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  • Mobbing — Ein weltweites Problem
    Erwachet! 2003 | 22. August
    • Mobbing — Ein weltweites Problem

      „Wenn du morgen in die Schule kommst, bringen wir dich um!“ Diese Drohung erhielt eine kanadische Schülerin namens Kristen von einer anonymen Anruferin.a

      „Ich bin eigentlich nicht so empfindlich, aber ich war so weit, dass ich nicht mehr in die Schule gehen wollte. Ich bekam Bauchweh und musste nach dem Frühstück immer brechen.“ Dies berichtet die junge Japanerin Hiromi über ihre Erfahrung mit Mobbing in der Schule.

  • Mobbing — Ein weltweites Problem
    Erwachet! 2003 | 22. August
    • Kristen, die eingangs erwähnte Jugendliche, wurde den größten Teil ihrer Schulzeit von Mitschülern schikaniert und belästigt. In der Grundschule klebte man ihr Kaugummi ins Haar, spottete über ihr Aussehen und drohte ihr Prügel an. In den oberen Klassen wurde es sogar noch schlimmer — schließlich erhielt sie sogar telefonische Morddrohungen. „Man erwartet von der Schule eigentlich, dass man dort etwas lernt und nicht Morddrohungen erhält oder fertig gemacht wird“, beschwert sich die heute 18-Jährige.

  • Mobbing — Ein weltweites Problem
    Erwachet! 2003 | 22. August
    • Ein weltweites Problem

      Mobbing unter Schülern ist weltweit verbreitet. Wie eine in Pediatrics in Review (eine Fachzeitschrift für Kinderheilkunde) veröffentlichte Studie zeigt, werden in Norwegen 14 Prozent aller Kinder entweder Opfer von Schikanen oder sie schikanieren andere. In Japan geben 15 Prozent der Grundschüler an, gemobbt zu werden; in Australien und Spanien sind 17 Prozent der Schüler betroffen. Nach Angaben eines Experten haben in Großbritannien 1,3 Millionen Kinder Erfahrungen mit Mobbing gemacht.

      Professor Amos Rolider vom Emek Yizre’el College befragte 2 972 Schüler an 21 Schulen. Wie er laut der Jerusalem Post herausfand, „beklagten sich 65 Prozent darüber, sie würden von Mitschülern geohrfeigt, herumgestoßen oder belästigt“.

      Eine neuere gemeine Form der Aggression unter Schülern ist das Versenden von Drohbotschaften per Handy oder Computer. Manche Jugendliche erstellen von Hass strotzende Internetseiten über ihre Opfer mit privaten Daten. Wie Dr. Wendy Craig von der kanadischen Queen’s University erklärt, wirkt sich diese Form der Schikane „auf das betroffene Kind extrem schädlich aus“.

  • Mobbing — Einige Ursachen und Folgen
    Erwachet! 2003 | 22. August
    • Mobbing — Einige Ursachen und Folgen

      WAS veranlasst ein Kind, andere zu mobben? Mobbingopfer könnten sagen: „Das ist mir doch ganz egal! Für so ein Verhalten gibt es keine Entschuldigung!“ Wahrscheinlich haben sie Recht. Die Ursache für ein Verhalten herauszufinden ist allerdings etwas ganz anderes, als es zu entschuldigen. Die Ursachen, die ein Kind veranlassen, andere zu drangsalieren, entschuldigen sein Fehlverhalten nicht, aber sie zu kennen, kann einem helfen, dieses Verhalten besser zu verstehen. Und das kann durchaus wertvoll sein. Wieso?

      Ein altes Sprichwort lautet: „Eines Menschen Einsicht verlangsamt sicherlich seinen Zorn“ (Sprüche 19:11). Zorn über das gehässige Verhalten eines Mobbers kann unser Urteilsvermögen trüben und Frustration oder sogar Hassgefühle hervorrufen. Doch zu verstehen, warum der Betreffende sich so verhält, dürfte den Zorn lindern. Dadurch wiederum sehen wir klarer und können besser nach Lösungen suchen. Beschäftigen wir uns deshalb zunächst mit einigen Auslösern dieses inakzeptablen Verhaltens.

      Wieso kommt es zu Mobbing?

      Die prägenden Lebensjahre eines Mobbers wurden häufig durch ein schlechtes Beispiel der Eltern oder durch völlige Vernachlässigung getrübt. Viele Mobber kommen aus einem kühlen, gleichgültigen Elternhaus oder haben schon als Kind gelernt, Probleme vor allem gewaltsam anzugehen. Kinder, die in solch einem Umfeld aufwachsen, betrachten ihre verbalen und körperlichen Attacken nicht unbedingt als Mobbing; möglicherweise meinen sie sogar, ihr Verhalten sei normal und in Ordnung.

      Eine 16-Jährige, die immer wieder von ihrem Stiefvater und von Mitschülern gemobbt worden war, begann in der 7. Klasse, andere genauso zu tyrannisieren. Sie gibt zu: „Im Grunde genommen hatte sich in mir ganz viel Zorn aufgestaut, den ich einfach an irgendjemand ausgelassen habe. Den Schmerz steckt man nicht so einfach weg. Wenn du erst einmal selbst verletzt worden bist, dann willst du auch austeilen.“ Für Mädchen sind Handgreiflichkeiten zwar nicht gerade typisch, doch die Wut, die dahinter steckt, ist es durchaus.a

      In etlichen Schulen treffen eine ganze Reihe Schüler aufeinander, die aus den verschiedensten Gesellschaftsschichten stammen und ganz unterschiedlich erzogen wurden. Leider sind manche Kinder aggressiv, weil sie zu Hause gelernt haben, dass man seinen Willen am besten mithilfe von Einschüchterung und Beschimpfungen durchsetzen kann.

      Unglücklicherweise scheinen diese Methoden oft erfolgreich zu sein. Shelley Hymel, Dekanin des Fachbereichs Erziehungswissenschaft der Universität von Britisch-Kolumbien (Kanada), studiert seit über 20 Jahren das Verhalten von Kindern. Sie erklärt: „Manche Kinder probieren aus, mit welchen Methoden sie am ehesten ihren Willen bekommen, und Mobbing funktioniert leider. Sie bekommen, was sie wollen — nämlich Macht, Ansehen und Aufmerksamkeit.“

      Ein anderer Faktor, der Mobbing begünstigt, ist fehlende Aufsicht. Viele Mobbingopfer haben das Gefühl, sich an niemanden wenden zu können, was tragischerweise meistens auch zutrifft. Debra Pepler, Direktorin des LaMarsh-Zentrums für Konfliktforschung an der York-Universität in Toronto, hat das Verhalten von Schülern auf dem Schulhof untersucht. Wie sie herausfand, werden nur etwa 4 Prozent aller Mobbingattacken von Lehrern bemerkt und unterbunden.

      Doch nach Ansicht von Dr. Pepler ist es entscheidend, dass jemand eingreift. Sie erläutert: „Die Kinder können das Problem nicht selbst lösen, weil es um Macht geht, und jedes Mal, wenn der Mobber sich mit jemandem anlegt, festigt er seine Position.“

      Aber warum werden nicht mehr Mobbingfälle gemeldet? Weil die Opfer davon überzeugt sind, das Problem nur zu verschlimmern, wenn sie davon berichten. Deshalb begleitet ein Gefühl der Angst und Unsicherheit viele Kinder und Jugendliche mehr oder weniger ihre ganze Schulzeit hindurch. Wie wirkt sich das aus?

      Körperliche und emotionale Folgen

      Laut einem Bericht der amerikanischen Schulpsychologenvereinigung gehen in den USA jeden Tag mehr als 160 000 Kinder aus Angst vor Mobbing nicht zur Schule. Mobbingopfer erzählen zu Hause möglicherweise nicht mehr von der Schule, von bestimmten Fächern oder Schulaktivitäten. Vielleicht versuchen sie auch, immer zu spät in der Schule zu erscheinen, an bestimmten Schulstunden nicht mehr teilzunehmen, oder sie suchen nach Ausreden, um überhaupt nicht zur Schule gehen zu müssen.

      Woran kann man merken, dass Kinder gemobbt werden? Womöglich werden sie launisch und reizbar oder wirken traurig, müde und in sich gekehrt. Manche werden zu Hause oder gegenüber Kameraden und Freunden aggressiv. Mobbingaktionen wirken sich auch auf unbeteiligte Zuschauer negativ aus. Was sie sehen, jagt ihnen ziemliche Angst ein, wodurch ihre Lernfähigkeit leidet.

      In Pediatrics in Review heißt es allerdings: „Die extremste Konsequenz von Mobbing für die Opfer und für die Gesellschaft ist Gewalt, einschließlich Selbstmord und Mord. Das Gefühl der Machtlosigkeit, das gemobbte Kinder verspüren, kann so tief sitzen, dass einige mit selbstzerstörerischem Verhalten reagieren oder brutal Rache nehmen.“

      Dr. Ed Adlaf, der als Professor für Volksgesundheit an der Universität Toronto forscht, befürchtet, dass „jemand, der mobbt oder gemobbt wird, besonders mit emotionalen Schwierigkeiten rechnen muss, sowohl kurz- als auch langfristig“. In der kanadischen Provinz Ontario nahmen während des Schuljahres 2001 mehr als 225 000 Schüler an einer Untersuchung teil. Wie sich zeigte, hatte ein Viertel bis ein Drittel aller Schüler mit irgendeiner Form des Mobbings zu tun, sei es als Opfer oder als Täter. Jeder Zehnte aus dieser Gruppe hatte schon einmal ernsthaft an Selbstmord gedacht.

      Ständiges Mobbing kann das Selbstvertrauen des Opfers untergraben, kann es ernstlich krank machen und sogar seine berufliche Karriere zerstören. Bei Mobbingopfern können sich Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Angstzustände und Depressionen einstellen. Bei manchen treten posttraumatische Belastungsstörungen auf. Während einem Opfer von körperlichen Angriffen oft viel Mitgefühl entgegengebracht wird, hält sich die Anteilnahme für Opfer von Psychoterror eher in Grenzen. Der Schaden ist längst nicht so offensichtlich. Anstatt Mitgefühl aufzubringen, sind Freunde und Angehörige es unter Umständen bald leid, sich die Klagen des Opfers anzuhören.

      Mobbing wirkt sich auch auf die Aggressoren selbst negativ aus. Wird ihnen nicht schon im Kindesalter Einhalt geboten, werden sie wahrscheinlich später ihre Arbeitskollegen drangsalieren. Gemäß einigen Untersuchungen entwickeln Menschen, die schon als Kind andere mobben, Verhaltensmuster, die bis ins Erwachsenenalter fortdauern. Sie werden auch eher kriminell als solche, die nicht gemobbt haben.

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