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Schule und BerufFragen junger Leute — Praktische Antworten
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Teil 5
Schule und Beruf
Ob du die Schule magst oder nicht, du mußt einen Großteil deiner Jugend darin verbringen. Es können mühselige oder entdeckungsreiche Jahre sein. Viel hängt davon ab, wie du diese Jahre nützt. Dieser Teil befaßt sich daher eingehend mit Schule, Hausaufgaben, Noten und Lehrern. Und denen, die bereits in der Berufsausbildung stehen, werden praktische Hinweise gegeben, wie sie in der Arbeitswelt zurechtkommen können.
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Was nützt mir die Schule?Fragen junger Leute — Praktische Antworten
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Kapitel 17
Was nützt mir die Schule?
LEHRER Schulz ist schon seit über 25 Jahren in seinem Beruf tätig. Ein Schüler hat es deshalb nicht leicht, eine Ausrede für sein Fernbleiben zu finden, die Herr Schulz nicht bereits gehört hat. „Schüler haben mir schon das Unmöglichste gesagt“, erzählt er. „Zum Beispiel: ‚Ich habe gemeint, ich werde heute krank‘ oder: ‚Mein Opa in Alaska ist gestorben.‘ “ Welche Entschuldigung fand er am drolligsten? Die der drei Jungen, die behaupteten, sie hätten „die Schule wegen des dichten Nebels nicht finden können“.
Diese fadenscheinigen Entschuldigungen lassen die Abneigung vieler Jugendlicher gegen die Schule erkennen, die zwischen Gleichgültigkeit („Es geht“) oder ausgesprochener Feindschaft („Die Schule stinkt mir! Ich hasse sie!“) rangiert. Gary steht auf, um in die Schule zu gehen, und bekommt dann plötzlich Magenschmerzen. Er sagt: „Immer, wenn ich in die Nähe der Schule komme, fange ich an zu schwitzen und werde nervös . . ., dann muß ich einfach heim.“ Viele Jugendliche leiden an Schulangst. Oft wird sie durch Gewalt in der Schule ausgelöst, durch Gruppenbrutalität und Notendruck. Die betroffenen Schüler gehen zwar (wenn die Eltern ihnen gut zureden) in die Schule, aber sie sind ständig in Unruhe und leiden sogar an körperlichen Beschwerden.
Es überrascht daher nicht, daß eine alarmierende Zahl von Schülern einfach dem Unterricht fernbleibt. In den Vereinigten Staaten fehlen täglich rund 2,5 Millionen Schüler. In der New York Times wurde berichtet, daß in den High-Schools von New York derart viele Schüler (etwa ein Drittel) „so oft abwesend sind, daß es fast unmöglich ist, sie zu unterrichten“.
Andere Jugendliche gehen noch weiter. „Die Schule langweilte mich und war mir zu streng“, sagt Walter. Er ging vorzeitig von der Schule ab. Antonia verließ die Schule, weil ihr die Schularbeiten zu schwer waren. „Wie sollte ich die Aufgaben lösen, wenn ich nicht verstand, was ich las?“ fragt sie. „Ich saß da und wurde immer dümmer, deshalb ging ich ab.“
Zugegeben, die Schulsysteme werden weltweit von schwerwiegenden Problemen geplagt. Ist das aber ein Grund, jegliches Interesse an der Schule zu verlieren und das Handtuch zu werfen? Welche Auswirkung kann es auf dein späteres Leben haben, vorzeitig die Schule zu verlassen? Gibt es stichhaltige Gründe dafür, einen Schulabschluß anzustreben?
Der Wert der Bildung
Auf die Frage, warum er seinen Schulabschluß nachgeholt habe, sagt Michael: „Mir wurde klar, daß ich eine Schulbildung mit einem Abschluß brauchte.“ Was gehört eigentlich zur Bildung? Lediglich, daß man eine beeindruckende Menge Fakten im Kopf hat? Das ergäbe ebensowenig eine Bildung, wie ein Haufen Backsteine ein Haus ergeben würde.
Durch die Bildung sollen Jugendliche auf das spätere Leben vorbereitet werden. Nach Allen Austill, seit 18 Jahren Mitglied einer Schulverwaltung, soll „die Bildung darin bestehen, den Jugendlichen zum Denken zu erziehen, ihn zu lehren, wie man Probleme löst, was rational und irrational ist, was logisches Denken ist, was Fakten sind und wie Oberbegriffe und Unterbegriffe richtig eingeordnet werden. Er soll lernen, das alles richtig beurteilen und unterscheiden zu können, und lernen, wie man lernt.“
Und welche Rolle spielt die Schule dabei? Vor vielen Jahrhunderten verfaßte König Salomo die Sprüche, „um den Unerfahrenen Klugheit zu geben, einem jungen Mann Erkenntnis und Denkvermögen“ (Sprüche 1:1-4). Ja, junge Menschen sind unerfahren. Die Schule kann ihnen jedoch helfen, Denkvermögen zu entwickeln. Damit ist die Fähigkeit gemeint, Tatsachen nicht nur aufzählen zu können, sondern sie auch zu analysieren und zur Entwicklung produktiver Ideen zu benutzen. Die Lehrmethoden einiger Schulen werden zwar kritisiert, doch das Nützliche an der Schule ist, daß du gezwungen wirst, dein Denkvermögen zu gebrauchen. Vielleicht glaubst du, das Lösen geometrischer Aufgaben oder das Auswendiglernen geschichtlicher Daten habe nichts mit dem praktischen Leben zu tun. Doch Barbara Mayer schreibt in dem Buch The High School Survival Guide: „Nicht jeder kann sich an alles erinnern, was die Lehrer bei den Tests jeweils wissen wollten, aber Fertigkeiten wie richtiges Lernen oder Planen verlernt man nie.“
Drei Universitätsprofessoren, die den Langzeitnutzen der Bildung untersucht haben, sind ebenfalls zu dem Schluß gekommen, daß „Personen mit guter Schulbildung über umfassendere und gründlichere Kenntnisse verfügen als andere; sie haben nicht nur Buchwissen, sondern auch eine gute Allgemeinbildung; ferner forschen sie eher nach und wissen, wie man an Informationsquellen herankommt. . . . Diese Unterschiede sind noch vorhanden, wenn sie älter werden und schon lange nicht mehr die Schulbank drücken“ (The Enduring Effects of Education).
Am wichtigsten ist es aber, daß dich eine Schulbildung für christliche Aufgaben ausrüsten kann. Wenn du dir gute Lerngewohnheiten angeeignet hast und die Kunst des Lesens beherrschst, fällt es dir leichter, Gottes Wort zu studieren (Psalm 1:2). Hast du in der Schule gelernt, dich richtig auszudrücken, so kannst du andere besser die biblischen Wahrheiten lehren. Geschichtliche, naturwissenschaftliche, geographische und mathematische Kenntnisse sind dir im Umgang mit Menschen verschiedener Herkunft oder mit Leuten, die die unterschiedlichsten Interessengebiete und Ansichten haben, nützlich.
Schule und Beruf
Die Schule hat einen großen Einfluß auf deine künftigen Berufsaussichten. Wieso?
Der weise König Salomo sagte über einen geschickten Arbeiter: „Vor Könige wird er sich stellen; er wird sich nicht vor gewöhnliche Menschen stellen“ (Sprüche 22:29). Das ist auch heute noch so. „Ohne Fachkenntnisse kann man im Leben viele Nachteile haben“, sagte Ernest Green vom US-Arbeitsministerium.
Natürlich haben junge Leute ohne richtigen Schulabschluß wenig Aussicht, Arbeit zu bekommen. So erging es Walter, der zuvor bereits erwähnt wurde. „Wie oft habe ich mich schon um eine Stelle beworben, bin aber immer wieder abgewiesen worden, weil ich keinen Abschluß habe.“ Auch gibt er zu: „Manchmal gebrauchen die Leute Wörter, die ich nicht verstehe, und dann komme ich mir dumm vor.“
In den Vereinigten Staaten ist die Arbeitslosenrate bei den 16- bis 24jährigen, die die Schule vorzeitig verlassen haben, „fast doppelt so hoch wie bei denen, die einen Schulabschluß haben, und fast dreimal so hoch wie die allgemeine Arbeitslosenrate“ (The New York Times). „Wer keinen richtigen Schulabschluß hat, verbaut sich die Zukunft selbst“, sagt F. Philip Rice in seinem Buch The Adolescent. Wer vorzeitig von der Schule abgeht, beherrscht sehr wahrscheinlich nicht einmal die Grundkenntnisse, die für die Ausübung eines einfachen Berufs unerläßlich sind.
Paul Copperman schreibt in dem Buch The Literacy Hoax über die Verhältnisse in den Vereinigten Staaten: „Eine vor kurzem durchgeführte Studie hat ergeben, daß man, um Koch zu werden, so gut lesen muß wie ein Schüler der siebenten Klasse; um Mechaniker zu werden, wie ein Schüler der achten Klasse, und um einen kaufmännischen Beruf zu erlernen, wie ein Schüler der neunten oder zehnten Klasse.“ Er fährt fort: „Wer Lehrer, Krankenpfleger, Buchhalter oder Ingenieur werden möchte, muß selbstverständlich noch besser lesen können.“
Schüler, die sich bei den grundlegenden Fertigkeiten Mühe geben, wie zum Beispiel beim Lesen, haben natürlich bessere Berufsaussichten. Aber welchen weiteren Nutzen für sein Leben kann man aus dem Schulbesuch ziehen?
Der Nutzen
Der Nutzen fürs Leben besteht darin, daß man seine Stärken und Schwächen erkennt. Michelle, die vor kurzem Arbeit in der elektronischen Datenverarbeitung gefunden hat, sagt: „In der Schule lernte ich, unter Druck zu arbeiten, Prüfungen zu bewältigen und mich auszudrücken.“
„Die Schule lehrte mich, Fehlschläge im richtigen Licht zu sehen“, erklärt ein anderes junges Mädchen. Es hatte die Tendenz, nicht sich, sondern andere für Rückschläge verantwortlich zu machen. Andere junge Leute hielten die strenge Schulroutine für nützlich. Allerdings kritisieren viele die Schule gerade deshalb und behaupten, sie behindere die geistige Entwicklung des jungen Menschen. Salomo dagegen ermunterte Jugendliche, „Weisheit zu lernen und Zucht“ (Sprüche 1:2, Einheitsübersetzung). In Schulen, in denen Disziplin herrscht, sind viele junge Menschen zu disziplinierten, aber auch kreativen Persönlichkeiten herangebildet worden.
Somit solltest du deine Schuljahre gut nützen. Wie kannst du das tun? Beginnen wir bei den Hausaufgaben.
Fragen zur Besprechung
◻ Warum haben so viele Jugendliche etwas gegen die Schule? Wie denkst du darüber?
◻ Wie kann einem die Schule helfen, Denkvermögen zu entwickeln?
◻ Wie kann sich ein vorzeitiges Verlassen der Schule später auf die Arbeitssuche auswirken, und warum?
◻ Welche weiteren persönlichen Vorteile hat es, einen Schulabschluß zu erlangen?
[Herausgestellter Text auf Seite 135]
„Ich saß da und wurde immer dümmer, deshalb ging ich ab“
[Herausgestellter Text auf Seite 138]
„Eine vor kurzem durchgeführte Studie [USA] hat ergeben, daß man, um Koch zu werden, so gut lesen muß wie ein Schüler der siebenten Klasse; um Mechaniker zu werden, wie ein Schüler der achten Klasse, und um einen kaufmännischen Beruf zu erlernen, wie ein Schüler der neunten oder zehnten Klasse“
[Bilder auf Seite 136]
Die Disziplin, die du in der Schule lernst, kann dir dein Leben lang von Nutzen sein
[Bild auf Seite 137]
Wer nicht die grundlegenden Fertigkeiten beherrscht, die in der Schule gelehrt werden, hat düstere Berufsaussichten
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Wie kann ich meine Zensuren verbessern?Fragen junger Leute — Praktische Antworten
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Kapitel 18
Wie kann ich meine Zensuren verbessern?
BEI einer Umfrage unter Grundschülern antworteten 51 Prozent auf die Frage, was ihre größte Sorge sei: „Die Zensuren.“
Kein Wunder, daß für Jugendliche die Schulnoten eine der Hauptsorgen sind. Zensuren bedeuten Versetzung oder Sitzenbleiben, eine gutbezahlte Stellung oder einen Hungerlohn, das Lob der Eltern oder ihren Zorn. Zensuren und Arbeiten haben anerkanntermaßen ihre Berechtigung. Selbst Jesus Christus testete häufig das Verständnis seiner Jünger über gewisse Angelegenheiten (Lukas 9:18). In dem Buch Measurement and Evaluation in the Schools heißt es: „Durch die Testergebnisse kann offenbar werden, wo die Stärken und die Schwächen des einzelnen Schülers liegen, und sie können für die Zukunft als Lernanreiz dienen.“ Deine Zensuren vermitteln auch deinen Eltern eine Vorstellung davon, wie es dir in der Schule ergeht — sei es nun gut oder schlecht.
Ausgeglichenheit
Übermäßige Sorgen um die Zensuren können jedoch eine lähmende Belastung sein und erbitterten Konkurrenzkampf auslösen. In einem Buch über Heranwachsende wurde festgestellt, daß besonders Schüler, die auf ein Studium erpicht sind, „in eine Mühle des Konkurrenzgeistes geraten können, wo mehr Wert auf Zensuren und Rangfolge gelegt wird als auf das Lernen“. Das Ergebnis beschreibt Dr. William Glasser: „Die Kinder gewöhnen sich in der Schule schon sehr früh an, zu fragen, was bei der Prüfung drankommt, und dann . . . ausschließlich diesen Stoff zu lernen.“
Der König Salomo sagte warnend: „Ich habe selbst all die harte Arbeit und all die Tüchtigkeit in der Arbeit gesehen, daß es Wetteifer des einen gegenüber dem anderen bedeutet; auch das ist Nichtigkeit und ein Haschen nach Wind“ (Prediger 4:4). Erbitterter Konkurrenzkampf — ob es dabei um Reichtum oder um schulische Auszeichnungen geht — ist daher nichtig. Gottesfürchtige Jugendliche erkennen die Notwendigkeit, sich in der Schule anzustrengen. Aber statt die Bildung allem voranzustellen, verfolgen sie geistige Interessen und vertrauen darauf, daß Gott für ihre materiellen Bedürfnisse sorgen wird (Matthäus 6:33; siehe die Abhandlung über die Wahl der Laufbahn im Kapitel 22).
Außerdem gehört zur Bildung mehr, als nur bei Prüfungen Punkte zu sammeln. Man muß das entwickeln, was Salomo als „Denkvermögen“ bezeichnete, die Kunst, Informationen aufzunehmen und vernünftige, praktische Schlüsse daraus zu ziehen (Sprüche 1:4). Wer seine Versetzung nur schafft, indem er die Antworten errät, indem er paukt oder sogar schummelt, lernt nie zu denken. Und was nützen dir gute Noten in Mathematik, wenn du später mit deinen Einnahmen und Ausgaben nicht klarkommst?
Es ist daher wichtig, sich bewußt zu sein, daß die Noten kein Selbstzweck sind, sondern ein hilfreicher Maßstab für den Fortschritt in der Schule. Doch wie kannst du Zensuren erreichen, die deinen Fähigkeiten entsprechen?
Lernen — deine Verantwortung!
Wie die Lehrerin Linda Nielsen feststellte, neigen schlechte Schüler dazu, „Ursachen, auf die sie keinen Einfluß haben, die Schuld für schlechte Leistungen zu geben: unfaire Testfragen, ein voreingenommener Lehrer, Pech, Schicksal, das Wetter“. Die Bibel sagt jedoch: „Der Faule zeigt sich begehrlich, aber seine Seele hat nichts“ (Sprüche 13:4). Ja, oft hat man einfach deswegen schlechte Zensuren, weil man faul ist.
Gute Schüler übernehmen selbst die Verantwortung für ihr Lernen. Die Zeitschrift ’Teen interviewte einige leistungsstarke Schüler der Oberstufe. Ihr Geheimnis? „Persönliche Motivation hilft einem weiterzukommen“, sagte einer. „Ein Zeitplan und eine gute Zeiteinteilung“, meinte ein anderer. „Man muß sich Ziele setzen“, bemerkte ein dritter. Ja, deine Noten hängen größtenteils nicht von Faktoren ab, auf die du keinen Einfluß hast, sondern von DIR — davon, inwieweit du bereit bist, hart zu lernen und dir in der Schule Mühe zu geben.
„Aber ich lerne doch!“
Das behaupten zumindest einige Jugendliche. Sie denken in aller Aufrichtigkeit, daß sie sich schon unwahrscheinlich bemühen, aber trotzdem keine Erfolge erzielen. Vor einigen Jahren stellten Forscher an der Stanford-Universität in Kalifornien 770 Schülern die Frage, wie sehr sie sich ihrer Meinung nach für die Schule anstrengten. Eigenartigerweise dachten die Schüler mit schlechten Noten, sie würden sich ebensosehr anstrengen wie alle anderen. Doch als man ihre Lerngewohnheiten untersuchte, stellte sich heraus, daß sie in Wirklichkeit weit weniger Hausaufgaben machten als ihre leistungsstärkeren Mitschüler.
Was kann man daraus lernen? Möglicherweise lernst auch du nicht so intensiv, wie du glaubst, und müßtest einiges ändern. In einem Artikel der Zeitschrift Journal of Educational Psychology wurde gezeigt, daß allein schon ein „größerer Zeiteinsatz bei den Hausaufgaben in den höheren Klassen positive Auswirkungen auf die Noten hat“. Tatsächlich kann „ein leistungsschwächerer Schüler, der . . . ein bis drei Stunden für Hausaufgaben aufwendet, die Noten eines durchschnittlichen Schülers erreichen, der zu Hause nichts macht“.
Der Apostel Paulus mußte sinnbildlich ‘seinen Leib zerschlagen’, um seine Ziele zu erreichen (1. Korinther 9:27). Auch du mußt vielleicht hart mit dir selbst sein, besonders wenn du dich durch das Fernsehen oder durch andere Zerstreuungen allzuleicht vom Lernen ablenken läßt. Du könntest sogar einen Zettel am Fernsehgerät befestigen mit der Aufschrift: „Kein Fernsehen, bis die Hausaufgaben fertig sind!“
Deine Umgebung beim Lernen
Für die meisten wäre es nützlich, einen ruhigen, für das Lernen reservierten Platz zu haben. Versuche dich zu behelfen, falls du kein Zimmer für dich allein hast oder bei dir zu Hause der Platz begrenzt ist. Vielleicht kannst du die Küche oder das Schlafzimmer jeden Tag für eine gewisse Zeit zu deinem Lernzimmer machen. Als letzte Möglichkeit kannst du in eine öffentliche Bibliothek oder zu einem Freund gehen.
Setze dich möglichst an einen Schreibtisch oder an einen anderen Tisch, auf dem du genügend Platz hast. Halte Stifte, Papier usw. griffbereit, damit du nicht ständig aufstehen mußt. Auch wenn dir der Gedanke nicht so sehr gefällt, aber fernsehen und Radio hören wie auch telefonieren und sich unterhalten schadet im allgemeinen der Konzentration.
Vergewissere dich, daß du ausreichend blendfreies Licht hast. Gutes Licht wirkt der Müdigkeit entgegen und schützt deine Augen. Sorge, wenn möglich, für frische Luft und für die richtige Raumtemperatur. Ein kühler Raum bietet bessere Voraussetzungen zum Lernen als ein warmer.
Was aber, wenn du einfach keine Lust hast? Das Leben gestattet uns selten den Luxus, unseren Launen nachzugeben. Im Berufsleben mußt du jeden Tag arbeiten — ob du gerade Lust hast oder nicht. Sieh die Hausaufgaben als eine Übung in Selbstdisziplin an, als eine Vorbereitung auf den Beruf. Betrachte deine Aufgaben als deine „Arbeit“. Ein Pädagoge empfahl: „Wenn möglich, sollte man jeden Tag am selben Platz und zur gleichen Zeit lernen. So wird das regelmäßige Lernen zu einer Gewohnheit, und . . . der Widerwille dagegen wird abnehmen.“
Planvolles Vorgehen beim Lernen
Gemäß Philipper 3:16 ermunterte Paulus Christen, „weiterhin nach derselben festen Ordnung [zu] wandeln“. Paulus sprach hier von der Ordnung des christlichen Lebens. Dennoch hilft eine „Ordnung“, ein planvolles Vorgehen, auch, wenn es um dein Lernen geht. Gehe systematisch vor. Vermeide es, dich hintereinander mit ähnlichen Fächern (z. B. mit zwei Fremdsprachen) zu befassen. Plane kurze Pausen zwischen den Fächern, insbesondere wenn du eine Menge aufhast.
Mußt du viel lesen, könntest du folgende Methode ausprobieren: ÜBERSCHAUE zunächst das Material. Überfliege den Stoff, sieh dir Untertitel, Tabellen usw. an, um dir einen Überblick zu verschaffen. Stelle dir als nächstes FRAGEN, die sich auf die Überschriften oder auf die ersten Sätze stützen. (So kannst du dich besser auf den Lesestoff konzentrieren.) LIES nun, und suche dabei nach Antworten auf deine Fragen. Versuche am Ende jedes Abschnitts, ohne in das Buch zu schauen, das Gelesene WIEDERZUGEBEN. Halte, wenn du fertig bist, einen RÜCKBLICK, indem du die Überschriften überfliegst und dir überlegst, was dir zu jedem Abschnitt noch einfällt. Man sagt, durch diese Methode hätten Schüler bis zu 80 Prozent des Gelesenen behalten.
Ein Pädagoge sagte außerdem: „Es ist wichtig, dem Schüler erkennen zu helfen, daß eine Tatsache nicht für sich allein steht, sondern immer einen Bezug zu etwas anderem hat.“ Versuche daher, den Unterrichtsstoff mit dem, was du schon weißt und beobachtet hast, in Verbindung zu bringen. Ergründe den praktischen Wert des Gelernten.
Interessanterweise sind gottesfürchtige Jugendliche hier wirklich im Vorteil, denn die Bibel sagt: „Die Furcht Jehovas ist der Anfang der Erkenntnis“ (Sprüche 1:7). Die Gesetze der Physik zu erlernen mag dir als reine Schinderei erscheinen. Doch das Lernen wird sinnvoller, wenn man weiß, daß durch Gottes Schöpfung „seine unsichtbaren Eigenschaften . . . deutlich gesehen“ werden (Römer 1:20). Geschichte steht häufig mit der Verwirklichung der Vorsätze Jehovas in Verbindung. Sieben Weltmächte (einschließlich der gegenwärtigen anglo-amerikanischen Weltmacht) werden direkt in der Bibel erörtert (Offenbarung 17:10; Daniel, Kapitel 7).
Wenn du das, was du lernst, mit deinem christlichen Glauben und mit dem, was du bereits weißt, in Verbindung bringst, werden die Fakten für dich an Bedeutung gewinnen, und aus deinem Wissen wird Verständnis. Salomo beobachtete: „Für den Verständigen ist Erkenntnis etwas Leichtes“ (Sprüche 14:6).
„Nächste Woche schreiben wir eine Arbeit“
Diese Worte brauchen bei dir keine Panik auszulösen. Versuche zuerst, aus den Bemerkungen des Lehrers herauszufinden, was für eine Arbeit es sein wird. Ein Aufsatz? Ein Ankreuztest? Achte in den Tagen vorher auf Andeutungen über das, was in der Arbeit vorkommen wird. („Der nächste Punkt ist sehr wichtig“ oder „Merkt euch das gut“ sind gemäß der Zeitschrift Senior Scholastic typische Hinweise.) Dann gehe noch einmal deine Notizen, Lehrbücher und Hausaufgaben durch.
„Eisen wird durch Eisen geschärft. So schärft ein Mann das Angesicht eines anderen“, sagte uns Salomo (Sprüche 27:17). Vielleicht würden deine Eltern oder ein Freund dich gern abfragen oder dir zuhören, wenn du Unterrichtsstoff wiederholst. Entspanne dich am Abend vor der Arbeit, und versuche, gut zu schlafen. „Wer von euch kann dadurch, daß er sich sorgt, seiner Lebenslänge eine einzige Elle hinzufügen?“ fragte Jesus (Matthäus 6:27).
Mißerfolge
Eine schlechte Arbeit zu schreiben kann einen Jugendlichen die Selbstachtung kosten, vor allem wenn er sein Bestes getan hat. Der Pädagoge Max Rafferty erinnert uns jedoch: „Unser ganzes Leben lang werden wir danach beurteilt, was wir wissen und welche Ergebnisse wir erreichen . . . Eine Schule, die die Schüler glauben macht, sie wären im Leben auf Rosen gebettet, ist keine Schule, sondern eine Traumfabrik.“ Die Demütigung, eine Arbeit „verhauen“ zu haben, kann dir von Nutzen sein, wenn du dadurch angespornt wirst, aus deinen Fehlern zu lernen und dich zu verbessern.
Doch wie sieht es aus, wenn man mit einem schlechten Zeugnis vor seinen enttäuschten Eltern steht? Aus Angst davor hat schon so mancher zu faulen Tricks Zuflucht genommen. „Ich legte mein Zeugnis immer auf den Küchentisch, ging nach oben in mein Zimmer und versuchte, bis zum nächsten Tag zu schlafen“, erinnert sich ein Jugendlicher. Ein anderer berichtet: „Ich wartete immer bis zur letzten Sekunde, bevor ich es meiner Mutter zeigte. Ich brachte es ihr am Morgen, kurz bevor sie zur Arbeit ging, und sagte: ‚Hier, das mußt du noch unterschreiben.‘ Sie hatte dann keine Zeit mehr, darauf einzugehen“ — zumindest nicht in diesem Moment. Einige haben sogar ihre Zeugnisnoten gefälscht.
Aber deine Eltern haben ein Recht zu wissen, wie du in der Schule zurechtkommst. Selbstverständlich erwarten sie, daß deine Noten deinen Fähigkeiten entsprechen; und falls deine Noten diesem Maßstab nicht gerecht werden, kannst du mit angemessener Zucht rechnen. Sei daher ehrlich zu deinen Eltern, und „höre . . . auf die Zucht deines Vaters, und verlaß nicht das Gesetz deiner Mutter“ (Sprüche 1:8). Wenn du denkst, daß sie zuviel von dir erwarten, sprich mit ihnen darüber. (Siehe „Wie soll ich es meinen Eltern sagen?“ im 2. Kapitel.)
Wie wichtig Zensuren auch sind, so sagen sie doch nichts Endgültiges über den Wert deiner Persönlichkeit aus. Doch nutze deine Schulzeit, und lerne, soviel du kannst. Gewöhnlich wird sich diese Mühe in deinen Zensuren widerspiegeln, und das wird dich — und deine Eltern — befriedigen und glücklich machen.
Fragen zur Besprechung
◻ Welchem Zweck dienen Zensuren, und warum ist es wichtig, eine ausgeglichene Ansicht darüber zu haben?
◻ Wieso ist es wichtig, daß du selbst die Verantwortung für dein Lernen übernimmst?
◻ Was muß man bedenken, bevor man in eine AG oder einen Verein geht?
◻ Wie kannst du deine Zensuren verbessern?
◻ Wie kannst du dich auf Klassenarbeiten vorbereiten?
◻ Wie solltest du einen Mißerfolg betrachten? Solltest du ihn vor deinen Eltern verheimlichen?
[Herausgestellter Text auf Seite 141]
Ein Jugendlicher, der seine Versetzung nur schafft, indem er die Antworten errät, indem er paukt oder schummelt, lernt nie zu denken
[Kasten auf Seite 144, 145]
Wie steht es mit dem Freizeitangebot?
Viele Jugendliche haben in AGs (Arbeitsgemeinschaften an den Schulen) und Vereinen das Gefühl, etwas zu leisten. „Ich war in fast jedem Verein, den es gab“, erzählt ein Junge aus Baltimore (Maryland, Vereinigte Staaten). „Wenn ich mich mit etwas beschäftigte, was mir gefiel, fühlte ich mich wohl. Ich war in einem Automobilklub, weil ich gern an Autos bastle. Ich mag Computer und ging deshalb in einen Informatikkurs. Ich interessiere mich für Hi-Fi, und so ging ich auch in einen solchen Klub.“ Besonders Schüler, die eine höhere Bildung anstreben, werden gedrängt, an Aktivitäten außerhalb des Lehrplans teilzunehmen.
Ein US-Regierungsbeamter — ehemals selbst Lehrer — sagte jedoch gegenüber Erwachet!: „Wahrscheinlich bringen die Schüler mehr Zeit mit außerlehrplanmäßigen Aktivitäten zu als mit den Hausaufgaben, und so können sie ihren Notendurchschnitt schwerlich halten.“ Es ist nicht leicht, ausgeglichen zu bleiben, wenn es um das Freizeitangebot geht. Cathy, die in der Softball-Schulmannschaft spielte, sagt: „Nach dem Sport war ich für alles andere zu müde. Meine Schularbeiten haben darunter gelitten. Deswegen habe ich mich dieses Jahr nicht angemeldet.“
Es gibt auch Gefahren in geistiger Hinsicht. Ein Christ sagt, rückblickend auf seine Jugendjahre: „Ich dachte, ich könnte drei Dinge unter einen Hut bringen: Hausaufgaben, das Leichtathletiktraining und religiöse Tätigkeiten. Aber im Zweifelsfall entschied ich mich immer zuungunsten des Religiösen.“
Themon, der in zwei Schulmannschaften mitspielte, stimmt dem zu. Er erzählt: „Ich konnte die Zusammenkünfte im [Königreichs-]Saal [zur religiösen Belehrung] nicht besuchen, weil wir dienstags und donnerstags auswärts waren und samstags nicht vor zwei Uhr nachts zurückkamen.“ Obwohl „die Leibesübung“ bis zu einem gewissen Grad „nützlich“ ist, darf man nicht vergessen, daß „Gottergebenheit . . . für alle Dinge nützlich“ ist (1. Timotheus 4:8).
Denke auch an die Gefahren auf moralischem Gebiet. Wirst du mit Jugendlichen zusammensein, die in moralischer Hinsicht einen guten Einfluß auf dich haben? Worum drehen sich ihre Gespräche? Könnte sich der Einfluß von Mannschaftsmitgliedern oder Teilnehmern eines Kurses nachteilig auf dich auswirken? In 1. Korinther 15:33 wird gesagt: „Schlechte Gesellschaft verdirbt nützliche Gewohnheiten.“
Interessanterweise haben sich viele Jugendliche unter Jehovas Zeugen entschieden, ihre freie Zeit für etwas weit Nützlicheres als Sport zu verwenden: Sie helfen anderen, den Schöpfer kennenzulernen. Kolosser 4:5 gibt den Rat: „Fahrt fort, in Weisheit gegenüber den Außenstehenden zu wandeln, indem ihr die gelegene Zeit für euch auskauft.“
[Bilder auf Seite 143]
Schüler bezahlen oft mit schlechten Zensuren für ihr unkonzentriertes Lernen
[Bilder auf Seite 146]
Es ist nicht einfach, Sportverein und Hausaufgaben unter einen Hut zu bringen
[Bild auf Seite 148]
Eltern sind über ein schlechtes Zeugnis sicherlich aufgebracht. Aber sprich mit ihnen, wenn du meinst, daß sie zuviel von dir erwarten.
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Warum lassen mich die anderen nicht in Ruhe?Fragen junger Leute — Praktische Antworten
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Kapitel 19
Warum lassen mich die anderen nicht in Ruhe?
Schon am Gang konnte man mit tödlicher Sicherheit erkennen, daß der Junge nervös und unsicher war, daß die neue Umgebung ihn verwirrte. Die älteren Schüler merkten sofort, daß er in der Schule neu war. Bald wurde er von einer Schar Jugendlicher umringt, die ihn mit Obszönitäten überschütteten. Mit hochrotem Kopf flüchtete er in das nächstbeste Versteck — die Toiletten. Die Mauern hallten von Gelächter wider.
EIN brutaler Zeitvertreib vieler Jugendlicher besteht darin, andere zu schikanieren. Auch in biblischen Zeiten offenbarten Kinder niederträchtige Charakterzüge. Eine Gruppe von Jungen beleidigte zum Beispiel den Propheten Elisa. Die Kinder ließen ihn ihre Verachtung gegenüber seinem Amt spüren und schrien in respektlosem Ton: „Geh hinauf, du Kahlkopf! Geh hinauf, du Kahlkopf!“ (2. Könige 2:23-25). Auch heute neigen viele Kinder und Jugendliche dazu, beleidigende und verletzende Bemerkungen zu machen.
„Ich war der ‚Zwerg‘ in der neunten Klasse“, erinnert sich einer der Autoren des Buches Growing Pains in the Classroom. „Der Klügste und der Kleinste in der Klasse zu sein war eine unglückselige Zusammensetzung; diejenigen, die mich nicht aus dem Grund schlugen, weil ich der ‚Zwerg‘ war, schlugen mich, weil ich ein heller Kopf war. Außer ‚Vieräugiger‘ und ‚wandelndes Lexikon‘ wurden mir viele andere Beinamen gegeben.“ Der Autor des Buches The Loneliness of Children schrieb: „Kinder mit Körperbehinderungen, Sprachfehlern, auffallenden körperlichen Eigenarten oder Verhaltensstörungen werden schnell die Zielscheibe des Spottes der anderen Kinder.“
Manchmal wehren sich Jugendliche, indem sie sich auf eine Art Wettstreit in Grausamkeit einlassen: Sie werfen sich gegenseitig immer schlimmere Beleidigungen an den Kopf (wobei es oft um die Eltern des anderen geht). Viele sind allerdings gegen die Schikanen Gleichaltriger wehrlos. Ein Jugendlicher erinnert sich daran, daß er wegen des Spotts und der ständigen Belästigungen einige Tage eine solche Angst hatte und so unglücklich war, daß er dachte, er „müsse sich übergeben“. Aus lauter Sorge darüber, was die anderen Schüler ihm antun würden, konnte er sich nicht auf den Unterricht konzentrieren.
Es ist nicht zum Lachen
Bist du schon einmal die Zielscheibe solcher Gemeinheiten gewesen? Dann wird es für dich tröstlich sein, zu erfahren, daß Gott darüber nicht lachen kann. Beachte den Bibelbericht über die Feier der Entwöhnung Isaaks, des Sohnes Abrahams. Ismael, Abrahams älterer Sohn, der zweifellos neidisch war auf das Erbe, das Isaak erhalten würde, begann über Isaak ‘spottzulachen’. Der Spott war kein harmloser Spaß, sondern artete in ‘Verfolgung’ aus (Galater 4:29). Sara, Isaaks Mutter, erkannte, daß Feindseligkeit dahintersteckte. Sie betrachtete dies als Angriff auf Jehovas Vorsatz, daß der verheißene „Same“ oder Messias durch Isaak, ihren Sohn, kommen sollte. Auf Saras Bitte hin wurden Ismael und seine Mutter von Abraham weggesandt (1. Mose 21:8-14).
Es ist auch nicht zum Lachen, wenn du von Jugendlichen böswillig gehänselt wirst — besonders dann nicht, wenn sie spotten, weil du dich bemühst, nach biblischen Grundsätzen zu leben. Christliche Jugendliche zum Beispiel sind dafür bekannt, daß sie mit anderen über ihren Glauben sprechen. Doch eine Gruppe jugendlicher Zeugen Jehovas sagte: „Unsere Mitschüler denken, wir seien dumm, weil wir von Tür zu Tür predigen gehen, und setzen uns deshalb herab.“ Wie treue Anbeter Gottes in der Vergangenheit erhalten viele christliche Jugendliche „ihre Erprobung durch Verspottungen“ (Hebräer 11:36). Sie sind für ihren Mut beim Erdulden solcher Schikanen zu loben.
Warum sie es tun
Aber du fragst dich vielleicht, wie du erreichen kannst, daß dich die anderen in Ruhe lassen. Denke zunächst darüber nach, warum sie überhaupt spotten. „Auch beim Lachen kann das Herz Schmerz empfinden“, heißt es in Sprüche 14:13. Jugendliche, denen es gelingt, einen anderen zu ärgern, lachen dann meist schallend. Aber sie lachen nicht „zufolge des guten Herzenszustandes“ (Jesaja 65:14). Häufig lachen sie nur, um ihre innere Unsicherheit zu tarnen. Vielleicht mögen sich diese Spötter selbst nicht leiden, glauben aber, sie würden sich besser fühlen, wenn sie andere lächerlich machten.
Auch Eifersucht kann zu aggressivem Verhalten führen. In der Bibel wird von Joseph berichtet, dessen Brüder darüber erbost waren, daß er der Liebling des Vaters war. Heftige Eifersucht veranlaßte die Brüder nicht nur, Joseph zu beleidigen, sondern sie beabsichtigten sogar, ihn umzubringen (1. Mose 37:4, 11, 20). Auch heute mag ein Schüler, der sehr intelligent oder bei den Lehrern beliebt ist, von den Mitschülern beneidet werden. Durch Beleidigungen versuchen sie dann, ihn „zurechtzustutzen“.
Der Grund, warum einige Schüler andere auslachen, ist somit oft eigene Unsicherheit, Eifersucht und geringe Selbstachtung. Warum solltest du deine Selbstachtung verlieren, nur weil andere verunsicherte Jugendliche sie verloren haben?
Was tun, damit die Belästigungen aufhören?
„Glücklich ist der Mann, der . . . nicht auf dem Sitz der Spötter gesessen hat“, heißt es in den Psalmen (Psalm 1:1). Wenn man in dasselbe Horn bläst, nur um die Aufmerksamkeit von sich abzulenken, nehmen die Beleidigungen kein Ende. „Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. . . . besiege das Böse stets mit dem Guten“, lautet der göttliche Rat (Römer 12:17-21).
In Prediger 7:9 heißt es außerdem: „Sei nicht eilig in deinem Geist, gekränkt zu werden, denn sich gekränkt zu fühlen ruht im Busen der Unvernünftigen.“ Ja, warum solltest du die Hänseleien so ernst nehmen? Häufig steckt keine böse Absicht dahinter. Natürlich tut es weh, wenn sich jemand über deine Figur oder deine unreine Haut lustig macht. Doch die Bemerkungen, so taktlos sie auch sein mögen, sind nicht unbedingt böse gemeint. Du brauchst also nicht am Boden zerstört zu sein, wenn jemand bewußt oder unbewußt bei dir eine empfindliche Stelle trifft. Wenn das, was gesagt wird, nicht obszön oder verächtlich ist, dann nimm es mit Humor. Es gibt „eine Zeit zum Lachen“, und wer beleidigt ist, weil man ihn neckt, reagiert wahrscheinlich übertrieben (Prediger 3:4).
Was aber, wenn der Spott grausam oder sogar unmoralisch ist? Vergiß nicht, daß sich die Spötter nur an deiner Reaktion ergötzen wollen. Schlägst du zurück oder brichst du in Tränen aus, so fühlen sie sich vermutlich angespornt weiterzumachen. Warum ihnen die Genugtuung bereiten, daß sie sehen, wie du dich aufregst? Die beste Möglichkeit, Beleidigungen abzuwehren, besteht oft darin, sie unbekümmert zu ignorieren.
König Salomo sagte: „Gib nicht dein Herz all den Worten hin, die die Menschen reden mögen [„Hör auch nicht auf all die Worte, die man so sagt“, Einheitsübersetzung], damit du deinen Knecht nicht Übles auf dich herabrufen hörst. Denn dein eigenes Herz weiß wohl, sogar von vielen Malen, daß du, ja du, Übles auf andere herabgerufen hast“ (Prediger 7:21, 22). Wenn du dich um all das Gerede derer kümmertest, die über dich spotten, würde das heißen, daß dir übertrieben viel an ihrem Urteil gelegen wäre. Urteilen sie denn richtig? Als der Apostel Paulus zu Unrecht von eifersüchtigen Glaubensbrüdern angegriffen wurde, antwortete er: „Für mich nun ist es etwas sehr Geringfügiges, daß ich von euch oder von einem menschlichen Gerichtshof beurteilt werde. . . . der mich aber beurteilt, ist Jehova“ (1. Korinther 4:3, 4). Paulus hatte ein ausgezeichnetes Verhältnis zu Gott und besaß demzufolge so viel Selbstvertrauen und Selbstachtung, daß ihm die unfaire Kritik nichts anhaben konnte.
Laß dein Licht leuchten
Manchmal wirst du vielleicht wegen deiner Lebensweise als Christ verspottet. Selbst Jesus Christus mußte „solchen Widerspruch“ erdulden (Hebräer 12:3). Auch Jeremia „wurde ein Gegenstand des Gelächters den ganzen Tag lang“, weil er mutig Jehovas Botschaft verkündigte. Der Spott hielt so lange an, daß Jeremia zeitweilig den Mut verlor. „Ich werde ihn [Jehova] nicht erwähnen, und ich werde nicht mehr in seinem Namen reden“, sagte er. Doch seine Liebe zu Gott und zur Wahrheit half ihm schließlich, seine Angst zu überwinden (Jeremia 20:7-9).
Heutzutage haben sich einige Jugendliche ähnlich entmutigt gefühlt. In ihrem Bemühen, den Hänseleien ein Ende zu machen, wollten manche sogar verbergen, daß sie Christen sind. Aber oft spornt die Liebe zu Gott solche Jugendliche schließlich an, ihre Angst zu überwinden und als Christen ‘ihr Licht leuchten zu lassen’ (Matthäus 5:16). Ein Jugendlicher sagte zum Beispiel: „Ich änderte meine Einstellung. Es war für mich keine Bürde mehr, ein Christ zu sein, sondern ich begann, es als etwas anzusehen, worauf man stolz sein kann.“ Du kannst dich ebenfalls darin „rühmen“, daß du Gott kennengelernt hast und von ihm gebraucht wirst, anderen zu helfen (1. Korinther 1:31).
Hüte dich jedoch davor, die Gegnerschaft deiner Mitschüler heraufzubeschwören, indem du sie ständig kritisierst oder den Eindruck erweckst, überlegen zu sein. Wenn du die Gelegenheit hast, mit anderen über deinen Glauben zu sprechen, so tue es „mit Milde und tiefem Respekt“ (1. Petrus 3:15). Während der Schulzeit mag dein vorzüglicher Wandel der beste Schutz sein. Dein Mut ist einigen vielleicht ein Dorn im Auge, dennoch mögen sie dich insgeheim deswegen respektieren.
Vanessa wurde von einer Gruppe Mädchen schikaniert. Sie schlugen sie, stießen sie umher und zerrten ihr die Bücher aus der Hand, nur um sie zu provozieren. Einmal schütteten sie ihr sogar Kakao über den Kopf und über ihr frisch gewaschenes weißes Kleid. Dennoch ließ sie sich nie provozieren. Später traf Vanessa die Anführerin auf einem Kongreß der Zeugen Jehovas. „Ich konnte dich nicht ausstehen“, sagte diese. „Ich wollte erleben, daß du wenigstens einmal deine Beherrschung verlierst.“ Weil sie sich wunderte, wieso Vanessa die Fassung bewahrte, willigte sie in ein Bibelstudium mit Jehovas Zeugen ein. „Was ich lernte, ging mir zu Herzen“, fuhr sie fort, „und morgen möchte ich getauft werden.“
Laß dich daher durch „Widerspruch“ nicht entmutigen. Nimm, wenn es angebracht ist, die Sache mit Humor. Vergelte Böses mit Gutem. Laß dich nicht verleiten, einen Streit zu schüren; mit der Zeit werden die Quälgeister dann keine Freude mehr daran finden, sich über dich lustig zu machen. Denn „wo es kein Holz gibt, geht das Feuer aus“ (Sprüche 26:20).
Fragen zur Besprechung
◻ Wie denkt Gott über Personen, die andere grausam hänseln?
◻ Was steckt oft hinter den Beleidigungen Jugendlicher?
◻ Was kannst du tun, damit der Spott nachläßt oder sogar aufhört?
◻ Warum ist es wichtig, daß du in der Schule ‘dein Licht leuchten läßt’, auch wenn dich die anderen hänseln?
◻ Welche Schritte kannst du unternehmen, um dich vor Gewalt in der Schule zu schützen?
[Herausgestellter Text auf Seite 155]
Vielleicht mögen sich die Spötter selbst nicht leiden, glauben aber, sie würden sich besser fühlen, wenn sie andere lächerlich machten
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Wie kann ich Schlägereien aus dem Wege gehen?
„In der Schule ist man sich seines Lebens nicht mehr sicher“, sagen viele Schüler. Doch eine Waffe zu tragen ist unvernünftig und beschwört Gefahr herauf (Sprüche 11:27). Wie kannst du dich aber schützen?
Meide gefährliche Orte: Gänge, Treppenhäuser und Umkleidekabinen sind in manchen Schulen echte Gefahrenzonen. Und oft sind die Toiletten so berüchtigt für Schlägereien und Drogenmißbrauch, daß viele lieber darauf verzichten, sie zu benutzen.
Achte auf deinen Umgang: Oft geraten Jugendliche einfach deshalb in eine Schlägerei, weil sie im falschen Freundeskreis verkehren. (Siehe Sprüche 22:24, 25.) Den Schulkameraden die kalte Schulter zu zeigen kann andererseits bewirken, daß sie sich von dir zurückziehen und dir feindlich gesinnt sind. Wenn du nett und freundlich zu ihnen bist, lassen sie dich eher in Ruhe.
Gehe Schlägereien aus dem Wege: Wir sollten es vermeiden, „einander zu Kraftproben [zu] nötigen“ (Galater 5:26, Fußnote). Selbst wenn du aus einer gewalttätigen Auseinandersetzung als Sieger hervorgehst, kann es sein, daß der andere nur den rechten Augenblick für eine Revanche abwartet. Versuche also zunächst, die Angreifer mit Worten zu beschwichtigen (Sprüche 15:1). Wenn Worte nichts nützen, gehe weg oder renne sogar davon. Vergiß nicht, daß „ein lebender Hund besser daran ist als ein toter Löwe“ (Prediger 9:4). Als letzten Ausweg kannst du zu irgendwelchen vernünftigen Maßnahmen greifen, um dich zu schützen und zu verteidigen (Römer 12:18).
Sprich mit deinen Eltern: Es ist eine Tatsache, daß Jugendliche „ihren Eltern selten Bescheid sagen, wenn sie in der Schule terrorisiert werden, aus Angst, die Eltern würden sie für feige halten oder ihnen Vorwürfe machen, weil sie sich nicht zur Wehr gesetzt haben“ (The Loneliness of Children). Oft ist jedoch das Eingreifen der Eltern die einzige Möglichkeit, den Schwierigkeiten ein Ende zu machen.
Bete zu Gott: Gott garantiert uns nicht, daß wir von körperlichem Schaden verschont bleiben. Aber er kann uns den Mut geben, mit Konfrontationen fertig zu werden, sowie die Weisheit, eine brenzlige Situation zu meistern (Jakobus 1:5).
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Viele Jugendliche werden von Mitschülern gehänselt
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Wer spottet, möchte sich an deinem Leid ergötzen. Zurückzuschlagen oder in Tränen auszubrechen kann zu weiteren Hänseleien anspornen.
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Versuche es mit Humor zu nehmen, wenn du gehänselt wirst
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Wie kann ich mit meinem Lehrer auskommen?Fragen junger Leute — Praktische Antworten
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Kapitel 20
Wie kann ich mit meinem Lehrer auskommen?
„ICH kann unfaire Lehrer nicht ausstehen“, sagt Vicky. Dir geht es sicherlich genauso. Gemäß einer 1981 durchgeführten Umfrage unter 160 000 amerikanischen Jugendlichen beschuldigten 76 Prozent ihre Lehrer irgendeiner Art der Bevorzugung.
Jugendliche ärgern sich über eine schlechte Note für eine, wie sie meinen, gute Arbeit. Sie nehmen es dem Lehrer übel, wenn eine Strafe anscheinend unangemessen hoch, ungerechtfertigt oder gar auf Vorurteile gegründet ist. Sie ärgern sich auch, wenn die Lieblinge des Lehrers bevorzugt werden.
Zugegeben, Lehrer sind bei weitem nicht unfehlbar. Sie haben wie jeder andere Eigenarten, Probleme und auch Vorurteile. Die Bibel ermahnt uns indessen: „Sei nicht eilig in deinem Geist, gekränkt zu werden“ (Prediger 7:9). Auch Lehrer „straucheln oft. Wer nicht im Wort strauchelt, der ist ein vollkommener Mann, imstande, auch seinen ganzen Leib zu zügeln“ (Jakobus 3:2). Kannst du daher versuchen, den Lehrer zu verstehen?
Fred fiel auf, daß sein Lehrer einmal „jeden anschrie“. Er sprach den Lehrer taktvoll an und erfuhr dann die Ursache für dessen grobes Verhalten. „Es ist nur, weil ich heute morgen mit meinem Auto Probleme hatte“, erklärte der Lehrer. „Der Motor hat gekocht, und deshalb kam ich zu spät zum Unterricht.“
Lehrer und ihre Lieblinge
Wie steht es mit der Bevorzugung des Lieblingsschülers? Vergiß nicht, daß von einem Lehrer viel gefordert wird und daß er unter starkem Druck steht. In dem Buch Being Adolescent wird erklärt, daß sich Lehrer in einer „äußerst schwierigen Lage“ befinden, in der sie sich um die Aufmerksamkeit einer Gruppe Jugendlicher bemühen müssen, „die mit ihren Gedanken meistens woanders sind. . . . Sie haben eine Gruppe höchst launenhafter, leicht abzulenkender Jugendlicher vor sich, die es im allgemeinen nicht gewohnt sind, sich länger als 15 Minuten auf eine Sache zu konzentrieren.“
Ist es daher verwunderlich, daß Lehrer Schüler mit Aufmerksamkeit überschütten, die intensiv lernen, aufmerksam sind und sie mit Respekt behandeln? Es mag dich natürlich ärgern, wenn jemandem, der in deinen Augen ein „Schleimer“ ist, mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird als dir. Doch warum ärgerlich oder eifersüchtig sein, wenn ein fleißiger Schüler der Liebling des Lehrers ist, solange du im Unterricht nicht vernachlässigt wirst? Übrigens wäre es vielleicht gar nicht verkehrt, selbst ein bißchen fleißiger zu sein.
Krieg im Klassenzimmer
Ein Schüler sagte von seinem Lehrer: „Er war der Meinung, wir alle hätten ihm den Krieg erklärt, und daher wollte er uns zuvorkommen. Er litt unter Verfolgungswahn.“ Viele Lehrer meinen allerdings, sie würden sich mit Recht bedroht fühlen. Wie in der Bibel vorhergesagt, leben wir in ‘kritischen Zeiten, mit denen man schwer fertig wird’. Schüler sind oft „ohne Selbstbeherrschung, brutal, ohne Liebe zum Guten“ (2. Timotheus 3:1-3). Im Tagesspiegel hieß es: „Zahlreiche Lehrer . . . gehen jeden Morgen mit gemischten Gefühlen in ihre Schulen, denn es vergeht kaum eine Woche, in der nicht über Terror . . . berichtet wird.“
Der ehemalige Lehrer Roland W. Betts sagt: „Kinder betrachten es als ihre natürliche Verpflichtung, sie [die Lehrer] . . . [bildlich gesehen] zu stoßen, auf ihnen herumzutrampeln und auszuprobieren, wie lange sie sie biegen und strecken können, bevor es schließlich kracht . . . Wenn die Kinder merken, daß sie einen neuen Lehrer an den Rand der Verzweiflung getrieben haben, geben sie ihm auch noch den nächsten Stoß.“ Habt ihr euren Lehrer schon einmal absichtlich geärgert? Dann wundert euch nicht über seine Reaktion.
Die Bibel sagt: „Denn allein Bedrückung kann bewirken, daß ein Weiser unsinnig handelt“ (Prediger 7:7). In der Atmosphäre der Furcht und der Respektlosigkeit, die in einigen Schulen herrscht, reagieren manche Lehrer verständlicherweise überzogen und übermäßig streng. In dem Buch The Family Handbook of Adolescence heißt es: „Schüler, die . . . durch ihr Verhalten den Anschein erwecken, sie würden die Anschauung des Lehrers geringschätzen, werden meistens ebenfalls geringschätzig behandelt.“ Ja, der feindselige Lehrer wird oft von seinen Schülern dazu gemacht.
Denke auch an die Auswirkungen bösartiger Streiche. Valerie übertreibt nicht, wenn sie sagt, daß die Lehrer in den Vertretungsstunden „Folterqualen“ durchzustehen hätten. Roland Betts fügt hinzu: „Vertreter werden von der Klasse unbarmherzig behandelt und oft an den Rand eines Zusammenbruchs getrieben.“ Da die Schüler sicher sind, daß sie ungestraft davonkommen, macht es ihnen großen Spaß, plötzlich gleichzeitig ihre Bücher oder Stifte „aus Versehen“ fallen zu lassen. Oder sie bringen ihren Lehrer zur Verzweiflung, indem sie sich taub stellen und so tun, als verständen sie kein Wort. „Wir sabotieren den Unterricht nur so zum Spaß“, sagt Bobby.
Wenn eine Klasse allerdings Grausamkeit sät, braucht sie sich nicht zu wundern, wenn sie einen bissigen, feindseligen Lehrer „erntet“. (Vergleiche Galater 6:7.) Denke stets an die Goldene Regel: „Alles daher, was ihr wollt, daß euch die Menschen tun, sollt auch ihr ihnen ebenso tun“ (Matthäus 7:12). Beteilige dich also nicht an Streichen. Höre aufmerksam zu, wenn dein Lehrer etwas sagt, und arbeite gut mit. Vielleicht läßt mit der Zeit seine Feindseligkeit nach — zumindest dir gegenüber.
„Mein Lehrer kann mich nicht leiden“
Manchmal beruht die Abneigung auf den verschiedenen Charakteren oder auf einem Mißverständnis; Wißbegierde wird für Auflehnung gehalten oder eine gewisse Eigenart für Albernheit. Ein Lehrer, der dich nicht leiden kann, mag dazu neigen, dich in Verlegenheit zu bringen oder zu demütigen, was gegenseitige Feindseligkeit zur Folge haben könnte.
In der Bibel heißt es: „Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. . . . Wenn möglich, haltet, soweit es von euch abhängt, mit allen Menschen Frieden“ (Römer 12:17, 18). Bemühe dich, dir deinen Lehrer nicht zum Feind zu machen. Vermeide unnötige Konfrontationen, und gib ihm keinen berechtigten Grund zur Klage. Versuche, freundlich zu sein. „Freundlich? Zu ihm?“ Ja, zeige dein gutes Benehmen, indem du ihn respektvoll begrüßt. Deine gleichbleibende Freundlichkeit — vielleicht ab und zu mit einem Lächeln — kann seine Haltung dir gegenüber verändern. (Vergleiche Römer 12:20, 21.)
Natürlich ist ein Lächeln kein Allheilmittel. Aber in Prediger 10:4 wird geraten: „Wenn der Geist eines Herrschers [oder einer Autoritätsperson] gegen dich aufsteigen sollte [indem er dich bestraft], so verlaß deinen eigenen Platz nicht, denn Gelassenheit, sie mildert große Sünden.“ Vergiß auch nicht: „Eine Antwort, wenn milde, wendet Grimm ab“ (Sprüche 15:1).
„Ich habe eine bessere Note verdient“
So hört man Schüler häufig klagen. Versuche, mit deinem Lehrer darüber zu sprechen. Die Bibel schildert, wie Nathan sich an die schwierige Aufgabe heranwagte, eine schwerwiegende Sünde König Davids aufzudecken. Nathan stürzte nicht in den Palast, wobei er David lauthals beschuldigt hätte; statt dessen sprach er taktvoll mit ihm (2. Samuel 12:1-7).
Auch du kannst deinen Lehrer ruhig — nicht fordernd — ansprechen. Bruce Weber, ein ehemaliger Lehrer, erklärt: „Aufsässigkeit bei einem Schüler bewirkt Sturheit beim Lehrer. Viel Aufhebens zu machen, über ,himmelschreiende Ungerechtigkeit‘ zu klagen oder Rache zu schwören führt zu nichts.“ Versuche, dich wie ein Erwachsener zu benehmen. Vielleicht kannst du deinen Lehrer zunächst bitten, dir sein Benotungssystem zu erklären. Dann kannst du gemäß B. Weber „versuchen, zu zeigen, daß es sich in deinem Fall um einen Irrtum oder Rechenfehler handeln muß. Kritisiere nicht das Urteilsvermögen des Lehrers. Zeige anhand seines eigenen Systems, wo du bei deiner Benotung einen Fehler siehst.“ Selbst wenn sich deine Zensur nicht ändert, wird deine Reife bei dem Lehrer höchstwahrscheinlich einen guten Eindruck hinterlassen.
Sprich mit deinen Eltern
Manchmal allerdings sind Gespräche vergebens. Nehmen wir zum Beispiel Susanne — eine ausgezeichnete Schülerin. Sie war entsetzt, als eine Lehrerin ihr plötzlich schlechte Noten gab. Wie kam es dazu? Susanne ist eine Zeugin Jehovas, und ihre Lehrerin ließ durchblicken, daß sie sie deshalb nicht mochte. „Es war wirklich deprimierend“, sagt Susanne, „ich wußte nicht, was ich tun sollte.“
Sie erinnert sich: „Ich nahm meinen ganzen Mut zusammen und sprach mit meiner [alleinerziehenden] Mutter darüber. Sie sagte: ,Vielleicht kann ich mit deiner Lehrerin sprechen.‘ An einem Elternsprechtag ging sie in die Schule und fragte meine Lehrerin, was das Problem sei. Ich hatte gedacht, meine Mutter würde sich aufregen, aber sie sprach ganz ruhig mit ihr.“ Die Lehrerin sorgte dafür, daß Susanne einen anderen Lehrer bekam.
Zugegeben, nicht immer geht alles gut aus, und manchmal mußt du es einfach ertragen. Aber tue dein Bestes, in diesem Schuljahr mit deinem Lehrer friedlich auszukommen. Das nächste Schuljahr kommt bestimmt und damit ein neuer Anfang, vielleicht andere Mitschüler — und vielleicht sogar ein neuer Lehrer, mit dem auszukommen du lernen kannst.
Fragen zur Besprechung
◻ Wie solltest du einen Lehrer betrachten, der dich unfair behandelt?
◻ Wieso überschütten Lehrer ihre sogenannten Lieblingsschüler mit Aufmerksamkeit?
◻ Wie kannst du etwas bei einem „langweiligen“ Lehrer lernen?
◻ Warum scheinen einige Lehrer gegenüber ihren Schülern feindlich eingestellt zu sein?
◻ Wie kannst du in der Schule die Goldene Regel anwenden?
◻ Was kannst du tun, wenn du dich ungerecht benotet oder behandelt fühlst?
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