Junge Leute fragen sich:
Wie soll ich es meinen Eltern sagen?
„Wenn ich mit einer schlechten Note nach Hause komme, möchte ich es meinen Eltern sagen, aber ich kann nicht, denn wenn ich es ihnen sage, schreien sie mich an“, berichtet die 13jährige Benita.
DIE Schriftstellerin Ruth Bell erklärt: „Jugendliche neigen dazu, unüberlegt zu handeln. Aber das führt manchmal dazu, daß sie in Schwierigkeiten geraten, und dann möchten sie gern, daß ihnen ihre Eltern aus der Patsche helfen.“ Doch ob es sich um schlechte Noten, einen Jugendstreich, der ins Auge gegangen ist, ein Versäumnis, die Anweisungen der Eltern zu befolgen, oder um ein schweres moralisches Problem handelt — es ist immer unangenehm, den Eltern davon zu berichten.
Es graut dir vielleicht davor, deinen Eltern eine schlechte Nachricht zu überbringen — besonders wenn du selbst etwas falsch gemacht hast. Der Gedanke, „ins Kreuzverhör genommen zu werden“, mag dich unangenehm berühren. Die 18jährige Willa sagt: „Wenn ich ihnen etwas erzähle, hören sie nicht mehr auf, Fragen zu stellen. Es ist so, als ob man die Büchse der Pandora öffnet.“ Wahrscheinlich wünschst du dir auch, es gäbe eine Möglichkeit, der unvermeidbaren — und vielleicht peinlichen — Strafe zu entgehen. Aber am schlimmsten ist der Gedanke, deine Eltern zu enttäuschen. Ein Jugendlicher namens Vince erklärt: „Ich hatte immer das Gefühl, daß meine Eltern großes Vertrauen in mich setzten, weshalb es mir schwerfiel, mich an sie zu wenden, denn ich wollte sie nicht verletzen.“
Aber eine schlechte Nachricht breitet sich schnell aus. Und deine Eltern kennen dich wahrscheinlich so gut, daß sie oft herausfinden, wenn etwas nicht stimmt, selbst wenn du versuchst, es, so gut es geht, zu verheimlichen. Deinen Eltern nichts zu sagen zögert das Unvermeidbare also nur hinaus. (Vergleiche Sprüche 28:13.) Die Frage ist: Wie sagst du es ihnen?
Keiner ist vollkommen
Beachte zuerst, was die Bibel über Fehler sagt: „Alle haben gesündigt und erreichen nicht die Herrlichkeit Gottes“ (Römer 3:23; 5:12). Einige Fehler macht man aus Unwissenheit, andere aus Unvorsichtigkeit. Zugegeben, manchmal weiß jemand, daß das, was er tut, verkehrt ist. Wie dem auch sei: Fehler sind ein Teil unseres Lebens.
Wie denkst du jedoch über jemand, dem es schwerfällt, einen Fehler zuzugeben? Würde er nicht in deiner Achtung steigen, wenn er schließlich offen und ehrlich sagen würde: „Es tut mir leid, ich sehe ein, daß ich falsch gehandelt habe.“? Desgleichen mögen deine Eltern über deinen Fehler ärgerlich sein. Aber daß du demütig genug warst, ihn zuzugeben, mag ihren Zorn beschwichtigen.
Die richtige Zeit
Häufig hängt die Reaktion deiner Eltern auch davon ab, wie und wann du ihnen etwas sagst. Die Bibel spricht von einem „Wort, geredet zur rechten Zeit dafür“ (Sprüche 25:11; vergleiche Prediger 3:1, 7). Natürlich sollte man nichts hinausschieben. Vince erklärt: „Ich habe festgestellt, daß es die Sache nur noch schlimmer macht, wenn man wartet.“ Doch falls möglich, sprich mit deinen Eltern, wenn sie gut gelaunt und zugänglich sind. Die 16jährige Latia drückt dies wie folgt aus: „Ich spreche nie mit meiner Mutter über solche Dinge, wenn sie beschäftigt ist, weil sie mich dann entweder nicht ausreden läßt oder ärgerlich wird.“ Der 15jährige Kelly rät: „Warte einen Zeitpunkt ab, wenn die Probleme deiner Eltern am kleinsten zu sein scheinen, damit du nicht noch zu ihren Sorgen beiträgst.“
Wann wäre ein günstiger Zeitpunkt? Der 18jährige Chris erklärt: „Ich warte bis zum Abendessen, und dann sage ich meinem Vater, daß ich ihn sprechen muß.“ Der Sohn einer alleinerziehenden Mutter versuchte es zu einer anderen Zeit: „Gewöhnlich redete ich mit meiner Mutter, kurz bevor wir schlafen gingen. Sie war dann entspannter. Wenn sie von der Arbeit nach Hause kam, war sie völlig erschöpft.“
Wende dich zu einem günstigen Zeitpunkt an deine Eltern. Vielleicht könntest du sagen: „Mama und Papa, mich beunruhigt etwas.“ Was aber, wenn sich kein passender Augenblick ergibt oder deine Eltern anscheinend zu beschäftigt sind, sich um dich zu kümmern? Sei verständnisvoll. Daß sie zu beschäftigt sind, um zu bemerken, daß du ein Problem hast, bedeutet nicht, daß sie sich nicht um dich kümmern wollen. Du kannst zum Beispiel sagen: „Ich weiß, ihr habt viel zu tun, aber etwas beunruhigt mich wirklich. Könnten wir uns darüber unterhalten?“ Wenn sie dir dann zuhören, könntest du fragen: „Habt ihr schon einmal etwas getan und euch dann so geschämt, daß ihr gar nicht darüber sprechen wolltet?“ Dadurch wird deinen Eltern folgendes klar: 1. Du nimmst die Sache ernst. 2. Es fällt dir schwer, darüber zu sprechen. 3. Du bedauerst aufrichtig, was geschehen ist.
‘Rede die Wahrheit’
Jetzt kommt der schwierigste Teil: deinen Eltern zu sagen, was du falsch gemacht hast. Aus einem Gleichnis Jesu können wir in dieser Hinsicht viel lernen. In Lukas 15:11-32 lesen wir über den Sohn eines gewissen Mannes, der eines Tages von zu Hause wegging, um unabhängig zu sein. Aber der verschwenderische junge Mann verpraßte sein ganzes Geld und führte ein unsittliches Leben. Nachdem er so tief gesunken war, kam er zur Besinnung und beschloß, zu seinem Vater zurückzukehren in der Hoffnung, wieder aufgenommen zu werden. Doch wie ging er vor? Versuchte er schlauerweise, sein Unrecht vor seinem Vater zu verbergen oder die Schwere seiner Sünde herunterzuspielen? Im Gegenteil. Das erste, was er zu seinem Vater sagte, war: „Vater, ich habe gegen den Himmel und gegen dich gesündigt. Ich bin nicht mehr würdig, dein Sohn genannt zu werden.“ Ja, er sagte demütig und offen die Wahrheit. Er bat seinen Vater nicht, er möge ihn nicht bestrafen, sondern bat nur um Vergebung.
Wie reagierte der Vater? Zur Überraschung des jungen Mannes blieb die erwartete Zurechtweisung aus. Offensichtlich war der Vater so fest von der aufrichtigen Reue seines Sohnes überzeugt, daß er es nicht für nötig hielt, ihn zu bestrafen. Wenn du dich demütig und ehrlich an deine Eltern wendest, kann ihnen das ebenfalls helfen, zu erkennen, daß du aus deinem Fehler gelernt hast. Dies bedeutet jedoch nicht notwendigerweise, daß du der Strafe entgehen wirst. In einigen Fällen ist eine harte Bestrafung wohlverdient. In der Bibel heißt es: „Die Rute und Zurechtweisung sind das, was Weisheit gibt“ (Sprüche 29:15). Offenbare die richtige Einstellung zur Zucht: „Allerdings scheint jede Züchtigung für die Gegenwart nicht erfreulich, sondern betrüblich zu sein; nachher aber trägt sie denen, die durch sie geübt worden sind, eine friedsame Frucht ein, nämlich Gerechtigkeit“ (Hebräer 12:11).
Die Bibel ermahnt uns außerdem, ‘die Wahrheit zu reden’ (Epheser 4:25). Wenn du auch vielleicht versucht bist, einige unerfreulichere Einzelheiten zu verschweigen, sage deinen Eltern die ganze Wahrheit. Gebrauche Worte, die sie verstehen, und nicht Ausdrücke, mit denen nur junge Leute etwas anfangen können. Zeige deinen Eltern, daß du ihnen vertraust. Zweifellos wird sie dein ernsthaftes Bemühen, die Sache in Ordnung zu bringen, tief beeindrucken. (Vergleiche 2. Korinther 7:11.)
„Wie konntest du uns das nur antun!“
Natürlich sind nicht alle Jugendlichen in der günstigen Lage, christliche Eltern zu haben. Aber selbst wenn Eltern die Früchte des Geistes, wie zum Beispiel Milde und Selbstbeherrschung, hervorbringen, kann es trotzdem vorkommen, daß sie auf dein Geständnis zuerst sehr energisch reagieren (Galater 5:22, 23). Wahrscheinlich fühlen sie sich mit Recht verletzt und sind enttäuscht, besonders wenn es sich um ein schweres Unrecht handelt. Sei also nicht überrascht oder aufgebracht, wenn du mit einem emotionsgeladenen Wortschwall überschüttet wirst. Hättest du ihre früheren Warnungen beachtet, wärst du zweifellos nicht in dieser Lage. Interessanterweise kommt der 21jährige Nathan zu folgendem Schluß: „Der Gefühlsausbruch deiner Eltern kann ein Hinweis darauf sein, wie sehr sie um dich besorgt sind.“
Bleibe ruhig, was auch immer geschieht (Sprüche 17:27). Höre deinen Eltern zu, und beantworte jede ihrer Fragen. Nimm jede Zucht an, die sie für nötig halten, und denke daran, daß der Psalmist David schrieb: „Sollte der Gerechte mich schlagen, es wäre liebende Güte“ (Psalm 141:5). Sei entschlossen, diesen Fehler nie wieder zu machen.
Trotzdem wird dies nicht das letzte Mal sein, daß du die Hilfe und den wohlüberlegten Rat deiner Eltern benötigst. Mache es dir zur Gewohnheit, dich auch bei kleinen Problemen deinen Eltern anzuvertrauen, so daß du, wenn große Probleme entstehen, keine Angst hast, dich an sie zu wenden und ihnen zu sagen, was du auf dem Herzen hast.
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Wähle einen Zeitpunkt aus, wenn deine Eltern gut gelaunt und zugänglich sind