliebtheit; zu Ehren von Mithras, Isis und Osiris wurden Tempel errichtet. Sogar die Juden, die erklärten, den unsichtbaren allmächtigen Gott anzubeten, waren hoffnungslos in zahlreiche Sekten gespalten.

      In dieser Geschichtsperiode, als große religiöse Verwirrung herrschte, erschien Jesus Christus. Er lehrte etwas Neues: eine universelle Religion, die rassische und nationale Unterschiede überwand; eine Religion, die sich auf die Wahrheit über den allmächtigen Gott stützte — die Wahrheit, die Menschen von der Sklaverei des Aberglaubens und des Irrtums befreien konnte (Johannes 8:32). Jesus sagte zu Pilatus: „Dazu bin ich geboren worden und dazu bin ich in die Welt gekommen, damit ich für die Wahrheit Zeugnis ablege“ (Johannes 18:37). Wie hat er diese gewaltige Aufgabe gemeistert?

      Den „Armen im Geiste“ predigen

      Man sagt, daß es im Grunde zwei Methoden gibt, in großem Umfang andere zu bekehren. Eine besteht darin, dem gemeinen Volk das Evangelium zu predigen und dann vom Volk aus aufwärts zu arbeiten. Eine andere ist, auf die Elite abzuzielen oder sogar nur auf einzelne an der Spitze der Elite und dann durch Gewalt oder Zwang nach unten zu wirken. Die letztere Methode, die von den Katholiken, den Protestanten und den Orthodoxen bevorzugt wurde, haben Jesus und seine Nachfolger nicht einmal erwogen.

      Gleich zu Beginn seines Wirkens in der Öffentlichkeit erklärte Jesus, daß er seine Aufmerksamkeit den „Armen im Geiste“ zuwenden werde oder — buchstäblich — denen, „die Bettler um den Geist sind“. Es war das einfache Volk, das nach Gerechtigkeit hungerte und sich seiner „geistigen Bedürfnisse bewußt“ war (Matthäus 5:3, Allioli-Bibel; NW, Stud., Fußnote).

      Als Jesu Apostel von einem Predigtfeldzug zurückkehrten, sagte Jesus daher: „Ich preise dich öffentlich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du diese Dinge vor den Weisen und Intellektuellen verborgen und sie Unmündigen geoffenbart hast“ (Matthäus 11:25). Der Großteil seiner Predigttätigkeit spielte sich in Galiläa ab, wo einfache Fischer und Bauern beheimatet waren, und nicht in Judäa, wo die Pharisäer und andere vornehme Juden lebten.

      Jesus selbst kam aus Nazareth, einem unbekannten Dorf, das noch nie eine bedeutende Persönlichkeit hervorgebracht hatte. „Kann aus Nazareth etwas Gutes kommen?“ fragte Nathanael (Johannes 1:46). Aber was er sah und hörte, half ihm, dieses Vorurteil zu überwinden, denn er war aufgeschlossen. Hingegen prahlten die hochmütigen Pharisäer: „Es glaubt doch niemand von den Vorstehern oder den Pharisäern an ihn?“ (Johannes 7:48).

      Christlicher Glaube — nicht dem Zufall überlassen

      Jesu Ziel bestand darin, das Herz der Menschen zu erreichen und den Verstand zu überzeugen. Er lehrte seine Jünger, nach würdigen Personen zu suchen und lange genug in ihrem Haus zu bleiben, so daß sie den wahren Glauben annehmen konnten — sofern dies ihr Wunsch war. Bewohner eines samaritischen Dorfes, die Christus beim Lehren zuhörten, sagten: „Wir haben selbst gehört und wir wissen, daß dieser bestimmt der Retter der Welt ist“ (Johannes 4:42).

      Jeder, der sich dem Christentum anschloß, mußte, nachdem er zugehört und über das Gehörte nachgedacht hatte, eine auf Vernunft gegründete Wahl treffen. Er mußte eine feste Überzeugung haben, da mit Gegnerschaft zu rechnen war. Jene ersten Jünger wurden alle aus der Synagoge ausgeschlossen, was bedeutete, daß sie von der örtlichen Bevölkerung geächtet wurden.

      Zudem fühlte sich jeder Jünger verpflichtet, seinen neuen Glauben zu verteidigen und mit anderen darüber zu sprechen. Celsus, ein Kritiker des Christentums aus dem zweiten Jahrhundert, spottete darüber, daß „Wollarbeiter, Schuster, Gerber, die ungebildetesten und bäurischsten Menschen eifrige Verkündiger des Evangeliums seyen“. (Vergleiche Johannes 9:24-34.)

      Diese Christianisierungsmethode, verbunden mit dem Bekehrungseifer der Jünger, führte zur raschen Ausbreitung des Christentums. Bald wurde aus der regionalen Religion eine internationale Religion. Jesus hatte seinen Nachfolgern ausdrücklich gesagt, sie sollten „bis zum entferntesten Teil der Erde“ predigen (Apostelgeschichte 1:8).

      Allerdings waren die ersten Jünger Juden, und anfänglich wurden gemäß dem Vorsatz Gottes nur Juden bekehrt. Jerusalem wurde das Zentrum, wo die Apostel zusammenkamen, um die Kirche, die noch in den Kinderschuhen steckte, zu leiten. Aus diesem Grunde wurden die Christen im ersten Jahrhundert oft fälschlicherweise als Juden beschimpft, obwohl die Juden die heftigsten Verfolger der Christen waren. Ein römischer Historiker bezeichnete das Christentum verächtlich als schädlichen Aberglauben.

      Vor der Taufe des ersten Nichtjuden erklärte Petrus: „Bestimmt merke ich, daß Gott nicht parteiisch ist, sondern daß für ihn in jeder Nation der Mensch, der ihn fürchtet und Gerechtigkeit wirkt, annehmbar ist“ (Apostelgeschichte 10:34, 35). Die Christen trugen daher aufgrund ihres von einem unerschütterlichen Glauben angefachten Eifers die Botschaft Christi in das ganze Römische Reich. Durch die Verfolgung konnten die Christen nicht ausgemerzt werden, doch viele mußten ihr Leben lassen, da sie von der Religion ihrer Wahl nicht abgingen. Ihre Begeisterung und ihre Ergebenheit stehen in krassem Gegensatz zu der Apathie der Christenheit im 20. Jahrhundert.

      Kann es sein, daß dieser Geist fehlt, weil relativ wenige auf dem Gebiet des Glaubens bewußt eine Wahl getroffen haben? Wenn dir Religion noch etwas bedeutet, solltest du den folgenden Artikel gewissenhaft lesen.

      [Bilder auf Seite 6]

      Im alten Rom wurden viele Götter angebetet, darunter Mars, der Kriegsgott, Jupiter, der höchste römische Gott, und Äskulap, der Gott der Heilkunde

      Mars

      [Bildnachweis]

      Zeichnung, gestützt auf Mansell-Sammlung

      Jupiter

      [Bildnachweis]

      Zeichnung, gestützt auf ein Ausstellungsstück des Britischen Museums

      Äskulap

      [Bildnachweis]

      Zeichnung, gestützt auf ein Ausstellungsstück des Archäologischen Nationalmuseums, Athen

  • Wer trifft die Wahl für dich — du selbst oder andere?
    Erwachet! 1988 | 8. August
    • Wer trifft die Wahl für dich — du selbst oder andere?

      BIS zum Alter von acht Jahren betete Pedro Maleiwa an, den angeblichen Schöpfer des Menschen und der Erde. Er fürchtete Yolujá, den mutmaßlichen Vorboten aller Übel und Krankheiten, und versuchte den feindseligen Anschlägen Pulowis, der vermeintlichen Göttin der Unterwelt, auszuweichen.

      Pedro gehörte zu den Guajiros, einem der vielen Indianerstämme Venezuelas. Er war der traditionellen Religion seiner Vorfahren ergeben, bis sein Schullehrer dafür sorgte, daß er getauft wurde — als Katholik.

      „Niemand hat mich gefragt, und ich wußte nichts über meine neue Religion“, erzählte Pedro. „Aber ich merkte, daß es nicht schwer war, diesen neuen Glauben anzunehmen, da er keine bedeutenden Änderungen in meinem täglichen Leben erforderte. Ich war meiner neuen Religion treu, denn ich ging stets irgendwann im Dezember zur Messe.“

      Obgleich Pedro zwei verschiedenen Religionen angehörte, hatte er keine von beiden bewußt gewählt. Andere hatten die Wahl für ihn getroffen. Wie ihm ist es im Laufe der Jahrhunderte unzähligen Menschen ergangen. Relativ wenige der heutigen Erdbevölkerung von fünf Milliarden haben in bezug auf Religion eine überlegte Wahl getroffen. Ihre Religion ist gewöhnlich etwas Ererbtes, ähnlich wie ihr Aussehen, ihre Charakterzüge oder ihr Haus.

      Sie trafen selbst eine Wahl

      Ist aber das, was wir erben, immer das Beste? Wir versuchen vielleicht, unser Aussehen zu verschönern, so gut wir es können. Wir mögen uns bemühen, das Haus zu verbessern, das unsere Eltern uns vererbt haben. Womöglich strengen wir uns sogar sehr an, unerwünschte Charakterzüge abzulegen, die wir ererbt haben.

      So gibt es auch auf der ganzen Erde Menschen, die ihre von den Vorfahren ererbte Religion überdenken. Sie betrachten dies nicht als Verrat an einer Familientradition, die bedingungslos hochgehalten werden muß, sondern ihre geistigen Bedürfnisse haben sie bewogen, nach etwas Besserem zu suchen. Dies war bei Hiroko der Fall, deren Vater buddhistischer Priester im Myokyo-Tempel in Japan war.

      „Als Kind stapfte ich an den kältesten Winterabenden mit einer Laterne in der Hand die schneebedeckten Straßen unseres Dorfes auf und ab“, erzählt Hiroko. „Mein Vater ging voran, schlug eine Trommel und leierte Sutras her. Von Kindheit an gehörten Selbstkasteiungsriten und buddhistische Rituale zu meinem Leben.“

      Aber Hiroko war mit ihrer ererbten Religion nicht zufrieden. „Ich erhielt keine einzige zufriedenstellende Antwort auf die vielen Fragen, die ich hatte. Die Änderung des Namens Verstorbener, die Grabsteine, die wie lebende Wesen behandelt wurden, sobald Sutras über ihnen gesungen worden waren, die Zauberformeln auf Papier, die den Gläubigen angeblich magischen Schutz verliehen, und viele Tempelzeremonien verwirrten mich.

      Man sagte mir, daß wir der erleuchtetsten Sekte des Buddhismus angehörten. Und doch blieben alle meine Fragen unbeantwortet. Ich war davon überzeugt, daß es etwas Höheres geben müsse. Mein sehnlicher Wunsch war, ungehindert eine Religion zu untersuchen, die mir meine Fragen beantworten würde.“ Hiroko wandte sich einer östlichen Religion nach der anderen zu, ohne zufriedengestellt zu werden. Unter der Anleitung von Zeugen Jehovas erfuhr sie schließlich aus der Bibel von dem allmächtigen Gott, der Himmel und Erde erschaffen hat, und erhielt Antworten auf die Fragen aus ihrer Kindheit.

      In ihrem Fall erfüllten sich buchstäblich die Worte des Propheten Jeremia: „Wenn ihr mich sucht, so sollt ihr mich finden. Wenn ihr von ganzem Herzen nach mir fragt, so will ich mich von euch finden lassen, spricht der HERR“ (Jeremia 29:13, 14, Bruns).

      Hiroko empfindet es als äußerst befriedigend, eine eigene Wahl getroffen zu haben, obgleich ihr Glaube von den Ansichten ihrer Eltern abweicht. „Ich bin überglücklich, eine Erkenntnis erlangt zu haben; nun werde ich nicht mehr von nagenden Fragen und Sorgen geplagt, was jahrelang der Fall war“, erklärt sie. Es liegt bei dir, eine Wahl zu treffen, ganz gleich, ob du mit deiner Religion zufrieden bist oder nicht.

      Warum eine Wahl getroffen werden sollte

      Die meisten würden nach einigem Nachdenken zustimmen, daß Religion eine zu wichtige Angelegenheit ist, als daß man sie dem Zufall überlassen könnte. Selbst bei alltäglichen Belangen versucht man, sein Leben weitgehend selbst zu bestimmen. Wer möchte lediglich ein Opfer der Umstände sein?

      Würdest du, wenn du starke Kopfschmerzen hättest, rasch ein paar Tabletten aus einem Sortiment von Arzneimitteln hinunterschlucken, ohne dir vorher die Aufschrift genau anzusehen?

      Würdest du, falls du dir etwas Neues zum Anziehen kaufen wolltest, blindlings nach dem erstbesten Anzug in einem Geschäft greifen und unbekümmert annehmen, er werde dir bestimmt genau passen?

      Würdest du, wenn du dir einen Gebrauchtwagen gekauft hättest, einfach losfahren, ohne auch nur den Motor zu überprüfen?

      Du denkst sicher, nur Leichtsinnige würden so etwas tun. Solche Angelegenheiten sollte man nicht leichtnehmen. Und dennoch ist für viele eine der wichtigsten Entscheidungen des Lebens — welcher Religion sie angehören — zufällig getroffen worden, entweder zufolge seit langem vergessener geschichtlicher Zufälle oder aufgrund ihres Geburtsortes.

      Wäre es nicht vernünftig, sich zu fragen: Welchem Umstand verdanke ich meine Religion? Ist sie etwas Übernommenes, was ich nie in Frage gezogen habe? Oder habe ich eine bewußte, überlegte Wahl getroffen? Die Bibel fordert uns auf, uns solche Fragen zu stellen. Der Apostel Paulus ermahnte die Korinther: „Prüft immer wieder, ob ihr im Glauben seid, bewährt euch immer wieder“ (2. Korinther 13:5).

      In der Bibel ist von einem jungen Mann namens Timotheus die Rede, dessen Mutter und Großmutter ihn in Einklang mit den heiligen Schriften erzogen hatten. Doch offensichtlich übernahm er ihren Glauben nicht blindlings. Jahre später erinnerte Paulus ihn daran, daß er gelernt habe und zu glauben überzeugt worden sei (2. Timotheus 3:14). Timotheus war überzeugt und blieb bei dem Glauben, der ihm vermittelt worden war — aber erst, als er ihn selbst gründlich geprüft hatte.

      Andere fühlten sich bewogen, ihre religiöse Erziehung in Frage zu ziehen. Sergius Paulus war ein römischer Prokonsul auf Zypern, der zweifellos römischen Göttern huldigte. Nachdem er jedoch Paulus beim Predigen zugehört hatte, „wurde er gläubig. So ergriffen war er von der Lehre des Herrn“ (Apostelgeschichte 13:12, Rösch).

      Beide, sowohl Sergius Paulus als auch Timotheus, trafen nach einer gründlichen Untersuchung, gestützt auf Gottes Wort, eine überlegte Wahl. Warum nicht ihre Handlungsweise nachahmen? Einer wechselte seine Religion, der andere nicht; doch beide wurden belohnt, indem sie persönlich die Wahrheit fanden. Manche hingegen zögern aus Traditionsgebundenheit, aus Angst oder aus Voreingenommenheit, einen solchen Schritt zu unternehmen.

      Die Herausforderung, eine Wahl zu treffen

      Religiöse Traditionen sind langlebig, und viele schöpfen aus jahrhundertealten Bräuchen und Glaubensbekenntnissen Trost. „Ich bin katholisch und bleibe katholisch“, sagen manche. Vielleicht denkst du auch so über deinen Glauben und ziehst das Überlieferte dem Unbekannten vor. Bestimmt wäre es unweise, irgendeine Überlieferung abzulehnen, ohne zuerst ihren Wert zu untersuchen. Paulus sagte den Christen in Thessalonich, sie sollten ‘sich weiterhin an die Überlieferungen halten, die sie gelehrt worden waren’ (2. Thessalonicher 2:15). Andererseits warnte Jesus davor, daß uns religiöse Überlieferungen, die Gottes Wort, die Bibel, ungültig machen, von Gott entfremden können (Matthäus 15:6). Überlieferungen kann man nicht immer vertrauen.

      Aufgrund neuer Erkenntnisse werden in Bereichen wie der Medizin, der Wissenschaft und der Technik traditionelle Methoden oft abgewandelt oder sogar durch neue ersetzt. Auf diesen Gebieten sind die meisten aufgeschlossen, und das ermöglicht Verbesserungen. Wir denken vielleicht, gewisse religiöse Überlieferungen seien göttlichen Ursprungs, doch die Bibel ermahnt uns: „Glaubt nicht jeder inspirierten Äußerung, sondern prüft die inspirierten Äußerungen, um zu sehen, ob sie von Gott stammen“ (1. Johannes 4:1). Sie rät: „Vergewissert euch aller Dinge; haltet an dem fest, was vortrefflich ist“ (1. Thessalonicher 5:21). Die rechten Überlieferungen werden einer solchen Prüfung standhalten.

      Ein weiteres Hindernis, in bezug auf Religion eine Wahl zu treffen, ist Angst. „Über Religion und Politik diskutiere ich nicht!“ hört man oft. Die Angst, festzustellen, daß man irregeführt worden ist, oder die Angst davor, was die Leute denken, ist eine Entschuldigung, nichts zu unternehmen. In den Tagen Jesu gab es viele, die den Wert seiner Lehre erkannten, sich aber zurückhielten, ihn als den Messias anzuerkennen. „Aus Angst vor den Pharisäern, die allen Nachfolgern Jesu mit dem Ausschluß aus der Gemeinschaft des jüdischen Volkes drohten, bekannten sie sich nicht öffentlich zu ihm. Ihnen bedeutete die Zustimmung der Menschen mehr als das Ansehen bei Gott“ (Johannes 12:42, 43, Hoffnung für alle).

      Diese Personen in den Tagen Jesu ließen die einzigartige Gelegenheit vorübergehen, Jünger Christi zu werden, weil sie dem Druck jener unaufgeschlossenen religiösen Gemeinde nachgaben. Natürlich gehört Mut dazu, gegen den Strom zu schwimmen. Anders zu sein ist nie leicht. Wenn du aber zögerst, eine Wahl zu treffen, werden zwangsläufig andere für dich entscheiden.

      Vorurteile gegen alles, was „fremd“ ist, können für diejenigen, die eine unvoreingenommene Prüfung vornehmen möchten, ebenfalls ein Hindernis sein. Zur Zeit Jesu blickte man auf den Messias herab, weil er ein Nazarener war, verhöhnte ihn, weil er ein Galiläer war, und verachtete ihn, weil er ein Jude war. Die Vorurteile im 20. Jahrhundert sind ähnlich (Johannes 1:46; 7:52).

      „Das ist wieder eine dieser neumodischen amerikanischen Religionen!“ So reagierte Ricardo zunächst, als er von einem Zeugen Jehovas angeregt wurde, seine Glaubensansichten zu überprüfen. Aufgrund seiner lateinamerikanischen Herkunft war er gegenüber allem argwöhnisch, was von den Vereinigten Staaten zu kommen schien. Doch die Beweise, die ihm unterbreitet wurden, halfen ihm, seine Vorurteile zu überwinden. Vor allem beeindruckte es ihn, wie die Zeugen das Christentum auslebten. Ihre echte Liebe und ihr Glaube sagten ihm zu. (Siehe Beitrag auf Seite 10.)

      Nachdem Ricardo seine anfänglichen Vorurteile überwunden hatte, stimmte er folgender Äußerung zu, die einmal über Jehovas Zeugen gemacht wurde: „In bezug auf ihre Organisation und ihr Zeugniswerk kommen sie der ursprünglichen Christengemeinde so nahe wie keine andere Gruppe.“ Er ist nun der Meinung, daß Aufgeschlossenheit unerläßlich ist, um die bestmögliche Wahl zu treffen.

      Welche Wahl wirst du treffen?

      Pedro, der zu Beginn dieses Artikels erwähnt wurde, überwand Traditionsgebundenheit, Angst und Vorurteile und begann, die Bibel zu studieren. Zunächst hatte er Zweifel, da er von der Religion im allgemeinen enttäuscht war. Er erklärte: „Weder mein Glaube an Maleiwa noch mein Glaube an den Gott der Katholiken, dessen Namen ich nicht einmal kannte, hatte mich glücklich gemacht.“ Doch schließlich beschloß er, ein Zeuge Jehovas zu werden, und ließ sich im Alter von 36 Jahren taufen. „Die entscheidenden Faktoren waren die Liebe und die Geduld derer, die mir halfen, und die zufriedenstellenden Antworten, die ich aus der Bibel erhielt“, sagte er.

      Hast du den Mut, Pedros Beispiel nachzuahmen? Welcher Religion du auch immer angehörst, laß sie nicht vom Zufall bestimmt sein. Prüfe selbst anhand des Wortes Gottes, was die Wahrheit ist — die einzigartige und kostbare Wahrheit, die Jesus lehrte. Jehovas Zeugen bieten dir gern ihre Hilfe an. Sie laden dich herzlich ein, die Worte Josuas zu beachten: ‘Erwählt euch, wem ihr dienen wollt’ (Josua 24:15).

      [Kasten auf Seite 10]

      Jehovas Zeugen — Eine „amerikanische Religion“?

      VIELE nationalistisch eingestellte Menschen sind gegenüber allem, was als ausländisch oder fremdartig gilt, argwöhnisch oder ängstlich. Dies färbt sogar auf ihre Ansicht über andere Religionen ab.

      Jehovas Zeugen sind oft die Leidtragenden dieser Einstellung, denn man wirft ihnen vor, sie seien eine amerikanische Religion — „Made in USA“ — und daher von Grund auf abzulehnen. Ist das eine vernünftige Reaktion?

      Wie sehen die Tatsachen aus?

      1. Es gibt im Verhältnis mehr Zeugen in Kanada, Costa Rica, Finnland, Jamaika, Puerto Rico und Sambia sowie in anderen Ländern als in den Vereinigten Staaten.

      2. Jehovas Zeugen sind mehr als international. Sie sind übernational, das heißt, sie überwinden nationale Schranken oder Rasseninteressen. Es ist bemerkenswert, wie erfolgreich Jehovas Zeugen darin sind, Rassen-, Stammes- und nationale Vorurteile abzubauen. Dies ist in Südafrika, in Israel, im Libanon, in Nordirland und in anderen Ländern der Fall, wo religiöse Unruhen herrschen. Jehovas Zeugen — darunter Schwarze und Weiße, Juden und Araber, ehemalige Katholiken und Protestanten — zeichnen sich durch Zusammenarbeit und gemeinsame Anbetung aus, was besonders auf den Kongressen und in den Königreichssälen zu beobachten ist.

      3. Sie drucken biblische Literatur in etwa 200 Sprachen — die Zeitschrift „Der Wachtturm“ zum Beispiel in 103 und „Erwachet!“ in 54 Sprachen. Von beiden Zeitschriften zusammen werden monatlich über 48 Millionen Exemplare gedruckt.

      4. Obwohl sich die Weltzentrale der Zeugen Jehovas in New York befindet, kommen nur 23 Prozent aller Zeugen Jehovas aus den Vereinigten Staaten.

      5. So, wie Jerusalem ein geeigneter Ausgangsort für das Urchristentum war, sind in unserem Zeitalter der Weltkriege und der Konflikte die Vereinigten Staaten der geeignetste Ausgangsort für das weltweite Predigen der guten Botschaft. Die Erfahrung hat gezeigt, daß anderswo das Werk aufgrund von Vorurteilen und Verboten oder mangels Rohmaterialien zum Stillstand gebracht worden wäre. Aber wenn sich auch die Zentrale in New York befindet, bedeutet das nicht, daß Jehovas Zeugen eine „amerikanische Religion“ sind, ebensowenig wie das Urchristentum eine jüdische Religion war, obwohl es als solche bezeichnet wurde.

      Ungerechte Verfolgung

      Die übernationale Einstellung von Jehovas Zeugen wird daran deutlich, wie sie von verschiedenen politischen Regimen abgestempelt wurden. In der Vergangenheit bezeichnete man sie in den Vereinigten Staaten als Kommunisten und in kommunistischen Ländern als CIA-Agenten.

      In den 50er Jahren hieß es zum Beispiel in einem US-Zeitungsartikel: „Polnische Rote finanzieren ‚Jehova‘-Agenten.“ In einer US-Rundfunksendung wurde gesagt: „Die sowjetische Satellitenregierung [Polen] fördert die Zeugen und unterstützt sie finanziell.“ In Irland wurden die Zeugen von gewalttätigen Pöbelhaufen beschimpft, die ihnen nachriefen: „Kommunisten!“ „Verschwindet von hier!“

      Zur gleichen Zeit wurden die Zeugen in Polen und in anderen kommunistischen Ländern verboten, und viele kamen wegen ihres Glaubens ins Gefängnis. Einige wurden sogar beschuldigt, zu einem Spionagering zu gehören, der vom CIA gesponsert werde. Wladimir Bukowsky, der 1976 in den Westen emigrierte, beschreibt ihre Situation in der Sowjetunion wie folgt: „Eines Abends bemerkte ich an einem Haus in London zufällig ein Schild, auf dem stand: JEHOVAS ZEUGEN. ... Ich konnte vor Bestürzung nicht weiterlesen und geriet fast in Panik. Wie kann es das geben? fragte ich mich. In der UdSSR trifft man ‚Zeugen‘ aus Fleisch und Blut nur in Gefängnissen und Konzentrationslagern an. Könnte man tatsächlich dort hineingehen und mit ihnen eine Tasse Tee trinken? Mein Vergleich ist vielleicht ein wenig unangebracht, aber man stelle sich nur einmal vor, man käme an einem Gebäude vorbei, an dem eine Tafel angebracht wäre: COSA NOSTRA LTD., MAFIAGENERALSTAB. Die ‚Zeugen‘ werden im unserem Land ebenso heftig verfolgt wie die Mafia in ihrem.“

      Diese wenigen Beispiele verdeutlichen, was viele unvoreingenommene Beobachter bereits erkannt haben — nämlich daß Jehovas Zeugen von jeglichen nationalistischen oder politischen Tendenzen Abstand nehmen. Ihr Glaube ist übernational, weil sie ihren unparteiischen Gott nachahmen möchten (Apostelgeschichte 10:34).

      [Bild auf Seite 8]

      Würdest du das erstbeste Medikament nehmen, ohne die Aufschrift zu lesen?

      [Bilder auf Seite 9]

      Bist du in deine Religion hineingeboren worden, oder hast du sie selbst gewählt?

Deutsche Publikationen (1950-2025)
Abmelden
Anmelden
  • Deutsch
  • Teilen
  • Einstellungen
  • Copyright © 2025 Watch Tower Bible and Tract Society of Pennsylvania
  • Nutzungsbedingungen
  • Datenschutzerklärung
  • Datenschutzeinstellungen
  • JW.ORG
  • Anmelden
Teilen