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Sarajevo — Von 1914 bis 1994Erwachet! 1994 | 8. November
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Seit den verhängnisvollen Schüssen, die am 28. Juni 1914 in Sarajevo fielen, sind 80 Jahre ins Land gegangen. Nach den Schüssen, die Erzherzog Franz Ferdinand und seine Gemahlin Sophie niederstreckten, spitzte sich die Feindschaft zwischen Österreich-Ungarn und Serbien derart zu, daß es zum Ersten Weltkrieg kam. Von den 65 Millionen jungen Männern, die aufs Schlachtfeld geschickt wurden, kehrten rund 9 Millionen nicht zurück. Die Opfer unter der Zivilbevölkerung mitgerechnet, wurden alles in allem 21 Millionen Menschen getötet. Noch heute spricht man bisweilen vom Ausbruch jenes Krieges im August 1914 als von der Zeit, in der „die Welt wahnsinnig wurde“.
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Sarajevo — Von 1914 bis 1994Erwachet! 1994 | 8. November
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Wie uns die Geschichte berichtet, gehörten die südslawischen Gebiete Slowenien, Kroatien sowie Bosnien und Herzegowina zur Zeit des Attentats auf Franz Ferdinand im Jahr 1914 der österreichisch-ungarischen Monarchie an. Serbien dagegen, das 1878 die Unabhängigkeit erlangte, war ein Königreich, das von Rußland tatkräftig unterstützt wurde. Viele Serben lebten jedoch in den von Österreich-Ungarn beherrschten Gebieten, weshalb es Serbien sehr daran gelegen war, daß Österreich-Ungarn alle besetzten Gebiete auf der Balkanhalbinsel aufgab. Obschon zwischen Kroatien und Serbien Konflikte bestanden, war man sich in einem Wunsch einig: die verabscheute Fremdherrschaft loszuwerden. Nationalisten träumten davon, alle Südslawen in einem Königreich zu vereinen. Die Serben waren die stärkste Triebkraft, wenn es um die Bildung eines solchen unabhängigen Staates ging.
Kaiser Franz Joseph war damals 84 Jahre alt. Bald sollte ihm Erzherzog Franz Ferdinand auf den Thron folgen. Die serbischen Nationalisten betrachteten den Erzherzog als ein Hindernis für die Verwirklichung ihres Traums von einem südslawischen Königreich.
Eine Reihe junger Studenten in Serbien war von der Idee eines freien südslawischen Staates besessen, und sie waren bereit, dafür zu sterben. Mehrere Jugendliche wurden für die Aufgabe ausgewählt, den Erzherzog zu ermorden. Sie wurden von der „Schwarzen Hand“, einem nationalistischen serbischen Geheimbund, ausgebildet und mit Waffen versorgt. Zwei der Jugendlichen verübten einen Mordanschlag, und einem von ihnen glückte er. Der Jugendliche hieß Gavrilo Princip. Er war 19 Jahre alt.
Das Attentat bewirkte letztlich das, was die Täter wollten. Nach dem Ersten Weltkrieg war die österreichisch-ungarische Monarchie aufgelöst, und Serbien konnte die Führung dabei übernehmen, die Slawen zu einem Königreich zu vereinen. 1918 proklamierte man das „Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen“. Der Name wurde 1929 auf „Jugoslawien“ abgeändert. Als sich die verschiedenen Gruppen jedoch nicht mehr in ihrer gemeinsamen Feindschaft gegenüber Österreich-Ungarn zu vereinigen brauchten, traten zwischen ihnen Differenzen zutage. Es gab fast 20 verschiedene Völker in Jugoslawien, vier Amtssprachen und noch mehrere andere Sprachen, zwei unterschiedliche Alphabete (das lateinische und das kyrillische) und drei Hauptreligionen — die katholische, die muslimische und die serbisch-orthodoxe. Die Religion ist nach wie vor einer der hauptsächlichen entzweienden Faktoren. In dem neu gebildeten Staat gab es somit vieles, was eine lange Tradition hatte und nun entzweiend wirkte.
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