Junge Leute fragen sich:
Was ist an einer Mutprobe verkehrt?
„LOS!“ drängten Lisas Schulkameradinnen. „Sag der Lehrerin, daß sie Mundgeruch hat!“ Nein, um Mundpflege ging es eigentlich nicht. Die 14jährige Lisa sollte eine Mutprobe ablegen — und noch dazu eine recht gewagte.
„Fang einen Kampf an!“ „Küß ein Mädchen!“ „Schleich dich aus dem Klassenraum!“ „Stiehl eine Uhr!“ „Spring auf die Eisenbahnschienen!“ So fordern Jugendliche, denen es ein diebisches Vergnügen bereitet, andere zu Taten herauszufordern, die von leichtsinnig bis geradezu selbstmörderisch reichen.
„Ich wette 10 Dollar, daß du dich nicht traust, ins Wasser zu springen“, forderte ein Jugendlicher seinen 14jährigen Freund auf. Der Junge beugte sich dem Druck und sprang von der Fähre ins Wasser. Er erkannte nicht, daß das Wasser eine starke Strömung hatte. Und wenn nicht jemand vom Personal den Sprung gesehen hätte und ihm nachgesprungen wäre, wäre er heute vielleicht nicht mehr am Leben.
Nach einer Runde Bier überschüttete sich der 17jährige James mit Benzin und forderte seine Freunde auf, ihn anzuzünden. Einer von ihnen nahm die Herausforderung an. James erlitt an einem Drittel seines Körpers Verbrennungen dritten Grades. James’ Vater faßte das Geschehen treffend zusammen, indem er sagte: „Nach dem, was mein Sohn mir erzählt hat, haben die Jungen nur herumgespielt. Es war barer Unsinn.“ Wie denkst du darüber?
Eine „Mutprobe“ bedeutet gemäß der Zeitschrift 1984 American Journal of Public Health, daß man herausgefordert wird, eine bestimmte Tat auszuführen. Natürlich sind Herausforderungen an sich nicht immer schlecht. Wenn du eine schlechte Note in Mathematik bekommst und deine Eltern fordern: „Setz dich sofort hin, und lerne!“, dann wirst du diese Herausforderung wahrscheinlich sehr schnell annehmen.
Aber wenn man dich herausfordert, etwas Dummes, Gemeines oder ausgesprochen Gefährliches zu tun, solltest du dir die Sache lieber zweimal überlegen. Ein weiser Mann sagte: „Tote Fliegen machen das Öl des Salbenbereiters stinkend, gärend. So wirkt ein wenig Torheit bei einem, der kostbar ist an Weisheit und Herrlichkeit“ (Prediger 10:1). In alter Zeit konnte eine wertvolle Salbe oder ein kostbares Parfüm durch etwas so Winziges wie eine tote Fliege verdorben werden. Ebenso kann jemand seinen guten Ruf durch „ein wenig Torheit“ verlieren. Möchtest du dieses Risiko auf dich nehmen?
Warum es schwer ist, nein zu sagen
Die Forscher Charles und Mary Ann Lewis stellten jedoch fest, daß sich fast jeder dritte Jugendliche eher auf eine Mutprobe einlassen würde, als sich Angsthase nennen zu lassen. Es steht außer Frage, daß der Wunsch, von Gleichaltrigen akzeptiert zu werden, sehr stark ist. In dem Buch The American Teenager wird von einer Umfrage berichtet, aus der hervorgeht, daß Jugendliche, ob arm oder reich, „sehr darauf bedacht sind, beliebt zu sein“.
Durch eine Mutprobe kannst du also in eine schwierige Lage geraten. Du möchtest beliebt sein, doch wenn du die Mutprobe ablehnst, kann dich das teuer zu stehen kommen. Mike sagt: „Deine Freunde behandeln dich dann wie einen Ausgestoßenen.“ Aber die Mutprobe abzulegen kann gefährlich sein.
Und wirst du dadurch, daß du die Mutprobe ablegst, die Maßstäbe der Bibel oder deiner Eltern verletzen? Wenn ja, möchtest du wirklich, daß dein Leben von den Maßstäben Jugendlicher bestimmt wird, die nur ihren Spaß haben wollen? Sind außerdem Jugendliche, die dich dazu auffordern, deinen Ruf oder dein Leben aufs Spiel zu setzen, wirklich Freunde? In den Sprüchen heißt es: „Es gibt Gefährten, die bereit sind, einander zu zerschlagen, aber da ist ein Freund, der anhänglicher ist als ein Bruder“ (Sprüche 18:24). Ein wahrer Freund würde nie auf den Gedanken kommen, dich in eine gefährliche Situation zu bringen.
Er hörte auf die „jungen Männer“
Wie gefährlich es ist, auf jugendliche Gefährten zu hören, wird am Beispiel Rehabeams, eines Königs des alten Israel, deutlich. Zu Beginn seiner Herrschaft baten ihn seine Untertanen, das Joch zu erleichtern, das ihnen sein Vater auferlegt hatte. Rehabeam wandte sich zunächst an die älteren Männer, die ihm den weisen Rat gaben, „mit guten Worten zu ihnen [zu] reden; und sie werden gewißlich allezeit deine Diener sein“ (1. Könige 12:7). Bestimmt ein vernünftiger Rat! Doch nicht zufrieden mit dem, was sie gesagt hatten, ging Rehabeam zu den jungen Männern, die mit ihm aufgewachsen waren, um sich Rat einzuholen.
Seine Freunde forderten ihn auf, zu beweisen, wie stark er sei. Sie stachelten ihn an zu sagen: „Mein Vater seinerseits hat euch ein schweres Joch aufgeladen; ich aber werde zu eurem Joch hinzufügen. Mein Vater seinerseits hat euch mit Peitschen gezüchtigt, ich aber werde euch mit Geißeln züchtigen“ (1. Könige 12:10, 11).
Rehabeam hörte auf den Rat seiner jungen Freunde. Seine Untertanen aber waren erbost. Es kam zu einer Rebellion; 10 der 12 Stämme Israels erwählten sich einen anderen König. Und das nur, weil sich Rehabeam mit den „jungen Männern“ beraten hatte, „die mit ihm aufgewachsen waren“ (1. Könige 12:8-17).
Entwickle Unterscheidungsvermögen
Bestimmt ist es für dich besser, folgenden Rat zu beachten: „Neige dein Ohr, und höre die Worte der Weisen“ (Sprüche 22:17). Das kann bedeuten, sich bessere Gefährten suchen zu müssen. „Wer mit Weisen wandelt, wird weise werden, wer sich aber mit den Unvernünftigen einläßt, dem wird es schlecht ergehen“, heißt es in Sprüche 13:20.
Wahrscheinlich muß man auch lernen, zwischen hilfreichem Rat und Anzeichen ausgelassener — vielleicht schädlicher — „Begierden, die der Jugend eigen sind“, zu unterscheiden (2. Timotheus 2:22). Wenn dich jemand herausfordert, etwas Bestimmtes zu tun, dann erwäge die Folgen, die sich daraus ergeben. Wie André beobachtete, versuchen Jugendliche allerdings oft, andere zu einer gewissen Handlung zu verleiten, indem sie sagen: „Es sieht ja niemand.“ Doch ‘du wirst ernten, was du säst’ (Galater 6:7). Und kindische Streiche führen häufig dazu, daß die Beteiligten schlechtere Noten erhalten, von der Schule gewiesen werden oder sogar Jugendarrest bekommen.
Lernen, nein zu sagen
Wie kannst du es vermeiden, dich auf eine Mutprobe einzulassen? Ein Bibelschreiber sagte: „Jeder Mensch soll schnell sein zum Hören, langsam zum Reden [oder Antworten]“ (Jakobus 1:19). Mache dir Gedanken darüber, wer dich auffordert und was von dir verlangt wird. Ist es vernünftig? Zeugt es von Liebe? Von Freundlichkeit und selbstlosem Interesse an anderen? Wenn nicht, dann laß dich nicht darauf ein. Allerdings sagt Maurice: „Sie werden dich wie einen Sonderling behandeln.“ Aber wer ist wirklich „sonderlich“? Der Vernünftige oder derjenige, der zu Dummheiten auffordert?
Du könntest mit Jugendlichen, die dich zu Mutproben anstacheln wollen, argumentieren. Der 18jährige Terry nimmt der Sache den Witz, indem er Fragen stellt wie: „Warum sollte ich das tun?“ „Was würde ich dadurch beweisen?“ „Was habe ich davon?“ Vielleicht ist es auch wirksam, zu erwähnen, was die Bibel sagt. Laß andere wissen, daß du feste Maßstäbe hast, nach denen du leben möchtest. Ein junges Mädchen versuchte, einen Jungen zur Unsittlichkeit zu verleiten, indem sie sagte: „Du weißt nicht, was dir entgeht.“ „Doch“, antwortete der Junge. „Herpes, Tripper, Syphilis ...“ Ganz bestimmt kann dir dein biblisch geschultes Gewissen helfen, etwas zu meiden, was du später bereuen würdest. (Vergleiche 1. Mose 39:7-12.)
Lisa sagt: „Die meisten werden dich in Ruhe lassen, wenn sie wissen, daß du nicht mitmachst. Aber es gibt einige, die es immer wieder probieren werden.“ Jesus Christus wurde, als er 40 Tage allein in der Wildnis war, dreimal vom Teufel versucht. Satan forderte ihn heraus: ‘Mach Steine zu Brot! Spring von der Tempelzinne! Beug dich vor mir nieder!’ Jesu Antwort lautete: „Geh weg, Satan!“ (Matthäus 4:1-10). Dennoch heißt es in Lukas 4:13: „Als der Teufel mit seiner ganzen Versuchung zu Ende war, ließ er bis zu einer anderen passenden Zeit von ihm ab.“ Ebenso erfordert es von dir Standhaftigkeit, dich wiederholten Herausforderungen zu widersetzen. Aber laß dich nicht zu törichten Mutproben verleiten! Habe den Mut, für das Rechte einzustehen!
Das ist eine echte Herausforderung, oder etwa nicht?
[Bild auf Seite 26]
Wenn du auf dein biblisch geschultes Gewissen hörst, wirst du davor bewahrt, etwas zu tun, was du später bereuen würdest