„Tragische Form der Chancengleichheit“
„DIE Mädchen im Teenageralter kapieren es einfach nicht“, schrieb der Toronto Star. Was war gemeint? Die Tatsache, daß Rauchen eine tödliche Gewohnheit ist. Wie eine Studie aus dem Jahr 1991 ergab, rauchten zum damaligen Zeitpunkt 25 Prozent der kanadischen Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren, im Vergleich zu 19 Prozent der Jungen in derselben Altersgruppe. Selbst unter den Erwachsenen übersteigt die Zahl der Raucherinnen die der Raucher. „Der Tabakkonsum unter Frauen hat eine tragische Form der Chancengleichheit geschaffen“, ließ die Vereinigung „Ärzte für ein tabakfreies Kanada“ verlauten.
Warum fangen Mädchen mit dem Rauchen an? Neugier, Gruppenzwang und Auflehnung spielen eine Rolle. Nicht zu vergessen die Werbeindustrie: In der Werbung sind rauchende Frauen schlanke Frauen. Tatsächlich rauchen viele, um sich vor übermäßigem Essen zu schützen, und sie haben Angst, daß sie zunehmen, wenn sie mit dem Rauchen aufhören. Tragischerweise machen sich diese Frauen womöglich mehr Gedanken darüber, ob sie zunehmen, als darüber, ob sie Krebs bekommen. Robert Coambs, Assistenzprofessor an der Universität Toronto, faßte zusammen, wie solche Frauen denken: „Lungenkrebs ist ein Problem, mit dem ich mich erst in 20 Jahren befassen muß. Aber zunehmen tue ich heute.“
Die Tabakindustrie will Frauen auch dadurch ansprechen, daß sie zwischen Rauchen und Unabhängigkeit eine Verbindung herstellt. Doch Jean Kilbourne, ehemalige Beraterin von zwei Gesundheitsministern in den USA, machte eine treffende Aussage: „Das Rauchen von Zigaretten kann man lediglich dann als befreiend ansehen, wenn man den Tod als die absolute Befreiung betrachtet.“