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  • Die Eltern
    Fragen junger Leute — Praktische Antworten, Band 2
    • TEIL 6

      Die Eltern

      Deine Eltern haben dir einiges an Erfahrung voraus. Sie haben sich durch das Labyrinth der Pubertät mit ihren vielen Veränderungen schon durchgekämpft und hätten eigentlich die besten Voraussetzungen, dir da durchzuhelfen. Manchmal hat man allerdings den Eindruck, sie machen alles nur noch schlimmer. Vielleicht kannst du dich mit einer dieser Situationen identifizieren:

      □ Meine Eltern haben ständig etwas an mir auszusetzen.

      □ Mein Vater oder meine Mutter ist drogen- oder alkoholabhängig.

      □ Meine Eltern streiten sich andauernd.

      □ Meine Eltern haben sich getrennt.

      In den Kapiteln 21–25 bekommst du Tipps für diese und andere Probleme.

  • Wie kann ich mit Kritik umgehen?
    Fragen junger Leute — Praktische Antworten, Band 2
    • KAPITEL 21

      Wie kann ich mit Kritik umgehen?

      „Meine Mutter war wie ein Spürhund hinter meinen Fehlern her. Wenn ich zu Hause mithelfen musste, hat sie immer schon alles inspiziert, bevor ich überhaupt fertig war“ (Craig).

      „Meine Eltern haben ständig auf mir rumgehackt. Sie meinten, ich würde nichts auf die Reihe kriegen. Egal was ich in der Schule, zu Hause oder in den Zusammenkünften gemacht hab – an allem hatten sie was auszusetzen“ (James).

      HAST du das Gefühl, deinen Eltern ist nichts gut genug? Fühlst du dich auf Schritt und Tritt beobachtet? Wird alles, was du tust, unter die Lupe genommen und kritisiert? Kannst du es deinen Eltern nie recht machen?

      Was musst du dir am meisten anhören?

      □ Dein Zimmer ist ein Chaos.

      □ Du siehst zu viel fern.

      □ Du bleibst zu lange auf.

      □ Du kommst nie aus dem Bett.

      Hier kannst du aufschreiben, welche Bemerkung deiner Eltern dich am meisten ärgert.

      ․․․․․

      Vorschriften und Kritik können ziemlich nerven. Aber was wäre die Alternative? Würden deine Eltern nie etwas sagen, käme dann nicht die Frage auf, ob ihnen überhaupt etwas an dir liegt? (Hebräer 12:8). Grundsätzlich ist es ein Zeichen von Liebe, wenn deine Eltern dich korrigieren. Die Bibel spricht davon, dass ein Vater „einen Sohn, an dem er Gefallen findet“, zurechtweisen wird (Sprüche 3:12).

      Eigentlich kannst du dankbar sein, dass sich deine Eltern die Mühe machen, dich zu korrigieren. Du bist noch jung und relativ unerfahren, und da bleibt es nicht aus, dass einem ab und zu etwas gesagt werden muss. Die „Begierden ... der Jugend“ können sonst schnell die Oberhand gewinnen (2. Timotheus 2:22).

      Aber es tut weh!

      Natürlich ist es im ersten Moment „nicht erfreulich, sondern betrüblich“, zurechtgewiesen zu werden (Hebräer 12:11). Erst recht für junge Leute. Ist auch kein Wunder! Deine Persönlichkeit ist ja noch nicht ausgereift und du musst dich erst noch selbst entdecken. Deshalb wirst du dich über Kritik wahrscheinlich ärgern – so gut sie auch durchdacht und so nett sie auch formuliert ist.

      Diese Reaktion ist verständlich. Denn dein Selbstwertgefühl hängt stark von der Meinung anderer ab, besonders von der deiner Eltern. Wenn du also ständig von ihnen korrigiert wirst und ihnen nichts recht machen kannst, ist das ziemlich niederschmetternd.

      Solltest du daraus jetzt schließen, dass du nie etwas richtig machst oder ein Loser bist? Nein. Fakt ist: Wir sind leider alle sehr unvollkommen und müssen aus unseren Fehlern lernen (Prediger 7:20; Hiob 6:24). Was aber, wenn deine Eltern jeden Fehler aufbauschen und gleichzeitig mit Lob geizen? Das kann wehtun. Trotzdem bist du wohl kaum ein Versager.

      Was dahintersteckt

      Manchmal sind die Eltern nicht deswegen überkritisch, weil man etwas falsch gemacht hat, sondern weil ihre Nerven blank liegen. Hatte deine Mutter einen harten Tag? Ist sie gesundheitlich nicht auf der Höhe? Dann wird es sie wahrscheinlich noch mehr stören als sonst, wenn dein Zimmer nicht tipptopp aufgeräumt ist. Ist dein Vater gereizt, weil das Geld hinten und vorne nicht reicht? Dann kann es sein, dass er „gedankenlos redet wie mit Schwertstichen“ (Sprüche 12:18). So eine unfaire Kritik ist natürlich ärgerlich. Aber wenn du jetzt ständig darüber nachdenkst, machst du dir nur das Leben schwer. Versuch darüber hinwegzusehen und vergiss nicht: „Wir alle sind in vieler Hinsicht fehlerhafte Menschen. Wer nie ein verkehrtes Wort redet, ist ein vollkommener Mensch“ (Jakobus 3:2, Gute Nachricht Bibel).

      Als unvollkommene Menschen können Eltern auch an Versagensängsten leiden und schreiben sich dann die Fehler ihrer Kinder selbst zu. Es kann sein, dass eine Mutter, die das schlechte Zeugnis ihrer Tochter kritisiert, in Wirklichkeit denkt: „Ich bin bestimmt keine gute Mutter, weil ich meine Tochter nicht zum Lernen motivieren kann.“

      Behalte einen kühlen Kopf

      Was sich auch immer hinter der Kritik verbirgt, die Frage ist: Wie kannst du damit umgehen? Auf keinen Fall solltest du zurückschießen. In Sprüche 17:27 steht: „Wer seine Reden zurückhält, besitzt Erkenntnis, und ein Mann von Unterscheidungsvermögen ist kühlen Geistes.“ Wie kannst du einen kühlen Kopf behalten, wenn du unter Beschuss gerätst? Hier einige Tipps.

      Zuhören. Statt sich sofort zu rechtfertigen oder lautstark seine Unschuld zu beteuern, ist es besser, sich zusammenzureißen und erst mal richtig hinzuhören. Wie der Jünger Jakobus sagte, sollte man „schnell sein zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn“ (Jakobus 1:19). Schneidest du deinen Eltern das Wort ab, bekommen sie den Eindruck, dass du ihnen gar nicht zuhörst. Sie sind dann gereizt und werden dir erst recht die Meinung sagen.

      Die Dinge richtig einordnen. Manchmal findest du vielleicht, deine Eltern hätten ruhig etwas netter sein können. Denk dann aber nicht so sehr darüber nach, wie sie etwas gesagt haben, sondern, was sie gesagt haben. Frag dich: „Ist an der Kritik etwas Wahres dran? Haben sie sich schon öfter über diese Sache beschwert? Wäre es wirklich so schlimm, wenn ich einfach tue, was sie sagen?“ Sieht es im Moment auch nicht danach aus, so handeln sie doch aus Liebe. Wenn ihnen nichts an dir liegen würde, würden sie einfach alles durchgehen lassen (Sprüche 13:24).

      In eigenen Worten sagen. Wenn du das, was deine Eltern gesagt haben, respektvoll wiederholst, merken sie, dass du hingehört hast. Vielleicht sagt deine Mutter: „Wie’s bei dir immer aussieht! Wenn du nicht bald dein Zimmer aufräumst, bekommst du Hausarrest.“ Dir liegt auf der Zunge, dass dein Zimmer doch eigentlich ganz in Ordnung ist. Doch mit diesem Argument wirst du nicht viel erreichen. Versuch, die Dinge mit ihren Augen zu sehen, und sag lieber in einem netten Ton: „Okay, mein Zimmer sieht schlimm aus. Soll ich jetzt gleich aufräumen oder nach dem Essen?“ Wenn du für deine Eltern mehr Verständnis aufbringst, legt sich die Spannung. Natürlich musst du dann auch Wort halten (Epheser 6:1).

      Abwarten. Falls du etwas zu deiner Rechtfertigung sagen willst, warte damit, bis du getan hast, was deine Eltern dir aufgetragen haben. „Wer ... seine Lippen in Schach hält, handelt verständig“, sagt die Bibel (Sprüche 10:19). Merken deine Eltern, dass du ihnen wirklich zugehört hast, werden sie auch dir viel eher zuhören.

      Notiere dir hier, an welchem dieser vier Schritte du besonders arbeiten musst. ․․․․․

      Was es dir bringt

      Wärst du bereit, Anstrengungen auf dich zu nehmen, wenn du wüsstest, dass du auf Gold stoßen wirst? In der Bibel steht, dass es keinen größeren Schatz gibt als Weisheit (Sprüche 3:13, 14). Wie wird man aber weise? Sprüche 19:20 sagt dazu: „Befolge gute Ratschläge und lass dich korrigieren, dann bist du am Ende ein weiser Mensch“ (Gute Nachricht Bibel). Natürlich ist es nicht unbedingt angenehm, sich Ratschläge anhören zu müssen oder sich korrigieren zu lassen. Doch wenn du aus der Kritik die „Nuggets“ herausholst, also ihren Wert erkennst, gewinnst du einen Schatz, der viel kostbarer ist als Gold.

      Kritik gehört nun mal zum Leben. Heute musst du sie dir von deinen Eltern und Lehrern anhören, später von Vorgesetzten. Wenn du jetzt schon lernst, mit Kritik umzugehen, wirst du ein besserer Schüler und ein geschätzter Arbeitnehmer und du bekommst mehr Selbstbewusstsein. Kann man bei solchen Aussichten ein bisschen Kritik nicht locker wegstecken?

      IM NÄCHSTEN KAPITEL

      Regeln! Regeln! Regeln! Hier einige Tipps, wie du lernen kannst, deine Freiräume zu schätzen – und wie du vielleicht noch mehr bekommst.

      BIBELTEXT

      „Ein Weiser wird zuhören und mehr Unterweisung in sich aufnehmen“ (Sprüche 1:5)

      TIPP

      So kannst du Kritik von deinen Eltern besser einstecken:

      ● Achte nicht nur auf die Kritik, sondern auch auf verstecktes Lob.

      ● Ist dir das Problem oder das, was von dir erwartet wird, nicht richtig klar, frag nach.

      HAST DU GEWUSST ...?

      Manchen Vätern und Müttern fällt es schwer, ihren Kindern Liebe zu schenken, weil sie früher selbst nicht viel Liebe und Verständnis bekommen haben.

      DAS HABE ICH FEST VOR!

      Wenn mich meine Eltern das nächste Mal kritisieren, werde ich ․․․․․

      Habe ich das Gefühl, dass meine Eltern überkritisch sind, werde ich ․․․․․

      Meinen Vater oder meine Mutter möchte ich dazu fragen: ․․․․․

      WAS DENKST DU?

      ● Warum ist Kritik so schwer zu akzeptieren?

      ● Woran kann es liegen, wenn deine Eltern an dir herumkritisieren?

      ● Wann bringt dich Kritik am ehesten weiter?

      [Herausgestellter Text auf Seite 177]

      „Früher hat mich meine Mutter immer angeschrien und ich hab ihr patzige Antworten gegeben. Aber jetzt versuche ich, mehr nach der Bibel zu leben, und das funktioniert. Meine Mutter hat sich geändert und ich hab mehr Verständnis für sie. Wir verstehen uns jetzt viel besser.” Marleen

      [Bild auf Seite 180]

      Wenn du aus der Kritik die „Nuggets“ herausholst, gewinnst du einen Schatz, der viel kostbarer ist als Gold

  • Warum so viele Regeln?
    Fragen junger Leute — Praktische Antworten, Band 2
    • KAPITEL 22

      Warum so viele Regeln?

      Nenne ein paar Beispiele für Regeln oder Verbote in eurer Familie. ․․․․․

      Findest du diese Regeln immer fair?

      □ Ja □ Nein

      Was davon macht dir am meisten Probleme? ․․․․․

      MIT Regeln und Verboten wollen dir deine Eltern klarmachen, was sie von dir erwarten. Dabei geht es oft um die Hausaufgaben, das Mithelfen bei der Hausarbeit, das Telefonieren, Fernsehen, die Benutzung des Computers, dein Verhalten in der Schule, darum, wie lange du wegbleiben darfst und was für Freunde du dir suchst.

      Fühlst du dich von Regeln und Verboten eingeengt? Vielleicht kannst du dich mit diesen Jugendlichen hier identifizieren:

      „Ich fand es voll doof, dass ich immer früher zu Hause sein musste als die anderen“ (Allen).

      „Es ist echt schrecklich, wenn die Eltern das Handy kontrollieren. Man kommt sich vor wie ein kleines Kind!“ (Elizabeth).

      „Ich hatte das Gefühl, meine Eltern gönnen mir überhaupt keinen Spaß und keine Freunde“ (Nicole).

      Jugendliche stehen mit Regeln und Verboten zwar oft auf Kriegsfuß, aber insgeheim wissen sie, dass es ohne nicht geht. Sonst würde das totale Chaos ausbrechen. Aber wenn Regeln nun mal notwendig sind, warum gehen sie einem dann manchmal so gegen den Strich?

      „Ich bin doch kein Baby mehr!“

      Vielleicht ärgerst du dich über Verbote, weil du dich wie ein kleines Kind behandelt fühlst. Am liebsten würdest du protestieren: „Ich bin doch kein Baby mehr!“ Deine Eltern dagegen finden Grenzen wichtig, um dich zu schützen und dich auf das Erwachsenenleben vorzubereiten.

      Es kann allerdings sein, dass die Regeln bei euch zu Hause nicht deinem Alter angepasst werden. Geht es dir wie Brielle? Sie fühlt sich sehr eingeschränkt und sagt über ihre Eltern: „Sie haben total vergessen, wie es ist, jung zu sein. Sie lassen mich überhaupt nicht mitreden oder selber entscheiden und wollen einfach nicht, dass ich erwachsen werde.“ Allison sieht das ganz ähnlich: „Meine Eltern kapieren einfach nicht, dass ich 18 bin und keine 10 mehr. Warum können sie mir nicht ein bisschen mehr vertrauen?“

      Noch schwerer wird es, wenn du das Gefühl hast, dass deine Geschwister mehr dürfen als du. Matthew, ein junger Mann, sagt über seine kleine Schwester und seine Cousinen: „Die konnten sich die schlimmsten Sachen erlauben, und keiner hat was gesagt!“

      Ganz ohne Regeln?

      Es ist verständlich, dass du dich nach einem Leben ohne die Vorschriften deiner Eltern sehnst. Aber wäre das wirklich so wünschenswert? Wahrscheinlich kennst du Jugendliche in deinem Alter, die wegbleiben, solange sie wollen, einfach anziehen, was ihnen gefällt, und nach Lust und Laune mit ihren Freunden um die Häuser ziehen. Es kann allerdings sein, dass sich ihre Eltern einfach nicht um sie kümmern. Wie auch immer: Nach der Bibel wird so eine Erziehung keinen Erfolg haben (Sprüche 29:15). Die Lieblosigkeit in der Welt von heute ist zum großen Teil darauf zurückzuführen, dass es so viele Egoisten gibt, die immer tun und lassen konnten, was sie wollten (2. Timotheus 3:1-5).

      Sei also nicht neidisch auf Jugendliche, die alles dürfen, sondern versuche, die Regeln deiner Eltern als Beweis dafür zu sehen, dass sie dich lieben und an dir interessiert sind. Wenn sie dir vernünftige Grenzen setzen, orientieren sie sich eigentlich an Jehova, der einmal gesagt hat: „Ich werde dir Einsicht verleihen und dich unterweisen in dem Weg, den du gehen solltest. Mein Auge auf dich richtend, will ich dir raten“ (Psalm 32:8).

      Was aber, wenn du dich von Regeln und Verboten erdrückt fühlst? Was kannst du tun, damit du mehr Freiräume bekommst?

      Eine gute Kommunikation

      Ob du mehr Freiheiten haben willst oder dir einfach nur deinen Frust von der Seele reden möchtest, der Schlüssel ist eine gute Kommunikation. „Ich hab ja schon versucht, mit meinen Eltern zu reden, aber es bringt nichts“, sagst du? Liegt es vielleicht an der Art und Weise, wie du mit ihnen redest? Kommunikation kann zwei wichtige Funktionen erfüllen: erstens, dass deine Eltern dich besser verstehen, und zweitens, dass du besser verstehst, warum sie dir etwas nicht erlauben. Wer wie ein Erwachsener behandelt werden möchte, muss auch wie ein Erwachsener kommunizieren können. Aber wie geht das?

      Lerne, deine Gefühle in den Griff zu bekommen. Zu einer guten Kommunikation gehört, dass man sich beherrschen kann. Die Bibel sagt: „Nur ein Dummkopf lässt seinem Zorn freien Lauf, ein Verständiger hält seinen Unmut zurück“ (Sprüche 29:11, Hoffnung für alle). Jammer also nicht herum und mach kein beleidigtes Gesicht oder einen Aufstand, wenn deine Eltern dir etwas verbieten. Kann schon sein, dass du am liebsten die Tür zuknallen oder mit dem Fuß aufstampfen würdest, doch das wird dir wahrscheinlich nur noch mehr Verbote einbringen statt mehr Freiheiten.

      Versuch dich in deine Eltern hineinzuversetzen. Tracy sagt über ihre alleinerziehende Mutter: „Ich hab mir Gedanken gemacht, was meine Mutter mit ihren Regeln erreichen will.“ Zu welchem Schluss kam Tracy? „Sie meint es eigentlich nur gut mit mir“ (Sprüche 3:1, 2). Wenn du dich in deine Eltern hineinversetzt, wirst du besser mit ihnen reden können.

      Angenommen, du möchtest irgendwohin gehen, deine Eltern lassen dich aber nicht. Statt herumzudiskutieren, könntest du fragen: „Und wenn ein Erwachsener mitkommen würde?“ Vielleicht möchten deine Eltern trotzdem nicht, dass du mitgehst. Doch auf jeden Fall ist es gut, wenn du ihre Gründe verstehst. Du kannst dann eher Argumente bringen, die sie akzeptieren werden.

      Gewinne das Vertrauen deiner Eltern. Stell dir jemanden vor, der einer Bank Geld schuldet. Zahlt er seine Schulden immer pünktlich ab, gilt er als vertrauenswürdig und die Bank wird ihm später sogar einen noch höheren Kredit geben. In der Familie ist es ähnlich. Du schuldest deinen Eltern Gehorsam. Bist du schon in weniger wichtigen Dingen zuverlässig, gewinnst du ihr Vertrauen. Enttäuschst du sie dagegen immer wieder, musst du natürlich damit rechnen, dass du deinen „Vertrauensvorschuss“ verlierst.

      Wenn du eine Regel verletzt hast

      Irgendwann wirst du eine Regel verletzen – vielleicht eine Arbeit nicht erledigen, zu lange telefonieren oder zu spät nach Hause kommen (Psalm 130:3). Deine Eltern werden dich dann zur Rede stellen. Was kannst du tun, um nicht alles noch schlimmer zu machen?

      Sei ehrlich. Denk dir jetzt keine Geschichten aus, sonst kann es sein, dass du auch noch den letzten Rest Vertrauen verlierst. Sei ehrlich und verschweige keine Einzelheiten (Sprüche 28:13). Rede dich nicht heraus und spiel das, was passiert ist, nicht herunter. Denk dran: „Eine freundliche Antwort vertreibt den Zorn“ (Sprüche 15:1, Hoffnung für alle).

      Entschuldige dich. Sag deinen Eltern, wie sehr es dir leidtut, dass sie sich Sorgen gemacht haben oder enttäuscht sind oder wegen dir mehr Arbeit hatten. Das sollte eigentlich selbstverständlich sein, und die Strafe wird dann wahrscheinlich milder ausfallen. Du musst es natürlich ernst meinen.

      Akzeptiere die Konsequenzen (Galater 6:7). Der erste Impuls ist oft, dass man anfängt herumzudiskutieren, vor allem wenn man eine Strafe unfair findet. Doch für seine Fehler geradezustehen ist ein Zeichen von Reife. Das Beste, was du tun kannst, ist, das Vertrauen deiner Eltern zurückzugewinnen.

      Schreib hier auf, welcher der drei Punkte dir am meisten Probleme macht. ․․․․․

      Vergiss nicht, dass deine Eltern die Verantwortung haben, dich in die richtigen Bahnen zu lenken. Deshalb spricht die Bibel auch von dem „Gebot deines Vaters“ und dem „Gesetz deiner Mutter“ (Sprüche 6:20). Du brauchst jetzt aber keine Angst zu haben, dass die vielen Regeln dein Leben ruinieren. Im Gegenteil: Jehova verspricht dir, dass es dir auf lange Sicht gut gehen wird, wenn du deine Eltern respektierst (Epheser 6:1-3).

      MEHR ZU DIESEM THEMA IN BAND 1, KAPITEL 3

      IM NÄCHSTEN KAPITEL

      Hat dein Vater oder deine Mutter Probleme mit Alkohol oder Drogen? Hier erfährst du, wie du damit umgehen kannst.

      BIBELTEXT

      „Ehre deinen Vater und deine Mutter, ... damit es dir gut geht“ (Epheser 6:2, 3)

      TIPP

      Möchtest du, dass deine Eltern dir mehr Freiheit lassen, dann bau dir zuerst Vertrauen auf, indem du dich an die Regeln hältst. Je mehr Pluspunkte du sammelst, umso eher werden sie auf deine Wünsche eingehen.

      HAST DU GEWUSST ...?

      Studien haben ergeben, dass Kinder von konsequenten, aber liebevollen Eltern eher gute schulische Leistungen bringen, ein gutes Sozialverhalten haben und glücklich sind.

      DAS HABE ICH FEST VOR!

      Wenn ich eine Regel verletzt habe, werde ich sagen: ․․․․․

      So gewinne ich das Vertrauen meiner Eltern: ․․․․․

      Meinen Vater oder meine Mutter möchte ich dazu fragen: ․․․․․

      WAS DENKST DU?

      ● Warum kommen einem die Eltern manchmal überängstlich vor?

      ● Warum bist du manchmal wütend, wenn dir etwas verboten wird?

      ● Wie kannst du die Kommunikation mit deinen Eltern verbessern?

      [Herausgestellter Text auf Seite 183]

      „Als Jugendlicher denkt man, man weiß schon alles, und ist schnell genervt, wenn die Eltern einem etwas verbieten. Aber eigentlich sind die Regeln ja nur gut für einen.” Megan

      [Kasten auf Seite 186]

      Ist es wirklich unfair?

      Hast du dich schon mal gefragt, warum Eltern ihre Kinder nicht einfach alle gleich behandeln können? Fakt ist, dass Gleichbehandlung nicht immer fair ist und faire Behandlung nicht immer genau gleich. Die eigentliche Frage ist: Kommst du zu kurz, oder sind deine Eltern für dich da, wenn du Rat, Hilfe oder Unterstützung brauchst? Wenn ja, hast du dann wirklich Grund, dich ungerecht behandelt zu fühlen? Da ihr als Geschwister ganz unterschiedlich seid, ist es für eure Eltern ein Ding der Unmöglichkeit, euch alle immer gleich zu behandeln. Das ist auch Beth klar geworden. Jetzt, mit 18, sagt sie: „Mein Bruder und ich sind sehr verschieden. Man kann uns gar nicht gleich behandeln. Ich verstehe überhaupt nicht, warum ich das früher anders gesehen hab.“

      [Kasten/Bild auf Seite 189]

      Arbeitsblatt

      Rede mit deinen Eltern!

      In den letzten beiden Kapiteln ging es darum, wie du mit Kritik und Regeln besser klarkommst. Was aber, wenn du deine Eltern einfach zu streng findest? Wie kannst du sie darauf ansprechen?

      ● Warte einen Zeitpunkt ab, wo du dich gut fühlst und deine Eltern nicht so viel um die Ohren haben.

      ● Sag ganz ehrlich, was du denkst, aber mach keine Szene. Behandle deine Eltern respektvoll.

      Wenn du deine Eltern als überkritisch empfindest, kannst du sagen: „Ich geb mir so viel Mühe, alles richtig zu machen. Aber wie soll ich das schaffen, wenn ich das Gefühl hab, ich werde immer nur kritisiert? Habt ihr mal Zeit, darüber zu reden?“

      Schreib hier auf, wie du bei deinen Eltern so ein Gespräch anfangen würdest.

      ․․․․․

      ✔ TIPP: Nimm Kapitel 21, um das Eis zu brechen. Vielleicht sind deine Eltern bereit, den Stoff mit dir durchzugehen.

      Wenn du das Gefühl hast, dass dir deine Eltern zu wenig Freiheit lassen, kannst du sagen: „Ich hätte gern ein bisschen mehr Freiheit. Wie kann ich euch beweisen, dass ihr mir vertrauen könnt?“

      Schreib hier auf, wie du bei deinen Eltern so ein Gespräch anfangen könntest.

      ․․․․․

      ✔ TIPP: Lies dir Kapitel 3 in Band 1 durch. Mach dir dann eine Liste mit den Punkten, über die du gern mit deinen Eltern sprechen möchtest.

      [Bild auf Seite 184, 185]

      So, wie man das Vertrauen einer Bank gewinnen kann, kann man auch das Vertrauen der Eltern gewinnen

  • Was, wenn mein Vater oder meine Mutter suchtkrank ist?
    Fragen junger Leute — Praktische Antworten, Band 2
    • KAPITEL 23

      Was, wenn mein Vater oder meine Mutter suchtkrank ist?

      „Mein Papa wollte was am Auto machen, aber wir haben den ganzen Tag nichts von ihm gehört. Mama hat versucht ihn anzurufen. Keine Antwort. Ein bisschen später hab ich ihr besorgtes Gesicht gesehen und dass sie weggehen wollte. ‚Ich schau mal, was der Papa macht‘, meinte sie.

      Sie kam allein zurück. ‚Papa war gar nicht dort, stimmts?‘, hab ich gefragt. ‚Stimmt.‘

      Da war mir sofort klar, dass es wieder dieselbe Tour war. Mein Vater ist auf Drogen. Als er nach Hause kam, waren meine Mutter und ich total fertig. Am nächsten Tag hab ich ihn wie Luft behandelt, aber ich fühl mich immer ganz schrecklich dabei“ (Karen, 14).

      MILLIONEN Jugendliche stehen Tag für Tag unter dem Stress, mit einem suchtkranken Elternteil unter einem Dach zu leben. Falls das auf dich zutrifft, reagierst du wahrscheinlich mit Scham, Verzweiflung und sogar Aggressionen.

      Marys Vater wirkte in der Öffentlichkeit immer sehr sympathisch. Aber er war ein heimlicher Trinker. Zu Hause fluchte er herum und wurde gewalttätig. „Die Leute haben uns Kindern immer gesagt, wie froh wir sein könnten, dass wir so einen netten Vater hätten“, erzählt Mary mit einem bitteren Unterton.a

      Wie kannst du damit umgehen, wenn dein Vater oder deine Mutter suchtkrank ist?

      Was steckt dahinter?

      Es ist schon eine Hilfe, wenn du mehr über das Problem erfährst. „Der Verständige erwirbt Kenntnisse“, steht in Sprüche 1:5 (Zürcher Bibel). Informiere dich darüber, was Drogen- oder Alkoholabhängigkeit ist, wer gefährdet ist und warum.

      Alkoholiker trinken nicht einfach gelegentlich einen über den Durst, sondern leiden an einer chronischen Krankheit. Ihre Gedanken kreisen ständig um Alkohol – sie sind wie besessen davon –, und nach dem ersten Drink können sie nicht mehr stoppen. Ihre Sucht wirkt sich auf die Familie, die berufliche Existenz und die Gesundheit verheerend aus.

      Manchmal liegt eine Veranlagung vor, aber auch psychische Faktoren scheinen eine Rolle zu spielen. Viele Alkoholiker haben eine sehr negative Meinung von sich selbst (Sprüche 14:13). Manche kommen selber aus Alkoholikerfamilien und haben seelische Wunden, die sie mit Alkohol betäuben wollen. Ähnliches gilt für Drogenabhängigkeit.

      Durch Alkohol und Drogen wird natürlich alles nur noch schlimmer. Die Gedanken- und Gefühlswelt gerät dann noch mehr aus dem Gleichgewicht. Deshalb braucht dein Vater oder deine Mutter wahrscheinlich dringend professionelle Hilfe, um von der Sucht loszukommen.

      Erwarte nicht zu viel

      Davon, dass du verstehst, warum sich dein Vater oder deine Mutter so schockierend verhält, geht das Problem zwar nicht weg, aber du kannst wahrscheinlich mehr Mitgefühl aufbringen.

      Stell dir zum Vergleich vor, dein Vater hätte sich das Bein gebrochen. Du würdest jetzt bestimmt nicht erwarten, dass er mit dir Fußball spielt. Was aber, wenn er die Verletzung seiner eigenen Dummheit zuzuschreiben hätte? Du wärst enttäuscht. Aber dir wäre auch klar, dass dein Vater einfach nicht einsatzfähig ist, solange der Bruch nicht geheilt ist. Dieser Gedanke würde dir helfen, dich besser darauf einzustellen.

      Auch ein Alkoholiker oder Drogenabhängiger ist durch seine psychische und soziale Schädigung nicht richtig „einsatzfähig“. Zwar hat sich deine Mutter oder dein Vater das Problem selbst zuzuschreiben und du nimmst ihm das sicher übel; doch solange er keine Hilfe sucht, kann er einfach nicht richtig für dich sorgen. Wenn du seine Abhängigkeit als Krankheit siehst, die ihn stark einschränkt, wirst du nicht zu viel erwarten.

      Was du tun kannst

      Bis dein Vater oder deine Mutter etwas gegen das Problem unternimmt, musst du irgendwie damit leben. Aber wie kannst du die Zeit überbrücken?

      Übernimm nicht die Verantwortung. Der Suchtkranke – und nur er allein – ist für seine Situation verantwortlich. „Jeder wird seine eigene Last tragen“, heißt es in Galater 6:5. Es ist nicht deine Aufgabe, ihn zu heilen oder ihn vor den Konsequenzen seines Verhaltens abzuschirmen. Beispielsweise solltest du seinem Chef nichts vorlügen. Oder du brauchst ihn auch nicht vom Hauseingang wegzuzerren, wenn er im Vollrausch daliegt.

      Ermutige ihn oder sie, Hilfe zu suchen. Für einen Suchtkranken besteht die größte Hürde oft darin, sich das Problem einzugestehen. Ist er nüchtern und entspannt, kann ihm der Ehepartner zusammen mit einem der größeren Kinder eventuell klarmachen, wie sich sein Verhalten auf die Familie auswirkt und was er unternehmen sollte.

      Gut wäre auch, wenn er sich ein paar Fragen stellen und die Antworten dazu aufschreiben würde: Was passiert mit mir und meiner Familie, wenn ich weiter trinke oder Drogen nehme? Was passiert, wenn ich aufhöre? Was muss ich tun, damit mir geholfen werden kann?

      Geh weg, wenn sich die Lage zuspitzt. „Ehe ... der Zank ausgebrochen ist, zieh dich zurück“, rät Sprüche 17:14. Lass dich nicht in einen Streit hineinziehen, sonst bringst du dich nur in Gefahr. Zieh dich wenn möglich in dein Zimmer zurück oder geh zu Freunden. Droht Gewalt, musst du wahrscheinlich Hilfe holen.

      Fühl dich nicht schuldig. Manche Jugendliche fühlen sich wegen ihrer aufgestauten Gefühle schuldig. Es ist aber ganz normal, dass sich Aggressionen entwickeln, zumal du durch die Sucht auf viel Liebe und Unterstützung verzichten musst. Klar bist du nach der Bibel verpflichtet, deine Eltern zu ehren (Epheser 6:2, 3). Doch mit „ehren“ ist der Respekt vor einer Stellung gemeint, wie man ihn einem Polizisten oder einem Richter zollt. Es bedeutet nicht, dass man die Abhängigkeit entschuldigt (Römer 12:9). Du brauchst dich auch nicht schlecht zu fühlen, weil du den Alkohol- oder Drogenmissbrauch abstoßend findest. Fakt ist, dass so etwas einfach abstoßend ist! (Sprüche 23:29-35).

      Such dir Kontakte, die dir guttun. Wenn in der eigenen Familie Chaos herrscht, kann man das Gefühl dafür verlieren, was normal ist. Deshalb ist der Kontakt mit Menschen wichtig, die im Glauben und in ihrer Persönlichkeit stabil sind. Glaubensbrüder können dir Mut machen, dir zur Seite stehen und dir ab und zu eine Verschnaufpause von dem Stress in deiner Familie verschaffen (Sprüche 17:17). Der Umgang mit intakten christlichen Familien bildet einen Gegenpol zu deiner eigenen Situation.

      Such Hilfe. Ein reifer Erwachsener, dem du vertraust und dem du dein Herz ausschütten kannst, ist eine echte Hilfe. Die Ältesten sind immer für dich da. Die Bibel sagt, dass sie „wie ein Bergungsort vor dem Wind und ein Versteck vor dem Regensturm“ sein können, „wie Wasserbäche in einem wasserlosen Land, wie der Schatten eines wuchtigen zerklüfteten Felsens in einem erschöpften Land“ (Jesaja 32:2). Hab keine Angst und schäm dich nicht, bei ihnen Trost zu suchen und sie um Rat zu bitten.

      Schreib hier auf, welchen der sechs Schritte du als Erstes ausprobieren wirst. ․․․․․

      An der Situation bei euch zu Hause kannst du wahrscheinlich nicht viel ändern – aber daran, wie sie sich auf dich auswirkt. Denk also nicht, du müsstest den Suchtkranken beeinflussen, sondern konzentrier dich auf die Person, die du beeinflussen kannst: dich. Der Apostel Paulus legt uns nahe, auf unsere „eigene Rettung“ hinzuarbeiten (Philipper 2:12). So kannst du positiv bleiben, und für deinen Vater oder deine Mutter könnte es sogar der Anstoß sein, sich helfen zu lassen.

      IM NÄCHSTEN KAPITEL

      Was, wenn du den Eindruck hast, dass sich deine Eltern pausenlos streiten? Wie kannst du mit dem Gefühlschaos zurechtkommen?

      [Fußnote]

      a Falls du von einem alkoholabhängigen Elternteil misshandelt wirst, wäre es das Beste, Hilfe zu suchen. Rede mit einem Erwachsenen, dem du vertraust. Als Zeuge Jehovas kannst du dich an einen Ältesten oder einen anderen reifen Christen wenden.

      BIBELTEXT

      „Eines Menschen Einsicht verlangsamt sicherlich seinen Zorn“ (Sprüche 19:11)

      TIPP

      Hasse nicht deinen Vater oder deine Mutter, sondern entwickle einen gesunden Hass gegen das verkehrte Verhalten (Sprüche 8:13; Judas 23).

      HAST DU GEWUSST ...?

      In der Bibel kann sich das Wort „ehren“ einfach auf die Achtung vor einer rechtmäßigen Stellung beziehen (Epheser 6:1, 2). Seine Eltern zu ehren muss also nicht bedeuten, dass man ihr Verhalten immer gutheißt.

      DAS HABE ICH FEST VOR!

      Wenn mein Vater oder meine Mutter beleidigend oder gewalttätig wird, werde ich ․․․․․

      So kann ich meinen Vater oder meine Mutter ermutigen, Hilfe zu suchen: ․․․․․

      Meinen Vater oder meine Mutter möchte ich dazu fragen: ․․․․․

      WAS DENKST DU?

      ● Woran kann es liegen, wenn jemand suchtkrank wird?

      ● Warum bist du für die Suchtkrankheit deines Vaters oder deiner Mutter nicht verantwortlich?

      ● Kannst du an deiner Situation etwas machen? Was?

      [Herausgestellter Text auf Seite 192]

      „Meine Eltern werden mich noch öfter in eine peinliche Lage bringen, aber wenn ich auf Jehova vertraue, wird er mir die Kraft geben, das alles zu ertragen.” Maxwell

      [Kasten auf Seite 198]

      Wenn ein Elternteil kein Zeuge Jehovas mehr ist

      Was kannst du tun, wenn dein Vater oder deine Mutter nicht mehr nach der Bibel leben will oder sich sogar ganz vom Glauben lossagt?

      ● Du musst dir darüber im Klaren sein, dass Jehova nicht dich für das Verhalten deiner Eltern verantwortlich macht. Die Bibel sagt: „Jeder von uns [wird] für sich selbst Gott Rechenschaft ablegen“ (Römer 14:12).

      ● Bekämpfe die Tendenz, dich mit Jugendlichen zu vergleichen, die es besser haben (Galater 5:26). Ein junger Mann, dessen Vater die Familie im Stich gelassen hat, sagt: „Man darf darüber nicht so viel nachdenken. Es ist besser, man konzentriert sich darauf, wie man mit der Situation klarkommt.“

      ● Verweigere dem Elternteil, der kein Zeuge Jehovas mehr ist, nicht den Respekt. Halte dich an seine Anordnungen, solange du dadurch nicht mit Gottes Maßstäben in Konflikt kommst. Das Gebot, die Eltern zu ehren, gilt nicht nur für den Fall, dass sie den gleichen Glauben haben wie du (Epheser 6:1-3). Sie trotz ihrer Fehler zu ehren und zu respektieren ist ein Ausdruck der Liebe zu Jehova (1. Johannes 5:3).

      ● Halte dich eng an deine Glaubensbrüder. Bei ihnen kannst du dich wie in einer Großfamilie gut aufgehoben fühlen (Markus 10:30). David, ein junger Mann, hatte Angst, man würde ihn und andere Familienmitglieder meiden, weil sein Vater kein Zeuge Jehovas mehr sein wollte. Seine Befürchtungen waren aber unbegründet. „Wir haben uns nie ausgegrenzt gefühlt. Daran hab ich gemerkt, dass den Brüdern und Schwestern wirklich etwas an uns lag.“

      [Bild auf Seite 194]

      Wenn du die Sucht als stark einschränkende Verletzung siehst, wirst du nicht zu viel erwarten

  • Leitbild: Hiskia
    Fragen junger Leute — Praktische Antworten, Band 2
    • Leitbild: Hiskia

      Hiskia steht an einem Scheideweg. Mit nur 25 Jahren ist er schon König von Juda. Was für ein König wird er sein? Wird er dem schlechten Beispiel seines Vaters, König Ahas, folgen? Ahas war bis zu seinem Tod ein reueloser Abtrünniger gewesen. Er förderte die falsche Religion und verbrannte mindestens einen von Hiskias Brüdern auf einem heidnischen Altar (2. Chronika 28:1-4). Doch Hiskia lässt die Heuchelei seines Vaters nicht auf sich abfärben. Unbeirrt betet er Jehova an. Er fühlt sich auch nicht dazu verurteilt, die gleichen Fehler wie Ahas zu machen. Hiskia hält einfach „fest zu Jehova“ (2. Könige 18:6).

      Hast du eine Mutter oder einen Vater, der über deinen Glauben spottet, jähzornig ist oder eine Suchtkrankheit hat? Falls ja, musst du nicht die gleichen Fehler machen. Hiskia ließ nicht zu, dass seine traurige familiäre Situation sein Leben ruinierte. Aus ihm wurde ein so guter König, dass „nach ihm unter allen Königen von Juda keiner war wie er“ (2. Könige 18:5). Wie Hiskia kannst auch du trotz schlechter Startbedingungen etwas aus deinem Leben machen. Wie? Halte einfach „fest zu Jehova“.

  • Was soll ich tun, wenn meine Eltern streiten?
    Fragen junger Leute — Praktische Antworten, Band 2
    • KAPITEL 24

      Was soll ich tun, wenn meine Eltern streiten?

      Streiten sich deine Eltern manchmal in deiner Gegenwart? Wenn ja, worum geht es dann meistens?

      □ Geld

      □ Hausarbeit

      □ Verwandte

      □ Dich

      Über welche Gefühle, die du dabei hast, würdest du gern mit deinen Eltern reden? Schreib sie hier auf.

      ․․․․․

      ES IST ganz natürlich, dass dich die Auseinandersetzungen deiner Eltern belasten. Schließlich liebst du sie ja und brauchst sie. Deshalb bist du wahrscheinlich völlig fertig, wenn du sie streiten hörst. Geht es dir wie Marie? Sie sagt: „Wie soll ich Achtung vor meinen Eltern haben, wenn sie selber keine Achtung voreinander haben?“

      Die Differenzen deiner Eltern bringen dir eine schmerzliche Erkenntnis zu Bewusstsein: Sie sind nicht annähernd so perfekt, wie du dachtest. Dieser ernüchternde Gedanke kann alle möglichen Ängste hervorrufen. Falls sich deine Eltern oft und heftig streiten, machst du dir vielleicht Sorgen, dass ihre Ehe auseinanderbricht. „Wenn ich mitkriege, wie sich meine Eltern streiten“, erzählt Marie, „hab ich Angst, dass sie sich scheiden lassen und dass ich mich für einen von beiden entscheiden muss oder dass ich von meinen Geschwistern getrennt werde.“

      Aber warum streiten sich Eltern überhaupt? Und wie solltest du dich verhalten, wenn sie sich in den Haaren liegen?

      Warum sie streiten

      Wahrscheinlich kommen deine Eltern im Großen und Ganzen „in Liebe“ miteinander aus (Epheser 4:2). Doch die Bibel sagt: „Alle haben gesündigt und erreichen nicht die Herrlichkeit Gottes“ (Römer 3:23). Auch deine Eltern sind nicht perfekt. Deshalb braucht es dich eigentlich nicht zu überraschen, wenn sich Spannungen aufbauen und sich gelegentlich in einem Streit entladen.

      Du darfst auch nicht vergessen, dass wir „kritische Zeiten“ haben, „mit denen man schwer fertig wird“ (2. Timotheus 3:1). Der Druck, die Familie zu ernähren, für alle Kosten aufzukommen und einem schlechten Arbeitsklima ausgesetzt zu sein, kann eine Ehe enorm belasten. Sind beide Eltern berufstätig, ist außerdem oft die Frage, wer was im Haushalt macht, ein ewiger Streitpunkt.

      Die Auseinandersetzungen deiner Eltern sind aber nicht unbedingt ein Anzeichen dafür, dass ihre Ehe kaputtgeht. Wenn sie sich auch in manchen Punkten nicht einig sind, muss das nicht heißen, dass sie sich nicht lieben.

      Dazu ein Beispiel: Hast du schon einmal mit deinen Freunden einen Film gesehen, über den ihr hinterher absolut nicht einer Meinung wart? Das kommt vor. Selbst wenn man eng befreundet ist, sieht man manches ganz unterschiedlich. Bei deinen Eltern kann das ähnlich sein. Beide machen sich Gedanken über eure Finanzen, haben aber nicht unbedingt die gleiche Ansicht darüber, wie man mit Geld umgeht. Beide möchten in Urlaub fahren, haben aber nicht die gleiche Vorstellung davon, was Ausspannen bedeutet. Beide möchten, dass du in der Schule mitkommst, sind sich aber nicht einig, wie man dich am besten zum Lernen motiviert.

      Zwei Menschen, die sich lieben, können durchaus unterschiedliche Auffassungen haben. Allerdings ist es für dich nicht schön, wenn du dir die Auseinandersetzungen deiner Eltern mit anhören musst. Was kannst du tun oder sagen, damit du nicht zu sehr darunter leidest?

      Das solltest du tun

      Behandle sie mit Respekt. Streitende Eltern können einen ziemlich nerven. Denn eigentlich sollten die Eltern ihren Kindern ein Vorbild sein und nicht umgekehrt. Aber sie mit Verachtung zu strafen verursacht nur noch mehr Spannungen. Außerdem verlangt Jehova Gott von Kindern, ihre Eltern zu respektieren und auf sie zu hören, selbst wenn das nicht leicht ist (2. Mose 20:12; Sprüche 30:17).

      Was aber, wenn der Streit auch dich betrifft? Angenommen, ein Elternteil ist ein Zeuge Jehovas und der andere nicht. In dieser Situation können Konflikte entstehen, bei denen du zusammen mit deiner Mutter oder deinem Vater für deinen Glauben eintreten musst (Matthäus 10:34-37). Tu das immer „mit Milde und tiefem Respekt“. Durch dein gutes Beispiel kannst du den anderen vielleicht irgendwann „gewinnen“ (1. Petrus 3:1, 15).

      Bleib neutral. Was kannst du tun, wenn dich deine Eltern bei Konflikten, die dich nicht persönlich betreffen, auf ihre Seite ziehen wollen? Ergreife für keine Seite Partei. Vielleicht kannst du dich elegant aus der Affäre ziehen und sagen: „Ich hab euch beide lieb. Verlangt bitte nicht von mir, dass ich Partei ergreife. Ich glaub, das müsst ihr einfach unter euch ausmachen.“

      Versuch zu reden. Lass deine Eltern wissen, wie du dich fühlst, wenn sie streiten. Warte aber, bis du denkst, dass du auf offene Ohren stößt, und mach ihnen dann respektvoll klar, wie sehr dich ihre Auseinandersetzungen durcheinanderbringen, wütend machen oder sogar Panik bei dir auslösen (Sprüche 15:23; Kolosser 4:6).

      Das solltest du nicht tun

      Spiel nicht den Eheberater. Als Jugendlicher bist du einfach nicht qualifiziert, die Konflikte deiner Eltern zu lösen. Stell dir zum Vergleich einmal vor, du sitzt in einem Kleinflugzeug und bekommst mit, wie sich der Pilot mit dem Kopiloten streitet. Wahrscheinlich würde dich das beunruhigen. Aber was würde passieren, wenn du so überheblich wärst, den beiden Vorschriften zu machen oder sogar das Steuer zu übernehmen? Das gäbe eine Katastrophe.

      Auch in eurer Familie würde alles nur noch schlimmer werden, wenn du „das Steuer übernehmen“ und dich in die Streitigkeiten deiner Eltern einmischen würdest. In der Bibel steht: „Durch Vermessenheit [„Überheblichkeit“, Gute Nachricht Bibel] verursacht man nur Streit, aber bei denen, die sich miteinander beraten, ist Weisheit“ (Sprüche 13:10). Deine Eltern klären ihre Differenzen besser unter sich (Sprüche 25:9).

      Mach nicht mit. Zwei laute Stimmen sind schon schlimm genug. Warum den Lärmpegel noch durch eine dritte erhöhen? Ist die Versuchung auch noch so groß: Es ist Sache deiner Eltern – nicht deine –, ihre Konflikte zu lösen. Für solche Fälle gilt der biblische Rat: „Kümmert euch um eure eigenen Angelegenheiten“ (1. Thessalonicher 4:11, Gute Nachricht Bibel). Lass dich also nicht dazu hinreißen, mitzumischen.

      Spiel deine Eltern nicht gegeneinander aus. Manche Jugendliche fördern die Auseinandersetzungen noch. Wenn Mama Nein sagt, versuchen sie Papa um den Finger zu wickeln und ihm ein Ja zu entlocken. Durch raffinierte Überredungskünste bekommen sie vielleicht ein bisschen mehr Freiheit, aber die Konflikte werden sich dann nur verschärfen.

      Lass dein Verhalten nicht von ihrem Verhalten bestimmen. Peter hatte sich eine Zeit lang ziemlich unchristlich verhalten. Ihm wurde dann aber klar, dass er das nur getan hatte, um seinem Vater eins auszuwischen. „Ich wollte ihm wehtun“, sagt Peter. „Ich war furchtbar sauer auf ihn, weil er zu meiner Mutter, meiner Schwester und mir so gemein war.“ Peter bekam allerdings schnell die Folgen seines Verhaltens zu spüren. Fazit? Durch schlechtes Benehmen macht man alles nur noch schlimmer (Galater 6:7).

      Schreib hier auf, an welchem Punkt aus diesem Kapitel du am meisten arbeiten müsstest. ․․․․․

      Du kannst nicht verhindern, dass sich deine Eltern streiten. Aber mach dir bewusst, dass Jehova dir helfen kann, mit deinen Ängsten fertig zu werden (Philipper 4:6, 7; 1. Petrus 5:7).

      Setz die Anregungen aus diesem Kapitel um, so gut es geht. Vielleicht lassen sich deine Eltern ja mit der Zeit dazu bewegen, ihre Probleme ernsthaft anzugehen. Und wer weiß, ob sie am Ende nicht sogar aufhören zu streiten.

      IM NÄCHSTEN KAPITEL

      Wie kannst du als Kind eines alleinerziehenden Elternteils mit der Situation besser zurechtkommen?

      BIBELTEXT

      „Eure Rede sei stets gefällig“ (Kolosser 4:6)

      TIPP

      Wenn sich deine Eltern oft und heftig streiten, kannst du ihnen vielleicht respektvoll vorschlagen, sich von jemandem helfen zu lassen.

      HAST DU GEWUSST ...?

      Sich zu lieben heißt nicht, dass man sich in allem einig ist.

      DAS HABE ICH FEST VOR!

      Wenn meine Eltern anfangen zu streiten, werde ich ․․․․․

      Falls sie wollen, dass ich Partei ergreife, kann ich sagen: ․․․․․

      Meinen Vater oder meine Mutter möchte ich dazu fragen: ․․․․․

      WAS DENKST DU?

      ● Warum streiten sich Eltern manchmal?

      ● Warum bist du an den Problemen deiner Eltern nicht schuld?

      ● Welche Lehren kannst du aus ihrem Verhalten ziehen?

      [Herausgestellter Text auf Seite 201]

      „Wenn meine Eltern streiten, denk ich daran, dass sie auch nicht perfekt sind und genauso Probleme haben wie ich. So komm ich besser damit klar.” Kathy

      [Kasten/Bilder auf Seite 206, 207]

      Was, wenn sich meine Eltern getrennt haben?

      Wie kannst du nach der Trennung deiner Eltern ausgeglichen bleiben, auch wenn du dich innerlich zerrissen fühlst? Hier findest du einige Anregungen:

      ● Mach dir keine falschen Hoffnungen. Der erste Impuls ist oft, dass man die Eltern wieder zusammenbringen möchte. Anne erzählt: „Nach der Trennung haben wir noch ab und zu mal zusammen einen Ausflug gemacht. Meine Schwester und ich haben uns dann immer zugeflüstert: ‚Komm, wir laufen schon mal vor, damit die beiden allein sein können.‘ Das hat aber leider nicht geklappt. Sie sind nie wieder zusammengekommen.“

      In Sprüche 13:12 heißt es: „Hinausgeschobene Erwartung macht das Herz krank.“ Damit du dich nicht selber total fertigmachst, solltest du daran denken, dass du das Verhalten deiner Eltern nicht groß beeinflussen kannst. Du hast weder die Trennung verursacht noch wirst du die Ehe retten können (Sprüche 26:17).

      ● Entwickle keine Hassgefühle. Wut oder Hass schadet dir nur selbst. Tom weiß noch genau, wie es ihm mit 12 ging: „Ich war richtig wütend auf meinen Vater. Das Wort ‚Hass‘ gebrauche ich nicht gern, aber ich war echt sauer auf ihn. Ich dachte, wir bedeuten ihm überhaupt nichts, sonst wäre er ja nicht weggegangen.“

      In den seltensten Fällen ist es so, dass ein Elternteil nur der Gute und der andere nur der Böse ist. Es kann gut sein, dass deine Eltern dir nicht alles über ihre Ehe und die Trennung gesagt haben. Vielleicht verstehen sie selbst nicht richtig, warum alles so gekommen ist. Mach dich also nicht zum Richter, wenn du nicht alle Fakten kennst (Sprüche 18:13). Natürlich kann man die Wut nur schwer unterdrücken, und es ist ganz normal, wenn du eine Zeit lang total durcheinander bist. Aber Wut und Rachegefühle können dich innerlich zerfressen. Die Bibel rät: „Lass dich nicht von Zorn und Wut überwältigen“ (Psalm 37:8, Hoffnung für alle).

      ● Sei realistisch. Manche Jugendliche verfallen genau ins andere Extrem und bewundern den Elternteil, der weggegangen ist. Der Vater eines Jungen trank und war ständig hinter Frauen her. Er hatte die Familie schon wiederholt verlassen und ließ sich letzten Endes scheiden. Doch dieser Jugendliche kann sich noch gut erinnern, dass er seinen Vater fast vergötterte.

      Eine solche übersteigerte Bewunderung ist keine Seltenheit. In manchen Regionen leben rund 90 Prozent der Scheidungskinder bei der Mutter und der Vater hat Umgangsrecht. Die Mutter muss sich dann mit den Alltagssorgen herumschlagen und ist für die Erziehung zuständig. Trotz der Unterhaltszahlungen geht es ihr jetzt wahrscheinlich finanziell wesentlich schlechter, dem Vater dagegen besser. Was heißt das in der Praxis? Ein Besuch bei Papa bedeutet Geschenke und Spaß, während man bei Mama jeden Cent umdrehen muss und gesagt bekommt, was man zu tun und zu lassen hat. Leider wollen manche Jugendliche lieber bei dem Elternteil leben, der mehr Geld hat und mehr durchgehen lässt, auch wenn er kein Zeuge Jehovas ist (Sprüche 19:4).

      Falls du auch versucht bist, dich so zu entscheiden, dann denk darüber nach, was dir wichtig ist. Übersieh nicht, dass du moralische Anleitung und Erziehung brauchst. Nichts, was man dir sonst bieten könnte, wirkt sich so nachhaltig auf deinen Charakter und deine Lebensqualität aus (Sprüche 4:13).

      [Bild auf Seite 202, 203]

      Wenn du deinen Eltern sagst, wie sie ihre Konflikte lösen sollen, ist das so, als würde ein Passagier den Piloten Vorschriften machen

  • Kann ich glücklich sein, wenn ein Elternteil fehlt?
    Fragen junger Leute — Praktische Antworten, Band 2
    • KAPITEL 25

      Kann ich glücklich sein, wenn ein Elternteil fehlt?

      „Andere haben ein eigenes Zimmer und immer neue Klamotten. Ich muss mein Zimmer teilen und bekomme fast nie Sachen, die mir gefallen. Mama meint, wir können uns das nicht leisten. Manchmal komm ich mir wie eine Putze vor, weil ich zu Hause so viel machen muss, solange sie auf der Arbeit ist. Ich kann gar kein richtiges Kind sein“ (Shalonda, 13).

      GANZ KLAR, eine liebevolle Familie mit beiden Eltern ist das Ideale. Vater und Mutter zusammen können die Kinder normalerweise besser anleiten, beschützen und fördern. „Zwei haben es besser als einer allein“, sagt die Bibel, „denn zusammen können sie mehr erreichen“ (Prediger 4:9, Hoffnung für alle).

      Allerdings kann man mit ein bisschen Übertreibung schon fast sagen, dass die Familie mit beiden Elternteilen am Aussterben ist. In den USA zum Beispiel leben mehr als die Hälfte der unter 18-Jährigen zumindest eine Zeit lang bei einem alleinerziehenden Elternteil.

      Trotzdem schämen sich manche Kinder Alleinerziehender für ihre Situation oder sie fühlen sich durch die täglichen Probleme und Belastungen überfordert. Geht es dir auch so? Dann schreib hier auf, was dich am meisten belastet.

      ․․․․․

      Sind dir alle Chancen verbaut, weil dir die volle Aufmerksamkeit und Liebe eines Elternteils fehlt? Auf keinen Fall. Viel hängt von deiner Sichtweise ab. In Sprüche 15:15 heißt es: „Alle Tage des Niedergedrückten sind schlecht; aber wer guten Herzens ist, hält beständig Festmahl.“ Dieses Sprichwort sagt aus, dass es oft mehr eine Sache der Einstellung als der Umstände ist, wie man sich fühlt. Was kannst du tun, damit du trotz deiner Situation „guten Herzens“ bist?

      Bekämpfe negative Gefühle

      Lass dich durch die negativen Kommentare anderer nicht verunsichern. Es gibt Lehrer, die Kindern Alleinerziehender total unsensibel begegnen. Jeden Anflug von schlechtem Benehmen führen sie auf die familiäre Situation zurück. Falls du so etwas schon einmal erlebt hast, frag dich: „Kennt derjenige mich und meine Familie überhaupt? Oder plappert er nur nach, was er von anderen über solche Familien gehört hat?“

      Interessanterweise kommt in der Bibel ziemlich oft der Ausdruck „vaterloser Knabe“ vor. Er wird aber nie abfällig gebraucht. An fast allen Stellen erkennt man, wie sehr Jehova um Kinder Alleinerziehender besorgt ist.a

      Es gibt allerdings auch die Übervorsichtigen, die es zu gut meinen und zögern, in deiner Gegenwart Wörter wie „Vater“, „Ehe“, „Scheidung“ oder „Tod“ in den Mund zu nehmen, weil sie dich nicht verletzen oder in Verlegenheit bringen wollen. Stört dich so etwas? Dann erklär ihnen freundlich, dass du damit kein Problem hast. Tony (14) hat seinen Vater nie kennengelernt. Er erzählt, dass sich manche Leute bei bestimmten Wörtern auf die Zunge beißen. Doch Tony geht dann in die Offensive und benutzt diese Ausdrücke erst recht. „Sie sollen ruhig wissen, dass ich mich für meine Situation nicht schäme“, sagt er.

      Denk nicht: „Was wäre, wenn ...“

      Nach einer Scheidung oder dem Tod deines Vaters oder deiner Mutter ist es das Normalste auf der Welt, dass du über den Verlust trauerst. Doch irgendwann musst du die Situation akzeptieren. Die Bibel gibt den Rat: „Frag nicht: ‚Warum war früher alles besser?‘!“ (Prediger 7:10, Hoffnung für alle). Die Eltern der 13-jährigen Sarah ließen sich scheiden, als sie 10 war. Ihr Tipp: „Denk nicht ständig ‚Was wäre, wenn ...‘ Das macht dich nur fertig. Und denk auch nicht, alle deine Probleme hätten mit deiner Situation zu tun oder Kinder mit beiden Eltern hätten es immer nur gut.“ Das ist ein wertvoller Hinweis. Denn selbst in der „idealen“ Familie läuft nicht alles ohne Probleme.

      Versuch doch einmal, deine Familie als Team von Ruderern zu sehen. Im Idealfall ist die Mannschaft vollzählig. Doch in deiner Familie fehlt ein Ruderer und ihr anderen müsst euch etwas mehr anstrengen. Seid ihr deswegen aus dem Rennen? Nein. Solange in der restlichen Mannschaft jeder seinen Teil tut, kommt das Boot voran und wird das Ziel erreichen.

      Tust du deinen Teil?

      Wie kannst du ganz konkret deinen Teil tun, damit ihr alle vorwärtskommt? Hier drei Tipps:

      Lerne sparen. Viele Alleinerziehende haben große Geldsorgen. Wie kannst du es deiner Mutter oder deinem Vater leichter machen? Lassen wir Tony noch mal zu Wort kommen: „Die anderen weigern sich, in die Schule zu gehen, wenn ihre Eltern ihnen nicht bestimmte Turnschuhe und andere Markenklamotten kaufen. Ich hab keine Designerklamotten, aber meine Sachen sind sauber und ordentlich und ich pass auf sie auf. Meine Mutter gibt sich so viel Mühe und ich will es ihr nicht noch schwerer machen.“ Vielleicht kannst du die Sichtweise des Apostels Paulus übernehmen. Er sagte: „Ich habe gelernt, in jeder Lage zurechtzukommen. ... mit jeder Lage bin ich vertraut“ (Philipper 4:11, 12, Gute Nachricht Bibel).

      Sparen kann man auch dadurch, dass man nichts verschwendet (Johannes 6:12). Rodney meint dazu: „Ich pass auf, dass ich nichts kaputt mache oder verliere, weil Reparaturen oder Neuanschaffungen viel Geld kosten. Elektrogeräte oder Lampen, die gerade nicht gebraucht werden, schalte ich meistens aus. So sparen wir Stromkosten.“

      Ergreif die Initiative. Viele Alleinerziehende tun sich schwer damit, Regeln durchzusetzen oder ihre Kinder zum Mithelfen aufzufordern. Warum? Manche denken, sie müssten ihre Kinder für das Fehlen des anderen Elternteils entschädigen, und versuchen deshalb, es ihnen so leicht wie möglich zu machen. Sie wollen nicht, dass ihre Kinder auf etwas verzichten müssen.

      Solche Schuldgefühle könnte man jetzt natürlich ausnutzen. Aber dann hätte es deine Mutter oder dein Vater noch schwerer. Wie wäre es, die Initiative zu ergreifen und dich nützlich zu machen? Tony sagt dazu: „Meine Mutter arbeitet im Krankenhaus und ihre Arbeitskleidung muss gebügelt sein. Das übernehme ich für sie.“ Was meint er zu der Bemerkung, das sei doch Frauenarbeit? „Kann schon sein. Aber so hat es Mama leichter, und deswegen mach ich das einfach.“

      Zeig deine Dankbarkeit. Außer durch praktische Hilfe kannst du deiner Mutter oder deinem Vater auch dadurch Auftrieb geben, dass du deine Dankbarkeit zeigst. Eine alleinerziehende Mutter erzählt: „Wenn ich nach einem besonders harten Arbeitstag fix und fertig nach Hause komme, hat meine Tochter gerade dann oft schon das Abendessen gemacht und den Tisch gedeckt. Und mein Kleiner drückt mich ganz fest.“ Wie berühren sie diese lieben Gesten? „Ich bin dann wie ausgewechselt“, sagt sie.

      Schreib hier auf, an welchem der drei Punkte du noch am meisten arbeiten müsstest. ․․․․․

      Als Kind eines alleinerziehenden Elternteils kannst du unter anderem lernen, mitfühlend, selbstlos und zuverlässig zu sein. Außerdem sagte Jesus: „Beglückender ist Geben als Empfangen“ (Apostelgeschichte 20:35). Geben bedeutet in deinem Fall, deiner Mutter oder deinem Vater zu helfen – und das kann dich sehr glücklich machen.

      Natürlich wirst du dich immer mal wieder danach sehnen, beide Eltern bei dir zu haben. Doch du kannst lernen, das Beste aus deiner Lage zu machen. Das hat auch Nia festgestellt. „Nach dem Tod meines Vaters hat jemand zu mir gesagt: ‚Dein Leben ist das, was du daraus machst.‘ Das hab ich mir gemerkt. Es zeigt mir, dass ich meiner Situation nicht hilflos ausgeliefert bin.“ Diese Überlegung kann auch dir weiterhelfen. Denk daran: Nicht deine Lebensumstände machen dich glücklich oder unglücklich. Entscheidend ist deine Sichtweise und was du aus deinem Leben machst.

      MEHR ZU DIESEM THEMA IN BAND 1, KAPITEL 4

      [Fußnote]

      a Siehe zum Beispiel 5. Mose 24:19-21 und Psalm 68:5.

      BIBELTEXT

      „Denkt nicht immer zuerst an euch, sondern kümmert und sorgt euch auch um die anderen“ (Philipper 2:4, Hoffnung für alle)

      TIPP

      Hast du das Gefühl, dir wird alles zu viel? Dann könntest du deine Mutter oder deinen Vater taktvoll bitten

      ● einen Plan mit den Arbeiten aufzustellen, die jeder zu tun hat,

      ● den Plan flexibel zu halten und nach Bedarf umzustellen.

      HAST DU GEWUSST ...?

      Wenn du zu Hause Verantwortung übernimmst, kannst du schneller erwachsen werden als Jugendliche, die beide Eltern haben und deswegen vielleicht nicht so gefordert sind.

      DAS HABE ICH FEST VOR!

      Negative Gefühle kann ich so bekämpfen: ․․․․․

      Wenn sich jemand übervorsichtig verhält, werde ich sagen: ․․․․․

      Meinen Vater oder meine Mutter möchte ich dazu fragen: ․․․․․

      WAS DENKST DU?

      ● Warum haben manche Leute Vorurteile gegenüber Kindern von Alleinerziehenden?

      ● Warum bittet dich deine Mutter oder dein Vater vielleicht nur ungern, bei der Hausarbeit mitzuhelfen?

      ● Wie kannst du deiner Mutter oder deinem Vater deine Dankbarkeit zeigen?

      [Herausgestellter Text auf Seite 211]

      „Seit der Scheidung kann ich mit meiner Mutter echt gut reden. Wir sind richtige Freundinnen geworden.” Melanie

      [Bild auf Seite 210, 211]

      Fühlt ihr euch auch wie ein Team von Ruderern, bei dem einer fehlt? In so einem Fall müssen sich alle etwas mehr anstrengen – aber dann kann es klappen

  • Mein Tagebuch: Die Eltern
    Fragen junger Leute — Praktische Antworten, Band 2
    • TEIL 6

      Mein Tagebuch: Die Eltern

      Schreib auf, was dir zu Hause am meisten Probleme macht und warum dich gerade das so belastet.

      ․․․․․

      Wie wirst du dieses Problem angehen, nachdem du jetzt Teil 6 gelesen hast?

      ․․․․․

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